Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 63 (7.8.1934)
- Date
- 1934-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 63, ל. VIII. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAÜ Seite 3 Die emgliscSae Palä aapölEII 14 als s10nac-a3cIuGa Von Dr. Moritz I. die Die Hoffnungen, denen sich weife Teile der zionistischen Bewegung nach der Balfour-Dcklaration )״,.gaben, sind nie• ״a|s in vollem Umfange gereift. Die Zeit der ״großen Erl״- s»״R״ .m mcss.amsd.en Stil des Volkes ist noch nicht gekommen. Langsam wird ein mühseliges Aufbauwerk vorwartsgetrieben; wer nicht Phantasie und Glauben lülbriiigcn kann, dem bleibt die Bedeutung des schon ge- *chafloiicn Fundaments noch verschlossen. Aber das nraktische Ergebnis der zionistischen Politik in der Zeit nach dciii Kriege sollte nicht geringgcschät/t werden. Die politische Grundposition der Bewegung, die Balfour-Dcklaration, liesteht. Zahlreiche andere Ankündigungen der Friedens- Schlüsse, in denen ein neues System der politischen Bczichungen sich Geltung verschaffen wollte - darunter solche, die nach Zielen und Motiven der Bai tour-Deklaration sehr verwandt waren , konnten den Druck der Mächte der Vcrgangenheit nicht aushaltcn. Sic wurden lediglich Quellen der EnttätiscInnig für die mit ihnen bedachten Völker. Die Balfour- Deklaration hat die Stürme der Nachkriegszeit überstan• den und ist ein lebensvoller, politischer Tatbestand geblieben. Das jüdische Volk hat die große Errungenschaft behauptet, die einen neuen Abschnitt seiner Geschichte cinleitct. Es ist als politische Individualität mit dem Anspruch auf ein Leben in eigener politischer Form, dem Nationalhcim, anerkannt. Der Zionismus hat in Palästina eine schwere wirtschaftliche Krise übcistamien, die viele seiner Gegner als den endgültigen Nachweis seiner Unmöglichkeit angesehen hatten. Bei einer giinstigen Gelegenheit haben sich die politischen Gegenkräfte des Zionismus zu einem großen Angriff gesammelt, und fast schien es, daß sie seine politische Zukunft endgültig zerstören würden. Aber es ist der Bewegung gelungen, auch diesen, von. den arabischen Widersachern und einflußreichen englischen Kreisen geführten Stoß abzuwehren. Dann konnte trotz des Druckes der allgemeinen Wirtschaftslage die Einwanderung nach Palästina wieder at.fgcnommcn werden, und dank den seit etwa P ״. Jahren erreichten beträchtlichen Zahlen wird man dem jüdischen Volke seine Stellung als eine über Palästina mitbcstimmende Macht in naher Zukunft nicht mehr ernsthaft streitig machen können. Ucberdics ist dieser Aufstieg des Judentums in Palästina zu einer Quelle der Wohlfahrt für das ganze Land geworden. Diese beachtenswerten Erfolge hat der Zionismus vor allem der Wahrheit seiner Idee und dem Willen seiner Anhängcr zu verdanken. Aber diese Grundclcmcnte der zionistisehen Politik mußten noch eine andere politische Tatsache schaffen, damit das Erreichte erreicht werden konnte: das Wohlwollen oder wenigslens die Duldung der englischen Regierung. Im Mandat hatte England den Zionisten ein erhebliches Maß aktiver Unterstützung zugesichert, und noch viel mehr hatten sie nach der Balfour-Deklaration erwartet. Diese Hoffnungen sind nicht erfüllt, die Versprechungen keineswegs im angekündigten Umfange eiugclöst worden. Aber der Grundsatz, blieb unbestritten, daß England die Vcrpflichfang zur Forderung des Nationalheims anerkennt. Auf diesem Grundsatz war und ist die gesamte zionistische Arbeit im Lande in der Zeit nach dem Kriege, also die ganze Periode der beginnenden Großkolonisation, aufgebaut. Es ist offensichtlich, daß die zionistischen Fortschritte nicht erreicht worden wären, wenn England dem Zionismus gegenüber die Haltung der türkischen Regierung beibehalten hätte. H. Welchen Sinn hat es, an diese schlichten und bekannten Tatsachen noch einmal zu erinnern? Es geschieht und muß geschehen, weil sich eine Entwicklung anzukündigen scheint, die dieses Fundament des zionistischen Wirkens im Lande ״schüft er 11 könnte. Das jüdische Volk empfindet nach den neuesten Stationen stiner Leidensgeschichte alle Hindernisse, aber auch schon alle Grenzen des nationalen Befreiungswerkes schmerzlicher Hs je. Niemals hat die Juden not so scharf gebrannt wie jetzt. Der Rückfall in das abgesonderte Leben — mag er sich schon vollzogen haben oder ankündigen — wirkt viel erschufternder, nachdem das Judentum sich alle Eriungenschaftcn der Neuzeit zueigen gemacht hatte —■ bis zu dein Punkte, daß es »ach Ueberwindung einiger moderner, aber fundamentaler Irr- 'Ürner auch die Lehren der modernen politischen Theorie, als Theorie des Nationalismus, und die letzten Methoden der poli- 'Ischen Praxis auf sich angewendet hatte. Diese Wahrheiten üw richtigen Erkenntnis müßten doch — so verlangt es ein berechtigter geistiger Ehrgeiz ihrer Anhänger — den furch- '״liehen Absturz auflialten können. Und tatsächlich erklärt ״idit nur das von der eigenen Leistung bestimmte Gefühl der Teilnehmer am nationalen Werke, sondern versichern auch ״Beile objektiver Betrachter, daß das Land der Verwirkilcl|ung des nationale״ Gedankens einen erheblichen Teil der J’0״ der Katastrophe Betroffenen aufnehmen, sie für das *olk reifen könnte. Aber es geschieht, daß die Regierung cs Landes, die Regierung des mit dem jüdischen Volke durch ״«schichte und Rechtssatzung verbundenen Volkes, die volle Ausnutzung dieser Möglichkeiten verhindert. Anstatt, cum 1״«Verwandlung des nationalen Ideals vom Traum zu Leben ültl «in entscheidendes Stück vorwärts gebracht wird, wird soan manchen Stellen der schon erreichte Bestand durch ״5'״gef an Arbeitskraft gefährdet. Die Begleitung und Begrün- 4״״g dieser Politik der Einschränkung sind kühle, staatsman- ״!sehe Erwägungen, nüchterne Erklärungen der Unmoghchk« , 4en> großen jüdischen Unglück allzu große Bedeutung be.zumesse״. Diese Haltung der Regierung ruft im Jischuw eine Er* J,Hterung hervor, die sich immer weiter a|'?brc‘ gleiche mit dem Verhalten gegenüber dem arabischen Volks J11־ drängen sich auf. Hier existiert eine P01tlkJ;icr die durch die Tat geübt und durch das Wort ver , J“"4«t wird. Manche Erklärungen über diese P0!,t,k . Eindruck hervorrufen, daß die Regierung ־־ 1 J'fpflichtung«, die nach der von ihr bereitwillig akzeptierten j ״^struktion des Völkerbundes im Mandat enthalten 1S*» ® * I ”1.*1,1׳ch in eine Verpflichtung zum Schutze der Araber geg n ( >H»0H vorwärtsdrängenden juden verwandelt. Diese ״alfissimg müßte den Widerspruch auch derjenigen judi Bileski, Haifa sehen Gruppen hervorrufen, die die Hebung des Wirtschaft* liehen und kulturellen Standes der Araber als eine im Gesamtintcresse des Landes und auch im besonderen jüdischen Intercsse liegende Aufgabe der Regierung anerkennen. Wenn die Vertreter der Regierung in ihren Erklärungen der Bedeutung des Nationalhcims für die Gestaltung des Landes Palästina mit Deutlichkeit gerecht würden, wäre das Gefühl einer untersclüedlidtcu Behandlung wohl weniger stark. Aber die Reglertmg befleißigt sich in diesem Punkte einer auffallenden Reserve. Einzelbeispiele der Bchördcn-Praxis stoßen den Jischuw immer wieder auf die Folgerung, daß der Regierung zwei verschicdcnc Maßstäbe zur Verfügung stehen. Die Führer der arabischen Demonstrationen, die viele Todesopfer zur Folge hatten, werden mit bemerkenswerter Milde von den Justizbchörden behandelt. Gegen die jüdischen Arbeiter, die im Laufe der Aktion um die jüdische Arbeit mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, wird eine betonte Schärfe angewendet. Natürlich provoziert dieses Verhalten höchst unfreundliche Gefühle gegen die Regierung auch in den Kreisen der Arbeiterschnft, deren Führer heute die Wortführer der Politik der Kooperation mit England sind. Immer mehr empfindet man im Verhalten der Mandatarmacht nicht die Stütze des eigenen Werkes, sondern den von ihr ausgehenden Druck. in. Die politische Lage ist also unbefriedigend. Ke zionistische Politik hat die Aufgabe, mit allen Mitteln ein besscres, mehr dem Mandat entsprechendes Verhalten der Regieruiig zu erstreben. Aber diese Aufgabe enthält unter den heutigen Bedingungen große Gefahren. Die politischen Kontroversen, die den Kongreßzionismus seit dem Kriege durchzogen, bezogen sieh im Grunde nur auf die Frage der politischen Methode, Der Aufbau des politischen Systems selbst war gar nicht streitig. Wcizmann-Zionisten und Revisionisten, beide wollten die Verwirklichung des Zionismus mit der Hilfe Englands. Man stritt um das Verfahren, durch das diese Hilfe zu erreichen wäre, ob durch eine ״starke" oder eine vorsichtige Politik. In der Zeit zwischen dem 17. und 18. Kongreß hat sich dieser Inhalt der politischen Differenzen gründlich geändort. Nach der Meinung des Revisionismus hat England die ״letzte Probe", die man mit ihm machen wollte, nicht bcstanden. Daher propagiert der Revisionismus nunmehr den offenen Bruch mit der M a n d a t a r m a c h t. Er hat mit dieser Propaganda beträchtliche Erfolge gehabt. Seitdem Jabotinsky seine Rede in Warschau hielt, in der er dem britischen Reich drohend aukündigte, daß die 15 Millionen jüdischer Herzen als Zündhölzer aufflammen würden, die einmal das britische Reich in Brand setzen könnten, hat sich der Zündstoff in der Tat — wenn auch nicht mit der von Jabotinsky erwarteten Wirkung — ausgebreitet. Systematisch erzieht der Rcvisionismus die Ocffentlichkeit dazu, England als feindliche Macht zu betrachten. Die ״Hebron-Regierung“ ist eine übliche Be- Zeichnung für die Regierung des Landes, der auf diese Weise immer wieder der Makel der Judemnordc von 1929 angchängt wird. Schon der offizielle Verkehr zwischen führenden Zionisten und der Regierung wird als ״Verrat“ dargcsteilt. Wenn ein Mitglied der zionistischen Exekutive einer Einladung des High Commissioncr Folge leistet, ist das ein Beweis für verraterische Gesinnung. Kombinationen über judenfeindliche Aktioneu der Regierung von seltener Pcrfidie werden in Umlauf gesetzt, etwa von der Art, daß Arlosoroff auf Veranlassung der Regierung ermordet worden sei, damit auf diese Weise die verschiedenen jüdischen Gruppen gegeneinander gehetzt würden. Natürlich sind die dunklen Seiten der politischen Situation hochwillkommenes Material für diese revisionistische Agitation. Immer weitere Kreise des Jischuw erliegen der revisionistisehen Anschauung, daß der gordische Knoten der politischen Zustände die Abkehr von England erfordere, und sie bekräftigen sich selbst diese Meinung, indem sie sich die Darstellung Englands als des großen Feindes der jüdischen Sache zueigen machen. Die neueste Justizgeschichte Palästina» gibt lehrreiches Material für die Verdichtung dieses Zustan- ,des der Spannung. Die Prozesse wegen Ruhestörungen aller Art von jüdischer Seite,, wegen Mißachtung der Gerichte haben sich gehäuft. Es besteht die Gefahr, daß das jüdische Volk und die Staatsgewalt immer weiter auseinandergetrieben werden. IV. Die politische Situation enthält also nicht nur die Frage, wie die vorhandenen Mängel zu beseitigen sind. Gleichzeitig ist, wie immer deutlicher wird, die Frage zu beantworten, ob wir zuschcn sollen, daß die Kluft *wischen uns und England immer tiefer wird, ob wir den Bruch mit England dulden oder gar fördern sollen. Das Material für diese Entscheidung hat sich im Grunde nicht sehr verändert. England ist der Flerr über Palästina. Es ist in den letzten Jahren nur deutlicher geworden, daß es diese Stellung für absehbare Zeit behalten wird (für eine Bewegung, die in die Welt der realen Tatsachen cingctrcten ist, ist nur eine Politik für übersehbare Zeiträume einer Erörterung wert). Das große strategische Intcresse Englands an Palästina wird durch einen Blick auf den Hafen in Haifa genügend klar. Neuerdings regen sich anscheinend auch kommerzielle Interessen, um die sich Engländer bisher merkwürdigerweise auffallend wenig gekümmert haben. England wird also in Palästina bleiben. Daher ist die Frage, die der Revisionismus stellt, nicht — wie er kindlich erweise dem Volke einzüreden sucht —, ob man sich England oder einen anderen Mandatar aussuchen solle, sondern es ist zu entscheiden, ob zwischen dem Zionismus und diesem gegebenen Mandatar England ein Verhältnis der Freundschaft, der wohlwollenden oder der unvoll• kommenen Neutralität, oder ein Verhältnis der offiziellen Feindschaft bestehen soll — wobei die Regierung natürlieh ihre Feindschaft mit den Mitteln der Staatsgewalt ausdrücken könnte. Es genügt die Frage zu 81 e H c n, um sie zu beantworten. Der Rückfall in die Türkenzeit, der Stillstand unseres Aufbauwerkes, wäre das größte Unglück, das das Judentum der Gegenwart treffen könnte. ,.,,—.. ■״ " Es steht aber noch mehr auf dem Spiele als die heute gegebene Machtposition des Zionismus in Palästina. Die Er• folge des politischen Zionismus haben die Stellung des jüdi» sehen Volkes in der Gesellschaft der Völker grundsätzlich ver• ändert. Vor der Balfour-Dcklaration war das jüdische Volk —- genauer gesagt seine einzelnen zerbrochenen Teile — lediglich Objekt anderer Mächte. Durch die Balfour-Dcklaration ist es *— in bezug auf Palästina — als eine Einheit mit legitimen Ansprüchen anerkannt worden. Aber cs sind noch nicht anderthalb Jahrzehnte verflossen, und schon haben wir es unseren ״starken" Politikern zu verdanken, daß man über die Möglichkeit eines Verlustes dieser historischen Errungenschaft sprechen muß. Politische Würde verpflichtet zu politischem Ernst. Aber im Bereiche unserer Politik drängt sich vollendete politische Don-Quichotterie im Urteil und in der Aktion immer mehr in den Vordergrund. Wie beschämend war im Prozcß gegen die ״Btrjomm“ das leider allzu begründete Lachen der englischen Richter über die politischen Vorstellungen dieses Kreises, über die Größenbezeichnungen, mit denen sie ihre Führer schmücken, über ihre Drohungen gegen die Weltmacht England. Wir können uns nicht damit trösten, daß dieser Art von Politik nur ein unmaßgeblicher Kreis von Sonderlingen anhängc. Sie ist eine durchaus logische Ent* Wicklung des demagogischen Propagandastiles, den der Führer des Revisionismus, jabotinsky, in die Betrachtung auBcnpolltischcr Fragen eingeführt hat. Die großen Teile der Bcwe* gung, die diese politischen Erscheinungen dulden oder gar mitmachen, die auch hier den berühmten ״berechtigten Kern“ finden, die sich niemals zur Entscheidung, zum klaren Ent- Schluß des Kampfes gegen das Ucbel aufraffen wollen, sie sind schuld daran, daß diese Art politischer Haltung sich ausbreitet und die große Errungenschaft der in der Aera Wcizmann wiedergewonnenen politischen Würde des Zionismus gefährdet. V. Die Propaganda des Gedankens der feindlichen Auseinan* dersetzung zwischen dem jüdischen Volk und der Staats* gewalt ist nicht nur leichtsinnig, sondern, trotz des Druckes der politischen Lage, auch ungerechtfertigt. Völker, die keinen anderen Ausweg sehen, können und sollen ein solches Risiko übernehmen. Wenn feststände, daß wir keinerlei Förderung, sondern nur Störung und vielleicht Zerstörung von England zu erwarten hätten, wäre diese Lage für uns gegebcn. Zur Zeit des Passlicld-Wcißbuchcs schien eine solche Wendung der englischen Politik sich arizukündigcti. Ein Vergleich mit jenem Abschnitt zeigt, wie falsch eine Ucbertragung der Analyse und daher auch der Folgerungen auf unsere Situation wäre. Zur Zeit des Passficld-Weißbtichcs war uns die ״Kristallisierung“, die Stillegung unseres Werkes auf den erreichten Stand, angekündigt. Fleute sind wir mitten in einer Zeit starker Entwicklung, Die Immigrantenziffern von 1933 — nach dem amtlichen Jahresbericht 39000 — übertreffen alle früheren Jahre seit der Balfour-Dcklaration. Sie kommen den Vorstellungen einer Masscn-Inimigration nahe, die die eigentümliche Methode des politischen Zionismus für den Aufbau des Nationalheims werden sollte. Der politische Zionismus ist also im Vormarsch — nicht in dem Tempo, das er nach seinem Bewußtsein und seinen Kräften anschlagen könnte, aber er steht nicht still, und offenbar fällt es auch der Mandatarmacht nicht mehr ein, es noch einmal mit dem Kommando zum Stillestehen zu versuchen. Die englische Orientzeitschrift ״N’car East“, die früher stets den Arabern gegen die Juden sekun* dierte, unterstreicht seit einiger Zeit sehr deutlich die positiven Seiten der zionistischen Entwicklung und deutet gelegcntlich sogar an, daß eine Ausdehnung jüdischer Aktivität auf Transjordanien ihre Vorteile hätte. Als das Passficld- Weißbuch erschien, war die Redaktion des ״Near East" begeistert. Der MacDonald-Brief an Dr. Wcizmann, der die zionistische Position in weitem Umfange wiederherstellte, wurde von ihr mit höchstem Mißvergnügen kommentiert. Heute wird ein Lord, der sich im Oberhaus für die angeblich zu Unrecht verkürzten Rechte der Araber einsetzt und in seiner Rede die Durchführung des Passlicld-Wcißbuchcs ver• langt, vom ״Near East“ darüber belehrt, daß das Passfield* Weißbuch zusammen mit dem MacDonald-Brief gelesen werden müßte. Diese beiden Tatsachen also sollen wir, wenn wir die politische Situation würdigen, nicht vergessen: die Einwanderung und das Anerkenntnis des MacDonald-Bricfcs als des für die englische Politik maßgebenden Dokumentes. VI. Es ist unzweifelhaft, daß diese Aktivposten unserer politischen Bilanz dringend der Vermehrung bedürfen. Aber es wäre der denkbar untauglichste Versuch einer Verbesserung, wenn der Zionismus gerade die Eigenschaften preisgtben würde, die ihm und seinen Forderungen in den Augen der Regierung Gewicht verleihen. Der Zionismus, der, bei aller Deutlichkeit des Kampfes um sein Recht, die Existenz gemeinsamer Interessen mit der Mandatarmacht nicht verleugnet, hat Aussichten auf Konzessionen, Es ist auch heute deutlich genug zu spüren, daß die Regierung die Beschwerden der zionistisehen Leitung, der Repräsentanz der Politik der Kooperation, nicht leicht nimmt. Ein Zionismus, der sich darin gefällt, schon jetzt seinen natürlichen Standort für den nächsten Krieg auf der Seite der Feinde Englands zu suchen, kann nicht auf Förderung, sondern nur auf Unterdrückung rechnen. Solange der Zionismus der Träger des Aufbaues des Landes ist, wird die Stärke seiner Leistungen das beste Argument für seine Forderungen sein, das immer seine Wirkung ausüben wird. Wenn heute starke jüdische Gruppen als ein Element der Unruhe Im Lande erscheinen, wenn sie mit den Methoden der arabischen Agitation konkurrieren, gefährden sie dieses große Kapital, das sich der Zionismus durch sein Werk io? Lande geschaffen hat. VII. D c r T e i I des Zionismus, der diese Werte in ihrer vollen, auch in ihrer politischen Bedeutung zu würdigen versteht, ist groß und, wie wir hoffen, stark genug, um rechtzeitig die drohenden Gefahren abzuwehren. Aber auch nach dieser Seite erscheint eine Mahnung notwendig. Diese Richtung müßte jeden Schatten einer Anpassung an das Ihr entgegengesetzte System vermeiden. Ihre Aufgabe Ist, den Inhalt und die wahre Bedeutung einer konstruktiven Politik dem Volke darzustcllen. Auf ihrer Seite steht die Zukunft des Werkes — das ist ihr einfaches und großes Argument. Aber ihr ist jeder Versuch in der Richtung der demagogischen Demonstration untersagt, die sie vielmehr gerade in ihrer Hohlheit zu entlarven hat. Sie soll nicht, um auch diese Methode einmal zu probieren, gelegentlich mit den Demagogen auf i h r e m G e b i e t in Wettbewerb treten. Dar- Stellungen der Lage, deren vollständige und hoffnungslose