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Jüdische Rundschau · 1934-08-14 · Heft 65 (14.8.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 65 (14.8.1934)
Date
1934-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 liv Itf 11; | . 1 ו 4 hi -״׳1 < ־■I ן:!א ÜM i|;'t ii. i ׳■, l|1׳rt H',1 «״ik |n d panjli'rn il׳!c fc:>;n len r׳Vn!״״. jik׳m I׳■ Lr• I: wie 1 eie Iden kv;1s N'• | die it in In!1 jmlis [ikcii | sic I יו!• tikrt : eine tchen die inieil. cnlef sei ic!׳e» k lief r 111)1 acli“, mil-l Der '!;;CS lehrt Last• le 111fr tifler• Bn• 1 du־ ׳e er ׳ uns• u'iiic(;lind• lal'iit ln»'!״ 1 ו:c־ lilf bei• 1!i;e( ־11.(, ■ist'tl) nur imen mso!;uicf ein 1111)• ar. i Kr. 65, 14. Vm. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Von Adolf Böhm, Wien 'Dieser Aufsatz Ist eine Port set nun g des Artikels Jini• pitft etter Zerfall" in Nr. ■fl der ״J.R,". Pr bekommt beanderes Interesse mit Rücksicht auf die neuen Bestrebungen wt Herbeiführung einer inneren Reorganisation in Palästina, ״her die wir berichtet haben. Rt(i. Eine Reform der Organisation an ״Haupt ״nd Gliedern“ Cffor1lcrt eine Besinnung auf die Grundlagen und Ziele unserer Bewegung. Wir haben im letzten Jahrzehnt von der Hand in den Mund gelebt, und es war nicht eine Spur von Weiterentwicklung der Tlieorie oder zumindest von bewußter Aiuvcndnntf der schon herausgearbeiteten theoretischen und ". ' ' “sei prinripiei en Grundlagen des Zionismus zu merken. Es Jjdin, man betrachtet die Kampfe um die ProgrninmformiilicniNR! >l״l die Taktik 11s\v., die uns an den Rund des Abgrunds ״fuhrt haben, als Theorie-fördernd, was sie nicht sind. Wir 1,31,011 eben wieder llcr/l gefeiert; aber viel besser, als durch dithyrambische Artikel erweisen wir uns als Verwalter seines jEfbes, wenn wir seine großzügigen Konzeptionen in seinem (leiste wdterentwickeln. Der ״Herzl“-Zionism11s besteht in Wahrheit darin, daß die Vereinigung der Juden aller Länder zur Durchsetzung des |'alästiua-^i‘־les sowohl durch ihre Clrößc, als durch ihre (-,(schlossen heit und die Art und Weise ihres Aufpelciis eine moralische Kraft darstcllt, die als solche einen Faktor auf der Bühne des Weltgeschehens bildet. Die Zerrissenheit unserer Organisation, das Schauspiel gegenseitiger heftiger Kampfe in ihrem Schoße, sie bedeuten, daß wir unsere Kraft selbst schwachen, sie sind daher die ärgste Versiindigimg an dem ()eiste Herzls, und wenn ״Staatszicmisten“ oder ״Hci/l-ZioitMcn“ - wie *je sieh nennen — am weitesten fortgeschritten sind im Abbau der Organisation, so sind sic in ihrer Berufung auf llerz.1 nicht legitimiert, Bedarf es wirklich Beschwörungen, um diese einfache Wahrheit den Zionisten ins Bewußtsein zu bringen? Der Zionismus schafft durch die Zusainmenschniicdung der Juden Ober alle Differenzierungen, Klassen usw. hinweg erst das handelnde und leidende Subjekt ״Jude" oder ״jüdisches Volk“, das ein aktiver Faktor sein kann. Dieses Subjekt in verschiedene Teilsubjekte zu spalten, ist nicht möglich, ohne es zu zerstören — es ist dann einfach nicht mehr da. Es gibt kein revisionistisches jüdisches Volk, neben einem judcust,tätlichen, einem poalezionistischen usw. Es gibt nur ein jüdisches Volk oder gar k e i n s. Es ist ganz gleich, w e I c 11 c 11 Tod man ihm bereitet, ob man zusicht, wie cs ertrinkt durch Untertauchen in die Flut anderer Völker (Assimilation), oder ob man es, nachdem es durch Herz! auf die Beine gestellt worden war, mit der Axt des Parteidog* matismus in sechs Teile /ertötet. Man glaube nicht, daß durch diese Olcichnissprachc das Problem hier literarisch behandelt wird; nein, diese Envägungen sind eminent politische. ״Das jüdische Volk״, in dessen Namen Mer/I und Weizniann den Palästina-Charter verlanglen, das der wahre Empfänger der Balfour-Dcklaratiou und des Vdlkerlnmdsmandats ist, das sicii in Palästina sein Heim aulbaut, hat seinen ״Ocstor“, um wieder mit Herzl zu sprechen, in der Zionistischen Organisation, Erhaltung dieses einen ungeteilten, durch Fälligkeit starken, auf das Endziel ausgcricliteten Instrumentes, das uns Herzl geschaffen hat, ist die Grundbedingung jedes Vorwärtskommens auf unserem Wege in Palästina. Daher sind diejenigen, die meinen, der ״Aligemeine Zionismus“, der dies postuliert, müsse ein detailliertes Programm haben, im Irrtum. Sein ״Programm“ ist zwar nicht die l'mgrammlosigkeit, auch nicht die Unentschiedenheit zwischen rechts und links, sondern — was noch mehr und wichtiger ist, als ein Programm: Allgemeiner Zionismus ist (ine bestimmte ״Haltung“. Diese ״Haltung", d. 11. dies Festhalten der Integrität des Zionismus, kann und soll und muß jeder Zionist entnehmen. Er hat zuerst ״allgemeiner״ Zionist in diesem Sinne zu sein, und erst scctindo loco kann cr sich spezialisieren. Die Reform der Organisation wird, abgesehen von der Abgrenzung vom Waad Lcumi, vor allem <hnn bestehen, daß die Bildung von Fraktionen >״ls äußerste erschwert wird. Damit steht und lallt jede Erneuerung der Organisation. Denn man glaube ftgen Ende. Dukes: ״BI11mc11lc.sc" S. 129 gibt das letztere ״״rch ^,verstocktes Glück“, cs heißt aber ״untcrgegiuigcncs Glück'• —• Artich s. v. — und ist um so treffender, als mnsolo!9 eigentlich Stern heißt, entsprechend dem hehr, ho sehemescli, die Sonne ist unlcrgcgnngcn; auch Ps. 37, 13, welche ״,eile gewöhnlich gegeben wird ״denn er sicht, dnß sein kommt", d. 11. sein Unglilekstag, wie das deutsche sWinc Stunde“, könnte heißen: ״daß sein Tilg untcrgelit“). — ״)״melier, Bayerisches Wörterbuch, schreibt Sclilamnssul und leitet cs, sonderbar genug, vom italienischen schiamazzo ab, ן," könnte sieh auch versuciit fühlen, das Wort deutschen 1׳!,Sprungs zu nehmen, etwa als verdorben aus: Sclilimmsal, "lc Irühsnl, indessen hatte man auch ein Adjektiv davon: »Khlimmnscltig", Dr. Jost (Klein’» Jahrbuch, Jahrgang 1Ö5Ö. “• •6) hält da» Wort wirklich für ein deutsches, und zwar tiSclilommassel", Asufjel .,Gesundheit!‘‘ beim Niesen eines andern: bei Kindern ,* , n'il dem Zusatz: ״Frumin un alt! Wohlgestalt! Wer* nundert Johr alt!“ (friimm, fromm, hat im Jüdischdcutschcn auncr die Bedeutung: goltcsfürchlig, religiös). Die Antwort afauf war entweder hebräisch: boruch (buruch) tihje! ״sei tSescgncU" oder deutsch: ״Wohl gcschch’ch!" — Asultc, aftjuta, nswata, Gesundheit, von asi, heilen (Artich ik ־־־ lieber den Brauch, beim Niesen eines andern (» Gesundheit zu wünschen, heißt es in Pirke R. Eliescr 62: vcildem llinunel und Erde erschaffen worden, war kein 1־nseh krank, sondern überall wo er war, auf dem Wege nr a1|f dem Markte, nieste cr und seine Seele entfloh, bis .{■,י kam und deshalb betete. Er sprach: ,Herr aller eiten! nimm mir meine Seele nicht, bevor ich meinen , Cl? unt( mc(ncn Enkeln meinen Willen kundgetan!‘ und ß״ e l'diöfung. So heißt es (1. B. M. 4B, 1): ,Nach diesen L, . , l'citcn wurde dem Joseph gemeldet: Dein Vater ist «״״Hl ^ns hörten alle Fürsten der Erde und erstaunten iina p ’ ^enn s״ was war nicht geschehen, seit Himmel 71. ״ c crschaffcn worden. Deshalb muß man beim Niesen Ir“? Wohlsein 1' (lechajjim, zum Leben) sagen, weil dieser ׳/iif ®,eh in Leben verwandelt hat, wie es im Hiob heißt Ä9 ,»*־): ,Sein Niesen leuchtet wie das Licht“. jg*• »eibe Stelle, jedoch mit einigen Abweichungen, bei Cnaa• niclif, daß es irgendeinen Ruliepuukt itn Fluß des historischen Geschehens geben könne. Jener von Herzl intendierte Pro* zeß der Integration der zerstreuten, hundert Vaterländern angehörigen, in sieh zerfallenen Juden zu einem haudelmleu Subjekt muß 11 n e r m G d I i c 11 in Gang geh a It e 11 wer d e n. Das ist unmöglich, wenn wir in die Bewegung schon von vornherein die Differenzierungen, die durch die realen Interessen der Stände, Klassen usw. In Palästina entstehen, hincintrageii und dazu noch solche nach Gesichtspunkten sekundärer Natur, wie Programmtexticrung, Taktik usw. Dies führte knnscquentcrwcisc dazu, daß an Stelle des Kampfes der Nation um das :dien gemeinsame Ziel der Egoistiitis der liiteressonpartcicii tritt, so daß sich, wie es überall im Parteikanipf ist, die einzelnen Teile der ״Ganzheit" als Selbstzweck nusclicii. Es ist nur die logische Konsequenz der dadurch geschaffenen Lage, wenn der Führer der Revisionisten für^seinc Gruppe die vollständige Unabhängigkeit und Selbständigkeit fordert und sic auch den anderen Gruppen zubilligt. Er meint, dnß die einzelnen selbständigen Zionistischen Organisationen (Plural!) sich zur Durchführung gewisser gemeinsamer Programmpunkte lose vereinigen können. Vom prinzipiellen Standpunkt aus gesehen haben wir keinerlei Recht, diese Tendenz der Zerreißung der Orgaoisation gerade seiner (Truppe z1:r Last zu legen. Denn cs ist bei den anderen Parteien tendenziell nicht besser. Die Histadruth z. B. ist ein ״Staat im Staate“, und Koalitionen, die sie cingcht, umfassen nur die ihr nahestehenden Par• teien. Die ,־indereil Gruppen haben, wie in meinem ersten Artikel ausgefülirt, überhaupt keine prinzipielle Berechtigung zur Parteibildung, und wenn sie doch zu einer solchen schreiten, so zeigt das klar, daß ihnen der Besitz eines eigenen Schlachtrosses, einer eigenen Zeitung, einer eigenen Fahne, zum Selbstzweck geworden ist. Sie alle haben sich in eine Selbsthcrrlichkeit verrannt, die es ihnen nicht gestattet, das Dogma, daß sic die alleinseligmachende Lehre besitzen, aufzugehen. Denn diese Parteigruppen befriedigen durch ihren Bestand und durch ihre Kämpfe mit den anderen Gruppen das Machtgcfühl der Führer und Geführten. Der Zionismus will das jüdische Volk aus seiner Ohnmacht und Wehrlosigkeit durch Errichtung eines jüdischen Kraftzcniruins herausführen. Er erweckt so in den Juden den menschlichen Urtrieb nach Macht, und da das kollektive Substrat dafür noch verschwindend klein ist, tobt sich der Mnehtwahn innerhalb der Bewegung aus. Aber wenn schon durch Appell an die bessere Einsicht nicht zu erzielen ist, daß dieser Wahn cingcdämmt wird zugunsten des gemeinsamen Interesses, so sollten die politischen Entwickjungen der letzten Zeit uns gelehrt haben, daß selbst die stolzesten politischen Machtgcbaudc, auch wenn sie aut einer gut aufgeb,•inten theoretischen Fundierung aufgerichtet, in jahrzehntelanger ansteigender Entwicklung erstarkt und reich an Erfahrungen, wie Erfolgen waren, über Nacht cinsfürzcn können, nicht bloß, weil übermächtige Gewalt von außen sie vernichtet, sondern auch, weil sie dieser Gewalt keine ausreichend starke innere Selbstsicher heit mehr entgegcnzusetzeii haben. In unserer Bewegung, wenn man hinter die Fassaden der sich so laut und selbstbewußt gebärdenden Parteien blickt, auch solchen, die starke Machtpositionen besitzen, kann man die Unsicherheit fühlen, die die Parteien seihst an ihrer Oottälinlichkeit zweifeln läßt. Die verstärkte Aggression nach außen stellt sich dem psychologischen Blick nur als Kompensation des u n c i n g es < a n d c n c n S c!1 w ä c h e g c f ü h I s dar. Deshalb Ist zu hoffen, daß es noch in vorletzter Stunde gelingen könnte, die Zionisten von der Notwendigkeit einer Reform zu überzeugen. Die gebotene Einschränkung der Möglichkeit, Fraktionen zu bilden, wird erleichtert werden, wenn wir, was sicher auch im Geiste Herzls gelegen ist, 6tärker und andererseits logischer als bisher die Trennungdcr Agenden der Z. O. von jenen der jüdische« Selbstverwaltung in Palästina durch führten. Dies erfordern ohnehin Idcologic und Praxis unserer Bewegung. Dabei kommt es weniger auf eine Aemlertmg der organisatorischen Formen an, als auf kiuii zu 1. B. M. 43, 1. Dann Aruch 8. v. itusch zur Stelle aus Bcrnchol: ,״Das Niesen ist «ul für den Kranken ...‘ Bia Jakob nieste man und sturb. Dulicr kommt es, dnß man, wenn jemand niest, ilun ,zum Wohlsein!“ (chn.jjim towim) wünscht.“' Ferner Jnlkut chndiiseli Artikel ׳ mita 73). — Auch die Griechen riefen dem Niesenden ein Zlv m'mnv oder Jij.91 zu und hielten da» Niesen, je nachdem es frühe oder spül, rechts oder links »taltfnnd, für ein gutes oder böses Omen. (Cnsnubonus nd Athcnneuin II 25). Der alte Jude aah es gern, wenn eins jüngste Kind am Abend nach Ausgang des Sabbats nieste: ״es bedeutet eine gute Woche“. Unrecht iit mir lieber al» Stuf)! Dem Unrecht gegenüber kann man sich verteidigen; Un• recht läßt sich widerlegen, bestreiten; lint selbst den tröstliehen Gedanken: ״Besser unter den Verfolgten, als unter den Verfolgern“ (Bmva kam« 03 a); aber der Torheit gegenüber ist nichts anzulangen, der Narr ist von seiner Narrheit nicht nlmibringcn. ״Er bleibt immer bei seiner Geige.‘‘ Vgl. Spr. Sal. 10, 2.: ״Der Narr hat keino Lust an Einsicht, nur am Offenburen seines Innern.“ 23,9: ״Sprich nicht in des Narren Ohren; er verachtet deiner Worto Sinnigkcit.“ 20, 11: ״Wie der Hund zu seinem Auswurf wiedcrkchrt, so wiederholt der Tor sich in seiner Torheit." 27, 22: ,,Und stießest du den Narren in dein Mörser, du kannst nimmer seine Narrheit von ihm sondern.“ — ״Der Narr bleibt unberührt, 80 wio das Fleisch dys Toten das Messer nicht empfindet." (Jcr. Tannit). — Aber auch in dem Sinne gilt unser Sprichwort, daß ein Unrecht selbst verzeihlicher sei, als eine Dummheit, da für jenes wenigstens die Selbstsucht einen Grund ab• gibt. — ״Ce n’esl pas un crime, c'cst uno faute,“ ״Schluß“, Torheit von schata, verwandt mit dom bibl, ßafa, abwoichon, abirren. Davon ein deutsch gebildetes Parti• zip: ״bcstußt", närrisch, — ״aa“ für als. Baibot 1 was Mi Ihr vorhin gesagt? Als neckisches Wort gegen jemand, der, obgleich er sich den Schein nicht geben will, es offenbar bereut, eine An• erbietung, ein Geschenk u. dgl. aus Ziererei oder sonst einer Ursache zurückgewiesen zu haben. — Einem zu Tische ge• betenen ״Polak“ ward von einer Speise zum zweiten Male an• plastischere Deutlichkeit fr! dieser Trennung (insbesondere auf Kongressen, die zu sehr vom Jiscimw tnul den nur ihn an« gellenden Fragen beherrscht werden) ebenso wie auf reinliehe Scheidung im Personellen und Lokalen. Wie sehr diese grundlegende Notwendigkeit verkannt wird, geht daraus hervor, daß die Exekutive nach einem Beschluß des 17. K >11grosses plant — das Orgaiiisationsdepartement nach Palästina zu verlegen! Der Jischuw in Palästina ist nicht das jüdische Volk, wenn auch sein Vortrupp. Sein Anwachsen wird mehr und mehr im Gefolge haben, daß seine eigenen Interessen ihm wichtiger sein werden als die zionistischen. In der Frage der jüdischen Arbeit sieht man das schon heute — wenn auch derzeit durch den Mangel an jüdischen Arbeitern die Gegensätze mehr akademischer Natur sind — ebenso in der übermäßigen städtischen Entwicklung. Es sind heute aber alle Fragen durch den ökonomischen Aufschwung verschleiert. Ein Rückschlag würde sehr starke Intercssendiffercnzcn zeitigen, und vor allem wird es frag• lieh sein, wie sich die einzelnen Klassen zur Ei 11 wänderttiigs frage stellen werden. Schon wenden siel! :Hielt die Pflari/cr — und mit Recht - gegen weitere Ausdehnung der Zitruspflanzungcri. Ein weiteres wichtiges Jiilcrcssenfcld ist das der Einstellung des Jischuw zu G c s a 1111 p a I ä s t i n a. Dieser hat bisher beharrlich die Interessen der Nichtjud en im Lande nur vom Gesichtspunkt der Folgen der jiidisehen Aufbauarbeit angesehen. Er hat kein besonderes Interesse gezeigt an Kooperation, an der Hebung der nichtjüdi• selten Bevölkerung, an einer Möglichkeit, dafür und für ein gemeinsames Vorgehen bei gemeinsamen Interessen ein Organ zu schaffen. Je reiner die Z. O. sich selbst auf Heraus,irbeitung und Wahrung großer prinzipieller Gesichtspunkte konzentrieren wird, einen desto stärkeren Rückhalt wird sie für den Jischuw bilden. Dies nicht nur in politischer, sondern auch in in o r a I i s c!1 e r B e z i e 1111 n g. Der Zerrissenheit des Jischuw und dem Mangel einer moralischen Autorität kann nur begegnet werden, wenn die Z. ()., anstatt dasselbe Bild aufzuweisen wie der Jischuw, sich klar von ihm abgren* Kn und sich auf jene großen Gesichtspunkte festlcgen würde. Das verlangt die ideologische Grundlage unserer Bewegung, die eine solche des ganzen jüdischen Volkes ist, das sich in Palästina eine Heimstätte baut. Die Führung und Deminiernng der Organisation von Palästina her, die heute geübt wird, ist durchaus kein logisches oder praktisches Erfordernis. Man wende dagegen nicht c11׳, daß Palästina heute die Diaspora /ionisiert (Geist der Clialti/iuth, Hebräisch, nationaie Siedlung usw.). Das war in den Anfängen der Bewegung erhofft und erwünscht und ist heute Tatsache. Aber das hat keinerlei politisch-organisatorische Bedeutung, und gerade die Zionisten, die siel! der Erbpacht Hcrzlschcr Ideen rühmen, sollten treu seinem Qrmulgedankcn: Abhilfe der Judenheit not solche Einwämie nicht machen. (Darüber, wie wichtig auch im Geistigen der Einfluß der Diaspora auf Palästina ist, wäre vieles zu sagen.) Welcher nichtjüdisclie Staatsrechtler würde verstehen, daß eine Leitung der palästinensischen Selbstverwaltung (Waad Lcumi) aus Vertretern von Parteien der Zionistischen Kongreßorganisation zusammengesetzt sein müßte? Und andererseits, wie verzerrt werden die prinzipiellen Kämpfe in der Zionistischcn Weltorganisation dadurch, daß die Kongreßparteien sich nach den bunten Realitäten in Palästina formen müssen! Die Abgrenzung erfordert nach der sachlichen Seite hin eine reinliche Scheidung der Atifgabeukrcise. Um sich über diese klar zu werden, muß man sich darauf besinnen, daß unser Status prinzipiell der einer kolonisierenden Instanz ist. (Der Umstand, dnß wir eine Heimstätte bauen und keine Kolonie, ändert an dem (strategischen“ Problem und der Art des Lcistungsprohlrim nichts.) Auch darin hat Herzl!Sie richtige Intuition gehabt. Für ihn war die Schaffung von ״Bedingungen" die wesentliche Aufgabe. Wie immer mau über die Einzelheiten seiner Pläne und Vorstellungen hierüber denken mag, er hat vom ersten Augenblick der Konzeption seiner politischen Idee (Judenstaat) bis aus Lebensende die ganze politische Aktion als eine bloß einmalige, auf rasche Erlangung des Charters gerichtete, angesehen. Weil er diesen wider Erwarten nicht schnell genug erreichen konnte, mußte er Zeit seines Lebens ״Politik“ treiben. Nur deshalb ist bisher fast immer übersehen worden, daß Herzls wahres Interesse nicht der Politik, sondern dem Aufbau des Judenstaates galt. Vielleicht war dies geboten. Bescheiden angle cr: ״Ich dünke“, in der Erwar* tun« freilich, dnß der Hausherr ihn noch einmal nötigen werde. AI» diese» jedoch nicht geschah, da frag der Polak denselben: ״Bnlbocs (baal-bajit, Hausherr), was habt Ihr vorhin gesagt?“ Er ii ncbich e Rachmonest ״Er ist leider zum Erbarmen“, so hurt lint ihn das Schicksal getroffen. — ״Haehmones", rachmnnut, w׳ic das bibl. rnclmmim, Barmherzigkeit, Erbarmen, Erbnrmung. — ״Ncbich“, da» wir durch ״leider“ gegeben, ist ein sehr schwierige» Wort. Es hat oft den Sinn von: ״Gott bewnlire!“ ״leider!'“, oft aber auch drückt es bloß eine gemütlichc Teilnahme aus, ohne deshalb auf ein große» Unglüek zu deuten. So heißt e» z. B. in der Sago von ■Joseph, dem Snbbatlchrcr: ״Das war dem guten Joseph nebieli eine große Freud, daß cr einen solchen Fisch auf den Schabbes könnt bekommen." Zun/. (Gottesdienstliche Vortrilgc S. 441) hält da» Wort für polnischen Ursprung» und schreibt ״nebhach“, wie wir’» weder gedruckt gefunden, noch aussprcchcn gehört haben. Andere nehmen c», was uueh uns wahrschcinlieh dünkt, für r.usnmntcngc־/.agcn aus: ״nil bei euch!“ altdeutsch: ״no bi ueh!“ wie das gleichbedeutende hebr. 10 nlcehcm! (Klngcl. 1, 12), um bei dem Zuhörer das Anklagen eine» Ucbcls zu verhüten, Io lanu! (ebenfalls hebr., nicht bei uns!) und das clinltl. bar iniiuin! fern von uns! um cs von 8lcl1 und dem Zuhörer ahzuhnllcn, so wie noch der Römer 8ein quod absit, absil amen, halte. — In dem Sinne der herzliehen Teilnahme befindet sich über ״Ncbich'“ oder ״Nübich“, wTc es dort geschrieben ist, ein sehr liebliches Gedieht ln Frankels Libanon S. 289 von Jos. Wcrtheimer, dessen erst« Slropho lautet: Ein Wörtchen geht von Mund zu Munde — Sein Ursprung ist uns unbekannt; Doch Zeugnis gibt’8 vom Bruderbünde, Der mild dem Leid sich zugewandt. Wo sich ein menschlich Weh verschließet, Die Pilgerfahrt wird schwer und schwül, Das Wörtchen von der Lippe fließet, Und ״Nabich“ sagt das Mitgefühl. 1 I, 1 i| ■f: ו t 'i 1׳ 1i 1 1 , i '1 » 1. t

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