Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1934)
- Date
- 1934-07-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M Nf. 59, 24. Vit.!934 :JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Die ״Deutsche Justiz״ veröffentlicht in Heft Nr. 29 (01n 2a 11. M■ Ucbcrstclit liber die Zahl der am 1. Mai 1934 In l'rcuKen zugelassciicii arischen und nicht arischen Rechts• .״«alte und Notare. Danach hat auf Grund der letzten Im Pfeilliisclten Justi/iminstei nun getroffenen Feststellungen die [)urrlifuhruug des Gesetzes über die Zulassung zur Rechts- «n»altscha(t vom 7. April I )33 und des Bcrufshcamtcngcsctzcs %0m 7. April 933 hinsichtlich der preußischen Rechtsanwälte |,nl| Notare folgendes Ergebnis gehabt: RcchtsanwTilie 'di* Ml)l 1 i k der!icll den;1er he- ‘1fr 1׳ Hl iÜt m• Ueil, cs י■"{! •0־ 0M*tlan<*en־ gf״cht»bpz1rlc OoamlMhl der B",tLh'arl"<־.h* »m 7. 4. 34 Hecht»«nw»lt# *liBrlnsscnen w5r,’n *m BeciH1:״n\1»lto '״ ■ך יa *u8cl*»«en *m 1.5 54 waren iBKrlan»«» nlohUrlnrhr »risch» SechUkswlIta 5,!11«. * * l«a » Crlii* .■•••• p!.a,!dnn . ״ f fjrf.fiT: 4. » )]!»•11« . V|l"'i י * * Kirf.* K»in X.inleshrra י •» \|ir10'11׳>f|tfr• * Vitml'ii'g . « .., Zusammen m*) JH7B 1159 2122 10. »fl ►22 a־.s «S7fl H4 141 233 52 75 741 731 778 «)7 275 IM 344 1213 1« ►4 11 OH 233 43 28 Ml» 34 2! 467 858 m» 325 A4 375 90 43 879 11« 17 8 101 7K7 81 ה4 635 431 M» B9 345 11H14 8370 2009 Zu*«mmcn 10835 8878 Von lim 1364 atisgcschicdcncn nichtarischen Rcchtsanwäl- Im sind 1(*Sl auf Grund des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und 280 aus anderen Gründen ausgcschicden, Notare rherl*m1r**•!ertchwbcilrk B«tin ttrf.Ua , * « Cell» . . t pUxrMort ■ Fnnklurt ■ H »mm ■ Kose! KW . KM״ ■ . gfitie^rr , hininwrrder 5'Mmkorg . Stettin . ■ Zusammen Ommtz.nhl der Zfthl dor am 7. 4. 83 Vorhandenen Dichterischen Hoihrr am am 1. 5. »4 waren vorhanden nlchtarlschc arische Notar» 7.4.33 rioiare 2119 1210 499 992 679 263 109 462 4S3 58 82 454 IST 22 7 175 v 348 170 78 159 673 101 as 801 141 80 8 127 t 309 25 10 80« 149 1 _ IM « 3f» 58 25 241 87 12 6 75 44H 57 25 408 266 46 20 215 n 8228 2051 852 4364 Zusammen 521# Von de» ausgeschiedcnen 1199 nichtarischen Notaren sind 1מ״ infolge Zurücknahme der Zulassung zur Rechtsanwalt- Schaft und auf Grund des Berufsbeamtengesetzes ausgescnicden; III aus anderen Gründen. Die Juden in Baden n r ly« r> Am 10. Aw, dem Tage, an <Iem In diesem Jahre die nai1rm.de 1 rauer die Juden der Welt vereinte, ist in Berlin Rabbiner I>r. Meier Hildesheimer verstorben, Dieser Tod wird weit über die Reihen der Familie hinaus tief beklagt. Jüngster Sohn des im Jahre 1900 verstorbenen großen Rabbmers l>r. Esricl Ililrfesheimcr (des ״Rcbbc'j, galt die Lebcnsaiifgabc des Verblichenen ganz der Fortsetzung de« vom Val er überkom- Zum Fall Emst Lissaucr In Nr. 29 der ״Bö r s c n z e i t u n g“ (״Kritische Gänge“) ':trich unter der Ue' ein L i t e r a t u r a g e‘n t“ mit der nie 11 en Werks, dem Tode des be“ übernahm sanimcn mit Rabbiner l)r. Nach ״Reher zu- I lernt Fsr.1 Bas Badische Statistische Landesamt ver- «ffentiieht eine Studie über die Religionszugehörigkeit der Wohnbevölkerung in Baden nach der Volkszählung vom 16. Juni 1933. An diesem Tage hatten 2 412 931 Personen ihm, Vf'olnisitz in Baden, Als Israeliten der Religion nach haben sich <1.9 0״, d. h. 20617, bezeichnet. Im Verhältnis mr Volkszählung von 1923 ergibt sich ein Rückgang um 11,3 ״!. Mit Ausnahme von drei Amtsbezirken — Meßkirch, Pfullemlorf und Obcrkirch — sind in allen Amtsbezirken Juden wohnhaft. Die Höchstziffer ihres Anteils an der ücsamtbcvölkeriiiig haben sic in der Gemeinde G a i 1 i 11 g c n mit 10,0 0״. I!1 dieser Gemeinde hatten die Juden im Jahre l?25, also vor über hundert Jahren, mit 47,6 °/0 nahezu die Mehrheit. Friedhofsschändungen in Hamburg Bas ״Hamburger Fremiknblatt“ vom 16. Juli veröffentichte folgenden Aufruf: ״In den Nächten zum 20. Juni und zum 4. Juli 1934 Dia aut dem israelitischen Friedhof Rcntzelstrafle/ Durchschnitt zahlreiche Grabsteine utngcworfcn und zum Teil schwer beschädigt worden. Die Nachforschungen nach den bisher unbekannten Tatern dieser verwerflichen Handhing sind cingcleitct. Die Täter haben rücksichtslose Strenge der Behörden und der Gerichte zu ״warte 11. jedem anständig Denkenden ist der Friede ״er Toten heilig. Die Bevölkerung wird gebeten, bei der Aufklärung derart gemeiner Straftaten mifniwirkcn und etwaige Wahrnehmungen der Staatspolizei, Inspektion 5, mitzutdlcu. Streng vertrauliche Behandlung der Angaben wird ausdrucklicli zugesichert.״ Wie sollen die Juden grüfjen? Hie ״Frankfurter Zig.“ vom 22. Juli berichtet: ״In Kreisen " Beamtenschaft sind Zweifel darüber entstanden, ob im Verkehr der Behörden mit dem Publikum der deutsche 911111 auch gegenüber Nie 11 tarier 11 anzuwenden st>. hi der NS-Beaintcnzeituiig erklärt Dr. v. Lccrs zu dieser 'rsge, daß ,|1׳r Hitlergruli ganz allgemein der Gruß der cicutschc" Behörden gegenüber allen deutschen Staatsangehörigen stl• Uct Jude, der sieh in Deutschland aufhalte, müsse siel» «icsen Gruß gefallen lassen, genau so wie cs sich ein Christ *,iiinu 1m>h;!mn1e<ianiselu׳n Latnlc gefallen lassen müsse, daß ״mit dem islamischen Friedeiisgruß ״Salaam“ gegrüßt werde. ״cr lliticrgruß gelte gegenüber allen Reichsangchörigcn, da- Ppgcn!!ic h t g ege ״ ii her Ausl ä nd cr n. Der Jude, der tilc ,Reichs,*m^eliöri^kcit bcsit/c unil damit auch ihre Vorteile Rcnicßc, müsse jedenfalls a 11111 i c 11 den Hitlergruß. nehmen 9nu geben. Im persönlichen Gespräch mit einem Juden werde mau von der Lage der Dinge und dem natiir- ״cheu Takt auszugellen haben. Jedenfalls w׳crdc hier kaum?u erwarten und zu fordern sein, daß der Jude auch lnt Privatleben den deutschen Gruß anwcndc.“ Munck die religiöse Führung der Adnß Jisroel-( jcineimle, um deren Ausbreitung er sich grolle Verdienste erworben hat. Nicht zum wenigsten ist seineu besonderen pädagogischcn Fähigkeiten die aehtiniggchictende Stellung zu da״- ken, welche das Schul- / werk der Aslaß Jis- 7 rocl - Gemeinde einnimmt. Und wie das Rabbinerseminar, dessen Direktor Meier Hildcslicimer war.die- F»t«: Seht!/ sen Tod verwinden wird, ist kaum abziisclien. Bis in die allerletzten Tage hinein hat er in einem nie ermüdenden Eifer und mit bcispielloser Hingabe für die Erhaltung dieser rabbinischen Aus* bildungsstätte gewirkt und gekämpft. Auf organisatorischem Gebiet hervorragend begabt, hat er weite Erdteile bereist, um den! Rabbinerscmiiiar die Mittel für seine Erhaltung zu beschaffen. Neben dieser Tätigkeit, die wohl als das Herzstück seiner Lebensarbeit zu gelten hat, hat er zahlreichen anderen jüdischen Organisationen seine Mitarbeit geliehen. In Nachfolgcsehaft seines unvergeßlichen älteren Bruders Hirsch Hildesheimer arbeitefe er an führender Stelle des ״Hilfs- Vereins Deutscher Juden“, zu deren repräsentativsten Persöiilichkcitcn er gehörte. Der ״Agudas Jisroel“ war er einer der wertvollsten Kräfte, dem ״Ccntralvercin deutscher Staats- Burger jüdischen Glaubens“ gehörte er als hochangesehenes Vorstandsmitglied an und nicht zuletzt die Zentralwohl• fahrtsstcllc der deutschen luden zählte ihn zu ihren treuesten Mitarbeitern. Und überall hat er cs verstanden, im Sinne seincr Familientradition bei aller Treue zu seiner Ueberzeugung frei von allem Fanatismus die ausglcichcndc Güte seines menschenfreundlichen Wesens zur Auswirkung gelangen zu lassen. Meier Hildesheimer gehörte der Zionistischen Organf• sation nicht an. Und doch möchten wir ihn als einen ״Chowcvc Zion“ im besten Sinne bezeichnen. Denn er liebte Zion, das er noch vor kurzem besucht hatte, wie selten einer, und cs ist uns bekannt, dal) er gerade in der letzten Zeit praktisch mit Ercz Israel in engste Beziehung getreten ist und si 11 mit einem wcitausschaucndcn Plane trug, dessen Verwirklichung für das kulturelle Leben Palästinas von großer Bedeutung hätte wwrdcn können. Was den I leimgegangenen zu so außerordentlichen Leistungen befähigte, waren neben den geistigen auch die menschliehen Eigenschaften. Dr. Hildesheimer war ein von heiligem Eifer beseelter, dem ganzen Judentum lief verhafteter, daneben ein gütiger, heiterer, im besten Sinne des Wortes menschenfreundlicher Mann. Mit ihm hat das deutsche Judentum eine seiner populärsten Erscheinungen verloren, sein Andenken wird auch von uns in hohen Ehren gehalten werden, Den Hinterbliebenen wendet sich allgemeine Teilnahme zu. •חבל על דאבדין ודלא משתכווין .״, ״.. änge beschäftigt sich Fritz Di et t rieh unter der Ueberscnrift ״Ernst Lissaucr, Persönlichkeit Lissauers. Ls ist überflüssig zu sagen, daß er zu einer vollständigen Ablehnung Lissauers kommt; jedoch ist die Tatsache, wie Di et t rieh diese Ablehnung motiviert, auch für uns Juden, die wir Lissaucr wohl selbst niemals als spezifische jüdische Persönlichkeit empfunden haben, nicht ohne Interesse...« ■ Nur weil »eine jiiäi < I1e!1 T«11<(־l1!mg''1nanover auch itt anderer lliiniilil. von ganz b* ■onderer Art Mini, soll die Gestalt die• *r» ehrgeizigen Li!cr.1turagcnl m vom Standpunkt de» völkischen Schrill limis aus belrarlilet werden. Der Antiger nianiimu» von der Färbung l.issaurr■. isi vielleicht noch heimtückischer ah der eines Kerr ״ ler Tucholsky. I leim der Jude I issatier streut dem deutst licn Mensihrn insolern S.ind in die Augen, als er sich auf *ieiilM hslfdfiiihe t),d!»den legt, als Sliitkeschretber in Preußentum reist und Reformation offeriert. Damit ähnelt er aufs Haar dem jüdischen Händler, der mit I l.ikenkreu/lalinen »ein Geschäft zu neutralisieren versuch!, Zersetmng, die sich ein deutsches Manteldien umhängt, ist, wie wir srhrti werden, die gefährlichste. Da■ gilt besonders Ittr I.bs inert berühmten ,,II aßgesang gegen England", der tatstü blich den schlechtesten Dienst darstelll, wehhen ein jiiltM her IDßsänger je geleistet ... Die egen, denen der Oplergang fremd den Frevel. ,Einen Schwur für wollen nicht las-en von unserem Haß* Strophen nicht im Ton dem eifernnih schwer verständlichen alttestamendir. Juden nach ihrem Bild zurecht- ,hriinsuch-t der Vater Missetat an den ins dritte und vierte Glied‘? Nur eiaft die Lissiuersch« ... Das ״Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ ver• 0׳entlieht am 10. Juli eine Uebersieht ״Deutsche Bü• cl,cr in t r e in d c 111 O c w a n d c", worin die Ucbcrsctzun• ffn von Büchern aus dem Deutschen in verschiedene Fremdsprachen z.usaiiimcngestcllt werden. In dieser Tabelle figuriert n«i'!"-’Britisch und jiddisch. So wurden im Jahre "30 (b/w. 1931־) aus dem Hebräischen ins Deutsche 17 (25) michcr übersetzt, aus dem Deutschen ins Hebräische 38 (21). Aus dem Jiddischen wurden je vier Bücher übersetzt, da*??ß*״ aus dem Deutschen ins Jiddische 20 (23). Von .1927 nis 193] wurden aus dem Deutschen insgesamt 108 Bücher int Hebräische und 76 ins Jiddische übersetzt, dagegen imj•8"8 '*0,,י Hebräischen ins Deutsche und 8 aus dem Jiddischen ins Deutsche. p Dem Rechtsanwalt am Landgericht Berlin Dr. Ernst Frankcnstein wurde die hohe Auszeichnung der Er- ■Rnnung zum Kommandeur des Ordens der italienischen Arone zuteil. Frankensfein gilt als einer der besten Kenner Be* italienischen Rechts in Deutschland. I lalK ringer in der Zivilkhitl war, entschirrien 5i! h offen Kind und Kiii'lrskinrl: Wir (Tös.itier). -— AfdmHn dir»« den J u 11 » n g o t 1, jfnera tarisrhen Dämon, drn 5i< 11 gewImitlcn haben und der Kindern hi» Version norli für! hibarrr Kr, weil hier ein haßzerfressener Mensch von einer ganzen Grsrhlerhterkette den Haß gegen eine ganze Gest lilerhtrrkctic fonlrrl. Da mußten s>elh»t zuriickhaltende und kluge Mensi hen an Dem», Idand irre werden und an die H unla chrn Menschen hedingtingsloJ g'au* gest hülfe Kopte erkannten hinter der jüdische Fratze.“ Juden Lissauers Haßgesang gerade Der Judenbesuch in Bädern Die ״Westfälische Landeszeitung Rote Erde“ (Dortmund) vom 20. Juli 1934 schreibt: ״St hon im vergangenen Jahre war es erforderlich geworden, den Juden wegen ihres provozierenden Verhalten» in der Unnaer B a d e a n» lall die wriirre Benulziing zu unler.sagen. Et hat drn Anschein,!11» ob das Verhol nur {ür das vergangene Jahr bestand, denn mit Hegimi der diesjährigen Iladesaison haben .sich die Hebräer prompt in der Unnaer Badeansialt wieder cingefunden und sollen dort, wie uns mitgelrilt, wurde, durch erneute.» Provozieren den Unwillen der deutschen Hadegäsle hervorrufeu. Da unter diesen die lirrcgu 11 g v11 ״ Tilg zu Tig wächat (fni Original ges!!errt gedim kt. — A. d. ״J. R.“), erscheint es doch wohl angehra! hi, wenn die Angelegenheit seitens der Behörde einmal geprüft und Maßnahmen crgritlen würden, um unliebsame Zwischenfälle zu vtrmeiden, die höchstens dazu angetan sein könnten, den Verbreitern von Gicuclinärchen über ״Judenverfolgungen in Deutschland“ neuen Stoff m gehen.“ Die Frage der Zulassung oder Nichtzulassung von Juden in Bäder müßte unseres Erachtens einheitlich geregelt werden, damit die Juden wissen, woran sic sind. Es ist doch eine überaus peinliche Situation für anständige Juden, die nach tniiltcvollcr Arbeit des Tages in der großen Hitze in einem Bade Erholung suchen wollen, wenn sie mm nicht wissen, oh sie nicht im nächsten Moment hinausgewiesen werden oder sonstige Unannehmlichkeiten haben. Wir betrachten cs als selbstverständlich, daß Juden dorthin nicht gehen, wo sic als unerwünscht bereichnet werden. Aber die Sachlage bringt cs mit sich, daß man heute als Jude auch ganz ahnungslos in eine neinliehe Situation geraten kann. Darum ist eine klare Stellungnähme in vielen Fallen einer solchen Unsicherheit vorzu« ziehen. Vom ״Verein zur Hebung des Jüdischen Fremdenverkehrs in Bad Klssingen“ wird uns folgendes mitgelcilt: ״Um irrigen Gerüchten entgegenzutrelen, sei betont, Haß ln Klssingen sämtliche öifenUichet» staatlichen Badeanstalten tum Gebrauche von kohlonsauren Biidcrn sowie die Trinkquellen alle n Kurgästen ohne Ausnahme — also auch den jüdischen Gästen Vwie bisher uneingcsch'ränktturVerfügungatehe n.‘* Diese Mitteilung steht offenbar im Zusammenhang mit einer kürzlich auch von der ״Frankfurter Zeitung“ veröffent• lichten Nachricht, wonach in .der letzten Zeit im städti• sehen Schwimmbad in Kissingen, das aber mit den Kureinrichtungen nichts zu tun hat, ein Plakat angebracht ist, daß der Besuch durch Juden nicht erwünscht ist nenhaftigkeit des drutben. Denn nur ganz wenige deutschen Tarnung die haßverzerrte Bestimmt ist vielen so fremd und zuwider gewesen, wie er Diettrich ist. Wjr haben ihn bereits zur Zeit seines Entstehens als gesehmack״ los und innerlich unwahr abgelchnt. Aber das hilft uns nichts. Der Fall Lissaucr ist wiederum ein Fall, dies zeigt uns zur Evidenz die Besprechung Dicttrichs, wo die Handlungen eines Einzelnen, lür den wir Juden als Gesamtheit unmöglich haften können, der Judenschaft als solcher in die Schuhe geschoben werden. Die Sache hat aber auch eine grundsätzliche Seite. Zur Zeit des Entstehens des ״Haßgesanges“ war die darin ausgesprochene Haltung sehr populär. Bewußt oder unbewußt — wahrscheinlich unbewußt — fühlte sich der Jude Lissaucr bemüßigt, seinen Uebcrpatriotisnius in besonders aufsehcncrrcgcndcr Weise lyrisch zu demonstrieren. Lissaucr war stets ein überzeugter Assimilant, der zahlreiche Gedichte au» einer rein deutsch-romantischen Gefühlsatmosphärc geschrieben hat. Von weiten Kreisen der deutschen Juden wurde sein Wirken als ein Musterbeispiel echt deutscher Gesinnung eines Juden propagiert, um dadurch die Assimilations-Theorie zu stützen. Ohne über den Wert des dichterischen Schaffens von Lissaucr in diesem Zusammenhang urteilen zu wollen (er hat sehr schöne Gedichte geschrieben), zeigt diese Reaktion nach zwanzig Jahren, wie sinnlos es ist, durch überpatriotische Kundgebungen sich als echter Deutscher erweisen zu wollen. Reizvoll ist es übrigens (ohne daß wir daraus zu weitgehende Konsec|ucnzen ziehen wollten), neben das populäre Kriegsgedicht des Assimilanten Lissaucr ein nicht min• der populäres Kriegsgedicht eines anderen Juden, des Z i o nisten Hugo Zuckermann, zu stellen. Sein berühmtes Lied ״Drüben am Wiesenrand sitzen zwei Dohlen“, weiß nichts von Haß, und auch der (geübteste Kritiker würde ver• gcblich darin Spuren des ״eifernden Judciigotfcs" finden. Es stehen auch hier zwei jüdische Typen einander gegenüber. Die deutsche Welt, die durch den Mund Fritz Dicht• richs jetzt ein so hartes Urteil über Lissaucr fällt, sollte sich aber auch die Frage vorlcgcn, ob nicht durch das den Juden entgegengebrachte Mißtrauen, das manche Juden besonders effektvoll durch ihren lauten Patriotismus widerlegen wollten, derartige Auswüchse psychologisch gefördert worden sind. Denn Lissaucr, das glauben wir als seine innerjödischen Gegner dennoch bezeugen zu können, wollte bestimmt nicht eine Veranlassung für den Glauben an ״die Hunnenhaftigkeit des deutschen Menschen“ bieten, sondern er wollte sein deut« sches Nationalgefühl besonders eindrucksvoll glänzen lassen«. Juden als Kriegshetzer? Die ״D. A. Z.“ veröffentlicht in ihrer Sonntagausgabe vom 22. Juli ein Interview ihres Berichterstatters, Dr. Krug von Nidda, mit dem ״Führer der zurzeit stärksten nationalrranzösischen Bewegung“, der ״Solid,!rite Fra11<;aise“, Jean-Re* n a u d. Im Verlauf dieses Interviews, das eine sympathisie• rende Entgegnung zu der an die Frontsoldaten appellieren• den Königsberger Rede von Rudolf Heß enthält, wird an mehreren Stellen auch von Juden gesprochen. Der Franzose sagte, daß es in dem Kampf gegen Kommunismus und Frei• maurcrei keinen Gegensatz zwischen deutschen und franzö* sischen Nationalisten gäbe. ״Denn aut ihm fußt die menschliche Sicherheit Europas, Hie immer wieder von Juden, Freimaurern, gewissen Kapitalisten und Kommunisten bedroht wird.“ Es kann uns nicht gleichgültig sein, wenn hier behauptet wird, daß unter anderen Kategorien auch die Juden ״die menschliche Sicherheit Europas bedrohen“. Früher hat man den Juden vorgeworfen, daß sie eine zu weitgehende Verständigungspropaganda machen. Aus soziolo• gischen und geistigen Gründen sind die Juden sicherlich Gegner eines Krieges, wenn sie auch selbstverständlich überall, wo sie wohnen, in jedem Krieg ihre vaterländische Pflicht voll erfüllt haben. Aber einen Krieg herbeizuführen oder gar gegen den Willen der Völker zu entfachen, dazu besteht für die Juden gewiß kein Anlaß. Eine solche An• nähme widerspricht jeder realistischen, die Verhältnisse er* kennenden Denkweise. Arlcrbcstlmmung bei unehelichen Kindern. Wie das ״Ber* liner Tageblatt" vom 21. 7. meldet, wird zur Beseitigung von Zweifeln, die sich bei der Auslegung der gesetzlichen Besttm• mupgen ergeben haben, auf die Richtlinien verwiesen, die für die Feststellung der arischen Abstammung bei Unehelichen gelten. Danach gilt das uneheliche Kind einer Arierin als nichtarisch 1m Sinne der Beamtengesetze, wenn sein Vater oder dessen Vater oder Mutter nichtarisch war. Geben Standes• amtliche Register, Gerichtsakten usw. keinen Aufschluß und ist auch sonst nicht nachzuweisen, wer der Vater war, so wird ein uneheliches Kind bei arischer Herkunft mütterlicherseits bis zum Beweise des Gegenteils oder wenn nicht die besonde* ren Umstände dea Falles dagegen sprechen, als arisch anzu« «eben sein.