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Jüdische Rundschau · 1934-07-31 · Heft 61 (31.7.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 61 (31.7.1934)
Date
1934-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr, 61. 31. VIT, 1934 7'ODISCHE RUNDSCHAU Seite 3 4-^ ׳1 I 0 f. '1 1־! i יין , ' 1׳ V1 ׳; 1t ,־,r ׳ ן •j 5 י l|f\׳n I,' V;;:N lut• I Inj׳ itr,;,׳: d ‘•ו"'! t: I ן י f״, f l״J! :1׳::■! > II ׳,׳ זין'!• I!■!י• f 6־..׳ : i ־. ׳ I .י, i l;> ’ *■״4 r.'.r f־1׳״ r »!!"II t |1k!1 I j i, i H f'ilc, I :|t!!.ll } |r <'r l #1׳!' I li-Hü I ::״!!!!! |u;u' t i 11 Ititi I lul I•!׳ 11 I\ח! | •1111 H ן "",.ן ו "יי'״| '<!1!ו| ן ״־fön N" fr 'ן mit־;! 1 'ז<י j f1) 1• ' lief I, 1I 1 יזג1ן1 «®"י ‘׳T€5f £־ י£? r «läU -:™.i־;׳״a,.l *Ü« :J11? v j» Mm Jüto %J$ :8 Zu dem neuen Genesis *׳ Kommentar von B. Jacob*} Von Dr. Ludwig Fc u c 111 w a 11 g e r, München I. Eine schlichte einwandfreie Zusammenstellung und Erklärung von allem, was die jüdische Tradition über Verfasser, fntslclwngsort und I:ntstel1u״gs7cit der einzelnen Bücher und Bücherteile der Bibel wie über den Werdegang des Kanons zu sogen weilt, vermissen wir noch heute, und gerade heute besonders scluner/lich. Die Forderung einer solchen zuverlässigen und unvoreingenommenen Arbeit wird jeder erheben, dem die wirkliche Durchdringung unseres gesamten Bibelfestes als die erste Etappe auf dein schwierigen Werk der Ancignung jüdischen Wissens am Herzen liegt. Die Entrückung des Bi he Hext es aus der Sphäre der modernen Urkundend nterptetation und der profanen Geschichtsbetrachtung war zwar schon um 1800 in der westeuropäischen Judenhcit im allgcmeinen überwunden, Audi in den gesetzestreuen Kreisen und Schulen wurde die exakte Vcrstäiulliclimachung des Wortlauts der Bibel wieder in den Mittelpunkt des ״Lernens״, vor allem des Jiigcmhmtcrrichtcs gerückt; aber selbstverständlich blieb der Cits.iiiitbercicli des in der Bibel vereinigten verschiedenartigen lind vielschichtigen Schrifttums vor allem anderen Be- Minis einer verbindlichen ״Lehre1‘, Gruudtext einer noch gültigen Rechtsordnung und Pflichtenlehrc göttlichen Ur- Sprungs. Jede irgendwie geartete Kritik wie überhaupt die Betrachtung in der Art eines gewöhnlichen klassischen Textes war somit schlechthin ausgeschlossen, nach dem Satz: ״Nicht an der Vernunft messen wir das Wort Gottes in der Schrift, sondern am Wort Gottes messen wir die Vernunft und jegliehe Wissenschaft.“ Der ״Wissenschaft vom Judentum“, die in Westeuropa aus vielen Gründet! Achtung um! Ansehen gewann, war wohl die Zeitbcdingtheit auch des Bihcltcxtcs selbstverständlicher AusgangspiinM. In den Lehrbetrieben wich man indes der kritischen Fragestellung und einem reinen voraussctzungslosen Sach- und Siunverstämlnis der Schrift in gemessenem Abstand ängstlich;ms. Abraham Geigers großer Wurf aus dem Jahre 1?״ 7נUrschrift und Uebersetziingci! der Bibel in ihrer Ahhängigiicit von der inneren Entwicklung des Judentums“ blieb völlig vereinzelt. Der religiöse jüdische Liberalismus kam hundert Jahre laug nicht über den Religioiisbcgriff Schleiermachcrs hinaus, der das Religiöse als reines Gefühl des U11endliche״, als eine Sache für sich erklärte und vom Denken und Wollen, von einem Fiirwahrhaiten sowie von der Moral loste, der damit dem ureigentlichen jüdischen Gedanken, in welchem sich nun einmal ״Vernunft‘' und ״Praxis1‘ zu einer Einheit vermählen, diametral zuwiderläuft. Die Bibel war dem Liberalismus jüdischer Prägung der umfriedete Ort des tieferen L c h e n s v e r s t ä n d 11 i s s e s, oder auch gleich, der Kunst, Erhöhung und Vergeistigung des Alltags, aber ganz sicher nicht die schlichte Mitteilung eines wunderbaren, übernatürlichen Wissens von Gott und göttlichen Dingen, auch nicht Ausgangsort der Italaclm, aber auch andererseits nicht blöd Objekt der Archäologie und Historik, Sammelstättc einer Reihe klassischer Literaturdenkmäler, die auf modernen kritischen Methoden erforschbar sind wie die Gesäuge Homers oder das Nibelungenlied. So blieb die Bibel nur Erbauungs- Eich und Zitateusehatz: Sätze aus ihr geben der Predigt Fülle und religiöses Kolorit. Auch vom Unterricht werden die ge* sicherten Ergebnisse der bibclkritischen Forschung, ihre Metlioden und Annahmen ferngehalten. Hier lagen eindeutig die Gründe für die Gleichgültigkeit auch der Lerneifrigsten und Aufgeschlossensten unter der Jugend und unter den Erwachse- ״fn gegenüber jeder Art von Bibchmterrieht, der die Forschung des 19. und 20. Jahrhunderts ignoriert. Der überlieferte Wortlaut läuft in hergebrachter Weise hintereinander sh, als ob es keine Geschichte vom Alten Orient, keine Archäologic, keine Sprachforschung, keine Qucllcnscheidiing, keine vergleichende Religionswissenschaft, keine Sagen- und Volkskunde gäbe. Das zeitlich und räumlich weit auseinander hegende großartige Schrifttum, das in den Denkmälern der ®'hei vor uns liegt, wird bei dieser Behandlungsart einfach absolut gesetzt und auf eine Ebene aufgetragen; mau setzt sicli über Zeit und Ort, kausale Verknüpfung wie ein mittclaltcrhoher Tafchitalcr hinweg. Und vollends verschloß man sich den Vcrstämlniszugang noch im 19. Jahrhundert dadurch, daß man ()יח Zusammenhang von dem höchst fragwürdigen, abgelebten bürgerlichen Weltbild dieses Jahrhunderts aus ״erklärte“, das ״idit-mchr-Vcrständlichc, moralisch frivialisiertc und ״gleichgültig“ machte. Demgegenüber wird seit vielen Jahren Bibelforschung, ®ibelerklärung und Erneuerung der Bibel aus dem Geist des Judentums gefordert. Vor allein Wiederherstellung des Eigenhbens der reinen Texte! Die fremden Tendenzen der christlichen alttestamcntiichen Wissenschaft sind zu beseitigen, Verständnis der Eigcnbcgriffliclikeit der jüdischen, der bib- '״chen Welt ist anzustreben. In den letzten Jahren haben uns a״j diesem Weg die hier ausführlich behandelten bibel- "■bsenschnftlichen Werke von Bubcr (״Königtum Gottes“) ״"d Auerbach (״Wüste und gelohtes Land“) vorwärts gewacht. Dazu kommt jetzt der über tausend eng bedruckte Seiten starke Kommentar zum ersten Buch der Thora von Rabbiner Benno Jacob. Nur ein paar Bemerkungen zu einer Neubcsinnung auf unsere eigenen jüdischen Aufgaben, a"f die Wiederanknüpfung an die geistige Arbeit, die Generationen auf die Bibel verwendet haben, ist uns hier in ״"rzen Strichen anläßlich des Genesis-Kommentars von Jacob möglich. II. Jacob will einen unabhängigen wissenschaftlichen jüili-!pen Kommentar bieten, ״der von unserer Gemeinschaft die ®rschämung nehmen sollte, zur wissenschaftlichen Belehrung bb״ ihr eigenstes und heiligstes Buch nur auf christliche Kommentare angewiesen zu sein, der einen neuen Weg zu "5m Studium der Thora zeigen sollte“. Satz für Satz der fünfzig Kapitel der Genesis wird wortgetreu neu übersetzt; där*n knüpft sich eine sprachliche, historische und homiletische ’) Das erste Buch der Thora: Genesis. Uehcrsetzt und *fWart von B. Jacob. Berlin (Schocken-Verlag) 1934. 42 RM. Erklärung 11111er 1 Icranziehung der alten jüdischen Exegetcn. Mit einem der zahlreichen bisherigen neuen oder alten exegctisclicu Leistungen ist das Werk von Jacob kaum zu vergleichen. Jedes Wort, jeder Salz, wird nach Wortlaut, nach seinem Sinn und Klang, vor allen.' nach seiner Stellung im Ganzen neu erläutert, aus seinem geläufigen Zusammenhang herausgehohen, geprüft und in das alte vertraute Gefüge wieder eingesetzt. Eine Fülle von Entdeckungen, fesselnden Anknüpfungen, von tief empfundenen und eindringlich vorgetragenen Motiv-Untersuchungen ist dabei dem Verfasser gegluckt. Indem er sich von jeder trockenen Fachgolehrthcit fernliait und immer die Aufgabe der Verlebendigung der heiligen Schrift für jedermann vor sich sieht, ist ein Werk aus einem Guß entstanden, tl;1 s unter häufiger Heranziehung der modernsten Forschungsergebnisse bei aller subtil gelehrten Einzclarbeit vor allem auch dem mit dem Stoff und tlcr Bibel Niclitvcrtraiitcn ein starkes und nachhaltiges Bild des ersten Buches Moses vermittelt. Besonders der nichtgclehrtc Kenner der Thora wird durch den Kommentar neu in Besitz des ewigen Textes gesetzt. Jacob hat sich zur Aufgabe gestellt, aufs gewissenhafteste, ohne Voreingenommenheit zu erforsehen und zu erklären, was der Verfasser der Thora sagen will, nicht wie der mnsoretischc Text vielleicht zustande gekommen sein kann, nicht in welcher historischen Umwelt etwa die Erzväter oder Joseph in Aegypten gewirkt haben dürfte״; sondern gefragt wird abseits jeder kritischen oder unkritischen Orthodoxie nach dem, was der Autor, der ״Redaktor“ der 59 Kapitel nach ihrem unverbrüchlichen Wortlaut auszuilrikkcn beabsichtigt hat. Auf allen Wegen wird nur nach dieser Ausdrucks,•ibsicht gefahndet, unter energischer Ab- Kchütteliuig von konventionellen Erklärungsversuchen, auch wenn sie dreimal von der legitimen ״Wissenschaft des Alten Testaments“ zur herrschenden Meinung gestempelt wurden. Jacob fehlt cs dabei nicht an Mut, Selbständigkeit, Eigenwillen und Temperament. Auf den Nachweis der Einheitlichkeit des Gc* samtcorpus, zusammengesetzt aus Urgeschichte und Erzväter* geschichte kommt es ihm an; aber wir haben kein ״unkritisches“ Werk vor uns. Sein Verfasser weist cs ausdrücklich von sich, daß man ihn wegen seiner entschiedenen Bestreitung der Quellen-Hypothese zu den verwissenschaftlichen Bibdcrklärem rechne: er will nicht behaupten, daß der Verfasser der Thora das ganze Werk rein aus sich herausgesponnen oder daß er keine Quellen benutzt habe. Aber immerhin hat der Kommentar in erster Linie den ״ungelehrten“ Leser im Auge. Deshalb dürfen die Verhältnismäßig zahlreichen rein homiletischen und moralisierenden Partien nicht befremden. Jacob trägt in scharfem Gegensatz zu einer modernen sagen-, motiv- und literargcschiehtlichen Auffassung die Haltung des 19. Jahrhunderts über Moral, Anstand und jüdisches Familienleben in die Patriarchenzeit zurück. ״Was mochte Gunkel vom jüdischen Familienleben wissen?“, ereifert er sich bei der Erklärung der Stelle 33, 2 über die eigenartige Begegnung Jakobs und Esaus. Vers 4 (in jener Bcgcgmnigsszene in Kapitei 33): ״Da geschieht das Wunder, Esau ist wie umgewandelt. Es geschieht freilich etwas viel auf einmal, mehr als jemals sonst, selbst hei dem Wiedersehen Josephs mit seinen Brüdern und dem Vater.Das mag der Grund sein, «laß die Massora! *! jj v 1! mit Punkten versieht, d. 11. tilgen möchte. Von der Haggada wird cs dahin erklärt, daß zu den sicherlich nicht aufrichtig gemeinten Küssen Esaus ein großes Fragezeichen gemacht werden soll. Küsse? Bisset Eine ( לנשכו ) heißende Skepsis, die aus der Deutung der Brüder auf die Völker und den Erfahrungen, die Israel mit Edom gemacht hatte, verständlich wird. Auch Jakob weint. Er ist gerettet. Der Umschwung in Esaus Stimmung ist nur durch den Anblick des gelähmten Bruders zu erklären, der Wilde ist ein Stimniimgsmensch, ebenso rasch zum Zorn wie zu überschwenglicher Rührung und Zärtlichkeit geneigt, aber das «ine versöhnt mit »lern andern, Auch Esau hat in diesem Augenblick seine Mordgier gesühnt. Alles Folgende vollzieht sich nun in den Formen gegenseitiger Aufmerksamkeiten.“ Zu dein Raub der Dina (Kap. 34) die Bemerkung: ״Er (der Stammvater Jakob) hätte auf die Tochter besser achtgeben sollen.“ In diesem Geist ist die Absicht der eingesprengten Erzählungen in Kapitel 14 (Abraham als Feldherr und die Huidigung Mclclüzcdeks), ferner in Kapitel 34 (Sichern-Dina-Oe* schichte) und 38 (Tamar-Geschichte), der Edom-Gencalogic im 36. Kapitel gedeutet. Daß es sich hier um grandiose ״Aufschlösse“ erster Ordnung von höchstem Wert für die älteste Stnmmesgesrhichte handelt, doppelt wertvoll in ihrer jüngeren, das alte kostbare Urgut konservierenden Umklcidung, wird von dom Kommentator beiseite gelassen. Er will volksbuchartig, wie in der Predigt zu den Gläubigen, die Bibel als Inbegriff letzter Weisheit und Beispiels,'itnnilung gottgefälliger Lebens- Ordnung asis jedem Satz, aus der Komposition im ganzen und im einzelnen, hervorstrahlen lassen. Er ist Feind der zergliedernden Analyse und hypothesenreichen Betrachtungsweise, wie sie etwa Elias Auerbach (s, dazu Georg Herlitz in der ״Jüd. Rundschau“ von! 30. 9. 32) In seiner Geschichte ״Wüste und gelobtes Land“ übt. III. Damit kommen wir auf den wesentlichen Unterschied zwischen der Forschungs- und Erklärungsart der Neueren, Auerbachs, auch Btibers, vor allem der Historiker und Archäologen des ״Alten Orients“ und zwischen dem neuen Genesis- Kommentar, der vielleicht eine Literaturgattung sui gencris inauguriert, dem mau aber auch nicht gerecht wird, wenn man ihn als eine Mischung traditioneller Exegese mit Teilcrgibnissm jüngerer Sprachwissenschaft und Altcrtumsforschung bezeichnet. Der Unterschied ist der: Die neue wissenschaftliche Forschung, die längst die Qucllcnschcidiingsfragcn nicht mehr so interessiert, wie B. Jacob meint, und von der wir nicht anstehen zu erklären, daß sic zurzeit ungeeignet ist, einen Zugang der heutigen, mit der Bibel nicht mehr vertrauten Juden zu den alten Gütern neu zu schaffen, will nicht mehr und nicht weniger als — die Formulierung eines führenden nichijüdischen Forschers ist hier am Platz — ״die Spuren alter Differenziertheit und alten Reichtums wiederentdecken, aus der Ucbermalung einer späteren Zeit die Umrisse und die Farben der ursprünglichen Schöpfungen herausholen, um du lebendiges Bild der Eigenbewegung der Literatur in der Zeit ihrer Schöpfung zu er• Die Ereignisse in Oesterreich Wien, 30. Juli. (J.T. A.) Nach dem Tode des Bundes« kanzlers Dollfuß hat der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultiisgcincindc eine T r a u c r s i t z u n g ahgehaltcn. Die der Jüdischen Gemeinde gehörenden Gebäude tragen wie alle übrigen öffentlichen Ocb.nulc Traucrsclunuck. Auch die Vorstände der Adaf! Jhrod und der Agudas jisrocl haben Trauer« Sitzungen ahgehaltcn. In einer im Bundeskanzleramt abgchaltcnen Prcssekon* feretiz teilte der Chef des Bundesprcsscdicnstcs, Gesandter und bevollmächtigter Minister Ludwig, u. a. mit, daß die Aufrührer, in deren Gewalt er sich selbst mehr als sieben Stunden befand, ein ausgesprochen antisemitisches Verhalten an den Tag gelegt haben. Einem Seklionsrat Dr. Otter, der, obwohl Christ, ein indisches Acußcrca hat, wurde die Brille vom Gesicht geschlagen, und er wurde unter antisemitischen Hetzrufen wie ״Hängt den Juden aufI" u. dgl. mit Kolbrnschlägcn traktiert. Anderen Be* amten, die das Unglück hatten, für Juden gehalten zu werden, erging cs nicht besser. Vizekanzler Fürst S t a r h c n! b c r g, der im Flugzeug aus Italien in Wien eingetroffen ist, wurde von einem Vertreter des ״Daily Expreß“ über die Stellung der J u d c n i n O c s t e r* reich befragt. Der Vizekanzler erklärte, die Juden seien in den freien Berufen, im öffentlichen Dienst und im Kunstleben In einer ihren Anteil an der Gcsainfbcvölkcrung weit übersteigenden Zahl vertreten. Die Maßnahmen gegen die Juden trügen keinen Angriffs-, sondern reinen Verteidigungscharakter. Es werde in Oesterreich keine Judenverfolgungen und keinen Pogrom geben. Unter den zahlreichen offiziellen Abordnungen, die an dem Leichenbegängnis des Bundeskanzlers teilnahmen, befand sich auch eine jüdische Delegation, bestehend aus dem Präsidenten der Kultusgcrncinde Dr. Dcsidcr Friedmann, Ober* rabbiner Dr. Feucht wang und dem Leiter der Amtsdirektion der Wiener Kultusgcrncinde, Regierungsrat Dr. Guido Fuchsgclb. An die Witwe des verstorbenen Bundcskanzlers und an den Bundespräsidenten Miklas hat das Präsidium der Kultusgcrncinde im Einvernehmen mit dem Vorstand Beileidsschreiben gerichtet. Jüdische Wanderung Mit dem in der letzten Nummer der ״ln forma• t io n s bI ä 11 e r“ des Zcntralausschusscs der deutschen Juden (ür Hilfe und Aufbau veröffentlichten Bericht der H a u n t s t e 11 c f li r jüdische Wmilerlürsorge wird eine Reihe von Arbeitsberichten des Zcntralausschusses abgeschlossen, die in ihrer Gesamtheit ein Bild über den Teil der Arbeit des Ausschusses vermitteln, der der Regelung jüdischer Wanderungsproblcme gewidmet ist. Die Wänderungsfragen werden im Zcntralausschuß durch drei Organisationen bearbeitet: Auswanderer in die Länder außerhalb Palästinas, insbesondere nach Ueberscc, werden vom Hilfsvcrcin der deutschen Juden beraten und unterstützt. Für diejenigen Juden, die in ihre Heimatländer, insbesondere nach Ost-Europa, zurückkchrcn, ist die Elanptsteilc für jüdische Wanderfürsorge zuständig. Die P a 1 ä s t i n a - W a n derung schließlich leitet das Palästina-Amt der Jewish Agency für Deutschland. In dem Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvercins wird mifgetcilt, daß in der Zeit vom April bis September 1933 6259 Personen einschließlich derjenigen, die z» beruflicher Ausbildung ins Ausland gingen, durch den Hilfsvcrcin befördert wurden. Vom Oktober bis Dczemher wanderten mit Unterstützung des Hilfsvcrcins 1666 Personen aus. Das P a I ä s t i n a A ni t hat im abgelaufenen Jahr allein durch die Berliner Zentralstelle mehr als 30 000 Menschen beraten. Im Sommcrhalbjahr standen gegenüber 6000 Gesuchen 1206 Zertifikate zur Verfügung, auf die 2182 Personen nach Palästina cingewandert sind. ■1600 Gesuche wurden endgültig abgelehnt, 191 zurückgcstellt. Für die erste Periode der Wintcr-Alijah standen von 1369 vorgesehenen Zertifikaten 959 zur Verfügung, auf die 1386 Personen abreisten. Die Haupt stelle für jüdische Wanderfürsorge hatte sich 1933 mit der Rückwände* rung von 18 694 Personen zu befassen. Einschließlich derjenigen Auswanderer, die die Fürsorge nicht in Anspruch nahmen, ist die Zahl der Juden nichtdeutscher Staatsange* hörigkeit, die Deutschland 1931 verlassen haben, mit 25 000 bis 30000 zu beziffern. arbeiten, zugleich aber die Kräfte erfassen, die zur Einheit drängten und sic schufen“. -״׳- Genau das Oegenteil will Rabbiner B. Jacob: Ihm geht es um die Einheit der Thora, die er mit heißem Herzen und in eiferndem Zorn gegen ihren vermeintlichen Zerkleinerer, dem deutschen Juden, der von seinem religiösen Urgrund abgedrängt wurde, wieder erschließen will. Diesem Zweck dient der neue Kommentar in hervorragendem Maße; er ist nur nach seiner eigenen Absicht, nicht mit einem wesensfremden Maßstab, etwa mit den Maßen unserer Universitätsfächcr, auszuloten. Seine Entstehung verdankt er der Anregung von Franz Rosen?, weig; cs ist nicht mehr zu entscheiden, ob die Ausführung seine uneingeschränkte Zustimmung hätte finden können. Wir haben von Rosenzweig nach seinem frühen Tod zur Bibel und Bibelforschung leider nur allzu wenig abgerun* dete Acußerungcn (in der ״Encyclopädia“, im ״Morgen“, in den ״Gesammelten Schriften"). Wie keiner sah er — schon nach den erhaltenen Stücken zu urteilen — den schmerzlichen Bruch in den unverlierbaren Glanzleistungen der vergangenen nichtjiklischca Forschung eines Wellhausen, Eduard Meyer, Gunkel, Orcssmann usw., den Bruch zwischen den objektiven zum Gemeingut der Welt gewordenen wissenschaftlichen End* ergebnissen und der antijüdrschen, oft geradezu gehässigen Gesamthaltung des Forsch ungsw cg s, der offenbar ungerechten Abwägung von tausenderlei Einzelheiten in der Kleinarbeit und der von den unseren grundverschiedenen Wertakzenten. Wir dürfen nicht in den Fehler verfallen, um der uns fremden Gesamtauffassung willen die erarbeiteten ob* jektiven Resultate zu verkleinern. Wir tragen jedenfalls dem Genesis-Kommentar von Jacob — übrigens wieder einer buch technischen Olanz* lcistung des Schockcn-Vcrlagcs — das Gefühl des Danke» und der ungeschmälerten bewundernden Anerkennung für die hohe liebende Gesinnung zum Judentum, für das imponierende scharfsinnige und feingeistige Können, das sich in diesem Werk birgt, entgegen. Unsere Dankbarkeit wird durch unsere kritischen Einwände nicht geschmälert. Denn gerade 80 wie dieses größte jüdische Bibelwerk der letzten Jahrzehnte nun einmal ist, kann es zum wahren jüdischen Volksbuch werden, um ״die Thora zu ihrem alten Glanze zurückzubringen״.

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