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Jüdische Rundschau · 1934-08-14 · Heft 65 (14.8.1934) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 65 (14.8.1934)
Date
1934-08-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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' Belte 8 ftmmmmmmmmmrnm göDISCHE RUNDSCHAU K Nr, 65, H.Vni,!^ Kindhcitserinncrungcxi E&n einen. großen jüdischen Gelehrten 1' In meinem Elfernliause verkehrten sehr beclentemle Men- 1Uchen, Arier und Nichtarier. Mit vielen bin ich auf die Dauer des Lebens verbunden geblieben. Ein einiger, der damals ein junger, unbekannter Doktor war, hatte auf die Gestaltung aneincs Lebens einen entscheidenden Einfluß. Es war vor ungefähr 50 Jahren, die Universität Straßburg Stand noch nicht. Mein Vater nahm mich eines Sonntags mit, den weiten Weg von der Lessingstraße (die übrigens meine Mutter nach dem Dichter des Nathans genannt hatte, da wir das erste Hans in der neuen Straße waren), bis zur Züricher Straße, wo damals das physiologische Institut sich befand. Assistent des bekannten Physiologen Goltz war Dr. Jacques loch. Ich sehe ihn noch heute vor mir, wie er vor seinem großen Fensterplatz im Institut sali, er war sehr sorgfältig gekleidet, für die damalige Zeit beinahe elegant, auf dem brauuknricrtcn Anzug war kein Stäubchen zu selten, die schmale goldene Uhr mit der cnggegliedcrten Kette lag vor ihm auf dem Tisch. Als wir cintraten, erhob er sich, seine Bewegungen waren langsam, vielleicht ein bißchen schüchtern, über seinem Blick Jag eine sonderbare Melancholie, die nur auf ganz kurze Augenblicke dem Lächeln über das kleine Kind wich, das mit 1111sicheren Schritten, die Augen neugierig über die vielen neuen Gegenstände schweifen lassend, dahcrtrippelfc. l.ocb war eher klein als groß, seine Gestalt schmächtig, die Hautfarbe blaß, das Gesicht schmal, die Stirn sehr hoch und frei. Seine Stimme war leise, von einer gedämpften Lebhaftigkeit. Alles in allem lag ein großer Ernst über ihn gebreitet.; Er liiefl uns willkommen, schob mir einen Stuhl heran, auf den ich mühselig heraufkrabbclte, so war ich wenigstens in der Lage, den Tisch einigermaßen zu überschauen, rechts •fand das Mikroskop, links waren eine Menge Gläser, Chemikalicii, Reagenzien usw. aufgebaut mul vor ihm auf dem!Tische standen flache Schalen mit Regcnwürnicrn, die sieh liin- und herbewegten bzw., die in verschiedene Stücke zerschnitten waren. Loch zeigte uns nun das fiir mich unfaßbare Wunder; seine neuesten Versuche hatten ergeben, daß nur der der Länge nach in zwei Hälften zerschnittene Regenwurm in der Lage war, weiter zu leben und dal) die linke Hälfte eine rechte regenerierte, während der rechten eine linke wuchs. Ebenso waren da Würmer, die in der Querachse durchgc- Schnitten waren, bei denen die vordere Hälfte sich die hintere Zuerghnzte, während die hintere noch nicht imstande war, die vordere zu regenerieren. Damals auch schaute ich zum ersten Male durch ein Mikroskop und sah das hiinthewegfc Leben in einem Tropfen Wasser. So viel ich auch in meinem Leben kennengelernt habe, immer, wenn ich an meine Kindheit ztiriickdenke, sehe ich die Rcgeineiirmcr in ihren Schalen stehen — und höre Dr. Loeb meinem Vater die entsprechenden Erklärungen geben. Damals ging ich noch nicht in die Schule, und trotzdem sind diese Erinnerungen haften geblieben und gewannen mit der Zeit determinierenden Einmiß auf die Gestaltung meines Lebens. Loch war längst fort aus Deutschland; es war übrigens keineswegs Antisemitismus, der ihn zwang, nach Amerika zu gehen, sondern Intrige persönlichster Art, die ilundie Dozentenlaufbahu in Deutschland abgcschniUen hatte. Während ich Naturwissenschaften studierte, wurde Loeb eine Berühmtheit von internationalem Rufe, Seine Briefe an meine Eltern erzählen von den Kämpfen und Schwierigkeiten, die er zu überwinden hatte, um schließlich vom College teacher einer kleinen Stadt Professor in Berkeley Univcrsity hei San Fran- Cisco zu werden. Später hat ihm dann der Staat eine eigene große Jacht Zur Verfügung gestellt, um seine Forschungen an Meeres* tieren in geeigneter Umgehung durcbzufiihren. Hier ist cs ihm dann gelungen, unter besonderen Bcdinfcungen, nur durch Einwirkung von Sonnenstrahlen und Meereswasser, unbefruchtete Seeigel-Eier zu befruchten. Diese Parthcnogenesis, die er als Erster aufzeigte, stellte ihn vielleicht in eine Linie mit Forschern wie Darwin und Huxlcy. Und merkwürdigerweise, während andere jüdische Forscher wie Einstein, Haber, Ehrlich früh berühmt wurden und auch In das Bewußtsein des jüdischen Volkes Eingang fanden, blieb Loch, außer dem Kreise engster Facligenosseq, der .,unbekannte jüdische Gelehrte“. Aber vielleicht ist es in der heutigen Zeit, in der uns so gern und so leicht Minderleistungen auf allen Gebieten nachgesagt werden, nicht unangebracht, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf ihn zu lenken, diesen Btillen, vielleicht etwas verschlossenen jüdischen Gelehrten, der im Weltkriege drüben viel Schmerzliches und Schweres für Deutschland erlitten und erlebt hat. Es scheint mir keineswegs ausgeschlossen, daß Sinclair Lewis in seinem Dr. ,A r r o w s tu i t h dem Dr. Göttlich Züge von Jacques Loeb gegeben hat; seinen wissenschaftlichen Leistungen dürfte er gerecht geworden sein, seinen menschlichen Eigenschatten allerdings nicht, und deswegen zweifle ich, daß Lewis Loch, der wenige Jahre nach dem Kriege starb, noch persönlich gekannt hat. Loeb stammte im übrigen aus der bekannten Trierer Familie gleichen Namens, er war über die Frauenscitc ein Neffe des Historikers Brefllau, dessen Solm Ernst, was in diesem Zusammenhänge interessieren dürfte, ebenfalls erst Mediziner war, che er Zoologe wurde. I>r. T. Simon, Wannsee. Ein interessanter Kalender r Herr Rabbiner Dr. S. L c v i in Mainz sendet uns einen frt seinem Besitz befindlichen Kalender aus dem Jahr 5617 <1856/57). erschienen in Hannover, und meint, daß es unsere Leser interessieren wird, daß dieser Kalender ein hebrä- Ssches Vokabularium enthält, woraus sich ergibt, daß auch damals das Interesse für eine moderne hebräische Sprache verbreitet war. Der Herausgeber des Kalenders, iS. E. Blogg, versuchte in seiner Weise die Kenntnis der Sprache zu fördern. Der Kalender, ln dem alle Markttage in;Deutschland besonders verzeichnet sind, bringt zu praktischen (Lebensfragen eine ganze Menge hebräischer Sentenzen mit Uebcrsctzung, die einesteils ungalnntc Skepsis in Liebesdingen erkennen lassen, andererseits auch Geld und Reichtum dicht als der Güter irischste anerkennen. Auf der letzten Seite beißt es dann; ״Unerfahrene in der hebräischen Sprache machen den Ungerechten Vorwurf, daß in derselben keine Kunstwörter (Termini tcchnici) für neuere Erfindungen anzubringen sind, daher wir liier.fiirerst einige derselbe aufzcichncn wollen.“ Es ist dabei interessant, daß in diesem Vokabularium eine {;anzc Anzahl von Wörtern aufgeführt werden, die in der icutigcn hebräischen Umgangssprache anders gebräuchlich pind. So z. B. heißt Zeitung nicht עתין, sondern הדשות *Pia fiir; Brille wird nicht das Wort משקפים• sondern צהל עמים gebraucht. Dichtkunst heißt bei Blogg nicht שירה• sondern {הכמת המליצו! Schuster nicht סנדלר• sondern עושה נעל• und Schließlich Kleiderbürste nicht מברשת sondern מנקה בגדים. [ Die jüdischen Kreise in Kairo haben Vorbereitungen - getroffen, um den 800. Geburtstag des Mai'monides festlich fcu begehen. Es wurde ein Organisations-Komitee gebildet, das' die Vorbereitung für die im März 1935 stattfindende freier durchführen soll. u w Bialik schloß seinen berühmten Aufsatz ״Halnclta und Afigada“ mit den Worten; ״Kommt und richtet Gebote über 1ms auf!“ Nunmehr wird bekannt, daß Bialik sich seit Jahren mit der Absicht trug, einen neuen Schule 11 an A r 11 c 11 zu schreiben, in welchem der größte Teil der alten Gebote mit neuen Geboten verschmolzen werden sollte. Dieses ״Buch der Handlungen“ ist nicht geschrieben worden, aber im ״Dawar“ versucht Jehudft Kaut m a 11!1 auf Grund sehr vieler Gespräche Uialiks, den Plan Bes Buches zu rekonstruicrai. Das Buch sollte drei Teile umfassen: Pflichten des Menschen zu sieh selbst, Pflichten zu seinem Nächsten, Pflichten des Juden zu seinem Volke. Als Pflichte n des J 11 d c 11 7 11 s r i n c m Volke zählte Bialik auf: Kennt* nis der jüdischen Vergangenheit, Erkenntnis ihrer ewigen Werte, Erlernung ihrer größten Schöpfungen, Wandel in den Wegen des Judentums, Hoffen seiner Hoffnungen und Mitarbeit an seinen! Wiederaufbau. Das Symbol dieser Vcrhiiidimg mit dem Volke ist mul bleibt die Beseiincidiing. Die Verbindung mit der Vergangenheit kommt zum Ausdruck in der Beobachtung der Feste in traditioneller Weise, wobei zu den überkommenen Bräuchen neue hinnigefügt werden können. Im Mittelpunkt der nationalen Institutionen stellt das Lchriiaiis. 111 ihm verbindet sich der Einzelne mit den nationalen Werten durch regelmäßiges Lesen in der Thora und den übrigen Teilen der Bibel, aber auch der spä* teren Produkte des jüdischen Schrifttums, Die Predigt soll erneuert werden. Als neues Gebot hat unser Geschlecht die Heiligkeit der Sprache entdeckt, mit dein nun wiederum sehr viele andere Gebote verknüpft sind. Ebenso ist die Pflicht des Aufhaus Palästinas ein neuer Komplex von Oeholen. Die Erziehung ist der Höhepunkt und die Zusammentassung aller dieser Gebote in bezug auf das Verhältnis des Einzelnen zu seinem Volke. In die Ausarbeitung der Gebote zwischen dem Menschen und seinem Nächsten hat unser nationaicr Genius seine besten Kräfte eingesetzt. Und darum wird alles das aufrecht bleiben, was in unserem Rechtskodex, dem Choschem misclipat, niedcrgclegt worden ist. Unsere Rcchtsauffassung gebietet uns, unsere Welt aufzubaticu auf den Prinzipien der Gnade, Barmherzigkeit und Liebe; zu ergänzen ist das traditionelle Rechtsbuch durch Gebote in hcztig auf das Verhältnis zur Frau und durch Gebote in bezug auf die bürgerlichen Pflichten; Disziplin, Ocbor.sam dem Gesetz gegenüber, Wahrung der Ordnung und Hintansetzung des persönlichen Vorteils gegenüber dem Wohic der Gesamtheit. Schieber und Wucherer sind mit allen Mitteln der Gewalt aus der Gemeinschaft auszuschlicßcn. Die Oehote der Fainilienbeziehung und des ״Dcrcch Erez." (Bialik erklärte diesen als das Entgegenkommen in gesellschaftlichen Beziehungen, als die Achtung vor den Gefühlen und Ansichten des Nchenmenschcn und als Rücksichtnahme in bezug aut die Ansichten mul Gewohnheiten des Einzelnen und der Gruppe, mit der wir zusanimcnkoinmcn) — diese Ocbotc stehen im Mittelpunkte der Bestimmungen in bezug auf unser soziales Leben. Als Pflichten des Menschen gegen sich selbst führte Bialik an: die Wahrheit in Tat, Wort und Gedanke, Bescheidenheit, Unterdrückung der Triebe, Arbeit, Festsetzung bestimmter Stunden für die Pflege der Lehre, der jeder Jude eine Stunde am Tage zu widmen hat, die Liehe zum Tiere, zur Pflanze und zum Stein, die Pflege der Schönheit und die Ausbildung der künstlerischen Kräfte des Menschen. Nächste Abfahrten nach Palästina (mitgctcilt vom Pakstine & Orient Lloyd, Berlin NW 7» Friedrichstr. 100, Tel. A6 Merkur 2915) Gen. Metzinger 15. 8. ab Marseille Pilsna 15. 8. ab Triest Tcvere 16. 8. ab Genua Tcvcrc 17. 8. ab Neapel Ausonia 18. 8. ab Triest Italia 22. 8. ab Triest Polonia 22. 8. ab Konstanza Sphinx 24. 8. ab Marseille Esperia 25. 8. ab Genua Fel. Roussel 29. 8. ah Marseille Pilsna 29. 8. ab Triest Jean La Borde 30. 8. ah Marseille Vienna 30. 8. ab Genua Vienna 31. 8. ab Neapel Roma (33 000 t) 2, 9. ab Oenua Roma 3. 9. ab Neapel Ocrusalcmme 5. 9. ab Triest Polonia 5. 9. ab Konstanza Mar. Pacha 7. 9. ab Marseille Tu g v c r b i n d u n g: Jeden Donnerstag ab Halle■’ nach Oaza. Mitteilung des K. J. V. — Palllslinatcise. Wir veranstalten wieder eine Gesellschaftsreise nach Palästina, die am 20. 8. in Berlin beginnt, Die Hinfährt beginnt mit dein Dampfer Vienna ab Neapel am 31. 8. oder wahlweise mit dem Dampfer Roma am 3. 9. ab Neapel. Die Reise mit dem Dampfer Vienna führt über Alexandrien und Port Said. Gelegenheit zur Besichtigung 11er Städte ist gegeben. Der Reise mit dem Dampfer Roma geht eine dreitägige Italicnreisc voraus mit Aufenthalt in Rom und Neapel. In Palästina veranstalten wir eine zwölftägipe Gesellschaftsreise, so daß die Rück* fahrt am 10. 9. mit der ״Pilsna“ oder am 26. 9. mit der ,,Oerusalemmc“ erfolgen kann. Wir bitten, unseren Prospekt umgehend an zitfordern, da die Besorgung von Hotel* gutschcincn usw. längere Zeit erfordert und zu späte Ent- Schließung die Teilnahme an der Reise gefährden Kann. Bei Meldungen wird gebeten, gleich mitzuteilen, welche Hin* reise gewünscht wird und ob eine Teilnahme an der Landreise beabsichtigt ist. Gleichzeitig bitten wir, im Interesse einer schnellen Erledigung um baldige Einsendung der zur Bcsorgung der Visen erforderlichen Unterlagen an das Büro des Kartells Jüdischer Verbindungen, Ber• 1 i n - C h a r 1 o 11 e n h u r g 2, B I c 1 b t r e u 81 r. 50, Tele* plion: CI Stcinplatz 4736. Das Festspiel ln Klnereth zum 10jährigen Jubiläum des Kibbuz des russischen ״Schomer Hazair“ wurde teils wegen Bialiks Tod. teils aus technischen Gründen auf einen späteren Termin verlegt. Zur Feier im engeren Rahmen lud jedoch der Kibbuz atu 3. und 4. August den Dichter Nathan Altcrmann als Autor des geplanten Festspiels und den Verfasser des Szenariums und dessen Regisseur Alfred Wolf ein. Schon rein äußerlich sicht das Szenarium drei vollständig voneinander abgetrainic Bühnen vor, sicher nicht nur für eine Kwuzah und auch nicht nur für Erez Israel ein seltenes Novum. Im kleineren, nahezu improvisierten Rahmen zeigten die Chawerim bereits einen Teil ihres Könnens. Auf einer mit Hilfe von drei Lastwagen erstaunlich geschickt und originell hergestcllten Bühne agierten sic mit einem Mut und mit einer Freiheit, wie sie nur im besten Sinne bc* geistert und begabt ״Dilettierende“ besitzen. ״Um ein Jot•״ Memel, 10. August Sehr geehrte Schriflleitung! ’ In den Nrn. 62 und 63 Ihres Blattes bringen Sie N0u, den berühmten Dichter J. L. O o r d o n (1830 1862) h treffend, Sein meisterhaftes Gedicht ק(צ( קול יוד ist 1875in erster Auflage Im ״Haschachar“ erschienen. Der ן;ן , würde in der Uebcrsel/iing dem Sinne nach eher * Iota" als ״das Pünktchen auf dem i“ heißen. Als las Vr"* Iiild des strengen Rabbi in diesem erzählenden Gedieht ii allenthalben der Rabbiner von Schawli angenommen Word, zumal üordon ihn wohl gekannt hat, denn er wohnte ״S wirkte als Schulleiter 1860 66 in dieser Kreisstadt. [), Raw von Schawli ist sehr alt geworden und mag « V'J leicht später als Konzession der fortschreitenden Zeit inanci Erleichterung getroffen haben. Mibaschan (M. |jra'f stein) der Alte ist 1858 in Jassy (Rumänien) geboren, »8 er lebenslänglich gewirkt hat und 1886 87 mit Gordo’n i» lebhaften Briefwechsel gestanden. Mibaschan der Junge H jetzt in Ercz Israel. Sie waren jedenfalls beide niemals L Schawli (I ilauen). Die in Nr. 62 zitierte Angabe kann ab» richtig sein, Im Jahre 1885 teilt N. Sokolow dem Dichter Gordon mit ein Herr Pdtin hätte die Dichtung קי ל יוד VDp ins nisclie übersetzt und in Fortsetzungen in der ״Izraclita“« Warschau, veröffentlicht, ohne den Dichter zu befragen* Gordon erwiderte: ״Im allgemeinen ist es mir keincswc״i recht, denn ich geißele scharf meine Brüder und Volks• genossen in unserer eigenen Sprache, ich möchte aber nicht eiaß meine kritischen Worte in der Sprache unserer Vet'. h'iiimler gehört werden sollen. Außerdem zweifle ich, ob es möglich ist, daß der Sinn und die Abtönungen meiner hebräischen Gedichte in einer europäischen Sprache gc wahrt bleiben. Einem anderen Ucbersctzcr möchte ich jedoch meine historischen Epen ״Im Rachen des Löwcr.“ und ״In den Meerestiefen“ empfehlen, welche sich hierzu mehr eignen und keine Profanierung oder Verletzung des jüdisch« Namens enthalten“. (Aus einem längeren Brief Oordons ja Sokolow im hebräischen Sammelwerk R’sclmmoth Bd. VI.) Daselbst ist auch ein Schreiben von Gordon an d«! jüngeren (in dem Brief in Nr. 63 der ״J. R.“ erwähnt«) Natan Samuciy, Lemberg, aus dem Jahre 1868 wird«• gegeben. Der jugendliche Samuciy hat sein erstes hebräisch« Produkt dichterischen Schaffens כנף רמים dem groß« Dichter Gordon dediziert. Gordon erwidert höchst wohl, wollend und anerkennend, zugleich belehrend und au! tu. zclne Fehler hinweisend. Natan Samuciy hat später im Zuge seiner literarischen Laufbahn gelungene Schilderungen ja dem jüdischen Leben in Galizien in deutscher Sprache vcr. öffcntlicht, wovon viele Erzählungen von anderen hebräisch übertragen wurden. Ein Saminelbnnd seiner Novellen ״Dir Kulturbilder״ erschien 1885 in Leipzig, ״Zwischen Licht und Finsternis", ״Aus halb vergangenen Zeiten“, ״Gottesfurcht und Weisheit“ 11. a. m. 1897 98 hat er seine KulturbiM« in hebräischer Sprache (Verlag Tuseliia, Warschau) erschti nen lassen. Seine Erzählung ״Das Tiipferl auf dem t ist jedenfalls viel später als 1875 herausgekommen. Leon Scheinhau«. x Die Synagoge von Sulzbach 1 Berlin N 21, den 10. August I93L ׳ An die Schriftlcitung der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W 15. Ich nehme Bezug auf das In Nr. 63 in den Briefen an die Redaktion veröffentlichte Schreiben des Herrn S. Fracikd über die Synagoge in Sul/bach in der Oberpfalz und möcPe darauf hinweisen, daß im Jahre 1927 Herr Rabbiner Dr. M. Weinberg, damals in Neurnarkt, jetzt Rc/irksrabkincr in Regensburg, eine Geschichte der Jüdischen Gemeind« Sulzbach geschrieben und darin auch das von Herrn S. Fraciv kcl genannte Memorbuch von Sulzbach veröffentlicht hat. Auch über die Geschichte, die Drucke und das Personal der hebräischen Druckereien in Sulzbach (1669-1851) hat Herr Dr. Weinberg in einer Somlcrarbcit ausführlich berichtet. Es dürfte in diesem Zusammenhang interessieren, daß Herr Dr. Weinberg auch die Geschichte der oberpfälzischen 0e• meinden Floß, Sulzbürg, Schnaittach, Ottensoos, Förth und Hüttenbach eingehend beschrieben hat. Von dein gleichen Verfasser rührt eine in den Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden im Jahre 1912 erschienene Arbeit über die auf Juden bezüglichen Akten des Bayerischen Staats• archivs der Oberpfalz in Arnberg her. Die Akten der nun• mehr aufgelösten Gemeinde Sulzbach befinden sich seit kur• zem im Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlin. Auch die familiengeschichtlich nicht belanglosen Thorawimpel *® Sulzbach werden hier aufbewahrt. Mit vorzüglicher Hochachtung Oeaamtarchlv der deutschen Jude®• Dr. Jacobson. Jerobeamt Siegel Frankfurt a. M., 10. 8. 1931. An die Schriftlcitung der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W 15• Sehr geehrte Herren! ln Ihrer Zeitung Nr. 63 vom 7. 8. 1931, Seite 8, befind« sich ein Artikel: ״Die neuen Ausgrabungen in Mcgiddo". V»® gestatte ich mir, Ihnen einiges mitzuteilen. Ich hatte dis Vergnügen, Herrn Baurat Schumacher persönlich kenne׳״ zulerncn und er verehrte mir seinerzeit einen Abguß des Siegels, das dem Diener des Königs Jerobcam gehörte, und gab mir folgende Uebcrsctzung der Inschrift; ״Des 81111« des Knechtes Icrobearns.“ Simeon könne als der Großsieg״ bewalirer Jerobcams angesehen werden. Aber was interessant, und vielleicht auch für die L«״ interessant, Ist: Herr Baurat Schumacher erzählte mir, dicso in Jaspis geschnittene Siegel habe gemäß Vereinbarung ״״ dem türkischen Sultan Abdul Hamid an denselben abgelidj“ werden müssen. Der Sultan hätte sein Testament, das bei Deutschen Bank in Konstantinopcl deponiert gewesen ist, f mit gesiegelt, mit der Bestimmung, daß nur derjenige 0» Testament offnen dürfe, der Inhaber des Siegels sei. UJ״״ die damalige Palastrevolution und Wirren in der Türke! nun dieses Siegel verlorcngcgangen, und wie mir Schumacher anläßlich meiner Anwesenheit in Schwab* Gmünd seinerzeit erzählte, sei ein Prozeß zwischen der « türkischen Regierung und der Deutschen Bank diesbezug״״ schwebend. , Wie die Sache ausging, ist mir nicht bekanntj di zwischen Baurat Schumacher leider auch gestorben ist• , . .Hochachtungsvoll

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