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Jüdische Rundschau · 1934-08-03 · Heft 62 (3.8.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 62 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Der Nicliturier in der Wirtschaft Keine uttierichicdlithe Behandlung Aut eine Anfrage in der Presse, betreffend die Oetichmigung eines jüdischen K o 11 f e k t i o 11 s h a u $ c s I n Erf u r t, nimmt der dortige Oberbürgermeister zu einer Erklärung das Wort. Danach habe ihm die [»flicht, nach den gesetzlichen BcMiinmungcn zu entscheiden, die Ablehnung des Gesuches unmöglich gemacht; denn nach einem Runderlaß des Rcichswirtschaftsmiiiistcre sei eine unterschiedliche Behandlung von arischen u 11 d n i c h t a r i 8 c h c n Unternehmern oder Gewerbetreibenden mit dein nach wie vor geltenden Grundsatz der Markt- und Gewerbefreiheit nicht v c r e i n b a r. Pflicht einer nationalsozialistischen Bcliördc sei cs, ihren Maßnahmen und Entscheidungen nur die geltenden Gesetze zugrunde zu legen. Die Bedürfnisfrage sei bei der Entscheidung über die Genehmigung über- Haupt nicht zu prüfen gewesen, sondern lediglich ob infolge der beabsichtigten Errichtung die Gefährdung in einer in unmittelbarer Nähe liegenden selbständigen Verkaufsstelle zu befürchten sei. Eine solche Gefährdung sei aber nicht ohne weitere« in der Tatsache der Konkurrenzmöglichkeit des neuen Unternehmens zu erblicken. Der Reich swirt•' Schafts minister habe übrigens die Entscheidung ausdriicklich bestätigt. Die Erklärung schließt mit dem Satz, daß der Oberbürgermeister persönlich als Nationalsozlalist das Vertrauen zu seinen Erfurter Volksgenossen habe, »,daß sie ihre Einkäufe nur in deutschen ueachlften vornehmen1‘. *Vom judenfreien Markt*' In der ״Bau ern-Zeitung“, Frankfurt a. M., vom 29. Juli 1934 lesen wir: ״Lan{-(!önt. Jliin ),'ilm »om jmltnlrciea Mark t.) Von item Bockclmnrkt in Lang-Gö»« wurde von der Abteilung Werbung Her Eande»b11ucrn-.chaft ein Film gedreht, der am Sonntag, 89. Heuert, in der liiesigcu Turiihulle vorgdührt wird. Der Film, 'der einen liefen Einblick in das otxrhcssischc Markt leben gibt, wird tm gamen Reich geneigt werden.“ lieber den Inhalt des Films wird nichts berichtet. Nichtarier im Film Die ״Naiiottalzeiiung“, Essen, veröffentlicht 8in 29. 7, eine Filmbcsprcchung, worin auch der Film ״Die Stimme ohne Qesicht“ gewürdigt wird. Am Schluß des Berichtes heißt cs ״Ucbrigens! warum verschweigt das Programmheft den bekannten Kameramann Schütlan? — nnm weiß doch ohnehin Bescheid. Wenn die Kontingcntstdle einen Film schon zugelaiscn hat, to «oll man auch die beteiligten niclitiirisChc n Personen nennen. Wir sind gegen das Munkeln im Dunkeln I“ Diese Bemerkungen eines nationalsozialistischen Blattes scheinen auch uns sehr am Platze. Wir haben uns bekanntlich seinerzeit •dagegen gewandt, daß bet dem berühmten Film ״La Matcrncllc“ in den meisten Ankündigungen der Name des Regisseurs Benoit-Ltfvy verschwiegen wurde, Achnlichcs kann man immer wieder beobachten. Dies ist, wie die ״Natio* nalzcitung“ in Essen nunmehr betont, auch vom national* sozialistischen Standpunkt falsch. Die Zulassung für Filme ist gesetzlich genau klargelcgt und es besteht kein Anlaß, die Mitwirkung von nlchtarischeit Personen dort, wo sie zugelassen ist, zu verschweigen. Was cs noch gibt Wie wir einem Ariikel der ״Deutschen Zeitung“ vom 28, 7. entnehmen, war in einer Schweizer Zeitung fol* gendes Hciratsinserat veröffentlicht: ,,Ju11!׳1׳x, fisdiex, deutsches S|«jrtn1iidcl, Israelitin, sehr wohlsituiert, blond, lebensfroh und lilx•(»! denkend, wünscht I'.hckaincradcn, groß (üb« 170 tan), blond bevorzugt, wie überhaupt nordischer Typ, Akademiker in sehr guten finanziellen Vcr* hiillniswn. jüdischer Konfession, 27—33jiihrig, Intellektuell, natur- und npottliehrnd.“ Die ״Deutsche Zeitung“ halt sich darüber auf, daß von einer jüdischen Seite im Ausland dieses Inserat als ״Bekenntnis zur eigenen Minderwertigkeit“ bezeichnet worden ist. Für uns ist dieses seltsame Inserat, abgesehen von der Geschmacklosigkeit, ein Beweis dafür, dali das Jahr 1933 nicht nur zahllose Juden zu einem stolzen jüdischen Selbstbewußtsein zurttckgelührt hat, sondern daß cs bei manchen, freilich wohl nur wenigen, die entgegengesetzte Wirkung hatte. Die ״Deutsche Zeitung“ bemerkt höhnisch. ,,Die junge bcn1׳.־l.xi1Btigc Schickse scheint nicht nur blond, feseh Und sehr wolilsiluierl, somleru auch eine kleine Ecinschmeckcrin zu »ein. Verdenken kann mau es ihr nicht, daß sie den nordischen Typ einem krununnusigeu, platUüßigcn, blaurasierten Prachtexemplar der eigenen Rasse vorziel it.“ Nr. 62, 3. VllJ,!934 ך״׳י h n ךיו s 'UKifp;1• f j f! : \! s נך! יך׳ r,;״| v j: 1 י i) 1Luj u,*l ן r 4» J L•״, k ',.J \,,.J Ith 6*«! Ss»^»^ | , ift Von Hx. Felix A. Thollhibor וד,1 rtntff 1. In Rothschilds Reich Gegen Ausgang des tf). Jahrhunderts bildete in deT Stadt Magdeburg das Wort ״jude“ ein Synonym des Kaufmanns schleehlhm. Dann, mit Spezialisierung des Juden auf den Oeldhandel, verstand! man unter ״zuin Juden gehen“ Sich-GcId-ausIclhcn. In der primitiven Vorstellung des mittelalterliehcn Menschen war damit der Jude mit der Uebcrnahme dieses Gewerbes auch für alle Disfunktloncn de» Ocldvcrkehrs verantwortlich und wurde dafür mit «einer Person In allen Krisen haftbar gemacht. Dafür konnte er In guten Zeiten den klingenden Lohn einheimsen. Mit dem Aufschwung des Welt- Verkehrs waren die Rothschild, Mcndclsohn, Bleichrttdcr, Arnhold, Warburg Führer der deutschen Ocldwlrtschaft, bis die Konkurrenz kapitalkräftiger Banken die Einzelhändler zurückdrängte. In den Aktiengesellschaften übten noch geraume Zeit jüdische Persönlichkeiten einen überragenden Einfluß aus. Die Berliner Statistik vorn Jahre 1882 zählt nur mehr 23 ״/o Juden unter den im Oeldhandel Tätigen; 1925 sank ihr Anteil weiter auf 6 0',״, wenn sich Juden auch unter den selbständigen Bankiers mit 44 ״/o und unter den Bankdircktorcn mit 15 0/0 halten konnten. Um 1930 setzte au der Börse ein großes Sterben ein. Die Krise räumte unter den kleinen Bankhäusern auf und viele Direktoren fielen 1933 der Aufgliederung zum Opfer. Unter den jüdischen Bankangestellten wurde gesiebt und dem Nach* wuchs sind die Tore verschlossen. Die Jugend von heute wird ungläubig hören, daß einmal jüdische Stifte in Bankgeschäfte elntratcn, mit dem festen Vorsatz, einmal Millionäre zu werden. Oustav Freytag hat das Extrem dieses Typus ge* zeichnet. 3. Gaudeamus igitur Bleichrikicr erzählte Bismarck von den Vätern, die ״den Hausiererbinkci auf dem Rücken trugen“; ihre Enkel waren im Zeitalter der Aufklärung, die für die Juden ein ungeschrie* beites Gesetz zur Bildung in sich trug, wissensdurstig eingcfallen in das Reich der alma mater. Auch die Zeit ist vorbei, wo der jüdische Advokat, der ״Doktor“, in der Berufswahl eine Rolle spielte und den Mitgiftmarkt bestimmte. Wir schreiben schon Geschichte, wenn wir berichten, daß die jü* dlschc Jtigcnd in einem wesentlichen Konnex mit den Hoch* schulen gestanden hat. Das fröhliche Gaudeamus der jüdischen lügend ist aus ihrem Liederbuch gestrichen. Die Plätze an den Hochschulen, die für Fremdrassige pro Jahr reserviert sind, atclien den Halbariern zuerst zu. Der Andrang wird ohnedies nicht groß sein, da der jüdische Akademiker nach •einem Hochschulstudium eine ungewisse Existenz vor sich sieht. (Nur eine Handvoll jüdischer Lehrer wird in den größeren Gemeinden, die lebensfähige Schulen aufrechtcrhalten können, Anstellung finden.) Die Bedeutung der jüdischen Akademiker ln Deutschland kann durch die Zahl der Nobelpreisträger unter ihnen gekennzeichnet werden; neun Nlchtarlcr standen achtzehn Ariern gegenüber, wobei wir nur die exakten Wissenschaften der Physik, Chemie, Medizin berücksichtigen. (1. Franck, Hertz, v. Baeycr, Einstein, Willstättcr, Warburg, Haber, Ehr* lieh, Meyerhof.) Da* waren 33 ״/o der1׳ Nobelpreisträger Deutschlands, wobei wir Michclson, den in׳ Deutschland Ge* borenen, 1 und Baranyi, den Oesterreich er,' nicht berücksich* tigten. 3. ״Der Anzug von der Stange״ Die Konfektion ist eine jüdische Domäne. Die Juden gingen vom Kleinhandel aus und schufen Im 19. Jahrhun* den in allen deutschen Städten, große Geschäfte, in denen Stoffe, Anzüge, Mäntel, Schuhe, Hüte feilgchaltcn wurden. Aus den ehemnk politischen Provinzen, wo das Handwerk den Juden niemals verboten war, kamen geschickte Schneider. So fanden Juden vom Handel und Handwerk die Methode, den Anzug ״auf der Stange", das fertige Kleid, die Serien* mäßige Bluse zu konfektionieren. ״Made in Oermanv" war die Ware, die der Hausvogtciplatz Sn alle Welt gesandt hat. Der Brühl organisierte den Rauchwarenhandcl; Leipzigs Ostjuden, die von der Kürschnerei kamen, gingen gleichfalls zur groß* zügigen Fabrikation über. Ucber das Reich verstreut liegen Schuhfabriken, welche von Juden 111 Erfurt, Schwciniurt, Nürnberg, Berlin u. a. Orten aufgebaut wurden. Von den Geschäften mit Textilien finden einzelne Juden den Weg zur Fabrikation der Stoffe, zu der Errichtung von Webereien. In Aachen und Augsburg, in Ludwigsburg und Kottbus, in Chemnitz, Zittau und Im Schlesischen (Landeshut) haben Juden den Kampf mit der englischen Kn» kurrenz aufgenommrn. Liehermann, der schlagfertige > humorvolle Großvater des Malers, hat bereits vor hundw Jahren *einem König gesagt, daß er der erste war, der 4!» Engländer ״geschlagen hat“. m ' Von den etwa 150 (!CO berufstätigen Juden Preußen» *%,). 1925 fast ein Drittel In der Industrie gezählt und davon hi. י Hälfte *21300 ״ In dem Bekleidungsgewerbe. Zusammen J* den Kmiflcuicn, die diese Erzeugnisse absetzten, »i״d J i schätzungsweise rund 50 000 Juden, die ln der Erzeugt!» oder Im Vertrieb von Bekleldungsariikcln tätig waren,? Die Bekleidungsindustrie und der Handel mit ihr« Fertigwaren boten also zirka 33 «;״ aller jüdischen Bern!«. tätigen Arbeit und Auskommen. Es Ist die jüdische SchIü!! selindustrie. Ohne direkte Branchenkenntnisse köntiu in ihr weitere Tausende Büropersonal, Lageristen, Hill!, kräfte eine Arbeitsstelle linden. Ferner bedarf jeder Betrieb ' noch weiterer Hilfsiiidiistrirmcugnisse, 1. B. Fabriken Kartonnagen, Schrcibmaschincmitcnsilien, Druckereien u»w 3 die an ihnen einen Rückhalt finden. Für den statistisch intm esslertcn Leser sei noch nachgetragen, daß von den erwähnt«! 24 300 Industriell Tätigen auf die reine Kleidercrieuztinf 13000 entfallen, der Rest von 11 000 auf die Herstellung voa Schuhen, Wäsche, Hutmachcrci (mit je 2000); in der Kurse(!, nerei, in der Fabrikation von Krawatten, Mützen lind je 1000 und weniger beschäftigt. Auch von den in Preußen ermittelten reinen 14 000 jj. dischcn Arbeitern fanden in diesen Kategorien 50«9 Ihr Unterkommen. Die Statistik der Gesellen und Gehilfen — 1]M da», was wir unselbständige Handwerker nennen - ergib) unter 9095 gezählten Juden 1444 Schneider, Kürschner, Schuster, Putzmacherinnen. Somit gehörte die Hälfte itt Handwerker zum Bekleidungsgewerbe. 4. Vom goldenen Handwerk Die Tradition bietet für den jüdischen Handwerker i» Deutschland keinen guten Boden. Die Innungen hatten du Handwerk gegenüber den Juden bis zur Emanzipation «• sperrt. Die Bestrebungen nach dieser Zeit, Juden in da; deutsche Handwerk übcrzufiiltrcn, fanden nur einen mäßigen 3 Erfolg. Die meisten handwerklich tätigen Juden waren neben der J Bekleidungsindustrie in dem Gewerbe der Fleischer — mit!׳j Insgesamt 4000 Juden beschäftigt. Rund 2000 Metzger •f waren selbständig. Durch das Scliächtvcrhot liegt dieser!&. j) dische Handwerkszwcig Im Erlahmen. Die übrigen Hand• 3 werkszweige waren judenann. Wenn wir alle im Häuser- und I Wohnungsbau, für die Motortechnik und verwandte Zweige tätigen jüdischen Gesellen und Gehilfen zusammenzählen, w I waren cs 1925 insgesamt nur 2000. In diese Rubrik sind alle j Klempner, Installateure, Schlosser, Dreher, Glaser, Maler, j Massierer, Tischler, Tapezierer usw. einbezogen. 1925 wurde« > — um ein Beispiel nnzuführen — insgesamt 329 Juden im { Oewcrbe der Klempnerei, Gas- und Wasscrinstallation ge• \ zählt; von Ihnen war die Hälfte *elbständige Meister, Auch die Anzahl des technisch-graphischen Oewerhei Buchdrucker-, Photographen-, Uhrmacher-, Buchbinder-OeWl• en) war unbedeutend, sic betrug knapp OOO. ' j Der jüdische Handwerker, der auf nichtjiidischc Kund•; schaft angewiesen ist, hat es in der Kleinstadt nicht leicht, j Insbesondere Arbeiten für öffentliche Institutionen zu erhil•! ten; die Eignung des jüdischen Handwerkers zur Handarbeit i die manuelle Geschicklichkeit muß er oft als Pionier be■; weisen. ‘ Trotzdem ca viele Doktordisscrtatlonen gab, eine 0e• ן schichte des jüdischen Handwerks in Deutschland ist nicht geschrieben. Es lohnte sich anscheinend nicht. Seit der Ent«• zipation mühten *Ich staatliche Stellen und jüdische Organi* J *ationen um die Ueberführung der Juden in (len Handwerker• Stand. Lcwin hat ausführlich über die Bestrebungen der Regierung in Baden (Monatsschrift für G. u. W. d. J. W) geschrieben, ln Bayern mußte jeder Jude bis zum Jahre 1864 ein Handwerk erlernen. Eigene jüdische Vereine unterstützten diese Bestrebungen, ln den Provinzen Posen und Wf»t• ■ preußen dominierte zwar das Handwerk unter den Juden, f« verlor sich aber mit Ihrer Abwanderung. Trotz aller V«•; suche, besonders des Verbandes jüdischer Handwerker, et*• < gnierte ihre Anzahl in großen Tellen des Reiches, besomif״ i in Mitteldeutschland, wo ein Teil der Nachkommen jener j ohne Tradition in den Handwerkerstand übergegangenen Ja• den wieder zum Handel zurückgeflutet oder in die Industrie abgeströmt waren.! Die ״Deutsche Zeitung“ sagt freilich nicht, wie es mit der Rassentheorie in Uebcreinsiiinmung zu bringen ist, daß die Existenz eines ״nordischen Typs jüdischer Konfession“ für möglich gehalten wird. Kirche und Antisemitismus. Das ״Protestanten* blatt", Berlin, nimmt Bezug auf die von vielen Zeitungen wicdcrgcgebcnc und auch In der ״Jüdischen Rundschau“ vom 27. 7. zitierte Rede des Gauleiters und Staatsrats Ci rohe, der u. a. gesagt hat, wer den Juden als Feind behandelt, befinde sich in einer Gesellschaft mit Christus und in der Gesellschaft der christlichen Kirchen, der katholischen und der evattgelisehen. Dazu bemerkt das ״Protestaiiteiiblatt": ״Wir erheben ernsten Widerspruch gegen den Mißbrauch von religiösen Urteilen Jesu und wissen nichts von derartiger Gesellschaft der christlichen Kirchen.“ Der United Jcwisli Campaign in Amerika hat, wie sein Vorsitzender Felix M. Warburg bekanntgibt! ge* melnsam mit dem Joint Distribution Committee in diesem Jahre 1550OCX) Dollar für die Hilfsaktion zu* gunsten deutscher Juden aufgebracht. Insgesamt sollen im Laufe des Jahres drei Millionen Dollar gesammelt!werden. Dl« Keren Hajcssod-Kampagne ln Südafrika nimmt, wie uns von dort berichtet wird, einen erfolgreichen Fortgang. Neben Herrn Sokolow, der sich der Kampagne zur Verfügung stellte, leitet Leib J a f f e die Aktion und hat sich auch in wichtigen Städten In einer großen Reihe öffentlicher privater Versammlungen über den Fortgang des Palästina-Aulbatis aus* gesprochen. Nach Angabe von Herrn Jaffe besteht die Aus* sicht, daß die Kampagne einen Betrag von £ 125 000 er* reichen wird. Musikalisch« Neuerscheinung. Alexander Kr ein. Mos 1 1 *ci"c,, erfolgreiche Musik für die Aufführung des! kauer jüdischen Staatstheaters zuPerez’ ״Nacht auf d (seinerzeit In Berlin gespielt) zu < «jl‘11®f."s u iJ e verarbeitet. Die Partitur ist soebci hi» smu®.ikvcr!al erschienen. Das Orchestermal ist 0» zum Erscheinen leihweise ku haben. Die Judenfroge in England Die Zeitschrift ״Volk und Reich“, Politische Mo* natshefte, veröffentlicht int Juliheft einen Aufsatz von Gert Antonius: ״Wieder in England“, worin der Autor auch auf die J u d e n f r a g c in England zu sprechen kommt. Er berichtet, daß man in Lancasiiire, vor den Arbeitsämtern von Burnicy oder Darweit, wenn die Ereignisse in Deutschland diskutiert werden, ״nur wenig Kritik an den deutschen Maßnahmen gegen die Juden“ höre, ja daß ״dieser Punkt in der deutschen Revolution, der zweifellos zu der Haßcinstcllung der englischen ,Intellektuellen‘ entscheidend bei* getragen hat, unter den Arbeitslosenheeren Nord- und Mittel* englands ein gut Teil Zustimmung, ja sogar Neid hervorruft“. Der Verfasser fährt dann fort: ״Urin■•rhmipt die J uil 1• n f rage! liier ist eine der größten Wandlungen lestzusfi'llen. Wer wugte tim Wort ״Jude" In England vor zwei Jahren au^usprcrlieu? Jede Volks-, Stamm«• und Religion»• gemein.srhaf! durfte* mim diskul ieren. Aber das Wort ״Jude", »elbst ohne jede daran geknüpfte Kritik, war Tabu. Wer es gcbraurlnc, wttte sich in den (ieruch der Unduldsamkeit, des unfairen Verhalten* 1 gegenüber einer ״kleinen, lange unterdrückten Minderheit". Dinvh den antideutschen ttnvkott, durch ihre öffentlichen Massenkumlgrhungcn, durch solche l’ropngamtnfilmc wie ״Das Hau« Rothschilil" haben die Juden selber dalür gesorgt, daß «ich dieser Zustand grundlegend gelindert hat, Die Jtidenfragc Ist heute in England eins der häufigsten Gc-präclistlicnti-n, und mit der Diskussion wächst du« Verständnis für diu Bedeutung, die dieses Problem auch für das englische Volk hat. Es Ist In dieser Hinsicht symptomatisch, daß die von Sir Oswald Mosley grführle ״British Union of Faselst«" in immer zunchmendcm Maß eine antisemitische Politik annimmt. Da• ist BichcrIieU nicht au» freiem Entschlüsse de» Führer« ent- Sprüngen, der sich lange gegen eine solche Wendung gesträubt hat, sondern ist dem immer stärker werdenden Drucke aus der Mitglied• schaft *umschreiben, die sich überwiegend •ua den Krciien der alten Frontjoldaten aller Klassen, des kleineren und mittleren Mittelstände! und neuetdmg« in «!nehmendem Maß aua der Arbeitenchaft und den Erwerbslosen »usamnrcn*eut.“ Wiewohl manche die Haltung der Engländer zur Juden* frage ander» beurteilen, lohnt es eich, von dieter Dar» »tellunfi eint» deutschen Beobachter» , Kenntnla zu nehmen. Budko Direktor de! ״Bezalcl" Jeruaalcrn. (Palcor.) In der nächsten Zeit wird ij Jerusalem die Kunst- und Kunstgewerbc-Schule ״Bet*!*1 neu eröffnet werden. Diese erste jüdische Kunstschule 0« Welt, die vor 28 Jahren durch den verstorbenen Profess«* Boris Schatz in Palästina geschaffen wurde, wurde vor einigen Jahren aus Mnnjjel an Mitteln geschlossen. J**'j wird die Schule unter dem Namen ״Der neue Be/alei“ ״״ Hilfe des Kcrctt Kaicindh und dank einer Subvention vc* £ 1500, die sie von der Palästina -Regierung erhalt*״ hat, wieder eröffnet. Zum Direktor der Schule wurde off bekannte jüdische Maler und Graphiker Josef Budko, <*tr sich vor einem Jahr in Palästina niedergelassen hat, bestimn'1• Vorläufig werden in der Schule zwei Abteilungen arbe««n: eine für Oraphik und eine für Metallarbeiten. uvfumu uuyasiausua Wie au» den Veröffentlichungen des staatlichen Amt•* für Bevölkcrungssiatistik hervorgeht, ist die natürlich' Bevölkerungszunahme unter den Juden 1" starkem Rückgang begriffen. Diese Erscheinung •» zum Teil auf die unter der jüdischen Bevölkerung herrschen«* wirtschaftliche •Not zurückziiiiihrcn, zum Teil aut die du•« Auswanderung der Jugend bedingte Uebcralterung. I״ d” ersten drei Monaten d. J. sind in Polen 5711 jüdische EH*» geschlossen worden. Es entfallen somit 7,5 LiieschlicßtMlF״ aut je 1000 jüdische Einwohner, während bei den Nicn• Juden das Verhältnis 9,1; 1000 beträgt. Die Zahl der O* burten beträgt bei den Juden 17,3, bei den Nichtjuden w auf je 1000 Menschen. Die geringere S t e r b I ic h k e 11 un{״ f'" J״d«n- <«?, 10,7 %9 gegenüber 15,1 ״/״ bei der nie«'• jüdischen Bevölkerung «u«macht, vermag die Verhältnis Abnahme des jüdischen Bcvölkerungsteils nicht «ufzuhaH^* Nach statistischen Berechnungen wird der gesamte nstürlic Zuwachs der jüdischen Bevölkerung Polens in diesem J*"• durch Auswanderung kompensiert werden. Unter den Ljn״1*״ nach denen die jüdische Auswanderung aus Polen g*ht, •״ P U f 11 n » an erster Stelle.

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