Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 64 (10.8.1934)
- Date
- 1934-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653512--25600-2682748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 3 r ,64 10• VM. 1934 Theologen über unsl Von Dr. Ernst Simon Theologe ist notwendig: sic ist die Verbindung von Den und Glauben, und. beides gehört z״m gcis£. ü u,,tl] ״undc״. Menschen, wie Fra״*"»/" gc1stiß Wirklich hn/ Kosetuweig wieder gezeigt iiuni .; . . . ׳ wiener cezeird jüdische Theologie .s besonders notwendig: dem ,«1>“ ־׳! ״״׳״‘• ־t *1, *,1•bi:;»־ ״,er "'׳eder so buuil! den Ansprüchen des Denkens gc-;.(111,11״( s1ch tlas n5״ kc." s5>, zentral auf die Inhalte des ■ l)C1,s bezogen. Dali wir einige Jahrzehnte und vi.-umrin bezogen. Da)l wir einige Jahrzehnte und vielleicht :er kcll,c n׳eoi°g1e hatten, die den Namen ver• j . . •ח-י» «•■׳יי ״ י i^amcn ,nie. ״»' c,״ /fd,c" f 5; 111(5 ™ sic heute wie (J (jckomiueii, ist uns der Wiedergeburt. ‘ Also: Theologie ist notwendig. Sic ist aber auch gefähr• , lhre ticfahr besteht dann, daß die Endergebnisse der \ ' . . . *tu , .. '4'w ״-־uci^cumssc ücf '״.den theologische» Arbeit, also des gläubigen Denkpro• ״«cs, »< Sch lag wort cn und damit ׳u Ausgangspunk• |f9p0litischer Aktionen werden. Die Theologie־ kann ihre (.,tlitniaßißl'Cit m1r 1111 kleinen Kreis der ״Eingeweihten“ rein ..Aiitcn. Ihre b״cher sollen ״schwer׳‘ sein. Freilich schützt die Schwere und das Gewicht, die Roscnzwcigs Stern '״ Erlösung“ eignen, nicht vor lurclitbarstem Mißbrauch:!ijt'1 Beweis liefert tfa 11s Joachim Schocps in seiner I Theologie der Gleichzeitigkeit. .;־{ pjf Absicht des Schriftcliens ״Wir deutschen Juden“ ' (Vert״!pPvcrl;lb׳. Berlin 1934) ist keine geringere, als ״einen j ßC״ deutschen Weg für die jüdische Jugend״ zu zeigen, der. i widcr Zionismus und Assimilation“ eine Möglichkeit aufweist,! jyreit für Deutschland“ zu sein. Die Methode ist die, daß : , jit.( Liberalismus alten Schlages mit den Argumenten bekämpft f, >jfl|1 die der Zionismus seit Jahrzehnten zur Verfügung ge-;־!!:(|t hat, mut der Zionismus selbst durch eine sehr bequeme W '!*ntilikalion seiner Ocsamtanschauung mit den Buche von S1 joichim Prinz ״Wir Juden“, gegen das Schocps׳ Bro-;;kure - trotz, und wegen einer sehr tiefliegenden Ucberein• . •1 }!•mniutig in bezug auf Zcitbedingtlieit — in Absicht,; Tiitlfcbung und Sdilußliyniiiiis vor allem gerichtet ist,; Du Argumente gegen Prinz finden sich in älteren Schrifj tc« Silbers, Bergmanns usw. sowie in meiner Kritik an {esc« Buch, die in der ״Jüd. Rundschau" veröffentlicht wurde,; I 10a Schocps aber geflissentlich übersehen wird. Vor allem S jedoch lebt er von einigen Begriifen der Roscnzweigschen! Theologie und tler Buher-Roseiizweigsclicn Bibelübersetzung,; j com eigenes Schwergewicht ihm mitunter zu nicht unrichtig j j!;•;enden Formulierungen verhilft. Wir wollen aber vorher!, i jtuiicr Zusehen, w i c er davon lebt. : Zunächst entspricht dem geistig jüdischen Fiihrungs- | mtprucli, der liier maximal erhoben wird, eia Minimum an <; jjtiisckn Kenntnissen, das den Versuch zu einem übcraschke- : (]«Ischen jüdischen Pietismus erfolgreich unterstützt. So 6 spricht der Verfasser z. B. vom ״Mauschiach“, weil ihm .Messias“ offenbar zu wenig jüdisch, ״Maschiach“ zu sepharfj cseli-zionisliscii und ״Moschiach“ — grammatikalisch zu rieh• | i; wäre. Ferner phantasiert Schocps von ״jenem Berliner | Oberrabbiner, der über Mendelssohn den großen Bann ob sei- | 1fr Bibelübersetzung verhängen wollte“, während in Wahr- | l!it gerade der Berliner Oberrabbiner, Rabbi Hirsche! Lcwin, '* Mendelssohns Ucbcrsdzting des Pentateuchs unterstützte, die! wn Rabbi Raphael Cohen aus Altona (dem Großvater Gabriel Vessers!) gebannt, von Rabbi Jceheske! Landau in Prag, dein hrihcr Rabbiner u. a. scharf bekämpft wurde. Da wundert ן an sich dann nicht, wenn dem Propheten Elijah am Seder- נ :di ein leerer Becher — wie symbolkräftig für diesen { Messianismus! — serviert oder wenn ein Ausspruch Ludwig | »:«heims mit Entdeckermienc angeführt wird, als Beweis fifur, daß man ״schon vor 100 Jahren“ das Judentum als ,'öl״ mir unter der Signatur des Glaubens hatte begreifen , '־Kn, während in Warheit ״schon vor 1000 Jahren“ Saadja; bau genau dasselbe formuliert hat. Ebenso hurtig und — Jöcli ist das Folgende: um zu beweisen, daß alle bisherigen •; «olutionci! imperialen Charakter getragen hätten, mit ailei- 5er Ausnahme der von 1933, verlegt er die englische ״glo- »us rcvolution“ von 1688 auf 1649 um! verkehrt außerdem . öm Sinn dieser Bezeichnung in ihr gerades Gegenteil: die j Ränder nannten diese ihre zweite Revolution ״glorreich“, U('I sie ohne Blutvergießen und auch sonst völlig unimperia! ׳' Mr sich ging. 0 Dieses mangelnde Zuhausesein in beiden Bezirken, über B w er spricht, findet seinen sprachlichen Ausdruck in einer |im Tonfall bedenklich klingenden Mischform der Rede, j a» paar Proben! ״Durch Biiochaun ist die Gcscroh über- *1י*״ und das jüdische Volk neu konstruiert worden .. |»:׳Y Was soll man schon gegen Existenz unternehmen? " 1*!dritte Person) wissen: Gegen Existenz kann mail :ן unternehmen. Das Leben schlägt dem Theoretiker *j ״״ Theorie aus der Hand und verschlägt dein Uebcl- : Elenden die Stimme. — Was will man schon gegen Existenz , 1,־«nehmen?“ Was soll man schon? Was will man schon? :־. 'ffW*ch — gar nichts. Bas Schlimmste aber ist, wenn sich diese sogenannte ‘bislcnz“ _ hier wird, immerhin, die echte Existenzial- .0׳1״sopbic ebenso gründlich mißverstanden wie das Judentum ״Ö die englische Revolution — wenn sich diese Existenz, die Hans Joachim natürlich nur eine ur- und kernpreußische!'1״ kann, mit den theologischen Begriffen zu einem synthe- ״ ,״ Ocwirre verbindet, wie z. B. in dem Satz: ״Gottes; ־rthat Menschen groß gemacht, Königreiche aufgerichtet *. ö audi wieder zusanimeiibrechcn lassen, weil Gottes Wort j ( Forderung ist, die alle irdische Gestalt durchschlägt wie nf! ^1״'oiienkugel, abgeschossen aus weiter Ferne, den nietall*;.?1«Rn Festungsbau“ Gottes Wort als Kanonenkugel — h, tsm der Tat ist originell und bei keinem der heimlichen ö 1״•Wer des Verfassers zu finden. <Ah» müßte das ganze Büchlein ansschrciben, wenn man -Beweise für die bodenlose Leichtfertigkeit heranzichen ׳'״*,־ mit der hier, sprachlich und sachlich, die so ernste ,% der Wesensart des jüdischen Volkes behandelt wird. Ob ,!, *fbbalistischcs Zahlcnspicl benutzt, ein Bibelvcrs scheinbar! (?'5 »«!geschlagen, einem schwäbischen Landrabbincr def j; »st (jer pr0,,|le(jc« zugcschricbcn wird, ob Bubcr, örod, Bacck> Ed. Strauß und ich, erfolglos, Jobend ^er• Wer mit der Wahrheit spielt, vergeht sich besonder« schwer. , Dml was sind nun diese Folgerungen? Israel sei ״bis auf weiteres“ j!!! GoIiis und dies gelte so lange, als nicht ein ,,sichtbares Zeichen“ von Gott her cs wieder aufhebe, Da- . durch werde der politische Raum jüdisch ausgespart und es sei möglich, sich in ihm mit dem Volk des Wohnlandcs völlig rückhaltlos zu identifizieren. Dies letzte geschieht dann überreichlich, sogar mit einem gedichteten ״Bekenntnis“, dessen ״stolzer Tromim'iknab", übrigens durchaus glaubhaft, versiehe!־(, daß er noch ,,nichts von Liehe“ weiß. So, mit dem Trommelknab, geht ״die Deutschhcit ein in die Substanz". Die Theologie des jüdischen Reserveoffizier® oder eines, der cs werden will, wäre geschafft. Obwohl nun dieser Art von Schreiberei gegenüber die hier geübte Methode der Entlarvung die einzige 8 a c h gemäße Auseinandersetzung ist, Und obwohl ich weiß, daß für Schocps nur solche jüdischen Quellen theologischen Bc* weiswert haben, die bereits ins Deutsche übersetzt wurden — an talmudisdien Sätzen kennt er in der Ursprache offenbar nur "ויבא דמלכותא דינא" ,Staatsgesetz ist Gesetz — will ich doch, zum Problem des ״Bis auf weiteres“ und des ״sichtbaren Zeichens“, eine Stelle aus dem Hebräischen hierhersetzen, die zeigt, wie Maimonides darüber dachte. Sic steht ganz am Schluß seiner Misclinc-Tliora, in jenen ״Königsgcsetzen“ (הלכות מלכים, XI, 3), die die Staatslehre des jüdischen Messianismus enthalten. Dort kommt Maimonides auf den falschen Messias Bar Kocliba, den er mit seinem Schmäh* Hamen, Sohn der Täuschung, nennt, wie folgt zu sprechen: ״Und cs falle dir mir nicht ein, daß der messianischc König Zeichen und Wunder tun müsse oder den Grund der Dinge in der Weit erneuern müsse oder Tote belebe und dergleichen. Dem ist nicht so. Denn siche, Rabbi Akiba war ein großer Weiser unter den Weisen der Mischnah. Und er war der Bannerträger des Ben Kosiba, des Königs. Und er sagte über ihn, daß er der König Messias sei. Und cs schien ihm und allen Weisen seiner Generation, daß er der König Messias sei, bis er getötet wurde wegen seiner Sünden. Da er ge• tötet wurde, ward ihnen bekannt, daß er cs nicht sei. Aber die Weisen forderten von ihm weder Zeichen noch Wunder...“ So Maimonides, auf den Schocps wohl auch seinen Satz zu beziehen wünscht, mit dem er die Gölusjudcn charakterisiert: ״und sic sind gute Hellenen, Spanier (I), Russen und Deutsche geworden, ohne Abstrich und ohne Einschränkung. Aber sic hörten dabei nicht auf Juden zu sein.“ In der Tat nicht. Und was ist das Ziel? Wofür all der Aufwand? Warum der Spott auch über die ״deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens"? Diese müssen, auf Seite 26, vernichtet werden, damit auf Seite 39, als ein Phönix aus ihrer Asche, glorreich auferstchen können die ״Glieder der deutschen Nation jüdischen Glaubens und jüdischer Abstammung“. Dies also ist der Rede Sinn: ״als hcrkunftsvcrschicden, aber artglcich erkannt und anerkannt“ zu werden: das ist seine Hoffnung: ״Auf den Tag“. Diese Zielsetzungen reißen der Theologie der Gleichzcitigkeit die letzte Maske vom Ocsicht, Sic ist geboren, wie auch manche Antithcologic unserer Tage, aus dem Unvcrmögen vieler Juden, der Zeitdifferenz standzuhaltcn, die uns als Juden aufgegeben ist. Wir schwimmen nicht mit dem Strome, nicht als Juden und nicht als Menschen, wir sind, nach einem von dem Zionisten Schmarja Lcvin zitierten metazionistischen Wort, die ״ewigen Nonkonformistcn" def' Weltgcschichtc. Aber auch das sollten wir vielleicht besser für uns behalten, Theologie des Za •spät Man tut Männern wie Isaac Breuer und Jacob Rosenheim zweifellos unrecht, wenn man sie mit Schocps zusammen in einem kritischen Aufsatz behandelt, und doch fordert manches dazu heraus. Immerhin muß einleitend festgestellt werden, daß hier von einer ganz anderen jüdischen Fundierung und in einem ganz anderen jüdischen und mcnschliehen Lcbcuscriist gesprochen wird. Aber das Resultat ist auch hier bedenklich. Uebcr die Frankfurter Patästinavorträge Breuers und Rosenheims hat an dieser Stelle Dr. Hans Pomeranz schon in ausgezeichneter Weise berichtet, und erst neulich setzte sich Gerhard Scholen! mit Breuers ״Neuem Kusari“ bedeutend auseinander, ohne freilich jener oben erwähnten Gefahr allzu allgemeiner Verständlichkeit verfallen zu sein. Heute, wo die Vorträge in zwei Broschüren des Frankfurter Hcrmon-Vcr• lages vorlicgcn und durch einen polemischen Artikel von Joseph Carlcbach im ״Israelit" zur Verteidigung S. R. Hirschs in manchem ergänzt werden, bleibt doch noch etwas zu sagen. Breuer wirkt in der Agudah für eine starke aktive Beteiligung der Orthodoxie am Palästinaaufbau, gibt zu, daß Theodor Herz! und der — auch in Zukunft zu bekämpfende — Zionismus von der Vorsehung geleitet waren, verteidigt Palästina und insbesondere Tel-Awiw leidenschaftlich gegen die :lim• eine andi* vor• (Ar• (Se- (All׳ eine Ch. N. Bi&liks Ruhestätte 1 *1;.»ywg| V1־ * j 4 f { 1» 1. ׳ ג; j י;״ . Werden — es bleibt immer derselbe Eindruck, daß «faJCIIland sicl1 •ni* unbefugten Händen in den Besitz eines gesetzt hat. Es spricht gegen Schocps, | Ql L״r il,״- da״ Definition vom jüdischen Volk als “keinVolk, die er übernimmt, die richtige ist. gegen ihn: denn hätte ihre Wirklichkeit ihn ermsP I Ji «r,״cn, so müßte sich das, wenn nicht in den Fob r «o doch zumindest in Sprache und Beispielen zagen.; ' 4$P 'v־ « ./ "• -•'••Zl'Vj,.;',־' ö ,״ יי‘ נ ״ k ״J.i ■ :r״'1׳' * f-V.1 •. .״. r» .«,״»׳־ . .... .....«Ä Nao» jüdischem Gesetz wird ein Jahr lang nur dtaer «injach« niedrig« Stein auf dem Friedhof von TeUAvuiw die Stelle bezeichnen, wo unter verwelkten Blumen und kaum aufeeschütlätr Erde die Geleine des toten hebräischen Dichters ruhen. Erst nach Ablauf dieses Jahres wird das jüdische Volk dm Verstorbenen durch «in künstlerisches Grabmal ehren, .Fh<rt«1 FatutiM-JViu-J’Ma Aus der Ha/fara für Sonnabend, den 11.August Ergötzt euch mit Jerusalem, Jauchze! um sie, alle ihr, die sie Heben I freut euch mit Ihr ln der Freude, alle Ihr, die Über sie trauern I damit Ihr sauget und euch sftftigt am Uebcrflufi Ihrer Tröstungen damit Ihr schlürfet und eudi erquicket an der Brust Ihres Ehrensrhelns. Denn so hat ER gesprochen! Wohlan, Ich lenke zu Ihr hin wie einen Strom den Frieden, wie einen flutenden Doch der Erdstamme Ehrcnsdheln, dafi Ihr zu saugen habil an der Seite sollt Ihr getragen werden, auf den Knlcen gekost I Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so will Ich selber euch (rösten, an Jerusalem werdet Ihr getröstet, Jcschajahu 66, i013׳ (Ucbcrsctzt von Martin Buberf ״Verleumder" — wo saßen und sitzen, wo schrieben und schreiben sic? —, die behaupten, cs sei ״trcfoli" geworden, und fordert seine Hörer auf, ״ihre Kinder als Bürger des koptmenden Goltesstaatcs (in Palästina) zu erziehen.“ ״Ich weiß nicht, wofür sonst Ihr sic erziehen wollt!“ Roscnheim geht, trotz der neulich öffentlich bekannt- ׳ gegebenen Versöhnung beider Männer, die auch seiner Romangestalt im ״Neuen Kusari“ noch nachträglich zugute kommen soll, doch immer noch von völlig anderen Voraussetzungen aus: Ihm wird durch den Palästiunaulbau, der die Verlassenheit des Landes aulliebt, ״tragischerweise (!) .... das letzte räumliehe Zentrum gottgeheiligter Einmaligkeit, das heilige Land, in den Strom nivcllicremlster Kulturcntwicklung hineingcrissen...“ Also: giftige Sumpfe sind heiliger als fruchtbare Felder. Diese Theologie ist nur am Main möglich, am Jordan nicht. In einem anderen Punkt ist freilich Roscnheim etwas weniger extravagant als Breuer, der immer dann das ״Wundcr“_ bemüht, wenn er die Ursache, nämlich gesetzestreue Zionisten, nicht sehen will. So sagt Breuer angesichts der verhältnismäßig so frommen Stadt Tel-Awiw: ״Ich stehe hief vor einem vollendeten Wunder, wenn ich mir sage: wer kam denn all die Jahre in das Land, und wie jüdisch sieht das Land aus, trotz, der Menschen, die hineingekommen sind.“ Darauf weiß Rosenheim, ohne cs zu wollen, eine Antwort, ־ wenn er ganz nüchtern feststcllt: ״.., ganz so wie vor neun Jahren erst durch die sogenannte zweite Alijah 30000 thora- י treue Einwanderer aus Polen dein fast tlioraloscn Tel-Awiw seinen jüdischen Charakter aufzuprägen begannen...“ — — ״Ja, ja, der weiße vorgcspreizic Mantel des Tempelherrn“, 6agt zu solchen palästinensischen ״Wundern“ der weise Nathan. In den ״Vätersprüchen“ stellt bekanntlich: ״Wer etwas im Namen seines Urhebers sagt, der bringt die Erlösung auf die Welt.“ Dieser Ausspruch mit seiner Verpflichtung hat nicht viel Glück bei der deutschen Orthodoxie. Denn ob nun Rosenheim von den neuen Agudah-Arbeitcrn sagt, daß sie ״endlich einmal (!) das Ideal der Verbundenheit thoratreuer Menschen mit dem heiligen Boden“ verwirklichen werden, ohne dabei der thoratreucn Arbeiterschaft innerhalb des Zionismus, des Hapoel Hamisrachi, auch nur mit einem Worte zu gedenken, ob Isaac Breuer ״keine einzige Idee“ im öffentlichen Leben Palästina vertreten lind sich durchsetzen sicht, ״von der man sagen könnte, daß sic nicht entlehnt ist von Westeuropa“, ohne etwa bei dem Gedanken an das Bodenprinzip des Jüdischen Nationalfonds, das direkt der Thora entstammt und sich stets auf sie begründet hat, bedenklich zu werden, ob Joseph Carlcbach sich gegen den palästinensischen Prioritäts- «nspruch des Zionismus auf die Palästinakolonisation vor 1914 beruft, als beginne er mit dem Weltkriege und nicht mit der Chihbat Zion — cs ist immer dasselbe: die Herren sitzen in Gottes Kontor, führen, hier auf Erden, seine Bücher, beschimpfen den mit (objektiver) ״Unwahrhaftigkeit“, ״Eitelkeit und Hochmut“ (Carlcbach), der sich sachliche Kritik an einem ihrer Heiligen erlaubt und, vor allem, treten nachträ glich an jede historische Wirklichkeit heran, die von anderen geschaffen worden ist. Isaac Breuer spricht ganz deutlich aus, was auch Carlcbach andcutct: ״Das gesetzestreue jüdische Volk muß eigentlich immer, bei allen Neuerscheinungen großen Formats, spät, um nicht zu sagen zu spät, kommen.“ Warum muß cs das? Besteht diese Theologie des Zu-spät —■ die übrigens recht peinliche ״Gleichzeitigkeiten“ in Breuers Polemik gegen die palästinensische Arbeiterschaft und seiner Stellungnahme zur arabischen Gefahr nicht ausschlicßt, sowie eine sclücksalhaft-furchtbarc Gleichgültigkeit im Kampf zwischen Revisionismus und seinen Gegnern geradezu bedingt — besteht sic wirklich zu Recht? Warum kommt die Orthodoxie immer zu spät? Weil es ihr an Glauben fehlt. Weil Gläubigere als sie ihr immer in dem Wagnis vorangehen müssen, ohne das nichts Neues wird. Gläubigere und freilich auch: Sorglosere. Der Versuch aber, den die Kämpfer für einen echten, jüdischen und humanen Traditiouskern im Zionismus gemacht haben und immer wieder machen und der sich heute etwa auf Bubcr, die Werkleute und vor allem auf den Kreis um den Kibbuz Rodges und seine Nachwuchsbcwcgung, die religiöse Chaluziuth, berufen darf, will weder m i t dem Strome schwimmen, wie cs die Theologen der Gleichzeitigkeit tun, noch außerhalb seiner auf sicherer Insel stehen, wie die Theologen des ewigen Zu-spät, sondern: im Strome — gegen ihn. Jüdische Diplomaten. Zu unserer Notiz über den jüdi• sehen polnischen Diplomaten Dr. Mühlstein wird uns von einem Leser in Norwegen geschrieben, daß auch der polnische Gesandte in Oslo, Dr. Neu mann, ein Jude ist und «ich für jüdische Angelegenheiten warm einsetzt.