Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 62 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Fall war. Dabei wird man sich freilich der vielfachen Problcmatik dieses Merkmals stets bcwuflt zu sein haben. Die Zahl der deutschen Juden, die nach der Volkszählung von 1025 mit 564 370 fcstgcstcilt wurde, dürfte gegenwärtig kaum mehr als 500000 betragen. Etwas anderes als eine Schätzung ist nicht möglich, bis die Ergebnisse der Volks- Zahlung von J933 vorliegen. Da jedoch nach einer Notiz2) im ״Aerztcblatt für Berlin“ vom 10. 3. 1934 die Zahl der Juden in Berlin laut Auskunft des Preußischen Statistischen Landesamtes mit rund 155 000 angegeben wird, wobei der ' Verfasser Lftllke, der Vorsitzende der Berliner Aerzte* kammer, zutreffend bemerkt, daß dies mir die Zahl der Konfessionsjuden ist, da die Zahl der ״getauften Rassejuden״ nicht erfaßt wird, dürfte die Schätzung von 500000 Konfessionsjuden insgesamt der wahren Zahl wohl ziemlich nahe kommen. Dieser ungewöhnliche hohe Verlust von rund 60000 Bekennern der jüdischen Religion innerhalb acht Jahren, wovon allein auf Berlin fast 18 000 entfielen, das mit 172672 Juden im Jahre 1925 30,6 ״/o der gesamten deutschen Judenheit umfaßte, ist, wie bekannt, durch die große Abwanderung infolge der politischen Ereignisse, zu einem anderen Teil freilich auch durch den ״natürlichen“ Bcvölkcrungsverlust entstanden, der Infolge Geburtenrückganges und der dadurch immer stärker hervortretenden üeberstcrblichkeit den Bestand der deutschen Juden aufs ernsteste gefährdet. Damit wollen wir uns heute nicht beschäftigen; wir verweisen auf die Arbeiten von T h e i I h a b c r, Silhcrglcit und Ernst Kahn (s. auch ״J. R.“ Nr.59, 62, 74/1933, Nr. 3, 16, 37/1934). Ergänzend aber wollen wir hier nur hinzufügen, daß die Zahl der Juden, sieht man nicht die Religion als das maßgebliche Ziihlungsmerkmal an, sondern die Rasse, wie es Lftllke für die ״rassische Zusammensetzung der Berliner Acrztcschaft“ tut (der etwas weitgehend allerdings auch diejenigen, die ״jüdisch verheiratet oder rassisch fraglich“ sind, dazu rechnet), erheblich ansteigen müßte. Eine auf Ge* nauigkeit auch nur milterungsweise Anspruch erhebende Schätzung ist kaum möglich, trotz der bisher gemachten Versuche, die meist nicht von Statistikern herrühren. Fügt man nun die ״biologischen Niclitarier" hinzu, also die getauften . Juden und ihre Kinder, ferner die biologischen Halb• und ■ Vicrtcljuden, die nach dem Gesetz. Nichtarier — trotz des bei letzteren schon sehr überwiegenden ״arischen Blutanteils** י— sind, so würde sich die Zahl der Juden erheblich ven* großem, vielleicht verdoppeln; fügt man aber, wie im Beispiel der Berliner Aerzte, als ״ideologische Nichtaricr“ auch ־ noch diejenigen hinzu, die mit Juden verheiratet oder versippt oder geistig von ihnen beeinflußt, d, h. ״verjudet“ — nach der Terminologie der einschlägigen Literatur — sind, so käme man zwangsläufig — je nach der strengem oder weniger strengen Fassung — zu einer erheblich größeren Zahl. Eine wissenschaftliche Bedeutung int Sinne der Bevölkerungsstatistik kommt einer solchen Schätzung allerdings nicht zu. Der Sonnabend-Unterricht Nichtarische Schüler vom nationalsozialistischen Unterricht befreit Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Nr, 62, 3, VH!,!934 kl fr n O ) ך״״״-ין ך*״ן i J י * 1• ,J Wt. ןי־**.*־*** <,.*4 lwäl Itoi ןי»# »■"־«•*■ן ' ב L "f וייין W- Jfc. *ך4י|ךי |f"\; Unterricht gibt nunmehr den Wortlaut des Abkommens bc• kannt, das zwischen dem Reichsminister für Wissenschaft, Er* Ziehung und Volksbildung und dem Jugendführer des Deutsehen Reiches über die Erziehung der Schuljugend im natio• nalsozialistischen Staate abgeschlossen worden ist. Bekanntlich wird in diesem Abkommen der Sonnabend als schulfreier Tag für die der Rcichsjugendführung unterstellten Schüler bestimmt, in Punkt 6 des Abkommens heißt es: ״Die nicht der Hitler• Jugend-Bewegung!!gehörigen Schüler und Schülerinnen naben am Sonnabend pflichtmäßigen Unterricht. Dieser Unterricht soll nach einem fcstzulcgendcn Lehrplan in mindestens zwei Unterrichtsstunden den Schülern und Schülerinnen das national* sozialistische Gedankengut nahebringen. Die nkhtarischcn Schüler sind von diesen Stunden befreit. Die Schulaufsichtsbeamten haben bei ihren Besuchen der Anstalten diesem Unterricht besondere Aufmerksamkeit zuztiwcnden.“ Wenn der gesamten Schuljugend mit dem nationalsozla* listisclicn Gedankengut auch die Rassenlehre übermittelt wird, dann ist vom Standpunkt der nichtarischen Schüler zu befürchten, daß ihre Position in der Schule seelisch erschwert werden wird. Hier zeigt sich die eklatante Notwendigkeit, den jüdischen Schülern einen jüdischen Unterricht zuteil werden zu lassen, der auch ihnen das Gefühl gibt, in ihrer Art rassisch vollwertig zu sein und einer großen, geschichtlich bedeutenden und zu schöpferischer Leistung be* rufenen Gemeinschaft anzugehören, die anderen Gemein* schäften mit Respekt und Würde im menschlichen Verkehr gegenübertritt. Diese jüdische Unterweisung, die das Gebot der Stunde ist, kann außerordentlich gefördert werden durch den bekannten Erlaß des Reichsministers, wonach jü״ dische Schüler am Sonnabend auf Wunsch vom Unterricht zu befreien sind. Dadurch würde, worauf Dr. J. Prinz in Nr. 50 der ״Jüd, Rundschau“ hingewiesen hat, eine Möglichkeit zu jüdischer Erziehung großen Stils für diesen Tag geboten werden. Dem ״Reichsausschuß der Jüdischen Jugendverbände“ erwächst hier eine gewaltige Aufgabe, die sofort, angesichts des bevorstehenden Schulbeginnes, in Angriff genommen werden müßte. Zur Rassenfrage ln Anwesenheit von Vertretern der englischen Regierung wurde in London der 1. Internationale Kongreß tür Anthropologie und Ethnologie eröffnet. Prot. Elliot Smith vom Royal Institut hielt eine Ansprache, in der er u, *. die Rolle der Juden in der Kulturentwicklung hervorhob und seiner Ucberraseliung darüber Ausdruck gab, daß Theorien aufgcstellt werden, in denen der AtUtdruck ״Arier“ in! Sinne von Nichtiude gebraucht wird. Für die großen intikcn Kulturen des Vorderen Orient« seien semitische Einflüsse ebenso maßgebend gewesen wie für die spätere Kulturentwickhing in Europa, in der die Juden, die im Mittelalter den geistigen Konnex zwischen der spanischen und griechischcn KuRurwclt herstellten, eine bedeutende Rolle gespielt hätten. Professor Albert J. Carnoy habe bewiesen, daß die sogenannte primitive ״arische" Kultur von Babylonien hergeleitet war. Der Redner persönlich sei der. Auflassung, daß der Ursprung aller Kultur bei den Mittel me er• Völkern liege. *1 Lölike, Die rassische Zusammensetzung der Berliner Aerzlcschaft.. Aerztebfatt :für Berlin 1934, S, 75... ״ - Schäften einer Dhhussion In Nr. 43 der ״jiid, Rundschau“ hat Dr. James Kirsch, Tel-Awiw, vcrdicnstvollerwcisc die Aulmerksamkcit auf einen Aufsatz des bekannten Psychologen C. O. Jung im ״Zentral- Watt für Psychologie und ihre Grenzgebiete“, Band VII, Heft 2 (Verlag S, Hirzcl, Leipzig), gelenkt, worin ,Jung auch zur Judenfrage Stellung nahm. Hierauf hat sich dann in der ״Jüd. Rundschau“ eine Aussprache au geknüpft, die, da sic zu sehr ins Fadnvissenschaflliehc abzuschwcifcn drohte, von uns als beendet erklärt werden mußte. Wenn eine so bedeutende Persönlichkeit wie jung sich zur Jndenfrage äußert, so ver* dient dies gewiß auch außerhalb der engeren Fachwissenschaft das Interesse der jüdischen Oeffentiiehkeit, Dr. Kirsch hat sieh in der ״Jüd. Rundschau“ mit Jungs Anschauungen über die Judonfrage auseinandergesetzt. Es ist Dr. Kirsch, der selbst ein Schüler und persönlicher Anhänger von Jung ist, nicht eingefallen, in primitiver Weise gegen Jung einer! Vorwurf des ״Anliscmitismus“ zu erheben. Diese Bezeichnung ist in der ״Jikl. Rundschau“ überhaupt, 11 lebt — auch nicht in den anderen Einsendungen — gebraucht worden. Es wird uns aber milgctciit, daß die letzten Aeußerungen von Jung und darunter auch der oben erwähnte Aufsatz im ״Zentral- Watt“ die Folge gehabt hätten, daß jung von jüdischer Seite als ״Antisemit“ bezeichnet wurde, j: ng selbst hat, wie uns mitgeteilt wird, eine große Zahl von Briden bekommen, die diesen Vorwurf gegen ihn erheben. Der Zionismus hat fn die Bchtmllung der Judenfrage einen gegenüber den Diskussionen fiüherer Zeiten prinzipiell neuen Ton hereingebracht. Früher war es in vielen jüdisehen Kreisen üblich, das bloße Aufrollen der Jndenfrage oder ein Gespräch über das judesein dieser oder jener Persönlich• keit als feindlichen Akt, b/.w. ah ״Antisemitismus״ zu empfinden, weil die große Masse des assimilierten Judentums in der Fiktion lebte, zwischen jüdischen und iticiitjüdischen Menschen bestehe kein belangvoller Unterschied, sondern nur ein Unterschied der Religion. Religion aber sei Prlvatsaclie und für das geistige Schaffen und seelische Reagieren unerheblich. Es gehörte zum guten Ton, niemanden an sein Judesein zu erinnern. Wenn dies doch geschah, daun wurde, wer dies tat, als ״Antisemit“ verschrien. Der Zionismus erst hat die Juden befähigt, die Dinge unbefangener zu betrachten. Die zionistische Erkenntnis, daß das Judesein wirklich eine konstitutive Kategorie des jüdischen Menschen ist, daß die J u d cn f ra ge.,nicht von den Antisemiten erfunden ist, sondern wirklich existiert, gab auch die Möglichkeit, mit objektiven Niclitjudcn über die Fragen des Judentums zu sprechen. Es wird von uns anerkannt, daB auch jeder Nichtjiuie das Recht hat, sieh über das Phänomen des Judentums Gedanken zu machen, und wir glauben, daß diese Gedanken umso fruchtbarer sein können, je mehr wir Juden selbst mithelfcn, die Probleme zu durchdriiigen und dadurch bestehende Mißverstäpdnissc oder falsche Beobachtungen aufzttklSren. Das Phä* nomen des Antisemitismus hat für uns eine gapz neue Bedcu* tung gewonnen, indem wir uns bemühen, auch diese Reaktion der Umwelt auf das Judentum als eine Quelle der Er* kenntnis der Juden frage zu benutzen. Die Tatsache, daß Nichtjuden so und nicht anders über Juden denken, ist für uns ein Anlaß, die Frage zu überprüfen, wieso diese Reaktion hervorgerufen werde, bzw. was an der Lage unseres Volkes abnormal ist. Wir sind Imstande, auch kritische Urteile über das Judentum anzuhören, ohne den Beurteiler sofort als Antisemiten abzulclmen, wenn wir wissen, daß es sich um einen denkenden Menschen handelt, der nicht Schlag* werte und Vorurteile übernimmt und fn unsachlicher Weise zwecks Erreichung anderer Zwecke benutzt, sondern dem es um die Sache selbst zu tun ist. Der entscheidende Satz in dem letzten Aufsatz von Jung Ist unseres Erachtens folgender: ״Abgesehen von gewis.cn schöpferischen Individuen Ist 'der DurchsoimUlsjude schon viel zu txweußt und differenziert, um noch mit den Spannungen einer angeborenen Zukunft, schwanger zu gehen. Pas arische Unbewußte ein 11i>hcfc9 Potential als das jüdische: das ist der Vorteil und der Nachteil einer dem liarbttriüchcn noch nicht völlig entfremdeten Jugendlichkeit. Meines Krachten« ist es ein schwerer Kehler der bisherigen medizinischen Psychologie gewesen, daß sie jüdische Kategorien, die nicht einmal für alle Juden verbindlich sind, unbesehen auf den christlichen Germanen oder Slawen verwandte.“ Der Nebensatz, ״die nicht einmal für alle Juden verbind* lieh sind“, ist im Original gesperrt gedruckt. Unseres Er* achtens ist dadurch ein großer Teil der Konstruktion von Jung in sich ztisatnmengcbrochen, denn wenn er selbst sagt, daß die Kategorien, von denen er spricht, nicht für alle Juden verbindlich sind, so ist damit zugegeben, daß es sich nicht um ״jüdische“ Kategorien handelt, sondern um Katego* rien, die auf andere Weise, etwa durch die Lebensart einer bestimmten jüdischen bürgerlichen Schicht, durch die Wirkungen der Assimilation einer bestimmten Epoche usw. ent* standen sein müssen oder können. Es wäre reizvoll, sich einmal mit dieser Frage ausführlicher zu beschäftigen, wozu die wichtigen Bemerkungen von Dr. Kirsch fn der ״Jüd. Rundschau“ tfinen begrüßenswerten Anfang darstellcn. Es scheint uns nicht angemessen, daß die Diskussion solcher Ge• genstände sich hauptsächlich um die relativ unwichtige Frage dreht, ob Herr Jung persönlich als Antisemit zu be• ׳zeichnen ist oder nicht. Nach unserer Meinung liegt der Fehler darin, daß Jung nicht aus voller Kenntnis der Materie an die Judenfrage herangegangen ist, sondern daß cs sich hier ge• wissermaßen um das Nebenprodukt einer auf andere Dinge gerichteten Untersuchung handelt, nämlich einer Polemik gegen Jungs große Antipoden auf dem Oebiet der Psychoanalysc, Siegmund Freud und Alfred Adler, die beide lind. Bel der Auseinandersetzung mit diesen beiden tyj״" schaftlern ist Jung auf die Jndenfrage gestoßen, die jhm ״ seinem Gebiet—dem der Psychotherapie — durch diese Persönlichkeiten repräsentiert scheint. Diese Art de! (w5 gehens an die Sache muß aber zu höchst unvollständig Schlüssen führen. Die Judenfrage iit nämlich üv Wahrheit*« viel weiteres Feld. ׳ ** Da uns der dringende Wunsch Dr. Jungs, gegen den p»״ erhobenen Vorwurf des ״Antisemitismus“ geschützt ihn werden, übermittelt wurde, und da Dr. Jung gerade au( ז,,', Klarstellung in den Spalten der ״Jikl. Rundschau״ןןםזן ״ Wert legt, geben wir der nachstehenden Einsendung Rlli% W. Ist Jung Antisemit? Von Dr. Gerhard Adler, Berlin Herr seinem Dr. C. Namen O. J u n g, Zürich, hat mich gebeten seine Stellung in der jüdischen Fr»״ zu beleuchten. Das bedeutet, daß Dr. Jung, der a-jch J, Debatte in der ״J. R.“ mit Interesse verfolgt hat, den E!, druck hat, von vielen Juden falsch oder gar nicht veratan! den worden zu sein. Wenn Dr. Jung ein berechtigte, leressc daran hat, richtig gelesen zu werden, so scheint daß wir Juden ein noch größeres daran hahett sollten, s«e Intentionen für uns fruchtbar zu machen. Dazu gehört *fee zunächst die scheinbar so einfache und in Wirklichkeit schwierige Voraussetzung, sinngemäß lesen zu könnet׳ einem großen Teil der Leser seines Aufsatzes scheinen klti' nere oder größere Mißverständnisse unterlaufen zu m», Mit dem ״Nicht-Lescn-Könncn“ sind wir bereits mitten im Problem: warum eigentlich ist cs für uns so furcht!»! schwer, Kritik eines Nicht-Juden ohne Ressentiment « lesen? Wir versperren uns oft aus einer Uchcrcmpfindlick. keit heraus, die immer ein Zeichen von Unsicherheit und U!. angepaßtheit an die Tatsächlichkeiten ist, das produkttu Verständnis. Dr. Jung hat sich mir gegenüber oft bitter, und n letzt in einem Brief, in dem er sich zu dem Vorwurf da Antisemitismus gegen ihn äußerte, über ״die verdammen: werte Möglichkeit des Juden, seine eigene Art leugnen n können“, beklagt. Viele von uns empfinden mit tiefer Sorgt, daß der Aufbau Palästinas nur der Anfang sein kann, dt! wenig oder nichts bedeutet, ohne ein ״In-sich-Gchen" man nehme das einmal wörtlich! — des jüdischen Mensch«, (So daß ״das sich der ncurotisicrcuden Umwelt der (ialrt Entziehen“, von dem Dr. Steinfeid in seiner Zuschrift Nr. 50 der ״J. R.“ spricht, eben nur einen Anfang bedeute Und unter Umständen sogar einen Anfang, der gefährM sein kann, insofern nämlich das jüdische Problem damit b reils als gelüst erscheinen will; womit aber das tiefere Problem des jüdischen Menschen und seiner Aufgabe von In ne nach außen projiziert worden ist.) Dieses In-sich-Gehen aber das ist der Weg der analytischen Psychologie. Darf ich hie aus einem Artikel der ״Jütl. Rundschau“ zitieren: ״,,.D> Schöpfungskraft des jüdischen Volke« ist der stärkste F« tor. von dem es abhängt, ob dieser Versuch (der Reg« ration) glückt. — Davor scheut man zurück... ln den Skrder. Geschichte hinunterzusteigen, sich und sein persönlich Schicksal ihm anzuvcrtraiicn, sich der nicht fcsscibarcn Kräh der historischen Elemente hin zugehen ־— dagegen erricht! man Dämme aus Begriffen und Wälle aus Gefühlen..." - Dieses: ״in den Strom der Geschichte himmterzusteigen, siet und sein persönliches Schicksal ihm anzuvertrauen“ — dt! ist das, was im Psychologischen Jung mit dem kollektive* Unbewußten meint. Das Negative dazu aber, gegen du t! Steilung nimmt, ist die ״lln-hcimlichkcit“, die Hei1!1lo«ij• keit der Juden, von der Huber spricht. Da hilft, wie sclw Dr. Neumann schieb, kein Idealbild vom Juden und kein Ver׳ weisen auf ״die besondere Verknüpfung mit dem Urgrund“, Da hilft nur bitterste Erkenntnis der Isoliertheit und de Tendenz zur Negation — das schreibt Jung, nichts andrer, wenn er von der größeren Vertrautheit der Juden mit den menschlichen Schwächen und Schattenseiten spricht. In dir ser Vertrautheit mit dem Schatten liegt die größte Geiaht - die fruchtloser Skepsis und alicswisserisclicr Nörgelei; kennen wir die nicht? — aber auch die größte Stärke, wenn sied« Boden unter den Füßen findet. Ist cs nicht so, daß die Form unseres Lebens abhängig sei von den Völkern, unter denen wir leben, anstatt von unserer eigenen seelischen Oesetzliclikcit? Aber wenn Jung schreibt, die Juden hält« ״keine eigene Kuiturform geschaffen“ — Kultur fo r m! י1»ו! Kultur, denn er spricht von der 3000jährigen Kultur de׳ Juden — so reden wir von Antisemitismus. (Ich gebe tu die Formulierung Jungs ist an dieser Stelle «ehr knapp ut»J zugespitzt; aber es kommt auf den Zusammenhang an. W außerdem füllt uns die Bcwcislast für das Gegenteil!“1 Schreibt denn Buber viel anders: ״.,. Entweder ist cf (iff Jude) ein Fanatiker oder ein Gleichgültiger, entweder «« Söldner oder ein Prophet,. .״ Und stellt als das positive Oegenbiid de» •!)gefallenen Juden den hin, der ״wieder du großen Zusammenhanges hewußt wird, wo er« Schoße der Geschichte, der Ucbcrlicferung ruht, wo uresip Symbole ihn tragen,Das ist das ״Zurück zu den Mut• tern", das ״kollektive Unbewußte“ Jungs. Viele Juden, die Jung persönlich kennen, haben ihm 4* Klärung ihres Judesema zu verdanken; und ich habe kaum einen jüdischen Analysanden gekannt, der nicht an »ei18'״ Ausgcsloßcnsein aus ״dem großen Zusammenhang“ ßtiitte« hätte. Der Weg über die ״Lehre“ ist für viele, die meist«• heute nicht mehr gangbar; sie müssen über die eigenen in®*״ ren Erfahrungen den Anschluß an die Kette der Geschlecht״ finden. Jung hat für alle Menschen, Juden oder Nicht-Jud«׳ einen Weg dazu gezeigt; wo er die Juden angreift, tut er» insofern sie negativ und entwurzelt sind; ist er deshalb « Antisemit? Und damit hängt cs auch zusammen, daß J«i gerade heute nicht zur Judenfrage schweigt: für et«« Menschen von der Bedeutung Jungs geht cs nicht nur '■״ die neurotische Situation einzelner Menschen, sonder« ״״ diese Menschen als Exponenten ihrer 7clt, die überall ««' ihren Fundamenten und Wurzeln sucht. Waudiope bleibt im Amte »JÜdisdicr Tag*״ auf der WeliautsietiuBf Jerusalem. (Palcor.) In der *weiten Halft« August Der zweite auf der WcItanssteH״״״ in rhlcago ־״׳י fahrt der High Commtssioner nach England, um dort sein« anstaltctc ״Tag der J u d c n h e t“ ^hatte einen Rekof Ferien zu verbringen. Alle Gerüchte, daß der gegenwärtig« , besuch aufzuwehen und nahm einen glänzenden Verlauf. VW' High Commissioner aeln Amt In diesem •Herbst verlassen Tausende v«״ Klndcfn beteiligten sich an einem Schautu״״■ An der Spitze eines Zuges jüdischer Sportsieute schritten Bier und Barney Roß. Der Ab־»« werde, haben •ich nicht bestätigt. Wie wir aut sicherer Quelle erfahren, wird der High Commissioner nach den Ferien nach Palästina *urttckkehren und *wel weiter« Jahre ah High Commissioner Im Amte*bleiben;־ —• tfru* u״u oarncy nuu. •*— ־ nij |r״hl!* f1 ״u,u{[ühr״"R de» Massen-Ausststtungistücki ,.״״ MTÄ mSÄ bd 5000 Sch״UpUUr׳