Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-09-04 · Heft 71 (4.9.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 71 (4.9.1934)
Date
1934-09-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653519--25710-2682865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71, 4, IX, m Oesamtjudentum. Wir beobachten auch, daß nichts die Juden aller Länder, ohne daß sie selbst hinzugehen die Absicht haben, so interessiert, wie eine möglichst genaue Schilderung des äußeren und inneren Lehens der palästincnsischen Jmk-nlieit. Nicht nur weil immer mehr jüdisehe Familien Angehörige oder enge Freunde in Pa* lästina haben, verfolgen sic die dortigen Entwicklungen, sondern weil diese Kenntnis heute unentbehrlich zu einem vollen Bild des Judentums gehört. An den meisten Stellen der übrigen Welt gibt cs jüdisches Leben nur im Surrogat, in Palästina ist melir. Und wenn wir mit vielem, was dort geschieht, nicht einverstanden sind, 80 ist unsere Verantwortung um so größer. Palästina ist aus dem jüdischen Gesichtskreis eines modernen Juden nicht wegzudenken. Dies alles zu erarbeiten, ist natürlich eine sehr schwere Aufgabe, besonders wo Leute jeder genug private Sorgen hat. Aber je schwieriger die Verhältnisse, um so stärkere Kräfte müssen am Werke sein. Und diese Kräfte werden genährt von der Macht der Begeisterung, die uns von jenen zuströmt, die aus innerem Ringen zu jüdischem Erleben gelangt sind, und mm von Stufe zu Stufe gclicn. *Jüdische״ Kultur in Italien ln den letzten Tagen hüben mehrere deutsche Zeitungen sich mit großer Entschiedenheit Regen die Auslassungen der italienischen Presse gewandt. Es licet auf der Hand, daß die bedauerliche Polemik zwischen italienischer und deutscher Presse politische Ursachen hat, auf die ciiizugehen nicht unsere Sache Ist. Aber ebenso klar ist, daß diese Angelegenheit nicht das geringste mit jüdischen Dingen zu tun hat. Trotzdem bringt der Leitartikel der ,,Deut« sehen Zeitung1' vom 30. August von Dr. Werner Petersen auch hierbei die Rede auf die Juden. Es werden dort die tiefen Unterschiede zwischen Nationalsozialismus und Fasehis* inus charakterisiert, und zwar heißt cs: ,.Der 1 '1 ׳)!.׳!schied der Iniiku Auff.i-snugcii tritt 11.'11(|>ts;irl11i> h br-omlcrball au! dem C.i’bict der K.iuvil• und damit, auch der Kult111|>0)hik in die ICrsrlu-iiiung. Wahrend wir in Dculschtnml bestrebt >ind, den zersel/.intieii Einfluß 11er jüdischen Gegenfasse in Kun.l, Literatur und Wivseiisehuft niiSKtiselialten. sind die Juden in Italien In'sondi r. au( den eben gemiuntcn Gebieten (genau so wie in du־ Wirtschaft) nicht mir geduldet, sondern in leitenden Und zum Teil in fühlenden StclUmjjen.“ Anschließend an diese Feststellung wird dargclcgt, daß die ״von Juden stammende“ futuristische Kunst in Italien besondere Forderung gewonnen habe. Den Italienern wird ge• sagt: ״Wenn diese Herren glauben, daß nur die Juden Kultur besitzen, gut, so mögen sic jüdische Kultur pflegen. Wir unsererseits danken dafür." wir glauben ח i c 111, daß jemand in Italien behauptet hat, daß ״nur die Juden Kultur besitzen“. Wir wünschen auch nicht, daß irgend jemand zu dieser absurden Meinung komme. Ueber künstlerische Fragen gibt es natürlich sehr verschiedene Urteile. Wir kennen viele Juden, die von der futuristischen Kunst Italiens, die vor einiger Zeit mich in Berlin zu selten war, nicht begeistert sind, und es gibt viele Nichtjiidcn, die diese Kunst, die übrigens keineswegs von Juden herstammt, lobe». Diese Verschiedenheit der Urteile und def ästhetischen Auffassung hängt von der Qrimdeinstcllung des Betrachters ah. Die Juden frage kann hier nur sehr an den Haaren herbeigezogen werden. '׳ f <־'! 1 C 111 der Londoner ״Times“ veröffentlicht der berühmte englische Archäologe Sir F 1 i 1t d e r s Petri e einen Brief über die rassische Zusammensetzung der Juden, worin er die These vertritt, daß die Juden ein R n s s c n ge m i s c 1( darsteilen, das nur durch die Religionsgemeinschaft zusammengehalten wurde. Auf Grund «einer kürzlich durcliReführtcn Ausgrabungen in Oa/a, Südpniüstma (über die itt der ״Jiid. Rundschau“ berichtet wurde), ist Pettie zu der Ueberzettguug gekommen, daß die blonden und blauäugigen Amoritcr des Kiipfcrzcitnitors um das Jahr 3000 v. (ihr. Im Bronze- Zeitalter von den Kanaanitern, die aus dem Kaukasus kamen, 111 die I lüge! gedrängt wurden. Dann drangen noch aus der Kaspischen Senke die Hyksos ein. 111 dieses Clcmisch kam dann tun ISO() aus dein Irak die!nächtige Familie, deren Haupt Ahn 11t war, Audi die blonden Philister traten hitizit. Der Zusammenhang all dieses Gemisches von auch äußerlich scltr verschiedenen Typen entstand durch ihre A11nähme des Pentateuch, Die Juden haben sich dann weiter in Babylon und Aegypten in der hellenistischen Zeit vermischt, ebenso im römischen Weltreich und in Spanien. Die, welche in Palästina als Bauern blieben, sind di« Ahnen der gegenwärtigen Bevölkerung Palästinas. Fi Inders Petri e meint, daß die Juden ebenso wie die Engländer Eigenschaften besitzen, die aus verschicdenen rassischen Quellen herrüliren. Die Juden und die Engländer seien Beispiele für die Vorteile einer gemischten Ahnenschaft. Die durch den bekannten Brief von Sir John Simon!!(geworfene Fragtdes Gebrauches des Wortes ״arisch“ gibt!et ״Times“ Anlaß zu einem Leitartikel am 1. Sepa deg tomber, worin ausgeführt wird, daß die Umschreib״״״ j Rassenbegriffe und insbesondere der Gebrauch der 1׳ arisch und semitisch schwankend und wissenschaftlich stritten seien. Die Rnssentnischungeu der letzten lahrlm״'*'* machen e» sehr schwer, zu klaren Resultaten zu kommי ,״ Kasse sei aber nicht die einzige Form, Zu*.1mmcnEth״Q1 von Menschen fcstzti-ddlcn. Bisher galt als die gehn0 1,1 ״״' Klassifizierung der Menschen die Nationalität (Staat.!,״.' scimft). Aber nuclf das!st erst eine seit kurzem iihu Methode und dabei werden sehr verschiedenartige ז״״ו",;? olt zusammcitgcfafit. Die Zeit des Weltverkehrs und der 17? *י niselien Annäherung: der Länder hat »lieht, wie man o״״, hatte, ein Weltbürgertum erzeugt, sondern im Gegenteil J Betliirfnis naclt Separation scheint tief eingewurzelt r« , und cs bestelle heute die Möglichkeit, daß tandesgrenzrnT' der Mode kommen und man wieder die unbezwetfelbite 7 «aniinengehängkeit von Stämmen, Clans, Totem und ״״״ archaischer Abkunft anerkennt. "׳ Interessant Ist aitclt eine Zuschrift, die am 31.Auen׳)״ der ״Times“ veröffentlicht wird und worin eine Erinnern® an die Zeit vor 4(1 oder 5(1 Jahren mitgeteilt wird ,} Pastor Stöcker aus Deutschland nach England kam, um'!!‘- eine antisemitische Kampagne durchzulührcn. Damals k־h sich die ״Times“ gegen diese Propaganda ausgetprock״ und eine Berliner Zeitung sei es gewesen, die himioiBtiQ erklärt habe, die Gegnerschaft der ״Times“ sei wohl d1ds״s zu erklären, daß das Wort von hinten gelt«!״ ״Seinit“ heißt. Aber auch damals, fügt der KorrewoBi״! hinzu, war die ״Times““ genau 80 gänzlich »liiri wie sic cs heute ist. ' Am 30. August ist der bekannte Anthropologe und Forscher auf dem Gebiet jüdischer Rasse 11 künde, Dr. Maurice F i s I« b e r g, im 03. Lebensjahr plötzlich itt New york gestorben. Von seinen zahlreichen Schriften befassen sich die folgenden mit jüdischer Rassenkunde: ״Materials for tlie physkal Anthropologie of the jews“ (1905): ״The Jews: a study of race and environment“ (1910); ״Zur Anthro* pologie der Juden“ (1911); ״Die Rasscnmcrkmalc der Juden: eine Einführung in ihre Anthropologie“ (1913). In diesen Werken vertritt Fishberg den Standpunkt, daß cs eine cinhcitliehe jüdische Rasse im biologischen Sinti nicht gibt. ln einer amtlichen Mitteilung der ״Kassenärztllchen Vereinigung Deutschlands“ heißt es, daß an den im Oktober von der Berliner Akademie für ärztliche Fortbildung ver• anstaltetcn internationalen ärztlichen F o r t b 11 dungskursen ״deutsche rclcltsangchörige Aerzte ari• sc h c r , Abstammung, sowie Aerzte ausländischer Staatsangehörigkeit“ teilnchmen können. Demnach können an diesen Kursen wohl ausländische jüdische Aerzte, nicht aber jii* dischc Aerzte aus Deutschland teilnchmen. Der Schweizer Prozeß um die »Protokolle derWeisen von Zion״ Zürich, 31. August. (J.T.A.) Der Prozeß tun die ״Protokolle der weisen von Zion“, in dem der Präsident des Israelitischen Ocmeindebtmdcs der Schweiz, J. D r c y f 11 s - B r o d s k y, und der Präsident des Schweizer Zionistenverbandes, Dr. Marcus Cohn, als Kläger auftreten, wird am 22, und 23. Oktober vor dem Strafgericht in Basel durchgefiihrt werden. 11t der am 8. Juni 1934 stattgclundcnen Vorverhandittng hatte der Straigcrichtspräsident den Klägern 11ml dem beklagten ehemaligen Redakteur der nicht mehr erscheinenden Zeitschrift ״Der eiserne Besen“, Dr. A. Zander, einen Vergleich vorgeschlagett, wonach Dr. Zander anerkennen sollte, dali er die Echtheit der ״Protokolle“ nicht beweisen könne. Da Dr. Zander diesem Vergleich nicht zugcstiniiut hat, muß das Gericht in die materielle Prüfung des Prozeßgegenstandes eintreten. Auf Ersuchen des Baseler Strafgerichtes ist nun der Profcssor der Theologie an der Züricher Universität und ehemalige Rektor, Dr. Ludwig Köhler, der schon im Jahre 1924 in öffentlichen Vorträgen und in Zeitungsartikeln erklärt hatte, daß nach seiner Ucbcrzeiigtmg diese ״Protokolle“ Fälschungen sind, vom Züricher Richter als Zeuge und Sachverständiger Vernommen worden, ln zwei an das Sekretariat des Jüdischen Gcmcindcbimdes und an den Rechtsanwalt der Baseler Kläger gerichteten Briefen hatte Prof. Költler «eine früher geäußerte Meinung bestätigt mul die ״Protokolle“ als antisemitische Hetzschriften, als ״einfältige, aber auch böswillige Fälsch utt ge tt“ bezeichnet. Den V erfassern könnte niciit entgangen sein, daß sich gegen diese» Machwerk ernste und erhebliche Widersprüche erheben. Prof. Köhler erklärte, daß er im Interesse von Wahrheit und Gerechtigkeit bereit sei, dieses Gutachten vor dort Behörden m bestätigen. Auf die Frage des Richters, ob er die beiden Briefe geschrieben habe und sich zu ihrem Inhalt bekenne, antwortete Prof. Köhler, er halte das in diesen Briefen attsgesprocltcne Urteil vollkommen aufrecht. Eine Fälschung sei darin zu erblicken, daß versucht werde, die ״Protokolle“ als von einem Juden verfaßt darzustcllcu, um auf diese Art die Juden als Sclüidiiitgc erscheinen zu lassen. Das Judentum — erklärte Prof. Köhler — sei nicht immoralisch, es stehe im Gegenteil auf höchster ethischer Stufe. Bei den ״Protokollen" handle es sich um ein aus russischer Quelle stammendes Elaborat Ein?weiter Prozeß in gleicher Sache ist in Bern im Gange. Die dortigen Kläger verlangen, daß die beiden Bücher als Schmutz- und Schundliteratur in der Schweiz verboten werden. Das Gericht hat dort ein aus einem jüdischen, einem christlichen Sachverständigen und einem Richter als Vorsitzendem bestehendes Komitee eingesetzt, das die Echtheit der ״Protokolle“ prüfen soll. Sobald das Gutachten dieses Komitees vorlicgt, wird auch das Berner Oericht zur Urteilsfällttng schreiten. 3653 Juden im Juli nach Falüslina elngewande! Jerusalem, 31. August. (J. T. A.) Wie mitgeteilt «H sind Im Monat Juli 3653 Juden nach Palästina elngcwandut Von diesen Einwanderern gehörten 526 zur Kategorie A bei der die Elnwanderungscrlaubnis an den Besitz vonitfo. dcitcns tausend Pfund geknüpft Ist. Es sind somit in Jul mindestens 526 000 Ptund an neuem jüdischen Kapital kt Land geströmt. In demselben Monat sind 140 Christen utf 25 Mohammedaner nach Palästina eingewanderi. Die Zahl der jüdischen Einwanderer Im Juni lttnt| 2519, Im Mal 2035. Der Kapltalistcn-Katcgorle gehörten In Juni 554, im Mal 355 Einwanderer an. Das Programm des ltlinderhdtenkongresset Wien, 31. Aiigusb (J. T. A.) Das Wiener Gcncralsckretarlat der europäischen N a t i 0 n a I i t ä t en *0», presse (Mlndcrheifenkongrcssc) teilt mit, daß der X.Europ•!sehe Nationalitätenkongreß vom 4. bis zum 6. Septem» in Bern stattfinden wird. Der Kongreß soll u. a. zu dm polnischen Antrag auf Verallgemeinerung des Mindtt• lteilcnscltufzes Stellung nehmen. Eine solche vcraltgcmei» rting — heißt cs in dieser Mitteilung — ist auch vos Nationalitätcnkongreß verlangt worden. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung soll die fragt der Uebernahme von Min derb elts-Schutzve!• pfilchtungen durch die Sowjet-Union als rinn eventuell neu in den Völkerbund ein tretenden Staat bilden. Es wird ln der Mitteilung darauf hingewiesen, daß Estland, Lettland, Litauen und andere später dem Völkerbund bb getretene Staaten bei diesem Anlaß besondere Erklärung« über ihre Minderheitenschutz-Verpflichtungen ahgeben mußt«. Der ehemalige sfovcnischc Abgeordnete im italienisch« Parlament, Dr. josin Will an, wird den Kongreß eröffn«. Die Mitteilung enthalt keine Angaben darüber, welche Minori• täten gruppen sich an dem Kongreß beteiligen werden. De jüdischen Minoritäten nehmen — wie bereits fco richtet — an diesem Kongreß nicht teil, Entschuldigung des Conslantlner PollzeiprältkU« Algier, 31. August. (J.T.A.) Der Pollzcinräfckt m Constautinc hat an die jüdische Presse Frankreichs « Schreiben gerichtet, in dem er sein verspätetes Einlire««1 anläßlich der Unruhen in Constantinc damit entschuldigt, daß er damals gerade seinen jährlichen Urlaub in rranKreich verbrachte. Als er von den Vorfällen in Conslanlsnt erfuhr, habe er sich sofort im Flugzeug hinbegeben. Zwei leere Zimmer Erlebnis ln Düsseldorf An einem schönen Sommering gleitet der große Rhein• dampfer sauft den Strom hinab, und die Hunderte seiner Passagiere schauen schweigend oder doch nur in gedämpftem Tone sprechend in die einzigartige Landschaft Hinaus. Da plötzlich, als das Schiff wieder um eine Biegung des Rheins hcrumfährt, kommt Bewegung in die Masse, viele weisen auf einen besonders auffallenden Felsen, und von allen Seiten hört inan den Ausruf: ״Die Lorelei!“ In jedem dieser Menschen, die auf dem Schilf versammelt sind — so verschieden sie in jeder I iinsiclit auch sein mögen — wird doch bet dem Anblick dieses sagenumwobenen Punktes das gleiche Gefühl lebendig, und cs gibl wohl keinen, in item nicht elic Erinnerung au die Hein esc heu Verse: ״Ich weiß nicht, was soll cs bedeuten“ wach wird. So schweigsam die Passagiere während der ganzen Fahrt auch waren, als die Lorelei in Sicht kam, hörte mau aus allen Winkeln dieses Lied erschallen. Kaum einem, der beim Gesang dieser Verse das Empfinden hatte, daß hierin schlechthin alles ausgedrückt ist, was sielt über den Stimmnngsgehnlt und das Eigentümliche des Lorelei-Felsens aussagen laßt, kam dabei wohl zum Bewußtsein, daß der Verfasser des Liedes ein Jude war. Einige Tage später befindet man sich in Dü98c 1• aorf, wo Heine bekanntlich geboren ist. Nicht, weil er ein Jude, sondern weil er ein großer Dichter war, darum empfindet man das Verlangen, die Stätte aufzusuchen, an der er seine Jugend verbracht hat. ln der Bolkcrstraße findet man leicht das Haus; an der Straßenfront hängt eine schwarzmetalU ne Tafel, auf der Heines Kopf zu sehen ist, und darunter stehen einige Worte, die er über Düsseldorf einmal geschrieben hat. Doch sollte dies alles sein? Das Haus ist bewohnt, kein 1 Unweb findet sich, der dem Suchenden sagt«, wo s!d1 der historische Ort befindet. Enttäuscht will inan aILÜIs“ üiescs Haus verlassen, da finde» sich im letzten Kt 8»fnVmk,1I,OCw,.cm freu1'ßkcher Hausbewohner, der bereit über v״h״ ״' zu wclscn• Ueber einen engen Hof und über verbeulte Stiegen gelangt mau an eine staubige T*ir, die sich knarrend öffnet, Man tritt Herein — — und was bietet sicli den erstaunten Augen dar? An der Geburtsstätte Heines findet man ... zwei feere Zimmer. Eine häßliche schmutzigweiße Decke und vergraule Wände schaffen in diesen beiden Zimmern, in denen jedes Wort hohl klingt, eine g es p en s t ine 11 e Atmosphäre. Einige Kisten stehen herum, aus denen Bilder herausragen, die darauf schließen lassen, daß liier früher einmal eine Sammlung gewesen sein muß. Sonst nichts. Zwei leere Zimmer .... Zwei vollgcpacktc Kisten. , , . Das sollte alles sein, was hier von Heine übrig blieb? Hat sich aber der Besucher an das Gespenstische in diesen beiden verwaisten Räumen gewöhnt, daun will e» ihm scheinen, als ob selbst die in Kisten gebannte Er* innerung den Geist des Dichters nicht auszutöschen vermag. Und indem man sich z.um Gehen wendet, ist cs, als ob die Luft erfüllt sei von der Musik des Buches der Lieder, N. Kortners englisches Filmdebui Ina Märchenfilm ״Tschu - hchin * tschau* In London und antleren europäischen Hauptstädten Ist in der vergangenen Woche der Film ״Tschu-tschin-tscliau" abgclaufen. Er ist eine oft bezaubernde, mit allen Prüchtcn der Phantasie geladene Schau aus dem Orient der Tausend- Und-Einen-Naclit. Der Sesam-Fels öffnet sich darin vor Ali- Babas RuL Abu Hassan, der verwegene Räuber, plündert mit seinen vierzig wetterfeste» Kerlen die Karawanen und Städte. Harun-al-Raschid führt sein mildes Szepter. Der Sklavinnenmarkt von Bagdad wird zu einem Fest der Schönheit. Eine Fülle schauspielerischer Individualitäten, eine Orgien des Einfalls feiernde Photographie und eine ungewöhnlich reizvolle, lockende und doch nicht abienkende Musik machen den Film — bei allen Einwendungen gegen manche ■Paasagc, die nicht aus dem Opernhaften gelöst ist — zu einem interessanten Erlebnis. ״ . Interessant vor allem auch dadurch, daß nach Conrad Veidt und Elisabeth Bergner Mer Fritz Kor in tu zum erctcn» mal im englischen Film erscheint. Das Phänomen der Spr5* Umstellung, Willcnsplinnomen wie künstlerisches zugleich. Ist überraschend. Während sich z. B. die Berg״« schon «ine ganze Reihe von Jahren auf eine englische 1'׳“»ס" iaufbahit vorbereitet hatte, ist für Kortner dies eine Aiitgi weniger Monate gewesen. Sic ist ihm restlos gelungen, tbciwie hei der Bergner ist vor allem auch bei der neuen Spra( die Eigenart des persönlichen Sprachklangs geblieben. s*j Abu Hassan ist eine, I» den Grundzügen an sich unkomp zierte, faszinierende Leistung. Alle Gewitter der Kortners« Vitalität können hier explodieren, und so hat sein ייא*" " hauptmann, der da streitet, reitet, frißt, spielt, trinkt, *enu, ungerecht und in seiner Kühnheit schließlich blind ist, et« tollen Publikumserfolg. Der englische Film wird freilich von Kortner mehr vnlangen als solche Abu Hassan-Gestalten. Schon der ,״fcy k Film ״Abdul Hamid“ bringt Kortner rine Schauspielen־® bedeutend größere Aufgabe. Der dritte Film, in dem Ker» mitwirken wird, ist der V c 11 i n gt o n- F i I m, in dem yc״*J Arliss, der letzthin besonders als Disracli-Darstcllcr m ״ gleichnamigen Film stärkste Eindrücke erzielte, den enghsen rcldmarjchall gibt, während Kortner dessen Bundesgenosse, den General Blücher, spielen wird. Manfred Georg. Max Reinhardt Inszeniert ein indisches Festspld New York, 30. August. (J.T.A.) Der Leiter da J vorigen Jahre aufgeitihrten jüdischen historischen Au« tungsstüekcs ״Die Romanze eines Volke«, W. Wels gal, ist soeben aus Europa eingetroffen, w mit Professor Max Reinhardt einen Vertrag abgeschto* hat, demzufolge Reinhardt im kommenden Februar Inszenierung und Leitung eines jüdischen Festspiels nehmen wird. Prof. Reinliardt begibt sich in den na«* Tagen nach Amerika, um mit den Vorbereitungen zu Aufführung zu beginnen, Der Verfasser des Spiels ist r• .Werfel, die Musik wird Kurt Weill, der Komponist *Drcigroscheaoper“, *chicibcn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.