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Jüdische Rundschau · 1934-08-31 · Heft 70 (31.8.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 70 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU bestimmten Abstammung und Sprachgemeinschaft als Oe• genstand einer Pflicht erscheinen lassen. So wird «las Volk ein Wert, und die Abstammungs• und Sprach• gemelnschnft wird zur Nationalität. Für uns,Juden, über deren Klassifizierung als Volk •o viele Theorien aufgcstcllt worden sind, Ist eine solche Darstellung des Volksbegriffs äußerst wesentlich. Denn n scheint uns, daß für weite Partien der jüdischen Geschichte In der Tat das sittliche Element das wesentlichste Merkmal für den Bestand des jüdischen Volkstums gewesen Ist. Die Tatsache, da fl in der ganzen jüdischen Clescliichtc —• und für einen großen Teil aller Juden auch heute noch — ihr jitdcsein zugleich eine religiöse Haltung bedeutet, ja daß bis in alle Ausläufer des primitiven täglichen Lebens hinein dieses Juclescin mit religiösen Elementen durchsetzt ist, zeigt, wie stark die Zugehörigkeit zur jüdischen Oemeinschaft als einer natürlichen Lebensordnung zugleich als sittliche Pflicht empfunden wurde, deren tiefste Begründung nicht aus der Willkür der freien menschlichen Ent Schließung zu entnehmen war, sondern aus dem göttlichen O c bot. Unter all den Faktoren, die das einzigartige Geschehen der Erhaltung des jüdischen Volkes in der Diaspora durch die Jahrtausende hindurch bewirkt haben, hat diese Tatsache die entscheidende Bedeutung besessen. Der Befehl, Jude zu sein, der gleichsam von Gott ausging, hat diesem Volke eine unzerstörbare Kraft gegeben und ihm einen Zusam• menhalt verliehen, der die Jahrtausende überdauerte, ja es ermöglichte, daß die natürlichen Voraussetzungen, die für den Bestand eines Volkstums erforderlich sind, bei ihm so manche Einbuße erlitten. ## ״n 0 U tprA /: ב"/ ון■י* & lila Nr. 7Q, 31, VHI, 1934 Organisationsfregen . der deutschen Juden Wir haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß ln führenden Kreisen der großen jüdischen Organisationen und Institutionen in der letzten Zeit mehrfach die ürgamsntionsfragen de« deutschen Judentums erörtert wurden. Insbesondere fiel in diesem Zusammenhang ein Artikel des Berliner O c 111 e i 11 (I c b 1,111 e » auf, in dem nugedeutet wurde, daß die Jüdische Gemeinde Berlin eine Umgestaltung der Reichs- Vertretung der deutschen Juden anstrebt. Bereits in Nr. 68 der ,,Jüdischen Rundschau׳‘ hat sich einer unserer Mitarbeiter zu diesen Ansprüchen der Herliner fieineimle geäußert und insbesondere darauf hingewiesen, daß die gegenwärtigen Gemeinde-Institutionen, die vor dem Jahre 1633 gewühlt sind, kein wahres Spiegelbild der Meinung der deutschen Juden von heute geben und daß In so entscheidender Zeit andere Faktoren des deutschen Judentums mit mehr Autorl״ tat sprechen können als die hauptsächlich VerwaVtungszwcckcn dienende Gemeinde. In der letzten Nummer der ״O. -V. - Z c I ♦ u 11 g“ vom 30. August nimmt der Vorsitzende des Cenfrnl-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Justizrat Brod* ח i t z, in einem Leitartikel zu diesen Problemen Stellung. Brodnitz. rechtfertigt die Gründung der Rcichsvertretung, fiir die es nach Lage der Dinge kein«* andere Methode gab als die angewandte. Wenn man der Reichsvertretung vorwerfc, daß sic nicht aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen sei, so gelte dasselbe für die heutigen Oemelndeorgane, die uns veralteten Wahlen hervorgegangen sind. f)jf r dang der Rcichsvertretung sei möglich gewesen well « Macht- und Prestigefragen beiseite gestellt wurden“n! Entwicklung der R c i c h s v e r t r e 111 n o »״ i״lf Brodnitz fort, ״darf nicht durch Macht f ra ״ n 4י״ stört «׳erden. Sobald Machtfragen aufgerollt werden*u nur ein Ende voraus/usehen, nämlich die Zertrünim ritng der Reic It s v ertretuna“. Am allerwenigsten ״ cs berechtigt, daß Stellen daraus, daß sie finan/iclte Vos Setzungen der Arbeit der RWdmcrtrctung beschaffen * Recht Zu einer besonderen Machtstellung ahteiten, |)em’ 7* Rcichsvertretung sei ein Organ des jüdischen Qcm ei *c ha f t s gedan l<on s, getragen von allen den Schicht״' die schließlich auch jene Institutionen bilden, die (ins Steu recht besitzen. Brodnitz meint, daß zu einer etwaigen wf’ rting der Zusammensetzung der Reichsvcrtrctimg nur Stelle befugt sei, nämlich der von den Gründern e» ein« grolle Beirat der Reichsvcrtrctung. Nirgends gebr wärtig eine Stelle, die für sich stärkere Legitimität Spruch nehmen könnte. Brodnitz schließt seinen Artikel 1, folgenden Worten: ” m ״ich bin mir bewußt, daß die ewig Gestrige auch gegen meine Ausführungen Rcchtsdnrlcgungen hringen können, die mit aßen Mitteln aller Rcchtskonstruktion« arbeiten. Eine so moderne Einrichtung wie diejenige d« Rcichsvertretung kann aber nicht nach alten Rezepten (*. bandelt werden. Es gilt, dem Geiste der Gründer und dt״ Geiste des modernen deutschen Judentum» Rechnung . tragen.״ * n Dies übersieht Laun an dem Punkte seiner Darstellung, an dem er sich mit der Einreihung des jüdischen Volkes in die verschiedenen Ordnungen des Gesellschaftliehen Lebens beschäftigt. Er kommt hierauf zu sprechen, als er sich mit: dem Faktor der Sprache als konstitutivem Element für Entstehung und Erhaltung des Volkscharaktcrs auscinandcrsei/t, und sagt dazu folgendes: ״Die zionisit ■die Bewegung betrachtet alle Abkömmlinge dieses ■Volkes auch heute noch ab eine nationale Einheit, leug- *et also, daß die Sprache ein wesentliches Merkmal Her Volkscinheit «■1. Mim muß jedoch zunächst von den zionistischen Bestrebungen und Argumenten alles dasjenige in Abzug bringen, was aus Iriihcrcn Vcrlolgungcn und aus der Abwehr des heutigen Antisemitismus herrorgegangen ist. Alle, (he um ihrer jüdischen Sasse willen Zurücksetzung oder (jermgschuUung erfahren oder ak! tilutucn, sind im allgemeinen von einem hohen Gefühl der Solkhiri! ät verbunden, das über alte Verschiedenheiten der Sprache himvegreicht. Aber dieses Zusarnmengehörigkeitsgcliilil ist eine einzigartige Erscheinung, kein Natirmalgclühl im üblichen Sinn. Sonst könnte zum mindesten die große Masse der seit Jabrhtin- Herten in England, Frankreich, Deutschland assimilierten Juden kein englisches, traiizösisdics, deutsche» Nationalgcfülil haben usw,, sondern nur ein spezifisch jüdisches. Dies widerspricht allen Erfahrungen. Es widerspricht auch dem Zeugnis alt der Millionen nicht zionistisch gesinnter Juden. Würde inan aber annchtncn, daß alt« diese letzteren durch Assimilation dem Volke verloren geo,.tagen seien, daß dieses selbst aber ohne »ic wciterbestchc, 80 käme man ru dem Begriff eines Volkstum», das nur ans den z,ionistuch Gesinnten bestände. Dieses wäre dann »her im wesent• liehen weder eine Abstammungs-, noch, trotz Pflege der hchrä- Rehen Sprache, eine Sprach-, sondern eine Gesiminngsgemeinschab, allerdings eine solche eigener Art, aber doch am nächsten stellend einer politischen Partei. Kein Mensch behauptet denn auch, daß es eine ,zionisti.se!« Nationalität‘ gebe, *omlcrn bchauptet wird stets nur eine gesamt jüdische Nationalität. Die jü- Bische Gemeintchnft ot>cr ist eine Einheit eines besonderen Soli- Paritätsgeüihls, keine solche eines durch gemeinsame Sprache vermittelten N.UionatgettlhU und umfaßt heute Angehörige ver- *chiedencr ,Nat ionalitiiten‘.“ Der Verfasser geht hier von einer weit verbreiteten, aber unrichtigen Auffassung des Zionismus aus, Der Zionismus betrachtet das jüdische. Volk nicht als eine vollkommene natlonale Einheit und unterschätzt auch nicht die Rolle der Sprache. Vielmehr meint der Zionismus, daß die Juden, die immer ein Volle waren, gerade durch das Fehlen vieler wesentlicher Elemente eines normalen Volkslebens zu einem Volks-Rudiment wurden; sie müssen daher, obwohl sie in den versehledenen Wohnliindern die jeweilige Sprache sprechen, auch Ihr« hebräische Nationaisprache wieder sich zu eigen machen. Hat doch diese Sprache als Sprache des Gebetes stets eine große Rolle im jüdischen Leben gespielt, ganz abgesehen da• von, daß die jüdische Volksgemeinschaft in den Ländern der jüdischen Massensiediung und auch in Mitteleuropa bis zur Emanzipation durch das Jiddisch (deutsch-jüdisch) charakterlslert war,, dessen Nachwirkungen in gewissen Gefühls• komplexen auch noch bei assimilierten Juden zu spüren sind. Es ist auch nicht recht verständlich, warum Laun die Erlebnisse der Verfolgungen und Zurücksetzungen als für das Bestehen eines jüdischen Nationalgefühls unwichtig beiseite läßt und hier nur von einem Gefühl der ״Solidarität“ spricht. Auch andere Abstammungsgenieinschaftcn werden gerade durch ihre gesc 11 ich fliehen Erlebnisse enger zusammengefüßt, ja. man darf sagen, daß die Fülle des in der Vergangenheit Erlebten und Erlittenen das Bewußtsein des gemcinsanien Volkstums stärkt und cs zur Aktivität antreibt. Wer die jüngste deutsche Geschichte seit dem Kriege unter diesem Gesichtspunkt verfolgt, wird der An• sicht sein, daß das Gefühl erlittenen Unrechts nicht nur zu irgendeiner nicht näher zu bestimmenden Solidarität führt, sondern zu einem Erwachen des National gef ü h 1 s in ungeahntem Umfange. Was man den anderen Völkern zubilligt, muß man aber auch für das jüdische Volk gelten lassen. Gewiß ist es richtig, daß die Juden als nationale Gruppe heute in einer eigen artigen Lage sind, die e« schwer macht, sic in ein Schema ciimiglicdern. Sic haben gewiß ״kein Nationalgcfülil 1m üblichen Sinne״, darin hat Laun recht. Was ihnen jedoch etwa auf dem Gebiete der gemeinsamen Sprache als Farm kulturellen Lebens abgeht, das ersetzen große Teile von ihnen durch die Kraft der ethischen Forderung, die die Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft als em. Gebot bezeichnet, im jüdischen Volk sogar׳ als ein re 11 giö s c s G cb 01 von zwingender Kraft, Es ist falsch, die drei Faktoren der Abstammung, Sprache und sittliehen Verpflichtung sozusagen als statische Elemente auf. »nassen, die wie ruhende Blöcke zueinander gefügt werden müssen, um ein Volkstum zu bilden r vielmehr sind es Kräfte, die einander durclidrmgsn und in Wechscljvirkung miteinander?1;״ c!’• ‘?11י was auf dcr «״*•י Seite geringer ist, durch Stärke der anderen Komponente in gewissem Umfange ersetzt werden kann. Ob nun die Juden alle Merkmale der anderen Nationalitäten haben oder nicht, fest steht, daß sic eine Sondergruppe sind, und z. B. in Deutschland hat nur wenige Jahre nach der Fertigstellung des jetzt erst publizierten Werkes von Latin diese Anschauung auclt einen Niederschlag in der Gesetzgebung gefunden. Durch dieses Faktum wurde jeder Zweifel, ob die Juden zu den Minderheiten zu rechnen sind oder nicht, beseitigt. Damit aber treten jenseits aller Begriffsbestimmungen die Juden in den Kreis jener Gruppen ein, fiir die nach Latin auch gewisse allgemeine Anschauungen einer völkerrechtlichen Humanität Anwendung zu finden hätten. Die Juden selbst haben aus ihrer anormalen Lage Konse• qtierizcri zu ziehen, die über die formellen Fragen hinaus dal ganze Leben betreffen: Das jüdische Volk als solches befindet sich an einem kritischen Punkt seiner Entwicklung. Das Sollen, die Zwangsläufigkeit der Ein- und Unterordnung unter das jüdische religiöse Gebot hat sich gelockert, und Hunderttausende von Juden fühlen sielt ihm nicht mehr verpflichtet. Damit entfällt jene Klammer, die den Bestand des jüdischen Volkstums garantiert hat, und es kommt dazu, daß Juden sidi guten Glaubens national zu anderen Völkern zahlen können. Das 10. Jahrhundert hat dns Gespenst vor uns heraufbeschworen, daß das jüdische Volk in den Zustand der Oeschlchtslosigkeit Herabslnkt, ln dem cs *ehr bald weder eine Abstammungs-, noch eine Sprach-, noch eine wirk« liehe religiöse Gemeinschaft mehr sein würde. Der Zion 18» mus hat diese Gefahr am Ausgang des vergangenen Jahrhunderts erkannt. Br will gewiß nicht die ethischen Bindüngen, die im jüdischen Volke stets lebendig waren, ablösen; aber er fürchtet, daß sie allein nicht mehr die Kraft haben, um unser Volkstum zu erhalten, und er glaubt daher, daß neue Voraussetzungen geschaffen werden mühsen, um das jüdische Volk als natürliche Gemeinschaft zu stärken. Daruin hat er den Weg in ein eigenes Land, nach Palästina ungebeten, und nicht nur in ein beliebiges Territorium, sondern dorthin, wo wieder das Band der alten Sprache, des Hebräischen um die Angehörigen des Volkes geschlungen werden kann, und wo unter dem Eindruck von Geschichte, des Bodens voller Erinnerungen und der Erneuerung der Sprache das sittliche Gebot der Zugehörigkeit zu diesem Volke jn den Menschen wieder feste Wurzeln zu schlagen verspricht. Wenn wir die Judenfrage In ihrem innersten Kern so auffassen, daß wir den Verlust dieser sittliehen Bindungen, die im jüdischen Volke seit Jahrtausenden bestanden, in den Mittelpunkt stellen, dann zeigt es sich, daß der Zionismus allein und umfassend die Lösung de! Judenfrage in Angriff nimmt. Niemand •weiß, ob dieser große Versuch, dessen Anfänge wir erleben, gelingen wird. Aber wir glauben, daß die Lösung dieser ״Nationalitätenfrage“, die nicht allein vom jüdischen Standpunkt bedeutungsvoll ist, sondern das Interesse der Knlturmcnschheit verdient, zugleich ein Beitrag für den Fortschritt jener Humanität ist, deren Actißcriing in einem ״Weitgewissen“ wir alle, Juden und Nichtjuden, in dieser Zeit der politischen und wirtschaftlichen Wcltgcfahrcn so schmerzlich vermissen. K. L Die Europareise Mosdhe Schcriolcs Jerusalem. (Pakor.) Mosche Schcrtok, der Leiter des Politischen Departements der Jewish Agency in Jerusalem, ist nach sechswöchiger Abwesenheit von seiner Ausiandsreise nach Jerusalem zurückgekehrt. Im Laufe seiner Reise hat er zweimal Kairo und Paria besucht und sich drei Wochen in London aufgeliaiten. In London hat Schertok längere Unterhaltungen mit dem Kolonialmtuistcr, Sir C u n 1 i f f c - LI s t e r, mit dem Vizcnilnister, Sir John Maffey, und mit den die paliistincn• sischen Angelegenheiten leitenden Beamten des britischen Kolonialministeriums gehabt. Er führte ferner Unterhaltungen mit den Redakteuren der großen englischen Zeitungen und mit einer größeren Anzahl jüdischer und nichtjüdischer Politiker. Unter anderem hat er die Gesandten der arabischen Staaten in London besucht. In Paris hat Schertok Baron Edmund Rothschild besucht, ist mit Dr. Chaim Weitmann zusammengetroifen und bat einige Male mit hohen Beamten des französischen Außenministeriums konferiert. Im Laufe dieser Gespräche wurden auch die letzten politischen Ereignisse in Algier berührt. ׳ In Kairo ist Schertok mit einer Reihe von lonrnallsteh und Politikern Aegypten« und der anderen arabischen Länder Zusammentreffen. [ Dr. Wilhelm Berkelhammer 1 1 Der Tod hilf furchtbare Ernte. Wieder haben «dt einen schweren Verlust zu beklagen. Dr. Bcrkclhsmmtr war einer der Billigsten, ernstesten und besonnensten jg. dischcn Publizisten, der nicht billige journalistische Effekts anstrebte, sondern aus einem tiefen ethischen Gefühl her aus die Fragen des jüdischen Lebens betrachtete und di* durch das Recht erwarb, In tiefer Volksverbundenheit auch als Kritiker und Erzieher des eigenen Volkes aufzutreten. Im besten Mannesalter ist er dahingegangen. Die jüdisch« Publizistik betrauert einen geachteten und sympathische« Kollegen. Nachstehend gibt unser Warschauer Korrespon• dent eine Würdigung des Verstorbenen. R.W. •s- Waschau, 28. August ln Rrakau verschied gestern nach kurzer schwerer Krank• heit Dr. Wilhelm Ikrkelhammer, der führende jüdisch-polnische Publizist, Begründer und Chefredakteur des ״Nowy Dziennik* des ersten jüdischest Tageblattes in niclitjüdischer Sprache, Berkciliammcr stammte ans Tarnov (Galizien), einem be• deutenden zionistischen Zentrum, wo zu Beginn des 2t), Jthf. luincterts ein Kreis talentvoller jüdischer Intellektueller sieh sammelte. Bcrkclhnmmer war seit seiner frühesten Jugend schriftstellerisch im Dienste des Zionismus tätig, war Mit• arbeiter jüdisch-polnischer Zeitschriften, ferner vor dem Krieg der ״Weit“, der ״jüdischen Rundschau“ und der ״jüdische« Zeitung“ in Wien. Während des Krieges erwarb er sich großes Verdienst durch die Reaktivierung der jüd.-nol«. Monatsschrift ״Motiah“, die er In Wien 11er,ausgab. Zu Ende des Krieges übernahm er die Leitung des ״Nowy Dziennik“, E« war eine Pioniertat, der erste Versuch, ein ״judenbiitt* in nichtjüdiRchcr Sprache als tägliche Zeitung hcrausztigeben. Der Versuch gelang vollständig und fand bald Nachahmung a Polen und Oesterreich. Berkelhammers unermüdliche Tätig« keit, große schriftstellerische Begalnmg׳ bedeutendes organk satorisclics Talent, ticicr Sinn für politische Zusammenhänge bewirkten, daß der von ihm geleitete ״Nowy Dzienmk“ großes Ansehen nicht nur in der jüdischen Weit, sondern »ich bei Nichtjuden genofk Berkelhammers lauterer Charakter und Herzensgute gewannen ihm viele Freunde. Als Politiker war Berkciliammcr ein Vorkämpfer des Friedensgedankens; ab Zionist war er ein treuer Anhänger des arbeitenden Palästina, er stand über den Parteien und setzte sich mit großer Energie für Eintracht im zionistischen Lager ein. Die zionistische Bewegung erlitt einen großen, In 0*• lizien unersetzlichen Verlust. Wieder arabische Küitenwachcn? Jerusalem, 28. August. (J. T. A.) Während auf dem Küstenabschnitt bei Nathania Aeroiilanc mit Schcitwer(ern die Arbeit der Ktistenwachcn ericiclitctn, hat die Polizei in Haifa und Tulkarens Junge Araber für den Wachdienst an der Küste rekrutiert una sie damit zu offiziellen, unter dem Schutz der Regierung stehenden Hilfspolizisten(!«־ macht. Die durch diese Vorkommnisse gesteigerte Erregung Jm Jisehuw kommt in außerordentlich scharfen Aeußerun«״ der hebräischen Presse zum Ausdruck, ln einem Leitartikel des ״Haarcz“ wird erklärt, die jüdische Bevölkerung (tat* das Empfinden, daß sich hinter den Kulissen etwas vor• bereite, um eine Wiederholung der Unruhen des Jahres IW׳ hcrbelzufUhrcn. Die vorstehende ITA.-Meldung, die den genaueren Saelk verhalt noch nicht erkennen läßt, zeigt jedenfalls, zu welchem gefährlichen Ausmaß die Erregung und Verhetzung in Palästina wieder gediehen ist. Wenn schon die Erinnerung von T929 heraufbeschworen wird, so beweist dies, daß cs hociw Zeit ist, für eine wirkliche Beruhigung der Atmospnar Sorge zu tragen. Es müßte vor allem eine Warnt! n g *•'* maßgebenden jüdischen Steilen veröffentlicht wer• den, die illegale Immigration, die so schwere Kora• plikationen für das gesamte jüdische Aufbauwerk zur roig haben kann, zu unterlassen. Jedenfalls scheint schnelles t® greifen besonnener Faktoren unerläßlich. Die Mission Sir Arthur Wanehopes In London London, 27. August. (I. T. A.) In der Londoner Pr^5' wird im Zusammenhang mit der bevorstehenden Anku High. Commissioner von Palästina, Sir Arthur W * * chope, der Meinung Ausdruck gegeben, daß die trm tune eines Legislative Council nach den Hanen 0 High Commissioner im Hinblick auf den Widerstand vu jüdischer und arabischer Seite noch eine Zcitlanc he ausgeschobe n werden wird. Man glaubt, daß der 01 malige Aufenthalt Sir Arthurs in London ein längerer > wird als sonst, da die Verhandlungen des High Commisstoa mit dem Colonial Office in bezug auf die Forderung M. Verstärkter Palästina-Einwanderung W . Präge des Legislative Council sehr via Anspruch nehmen werden, des

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