Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653508--25544-2682688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 60, 27. VII. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 *•' Von L>r. Gerhard Ho Id heim, Tcl-Awiw I. Freunde fragen: Wie sicht die deutsch-jüdische Alijah von psychologischen Seite aus? Wie wirken die neuen Verhjitnissc auf die Menschen ein? Auf Zionisten? Auf Nicht- *,nisten? Passen die alten Nomenklaturen noch? Verändern sich alte Wertungen? Und wie? Kurz: Was geht in den . Mensche״ vor? Die mir im Lande gestellte Aufgabe, unter deutschen . 0|im für den Keren I lajcssod zu werben, bringt begreif- )jeherweise eine Fülle von Erfahrungen. Meine Erfahrungen ^treffen die Städte Tel-Awiw-Jcrusaicm-f laifa. Und, wie sich 1Us dem besonderen Amt ergibt, vorwiegend ältere Menschen. Wenn ich zu lleginn einiges licrausgreifcu will, was un- 1 hcschadet aller sonstigen Verschiedenheiten des Typs fast; a!|cn> die ich gesprochen habe, gemeinsam ist: Man' ist verfc. wumlert über die Schönheit des Landes; insbesondere die auf " engem Kaum vereinten Gegensätze der Landschaft reizen I iincl nehmen gefangen. Auch in bezug auf den Komfort der I Wohnungen und die sonstigen zivilisatorischen Ansprüche i, bietet die neue Heimat, die allzu viele sehr unfreiwillig auf- I i «uchten, eine höchst angenehme Enttäuschung. Wirtschaft- | liehe Sergen? Nur ein kleiner Prozentsatz ist schon ins!׳׳ rdienen gekommen. Auch von denen setzen die meisten ׳ ,fon.1t für Monat aus ihren Reserven zu. Vor allem die Un-; ״cwiliheit. Von dem und jenem Arzt sagt man, er habe! schon ״schön zu tun“. Aber wird aus den ersten mehr oder »; weniger Zufälligkeiten eine richtige ״Praxis“ werden, die 350 J; bis 400 •C jährlich in netto alnvirft? Denn soviel braucht ןi (Krankheiten, Anschaffungen, Beiträge eingerechnet) eine Faf : jnilic mit 1—2 Kindern und bürgerlicher Lebenshaltung. Lind | ■ « ist ein Charakteristikum gerade dieser Alijah, daß nur I äußerste Not die Menschen dazu veranlaßt, von bestimmten f , Ansprüchen Abstand zu nehmen. Ob der Einzelne gut oder schlecht sich fühlt, ob Zuversieht uberwiegt oder Ecbensangst, hängt natürlich wesentlieh ab vom Temperament. Das sind höchst persönliche Hinge, die mit dem Lande überhaupt nichts zu tun haben. Fine wichtige Rolle spielt hier die E r a u. Für Frauen bildet der Umschwung eine noch stärkere psychische Belastung als für den Mann. Einkäufen, Reinhaltung der Wohnung, Fehlen von ״Dienstpersonal“. Oft entscheidend für einen Mann, ob die Frau versagt — oder die Nerven behält, sich lächelnd ins Unvermeidliche schickt und gar noch den Mann er- , imintirt. Um diese sehr allgemeinen Vorbemerkungen abzu-; schließen: eine Gemeinsamkeit weisen fast alle Einwanderer 1 aus Deutschland auf. Es ist ihnen vorläufig nicht gelungen, ' in das gesellschaftliche Leben des östlich-palästinensischen Jhchmv hincin/mvachsen. inwieweit das am Partner liegt, mag dahingestellt sein. Wir stellen hier nur das Faktum fest, Vielleicht bemühen sieh nur die wenigsten ernsthaft. Ein großer Teil (auch der Zionisten) fühlt sich in dieser Isolierung ganz wohl. Hat seine alten Bekannten, versteht sich mit ihnen, diskutiert seine Sorgen und spricht Deutsch. ״Eigentlieh großartig, daß man sicli dadurch fast wie zu Hause fühlt״, sagte mir neulich ein früherer Anwalt. Zwischen diesen!; Fxtrcm und jenen andern, die unter dieser Klausur leiden, gibt es emc breite Mitte, die in den Tag hineinlebt und gelegentlich in! Gespräch mit ihrem Bedauern, daß es so i ist, rin wenig kokettiert. I Der eben zitierte Anwalt hätte es sich energisch ver- : beten, von jemandem als ״Anti/ionist“ bezeichnet zu werden. Er hatte schon früher dann und wann Keren Hajessod gezahlt, tat es jetzt wieder, bis 1033 war er ״sympathisierender . Nirhtziomst"; jet.t - - nun jetzt lebt er hier, ist zufrieden : mit seinem neuen Lehen, und die Zionisten hätten mm eben I mal recht gebäht. Anderen ist es verflucht wenig um Ideologie י zu tun. Sir sind hier, um zu leben und Geschäfte zu machen, j Nicht immer verwerfliche Typen, aber mcilcnfern jedem Ideal.! Nehmen die Dinge so wie sie sind. Palästina - ־ Emigrations- ן!am). Keine andere Wahl. Guter Standard of lifc. ״Die Zionisten haben ’nc ganze Menge gemacht.“ Doch Leute dieser Art würden sofort dem Lande den Rücken drehen, wenn wo anders bessere Chat:reu wären. Von diesem glücklicherweise sehr kleinen Teil unter- «!!titlet sich jene kompakte Schicht deutscher Olim, die zwar and! nie Zionisten gewesen sind, aber doch zumindest den Wunsch haben, liier ihre Heimat zu finden. Die innere Bereitschaft, ein ganz neues Leben aufzubauen, ist in diesen; Kreisen groß. Und uns Zionisten aus Deutschland erwächst hier eine dringende Aufgabe. Die Isolierung, in der sich manche dieser ״Nichl/innistcn“ befinden, ist erschreckend. Es gibt Familien, dje überhaupt keine Bekannten oder gar Freunde hier bähen. Sie sind abgeschlossen vom öffentlichen Leben — und zwar nicht nur durch die Sprache. Man .versteht ja , auch sachlich all diese Dinge nicht. Würde der Inhalt einer; ׳aßt'szcitung denn verstanden werden, wenn sie in Deutsch ■;erschiene? Kein Problem ist verständlich, weil die Wissens-; ^,1״ßen Voraussetzungen fehlen. Was nützt selbst guter j. los ״Material“, das sich dem Suchenden präsentiert, oft ausgezeichnet. Und es ist mehr als eine zionistischmoralische Pflicht, die wir deutschen Zionisten hier zu er- 111l1״ IuIhii. Gelingt uns nicht, diese Leute (durch Aus- 5Pmclicabeiide in kleinen Zirkeln, belehrende Vorträge, systc-!!mische Schulungskurse) an uns licran/iiziehcn, so wircf ein . י "'ic cs leider schon heute geschieht, von den Reyisiomsicn gewonnen. Die verstehen es glänzend, solche Konjimk* zu benutzen. Die Objekte ihrer Propaganda sind Unuiricdene und Unwissende. Und daß die Abgeschlossenheit 1״cs tniigrantcndascins langsam verbittert und die Affekt- «Mionen sich auf die ״offiziellen Stellen“ entladen müssen,!euchtct ein. Der gute Willen der Menschen ist meistens da. Es gilt das, ,,s mehr oder weniger klar empfunden wird, zu fundieren, ointnisse zu vermitteln und langsam eine Basis zu schaffen, lc uns mit ihnen zusammen die Möglichkeit zu politischer 1 . nd gesellschaftlicher Betätigung gibt.! Vieles, sehr vieles von dem, was in bezug auf die;!״י n /■0״'*.<rn“ D'-agt wurde und noch zu sagen wäre, gilt i ,״J .1' ״r einen großen Teil der ״Zionisten“, die man hier ״trifft, Dutzende sind dabei, die seit zehn, zwanzig, dreißig , 1(!2re״ 'i'rc Beiträge schlecht und recht gezahlt, t>ei feier- I c״ett Anlässen fiir einen Abend sichtbar wurden, aber für deren Lehen Palästina und Zionismus ohne Bedeutung war. Es hat mich oft ergriffen, midi von denen, die hin und wieder ״zionistisch gearbeitet“ hoben und zum sicheren zionistischen Bestände gerechnet wurden, jetzt, ex post, liier in Palästina ■ ״ofeii zu müssen, wie wenig sie eigentlich an den Zionismus geglaubt haben. _ Aber in diesen Menschen, die immer nur an der Peripherie des Zionismus standen und Ihre l.ebensfuge, Inkonsequenz, Schuld (wie man es nennen mag), jetzt erkennen,. liegt ein starkes Reservoir an aktiven Mitstreitern in den inneren Kämpfen, die uns hier bevorstehen. Und wehe uns, wenn wir borniert genug sind, um Ressentiments zwischen dem und jenem, uralt zurückliegende Verstimmun- Kcn aus Meimingsschlachtcn von Vorkrlegstagungcn nicht radik 11 ah/tihaucn versuchen. Viele, viele dieser ״allen Zionisten“ )iahen eine Revolution hinter sich und wollen den Wieder,iiisdiluß. Von der seelischen Einsamkeit, die gerade m diesen Schichten anzutrcffcn ist, läßt sich nur schwer eine Vorstellung machen. Es gibt Menschen, die immer versagt liahcii, als Zionlsus in Deutschland schwere Arbeit bedeutete und die jetzt,!!ach dem ihnen unerwarteten ״Siege“ unserer Idee, hier im Lande die Worte ״ich" und ״alter Zionist" nicht oft genug in Verbindung bringen können. Es gibt andere, die ebenfalls wenig für den Aufhau getan, aber inzwischen gelernt haben und in sich gegangen sind. Es gibt eine stattliche Schicht von treuen Freunden, die, keine aktiven politischen Naturen, aber oft mit viel Kenntnissen und Erkenntnissen in die Struktur der Dinge, überall da, wo man sie hingesetzt, ihre Pflicht erfüllt haben und weiter erfüllen werden. Und es gibt schließlieh jenen Kreis von Zionisten, die bis zu ihrer Alijah Träger der Arbeit in Deutschland waren. II. Ein Satz, dessen Inhalt sich jeder Zionist bald nach seiner Ankunft zu eigen macht, lautet: Keine Verdienste von früher gelten hier. Man mag als Redner, Schriftsteller, zionistischer Lehrer unter den deutschen Juden Namen von Klang besitzen, ja die höchsten Würden lind Aemtcr im deutschen Zionismus erklommen haben, der Jisclmw weiß nichtr, davon, kennt nicht einmal den Namen. Und wüßte er es, es interessierte ihn nicht. Ja, der jüdische Musiker aus Deutschland, der bedeutende Arzt, der auf einem Spezialgebiete glänzt — dessen Name spricht sich bald herum. Auch ihn hat man vorher nicht gekannt. Aber ״Fachleute" sind in diesem Lande gefragt. Zionismus dagegen? Und doch ist echter, geistig fundierter, im Sturme erprobter Zionismus auch hier in Palästina und gerade hier in dem städtischen Jischuw dringend nötig, Viele zionistische Einwanderer aus Deutschland empfinden, daß die Brücke zwischen früher und jetzt abgebrochen ist. Zionistische Routiniers fühlen sich fremd im Rhythmus des neuen Lebens. Begreift man, daß gerade der, dessen Leben zuinnerst dem Zionismus verhaftet war, ehen um dieser Zugehörigkeit willen besonders zu leiden hatte? Denn er war doch kein ״Emigrant“ der das Recht hat, sich ״in der Fremde“ zu fühlen. Wir wußten sehr bald: es kann doch nicht anders sein. Neu, plötzlich in eine Realität verschlagen, Immer stand vor uns, in feurigen Lettern geschrieben: Verantwortung. Das Interessante und Charakteristische war. daß die Anregungen zu privaten Zirkeln von verschiedensten Personcngriippen kamen und mitunter während der gleichen Tage in verschiedenen Wohnungen dieselben Fragen besprochen und sogar merkwürdig ähnliche Ergebnisse gezeitigt wurden, ohne daß die eine Gruppe von dem Zusammenkommen der anderen wußte. Zwei Aufgabengebiete will ich hier streifen. Das eine: unsere moralische und politische Verantwortung für die Nicht- Zionisten sowie all jene, die von sieh aus den Weg zu uns nicht finden. Wollen wir aber andern wirksam helfen, so müssen wir gleichzeitig uns selbst helfen. Vielfältig sind die ningc, die auf uns einsfürmen; wir müssen dazu gelangen, die Realitäten des palästinensischen Lehens geistig voll zu bewältigen. Doch diese Klärungen, die im K.J, V., in einem mit anderen uns nahestehenden Kreisen des ״alten“ Jischuw gegründeten Klub erfolgen sollen, können eine Grundfrage nicht berühren, die als d i c Forderung der Stunde von uns erkannt wird. Ich meine die Notwendigkeit einer umfassenden Neuhclchung der zionistischen Bewegung. Denn unsere Zweifel und unsere Verwirrtheit resultiert weit weniger aus den objektiven Problemen von Wirtschaft, Kultur und Politik als aus der chaotischen Lage, in der sicli der Zionismus befindet. Gerade in letzter Zeit, also während unseres Hierseins, hat sich die Auscinanderreißung des städtischon Jiscliuw in erschreckendem Maße gesteigert. Dazu kommt, daß das unmittelbare Erleben stärker wirkt als geschricbcnc Sätze, die man so gern als übertrieben abtut. lind was die Verwirrung voll macht, das ist der unheimliche Kontrast zwischen der über Erwarten großen Entwicklung des wirtschaftlichen Aufbans und dem ״latenten Bürgerkrieg“, dessen Ausbruch nach Weizmanns krassen Worten (auf der Tel-Awiwer Versammlung der deutschen Sektion des hiesigen Keren Hajessod) nur der englische Poiiceman verhindert. ln diese innere Situation sind wir Zionisten aus Deutschfand hineingeraten. Ungeachtet aller persönlichen Sorgen, trotz unserer Neuheit im Lande und der Schwierigkeiten der Sprache empfanden wir das Bedürfnis, uns mit der zionistischen Situation auscin.uidcrzuset/en. Von vornherein war es klar, daß die tragende Gruppe der hiesigen deutschen Zionisten nicht ohne Beteiligung des östlich-palästinensischen Jischuw ln die Erscheinung treten könne. Mit den um Dr. uliicksohn, den Chefredakteur des ״Haarcz.“, gruppierten ״progressiven All• gemeinen Zionisten“ stellt unsere Gruppe in engster Fühlung. Lciigednnkcn sind klar: Kampf für die Einheit der Zionistisehen Organisation, radikale Reform der Kongresse, Weiter• entwicklung der zionistischen Theorie, Zentralisierung der Propaganda, Stärkung der Autorität der Exekutive, unbedingt tes und als Vorbild dienendes Eintreten für die nationalen Fonds. Außenpolitisch: Unter Wahrung der Integrität der zio• nistischcn Idee den realen Gegebenheiten Rechnung tragen und mit allen dazu bereiten Faktoren kooperieren. ״Partei der Vernunft?“ Gewiß. Aber politische Ratio gepaart mit zionistischer Leidenschaft. Wir werden nicht ohn״ mächtig z.usehcn, wie das Ideal einer jüdischen Wiedergeburt durch Interessen• und blutig geführte weltanschauungskämpfe seiner Würde beraubt wird. Von uns als zerstörend einpfundene Kräfte sprechen von ״Staatszionismus'‘. Verführen die Jugend. Aber es muß nicht sein! daß Parteigeist trium* nhiert und das Olücksge fühl der Volksverbundenheit im Krieg aller gegen alle endet, ln dem Kampf fiir den unverfälschten Zionismus liegt unsere Aufgabe, die wir mit den uns verwandten Gruppen gemeinsam in Angriff zu nehmen gewillt sind. Tragödie der Galufh, die auch hier sich manifestiert. Die luden kommen nicht nur aus allen Ländern und allen Schienten; auch alle Nuancen von Gut und Böse sind hier vertreten. Und Prospcritiy herrscht, der Mammon lockt. Ideen haben jefzt schlechte Konjunktur. Einst war charakteristisch für Erez Israel der Held der Arbeit, der im Kampfe mit dem Fieber das Land urbar machte. Heute scheint es un» oft, als ob das andere Extrem das Feld beherrscht. Ewige Gegen- Sätze, immanente Kampfe in jedem Volke. Die Lage des Zionismus ist ernst, furchtbar ernst. Um Verwirklichung dessen geht es, was uns, als wir Zionisten wurden, Traum und Gelöbnis zugleich war. Unwert der Exi• stenz ist ein Judenland ohne das Element der seelischen Wiedergeburt. Die Organisierung des Erziehungswesens Innerhalb der palästinensischen Judenschaft sind jetzt scharfe Diskussionen über die Frage der Ver- 'v a 11 u ng des Schulwesens ausgebrochen. Niemand wird bezweifeln, daß die Verwaltung des Schulwesens eine der wichtigsten Angelegenheiten des jungen Palästina Ist. Denn in einem Lande wie Palästina, wo sich eine grundlegende Umformung der Menschen vollzieht, haben die Schulen naturgemäß eine noch weit größere Bedeutung als in einem auf gesicherten Traditionen weiterbauenden Lande. Die Jugend, die in den Schulen erzogen wird, soll den neuen Typus des palästinensischen Juden darstcllen, und der Geist, der diese Jugend beseelt, wird vielleicht über das Schicksal des jüdischen Volkes entscheiden. Unter anderen äußeren Umständen wäre die Frage des Schulwesens wahr* scheiiilicli eine der Hauptsorgen der palästinensischen Juden und darüber hinaus drs Gesamtjudentums. Heute aber sind durch die politischen Kämpfe in der erhitzten Atmosphäre des Landes und durch die alles überschattende Wirtscnaftskonjunktur diese wichtigsten Fragen in den Hintergrund ge• drängt. So ist es auch wenig bemerkt geblieben, daß, wie die ״Jüdische Rundschau“ gemeldet hat, der bisherige ad• ministrative Leiter des Schulwesens, Dr. Berkson, sein Amt nlcdergclcgt hat. Diese Demission stellt im Zusammenhang mit den immer stärker um sich greifenden Dezentralisations-Tendenzcn. Während früher das hebräische Schulwesen einer fast völlig einheitlichen Leitung, die durch den Erziehungsrat (Waad Hachinurh) und die Erziehungs-Abteilung der Jewish Agency gebildet war, unterstand, ist seit der Uebergabe der Leitung des Schulwesens an den Waad t.eumi, die durch die Notwendigkeit einer finanziellen Loslösiing vom Budget der Jewish Agency verursacht war, immer stärker die Tendenz verschiedener Kreise hervorgetreten, ihre Schulen s e 1 bs t ä n d i g zu verwalten. In der letzten Woche hat die Stadtverwaltung von Tel- Awiw sich mehrfach mit dieser frage beschäftigt, und es scheint nun fcstzustchcn, daß das Schuldezernat von Tel-Awiw sich von dem des Waad t.eumi los lösen wird. Damit ist die größte Judcnsjcdlung des Landes aus dem einheitlichen Schulwesen ’heransgebrorhen, und cs liegt nahe, daß andere selbstcrhaltende Körperschaften diesem Beispiel folgen. Die Rtadtgenicinde Tel-Awiw, die administrativ und auch linanziell 1 einen unverglciclilirh größeren Aktionsradius hat als der '׳ Waad Leumi, hat sich diesem Organ der OesamtorganLation niemals richtig eingeordiiet, wodurch — neben anderen Gründen — die Oesamtorganisation überhaupt zu einem Schatten geworden ist. Die hebräischen Zeitungen, besonders ״Dawa r“ und ״H :1.1 r e t z“, wenden sich mit großer Entschicdcnhclt gegen die Dezentralisierungs-Tendenzen im Schufwesen. Es wird aiisgefiihrt, daß eine solche Dezentralisation die Spaltungen innerhalb des Jiscliuw auch auf geistigem und sozialem Gebiet noch verstärken würde. Auch wurde der bisherige Zustand, daß die Regierung mit der Leitung des autonomen jüdischen Schulwesens verhandelt, unmöglich gemacht werden, denn die Regierung mußte dann mit jeder cinzcl nen jüdischen Körperschaft in Verbindung stehen, so daß von einer Autonomie auf diesem Gebiet nicht mehr die Rede sein könnte. Ob diese Warnungen und der Appell an die öffentliche Meinung Erfolg haben werden, ist schwer vormsntschen, da die Stadtgemeinde Tcl-Awiw auf ihrem Standpunkt beharrt. Man muß hoffen, daß sich noch ein Kompromiß wird finden lassen. Das wichtigste aber ist, daß das Schulwesen eine aktive und geistig zielsichere Leitung bekäme, fn dieser Beziehung war auch die bisherige zentrale Leitung sowohl in den Händen der Jewish Agency als auch in den Händen des Waad Leutni zu schwach. Das palästinenaische Schulwesen ist zu groß geworden, um nur nach administrativen (finanziellen) und sprachlichen Gesichtspunkten betrachtet zu werden. Der Inhalt der Erziehung muß die erhöhte Sorge sein und da kann bei dem Mangel an vorhandenen Kräften nur eine konzentrierte Arbeit der Besten helfen. Keren Hajessod-Aktion in der Bukowina. Aus Czernowltz wird uns geschrieben: Als die heutige Keren Hajessod- Aktion in der Bukowina unter Leitung des Delegierten des Keren Hajessod-Hauptbiiros, Herrn Dr. B. Kontorszczyk, Anfang dieses Jahres in Angriff genommen wurde, sah man dem Ergebnis mit Rücksicht auf die um sich greifende Wirt- Schaftskalamität mit großer Skepsis entgegen. Um so überraschendcr war die Feststellung, daß die Aktion •ein besseres Resuftat als im Vorjahre gezeitigt hat. In allen Provinzstädten der Bukowina ist es gelungen, die Zahl der Zeichner bedeutend zu erhöhen. Auch in Ccrnauti geht die Aktion erfolgreich ihrem Ende entgegen. Dieser erfreuliche Verlauf ist einerseits auf das rege Interesse der Gesamtjudcnheit für Palästina zurückzufünren, andererseits ist er Dr. Kontorszczyk zu danken, der mit begeisternden Reden und zäher praktischer Arbeit die Sympathien der Bukowinaer jüdischen Bevölkerung sich erworben hat, und dem unser aller Dank gebührt. Dr. N. Denker. IN r י *I '11 Landeshutcr Leinen• und jGebüdweberei F.V. Grünfeld L—M Leipziger Straße 10-21 vom ». j>*1i st* 11. *״1״» Kurfürstendamm 117