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Jüdische Rundschau · 1934-07-20 · Heft 58 (20.7.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 58 (20.7.1934)
Date
1934-07-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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'׳ifi I» 11 i «■- Sh P |J| 20. Vif. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 l s P!ofcssor JVo barg, der heute in voller Rüstigkeit unter uns seinen 75. Geburtstag feiert, ist <״׳'׳־!'!"l WM verehrlc Gestalt, die aber weil über die zionistischen Rcihfii '1,kiiis l 11 >a in um cspckl genießt. In diesem Manne verkörpert sich eine der besonde- ״־״ l ieenhmdichkciien drs Zionismus: Warburg, abhold allen Ueherselnvengliehkeilcn, scheinh ar cm Mann der Ziffer und der nüchternen Sachlichkeit Gefühls und einer unendlichen Liebe zu der Sache, di licolismns, gepaart mit Phantasie und Liebe, das ist ‘Zi ein Idealist und ein ״I riituner“, dessen Träume durch .. gewandelt werden: aus dürrem Raden werden blühende Gärtc ist v er onismus. seine fippiite Frucht. Vielleicht doch zugleich ein Mann liefen sich gewidmet hat. Praktischer Dieser Kolonialprahtiker ist eigene zähe Arbeit in Wahrheit um- 11׳, aus Sand und Wüste wächst ,. gt hm l Warburg zu den Zionisten, die glücklich zu preisen sind, weil wenigst( ns < in 11 nur einstmaligen Zukunftsvisionen sieh, dank ihrer eigenen Arbeit, vor ihren Augen erfüllt. j:rsl vor kurzer Zeit hat Warburg in unserer Zeitung seine Erinnerungen an Ilcrzl veröffenty,t. urburg fühlte sich durch die Große des Mannes und durch dessen jüdische Dcgvislcriuig aii;-,( -"M ״• <> nvo 1 er seiner geistigen Disposition nach ganz anders geartet war als Ilcrzl, Dir po 1 ist 1( i n ,tvasc nun und ist ihm fremd. Warburg war immer ein Mann des praktischen U1» vi’s, ,,11 npo 1 ist 1 ׳ un festen Sinne dieses Wortes, und wir wissen heule, wie gut dieser Sinn ist, um ich st ir uns solche, auf unpolitische Sachlichkeit gerichteten, in der Ehrlichkeit cinVs eoriH’hmen, echten Menschentums wurzelnden, undogmatischen Männer not tun. Otto Warhurgs huine ist m der ziomst,sehen Geschichte eng verbunden mit einer bestimmten Epoche des inner:,onislischen Kampfes. Seme Figur war in den letzten fünf Jahren vor Kriegsbcginn das Sfinbol un hingen des Zionismus aus schweren Erschütterungen und innerer Desorientierung zu einem \\eg der praktischen Arbeit. Warburg, damals Vorsitzender der Zionistischen Exekutive (Engeres Aktions-Komitee genannt) hat den Zionismus durch diese gefährliche Zeit des Ucbcrgmuis Iniulnrchgcfuhrt. Als infolge der Wirkungen des Weltkrieges die zionistische Politik eine andere Richtung nahm, so daß auch andere Männer die Leitung übernehmen mußten, trat Profcssor U ui bm g in seinen persönlichen zionistischen Wirkungskreis zurück und arbeitet seitdem in der Stille an seinem Werk, dem landwirtschaftlichen und botanischen Institut, d is eine überaus wichtige hmhlion bei der Besiedlung Palästinas hat und schon heule aus dem Sicdlungswcrk nicht wegzudenhen ist. Wenn auch die Nachkricgs-Gencration des Zionismus verhältnismäßig wenig von Warburgs zionistischen Verdiensten weiß, so sind doch alle, die ihn kennen, in dem Gefühl der Sympathie, Dankbarkeit und Verehrung für diesen Mann einig. Es wäre nicht schwer, von berufensten zionistischen l iihrern Glückivünschc für Warburg zu sammeln. Wir haben darauf verzichtet und geben nur einem der früheren engsten Mitarbeiter Warburgs, dem Leiter des 1907 begründelen und damals Warburg unterstellten Jaffaer Palästinaamtes und fetzigem Vorsitzenden der Palästina-Exekutive, Dr. Ruppin, das Wort. Und wenn ivir darüber hinaus etwas Ungewöhnliches tun, iiiimlic/i einer dem Jubilar persönlich und familär nahestehenden Person zu einer öffentliehen (!ralulation unsere Spalten öffnen, so sind wir uns bewußt, daß cs sich hier um einen Ausnahme(all handelt. Wir tun es, weil sich gerade in diesen Zeilen in intimer Weise die Wirkung der Persönlichkeit Otlo Warburgs menschlich wie zionistisch widcrspicgclt, und weil die Briefsehreiberin, Ilse Warburg, selbst durch ihre unermüdliche Arbeit für Palästina und ihren persönlichen Charme in weilen jüdischen und zionistischen Kreisen bekannt und geschätzt ist. Den Wünschen, die sic für Otto Warburg hat, schließen wir uns an, und wir sprechen damit sicherlich für alle deutschen Zionisten und für den Großteil der deutschen Juden. R. W. Von Arthur Ruppin Dr. Ruppin, der Vorsitzende der Palilstina-Exefciifiiv der Jcwish Agenvp, benutzte einen kurzen Aufenthalt in Berlin, um 1ms folgende Zeiten zu Warhurgs 75. Geburtstag zur Verfügung zu stellen. Red. Immer mehr lichten sich die Reihen derjenigen, die «hon in den Togen von Her/1 in der zionistischen Be- "fkrnng einen führenden Anteil genommen haben, und noch geringer ist die Zahl derjenigen, die von diesen eigen ab bis heute ihre tätige Anteilnahme aufrecht er- ™heu haben. Unter ihnen stellt Otto Warburg, der י״ג Ü0. Juli d. J. seinen 75. Geburtstag feiert, mit an *Oer Stelle, Ich habe nicht die Absicht, aus Anlad dieses eine ״Würdigung“ seiner Tätigkeit im einzelnen geben; noch sind ja kaum die Stimmen verhallt, die zu seinem 7t>. Geburtstage in Anerkennung seiner Leistungen l״r den Zionismus und für Palästina laut wurden. Ich heute nur unserer Freude Ausdruck geben, 1,3(1 ein gütiges Geschick ihm bis zu diesem Tage die Pgeiiciliche Frische und Bcgeistemugsfähigkcit erhalten ä!> die ihn seit Beginn seiner Tätigkeit auszeichnct. tr "ar uns jm״lcr cj״ Vorbild an Bescheidenheit, onielinilieit und Uneigcimützigkeit. Sein Optimismus ״n11 sein durch keine Fehlschläge zu erschütterndes Vcr- *raVcn >" di(-’ Zukunft Palästinas hat unserer Bewegung iliren jungen Tagen einen starken Halt gegeben. Der ländliche 73j;il1ri^c hält seine Arbeit für Palästina durch־ ®s nicht für abgeschlossen, er ist noch immer in Vcr- 1"(!•mg mit allem, was in Palästina geschieht, und sucht 1j"! Rat und Zuspruch neue Unternehmungen dort zu för- “crt1• Unsere Glückwünsche zu seinem Geburtstage Ppfeln darin, daß cs ihm vergönnt sein möge, nachdem [r s0 viele Jahrzehnte die langsame Entwicklung Pa- »siinas mit Liebe und Sorge verfolgt hat, jetzt auch der rascheren Entwicklung des Landes sich noch viele hhre zu erfreuen. | tiebesbrief einer Sdiwiegertochier | ־• Am bedeutsamsten Wendepunkt meines Lebens j ,"dst Du, Otto Warburg. Ich begegnete Dir, als ich, ein Kieler I *Mmädcl, zu Besuch nach Berlin kam. Aus Deinem Munde i p kl! die ersten Worte über ״Zionismus". Durch Deine j "r*Cn. ganz einfachen Worte wurde für mich plötzlich j 5 dnem biblischen Namen lebendige Wirklichkeit. { .. ,Ust Jahre später habe ich die Kraft Deiner reincri Per•; "whkeit erkannt, die keine Propaganda zu machen braucht, I י״ (ür den Zionismus zu werben. Die Tatsache, daß Du» j Mann mit den guten Augen und dem Kinderherzen, cs als selbstverständlich voraussetzest, daß ein Jude am Pai.isfinaaufbau Icilnimmt, hat mich zum Zionismus gc• bracht. Den Impuls zur Arbeit aber gab mir die Liebe zu Dir, bejahrtem und doch so jungem Mann! Keinen Tag in den 13 Jahren, die ich Dich kenne, hast Du aufgehört, praktisch mit/uarbeiten und produktiv zu denken. Das hat meine Arbeitsenergicn, ohne daß Du es weißt oder etwas dazu getan hättest, ständig erneuert. Für meine zionistische ״Bildung“ zu sorgen, übernahm der Sohn, den ich in diesem Zusammenhang nur erwähne, weil ich cs ihm zu danken habe, Dir heute nicht nur als Schülerin und Verehrerin, sondern auch als Schwiegertochter gratulieren zu dürfen. Meine Gratulation soff aus Wunsch und Dank bc* stehen. Der Wunsch ist egoistisch: Laß Palästina, laß Deine Mitarbeiter und laß diejenigen, die das Glück haben, zu Deinem engsten Kreis zu zählen, noch ungezählte Jahre aus Deiner Arbeit Nutzen ziehen und sieh an Deiner Güte wärmen. Der Zionismus braucht Menschen wie Du heute nötiger denn je, Menschen, die trotz ihrer Distanz von Tagespolitik und gerade wegen ihrer Horchcf, ihr Himmel, ouflousche, Erde, denn ER redet: Söhne zog ich grob, bracht ich hoch, und die, abtrünnig wurden sie mir. Ein Rind erkennt seinen Eigner, ein Esel seines Meisters Krippe, wer nicht erkennt, ist Jisrael, wer nicht unterscheidet, mein Volk. Zion wird durch Recht «!)gegolten, seine Umkehrenden durch Bewährung. JcschaJahu Kap. 1, Vers 1—4, 28 (übersetzt von Martin Ruber) Aus der Haftara für Sonnabend, den 21. Juli Ein arabischer Friedens-Fühler? Die Jerusalemer licbr.ti'.rlir Tageszeitung ״Doar llajnm״ veröffentlicht nach einer türkischen /.ciluug cm Interview, welches der Bürgermeister-Stellvertreter von Jerusalem, Fakry Hey N a s c 11 a s c 11 i I» i, in der Franc der jüdisch-ara« bischen Kooperation gogebe» bat. Fakry Hey sprach sehr optimistisch über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von Juden und Arabern. 1029 haben Juden und Ara״ her zusammen eine Aktion gegen die Erhöhung der Grundstücksteucr unternommen, 19)1 Imben jüdische und arabische Chauffeure gemeinsam den grollen Streik erfolgreich durch* geführt. In den Stadträten sei die Kooperation ebenfalls mehrfach gelungen, Naschaschibi sagte, man müsse sich gefaßt machen auf eine erhöhte Einwanderung von Juden nach dem Orient infolge des wachsenden antisemitischen Druckes in der Welt. Palästina habe nicht genug Platz für diese Einwanderung, •aber man könne daran denken, sic in die arabischen Nachbarländer aufzunehmen. 1010 erwog der damalige Emir, spätere König Fcisal, den Plan, die jüdische Einwandcrung in die arabischen Länder auf/1!fangc11 unter der Bcdingung freilich, daß sic ihren Einfluß zugunsten der Vereinigung und Selbständigkeit der arabischen Lander geltend machen. Auf diesen Plan Feisals müsse man in der gegenwärtigen Situation zurückkommcn. Die Rückkehr des Groß ״Mufti Jerusalem (Palcor). — Im Anschluß an die Rückkehr des Jerusalemer Großmufti von seiner Reise durch Arabien erhalten wir die folgenden interessanten Mitteilungen: Die Delegation, an deren Spitze der Mufti nach Arabien fuhr, bestand außer ihm aus zwei angesehenen arabisch-nationatistischeii Politikern aus Syrien und einem bekannten arabischen Funktionär aus Aegypten. Die Aufgabe der Delegation bestand darin, zwischen den beiden kriegführenden arabischen Könige״, Ihn Saud und dem König von Jemen, zu vermitteln und einen Frieden?wischen ihnen herbemiführen. Diese Mission hat die Delegation nur in sehr geringem Umfange erfüllt, schon deshalb, weil sie sich von Anfang an völlig auf die Seite des Stärkeren, des Königs Ihn Saud, geschlagen, die ganze Zeit in seinem Hauptquartier verbracht und kaum Beziehungen zu der zweiten Pariei aufgenoinnien hat. Dagegen hat sich die Delegation stark mit politischen Ncbenauf~abc!1 beschäftigt, die in keiner Beziehung zu ihrer Mission standen: Die syrischen Delegierten führten mit dem König Ihn Saud Verhandlungen über den syrisehen Thron, auf den sie den ältesten Sohn Ihn Sauds, den Prinzen Fcisal, setzen wollen. Der Mufti seinerseits hat die Reise benutzt, um in arabisch-politischen Kreisen Intrigen gegen seinen Gegner, den Emir Abdtilla, zu spinnen und sieh dein König Ihn Saud, dem aufgehetulen Stern der arabischen tlalhinscl, zu nähern. Diese politischen Ncbenabsichten des Mufti und der syrischen!)elegierten haben dazu geführt, daß der ägyptische Delegierte sich vor einem Monat von der Delegation zurückgezogen hat und lieimgekehrt ist. Die Anhänger des Mufti beschlossen, ihm bei seiner Rückkehr nach Palästina einen demonstrativen festlichen Empfang zu bereiten, um sein gesunkenes Prestige wieder zu erhöhen. (Auch Emir Abduila kehrt demnächst von seiner Europareise zurück. — A. d. R.) Bescheidenheit in Palästina wichtig sind, weil ihr, reiner Idealismus das Parteigezänk vergessen machen kann. Mein Dank ist vielfach, hast Pu mir doch zu einem Lebensinhalt verhoben, der mich täglich neu mit Gluck erfüllt. Laß mich versuchen, Dir durch meine Arbeit für die Dinge zu danken, die Dir so besonders am Herzen liegen: Nationalfonds — Ben Scheinen — . Jugcndalijah. Und zum Schluß die Ritte um Verzeihung, daß ich meinem Herzen und meiner Zunge erlaubt habe, Deine Be- Rcheidciiheit zu verletzen. Ich bereue es nicht, denn ich finde, daß ein Mann von 75 Jahren (auch wenn er wie ein Jüngling aussicht und denkt) imstande sein muß, die Wahrheit über sich selbst zu hören, sei es auch nur von seiner Schwiegertochtcr. Ilse Warburg. Kundgebung des Keren Kajemeth ln tiefer Dankbarkeit beglückwünscht der Keren Kajcmeth Lcjisracl Professor Otto Warburg zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag. Kaum ein anderer hat wie er schon in den Früh?cltcn des Zionismus mH fanatischer Unbeirrbarkclt auf die Durchdringung der zionistischen Bewegung mH praktlscher Palästina-Arbeit hingewirkt. Er war einer der sieben ersten Gesellschafter des Keren Kajemclh. Neben David Wolffsohn war er der von der Zionistischen Organisation in das Direktorium des KKL entsandte erste Governor. An dieser Stelle und in den vielen hohen zionistischen Aemtem, die er bekleidete, hat er sich unvergängliche Verdienste um den Wiederaufbau Erez Israels erworben. Seine Popu« I a r i t ä t aber verdankt Otto Warburg einem der Volks* tUmllchstcn Sammclmlttc! des KKL, das er geschaffen hat: der ״O c 1 b a u m s p c n d c“ (später ״Baumspende״). Er kann an seinem Ehrentage mit Stolz darauf Hinweisen, daß durch die Baumspende der Keren Kajemeth in den Stand gesetzt worden ist, Wälder mH heute mehr als 1 800 000 Bäumen zu schäften. Möge Ihm, dem Immer jungen Zionisten, ein begluckender Lebensabend im Lande der Verwirklichung seiner Arbeit vergönnt sein. Keren Kajemeth LeHsrael * Zentrale lür Deutschland

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