Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 58 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Sehe S 20 ,8צ •זא■ VH 1934 ץ r*׳| ifetl *•»״■ n *H :7' 1:1', g: ״feil Ife! -. |: U MM*«*׳ JL..J Huil Wir haben in Nr. 56 der ״lüdisclicii Rundschau“ einen p,riclit ״her den Verla״( der 'VcUkmtlcrenz. des liberalen udentmtis nt London Keuche״ Atrschlieüend haben wir unsc* cm Hcdatiern Ausdruck gegeben, da» so wenig ״,,״lende \CirM״UJ vo״t (^r Koiifercn/. ausj'in^, wcj1t wje SK1r mcjn^c״ diC meisten Herren noch an einer ״ans de in übrigen Leben 5«a״sßeldslc״ jüdischen Religion“ festhaltcn, ,,״!.« “hl je 1־*■r Mensel, heilte fiildt, ,1, ß lud« 1,)״m eine viel »c t1 iw™ |f *Ha« \ ,|11 e To t n 1 i I;« 1 js וו 1 1 e i 1 11 e , 1׳u «ciin-r wiikl ehen iiinc- J5«ehu1leM,l'K — «> schlichen wir weiter _ js1 wenig *״״ ״T. J,n. th"1 '1,יי• 'י •s,i׳adc; den״ es i,t ״i, |״ |,M,d.iß <lie joili-elie Wdt H<׳wc<,nmg ist und <1,111 ei״ ll,1״g€r ,11■״״ Sinn. (ieU'in't! ״ני» M'1'»'»" allenthalben!,,״iibnr ist. Wem, ,״ viele reli- ־1 ■>״,.״ unkt ieieu e aus allf'it 1,;indem U1-a1nn1e11,1׳elie11 und eine ״,iut,dT‘' Kl'"1'rl'״/ fthled'en, so «ü״lc jeder, aucl, wer dem ״Wellvtrb.n1׳l Mir ״ Iiutn'-Iilieiales jntleiunm“ 1!,״ SLe|>,ie geueinihersleIn, d.iU fiii das geistige Lcocii des jüdischen Volkes mehr aibei lieinti'hmiiiit.“ Herr lleinrieli Stern, Vorsitzender der Vereinigung für d,s rcligiot-libcralc Judentum in Deutschland, der an der Konferenz teilnabm, ist der Meinung, da« diese Darstellung tendenziös sei, I r schreibt uns: ״Wer Berit ht und Ihre redaktionelle Notir liest, gewinnt äm irrigen I!ndruck, als wenn die K׳m(t׳u-nz im ]nftleercn Katnn 11,11!״,,״. Ibis genaue «iegenteil ist ,!er Fall. Die seheinhar jh.1t,iklen tlienietiselieii Thetmita gewannen sehr ]ehliutte C.eslalt ltu;1h 1111• l’nntMi׳ttmg aut die I’ioMcme der < ״•genwnrl. Dies gilt 11t11)1lrtt|1,>''״׳|ll'd voll dir Jtigeiitlkonferrnr, gilt »her ttntli von der 7lge״t 11110־',, Konteren/, selber. Die grolle» l*robletnc des Verlud(- von Indivi!Imim und (’.emeinseliafl, von Keligionsg.-.ct/ und ilhliviil'Hler Bit»hing fanden eine anCcronlenllieh starke, in mehrem l'nMsct/iingt'11 •*!11׳׳ hin/irlirndc Di-ku—ion. Worülier nnhirlitli pi.-lit!»1 richtet werden konnte, ist die sogenannte (ie.elniiissitnmg und rite V or4,mdssit/1!ng. liier ha! inshc.otttlere die!1'tage 1 der rtli-in.nl l’al.isfina Atheil im Vordergrund gestanden und eine |»osilitt 1 *.i'ting gi'liimlon, über die noch berichtet werden wird.“ Herr Stein protestiert gegen unsere Darstellung, ,.111׳h! mir 111« Namen derienigen liberalen Juden, die Nirhlzlonisten sirnt. Monleni auch der r.thlicicheil rrligiiis. liberalen /.ionisten, die aut der Koiiteieiir. zu Worte kamen und «lerer, die hinter diesen Jlmwltcn sii'licn. Die geistige Uni! ke, die gerade aus die.er Kon- Irruir auf ׳lern ח Itgiosen (lebte! /.wischen [mlitio h andersdenkenden ]ulen hatte gewlilagcn werden können und geschlagen werrle.r sollte, wird <1110 11!11׳ An der Berti htcr.sl.itttnig leider in höchst bcilaucr- 1,1’iicr Weise .11׳ 1! 1 ׳ ׳.‘‘ Die ,,Jüdische Rundschau“ betracht et und bewertet Freignissc des jüdischen Lebens wahrscheinlich in vieler Hinsicht anders als I lerr Heinrich Stern. Ls handelt sieh nicht um parteiische Rerichterstattung, sondern schon aus der oben »•icdergcgcbcneii Schlußbcmcrkung unseres ersten Herichtcs pcht hervor, dali wir cs lebhaft begrüßt hätten, wenn die Konferenz in diesem Moment ein Zeichen innerlich starken jüdischen Lehens geboten hätte. Daß dem nicht so war, erhellt schon ans der Selbstkritik, die vielfach int Rahmen der Konferenz seihst geübt wurde. Die einsichtsvollen Teilnehmer waren sich durchaus klar, dals hier von einer rclipiösct! ״Lrneneningshewcgung" nicht die Rede sein könne. Wahrscheinlich haben wir mehr erwartet als Herr Heinrich Stern und sind darum so enttäuscht. Von den bei uns cingelnufenen Berichten über die Konferenz gehen wir nachstehend in Ergänzung des Berich• tes in Nr, 56 noch einige Bruchstücke wieder. .Ul, Einer unserer Berichterstatter schreibt: Pr. Claude Montcfiorc hielt, wie bereits erwähnt, ein Referat über: ״DieBestimmung Israels als religiöseGemcinschaft." Erschien sich auch der kritischen Situation, in der der jüdische Liberalismus sich heute befindet, ziemlich bewußt zu sein und Mannte selber, daß viele der religiösen Auflassungen, die matt ihn vor 50 Jahren als tlas wahre Judentum gelehrt habe, heute vollkommen überholt erschienen. Andererseits müsse nun aber gerade heule in einer sicher durchaus anti-liberal gesinnten Zeit die Konzeption von vier ewigen Mission isrncls in seiner Zerstreuung aufrcchterhalteii. — Während Monte• fiores Ausführungen in recht schlichter und verhältnismäßig einfacher Form gehalten waren, ging der New Yorker Rabbi• jicr S, Schul m a n mit dem ganzen Rüstzeug eines Theo• ״gen aller Schule an seine Aufgabe heran. In einem groß• 3״gelegten Referat über ״Das Judentum und die Bestimmung « Einzelnen״ präsentierte er das Dmkgcbäiide des jüdischen Liberalismus, wie es die Wissenschaft des Judentums vor öiem halben lahrhundert lehrte, noch einmal in seiner ganzen Dacht, Der letzte Redner, Dr. Ehrenpreis aus Stockholm, trug « ״!C y »treu, | ■ i# An• J.J | 1117 ״ i l'nd v־, ir-cnl r I j.mbf,r ן Ifcl,™ Jj die, 1 1״en: j Aus der Geschichte der Juden des Rheinlandes Nach handschriftlicher /JufZeichnung eines alten Kölner Rabbiners •..Es war in den Scphirah-Tagen des Jahres hin!• ansend1) nach Erschalfiiuß der Welt, in jenen Tagen, , um unserer Sünden willen schon so viel Unheil über iinscr Volk gekommen ist. Da kam Sdircckensktmde in die fWl 1111,1 Mutter in Israel, in die heilige Gottcsgcmeimic יי"■ Die Stimme eines Gerüchtes schwirrte umher also: Un■ ],G und Frevel ist geschehen vor unseren Toren. In der Ort• .matt‘), fj׳l״f Pfeilen rheinabwärts gelegen, sind in der letzten '׳™*יibiaelit des Jjar Feinde in das Gotteshaus unserer dort ohneinleii (ilauhensbriider cingedrungen. Sie haben die heilige ' 31 '־,fgebrochen, die T h o r a 11 r ol! e 11 herausgcrisscn, aut je Straß,, geworfen und dort im Feuer verbrannt. — Unser Dzschlajr stockte, als wir solche Nachricht vernahmen. Da ו; ^chowiiaus herannahte, mußten wir zunächst in unserer fcs°rg״is stillehalten. An den Tagen des Festes aber geclaeh• l*..fr in Wehmut der Kunde, die unser Vorfahr, der hoch• v»,r1"mte Rabbi Flensar heu Nathan hnievi, aus den Tagen des oehenfi'stcs tatmi'־') uns überliefert hat: wie in Köln selber ,. ™tu Zug ins I!eilige Land eingetrofteneu Kriegsscharen l'c Tl'urahrollen aus den Gotteshäusern geschleppt und am Tr Straße sic z.ertrctcn haben, an eben dem Tage, da die n°ra einst vom Sinai gegeben ward“. .־, A;n 3. Tage nach dem Feste machte ich mich auf und u־״ u c•711 1"einen Brüdern, aus deren Gemeinde so Schlimmes dp ״ זeiltet worden war. Schon vor der Ortschaft kam mir ׳01,' ■״sicher entgegen, Grain und Trauer in den verhärmten T״rllCn' *'r führte mich zum Gotteshause und schloß mir die J״tn aut — _ Wehe über das, was meine Augen schauen a!J> Genaue Jahreszahl und Ortsname sind mit Sicherheit ״lcl>t mitzutcilen. ) D« Jahr 1096, Jahr des ersten Kreuzzugs. ך׳ י-י r-^ \’ ' ' I W.arf fei# ןז1 י׳" r־ n -־־*s f i ךf ך""׳ ־ trotz der Kttive •;einer Ausftihrutigen einige bemerkenswerte Gedanken hei. Fr sprach von dem ״unbekannten Juden“, den inan vor lauter I )!skiitieren mul Organisieren vergessen habe und dem man bei vier Lösung seiner ״persönlichen Judentrage" helfen müsse. Auch zeigte dieser Rclereut i 111 Gegen• Satz zu den übrigen nicht einen allzu großen Optimismus für die Zukunft der Juden im Gallith. Bei vier J u g e 11 d 11 u s s ין r 11 c h e hörte man sowohl aus den Kreisen der jüngeren Rabbiner wie der Jugeml-I )elegierten viel Kritik tmd Zweifel an der Bedeutung des religiösen Llberalismus tiir «lic jüdische Jugend. Der junge deutsche Rabbincr Dr. Melder (seit einigen Wochen in Amsterdam tätig), forderte eine sbirkere Durchdringung des täglichen Lebens mit jüdischer Religiosität. Fast alle jüngeren Teilnehmer spürten, daß dieser Tagung e i n W c s e 11111 e h e s fehlte — Lebensnahe und Verstandnis für die eigentlichen l’i'oltlcme des jüdischen Menschen unserer Tage. Sieber waren die Referenten von ihren Ausftihrungen zutiefst überzeugt, aber ob diese (icdnnkcngiingc heute im jüdischen Volk noch irgendwelchen Widerhall linden, erscheint doch recht zweifelhaft. Fs gibt heute sicher eine ganze Anzahl junger jüdischer Menschen, die an die Möglichkeit einer neuen Religiosität außerhalb der Orthodoxie glauben, etwa im Sinne der von Bnber und Rosenzweig vertretenen Anschauungen. Man könnte sich vorstcllen, daß aus dem sogenannten religiös-liberalen Judentum durch eine tiefe Wandlung tmd Verinnerlichung eine solche lebensnahe gläubige Bewegung hälfe hervorgehen können. Franz. Rosenzweigs persönliche Entwicklung ist wohl das beste Beispiel solcher Wandlung eines nach Herkunft und Gesinnung durchaus dieser Gruppe nahestehenden Menschen. Aber solche Erwartungen sind bis jetzt enttäuscht worden: es wurde einem manchmal während dieser Tagung geradezu Angst vor der Weltfreimlheit, die hier zutage trat. Wolfgang Ed Inge r. x Ein konservativer Beobachter schreibt uns/ Den eigentlichen Höhepunkt der Weltkonfcrcnz bildete die Rouml-tahle Gonfercnce am dritten Tag. In dieser Stunde, unmittelbar vor Schluß der Zusammenkunft, wurde plötzlich aus der Mitte der Delogierten heraus die bisherige Grundläge liberal-jüdischer Auflassung nicht nur bczwcitelt, sondern geradezu negiert. Das Frappierende war, daß, mit einer Ausnähme, keiner der Sprecher bestritt, daß man bisher auf falschem Wege gewesen sei. Der Angriff auf den ״alten“ Liberalismus ging aus von dem Rabbiner der Hamburger Tempelgemcinde, Dr. Ita- 1 i e 11 c r. Der Vorsitzende, der ultra-liberale Rabbiner Mattuck (London) stellte als Diskussionsstoff alternativ ״Die Stellung des jüdischen Liberalismus zur Umwelt“ und ״das Gesetz als Inhalt des liberalen Imlentunis“. Fs war deutlich ersichtlich, dali er seihst «lic Wahl des erstereu für die Vergangenheit so charakteristisch liberal-jüdischen Themas vorgezogen hätte. Die Versammlung entschied sich jedoch fast einstimmig tiir die Behandlung des zweiten, auf einer liberalen Konferenz befremdenden Problems. Als im Laufe• der Rede Dr. Italieners der Vorsitzende verzweifelt ansricl: ״Ja, wollen Sie denn einen neuen Schulchau Arudi?“, da wurde kaum von dem Wort ״Sehulcliaii Arucli" diesem bisherigen Schreckgespenst des liberalen Judentums, abgerückt, sondern die Diskussian wandte sich sofort der Frage zu, woher man eine ״neue“ Gesetzeskodifikation nehmen sollte. Bisher habe, führte Dr. Italiener aus, Liberalismus mit dem Rotstift gearbeitet, bald dieses bald jenes von den alten Gesetzen streichend, überall erlaubend und erleichternd. Die heutige Jugend verlange nicht nur ein Ziel, sondern wolle auch durch die zwingende Natur des Gesetzes zu ihm geführt werden. Ein solches Gesetz, «las verpflichtet, dem zuliebe man Opfer aller Art aut sich nimmt, sagte später ein liolläntliseher Vertreter, hat außer der orthodoxen nur die zionistische lugend, und dies ist der Gnuul, warum wir in Holland keine liberale Jugend haben. Im Interesse der alle Juden um* fassenden Gemeinschaft forderte Dr. Italiener von jedem liberalen Juden die Beobachtung bestimmter gemeinsamer Gesetze. Da inan aber nicht Gesetze neu schaffen könne, solle man auf die jüdische Gesellichte und damit das alte jüdische Rcligionsgesetz /urückgreifen. Das einzige Beispiel, das gebracht wurde, war, dali die liberalen Jtigeudverbiindc die Verpflichtung aut sich zu nehmen hätten, am Schabhos nicht zu rauchen. Der Antrag des amerikanischen Vertreters ging am Schluß der Aussprache dahin, eine Kommission mit der Ausarbeitung solcher ein jüdisches Minimum fordernden Riehtlinien zu beauftragen. Dr. Ernst G. Blumenthal. mußten! Von sechs Rollen, beschrieben mit ttem heiligen Gotteswortc, bedeckten kümmerliche Aschenreste, verkohlte Fetzen, angehramite Hölzer, vom Feuer zerfressene Wimpel und Mäntel den Fußboden des Gotteshauses. Geknickt und zertreten lag sic im Staube, die wir voll Stolz zum Himmel heben, daher sie 1ms zuteil geworden. Die wir schützend umhüllen und als unser bestes Kind und Kleinod im Schreine sorglich bergen, entblößt und entweiht und entwürdigt, der Schmach und dem Verderben preisgegehen. Und nunmehr sitzen wir auf der Erde, in Sack mul Asche weinend und klagend. Und gedenken des Traucrlicdes, das unser großer Lehrer, Rabbi Meir aus Rothenburg, auf die in seinen Tagen geschehene Verbrennung von heiligen Thorarollen11) angestimmt hat, utul das wir Jahr um Jahr am 9. Ab, am Tage der Zerstörung des Hauses unseres Gottes in Jerusak'111, in versammelter Gemeinde wiederholen. In diesem Jahre werden dabei noch bitterere Zähren fließen als sonst. Denn an uns selber ist geschehen, wie cs dort geschrieben steht: ״... Mein Fels, bat er aus Flamme und Feuer um des* willen dich gegeben, daß am Ende an deinen Säumen Feuer zehren soll? Sinai, hat dazu Gott dich erwählt, die Größeren verschmäht, in deinen Grenzen zum Zeichen tmd Zeugnis ge* leuchtet, daß du mm so klein geworden bist una herabgestiegen von Ehr’ tmd Ansehit? — — — Tränen laß’ ich fließen, bis sie zuin Strome anschwellen und den Weg zu den Gräbern der zwei Fürsten und Edlen sich bahnen, z.11 Mosis Grab tmd Arons am Berge Hör: ,habt ihr eine neue Thora', will ich fragen, ,und sind darum die Rollen der alten versehrt?‘- Meine Seele schaudert; wie soll Speise meinem Gaumen munden, nachdem ich gesellen, wie sie deine Habe inmitten s) In Paris int Jahre 1254. Dem Ereignis gilt die er* schlitternde Kinnoh ״Schaali srufoh b’csch“ (,.Frage, du Feuerverbrannte, wie’s uns ergeht, die um dich trauern“), die in vielen Synagogen der Rabbiner selbst am Tischoh*b׳aw beim Morgengottesuicnst vorträgt, Die Katastrophe in Galizien Wie wir bei Redaktionsschluß erfahren, wurden von der Ueberschwcmmungs-Katastrophc ln Galizien auch zahl« reiche Juden betroffen. Unter den Todesopfern sind mehrere Juden (5 In Chrzanow). Eine Hilfsaktion ist im Gange. der Straße . zusammenwarfen, wie die einer verstoßenen! Stadt. — — — Ob des Uchtes des Tages erstaune ich gar sehr: Allen bringt cs Leuchte -״- dir und mir Finsternis. Schrei' laut und bitter zum Felsen im Himmel ob deines Bruchs und Wehs! Möclit' er doch denken an die Huld deiner Brautzeit. Möcht’ er dich trösten, nach den Tagen «!eines Leids. Sammeln die Vertriebenen der Stämme Jeschurun und dich aufrichten aus deiner Niedrigkeit. Daß du noch mit Purpur dich schmückst, zur Harfe greifst, im Reigen schreitest und jubelst hei «leinen Tänzen, und höher schlägt mein Herz zur Zeit, tla dein Fels dir wieder leuchtet mul dein lKinkel dir erhellt und licht werden deine Schatten.“ Die Vertreibung der türkischen Juden Wie die ,,Times“ vom 16. Juli meldet, wurde «ach einem außerordentliche 11 K a b i 11 e 11 s r a t, bei dem der Innenminister einen Bericht über die Austreibung der Juden aus dem Dardanclleugebiet und Gsttbra/icn erstattete, eine offizielle Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, daß gewisse a n t i j ü <1 i s c h c Gefühle seit dein Kriege unter der türkischen Bevölkerung im Dardanellengebiet und in Thrazien bestünden und durch aniijüdischc Bewegungen in anderen Landern verstärkt worden sei«•״. Der Glaube habe sich tatsächlich feögcsct/t, daß türkische Juden antitürkisch seien, und daß einige von ihnen nichts anderes als Spione seien. Im Juni vertiefte die Nachricht, daß die türkische Regierung beschlossen hätte, die Juden ans dem Dardniiellengebiet und Osttlira/ieti auszuweisen, die antijiidischcn Gefühle, so daß 3000 Juden in panischer Flucht nach Konstaiitiuopcl zogen. Die türkische Regiernng mißbilligt solche Gefühle und wird streng mit all denen verfahren, die schuldig befunden werden, Juden verfolgt zu haben. Diejenigen Juden, die ihre Heimat verlassen haben, sollen zurückkchrcn, wenn sie es wollen. Konstantinopel, 16, Juli. (J.T. A.) fn einen» 3ffi-s zlcllen Bericht der Regierung wird zugegeben, daß in Klrk'issc pogromartige Ausschreitungen statlgcfunden haben. 65 Häuser von Juden wurden geplündert, 3600 Juden sind aus dem Gebiet von Kirklissc nach Konstaiitiuopcl geflohen. Mehrere türkische B c a in t c im Distrikt von Adrianopel wurden unter der Beschuldigung, die Unruhen hervorgeruten zu haben, verhaftet. Ein Distrikts-Gouverneur wurde seines Amtes enthoben. Achnlichc Maßnahmen wurden in den Distrikten Chanak und Smyrna getroffen. Gegen den Antisemitismus in Oesterreich Der ״Volk. Bcob.“ vom 18. d. M. bringt folgende DNB.« Meldung aus Wien: ״Ain Moning wurden in T.ini! von l’oliri'ior^.iiioii in siiinlliclien Bili hhiuvlluiigf n Ka׳/.irn 11a, 11 dem 1 *!■k.11,111 «׳u Nrn liiehl.igewerk von Fritsch ״II;1 n <1 6 u <■ 11 der J 1111 c n f r a g c" vcransullct und nllo nun Voru-licin kommenden Icxomplare ilirM׳« rein Wissenschaftliehen Huches bcsehlagnahnil. Am Dienst:,״ cri.ihrl 1!1:m aus «len Zeit,ingen, daß tlas autisemiiUchc Woelicnlilmt ״Der Stürmer“ nicht mehr erschienen ist. Die Fin-iellnng des Blattes etfolgle auf die hier üblich!׳ All, mißliebige Ziilimgen zu unterdrücken. Die Behörden legen dem Drucker bei Androhung des Konfcssionsenlztige* nahe, die Iler«tell,1ng des Organs, «las man verbieten will, chmislcllrn. Zu bemerken ist noch, «I.ui der ״Stürmer“ niemals auch nur eine Zeile I’aU«• i|0,1 i!ik gehrai'ltt h.11, Mindern siel» lediglich in meist theoretischen Auöiilrcn mit der Jude 11 frage beschältigte.“ Diese Nachricht des DNB. wird mit folgenden Worten etngclcilct: ״Besser als vieles andere Ixdeitrliten!wei ansilicinenrl bedeutungslose Tatsachen das wahre Gesicht des polnischen Systems in Oesterreich." ff J4ld4*sd4&&t’ JliAfad&dtäM Im Verlauf des letzten Jahres sind uns aus unserem Leserkreis immer wieder Anfragen juristischer und wirfschaftl'chcr Art zugegangen, die ein anschauliches Bild von den vielfachen Tagessorgen des im wirtschaftlichen Daseinskämpf stehenden deutschen Juden bieten. Wir haben uns bemüht, den Anforderungen unserer Leser gerecht zu werden! mit Rücksicht auf die Vielseitigkeit des Stoffes haben wir uns aber jetzt entschlossen, zur Beratung unserer Abonnenten in Rechts- und Wirtschaftslagen des täglichen Lebens der Schrlftlcltung der ״Jüdischen Rundschau“ eine Auskunft!• stelle anzuglledcrn, die auf schriftliche und mündliche Anfragen juristischer und wirtschaftlicher Art unseren Abonnenten Antwort und Rat erteilen wird. Wir wollen mit dieser neuen Einrichtung unseren Lesern die Möglichkeit bieten, sich Uber die ln ihrem beruflichen und privaten Leben täglich auftnuebenden rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen so zu Informieren, daß sic ihr Verhalten in Zwcifclsfälicn zweckmäßig und den Gesetzen entsprechend cinzurichtcn In der Lage sind. Eine anwaltliche Tätigkeit wird von unserer Bcratungsstcllc natürlich nicht übernommen. Nicht In den Bereich der Auskunftsstclle fallen ferner die Angelegenhclten der Auswanderung und Palästinawande* rung, die vom Palästina-Amt behandelt werden. Schriftliche Anfragen sind unter Beifügung des Abonnements-Nachweises und eines frelgcmachten Brief- Umschlages an die Rechts- und Wirtschaftsauskunftsstelle der ״Jüdischen Rundschau“ zu richten. Die Sprechstunden der Auskunftsstclle finden Montag und Donnerstag von 5 bis >/7־ Uhr nachmittags ln der Schrlftlcltung der ״J. R.", Melneke* Straße 10 (Vorderhaus), atatt. Abonnementsausweis ist mitzubringen. Wir glauben, daß diese Einrichtung von unseren Abonnenten begrüßt werden wird, und es wird uns (reuen, wenn die Beratungsstelle von ihnen in Anspruch genommen wird. ׳ Redaktion und Verlag dar ״slU&itchcn Rundschau*