Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1934)
- Date
- 1934-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ו II»;;־!ו¬ » ווו 1ו1ן 11 Nr, 61, 31. VII, 1934 qt•(. V Palästina und OrienipoUiilc Von M. Y, Bcn-Oavricl (Jerusalem). Dir alte Tendenz des palästinensische״ Jiscluiw, die Vorge i״ •I1'1' asiatiselini,besonders in der mohammedanischen Umwelt I,al.1stn1as /״ bagnicllisicrcn, j״, besten Pall eine deine, sehr lukalc Kirchturmpolitik zu treiben, die - auch dies stets mir nn bescliriinkk-ii Mall . ausschlieBlicI» die Araber l’alastmas in den kreis der Erwägungen zieht, diese latente rcnilciiz wurde 111 der letzten Zeit der völligen Ab- Icitkintg diireli die verzweifelte Judennot in der (ialtith und durch die!»rnspmiy 111 Pnlastma maltlos verstärkt. Derart verstärkt, daß die Vorgänge in der arabischen Welt, die in diesen unseren Tauen zu Cieschehnissen höchster historischer Pin- (|ri,IRlid1keit « erden deren 1 /agweite heute noch gar nicht jbnisch.'ilzen ist dali diese Geschehnisse von den jüdischen /׳ciliinften Palästinas last völlig kommentarlos registriert, von dm jiidisch-politisclien Instan/en kaum zur Kenntnis genommen 1״״| vom breiten Pnliliknm sofort wieder vergessen werden wie man Dinge ״weit hinten in der Türkei“ vergibt. Wiewohl (jjese ,,1 iitkei * beinahe vor den Toren Jerusalems beginnt vor den Toren jenes Jerusalem, dal) trotz, aller Gegcnargu- ״,eilte imhistrieopaisclier Selmsucht nur eine Stunde vor einem Tel-Awiw hegt, das sich von Arabien entfernter glaubt als BirobielMlinn von Palästina. Ls besteht die merkwürdige Tatcaclie, dal! mitten im arabischen Lehensraum nicht nur die rrobe Masse de־•« Jischnw, sondern auch die einzelnen, in allen andern Dingen Weiterbtiekendeii sich weigern, zur Notiz zu ״flimeii, dalt in der nächsten Nachbarschaft Palästinas Veränderungen politischer mul wirtschaftlicher Art vor sich rclicit, die in wahrscheinlich nicht allzu ferner Zukunft die Geschicke Palästinas und heute schon die Palästina-Politik Englands beeinflussen. Dei Krieg ju Siidarabien, der kürzlich dne sehr entscheidende Machtkon/cntration des grölten Ihn Saud und eine bereits deutlich erkennbare Umonenticrung der politischen Stimmung in den arabischen Ramll,ändern inhlüüve Palästinas mit sieh brachte, die ungemeine Erhöhung des Ansehens und des EinÜusscs des antizionistischen Mufti von Jerusalem in der arabischen Welt infolge seiner ghickliclu-n Intervention 1 in Streit in Siidarabien*), 'die fortschreitende Zentralisierung der arabisch-nationalen Kräfte, die fortschreitende wirtschaftliche Erstarkung Arabiens und die geradezu unheimlich wachsende P'ähigkcit der Araber, westliehe Einrichtungen zu übernehmen und sie ihren Zwecken anfugleichen — dies alles und noch viel mehr, das den nicht jm luftleeren Raum, sondern im arabischen L e b e 11 s raum agierenden Zionismus wesentlich und bestimmend angeht, wird nur wenig beachtet. Das heißt — von aller offizieller Politik abgesehen —: der einfache zciiimgslcscmlc Angehörige irgendeiner jüdischen Parlci — und dazu gehören ja wir alle, denn mit Bialik starb der letzte Parteilose, der letzte ״Sstam“- Jude — gellt seinen Weg durch die Realität Palästinas, haut sein Plans, tut mit am Aufbau des Natioiiallieims, aber alles, was nicht augenfällig mul augenblicklich erkennbar, praktischen oder Sentimentswert hat, also alles, was den nächsten und intimsten Nachbar, den Araber angellt, wird von ihm nicht zur Kenntnis genommen. Es gehen grobe und kleine, stets aber die Politik des Landes in grollen oder kleinen Distanzen bestimmende Dinge um uns herum vor — wir lesen in den Zeitungen, die kommentarlos über sic berichten, über sie hinweg, ie etwa über einen Bericht von einem (icfccht in Paragiiay. ,hui dann, wenn sich plötzlich irgendein Geschehnis im r bischen Lager in oder um Palästina im Aufbau störend bemerkbar macht, erstaunen wir, denn wir haben an diesen uns paraguayferneil Bericht schon längst vergessen, sind verärgert — mul nehmen weiter nicht zur Kenntnis, was nicht dröhnend auf uns hcrabstiirzt. Ein instruktives Beispiel dieser Tage: Ein paar kurze Meldungen besagen, dali Schaukat ’Ali, der froße indische Agitator, der unentwegte Panislninit, der von einem neuen (irollreich auf der Basis des Islam träumt und sehr geschickt, durchaus nicht traumhaft, dieses Ziel verfolgt, sieh an der Spitze einer indisch-mohammedanischen Delegation auf eine Reise durch die mohammedanischen Länder nach Loiulon hegeben habe. Noch ein Antizionist mehr, sagt der Zcilungslcser, und begibt sich in die nächste Rubrik, In der nächsten Rubrik stellt etwas davon, dali der letzte Träger ilcs von Mustapha Kanal aufgehobenen Kalifats, Abd 111 Med• »‘Mil, aut seine Kalifalsanspiiiehe zugunsten des Schwiegervaters seiner Tochter, des Nizam von I laidar-Abbad, yerächtet habe. Dieser Nizam ist der reichste Mann der Welt um! der grollte unabhängige Herrscher Indiens. Für die meisten palästinensischen l.eser liegt I laidar-Abbad ״hinten in der Türkei", das Kalifat ist eine erledigte Sache und in der kalatli heiijamu! in Tel-Awiw׳ bat Scimukät Ali ebensowenig etwas zu sagen wie im Reliaviali von Jerusalem. Die Sache liegt aber so, dal! der Kalif wohl im Jahre 1021 vertrieben und das darauffolgende, nur im Plidjäs, Trans- Jordanien und Mekka anerkannte Kalifat des Königs Hussein schon nach ein paar Monaten mitsamt dein Königstuin des ll.aschiiiiiilen zusammcnhrneh, aber daß kein Mustapha Kanal vielt K a I i f ״ t s g e d :111 k e 11 in der mohammedanischen Welt ausrotten kann, einfach weil nicht einmal ein kljma’, ein con- Sensus ecclcsiae, geschweige dam ein türkischer Diktator die Institution des Kalifats auflu'ben kann. So »mißte es kommen, dali nicht nur drei Kalifaiskonferenzen, in Mekka, in Kairo und חי Jerusalem, sich -- ergebnislos — mit der Frage des Kalifats Wallten und dal! in Indien die Kalifatsliga unter Führung ״cs Freundes, Ohandis Mohammed Ali — der vor zwei Jahren etwa in einem Ehrengrab vor der Großen Moschee in jerusa* Inn beigesetzt wurde — nml nach seinem Tode unter der Führung seines Bruders Schaukat Ali zu einem wichtigen tind önftullreielicn Instrument wurde. Dieser Schaukat, von dem “cf palästinensische Zcitiingsleser nur weiß, dalt er ein sehr *gilcr Anti/ionist ist und des öfteren in und außerhalb I aastinas sehr aktiv die Sache der arabischen antizionistischen ׳ arteien vertritt, dieser Schaukat ist aber auch ein sehr reh* böser Mann, der für eine panislninisclie Stantenfödcration kämpft, welche aber nichts gemein hat mit dem Zweckpanisla- ״lismus des letzten großen Sultan der Türkei, Abdul I lamid, “c.r durch einen latenten Appell an das religiöse Gefühl einersc|t$ die auf die türkische Beute lauernden Mächte prellen und andererseits seinen zerfallenden Nationalitätenstaat in einen pjrchcnstaat fester inniger Bindung umsclüchten wollte. Schau- ״jb Panaislamisnuis steht auf ungleich höherer moralischer Nufc ״m! Ausdruck eines netierwaehenden religios.e״ Patriotismus — wenn so gesagt werden kann —, an wni nicht allein die Araber, sondern alle mohammedanischen Völker partizipieren und daraus die politischen und Staaten- Wdcnden Konsequenzen ziehen sollen. Fs möge hier nicht ge- 'r«gt werden, ob und wie weit dieser Plan realisierbar ist, wie ־er Puritaner Ilm Ssa’üil, der dem orthodoxen Islam widerstrebt, cingeglicdert werden soll, ob eine Eingliederung einer , Prinzipiell cntgcgcnwirkciiden Kraft überhaupt 1110R ich ist, 9 soll aber festgestellt werden, daß die Aktion Schaukat Abs; immer weitere Kreise zieht, immer weitere, nach geschieht- : 1 ’) Andere Berichte bezcichnetcn, wie erinnerlich, die Jnrorvcntion des Mufti als ergebnislos und schrieben — »m V«gensatz. zu der Meinung des Verfassers -- von einer Minderung des Prestiges des Mufti, die sich auch in der Niederlage der Mufti-Partei bei den letzten Stadtratswahlen «ig־■ Dieser Widerspruch hängt wohl damit zusammen, daß [c ״ach der Parteisteilung die einzelnen arabischen Zeitungen voneinander abweichende Darstellungen geben, die auch von aer jüdischen Presse übernommen werden. — A. d, K, *r וי״״* n / / VA• 1 j׳-' mb* רזיו! I *״* ■ Von C, Z, KI o e t z c 1, Jerusalem, Fs ist eine der frühesten nntionalwirtschaftllrhcn Er- Kenntnisse der zionistischen Bewegung gewesen, daß der n o den w u eher ein Krebsschaden jeder Volkswirtschaft ,st, gegen den aufs äußerste sich zu wehren Insbesondere «!״•m Aufbau begriffenes Land alle moralischen und final»- ziellen Kräfte zusammen raffen muß. All diese Erkenntnis hat es leider nicht verhindern können, daß wir heute hl Lrez Israel teilweise die gleichen trüben Erfahrungen machen musncii, wie wir sie in unseren früheren Woliuländern beol>,lebtet haben. Der Grund ist einfach genug: da uns nur cm verhältnismäßig geringer Teil des palästinensischen Bouens gehört, und da nicht wir cs sind, die diesem Lande saue (lesetze geben, so fehlen uns alle Machtmittel, um unsere bessere Erkenntnis zur Geltung zu bringen. Dm so unerläßlicher ist cs, daß diese Erkenntnis komproinifilos dort in die Tat umgesetzt wird, wo wir und ö״r, w'r m bestimmen haben: auf demjenigen Grund lind Bode״, der durch den Nationalfonds in den Gemeinbesitz des jüdischen Volkes überführt worden ist. Wenn der Nationa fonds sich bis auf den heutigen Tag einer beispiellosen, gebefreudigen Beliebtheit bei dein jüdischen Massen erfreut, so nicht zum wenigsten deshalb, weil diese Massen wissen, daß der in ihrem Namen gekaufte Boden niemals S p c k 111 a t i o n s o b j c k t werden kann und keinem anderen Zwecke dienen darf, als Juden in Erez Israel die Möglichkeit zu geben, für billiges Geld gut und gesund zu wohnen. Ls kann daher keine größere Gefahr für das Ansehen des Keren Kajeinetli und für seine Werbekraft geben, als wenn auch nur der leiseste Verdacht besteht, daß Nationalfondsbüden in irgendeiner Weise SpcUulationszwecken dieneu. Und' deshalb ist es notwendig, solchen Gerüchten schon bei ihrem erstell Auftreten entgegenzuwirken, selbst auf die Gefahr hin, den Eindruck zu erwecken, daß man mit Kanonen nach Spatzen schießt. Denn hier handelt cs sich um ein Fundament des jüdischen Aufbaus in Erez Israel. Es ist verschiedentlich behauptet worden, daß bei der außerordentlichen Preissteigerung für Wohnungen in den Städten Palästinas dieser Mictswuchcr mitgemaeht worden sei von Leuten, die auf KKL-Bodcn sitz c!1, ohne daß die Verwaltung des Nationalfonds eingeschritten sei. Die jüdische Ocflcntlichkcit hat ein Anrecht darauf zu erfahren, was an diesen Gerüchten wahr ist. Wahr Ist, daß in noch nicht einem Dutzend Fällen Pächter von KKL-Bödcn in Tel-Awiw und Haifa-Hadar Haramicl Wohnhäuser errichtet und diese zu den gleichen Bedingungen vermietet haben, wie ringsum die Hausbesitz er auf Privatböden. Wahr ist auch, daß die Keren Kajeinetli-Verwaltung dagegen nicht ciugcschrittcn ist — aus dem einfachen Grunde, weil sic dazu keine gesetzliehen Handhaben hatte, fliese ganz wenigen Fälle, so bedauerlich sie sind, können keinesfalls als eine Verletrmig des grundlegenden Prinzips unserer zionistischen Bodenpolitik angesehen werden. Auch diese wenigen A 11 s n a 11 m e f ä 11 c hätten sich nicht ereignen können, hälfe inan nicht in früheren Zeiten den Fehler gemacht, innerhalb der Städte zum ,Teil winzige Bodenareale zu erwerben, die dann insclartig sozusagen in einem großen Meer von Privatboden schwammen. Diese städtischen KKL-Insoln sind zu einer Zeit, als niemand die stürmische Entwicklmig unserer Städte vorausschen konnte, in Pacht gegeben worden, und die damals abgeschlossenen Verträge haben begreiflicherweise keine Kautclcn vorgesehen gegen eine Entwicklung, die man damals für unmöglich gehalten halte. Wer konnte im Jahre 1020 ahnen, daß jemand auf den Gedanken kommen würde! in Hadar llacarmci drei- und vierstöckige Mietshäuser zu batten? Infolgedessen sitzen heute noch nicht ein Dutzend KKL-Pächtcr in den Städten» die der Keren Kajcmcth beim besten Willen nicht verhindern kann, Etagenhäuser zu bauen und Wohnungen zum Tagespreise zu vermieten, weil kein Wort in ihrem Pachtvertrag »teilt, das ein Eingreifen ermöglicht. Gewiß sehr be* d a u e r I i c 11 — aber doch wohl alles andere als eine be* wußte Durchbrechung des KKL- Prinzips, Daneben gibt es dann eine weitere, ebenfalls geringe Anzahl von Pächtern auf städtischen KKL-Parzellen, deren Verträge aus späterer Zeit stammen und ein Elngrcif e n der Verwaltung gestatten. Man hat nämlich — aus ganz, anderen Gründen — in diese Verträge einen Para- •graphen »«!genommen, daß jeder Bau und icdc nachtrJpgfiche Bauveränderung der Genehmigung des KKL bedarf. Dieser Paragraph gibt die Handhabe, z. B. den Bau von Mietshäusern zu verbieten. Der KKL hat es für richtig gehalten, von dieser Möglichkeit in dieser Form keinen Gebrauch zu mache n. Er ging dabei von der Erwä« gung aus, daß er weder in einer Zeit, in der Wohnraum so dringend benötigt wird, städtische Parzellen für eine ratioließe Bebauung sperren dürfe, noch daß es ihm bei seinem geringen städtischen Bodenbesitz möglich sei, auf die Mictspreise regulierend emzuwirkeu. ET hat also auch in diesen wenigen Fällen seine Einwilligung zum Bau von Mietshäusern gegeben, deren Wohnungen zum Tagespreis vermietet werden. Aber während bei den vorher genannten Pächtern der ganze Profit in die Privattasclie geht, ist bei diesen Pächtern der Keren Kajemeth an der Wertsteigerung beteiligt. Vielleicht hätte man eisern am Prinzip festlialtcn können: aber da* wäre erstens eine Ungmchtigkkeit gegen viele Pächter gewesen, die jahrelang Geld in ihren Boden gesteckt hatten und nun eine Möglichkeit sahen, «•> zu verzinsen, tmd außerdem wäre die Wohnungsnot noch ein wenig größer ge* wesen — und die Mictsprcisc der anderen noch ein wenig höher. So wichtig die Sache auch prinzipiell sein mag, cs muß Immer wieder betont werden: cs handelt sich um ganz wenige Fälle, und diese sind die Folge einer verfehlten Erwerbspolitik gegenüber städtischem Boden. Das erweist sich gerade heute, wo wir am Beispiel der Haifa Bay sehen, wie all das, was bei kleinen ״Inseln“ von KKL-Bödcn mitten im Privatboden unmöglich ist, sofort möglich wird, wenn cs sich um große Arcalicn und geschlossene Siedlungen lian» clclt. Haifa Bay! mit den In Entstehung hegriffenen großen Siedlungen ״Sch’chunath Chain»״ und ״Kirjatli Bialik", kennt keinen Mictswuchcr. Demi — von allen Verträgen abgesehen — liier besitzt der KKL ein Organ, durch das er eine wirksame Kontrolle ausübeu kann: den Waad ha-sch’chunah, den Ocmcimicrat. Dieser ist dein KKL ver« antwortlich. Und liier kann die KKL-Verwaltung ihre Politik so gestalten, daß absolute Treue gegenüber dem Prinzip des Ausschlusses jeder Ar( von Spekulation ciuhcrgclit mit jener Geschmeidigkeit der Praxis, wie sie gegenüber den sich so schnell ändernden Verhältnissen notwendig ist. Durch die unangenehme Erfahrung mit den städtischen ״Inseln“ gewitzigt, geht der KKL jetzt daran, alle älteren Verträge zu revidieren, daß eine Wiederholung dieser Erfahrung ausgeschlossen wird. Das bringt ihn manchmal in Konflikt mit Gruppen, wie der Scli’clnmath Boruchow (bei Tel-Awiw), die auch ohne vertragliche Bindung bis heute jeder Versuchung ,zur, Steigerung der Mietpreise widerstanden hat, und die cs als eine Kränkung empfindet, daß man heute von ihr schwarz auf weiß verlangt, was sic als eine selbstverständliche Ehrenpflicht ansieht. Aber auch diese an sich berechtigte Empfindsamkeit muß zuriiektreten gegen- .über der einen großen Aufgabe, das Grundprinzip, auf dem der Keren Kajcmcth beruht, so zu sichern, daß in Zukunft auch nicht das leiseste Gerücht, dieses Prinzip werde ver« letzt, die jüdischen Massen beunruhigen kann. liehen» Aktivismus hungernde Kreise fasziniert »ml bereits tief in die reale zwischenstaatliche Politik nicht allein Englands, sondern auch Frankreichs sich hinciuschob. Es hat dieser Inder die Tochter des ehemaligen Kalifen, der sozusagen charismalisch das Kalifat in sich trägt, mit dem Thronfolger von I laidar-Abbad verheiratet und so eine weltliche mul eine halbreligiöse Dynastie zu einer weltlich-religiösen Interessenganeinschaft verschmolzen, die Frankreichs Abneigung und Englands positive Bereitschaft erregen mußte. Erankrcich, Herrscher über soundso viele Millionen Mohammedaner, war stets geneigt, im Falle der Aktualität der Kalifalsfragc einen seiner drei nordnfrikanisclien Elcrrschcr vorzuschlagen — wiewohl der Kalif eigentlich ein unabhängiger Fürst sein muß — und Englands Politik gellt seit 1024 dahin, einen von London aus kontrollierbaren Kalifen über den Osten herrschen zu scheu. Daraus ergibt sich, daß die Reise SchaukM Alis doch irgendwie den Aufbau Palästinas berührt. England^ der größte mohammedanische Staat, muß in allen seinen Erwägungen, welche Länder mit mohammedanischer Bevölkerung betreffen — und ein solches ist .(a Palästina —, mit den großen muslimischen Zielen rechnen. Wenn dies überlegt wird, w׳lrd auch klar, daß diese oder jene Regicrungsverfügung io Palästina durchaus nicht Ausfluß der ״antisemllisclicn“ Triebe eines hohen Beamten in Jerusalem oder in London sein muß, sondern wahrscheinlich mit gewissen politischen Konzeptionen Englands in anderen mohammedanischen.Ländern ziisammenhängt. Da cs aber in der Politik niemals Schwarz-Wciß-Zeichnungcn gibt mit scharf kouiurierten Abgrenzungen von Licht und Schatten, so ist auch die Rolle des Inders Schaukät nicht einfach die eines geradeaus gehenden Mannes. Schaukilt ist als fanatischer Muslim Gegner der Hindus in Indien, also Gegner der gleich seinen antizionistischen Freunden in Palästina gegen England kämpfenden Landsleute — die ohne Anwesenheit der Engländer in Indien, zumindest heute noch, die muslimische Minorität sofort aurotten würden wodurch er, ob er will oder nicht, zum Helfer Englands wird. Diese Doppelrolle fiel natürlich allmählich auch den radikalen arabischen Parteigängern in Palästina auf und ließ ein leises Mißtrauen in ihren Zeitungen aulglimmen. Trotzdem aber ist der Inder ein sehr wichtiger Posten in der mohammedanischen Politik dieser Tage, hinter Sprechstunden dar juristischen und wirtschaftlichen Daratunß•- ■teile der ״JOdlaohan Rundaohau" Montag und Donnerstag von 17 bla 13.30 Uhr In unserem Büro, Berlin W18, Metnahestft 10. Bel Besuchen sind Abonnamonta-Qulttungsn mit• zubringen. Bel allen schrlltllChenAnfragenelnd die letzte Quittung und sin frslgemsohtsr Brtsf•' Umschlag cd. ausreichende• Rückporto bsIzufQgsn dem nicht nur der reichste Mann der Welt stellt, der eines Tages Kalif — auch über unsere arabischen Vettern in Palästina — werden kann, sondern mit dern auch der englische Mamlatsherr von Palästina kalkuliert. Man »miß fragen: warum schließt sich das jüdische Palästina freiwillig von jeder Orientpolitik aus, warum richtet cs unverwandt und fasziniert seinen Bück nur nach dem Westen, woher »hm wohl ökonomische und technische Dinge, aber keine Sicherheiten für seine Entität kommen, warum bemüht man sich, nur im Westen der Welt Freunde des Zionismus zu werben und nicht auch in dem uns in jeder Beziehung un* gleich näheren Osten, und warum tritt man nicht in direkte politische, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu den neuen großen, ihre Zeit und ihre Völker formenden Persönlichkeilen der arabischen, der mohammedanischen Welt, ob sie nun Ihn Ssa'fkl oder sonstwie luiflcn, ob sie mit oder gegen England gehen, warum wird nicht endlich Orientpolitik getrieben, schon wenn aus keinem andern Anlaß, so aus dem Grumt, nicht wieder Objekt der Geschichte, diesmal Objekt der Geschichte eines bereits erwachten, ungeheuer sich aufreckenden Orients zu werden, der uns verdächtigt, als Schrittmachcr europäischer Kolonialpolitik nach dem Osten gekommen zu *ein? Diese Fragen müßten wir uns vorlcgcn, statt nur in die Dinge unseres kleinen Horizontes verstrickt zu bleiben. Emir Abdullahs Rückkehr Emir Abdullah von Transjordanien, dem von der arabf« Scheit Bevölkerung Palästinas und Transjordanicns nach seiner Rückkehr aus England, wo er sich sechs Wochen lang auf« gehalten hatte, ein begeisterter Empfang bereitet wurde, er« klärte in einem Presse-Interview, er sei von den Ergebnissen *einer Mission in England vollkommen befriedigt. Er rate den Arabern, ilire Politik der Non-Kooperation gegen« über England aiif/tigcben und fi'ir ihre Beziehungen zu Eng« land ciu positives Programm auszuarbeiten. Hierbei bc« tonte der Emir, wie groß der Einfluß sei, den die Juden infolge Ihrer andersartigen politischen Haltung auf die öffent« liehe Meinung Englands ausübten. «Schutz der arablsdien Einwanderung"' Wie die arabische Presse meldet, wurde in Pa« lästina ein besonderes Komitee zum Schutze der ara« bischen Einwanderung gebildet. Die Vertreter diese! Komitees haben vor einigen Tagen mit dem Leiter de» Ein« Wanderungs-Departements der Regierung, Herrn Mills, eine Unterhaltung gehabt und ihm eine Reihe von Forderungen zur Erleichterung der Einwanderung von Arabern, die früher einmal in Palästina wohnten und vor einigen Jahren aus« gewandert slhd, vorgetragen. Herr Mills hat geantwortet, daß die Einwanderungsgesetze für alle Einwanderer gleichmäßig Geltung haben und von ihm nicht geändert werden könnten.