Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SO, 27. VII. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 p'״׳i t; :er* f iincr * f *!גז' leuffiipiiicum^ 11 FsiSsliio? Neue Misrachi-Gruppcn, neuer Kur» im bürgerildtcn Lager ‘ (Von unserem Berichterstatter) h. Tcl-AwKv, 20. Juli. In der Innenpolitischen Entwicklung des Jischuw scheint {״den letzten Tagen eine Wendung eingetreten zu sein. I;,ßt sich heute noch nicht mit Sicherheit feststcllcn, ob cs jjclt um ei״c grundlegende rcndciiziindcrting mler um einen bloßen Spaltungsprozcß einiger Gruppen handelt. Jedoch scheint die Gleichzeitigkeit einiger Ereignisse auf eine all- «meine Richtung hinzuweisen. Im Burgerlagcr, das seit eini- «n Jahren im revisionistischen Fahrwasser sich zu bewegen schien, scheint jetzt eine Reaktion cingetrcten zu sein. Das erste Zeichen dieser Reaktion ist die Spaltung der Misrachipartci. In dieser Partei, die seit so vielen Jahren ihre Einheit bewahrt hat, vollzog sieh ein DifferenzicrungsprM(’II> vier bekanntlich zuerst zur Trennung des deutschen Misrachi von der Weltorganisation führte ,״,d jetzt eine Spaltung der Partei zur Folge hatte. Pen äußeren Anlaß zur Spaltung bildete die Frage der Teilnähme an dem Waad Leu in i, die eigentlich gleichbedcu• (end ist mit der F rage der Teilnahme an der autonomen Körperschaft der Juden in Palästina, der Knesset!! Israel. Fici den letzten Wahlen zur Dclegiertenversammlung (Assefath üiwchariiu) haben die Arbeiterparteien und die Liberalen eine ,Mehrheit erreicht, die sieh in dein Lxekutivkörper der Knesseth Israel, im Waad Leumi, widerspiegclt. Die Farmer orga• nisation nahm an den Wahlen nicht teil und ist auch im Waad Leumi nicht vertreten. Vor einiger Zeit haben sich auch die Revisionist e n vom Waad Leumi zurückgezogen. Pieses Ereignis hat den Misrachi, in dessen Leitung die revisionistischc Richtung Oberhand gewonnen hat, dazu veranlaßt, denselben Weg zu wählen. Ein solclier Schritt mußte jedoch bei einer Partei wie der Misrachi, bei der das religiöse Moment die gemeinsame Basis bildet, in allen anderen Fragen jedoch starke Meiuimgsdiffercnzen bestehen, zu internen Konfüktcii führen. F111 Zusammenhang mit diesem äußeren Anlaß wurde die Frage ״Koalition oder Opposition“ aufgerollt. Der Misrachi hatte bis zum letzten Kongreß die Tradition bewahrt, fast an jeder Koalition teilzunclimen und mit den zionistischen Körperschaften zusammenzuarbeiten. Beiin letzten Kongreß wurde dieses Prinzip durchbrochen, und es entstand eine Divergenz zwischen der offiziellen Richtung des in Palästina »mtierenden Welt misrachi und der Politik der paliisfincnrischen La n d c s partei. Während die Weltorganisation zu den schärfsten Mitteln der Opposition griff, und sogar die Fonds boykottierte, arbeitete die Lamlcspartci durch ihre Vertreter im Waad Leumi mit den bekämpften Gegnern harmonisch zusammen. F)i eser Widerspruch hat zu einem Konflikt wischen der Exekutive des Weltverbandes und einem bcträchtliclien Teil der Landesorganisation geführt. Herr Färbstein und Rabbi Fischmann versuchten, im Namen der Welt- Organisation auch in der Landespartei die Politik der scharf cn Opp 0 sit i o n gegen die jetzige Exekutive der Jewish Agency in der Gegnerschaft gegen die Arbeiterpartei durchzuführen und dem Misrachi eine ausgesprochene revisionistische Richtung zu geben. Sic erhoben die inisrachistischc Parteidiszipiirt (auch in außerreligiösen Fragen) über die zionistische Disziplin und zogen schließlich die Konsequenz, daß der Misrachi den Waad Leumi verlassen müsse. cn!׳ t Riese Belastungsprobe hielt die Partei nicht aus. Der ra־ | Vertreter des Misrachi, Rabbi Ostrowsky,. blieb bei I m? Sc'ncr 'm Waad Leiuni und erklärte, daß seine Teildie S; 3״'lmc c'llc »,individuelle“ sei, wobei er von verschiedenen ikh 1 Kreisen des Misrachi unterstützt wurde. Gleichzeitig wurde ׳ •סזין' di•* Richtung des offiziellen Parteiorgans des Misrachi, setz ״Hator“, einer scharfen Kritik unterzogen, und nachdem diese bc• Zeitschrift nicht nur in der Richtung־, sondern auch iin Ton , ach den Revisionisten angepaßt hat, erklärte der Vorsitzende |j ües Welt misrachi, Rabbi Berlin, daß er jede Vera 11t- ,; "Ortung für die Leitartikel dieser Zeitung illil; äblchnt. Der Beschluß, sielt vorn Waad Leumi zurückzu• bc■; ziehen, wirkte besonders unmotiviert, nachdem die jetzt in rlaa f; (1״ Knesseth Israel ausschlaggebenden Kreise sich zu großen!!in j Konzessionen im Wahlgesetz, an die Farmer und andere labe | Kreise bereit erklärt hatten. Die Zentrale des Weltmisrachi ן nahm gegen Rabbi Ostrowsky Stellung, und nun blieb nur der ׳®; ]"ץץCS (lrr Spaltung offen. l Eine Gruppe des Misrachi, an der Persönlichkeiten wie Ver Professor Pick, Oberrabbiner Kuk, Hermann Struck, j in *i n .Wolfsbcrg, Rabbi Assaf, Rabbi Berman,! keit ז "*!,W Ostrowsky usw. tcilnchmcn, bildete eine; . .j neue Partei, die bereits eine programmatische Erklärung ׳’; veröffentlichte, in der für den Misrachi der Primat der 1 ״(j | religiösen über die politischen Fragen betont 1jf[C י "ird. Die neue Partei, der ״Misrachi hawatik“ (״Alt-Miskeit; rachi"), stellt sich auch auf den Boden der Zusamihren 1״«narbclt mit der Zionistischen Exekutive und lehnt j die Unterstützung der Revisionisten ab. Die Mitarbeit an ן nationalen Fonds wird bejaht. Der Kontakt mit dem Ha- 1i Poel-M Israchi soll enger gestaltet werden, da diese 14 Gruppe sich wahrscheinlich der neuen Richtung anschlie- > I* »cn wird. veil ' . * den 1,!f j , Die Spaltung des Misrachi gewinnt besondere Bedeutung!111a 1;•ןm Lichte der allgemeinen Entwicklung auch in anderen büratii! ßertichen Kreisen, die eine Reaktion gegen die pro-revisio- |} *Wische Politik anzudeuten scheint. Die Zeitschrift der üiffki yDgemei n cn Zionisten der Gruppe B, ״Hazioni wirf; Haklaii«, hat ihre Redaktion und Richtung geänins. jj «ert, Bis jetzt war die pro-revisionistische Richtung dieser;; Zeitschrift ganz unzweideutig. Man führt diese Kursänderung J •ul die Einwirkung der neuorganisierten Gruppe der pro- I; _ Der Sabbat des Trostes Der auf den großen nationalen Trauertag des jüdischen Volkes (§, Aw), an welchem die Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch Titus beklagt wird, folgende Sabbat führt den Namen ״Schnbbath Nachamu״. Das Wort ״nachamu" (tröstet) ist das erste Wort des 40. Kapitels Jesaja, das an diesem Tage als Haffara verlesen wird. Wegen der großen Bedeutung dieses einzig dastehenden Stückes geben wir aus dieser Haftara (für Sonnabend» den 23. d. bl.) ein längeres Stück wieder, als wir es sonst tu tun pflegen. Tröstet tröstet mein Volk, spricht euer Goil, zu Herzen redet Jerusalem und rufet ihr zu, doli vollendet ist Ihr Scharwerk, daß abgegnndet Ist Ihre Schuld, daß gedoppelt von SEINER Hand He cmpflingt für all Ihre Sündenbußen. Stimme eines Rufers: In der Wüste bahnt SEINEN Weg, ebnet ln der Steppe eine Straße für unseren Gottl olles Tal soll sich heben, oller Berg und Hügel soll sich niedem, das Höckrige werde zur Ebne und die Grote zum Gesenk I öffenbaren will sich SEINE Erscheinung, alles Fleisch vereint wlrds sehen. Ja, geredet hals SEIN Mund. Stimme eines Sprecher»! Rufe: Es spricht zurück: Was soll Ich rufen! alles Fletsch Ist Gras, all seine Holdhell wie eine Feldblume! Verdorrt Ist das Gras, verwelkt Ist die Blume, da SEIN Braus sie angeweht hat! - Gewiß, Gros Ist dos Volk, verdorrt Ist dos Gras, verwelkt Ist die Blume, aber für Weitzel! besieht die Rede unseres Gottes. Auf einen ragenden Berg steig dir als Glücksmflrbrlnßcrin, Zion, schwing hoch mit Kraft deine Stimme als Glücksmfirbrlngrin, Jerusalem, schwing sic hoch, fürchte dich nimmer, sprich zu den Stödten Jehudas: Da, euer Gottl da, mein Herr, ER, er kommt als der Starke sein Arm hat für Ihn gewaltet, da, bei Ihm Ist sein Sold, vor Ihm her sein Werklohn: wie ein Hirt weidet er seine Herde, Lämmer hölt er In seinem Arm, trögt sic an seinem Busen, die Mutterschafe leitet er sacht. Jesdiaiahu 40, Vers i—ii (Uebersetzt von Martin Buber) gressiven Zionisten zurück, an der besonders viele neue deutsche Einwanderer sieh aktiv beteiligen. (Ein Teil der Mitglieder dieser Gruppe wirkt im Rahmen des Verbaudes Allgemeiner Zionisten im Lande, ein Teil hat sich aus prinzipiellen Gründen in diesen Rahmen nicht cingcfiigt.) Am Fndc wäre noch der Differrnzicrungsprozeß in den Kreisen der Farmerorganisation zu erw,ihnen, der heute zur Veröffentlichung eines Abkommens mit der Arbeiterorganisation geführt hat, und der in seiher Bedeutung hinter der Spaltung der Misrachipartci nicht zurücksteht. Es handelt sich zwar hier um eine rein zahlenmäßig kleinere Gruppe als der Misrachi, jedoch das Wirtschaftliehe Gewicht dieser Gruppe verleiht ihr eine besonderc Bedeutung. Gemeint ist die sogenannte Gruppe der ״Nationalen Farmer“, die sich als selbständiger Verband organisiert hat, um später in der allgemeinen Farmer- Organisation aufztigchen. Die extreme Politik der Farmerorganisation. die zu starken Gegensätzen mit der Arbeiterschaft und anderen Kreisen des Jischuw führte, hat die Neuorganisierung der ״Nationalen Farmer“ zur Folge gehabt. Die nationalcn Farmer haben linde Juni auf eigene Hand Verbandhingen mit dem Exekutiv-Komitce der Arbeiterorganisation und mit dem ״Merkas Chaklai“ (Zentrale der Landarbeiter) bcgönnen, die jetzt zu dem Abschluß eines Uebercinkommens geführt haben. Die Quintessenz dieses Abkommen» Ist die Vcrpflichtung der Arbeiterorganisation, ein Drittel der ankotnmenden Chain7.im zur Arbeit in Pflanzungen der Nationalen Farmer beiz ustellen und die Arbcitsqualitiit der Ncticinwandcrcr durch alte und erfahrene Arbeiter aus dem Emek zu stärken. Demgegenüber verpflichten sich die Nationalen Farmer, die Bauarbeiten in der Kolonie in der landwirtschaftlichen Saison zurückzustcllcn und den Neu einwand crem ohne Rücksicht auf die Produktivität Ihrer Arbeit In den ersten zehn Tagen den vollen Lohn zu bezahlen. Eine große Konzession der Arbeiter- Organisation bedeutet die Zustimmung zur Ent lohnung im Verhältnis zur Leistung eines Jeden Arbeiters nach Ablauf der ersten zehn Tage. Der Hauptzweck dieses Abkommens ist es, die Frage der Jüdischen Arbeit in der Scharon-Ebene zu lösen, Die Bedeutung des Abkommens liegt jedoch nicht nur au! diesem Gebiete, und cs ist vielleicht als Versuch einer Verständig ung mit der Arbeiterschaft als bedeutsatner zu betrachten als cs vom reinen wirtschaftlichen Stand* punkt aus gesehen erscheinen mag. Alle diese Erscheinungen: die Spaltung des Misrachi, die Neuorientierung bei den Allgemeinen Zionisten und das Abkommen zwischen Nationalen Farmern und der Arhcitcrorgani* satlon, sind symptomatisch 11ml weisen auf eine Oä• ru n g in bürgerlichen Kreisen Palästinas hin. Der progressive Flügel versucht, eine selbständige Politik zu führen und sich gegen die revisionistische Hegemonie atifzulehnen. Selbstverständlich ist es noch verfrüht, endgültige Schlüsse zu ziehen. Es handelt sich zunächst um einen Dil fe• renzierungsprozeß, aus dem sich langsam neue Grup* pierungen hcrauskristallisieren werden. Die Stärke der neuen Gruppen und ihre Entschlossenheit, eine selbständige Politik zu verfolgen, lädt sich einstweilen noch nicht beurteilen. Zentralkomitee des Misrachi einberufen Wie die Exekutive des Misrachl-Wcltvcrbandes mitteilt, Ist eine Tagung des Zentralkomitees des Verbandes für die Zeit vom 15. bis zum 19. August nach Lemberg einberufen worden. 26000 Arbeiter in jüdischen Kolonien Icritsalem (Palcor). Nach provisorischen Nachrichten werden im Laufe dieses Herbstes in Palästina durch Juden zirka 25 000 Du 11 am neue Pflanzungen angelegt werden. Mit den bereits vorhandenen Plantagen wird auf diese Weise bis zum Schluß des Jahres 103t die Fläche der jüdischen Pflanzungen in Palästina auf zirka 150000 Dumm steigen. Nach Berechnungen aus Fachkreisen werden auf dieser Fläche der jüdischen Pflanzungen in deii Kolonien, zusammen mit den hiermit verbundenen Arbeiten, am Ende des Jahres 1931 nicht weniger als 25 »)00 Arbeiter beschäftigt sein, bereits im Jahre 1930 gegen 37 900 Arbeiter. Die Gefahr der fast völligen Arabisicrung der jüdischen Kolonien Palästinas ist nur durch verstärkte jüdische Arbcitercinwanderiing möglieh, die vor allem in die jüdischen Kolonien gehen muß. Jr (Weitere Bilder siehe Seite 9)!^4 *!j ץ“'-'.־1״י^ילי7׳1“׳ירל י י; 'י .* * <;*n י‘,, ־1 w v ' 4',׳V ■■1 »'־ i V ,.4. ' j . G• ׳־'■'״־ ייZT' *. V&• :■ )!;ך ■ ifZ, i'rh‘■■!' 8;.־ ״•יעי•:4^ ו Jl’.’ 1 W .״׳V f V׳! ״t dl ר* v ־ d kJl f L lia -■i. Hinttr dem Sarg Bialikt Witwe und ihr Vater, towie Bialik* Bruder . v '4 > Di* Ehrengarde der TtUAwiwtr Polizei an der Spitz* de* Trauerzuget Phote! Onahktt lef $.;c׳ ' seW ' de» inen f'■ •'j j«ןא־ןיי׳ 1' , ן ■ t ■: '1: ״י! i! Sj« ־: Mi I r!! U j) |1 ' ü J G-iJ ^•4 BEGINN MONTAG, DEN 30. JULI lief [. S־ SEIDENSTOFFE, WOLL- UND WASCHSTOFFE '1; KLEIDUNG — LEIBWÄSCHE — TRIKOTAGEN ,־STT?״ '"׳״"״.aM 1"W""*. f (QD y גן, jfjuv ,1 Ti io׳ i BERLIN C2• SPANDAUER STRASSE• KONIGSTRASSE