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Jüdische Rundschau · 1934-08-07 · Heft 63 (7.8.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 63 (7.8.1934)
Date
1934-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 1JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63, 7, Vin. 1934 Schwarze eigentlich keine andere Antwort als die Verzweiflung übrig läßt, passen nicht für Vertreter der Anschauungen, deren Repräsentanten in der zionistischen Leitung sicli auf dersclben Tagung mit aller wünschenswerten Klarheit für die Potitik der Kooperation Einsetzen. Diese Politik, die heute im Lande fast ausschließlich von Führern der Arbeiterschaft ver* teidigt wird, sollte nicht von der Presse der Arbeiterschaft dadurch kompromittiert werden, daß ohne ausreichenden Grund der Schatten des Passlictd-Weißbudies zur Kennzeichnung der politischen Situation heraufbeschworen wird. Ob ein Proteststreik gegen die Regierung mit dem System der Kooperation an sich verträglich ist, kann zweifelhaft sein. Zweifellos aber ist, daß er ein gutes Mittel ist, um die entgegengesetzte Tendenz, die die Kooperation zerstören will, zu propagieren. Die Folgen des Streiks in Tel-Awiw haben das deutlich genug gezeigt. Die Bedeutung der Gegensätze verlangt Klarheit und Ent- Scheidung. Fs ist 1111111 ö g 1 i c 11, die entgegengesetzten poli* tischen Methoden miteinander versöhnen zu wollen. Auf dem Gebiet der Außenpolitik, das allein das Thema dieses Aufsatzes ist, wird eine konzentrierte und zielstrebige Aktion des jüdischen Volkes erst möglich sein, wenn die revisionistische Gruppe völlig isoliert ist, die heute die Außenpolitik der Organisation systematisch stört und auch auf diesem Gebiete immer nur wieder neue Krankheitsherde in die Bcwcgung hincinfrägt. Erstes Gebot• auch der Außenpolitik ist heute die Entscheidung: der Weg von ״Blut und Feuer“ ist auszulösclicn aus dem Gebiete der zionistischen Politik. Ihr einziger Weg bleibt der Weg von Arbeit und Vernunft. Es gibt kein Kompromiß zwischen diesen beiden Möglichkeiten. Grunde der illegalen Immigration Die englische Zeitschrift ״The Ncar East and I rt clia“ bringt einen längeren Bericht ihres Jerusalemer Korrcspoudcntcii, worin u, a. die illegale Immigration von Juden nach Palästina besprochen wird. Ein hoher Bcnmter soll sich geäußert haben, daß wir gegenwärtig ״die Hochsaison für illegale Immigration“ haben. Der Korrcspornten! meint, daß einer der Hauptgründe für diese Ersclu'intuig in der Strenge der geltenden Einschränkungen gesellen werden muß, so z. B. versuchen Verwandte lind auch Verlobte von palästinensischen Einwohnern, unbemerkt ins Land zu kommen, weil sie kein Zertifikat bekommen können. Ferner meint der Korrespondent, die illegale Im mR gration werde gefördert von gewissenlosen Agenturen in den Nachbarländern, die angeblich für 50 oder 60 Pfund die Einscbmitggeimig eines Immigranten versprechen, der aber nach Uchcrsrhreiten der Grenze gewöhnlich bald in die Hände der Polizei fällt. Ucbcr die arabischen Verhältnisse sagt de,• Korrcspondent, die Verpflichtung der zu Bewührungspflicht verurteilten arabischen Führer, nichts gegen die Regierung zu unternehmen, habe deren Ansehen untergraben. Einzig Scheich Muzafar habe die Unterschrift abgefeimt und sei lieber bis Gefängnis gegangen, so daß sein Prestige außerordentlich gestiegen ist. Die arabische Presse weise darauf hin, daß auch die anderen Führer heute wissen müßten, wie ein arabischer Patriot zu handeln hat, und daß cs unstatthaft wäre, einer Regierung, gegen die man kämpft, zu versprechen, man werde sich wie ein braves Kind benehmen. Die Streitigkeiten zwischen den Arabern und die nationale Zwietracht seien ein großes Hindernis für die Entwicklung des Landes. Sir John Simons arische Abstammung *. Der ״Völkische Beobachter“ vom 5. August be* richtet aus London: ״Die Itliiilcr viTüflcntlicblen gestern elrtcn vor» Wem engl Wie« *Außcninini.ster an den U’kaimteii Journalisten Sir Archilmld Jhtrd ' gern litclcn 111b•(, in dem Sir John Simon sit-11 gegen die Ce. riiehto wendei, daß er jüdischen Ursprungs sei und daß diese Tutsurlu• seine Politik im Ati-wütligen Amt lieeindußt 11111k•■ Wenn er sich bi-her gegen die (rei liiliU! iiielit, gewehrt habe, erklärt der Außenminister, m! sei das deswegen nieht geschehen, weil *r nicht in den Verdacht des Antisemitismus kommen ■woll te. Unter .seinen Freunden seien einige Juden, denen er die grüßte 11 0 1: h a 1: h 1 u 11 g cnlgegenbringc und die er nieht bcleidigen wolle, indem er ״ihre »he und ehrenhafte Abstammung“ im GogensaU Mi seiner eigenen bringe. Er selbst, schreibt Sir John Simon, sei rin gewöhnlicher Eng- Kuder, «rischer Herkunft 0111«: die geringste jüdische Ski• ntiscliiing. Seine Matter entstamme einer alten englischen Familie, sein Vater dagegen komme ans Wahr, wo cs viele Familien des Namens Simon gelte und liiltlisehe Faniilieimiinicn überhaupt *ehr gebräuchlich seien. Niemand, der seine Verwandten keime, könne auch nur auf den C.edanken kommen, daß sie Juden seien. Abschließend betont der Außenminister in seinem von vornherein fiir die Veröffentlichung bestimmten Brief, daß Sir Archibald llurd ihm gegenüber betont hülle, daß eine Klarstellung seiner Abstammung itn öflentlicbcn Interesse lüge und daß er sich in ,Anbetracht der U ווו s t ti n d t' diesen A r g 11 m eilte n gefügt hätte." Die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ werden sich erbt* nern, daß wir wiederholt diese Tatsache, daß Sir John Simon kein Jude ist, initgctcilt haben; auch nicht weil wir uns seiner schämen würden, sondern weil an die Vermutung seiner jüdischen Abstammung unrichtige Folgerungen gcknüpft wurden, die das ganze Bild der europäischen Politik zu verwirren geeignet waren. Zuletzt haben wir auf diesen gerade in Deutschland verbreiteten Irrtum anläBlich der Rede iünguwiescn, die Latly Simon bei einer Hcrzl-Feicr in London gehalten hat und bet der diese christliche Dame ihrer Verwunderung Ausdruck gab, daß es noch Juden gebe, die den Zionismus ablehncn (s. ״Jüd. Rundschau“ Nr. 55 vom 10. Juli). Die Voraussetzung eines Burgfriedens Die iiincrzionistischeti Auseinandersetzungen haben im vergangenen Jahre eine solche Zuspitzung erreicht, daß nunmehr von allen Seiten der Ruf nach dem Abschlüsse eines Burgfriedens zu vernehmen ist. Es ist auch wirklich an der Zeit, die Formen unserer inneren Kämpfe, die diesen unhaltbaren Zustand verschuldet haben, einer Revision zu unterziehen. Verbellt docli kein Tag, an dein nicht gewaltsame Störungen zionistischer Versammlungen, Zusammenstöße zwischen den Anhängern der verschiedenen Richtungen, argwillige Vcrieumdüngen gegen unsere führenden Persönlichkeiten und Fonds und dergleichen mehr zu melden sind. Eine besondere Ver* schärfung hat dieser bedenkliche Zustand itn zionistischen Lager durch den unheilvollen Mord an Arlosoroff und die erregte Atmosphäre während des nahezu ein Jahr dauernden Prozesses gegen die des Mordes Beschuldigten erfahren. Nun, da dieser Prozeß beendet ist, müßte es möglich sein, die Voratissctzimgen fiir eine Beruhigung der Gemüter und damit für ein stärkeres Ztiwettdcn aller Zionisten zu den realen Auf* gaben unseres Aufbauwerkes in Palästina zu schab fett. Während die Verrohung der zionistischen Umgangsformen zum größten Teile auf das Konto der hemmungslosen revisionis,Ischen Agitation ztiriickgcführt werden konnte und bei allen übrigen zionistischen Gruppierungen bisher die besonnenen und verantwortungsbewußten Männer den Ausschlag gaben, schei* ncn tiun auch hier infolge der bereits bis zu einem unerträg* liehen Grade aufgcslaclielteii Nervosität Entgleisungen in das Gebiet der Möglichkeit gerückt zu sein. Die Notwendigkeit einer Befriedung der zionistischen Bewegung zu beweisen, ist deshalb bereits ebenso überflüssig, wie so manche der jetzt vielfach zu vernehmenden Schalom- Rufe, die an die Hauptsache vergessen: darzulegcn, welcher Art dieser Burgfrieden sein müsse. Die bloße moralische Ent- Tilstung führt liier nicht weiter. Man müßte sieh erst einmal über die Voraussetzungen ins Klare kommen. Hier scheinen die folgenden vier Punkte als unerläßlich für jedes Abkommen, das den Wunsch nach Beseitigung des jetzigen Zustandes realisieren soll: 1. Ausschaltung von Terrormethoden und jedweder Gewaltanwendung Itn zionistischen Lager. 2. Anerkennung der Autorität der Zionistischen Exekutive. 3. Anerkennung der Autorität der zionistischen Gerichte. 4. Anerkennung der Unantastbarkeit der nationalen Fonds (Keren Kajcmcth und Keren Hajessod). Eine Begründung dieser Forderungen, ohne die es keinen zionistischen Palästina-Aufbau und keine zionistische Bewegung geben kann, erübrigt sich wohl. Ohne sie würde jede Vereinbarung hohl und sinnlos sein und nur den Zweck erreichen, daß diejenigen, denen im Orunde nichts an ruhigeren und _..!11.1״__ \r__t. Mi«m 7!rtuIetteol1»»rt fWrvniMie*!♦5rvt-1 Das ReiclisgeriditsiiiielS zur Frage der Rltschehea In ihrer Rundschau über bedeutsame rechtliche Tages* fragen beschäftigt sich die ״Deutsche Juristcn-Zci* tung“ vom 1. August auch mit dem Urteil des Reichs* gcrichts vom 12. Juli 1034 über die Frage der Anfecht־ barkeit von arisch-nichtarisclicn Mischehen. Die Zeitschrift gibt die bisher bekannigewordenen Gründe dieser Entscheidung des höchsten deutschen Gerichtshofes wieder, die unseren Lesern durch die Veröffentlichung in Nr. 57 der ״Jüdischen Rundschau״ vom 17. Juli bereits mitgeteilt worden sind, und fährt sodann fort: ״Wir lnulidiliti'cen, um mit, diesem und den anderen In der ptoiHion Sache ergnn;;eneu Urteilen noch eingehend s׳u besrhiiftigen, soImU der genaue Wortlaut der Entscheidung nhd ihrer Hcgründtmg vorliogf. Immerhin darf das was von den Argumenten des Senuts bekannt geworden ist, Ix'rdts rum A'nlaß folgender Bemerkungen genommen werden: l,)ic Entscheidung <!.׳s Senat« beruht auf der These, daß die Kenntnis der nielitariselien Abstammung den Irrtum über ihre Bedeutung als wesentliche persönliche Eigenschaft ausschließe. Ks kann aber nicht allein aut diese Kenntnis unkommen: auch die mangelnde, Erkenntnis der objektiven Tragweite der betr. Eigenschaft für das Wesen der Klio vermag einen Irrtum im Sinne des He .■!re 1 im begründen. Eine, frühere '/.eit pflegte die wesentlich persönliche Eigenschaft gatw unabhängig von ihrer eigen! liehen Ilcdeutung für die Lite zu würdigen. Gegenwärtigem Recht *denken aber, das ein Denken in Zusammenhängen ist, entspricht cs allein, die in Frage stehende Eigenschaft nicht in erster Linie als wesent* lieh für die Person, sondern fiir die Institution der Ehe tu werten. Pas Gesetz selbst bringt «lies mit den Worten: ״Bei verständiger Würdigung des Wesens der Ehe“ zum Ausdruck. Die Tragweite der Rasscnzugehiirigki'it: fiir das Wesen «ler Ehe ist heute allgemein anerkannt, sie fällt also unter den Begriff der wesentlichen persönliehen Eigenschaft, eine (!ctieralklausd, die auch nach der Rechtsprcchung des Reichsgerichts ihren eigentlichen Inhalt dem nationalist ischen Gedankengut zu entnehmen hat.“ Veröffentlichung von Listen Jüdischer Firmen In der ersten August-Ausgabe des ״Deutschen Mit* t e 1 s t ,11 ו d e s“, des offiziellen Mitteilungsblattes des Landes* hamlwerksliihrers, der Kreishandwcrkerschaften und der amtlieben Berufsvertretungen des gewerblichen Mittelstandes itn rhcinmainischcn Wirtschaftsgebiet, werden, nachdem das Blatt in seiner vorigen Ausgabe eine Liste der jüdischen Firmen, Acrztc und Anwälte in Frankfurt gebracht hatte, abermals Listen jüdischer Firmen veröffentlicht, diesmal für Wiesbaden und Darmstadt. Gleichzeitig bringt das Blatt aut Veranlassung der Krcisamtslcitung der NS-Hago, Frankfurt a. M., eine Berichtigung seiner ״Frankfurter Juden* liste“, in der die Namen von 24 Firmen und Personen angeführt werden, die rein arischer Abkunft, zum Teil Mitglieder der NSDAP, sind. Zwei Aufsätze wenden sich gegen die ״Tar-' nung" jüdischer Firmen durch die sogenannte Gleichschaltung, somit dagegen, daß nach Ausschaltung jüdischer Vertreter der schönen Literatur in den großen Verlagsanstaltcn noch immer Werke jüdischer Wirtsciiaftsschriftstellcr erscheinen. gesitteteren Verhältnissen m Deutschland״ nicht gibt und me gegeben hat, und ״c£t* «m leichteres Spiel für alle Zukunft hatten. Das Zu- (]nß f-jcrr jonas Fränkcl niemals ein solches Amt bekleidet ttandekommen eines Abkommens jedoch, das jene vier Eie- - יי ־ -־.־ - - IUÜLr i # . . ~ I! .«02 A1HAH «ttAAnHliahAt meniarforderungen einschließt, könnte ' einen' ansehnlichen Schritt nach vorne bedeuten. _ Dr. Hans Lichtwitz, Prag. Wir berichteten In Nr. 57 vom 27. 7״ daß Architekt R. Friedmann den ersten Preis im Wettbewerb für das Arlosoroff-Grabdenkmal bekommen habe. Wie uns mitgeteitt wird, sind In diesem Wetbewerb zwei erste Preise verteilt worden. Der weitere Preisträger war Architekt W, Haller in Tel-Awiw. . Die Stellung der Juden in Oesterreich Wien, 2. August. (J.T. A.) In einer am 2. August in Wien .•)!)gehaltenen Pressekonferenz betonte der neue osterrcichischc Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, daß der verlasstingsmäßig verankerte Grundsatz der Gf eich heit aller Bürger vor dem Gesetz fiir die Regierung auch weiterhin maßgebend sein werde. Auf die Frage des JTA- Vertreters, ob siejt dieser Grundsatz auch auf die Juden beziehe, antwortete der Bundeskanzler: ״Selbstverständlich!" und fügte hinzu, daß die Gleichheit vor dem Gesetz für alle diejenigen Geltung haben soll, die sich an das Gesetz halten. Nochmals der ״Großrabbiner von Berlin". Die ״Fränkische Tageszeitung" vom 30. 7. berichtet unter der lieber, schrift ״Greitclrabbiner aus England ausgewiesen״, daß der ״frühere Großrabbincr von Deutschland", Jonas Frankel, in England verhaftet und dann ausgewiesen worden 8Ci. Ohne aut die Einzelheiten dieses Berichtes, der mehrere Irrtümer zu enthalten scheint, einzugehen, möchten wir nur feststcllcn, daß cs einen ״Großrabbincr Von hat. Merkwürdigerweise bringt auch die Londoner ״Times" vom 28. 7. einen kleinen Bericht über die Abreise des Herrn Frankel, der sich von England nach San Rcmo bcglht; Diese Reise wurde offenbar wegen Krankheit durch Flilfsorganl- Rationen veranstaltet, Die ״Times" spricht bei dieser Gelegen, heit gleichfalls von einem ״Grand Rabbi of Oermany“. Wir wissen nicht, ob Fränkcl sich selbst diesen Titel beigdegt hat; jedenfalls, was immer von chnritativer Seite für diesen Mann unternommen werden mag, die jüdischen Institutionen auch des Auslands sollten wissen, daß es sich t) 1 c K t ׳ um einen ״Großrabbincr von Berlin“ handelt. Ein abgeschlossenes Kapitel Wiener Meldungen zufolge ist in diesen Tagen der D, redaktcur der ״Neuen Freien Presse“, Dr. Frust Be di kt, aus der Leitung des Blattes ausgesrhieden. R war der Nachfolger seines 1620 in Wie!» verstorbenen Vai Moritz Benedikt, der in der liberalen Acta als der'führe t Publizist der Österreich-ungarischen Monarchie und als ,־ der maßgebenden Publizisten Europas galt. Moritz fkne'th hatte als Leiter der ״Neuen Freien Presse“ eine große p rarlsche und zum Teil auch politische Macht. $tjn s^Jr Ernst Benedikt, der die journalistische Tradition des Vaif fort/uset/en versuchte, konnte in dem zu einem Klein»)» gewordenen Nacltkriegs•()esterreich natürlich keine derarti׳- Bedeutung mehr erlangen, zumal auch die Zejtvcrhältnk« ,j'i verändert hatten und Stil und Wirkungsart nicht mehr ״« gemäß waren, ״" Der Vater, Moritz Benedikt, ist vielen Zionisten »« der Lektüre von Herzls Tagebüchern bekannt. Er war d? allmächtige Chef Herzls und versuchte mit allen Mittel»' ihn vom Zionismus abzubringen. Ais dies nicht gelang, bj er jede Veröffentlichung über Zionismus in der ״Nntt» Freiet) Presse" untersagt. Er wollte dem damals schon tun! geltenden Schlagwort von der ״Judenpresse" keine א!!,', rtmg geben und ahnte nicht, daß das Verschweigen der jttdenirage und die Tarnung (abgesehen von ihrer moralisch« Bedenklichkeit) viel schädlicher ist als offenes Bekenntnis und verständnisvolle Erörterung der Judenfrage. Henl to seelisch schwer unter dieser Opposition des alten Benedikt Zwei jüdische Typen standen sich hier gegenüber; Der r!" wandte und geschäftstüchtige Assimilationsjudc der liberal(,, Aera und der stolze, volksbewußte Triigcr eines zukunfw weisenden jüdischen Ideals. Ucbrigens ist es auch ein Jude gewesen, der mit größter Leidenschaft unermüdlich da Benedikt-Journalismus bekämpfte und entlarvte, nämlich Kart Kraus. Es ist interessant, daß die Ablehnung eines Jour, )lalismus, der schon früher, besonders aber heute ah njä. disch“ bezeichnet wird, von Juden ausgegangen ist,’ —. wodurch allein schon bewiesen ist, daß es sich hier sielt «in eine ״jüdische Angelegenheit“ handelt. Nunmehr ist durch das Ausscheiden von Ernst Benedikt ein Kapitel deutsch-jüdischer Journalistik, das einer längst vergangenen, wenn auch zeitlich noch nicht 80 femen Epoche angchörtc, endgültig abgeschlossen. Jüdisch-Mohammedanische Unruhen In Constanttae Ernste Unruhen zwischen Juden und Mohammedaners brachen nach einer Europaprcß-Mcldtmg aus Paris in Cos- 8 taut ine (Algerien) aus. Ein Jude hatte der Meldung nach die Mauer einer Moschee besudelt, worauf die in ihren ttli• giösen Gefühlen verletzten Mohammedaner über die Juden licrfielcn. Auf den Straßen und Plätzen kam cs zu Schl»• gerrien, bei denen Revolver und Messer sowie Knüttel als Wallen dienten. Aus den Fenstern der Häuser wurde auf die Kämpfenden geschossen. Polizei, Gendarmerie und Truppen mußten atifgebotcti werden, um die Streitenden zu trennen. Etwa zwanzig Verletzte wurden in die Krankenhäuser cingclicfcrt, darunter zwei Polizeibeamte, die Messerstiche davongctrngcn hatten. Am Sonntag morgen wir es noch nicht gelungen, die Ordnung vollständig wieder• hcrzustcllen. Die Behörden haben strenge Maßnahmen «• griffen. Verurteilte Exzedenten in Thrazien Konstantin opcl, 1. August. (J. T. A.) Wegen Teil• nähme an den judenfcindliciicnAusschrcitungcr In Thrazien wurden sechs Angeklagte zu drei bis sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Dagegen wurden drei hohe Be• amte aus Kirklisse, denen matt die Hauptschuld an den dorti• gen Ausschreitungen zuschrieb, der Polizeichef, der Bürger• meistcr und der Vorsitzende der Handelskammer, frage• sprochcn. _________ Kleine Nachrichten Wie die ״Mainfränkische Zeitung“ meldet, wurde an den Eingängen aller Wohnhäuser in Karlsburg a. M. ein Schild mit der Aufschrift ״Juden Zutritt verbo« t c n" befestigt. Wie die Zeitungen aus Nürnberg melden, wurde Nr. 31 der antisemitischen Wochenschrift ״Der Stürmer‘1 wegen der darin enthaltenen Beleidigung eines fremden Staatsoberhauptes polizeilich beschlagnahmt und ringezogen. Die Wochenschrift wurde auf die Dauer von 14 Tagen poli• zcilich verboten. Der ״Ledermarkt", Frankfurt a. M., veröffentlicht am 20, 7. einen instruktiven Aufsatz über die L cd crindu• 81 r i c in Palästina, in dem der gegenwärtige Stand dieses Wirtschaftszweiges und seine zukünftigen Aussichten dargcstcllt werden. Major Tu loch, einer der Teilhaber der Toten Meer■ Konzession, hat in London in der Royal Society 6f Arts am 17. 7. einen Vortrag über das Tote Meer von heute ge• halten, worin er die Entwicklung der chemischen Industrie schildert. Der High Commissioncr von Palästina hat privat der jüdischen landwirtschaftlichen Versuchsstation i״ R echo bot ii die Mittel für die Errichtung eines neuen Flügels an ihrem Gebäude zur Verfügung gestellt. Der Anbau soll chemische Laboratorien für bakteriologische Forschungen enthalten. Beim Beginn des Aufbaus waren der Oberkommissär und einige andere Notablen persönlich anwesend. Demnächst sollen die Verhandlungen mit den türkischen Behörden betreffend die Verlängerung der Luit Iahet• Linie Warschau—Lemberg—Bukarest über Koustantinopel nach Palästina wieder aufgenommen werden. Als |י>• Instiiieusiscbe Stationen der verlängerten Linie sind Haifa, Jerusalem und Tel-Awiw in Aussicht genommen. Die F. W. J. (Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden) hat soeben ihren ersten Wirtschaftsbcricht nerausgegeben, der sich mit dem tmniobilienmarkt und dein Rcalkrcdriwescn beschäftigt. Weitere Berichte sollen and«« für das Arbeitsgebiet der Gesellschaft wichtige Wirtscham• fragen behandeln. Palästina hat 10000 Automobile bei einer Bevölkerung von etwa einer Million, während in Aegypten auf 14 Millionen 28 000 Automobile entfalten. Ein jüdischer Diplomat. Aus Brüssel wird uns l* schrieben: ln Washington starb vor einigen Tagen Herr Paul May, der belgische Botschafter. Der Verstorbene h*«* eine lange und erfolgreiche diplomatische Karriere hinter sieb. Der Verstorbene, der als einer der besten belgische״ diplomatischen Vertreter angesehen wurde, war Inhaber d« allerhöchsten Ehrungen. Sein Hinscheiden hat allgemein« Bedauern hmorgeruien. Die amerikanische Regierung h« ein Kriegsschiff zur Verfügung gestellt, um die Leiche n*« Belgien zu bringen. Der Verstorbene war ein überzeug ־* ׳i®*״»1״‘*!״ Herr Joseph May, ist Vorsitiender «f Belgischen jüdischen Kultusgcmcinden,

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