Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1934)
- Date
- 1934-07-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I fl 24 ,59 .תא. VII. 1934 jeder Poltisiinafrß׳*cn im Unterhaus *' ו. I i 01״ 1!U׳ ■!er. :• ׳ ׳ihr ' ״/• ‘ 1'fn,! I j ■ י״; ו 1 /u Ml!!0. y ן:ן;1״i 11;r t.j ll'l! J־ tZ j-j! ן •tlic Ihn S'j■ i ־ .״■hf 0; i״l rift :11: u London, 18. Juli. (J.T. A.) Im englischen Unterhaus« ״je (;aptaiu Stncklaud den Kolouivuiuiiiistcr, 011 die 500 ,u-riile״ A ־י h e i ( c r, die tlemnachst fiir bestimmte 1•'1,werbeu n d llaitüwcrksnvti(7 )׳nr Einreise 11.1. pil.isliiia /iigclassen werden sollen, außerhalb der vort'r fiir das Halbjahr bestimmten Zertifikate•(,»uole bleiben 1Uni, I)er K ° 1 11 ״' L11 1,1' " l.s 1er antwortete, diese 500 ycl,;1tt1,n Personen fielen nicht in die Kategorie der ukiler-l iiiMaiulerer; ihre Einwanderung habe daher auf!!> Halhjdirsquotc der Arbeitcr-Elnwandcrungs-Zertifikatc fiel) Einfluß• p;1p!:1in S t r i e k 1 n nd richtete sodann an den Minister ״eitere Eragc, ol> er im Hinblick darauf, daß der Be- ■ |1t des I nndwiitschnftsdepartements der Palästina-Regierung i.1f Juni 1011 über die Ernleaussichten A r b c i t c r m a 11 - ,זI liesouders in den Dörfern der ['.bene und an den Flügel- Sl1;111f,׳e11 i'1 dem ausgesprochen arabischen Distrikt Gaza- Vies'dsdet fesfstellt, der auch durch die Zuwanderung von Beduinen aus der Sinai-Halbinsel nicht behoben wird, von ■cr Art befriedigt sei, wie die Statistik über die Arbcits• lojigloit unler den Arabern Palästinas geführt wird. ‘ Sir Philip ('ח וו I i f f e - E i s t e r antwortete, er habe den ״in, t1״ Ile rieht nicht erhalten, würde aber die Feststellung vniwUbeitermangcl in einem einzelnen Dorf oder Distrikt nicht ,15 ein Anzeichen fiir die Unzuverlässigkeit der Arbeits* Jose n-S t a ti s t i k für ganz Palästina betrachten, dcrzufolgc « bmle April M 0110 arbeitslose Araber gab. In den Ifi/ten Jahren seien verschiedene Mallnahmcn getroffen worden,um das System der Sammlung statistischer Daten zu ver• bessern: jetzt’ habe inan die Errichtung eines statistischen 2e11(ra!hi1n>s vorbereitet mul mau hoffe, durch dieses mit der Zeit genauere Statistiken über Arbeitslosigkeit und andere Gebiete erhalten zu können. A. d. Red.: Statistik ist eine schone Sache, aller wenn es j4(KKI arabische Arbeitslose in Palästina gibt, warum I״i5w11 dann ans dem II au ran Araber als Arbeiter herbeigerufen werden? Die sogenannte arabische Arbeitslosigkeit jst eine Legende, die Anwendung eines falschen Wortes, JCnn wenn ein Fellache vorübergehend nichts zu Um hat, ist er nicht ein ״Arbeitsloser“ im europäischen Sinne. Hatte die Regierung Arbeitslosenunterstützung zu zahlen, wäre sic «will nicht so groll/iigig in Zuerkennung des Titels ״Arbcits- ’eser". de :/CK ״kn 1ule- I e s auf inen aber nige verver* der der /un- :neu Teil “ 11 CI rch* 1 rte. iten :\vc• (P"• rinc :rti•?״:■ nie, ten, :lief! 110 AA die ihm 1ie!i ׳'ine!1en 1a e 11 711 Irr- 11־11: für ׳,;1:1. 11־11! CHI ml. kr״ im er• ז ■ich •01; I! fr I;ch .011־ mit ia4 zti 5111, Ul« wie ״ f. er* | das ן mit Gute Ernte, Arbeitcrmangel Her ״I . i I d i c 11 s t f ü r A11II e n h a n d e I und Ausliids w'ir t s c 11 a f t“, Berlin, berichtet aus Jerusalem: ״T>ie Mt-Mun^rn iihor tlic buvorstHicmlc und berpits im 01mg befindliche K r u 1 c nuf nMni l.m<hviiKrh,tj'(|idtcu frrljiVien ]am* [üi gut und ii b c r <1 u r r 11 4 r h n i 11 1 i c I». Jcdodi mach! sh 11 i״hI1 brnu ln r!« liU’U di.s Diiortor of Agriculiurcand Forints ein s!,trbr Man 1*1״ an!;ind lirhen Arbeitskräften bcfmikU.ir, ih r bi^nnik’rs die siidiFtlit lien lte/iike lnvintltiljt. i)i1‘M־r?1 ,!!י m'I M.il tnlweisc s<> si.nk sein, «laß!,!rnteverlu^c infolge der kl Irn FuUtMrbt'iter briurebtet werden. Die Arlx-itslohnc für Ui nUufcr haben siel» in einzelnen Bezirken ver«h>011נן«ן. Die Vc5 pjoin^־ nn Arbeifskraflen in den grnnnnicr* (schielen Ft lim״ eines Ztutroms von Beduinen aus der Sinai-Halbinsel, die ciurdi die gesteigerten l.olmc nngelorkt werden, zu verzeichnen. Tum aller Jhojiag.imlu fiir jüdisches Bauerntum iUlit nur ein verluiltni-iniihig geringer l’iozcnt saU ihr jüdischen H׳ vülkefim״ dir lainlwin srbaii liehe Arbeileii zur Verfügung. Wo Juden sm h landwirl 1-eliaftlttdi betiiiigen, pcM'liielit es meist auf f!g׳nem '־*iedlnng-gniiHl, J ii d i s c 11 c T. a n d a r b c 1 t e r ver- Ui1.1״-n Mrh ־-.dien nneh atißerluilb. Hie 11 an k o n j u n k t u r bielet bc deutend liüherc Fftbiu׳, als sie die l.andwirt >eh:tft zahlen L!nn. uni abwubirri die /, 1111 der zur Verfügung stellenden Arbeiter in den Sbidtrn, In der jiidiM-hen Tnmdwin'-ehafl wrnlen dedialb vi!!i idi niabi-rlM* 11ilfskrü fle und Beduinen verwendet, deren LMmr «i il imier den jüdischen Arbeit-lohnc'it fiir I״amlwirts׳׳h;1U ümi h-ondit^ jür Bauwirtschait liegen.“ DerHericliterstatter vergißt zu erwähnen, daß der Mangel sn l.intllichcu Arbeitskräften, ebenso wie das Fehlen jüdischer Landarbeiter auf die verfehlte E i!1 w a n d e r 11 n g s p o I i - tjk der englischen Regierung zurückzufuhren Ist, te aus politischen Orüntlen nicht mehr Juden ins Land lassen will. Fs ist unrichtig, daß cs keine jüdischen limlarhriter gibt. Vielmehr ist gerade die Landarbeit der Beruf, zu dem die nach Palästina kommende jüdische Jugend liinstrchl. Wenn aber im Laude solche wirtschaftlichen Be- (lingimgeii herrschen, die in folge des l.ohniintcrschicdcs und des Mangels auch an städtischen Arbeitern die Anziehung«• leaft der Stadt unnatürlich erhöhen, dann ist es kein Wunder, daß sowohl unter den Juden als auch unter den Arabern die Lohnarbeit auf dem Lande zu wenig Anwärter findet. Steigerung der Keren Hafessod - Zeichnungen in Palästina Ls [st gelungen, den letzten Keren-Majessod* urive in Palästina itnter Leitung von Dr,׳ Alexander holdstein erfolgreich diirchzuführcn und nicht nur die pli der Zeichner zu erhöhen, solidem auch die Aktion als *:״die beim lischuw zu vertiefen, Die Zeichnungen sind von 11' (nlK! im jahre Vm bis zum 1. Juli bereits auf £P 20 600 gestiegen. Die Aktion seihst wird fortgesetzt. Van besonpfm Interesse ist, daß die deutschen Olim in den d.idten von besonderen Komitees bearbeitet worden sind, 'ind in ,!ei, sieben Monaten dieser gesonderten Aktion wur- "CJ allein von den deutschen Olim über £P 4200 auf- Sebradit. Auch diese Aktion wird fortgesetzt. Der ersle große KuKur-Tonlilm ans Palästina Ans Jerusalem wird uns geschrieben: Durch che Filmgesellschaft, zu deren Gründung der pri'u Hajessod die Initiative ergriffen hat, wird seit '״elireren Wäidieii in Palästina ein Tonfilm gedreht. Die *nierikanisclio (iesellsehaft Fox Movietonc hat einen ihrer plcn Opcraimip,^ t|cn Kameraniann Charles Herbert, nach 1 •־Daslina geschickt. Herr Herbert hat im Laufe von einigen Jahren eine Reihe ausgezeichneter Kulturfilme aus dem 11־’nen uiul Treiben in 20 verschiedenen Landern erfolgreich *11k'cnoinmcn, die in der Filinserie ״Magic Carpet“ überall ״ckannt geworden sind. per erste große Paliistina-KiiHurtonfilm refgt in rasen Wechselnder Bildfolge das Tempo des jüdischen Aufbau- Ypks und die Entwicklung des Landes, die jüdische Stadt el-Awiw, Alt- und Neu-Jerusalem, das aufbliihende Haifa, 1 Bufuicklmig des Cmek Jcsrcels und seiner Siedlungen, "1ז". Beginn neuer Kolonisation im Emek Cliefer usw. _D1e Chuneii Bildiolgen werden von stimmungsvoller Original- 'unsik untermalt sein. Aber auch hebräisches Wort und 11c- ״aischcs Lied, direkt durch die Tonkamera an Ort und :’teile aufgeiiommen, werden von der ,Leinwand ertönen, üeber 10 000 in Aufnahmen sind bereits gedreht und unter- ״cRs nach den Movietone-Atcliers in New York, »׳o die Du bearbeitung erfolgen soll. Die Aufnahmen des letzten 1ps des Films sind i’m Gange und nach etwa drei Monaten "‘ך die Premiere des großen Palästina-Tonfilms in New *°rlt und den anderen weltzentren erfolgen. ׳JÜDISCHE RUNDSCHAU *Times״ über die Lß׳*e 1111 Zionismus Die Londoner ״Times“ vom 21. 7. bringt unter der l'ebcisrluilt ״Krisis im Zionismus" den ersten Teil eines Aufsnt/es eines Jerusalemer Korrespondenten, In dem u• a. folgendes ausgefulirt wird: Seit 15 Jahren wurde die Idee der jüdischen Ansiedlimg in Palästina der Welt durch die Zionisten ]näseiiliert als ein Mittel, durch das da* jti- 0ist he Volk diii eli Berührung mit dem Boden erneuert werden sollte. Landwirtschaftliche Kolonisation war daher das Hauptziel. Die Entwicklung tler Orangciiinduslrie als der Haiipüpiello des I niules war die natürliche Folge dieser Politik. Juden, die kein großes Interesse »in Zionisnuis hatten, sahen, daß tlas Nalionalheim ein gutes Geschäft zu werden begann. P r i v a t k 11 p i t a I floß nach Palästina, der Aufschwung begann, und die Einwanderung nahin einen verschiedenen Charakter an, Das war noch vor zwei Jahren. Fs wird dann ausgefülirt, «laß durch die antijlidischcn Bc- Strebungen in Europa tler Drang nach Palästina sich iwturfemiili verstärkte. Der Verfasser schätzt die jetzige jüdische evölkerung auf 250000 Menschen. Der Autor kommt ausführlich mit den Revision fsm 11 s zu sprechen und führt nus: ״Die Entwicklung des jii- *lisehrn Natioualhewnßfscins hat die revisionistische Bewegung Refördert. Die Revisionisten, die von dem fanatischen Win* ilimir Jabotiiiskv geführt werden, haben sich die Symbole und die Ideologie des Faschismus zu eigen gemacht. Sie sind die Oppo silion im Zionismus. Sie siml verfeindet mit der ilistadruth, weil sie sozialistische Ideale habe, und auch weil sie meinen, daß durch die Annahme der Einwanderung«- Bedingungen für Juden nach Palästina ein Verrat au der jüdischen Sache geübt wird. Sic glauben, daß die Zio* nistisclu■ Exekutive, wenn sie nur eine Anstrengung machte, die briiisciie Regierung zwingen könnte, ihre Bedingungen anziiiielmicii — nämlich, daß die Mandatnrmacht Palästina und Transjordanicn in eine britische Kolonie umwandcln, alles unbebaute Land enteignen und gegen 100 00» Juden tiaraul ansicdcln sollen. Unterdessen organisieren sic eine illegale Einwanderung in großem Umfang und bringen nach Paläsfiiia junge Juden, tlic voll von revolutionären Ideen siml um! den britischen Behörden viel zu schäften machen. Flank ihrer Aktivität hat Tel-Awiw, das früher eine Mustcrstadt war, einen schlechten Ruf (״an unsavoury reptifation“) bei Polizei und Behörden bekommen. Da die Revisionisten offen die freie jüdische Einwanderung nach Palästina torclern, während die Zionistische Exekutive ihre Wünsche den Bedingungen anpassen muH, die die britische Regierung Stellt, so scheint cs, daß efie Revisionisten Anhänger ge- \s innen, mul Großbritannien kann noch mit ihren Führern als offiziellen Vertretern der Judcnhcit zu tun bekommen.“ Ein weiterer Aufsatz, zu dieser Frage ist angekündigt. Brief von unterwegs Wir haben in leizier '/,eil von mehreren Seilen Brleftl xuf!eschicht erhallen, die aiistvandernde Chalnzim ans Deutsch• land von der Heise an ihre Ellern geschrieben hohen. Diese Briefe, die wir natürlich nicht sämtlich ahdruchen kennen, sengen von gehobener Stimmung und von der Entschlossenheit, den IPeg des jüdischen Neuait/haiis zu gehen. Einem Briefe eines mit der ״Italia“ reisenden Ciialuz entnehmen wir folgende Stellen: An Bord der ״Italia'• auf dem Mittelmcer, 10. Juli. Grandios war der Abschied am Anbaltcr Bahnhof. Vor dem Wagen, in dein wir fuhren, hatten sich einige hundert luden angcsammelt, Männer, Frauen, Kinder, und als sieh der Zug in Bewegung setzte, da entrang sich allen nur ein Schrei: ״Lehitraot bcercz Jisrael“. Der Abschied war ergreifend, und obgleich ich keine Verwandten unter den Zuriickblcibcndcn hatte, so fühlte ich doch etwas von der gewaltigen inneren Kraft, die mich mit diesen Leuten, und sic wiederum mit mir auf geheimnisvolle Art verbindet. Eine Art, die ja heute leider noch oft bestritten wird, die aber niemand leugnen kann, der je eine Alijah miterlebte, Seit diesem Moment fühle ich mich stolzer denn je, Jude zu sein. Ich habe zwar nie mein Judentum verleugnet, wie schön und erhaben es aber ist, mit dazu 7.11 gehören, das begreife ich erst seit diesem Abschied und dieser Fahrt. In Leipzig stiegen noch einige Chawerim zu. und cs wiederholte sich tlas gleiche Ereignis wie am Anhalter Bahn* hof, alt und doch wieder neu und reizvoll. Dann kam Oesterreich. Unterwegs trafen wir den Pariser Zug, und da kam das nächste Erlebnis. Unserin Abteil gegenüber stand ein Wagen 1. und 2. Klasse: gelangweilte Gesichter blicken daraus, lind mir einer fragte übers Fensterbrett neugierig, wohin wir wollten. Da stimmten wir als Antwort die Klänge jenes wunderschönen l.icdes an ״Chawerim, Chawcrot“, das inlinltlieh unseren Willen und unseren Weg schildert. Als die letzten Klänge dieses l.icdes verklangen, setzte sich gerade der Pariser Zug in Bewegung: aber welch ein Bild: An allen Abteil feilstem, gleichgültig, ob 1., 2. oder 3. Klasse crschicuen soweit vorhanden die Juden, 11m 1111s Lebewohl zu wünschen und Glück auf die Reise. Hinüber und herüber klang cs: Schalom, lehitrnot, Beschanah habaali Be Jerusdiolajiin, In Jugoslawien sah ich elwas Besonderes. Es war da ein Reisender 1. Klasse, sehr fein, sicher ein hohes Tier. Ich glaubte, er hätte uns gar nicht bemerkt; aber dann stieg er an einer kleinen Station aus, der Zug brauste weiter, während der Mann auf dein Bahnsteig sinnend zuriickblicb, Schon verließ der letzte Wagen die Halle, da ging es durch diese feine westeuropäische Gestalt wie ein Ruck, wie etwas Urspri'mgliebes, das lange überwuchert war und nun mit gewaltiger Naturmacht wieder 711111 Durchbruch kommt. Plötzlich stand auf dem Bahnsteig ein Jude, tler den Huf vom Kopte riß, während ilun dicke Tränen tler Rührung über das Gesicht kollerten, uns nachrief: ״Lehitraot, lehitraot bc Frcz Jisrael!“ — Was mag dieser Mann empfunden haben in diesem Augenblicke? Ich mußte dabei an Cliamisso denken, wie er von dem Mann spricht, tler seinen Schatten dein Teufel verschreibt und dafür alles erkauft, was tlas Leben schön sind lebenswcrt uiaclit. Aber er kann doch nicht genießen, ohne Schatten geht cs eben nicht. In Triest kamen wir todmüde mit 20 Minuten Verspätung an und übernachteten im Chalu/licim. Das ist eine riesige Jugendherberge mit weit über 500 Betten, sauber und komfortabel. Wir aßen noch etwas, brausten uns ab und fielen in die Bctlen, Der nächste Vormittag verging mit der Pallkontrolle, so daß wir von Triest wenig gesehen haben. Auf unserem Dampfer fährt auch Bialik zu seiner letzten Ruhestätte. Wir Chawerim aus der deutschen Alijah haben eine Ehrenwache für ihn von Je zwei Mann aiilgcstellt. Die lernen ununterbrochen oder lesen Tanach. Ich selbst stehe Wache vormittags von 0—10 und abends von 12—1. Das ist eine große Ehre und auch eine Mizwc. Ich lese Tanach heute Abend aus dem lliob. Gegen die gefälschten Talmudzitafc. Die Freie Ver• einigu 11 g für die Interessen des orthodoxen ludentums läßt soeben eine kleine Broschüre ״Mißvcr• sfandene und mißdeutete, Talmud- und Soharstdlen“ er« scheinen, in der einige der am häufigsten benutzten Talmud- Zitate auf ihre wirkliche Bedeutung zurückgeführt werden. Auch gegen die Bl u tb esc hui df gu n g wird ln dndruckl• vollen Ausführungen Stellung genommen. Seite 7 Vom JPraf!a-cr Raw״ Aul dem jüdischen Friedhof In der Warschauer Vorstadt Prag.ר brach In der Nacht zum 19. (I. M. ein Branc! aus, der sämtliche Verwaltung*- ßctilludc und Magazine vernichtete. E* wurde lestgestellt, daß der Brand gelegt worden Ist: man fand in Petroleum getauchte Lumpen und auch Pctroleumbeliälter, die zur Brandlegung benutzt wurden, Die nachfolßcnrlc Reminiszenz, unseres Mitarbeiters berichtet Uber ein Erlebnis auf diesem nun geschändeten Friedhof. Es war Im Kriege, es jälirt sieh der Tag. Ich hatte meinen Miuiiflons/ug von Straßlsurg nach Warschau gebracht, lag auf dem Bahnhof Prag;!, sollle 2t Stunden tlor‘ bleiben, dann irgend wohin zur f ront weiterfahren. Die 21-em-Granatfii' wurden aber nicht benötigt. Ich blieb zweimal vicrund• zwanzig Tage dort, hatte Zeit, besah die altertümliche Stadt, Eines Tages traf Ich mit einem unserer bekanntesten Maler zusammen; er ist jetzt längst in Palästina, malte aber damals Porträts hervorragender <)ffi/iere. Er machte mich «11t den Jiulcnfiiedliof aufmerksam, leh fuhr hin, sehe mir die Gräber alle an, alte Giübcr und Denkmäler, viele Namen, viele (!«.'schlechter, tlic auch in Deutschland einen guten Klang haben. Sehe mir das sclilkhte und doch so eiiidrucksvolle Monument des Praga-er Raw an, trete ein, verweile au tlcn Särgen, cs sind sechs otler sichen der großen Rabbinerfainilie; da tritt ein alter Jude leise an mich heran, redet 111 ich polnisch an, ich verstehe nicht, er macht mir auf Jiddisch begreiflich, ich möchte liiiiausgelicn. Vor dem Eingang stellt eine junge, dunkeläugige, liochgcwachscne Frau 111 Itaihtraiier; sie sieht erstaunt auf meine Uniform, bittet um Entschuldigung. Sie tritt ein, eleu Zettel in der Hand, den sie zu den ungezählten anderen frommen WunsehzcUeln legen wird. Der Alte sagt mir, gleichsam entschuldigend, denn keine Frau darl eines Rabbiners Grab betreten, und doch zugleich mit einem Ausdruck unendlicher Hochachtung: ״Sie ist eine nahe Verwandte des großen Raw.“ Während ich mich noch mit ihm unterhalte, kommt sie zurück, Ich begleite sie, und sic erzählt vom Praga-er Raw; wa« sie weiß, ist nicht viel, sie war noch zu jung, kannte ihn nicht mehr persönlich, sic wußte nur, daß er ein großer Gelehrter wir, viele talmudische Bücher stammen von ilun. Er war ein stiller, ernster Denker, aber ebenso wie seine Frau von einer für uns in Deutschland unfaßbaren, geradezu schrankenlosen Wohltätig• keit. So hatte er einen eigenen Laden eingerichtet, aus dem bedürftige Bräute ihre gesamte Aussteuer — umsonst beziehen konnten. Aus nlien Teilen des Landes flössen ihm Spenden zu? aber noch weit größere gab er uti die Armen. Schon bei Lebzeiten hatten in seinem Hause, einem ehemaligen Jesuitenklostcr in der Eranziskanergassc im Judenviertel, arme Juden freie Kost. In seinem Testament bestimmte er unter amlcrcm, dab in diesem altehrwiirdigeii Hause bedürftige Juden wobneu sollen gegen ״ewige freie Miete“. Das Haus durfte nicht verkauft werden, und noch heute dient es philanthropischen Zwecken. Wir waren am Tore angclangt, ich verabschiede mkh, sehe sinnend der schlanken, jungen Gestalt nach, werfe nachdenklich noch einet! Blick auf die Reihen der alten Gräber, Von fernher hört man den verhallenden Donner der Geschütze. Es Ist Krieg. ״Ein jegliches hat seine Zeit...“ Dr. T. Simon, Wannsce. Die Hitze. Angesichts der abnormen Hitze in Europa Wild Amerika, wo z. B. in Berlin in der letzten Woche die Höchsttemperatur im Schatten an einigen Tagen bis 32 Grad Celsius stieg, ist es von Interesse, die palästin e n s i s c h e 11 Temperaturen zu vergleichen. Die von Dr. E. F. Ascher lierausgegebeneii ״Palästina-Nachrichten“ (Berlin-Zehlendorf) geben aus Jerusalem vom Juli fdgemle Temperaturen an: 3. Juli: Höchsttemperatur )1,5 Ccls., Mimlcstlcmneratur 18,6; I. Juli: 32 — 18,7; 5. Juli: 27,5 — 12,1; 8. Juli; 27,8 - 16,8. ן Der Nachweis der arischen Abstammung, Der ״Volk. Bcoh.“ vom 18. d. M. meldet: In einem Runderlali stellt der Preußische Minister des Innern noch einmal ausdrücklich fest, daß jetlcr Bewerber um eine Dcamtcu.stelle einen Fragebogen über die arische A b s t a m m 1111 g usw. auszufüllen wild die dort vorgcscliricbciicn Urkunden für sich und gegebenenfalls seine Ehefrau vor/ulegen hat. Alle Personen, die zwar bei Bekanntgabe des Ruutlcrlasscs vom 11. t. 1931 schon im Bcamtcnvcrhältms standen, aber erst nach dem 1. 7. 1933 in dieses berufen worden sind, einschließlich der Beamten auf Probe, Kündigung, Widerruf oder im Vorbercitungsdieiist und der Bciimtenanwärler, bähen, soweit dies noch nicht geschehen ist, nunmehr unverzüglich die Formblättcr mul Urkunden bcizubringeii. Weiter hat der Minister daraiil aufmerksam gemacht, daß alle Beamten, die künftig heiraten wollen, vor der Eheschließung ihrer Vorgesetzten Dienstbehörde den Nachweis der arischen A I) s t a m mimg der künftigen Ehefrau zu erbringen haben. Alle nachgeordneten Behörden tler Staats- und tler Selbstverwaltung siml eindringlich ersucht worden, die Durchführung dieser Bestimmungen, insbesondere bei jeder Neueinberiilmig in das Beaintcnverhältnis sowie bei jeder künftigen Eheschließung zu überwachen. Gesamtausgabe der Zionistischen Werke Theodor Hcrzls. Von der fünfhändigen II e r z I - G c s a m t a ti s g a b c, die der Jüdische Verlag, Berlin W 50, 7um dreißigjährigen Todesjahr Her/ls heransgibt, erschien bereits der 2. und 3. Band. Diese beiden Bände umfassen die ersten Bünde der Tagebücher Herz Is. Der erste Band der Ocsamtatisgäbe, Her/ls ״Zionistische Schriften“ in neuer erweiterter Form, gelaugte schon vor einiger Zeit zur Ausgabe. Im August 1931 erscheint tler 4. Band der Gesamtausgabe, tlcn S c 111 ti ß b a 11 d tler ,,Tagebücher“ enthaltend, im September der 5. Band, der außer dem Schauspiel ״Das neue Ghetto“ und dem Roman ״A 11 ti e u 1 a n d“ zahlreiches noch unveröffentlichtes Material aus dem Herzischen Nachlaß enthält. Somit wird in Kürze tlicse Monumental- Ausgabe der zionistischen Werke llerzls in ihrer nunmehr endgültigen Gestalt abgeschlossen vorliegcn. Von der Wiener ״Union". Zu der in tler ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 55 veröffentlichten Notiz. ״Ein Skandal um die Wiener Union“ erhalten wir einen Brief der ״Union österreichischer Juden“, worin diese uns miitcilt, daß der Herr, den sie zum Zwecke der Orldsammiung nach England gesandt hat, sich ursprünglich als itide ausgab und daß er bet seiner Propagandatätigkeit durch Uebertrcibiingcn seine Vollmachten überschritten hat. Nachdem diese Dinge der Union zu Ohren gekommen seien, habe sie den Herrn SDfort aus ihren Diensten entlassen. Nun, so erklärt die Union weiter, verbreitet derselbe Herr Nachrichten, die das Verhalten der Union in ein zweideutiges Lieht stellen. — Wir geben diese Informationen lovalerweisc wieder, obwohl über den wichtigsten Punkt, nämlich was mit den auf diese Weise gesammelten Geldern geschehen ist, in dem Briefe keine Mit* tcilung enthalten ist. Oestcrr.-pal. Wirtschaft*• und Handelskammer. Das Präsidium der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie in Wien hat den leitenden Kanimcrsckrctär Herrn Regierungsrat Dr. Anton Sattler-Dornbacher in den Vorstand der österr.-pal, Wirtschafts• und Handelskammer delegiert 1