Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 66 (17.8.1934)
- Date
- 1934-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr, 66, 17 Vlll 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 "tr- ׳T!;In j״ ilt t'h ■ {!i- :In: [Ul Ru j?u P Rn.!{n- R-;Ja ׳,!«! tri -גי׳ IU! R.u in׳ »11 >1• pe lui In, Ja, l>׳r ieo h fhl• «ml fern I׳u1 וויו?! lnzur Imc Ah• Imiier an um tau der pml lieh ■e r Itl’C;!״r ich, ler- •1>ו, Ri- 11 re jrd, it“, 1ertu- 'vi• (vid jen, : h ר t!vid jabc bst |cn. J•׳ cs Wnn der k'llC 1;u h fjo die ßtc. :*ine ,RÜcm־ K1!t das son- ,rin. A>׳ ו Dm hinatte na!• ¬ס ti, }r יס ״Arier״ » *t jio!״R<־n ״" j/nilfwi ewige Verpflichtung alten Hebräer ver- |ןץן Aiim'HIuM an den Brief des en^ii;־eiten Außenministers lohn Simonworin dieser miUeilt, er sei kein 1 jr; somler״ rem ״arischer" Herkunft (s. ״J. R.“ (,ן vom 7■ 8)> hat sielt in der ״Times" eine inter- 1 .,״tc Auseinandersetzung über den Begriff ״arisch" und ",,,itiwli" entwickelt,;111 der bedeutende englische Anthro (I Naturwissenschaftler tcilnaliinen. Ls wurde darauf irsen, daII ״arisch" und ״semitisch“ lediglich ljn. ״״dbehe tmd keine anthropologischen Begriffe sind und der *!•kannte dicslnvugürhe Ausspruch von Max Midier zitiert. Lmu'mab wurde Sir John Simon zum Vorwurf gemacht, , ß er durch Benutzung des Wortes ״arisch" Verwirrung 1.‘jiiftcf )iahe, Prot. Stanley A. Cook weist in seiner Zu■ tjiiift darauf hin, dafi die alten Israeliten, die an dem Be• ifirunpspm'H dreier Kontinente lebten, zumindest zwei rassi• rhen Tvpcn augehörteii und sich dann auch noch mit den ilicinwoimcrn Palästinas. vermischten. Er meint, daß auch rfwisse formen der biblischen Religion ebenso sehr mif die ״c״'Kanaaniter zuriickzufüliren seien als auf die Eintjfldcningswellcn aus der Wüste, von denen die Israeliten ltr eine darstellen. Ohne die tiefe und ו“, Welt gegenüber den Schöpfungen der deinem zu wollen, müsse man sage», dall auch nicht• ,(flilisrlie Einflüsse die gewöhnlich semitisch genannte KwHur krcirsfniRt hatten. Her in der neuesten Zeit entstandene fichraiich der Worte ״arisch" und ״semitisch“ sei daher zu bedauern. Sir Arthur Kctth beteiligt sich an der Diskussion Pit einer langen Zuschrift (״Times" vorn 13. 8.), worin er le liereelitignng des Sprachgebrauchs ,,arisch" unterstützt. p,c kaukasische Rasse sei, so weit man zuruckblicken könne,! ״Kilt in eine nördliche, arisch sprechende (irnppe, und eine; jöriliclic, semitisch sprechende. Da die Vorfahren Sir John! iinons nördlich der Treniiuiigslinic gelebt haben, könne er niit Recht ״arisch" nennen. Die (in der ״Times“ von || ah hon u, n. verfochtene) Meinung, es gäbe drei nnitc Rassen in Europa, 11;imlieh die nordische, alpine und jifdilerrane, wird von Sir Arthur Kcitli zunickgewieseu. fj jahe mindestens dreißig Rassen, und jede Nation sei ent״ weder bereits eine rassische Einheit oder strebe danach, cs zu werden. Von all diesen rassischen Einheiten aber besitzen mir die Juden kein Heimatland und haben sich trotzdem (׳tollen. Der Verfasser meint, tlali die Juden, ursprünglich (5, Mesopotamien stammend, als Volk zu existieren herinnen, als der Handel /.wischen den grollen Gemeinwesen ies Orients aufztthhihen begann, wahrscheinlich etwa im ן Jahrtausend v. Chr, Als dann die Kultur sielt nach Europa (streckte, folgten ihr die jüdischen Gemeinden als Träger des Handels. Nun habe jede Nation, die sieh zu einer separaten!!«!sehen Einheit entwickeln will, ein Streben nach Ein* Initlichkeit des Verhaltens ihrer Mitglieder. Diese Homogenität werde durch die Juden gestört, und daher komme, meint Sir Arthur, die Schwierigkeit in Deutschland und anderen I.ändern. Dies, so schließt der Briet, sei ein Verstirb, den Antisemitismus zu erklären, dicht ihn zu rechtfertigen. Auch auf diesen Brief sind noch einige Erwiderungen erfolgt, die dein Briefsehreiher Unwissenschaftlichkeit, «!werfen und mit Entschiedenheit darauf bestehen, dal) in England der Gebrauch der Worte ״arisch“ und ״semitisch“ sich streng an die wissenschaftlichen Gegebenheiten halten müsse. > fiel Gräber öffnen sich . . . Die Ueberfiihrunß des alten Judenfriedhots In Rom Rom, 11. August. (J.T.A.) ln Begleitung des Gouver- (Kurs der Stadt Rom, Prinz Btioticonipagni Ludovisi, hat Muss 0 I i n i den alten Judenfriedhof auf dem Ave»- It«! besucht. Der Friedhof wird bekanntlich zwecks Durch* Uirimg des neuen Stadtrcgulierungsplans aufgelassen, die fwhcr 11ml Grabdenkmäler werden nach dem jüdischen Friedhof Vcrano verlegt. Der Friedhof aut dem Aventin!!!Icht seit 300 fahren.' Auf ihm sind zahlreiche hervor- »,ende Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Rom begraben, ן :der ihnen auch Felice Venezinn, der in der italienischen;| fnihcitsHwegung eine bedeutende Rolle gespielt hat. -- I Mussolini wurde hei seinem Besuch auf dem Friedhof von!| i«m stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde;i Rom, Enrico Cohen, und dem (Jemcindcsekrctär Dr. Umberto Hoocchio empfangen, Mussolini ließ sich geschichtliche י Einzelheiten über den alten Friedhof erläutern. Bei den Ausgrahungsarht iten auf dem alten Judenhiedhol in Rom wurden Tausende alter hebräischer , «klit, von denen viele aus der Zeit der Erfindung des Buch-! wtks stammen, gefunden. Einige Exemplare von besonderem .; ״Itenhcitswcrt sollen aufbcwalirt werden. He türkische Regierung hat die vor einigen Monaten «(nrndctc a n t i s e m i t i s c 11 e Zeitung ״Milli Inkilap“, «!t eine iudciifeiiuliiche Hetze entfaltet hat, verboten. , Er horte mit höflicher Aufmerksamkeit mit an, was_ Jonah in rasantem Spaniolisch — sic war seihst eine Senhar- יך ~ ausi'inaiulcrsctzte. Dann schüttelte er lächelnd den Kopf. ״• ן** ist nichts für uns, Sonora. Glauben Sie mir,, wir sind pc Juden; wenn wir am Freitag Mittag unsere Fische ver• 1 Mit lialien, gehen wir Maasser. Aber Land kaufen, in Pa•; ®tina? Wissen Sie, wieviel Land wir brauchen? Soviel!" Er j lts auf den von Seetang bedeckten Steiublock, in dem der 1 |rr05,ete Fiscnring steckte, an dem das Boot festgemacht?״ ■זMehr Fand brauchen Fischer nicht. Nicht einmal soviel: M nah״! gute Anker. Nehmen Sie Ihre Büchsen wieder mit. mögen gut sein für Bauern oder Kaufleute oder Hand- »Hier — ßm a||L.!,rauchen Boden unter den Füßen. Uns ««iigcn diese Planken, wir kennen kein anderes Haus als ™,tr Hont." Ich verstand schon etwas Spaniolisch, ich wußte ungefähr, ji'f meinte, und zerbrach mir den Kopf, was man wohl 11,1׳ frwhlern könnte. Aber Jonah stemmte* die Arme in die I (j|, p’rc Augen blitzten, die ganze kleine Person schien von b, i’r• üali er ein bißchen nacluienke, könne inan ollen• 11,1,1 ״!Clt V0״ einem Mann verlangen, der nur mit dummen , ,!"lu'״ Fischen umgehe. Daß er auch an andere denke an die eigene Sippe, könne man wohl nickt gut von einem . cr"1׳rtc11, der seine Fische so teuer verkaufe. Aber seinen CIIV Otjjjrv, K'BIIIV IIIUII n um ״iv«■* f-, —» -־־ ,; (! ..im, der seine Fische so teuer verkaufe. Aber seinen j 'fiCutn Vortei I solle er doch wenigstens im Auge haben. I AN,”Uu Frauehst nicht mehr Land als diesen Stein dort? I ZV s*ge doch: ist es Dein Stein? Wenn der Türke Dir I h״ VCfbietet, Dein ß״ot daran festzmnaclicn, was machst J dann? Wein verkaufst Du Deine Fische, wo kaufst Du I Me״.Ur1d ^c>n ״|'(i Oliven, wenn Du Deine Beute wieder ins Vw״fcn mußt? Sage nicht, das werde nie geschehen I I SrtfRw n dic Juden immer und überall gesagt, und dann Uil'o •-cs eben doch I Und wenn Du schon nichts geben I dann ״•ur die Andern, die Land in Ercz, Israel brauchen, liti mP'. da׳nit einmal dort drüben ein fester Stern am Ufer ISölih» *l001״ starken Eisenring, an dem Du — oder Deine I *״*» oder Deine Enkel — an dem Ihr Euer Boot fest- Jüdische Volksbildung in Wien Wir haben bereits darüber berichtet, daß der Volkshil- 1 ungsretereiit der Stadt Wien (Prof. Lugmaycr) eine heson* dere Abteilung für jüdische Volksbildung eingerichtet hat. Der Leiter dieser Abteilung, Professor Kupfer, veröftenthebt nun in ,1rr ״Neuen Freien Presse" (Wien) eine Darstcl- 11mg seines PttielUcnUreiscs, worin folgende interessante An• gaben gemacht werden: . Mitte August beginnen die Vorarbeiten für das neue Ar• bcitsjalir 1031/35. Ls wird beabsichtigt, in den Mittelschulen (höhere. Schulen) rein religiös-jüdische Verbände zu schaffen, m ähnlicher Weise auf den i locliscliulen zu wirken und ebenso Bibliuigsorganisationcn hei den jüdischen Angestellten und Gewerbeschulen! ins Lehen zu rufen. Ferner soll diese Sektion mit allen p a 1 ä s t i 11 o p 11 i 1 c 1! und z i o 11 i 8 t i sehen B i I <1 u n g s v c r c i 11 e n in innigste Verlandung Ireten. Auch die vielen jüdischen Ilildimgsvereiiie (Zahl 160) werden registriert und stets mit Themen und mit Vortragenden versehen werden. Zum Schluß sei bemerkt: Dem Bilduugsreferenten leuchtet die Aufgabe vor, die jüdischen Massen der Lcopoidst.idt, Brigittenau tmd die jüdische Intelligenz Im neunten Bezirk fiir Bildungszwecke zu erfassen. Für diese Massen ■werden Kurse geschalten werden, ähnlich wie die leider eingegaugenen Toynbcelmlk, XX., Dcnisgassc, gewesen ist. Da schon jetzt eine ganze Reihe von Lehrern und Fachmännern diesem Bikhmgswcrk zur Verfügung stellt, Ist eine intensive Arbeit mit großem Bildiingscrfolg zu erwarten, die letzten Lndcs den Juden selbst, ihrer Eingliederung in den neuen Staat und auch dem Ansehen Oesterreichs im Ausland förderlich sein wird. Kleine Nachrichten Die provisorische Tagesordnung der 81. Session des Vfil ■ k 0 r b 1111 tl rate s, die am 7. September beginnen wird, enthält 11, ,1. die Entgegennahme des Berichte* der Ständigen Mandatskommission von ihrer letzten Tagung, während der auch der Jahresbericht der Mandatarmacht über Palästina behandelt wurde. Das Vcrhandlnngsprotokoll mul der Bericht der Mandatskommission an den Rat sind noch nicht veröffentlich! worden. In allen Städten Lettlands wird von den lokalen Behörden die Z w a n g s s o n 11 ♦ a g s ru h e angeordnet. Die jüdisehen Kaulleutc und Gewerbetreibenden sind nunmehr gezwtmgcn, ihre Geschäfte an zwei Tagen in der Woche ge* schlossen zu halten. Aus Litauen wird berichtet, daß dort eine starke Bewegung für Einführung der Sonntagsruhe nicht nur in den ProvinzsGdtcn, sondern auch in der Hauptstadt K a 11 n a s eingesetzt hat, wo bisher die Geschäfte am Sonntag bis 5 Uhr oüengehaltcn werden durften. Der Sekretär der ״Alliance Isradlite Universelle", Jacque» B i g a r t, ist in Paris gestorben. Das Joint Distribution Committee hat 7500 Zloty, das Warschauer Iliccm-Btiro 101)0 Zloty dem Allgemeinen Hilfskomitee für die von der letzten Ucbcrschwemmimgs-Katastroplie Betroffenen ohne Unterschied der Kon• fcssion überwiesen. Die ״Berliner Börsen •Be richte“ vom 14. 8. beschäftigten sich mit der Finanzlage der Stadt Frankfurt/M. und teilen hierzu u. a. folgendes mit: ״Das Steueraufkommen wäre, wie Si.ultkämmcrer Lehmann bemerkte, größer gewesen, wenn cs nicht durch die Abwanderung jüdischer Firmen beeinträchtigt worden wäre. Der Juli d. J. habe allein 104 Liquidationen nichtarisclicr Firmen gebracht." Im offiziellen Organ des italienischen Außenministeriums ״Oiornale d’Italia“ veröffentlicht der bekannte italic* nischc Flieger Guido Stellingwerf, der im Auftrag der Stadt Bari dem Bürgermeister von Tcl-Awiw, Meir Dizcngoff, die offizielle Einladung iibcrbracht hat. an der bevorstehenden Messe von Bari teilzunehmen, einen negeisterten Artikel über die erstaunliche Entwicklung der Stadt Tel- Awiw. Am 15. August wurde in Lemberg die Tagung des Zcntralratcs des MisraclU-Wcltvcrbandcs eröffnet. Zu der Tagung sind über 50 Delegierte cingetroffcn. Die JinfcdilliarkcU von llsdielicn 15. Oktober Icl/Jcr Anlecl1fun!jstmniu Vor einiger Zeit wurde ein Urteil des Kammer- Berichtes veröffentlicht, in dem die Frage der Anfechtung einer Mischehe zwischen Ariern und Nichtariern negativ entschieden worden war. Nunmehr liegt in dieser Angelegen• lielt die Entscheidung des Reichsgerichtes vor. Dieses hat auf Revision des Antragstellers den Entscheid des Kam- ׳ mergerichtes verworfen und sich für dir Anfecht ungiklage ausgesprochen. In den Entschödungsgrümkn führt das Reichsgericht aus: ״Ihr An na hmc des Karmnrrg! riHiIra, d,1־ß er den Irrtum *pale• slcns im Jahre 1020 cutdi■( kt 11;,he, ist rittcflcnd. Niehl riitnslirnmen 10 aber .׳!er Andel,( יי,ס Urmluitg grrichtcי, daß damals die AnfeclU ung'drisr ru l;,1,|en b״׳<>hn<׳n habe. Kt ist der Revision ru׳u;;rl«'n, daß ein׳■ Anfei hlimipklugc vor «lern Durchbruch der n.ilionakori.ilUtLchen Bewegung keine Aus«׳ ht «Hl! Erfolg gehabt haben würde. Erd durch dni Gr״■!?, j,1r WiederhervtcDnng dev H״ruf di.-ami( fitiifm vom 7. April 1033 sind «us der rnsiisthen Ve! icliiivlrrilich d!1at!iel!r Folgerungen gorogrn worden. Vor dörr st aal liehen Anerkennung der Bedeutung der rmsisrhen Verschiedenheit war rin׳.׳ Anerkennung dieser HrdctUting durch die Gerichte nicht 7,1 erwarten. Als Begum d t Anferhtungsfmt kam, der 15. April 1933 an. gesrh-n wer len, ,In ruh Siehcrluut nngemimrnrn werden kann, 11■ ß nn ׳!irsetn l’nge die grdath!( 11 gr-settlii hen De titnmungen allgemeiri bekannt gewor len wuren. Vor dem 15, Oktober 1033 war daher die Anfrchliingifrisl nicht i,l>g״lau(cn. Die vorliegende Anfechtung*• klagr, die n»rh den 7u'rclirrulen Darlrguinpu de•; ItcruiungsccrichU ■I» •01 Juni 1033 erhoben gilt, ist dann fr, dgcmutl erhoben,״ Die SfeKItmg der Jlltllsclien Juoendorganisationea Die ״Deutsche Zeitung" veröffentlicht eine Unterredung des stcllvcrlrcfcndcn ibmptschriftlcitcrs des Reichs- Jugend-Pressedienstes mit dem Leiter der Abteilung JV (Ja- Rcudvcrhändc) in der itcichs)ugcmifitl1r1u1g, Gbcrgebictsfuhrer Carl N ,1 b c r s h c r g. In dieser Unterredung erklärte Obcrgcblctsfülirer Nalicrsberg auf die Frage, welche Jugend-, Organisationen in Deutschland, die außerhalb der Hitlerjugcrul stellen, neben der Gruppe der katholischen Jugend noch erwalincnswcrt seien, folgendes: ״Es gibt in Deutschland eine große Anzahl von!üdisehen Jugendorganisationen, die heute sclbstvcrständlich genau wie früher ungehindert ihrer Arbeit nachf‘ der unmittelbar der Abteilung Jugcudverhänüe unterstellt ist, Wir haben gerade mit den jüdischen Jugendorganisationen zahlreiche praktische Frage!! zu besprechen, die Genehmigung für die Ferienlager der jüdischen Jugendorganisationen ru beschaffen usw." Das llillswerl( für aasnewanderte Studenten London, 12. August. (J.T.A.) In einer vom Intel■- nationalen S111 d c n t 0!1 d i c n s t einherufrnen Sonder- Konferenz, die sieh mit fler zugunsten der Studenten aus Deutschland geleisteten Hilfsarhctt befaßte, führte Dr, Waltcr Kotschnig, Genf, den Vorsitz. Reverend M. L. Perlzweig, Vorsitzender des Wcitvcrbandcs Jüdischer Studenten, wohnte der Konferenz als Vertreter des Central British Fund for German Jcxvry bei. Herr Garcth Maule, der englische Sekretär des Internationalen Studentendienstes, berichtete, daß sich über 1300 ausgc wand orte Studenten an den Studcntcndienst um Unterstützung gewandt hätten. Ziel des Dienstes ist es überall, den Studenten in möglichst kurzer Zeit zu Wirtschaftlieber Selbständigkeit zu verhelfe״. In dem mit dem 30. Juni endenden Jahre wurden über ü 3000 für Berufsumschichtung und Stipendien ausgegeben. Dr. Chaitn Wciznunn g.ih den Mitgliedern der Konferenz ein Frühstück, hei dem er die Arbeit des Internationalen Studentendienstes würdigte und seine Unterstützung fiir den Appell zusa.gte, der zugunsten der Fonds des Dienstes im Herbst eingelötet werden soll. Auszeichnung. Die ״Magdeburger Tageszeitung“ ■vom 7. August meldet: ״Dem gerichtlich vereidigten Dolmetscher und staatlich z.ugelassenen Sprachlehrer Emil Brauer ist der Schlesische Adler 1. Klasse verliehen worden. Aus seinen Erinnerungen erzählt Dolmetscher Brauer, daß Gcneralfcld- »!arschall von Hindenburg sein erster Gratulant gewesen ist, als Brauer vor 25 Jahren zum Konsul ernannt worden war. Hindenburg hatte damals das Kommando über das IV. Armee• korps in Magdeburg.“ — Konsul Brauer ist Jude und hat vor einiger Zeit auch in der ״Jüd. Rundschau“ Informationen über Unterbringung jüdischer Handwerker in Spanien und Portugal veröffentlicht. In den wissenschaftlichen Kreisen Italiens wurde der 90. Geburtstag Senator Ignazio G ui dis gefeiert, des hcrlcutendsten italienischen Forschers auf dem Gebiet der hebräischcn Sprache und der semitischen Sprachen im allgemeinen. machen könnt. Gib heute, damit Du später nicht einmal um diesen Stein betteln mußt. Damit Du sagen kannst, Du hast ihn Dir erworben.“ Und damit schritt die kleine, energische Jonah an dem großen David vorbei, raffte im Gehen einen groflen, rostigen Nage! auf, der an Deck lag, griff nach einem Stein, der ein zum Trocknen aiisgespaiiutcs Netz beschwerte und nagelte die kleine blaue Büchse an den Mast des ״Progrcsso“. Dann drehte sie sich um. ״Gib!“ rief sie befehlend. Und gehorsam, wenn auch mit einem Lächeln, griff David in die Tasche, hohe ein Fünfpiasterstück hervor und warf es in die Büchse. Das war die seltsame Gelegenheit gewesen, bei der ich David Crescas kemieiigelernt hatte, Und jetzt saß er hier neben mir, im Schatten des Sackgebirges im Hafen von Haifa.... und Jonah, so sagte er eben, hatte recht behalten. ״Was macht die ״Progresso“, David?" fragte ich. Sein Gesicht verdüsterte sich. ״Die Alliierten haben sic im Krieg beschlagnahmt. Sie haben keine Ahnung, Scnor, wie' wir gelitten haben. Als wir sie endlich wieder bekamen, hatten die Verhältnisse sieh gründlich geändert. Man hat von uns jüdischen Fischern in Saloniki nicht mehr viel wissen wollen. Man hat uns nicht gerade den Stein und den Ring verböten, wie Jonah prophezeit hat, aber man hat «ns fühlen lassen, daß es nicht unser Stein und unser Ring war. Dann, vor drei Jahren, ist die ״Progresso“ uutergegangen — ich bin der Einzige, der gerettet wurde, icl! und ein kleines Stück von ihrem Mastbaum. Und ich habe seither als Lastträger gelebt, in Saloniki, in Smyrna, in Stambul — aber, überall ist der Neid, die Mißgunst, der Haß. Und dann Ist eines Tages das Wunder geschehen. Man hat gerufen: ״Kommt! — Wir brauchen in Ercz Israel jüdische Schiffer, jüdische Fischer, die mit dem Meer befreundet sind.“ Nun — ich bin fekommen! Andere sind gekommen. Man hat uns ein riesiges tiiek Land hier draußen an der Bucht gezeigt und hat gesagt: ״Das alles gehört dem Nationalfonds, d. h. den Juden. Dort, wo das Meer am tiefsten ins Land eindringt, sollt Ihr leben. Ihr werdet Boote bekommen. Ihr werdet Netze bekommen, Palästina wartet auf Eure Fischei Serror, denken Sie: ich werde wieder ein Schiff haben l Und ich brauche mich nicht zu schämen, wenn ich cs annehme, ich habe das Mcinigc dazu bei getragen, mehr nis zwanzig Jahre habe icl! die Biirlise gefüllt! Gott segne Ihre Freundin Jonah! Wenn sie mich nicht so ausgescholten hätte.... Und nun kommen Sie mit, Scnor, ich muß Urnen etwas zeige!!,“ Wir fuhren mit dem Autobus nach Kirjath Chaim, der neuen jüdischen Vorstadt Haifas auf N.-F.-Bodon, und dann folgte ich David in die Dünen. Dort hatte er sich eine Hütte gebaut, aus Strandholz, aus Bcnziubiichsen, ein abenteuerliches Ding, das gut zu ihm paßte. Eine Kiste war der Tisch, mit einem weißen Tuch bedeckt, und darauf lag,... Darauf lag ein morsches Sfiick Holz, auf das ein verbogencs Stück Blech genagelt war. Der Ucbcrrcst vom Mastbäum der stolzen ״Progrcsso“ — und Jonahs Nationalfondsbüchse. Wir schwiegen beide lange. Dann sagte David: ״Wenn ich wirklich wieder ein Schiff bekomme, nagle ich sie wieder an den Mastbaum. Und das Boot — das Boot soll ״Jonah“ heißen.“ Der Maler Armin Stern, der in München tmd zuletzt in Frankfurt a. M. lebte, und gegenwärtig in der Tschecho- Slowakei Aufenthalt genommen hat, weilte im Jahre 1933 auf einer längeren Studienreise in Ercz Israel, von welcher er mit einer reichen künstlerischen Ausbeute zurückkehrte. — Schon während seines Aufenthaltes Im Lande selbst fand unter dem Protektorate des tschcchosbwakisclien Konsuls eine Ausstellung seiner Werke in Je* rusalem statt, welche die besondere Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf diesen vorzüglichen Landschaftier und Porträtisten lenkte. — Nach seiner Rückkehr aus Erez Israel fand nun kürzlich in Bratislava eine Ausstellung seiner neuen Werke statt, die vom Bürgermeister der Stadt, sowie vom Vertreter der Akademie der Wissenschaften eröffnet wurde, und die ein umfassendes Bild der reichen kirnstlerischcn Ernte diese« Aufenthaltes in Erez Israel bot. Diese Ausstellung, die seither in einigen größeren Provinzstädten der Slowakei wiederholt wurde, fand seitens des Publikums besonderes Interesse.