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Jüdische Rundschau · 1934-08-17 · Heft 66 (17.8.1934) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 66 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Jüdische Musiker auf Schallplatte!! (siehe ,,Jüdische Rundschau" Nr. Hl vom 2. Februar 1934) Auch in den Icl/ten Monaten sind viele Schallplatte!! erschienen, au! denen entweder jüdische Musiker oder Werke jüdischer Musik zu hören sind. Insbesondere_E 1 ec - t r o 1 a bietet jeden Monat ein ernstes Programm, in dem jüdische Künstler hervorragend vertreten sind. Diese Aufnahmen sind allerdings meist von den großen, ausländischen, besonders angelsächsischen Firmen geschaffen worden. I n s t r 11 m c 111 n I So I is t c 11 hohen Ranges sind in diesen Monaten Artur Schmähe!, Jeluuii Memihin und Emil von Sauer gewesen. Schnabel set/.t sein Beethovenwerk durch das Klavierkonzert in ü-Dur, durch die Sonaten op. 28, 49/1, 110 fort. Die neuen Aufnahmen schließen sich würdig dem bisherigen Werk an. In diesen letzten Neuerscheinungen iiherwiegt der heitere Beethoven, und das ist gerade das Schöne. Schnabel hat für diesen Beethoven das allergenancste Mali. Er gibt dieser Heiterkeit ihre Schwere, wodurch sie so satt und bändigend wirkt, und vielleicht ist Beethoven selbst hier künstlerisch-artistisch 111 ג vollkommensten. In der Sonnte op. HO zeigt sich wieder die Gefahr, die einigen modernen Künstlern droht, daß sic ein zuviel an Nuance geben, also das, was die Schallplatte nicht verträgt. Jeluitlj M 0 n 11 11 i 11 ist der grollte Geiger der neuen Generation und als Geiger der Schallplatte eine Spezial- Begabung von uniibertroftener Kraft. Ist es die Eignung seines Tons und seines Wesens, ist es ein besonderes Talent für die elektrotechnische Aufnahme, seine!hatten sind klanglich unausschopfbar. Seine Natur ist stark und un/ergrubelt, er ist ein Künstler des Naturells, des Temperaments, der Leiden- Schaft — und doch ist sein Bach stilschön und leidenschattlieh zugleich. Jetzt liegt, nach dein Doppelkon/.crt, das Konzert in E-Dur vor, und wieder kann man sich an der Breite seines Torrs und der Schönheit seiner Linienführung nicht satt hören. Dir Setzte Seite dieser Eicctrola-Aufnahmc bringt ein Solo aus Bachs Partita in H-moll. Vergleicht man sfc mit Aufnahmen von anderen Solosonatcn Bachs, die Mcmihin als Junge gespielt hat, so wird seine künstlerische und seelische Entwicklung deutlich. Der Ton ist nicht mehr so draufgängerisch, aber noch viel schöner geworden, der Vortrag reifer und edler. Wie Bach liegen Men uh in auch die großen italienischen Meister. Sorcllis ״La Foiia“, dieses unheimlich moderne Variatioiicnwcrk des 17. Jahrhunderts, ein Allegro von Fiocco, eine Sarabande von Le Claire, die bcrühmte Tcufelstrillcrsonatc von Tartini gehören zu meinen Lieblingsplatten Mcnuhins. Das majestätische bei «anto des italienischen Barock findet in Mcnuliin einen Geigenton und *strich, der es schwungvoll und stilrein ausdriiekt. Sauer ist ein Pianist älteren Stils, weltberühmt wegen ScincrTcrlmik und der fast ballctt,־trügen Luftigkeit seines Stils. Sein Chopin, Liszt, seine Virtuosenstückc bildeten das Entzücken vieler Generationen. Es pallt so recht zu seinem Klavierstil, zu seiner Noblesse, zu seiner etwas kühlen Anmut, daß er, wie viele andere Juden, von Franz Josef geadelt wurde. Aut Platten erscheint er leider selten. Jetzt bringt Odeon den Gnomenreigen von Liszt und die von ihm selbst nach einer Volksweise bearbeitete böhmische Konzcrtpolk.1. Er spielt beide Stücke mit den Finessen seiner Fingerspitzentechnik und mit der Leichtigkeit, die seine berühmtcn Zugabensclilagcr ausgezeichnet hat. Nicht direkt als Solist, aber konzertant hervortretend, spielt Simon Goldberg, der Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, die Geige des 2. und 4. Brandenburgischen Konzert von I. S. Bach in den um Stil bemühten Auffühnm• gen (unter Alois Melkbar auf Deutsche Grammophon). Es wäre zu wünschen, dal) der junge Goldberg als Solist oder mit seinem Streichquartett der Berliner Philharmoniker auf Platten, die seiner Kunst würdig sind, aufgenommen wird. Es wurde hier schon gesagt, daß viele berühmte Kamm e r rn 11 s i k v e r c i n i g u n g c n Europas heute mehr oder wenig stark unter Führung jüdischer erster Geiger stehen oder daß Juden initspiiTcn. Das Budapest er Streichquartett entzückt durch die Italienische Serenade von Hugo Wolf, eines der kürzesten und geistvollsten Quartette der Kammermusiklitcratur, ein Gegenstück zu dem Quartettsatz von Schubert, der leider noch auf Platten fehlt. Das Lenerquartett bietet eine Mozartfolgc (Columbia), in der sich unter anderem das fast nie gespielte, unsagbar schöne Ohoenquartett befindet. Es bleibt in nichts hinter dein Klarinettenquintett zurück, das jetzt, in der Aufführung unter Lener, die frühere, weniger gute Aufnahme der Deutschen Grammophon ahlösen wird. Und wie wunderbar vermischt sich das Holzblasinstrument mit den Streichern. Neben diesen beiden Kammermusikergruppen ist das Berliner Quartett zu erwähnen, das Professor Rudolf Dem an, der pensionierte Konzertmeister der Berliner Staatsoper, führt —■ der einzige Jude dieses Quartetts — (Deutsche Grammophon), und das Trio des Konzertgcbouw* Orchesters (Odeon), in dem Marix Loewensohn sein Cello mit starker Hand lenkt. G c s a n g s p 1 a 11 e!1 von Juden erscheinen jetzt selten. Richard T a u b c r ist leider seit langem der ernsthaften Musik verloren gegangen, denn die von ihm meist gesungenen Schlagcr — zu denen freilich keineswegs Lchtir zählt — sind keine Musik. Immerhin verdient hier seine Mendelssohn-Platte Erwähnung, die zugleich eine Trickplattc ist. B i z e t, der mütterlicherseits Jude war, hat auch in den Perlenfischern eine Cavatinc!unterlassen, die kaum hinter der Blutnenaric Don Joses zurüekblcibt. Diese viel gesungene bcstrickende Melodie kehrt jetzt dank einem neuen clektroakustischen Verfahren durch eine wiedergewonnene C a Tusoplatte zu uns zurück. Zuletzt sei auf die schönen Aufnahmen Gregorianischer Choräle aufmerksam gemacht, die hei der Deutschen Grammophon erschienen sind. Hier liegen wichtige Aufgaben jüdischer Musikwissenschaft vor. Wie die moderne Kunstwissenschaft dem jüdischen Einfiufl auf die älteste nitchristliche Kunst einen vorher nie geahnten Umfang ein räumt, so wird auch noch der große Einllull alter synagogaler Musik auf die älteste christliche liturgische Musik dargcsiellt werden müssen. Für den naiven Zuhörer klingt vieles in diesen Chorälen synagogal. Wie weit das der Fall ist, muß noch gründlich erforscht werden. Das sind Aufgaben einer jüdischen Musikwissenschaft, die von einem neuen Standpunkt aus viele Entdeckungen auf diesem Gebiet zu machen berufen ist. x. r. x Jüdische Musik Einige der schönsten Schallptatteu-Aufnahmen jüdischer Musik sollen 111er zusariimengestcllt werden. Die grolle Anzahl hebräischer Gesänge und jiddischer Lieder in mehr oder minder guter (meistens schlechter) ״Bearbeitung“ kann ich hier übergehen. Nur einige wirklich wertvolle Stücke sollen hier genannt werden. Obenan die ״Chants Populaircs Hehraiqucs“ von Darius M ilh a u d (Col. LF 112/3), vom Bariton M. Singhcr wirkungsvoll vorgetragen, ins Frauzösische übertragene Volkstcxlc mit dezenter neuartiger Be* glcitung, die eignes Gesicht hat und sich trotzdem immer unterordiict. Vor allein die ״Berceuse" und das ״Chassidische Lied“ sind in ihrer Einfachheit überzeugend, typisch und wundervoll. Ganz anderer Art sind zwei palästinensische Lieder, in orientalischer, zart unaufdringlicher Ausdeutung von ledidia Gorochow (Col. DF 634): ״Sliir Hagammar Nr. 66 17. VlJf m רז 0 j וי״־ץ• Fs gibt einen S e h * T raum und einen Hör-T raum, eine Schau-Mystik und eine Hör-Mysük, Für beide. Arten des Traumes kann das Schließen der Augen bezeichnend sein. Wer andächtig der Musik lauscht, schließt wohl die Augen, um ganz, in der Seligkeit des I l״r-Tramnes zu versinkcn. Der musikalische H or-Traum ist das U r- Erlebnis des Juden. Der Jude triebt die Gottheit vor allem im Hören! ״Höre, Israel'1. Den! Hörtraum der musikalischen Harmonie entspringt der jüdische Drang nach harmonischer Lehens- und Gcmcinsrliaftsgestaltimg. Das Jenseits in das Diesseits, die Ucbcnvelt in die Welt, die Uchcrnatur in die Natur irinciimitragcn, war zu allen Zeiten die Sehnsucht der Juden, Judentum ist der Friede von der Welt, der Friede i n der weit und der Friede m i t der Welt. ״Leise zieht durch mein Gemüt stiller Gottcstriede“ (Heine). Leo Tolstoi gebraucht in der ״Auferstehung“ (3. Teil, Kap. fr) einmal die Wendung ״sehr musikalisch wie alle Juden“. Die Juden sind musikalisch. Dies .wird von manchen nicht geleugnet, aber durch die These cingcschränkt, der Mtisiksimi der Juden zeige sich mehr in der musikalischen Empfänglichkeit als in der niusikalisehen Produktivität. Es erübrigt sich, zum Nachweis der nmsikschöpferischcn Fälligkeiten der Juden die svnagogale Musik oder etwa das Schäften von Mcndclssolin-hartiioldy, Meyer beer, Rnhinstein und Gustav Mahler zu streifen. Denn auch ohne die Beteiligung der Juden am musikalischen Schaf* feu wäre der jüdische Musiksilm eine Tatsache, Das Wesen des Mnsiksiiins ist nicht die Aktivität, sondern die Passiv itat, die ScIbsU’iitäußcriuig, das Ergriffcnsein, die imiomystica im I ihren. Sind doch die edelsten Werke der Musik nicht eigentlich ״Produktionen“", sondern Ausstrahlungen göttlicher Inspiration. Und darf man den Einfluß der Psalmen auf die Entwicklung der Musik vergessen? Man faßt den Kreis der Musiker nicht weit genug, wenn man ihm lediglich die musikalischen Werk-Genies zurechnet und nicht auch die musikalischen Hör-Genies. Ein gewaltiger germanischer Mttsikgeuius, ein Hör-Gcnie, ist Friedrich Nietzsche. Nietzsches Dichtung wurzelt im imisikaiisclieii Hörfratun; sie ist Ton-Dichtung. ״Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen. Nacht ist cs: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele Ist das Lied eines Liebenden" (Zarathustra, ״■״א. Acjinlich sind die Psalmen und das Hohelied Ton-Dicl't יי‘ Dichtungen musikalischer I Iör-Gc״ics. Und werden die״"/ Genies nicht zugleich Musikscliöpfcr gewesen sein’ hui1 men und das Hohelied sind das, was ’• { , ־ tue 5em «׳(,!!, Lieder. Sie wurden g c s 11 n g e n, und es ist Lein 7 Y daß die Psalmen dem königlichen Sänger und Harfen־'"! David?!!geschrieben werden. Wir können die Namen d« jüdischen Musiker nicht mehr fcststcllcti. Aber ha hm * I deshalb nicht gelebt? Sic!iahen gewiß gelebt, wenn auch 1־ Namen und Sange verschollen sind wie die der eriechkiT I Chor-Musiker und der germanischen Skalden. h ' Der M u s i k s i n n ist d c r 0 r u!1 tl z 11 ״ der! 1, ״!)aber bildet für den Jude״ die Verdrängung des Mik“' eine Gefahr. Fm Jude, der den Musiksilm verdränm «־'.״ sich im Labyrinth des Alltags oder des Intellektes’ V1״ verschüttet die Quellen seiner seelischen Kraft und wird ,׳/ Neurotiker. Die Verdrängung des Musiksiims ist eine H» ־ Ursache jüdischer Neurosen. “r' Ein großer Tragiker 11.1t bereits vor Jahrhunderten * 1 kannt, daß der Musik-ärni die Quelle der jüdischen Kr ist und mithin die Verdrängung des Musiksiims gerade 1' Juden zu einer seelischen Katastrophe fuhren muß: Wi||j,1״ Shakespeare. Shakespeare hat seiner Erkenntnis jn j,' am meisten mißverstandenen seiner Dramen Ausdruck!!• liehen, im ״Kaufmann von Venedig“. Sbyiock verköm.-1 dort das durch Verdrängung des Musiksiims gemein.', I Minderwertigkeitsgefühl. Shylock wird durch VerdranrC des Musiksiims zu einem Menschen, der ״nicht Musik ha! ihm seihst", und erst aus diesem Grunde gewinnen juh•'. Anfeindung und Verachtung die Macht, vergiftend in Herz einziidringen. Daß Shakespeare mit der ״Musik in ihselbst“ den Seelenfrieden und den Musiksinn meint,״!״ jedem klar, der sich unbefangen in die von sanften Hj־ monier! durchtränktc Schlußszene des Dramas verfielt. F!■ den Juden besteht ja gar kein Unterschied zwischen Mu,; und Seele; die Musik ist Seele, und die Seele ist Mts;, Eine Verschüttung des jüdischen Musiksiims ist eint V(:. j schüttung der jüdischen Seele. Der Musiksinn ist der v®.■ borgene ״Schmuck Jcssikas“, der Schmuck Israels. Dr. Martin Klint. und ״B’merhav llaemek“ vom Komponisten selbst mit vorzügliehem Orchester vorgetrageu. Im Stile des osteuropäischjiddischen Volksliedes bearbeitet, durch seinen großartigen Vortrag aber weit über dem Niveau des lieblichen, steht die Aufnahme ״Die N’gidirn un die Kabtzonim“ (Col. 9138), gesungcii von Kantor Mordecbai Hershmann. Von dieser Musik ist kein weiter Schritt zur ״Hadibuk“־Piattc Joel Engels (auf O 23119). Von Joseph Achron spielt lasch« Helfet? (HMV, l)B 838 und 1017) ״Hebräischer Tanz“ und ״Hebräische Melodie1‘. Zu dieser Gruppe Musik rechnen wir auch ״Nigtm“ von Einest Bloch, ein musikalisch recht wertloses, doch in seiner Improvisationsmanier immer wieder wirksames Stück (Ycliudi Men uh in auf HMV, DB 1283 und S?igcti aut Col. D 1557). Hatten die bisher besprochenen Platten irgendeine Be• zichung zu jüdisch-hcbräischem Mclodiengut, so seien hier noch Aufnahmen großer jüdischer Komponisten erwähnt, die außerhalb des hinlänglich Bekannten liegen, Hier sei obenan gestellt die Aufnahme der ״Giirrdieder" Arnold Schön* b c r g s (HMV, DB 1769/82), aufgenommen bei einer öffent• liehen Aufführung unter Leopold Stoko-wskl, der aut der ersten Plattcnscitc selbst einführende Worte spricht. Aus dieser herrlichen Plattenscric kann man auch einzelne Teile besitzen, wie das ״Lied der Waldtaube", ״Toves Lied“ oder, vom Philadelphia-Orchester und dein Sprecher Benjamin de Loa che herrlich gestaltet, das grandiose Melodram ״Des Sommerwindes wilde Jagd“ mit dem Schlußchor (auf DB 1781/82). Von Erncst Bl ochs größeren Werken gibt es eine Aufnahme des Klavier-Quintetts (HMV, 1>B 1882/85), von Alfrcdo C a s c 11 a mit dem Pro Artc-Quartctt herrlich nmsiziert. Etwas schwach ist sein ״Concerto grosso“. (Albuin M 66 von HMV), in wundervoller Ausführung durch das Kamincrstreiclioreiiestcr Philadelphia unter Fabian Sevitzk y- Es sind in diesem Werk schweizerische, französische, jiidische Melodien verwandt, ohne daß ein fühlbarer Unterschied hervortritt — am schönsten noch Satz III: ״Pastorale and Rustic Dances“. Aus den herrlichen ״Pobmcs Juifs“ von Darius M i I h a u d — hebräische Texte, ins Französische übersetzt; eigene Musik, ohne traditionelle Melodien — singt Miuc. Bat hart eine Platte (Col. D 15191), auf der auch das herrliche Wiegenlied (Cliant de la nourrice) enthalten ist. Vom gleichen Komponisten gibt cs das 2. Streichquartett vom Krcttly-Qiiarlctt (Col. D 15 183/86), die drei ״Minutenopern“ (Col. 15 137, 58, 39), die großartige ״Orcstic“ nach Acschylus von Paul Claudel gedichtet, das Ballett ״Lcs Songes“ (alles Columbia) und endlich — eins seiner herrlichsten Werke: ״La Creation du Monde" (Col. LFX 251/2). Diese Platte sollte ebenso jeder Musikfreund besitzen wie die ״Ourrelieder“. Abgesehen von der vorzüglichen Aufnahme handelt es sich hier um ein Werk (Ballcttnmsik), das in seinem reizvollen Wechsel schlichtester, bewegender Melodik und scharfer, oft grotesker Rhythmik, sowie in der souveränen, gelstvollen Behandlung des Kammcrorchcsters immer neue lieberrasclnmgcn und neue Freude bei jedem Hören bringt. Zum Schluß sollen noch einige Aufnahmen älterer Werke aufgczählt werden. Die farbige Ouvertüre ״Sakuntala“ von Ooldinark dürfte auch Heute noch hörenswert sein; Ciemens Krauß dirigiert die Wiener Philharmoniker auf HMV . C 1820'21. Der nmsikgesehiclitlich Interessierte möge die Auf• nahmen greg-manischen Chorals (Electrola) der Benediktiner zu Bcuron hören und Vergleiche mit unseren traditionellen Gesängen -- in unverfälschter Form — anstcllen. Endlich aber — und nicht an letzter Stelle — sollten in keinem jüdi• sehen Plattenrcpertoire zwei licrrFche Mahler-Aufnahmen fehlen (Gr. 66 (193/5 und 95-169), dm ergreifenden Zvklus ״Kindeitotenlicclcr“ von Rehkcmpcr, und ״Rhe'nlcgcndehcn“, ״Tamboursgsell“ von Schlusnus gesungen. Diese Mus k spricht so recht zu unseren Herzen um( wird uns, so «ft wir sie hören, zum großen Erlebnis werden. P. O. (Abkürzungen: li.MV Ilis Masters Co!. Uoltimbm; O =־ Odeoni GR =» seines Herrn.) Voicc bnv. Elcklrola; Grammophon, Stimme feiner als die eben erwähnte Platte. — ״Und es blitzten dz | Sterne" und ״Wie sich die Bilder gleichen“ (Puccini). ״Lir: so wunderbar“ (Mcycrhcer) und Blumenaric (Bizct) (Ar״, phen). Auf beiden Platten: Arnon Rojansky (Palästis!!. Alles hebräisch gesungen. Die Kehllaute des Hchrährtf: | beeinträchtigen keineswegs die Tongebung, Rojansky fcy einen glanzvollen Tenor; er legt es ein bißchen viel « I reine Stirnmcnttaltung an. Dr. H.N. Kammermusik jüdischer Komponisten Erich Werner, Saarbrücken: Sonate für Violine und Kln», D-rnoll (Komp. 1930). Der erste Satz dieses zweisätzigen Werkes ist in k׳ Form annähernd klassisch und liegt aut der Linie, it Reger angefangen hat. Werner gibt sich aber geschlossen« und im Modulatorischcn nicht so hypertrophisch wie s«: Vorbild. Die Themen sind kraftvoll, die Durchführung i>! interessant. Der zweite Satz ist sehr rhapsodisch, es schürt ihm ein Programm zugrunde zu liegen, freilich mehr (Sfiihlsmäßig als literarisch. Thematisch an den ersten Sai: anklingcnd, bringt er manchen neuen Gedanken; alles ist durch die innere Spannung, die diese Musik erfüllt, zu• sammcngchalten. Ein wirksames, aber nicht leichtes Weile Derselbe: Musik für Streichquartett, F-dur, op. 9. Dieses ciiisätzigc Werk, ein paar Ja 11 re eher als das vorige entstanden, ist in seiner ganzen Struktur und Thematik ן einfacher und cingänglichcr als die Sonate. Manchmal wirf der Rahmen des polyphonen •Quartettsatzes gesprengt, die Ausdrucksruöglichkeiten bis ins letzte erschöpft, Drehest« klingt durch, Mahlcrschc Thematik und absichtliche Banal'• tiit (diese übrigens auch in der Sonate) melden sich. Das ganze Stück hat einen grollen, fortreißenden Zug, cs wurde auch schon wiederholt öffentlich gespielt. Erich-Walter Sternberg! Sonate für Klavier (Benno Bäte, Berlin, 1931). Eine eingehende Analyse dieses wertvollen Werkes, die!» ein Facliblatt gehörte, winde die Pole verdeutlichen, zwischen denen heut« ein von lebendig-jüdischer Empfindung erfüllt״, aber in Deutschland künstlerisch erzogener und licrangercn• tcr schöpferischer Musiker hin- und hergeworfen wird■ 08י der achttaktigen klassischen Periode, von der klassischenrom mit erstem und zweitem Thema, von Reger und Hinuciwt» bis zum orientalischen Tanzrhythmus, der arabischen über• mäßigen Sekunde, den dauernden Tonwiederholungen,dauef»; dem Taktwccliscl, westlich-linearen Reibungen und rein «!' lich-homoplioncn Partien ist so ziemlich alles vorluwW1! was heute lebende Musiker und lebende Juden musikal!:״ bewegt. Dabei wirkt das Werk nicht etwa gestückelt oaf׳ unruhig, sondern diese verschiedenen Elemente werden du״ eine gleichmäßig hohe musikalische Potenz, durch 1ךחני1י_ und ein ausgeprägtes Foringcfühl gebändigt und zu ein«® Oanzcn zusamniengefügt. Dr. Oskar G utt m a8״• Neue hebräische Schallplatten. ״Achemi ko! bess jissrocl“ (Scmcr). Oberkantor Kupfer; am Harmonium: Kopf. Eine wunderschöne synagogale Platte; ein Gesang, abseits von theatralischer Aufdringlichkeit, dabei von starker Erfülltheit und einer seltenen Stileditheit. — ״Lcbka fährt nach Amerika" (Seiner). Pincas Lavcnder; am Flügel: Janowsky. Ein Hübsches Stück jiddischer Kleinkunst, mit sehr bunten Effekten.—״A Chasscne in Stiidtl" (Semer). Moritz Seid ermann; am Flügel: Janowsky. Auch Kabarett, nur stiller,, Sabbnth Evcnlng Service by Frederic Jacob! (New Bloch, 1931). Frederic Jacobi ist nach dem Vorwort der SaimuM einer der repräsentativen Komponisten der jungen üciicraw amerikanischer Musiker. Der heute 43jährige war bdiuj“ Ruhen Goldmarks (ein Neffe des Komponisten der ״Kot!^;j von Saba“) und Erncst Blochs jn Amerika und dann >» Juons an der Berliner Hochschule. Durch diese Lehret ״ ohne Zweitel die Richtung seiner Konipositionsart sw beeinflußt worden; denn die akademische Form des '1' stimmigen Satzes, von dem wir uns und die Synagogalmu» endlich befreien sollten, und die romantische Orundst1n1״״w die den Sinn der Textworte literarisch, nicht musikam ausdeutet, herrschen vor. Verschwindend sind archaistisci > besonders die leittonloscn kirchcntonartlichcn Elemente e ׳cstreut. Sic wirken oft unorganisch, da die Tonahlat ' 3ur und Moll das musikalische Empfinden des Komponn völlig beherrscht. Einzig die Rezitative des Kantors *«‘י einen Weg Ins Jüdische insofern, als sie rhythmisch m bunden, melodisch orientalischer, harmonisch nur und formell nicht in die Zwangsjacke europäischer ״״ kalischer Pcriodcnbildung ringezwängt sind. Ein p*“c"1.״|{ das W'schomru, leider nicht ganz durchkomponlcrt, ״ •chon eine! Wiedergabe wert *־ I

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