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Jüdische Rundschau · 1934-07-17 · Heft 57 (17.7.1934) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 57 (17.7.1934)
Date
1934-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Kr. 57, 17• VII. 1934 1 “ \i ' 13 L!i vo L ' i/׳^.r3 \ר־ i ׳/ ף 4"׳" "sS \.,3 w t.i w״»'' iJ 'x Von Elicser Liebenstein (Fortsetzung aus voriger Nummer.) rמ \״״ f Hi ן :| j;1 ■ן ׳! ., ■ L«l •i 6W C. ׳ Lä fei äed W 3־־׳f f' : |iq fies 1 1 1 - Irr. 1 füll. # t'li k] 1 eilt 1 1er fl Inte ׳1 jk » fl 1 cick. ihm I1 |!U |b *1.1t jdic |u׳a lief krk |1T* len, iix. 11er Inn Ec n. j. Was sagt die revisionistische Theorie zum Problem der jüdischen Arbeit? Schon die rein theoretische Betrachtung der Juden frage durch den Revisionismus, die alles Augenmerk auf das Maeht• «olitischc richtet, birgt in sich große Gefahren für ein Verständnis des Problems der jüdischen Arbeit, jahotinsky klont, daß sein Zionismus zum Unterschied von dem cha• lu/ischcn oder religiösen Zionismus ein ״monistischer“ sei, d |1 daß seiner Auffassung nach die Erreichung des zionistisclicrr Zieles") mir mit politischen Mitteln möglich sei, wobei cs auf die Erziehung des Einzelnen und auf neue soziale Bande und ticstaltiingsformcn innerhalb des jüdijChcn Gemeinschaftslebens Erez Israels nicht ankomme. Nun, in der Wirklichkeit ist der Zionismus nie eine formal - politiscfie, eine oberflächliche Nachahmung anderer Volker folgende Bewegung gewesen. Die geistigen Ursprunee aller zionistischen Verwirklichung von Moses Heß UihI Rabbi Kalis eher bis zur heutigen Chaluzbcwegimg stammen aus Quellen ethischer find sozial-ethischer Erleb- ’״i<;Sc, Ohne diese wäre die zionistische Bewegung (wie übrigens auch manche andere nationale Renaissance — man dnikc an die politische Wiedergeburt Italiens im 19. Jht.) überhaupt nie entstanden. Sicbroti-Jakob und Roseh-Pinali sind Zeugen davon, was ein ״monistischer", von einer sozialethischen Synthese nicht berührter Zionismus uns geben kann. Ein Zionismus dieser Art entleert unsere Bewegung jedes menschlichen, kulturellen und deshalb auch nationalen Inhalts. Seine realen Schöpfungen sind die auf rücksichtsloser Auskutung arabischer Fellachen, begründeten Kolonien, die für jüdische Olim verschlossen sind und die, schon allein wirtschädlich gesehen, die tieferen Ursachen jeder Alijahspcrrc bedeuten. Dieser ״Zionismus“ bringt folgerichtig die Auffassung mit sieh, zu der sieh die Führer des Revisionismus bereits seit langem bekennen, und die Jahotinsky im Jahre 1928 in einer öffentlichen Kundgebung im Tel-Awiwcr Bcth-Am aussprach: Wenn es die Bedingungen des heutigen Wirtschaftliehen Systems erfordern, könne Erez Israel auch auf der Grundlage von ״Sklaverei, Schmutz und Blut“ gebaut werden. In diesem Salz ist in aller Naivität und aller Gefährlichkeil ausgesprochen, daß wir ein 1 and aufhaucn können, ohne daß die Hauenden soziale Verpflichtungen für Individumn und Gesellschaft aus sieb heraus entwickeln. Aus dieser ״monistischen“ Haltung entspringt die Gleichgültigkeit des Revisionismus gegenüber den sozialen und moralischen Forderungen der zionistischen Arbeiterschaft und des nationalcn Sicdhmgswerkcs. Dieser ״Monismus“ ist zugleich ein Spiejel einer noch gefährlicheren Eigenschaft des Revisionismus: Die größten, nicht auf politischem Gebiete liegenden, Schwierigkeiten der jüdischen Renaissance zu vertuschen und seine Anhänger mit politischen Erfolgsillusionen und erregenden Machtphantasien befriedigen zu wollen. Trotz der gegnerischen Haltung des Revisionismus zu den geistigen Inhalten der zionistischen Arbeiterschaft hat . er von ihr in sein ideologisches Lehrgebäude die Forderung der reinen jüdischen Arbeit in jüdischen Betrieben '״,übernommen. Wie hat sich aber diese, aus Ihren geistigmoralischen Zusammenhängen herausgerissene Forderung in der revisionistischen Wirklichkeit bewährt? 3. Die revisionistische Praxis Im Kibbusch-Awodah. Bas Jahr 1931 steht in der palästinensischen Wirklichkeit im Zeichen des Kampfes um das Schicksal der jüdischen Arbeit im Scharon. Kfar-Saba und der gesamte Scharon ist der einzige Plaufagcnbc/irk, in dem bis jetzt rein jüdische Arbeit und jüdische Wirtschaft herrschten. Dieses Gebiet 1'OR Pctaeb-Tikwah bis Chedcrah ist /»gleich die grüßte Hoffnung für die nächste ländliche Auskeilung Palästinas. In feem Jahre sind im Scharon die ersten Vorboten arabischer Arbeit erschienen. Aus dein Beispiel von Binjarnina «issen wir, was diese Vorboten bedeuten. Noch im Jahre 1928 "ar Binjarnina eine Kolonie mit hundertprozentig, jüdischer Arbeit; heute gibt es in Binjarnina nur 6 °/0 jüdischer Arbeiter») Wenn dasselbe mit Kfar-Saba und den! Scharon geschieht, sind die Aufnahmemöglichkeiten des Landes, und damit die Alijalnnöglichkcitcn überhaupt, aufs schwierigste gefährdet. Die jüdische wirtschaftliche Pyramide in Palästina würde in diesem Falle ebenso wie die in der Diaspora auf d!« Spitze gestellt. Wir würden jede Arbeifsgrumllagc in der Landwirtschaft verlieren und durch das Einströmen jüdisehen Privatknpitals in die Plantagcnwirtschaft auf jüdischen Wen eine Siedlung von tausenden arabischen Neuem- »andeern aus der Wüste begründen. Der ganze Jiscliuw, die Arbeiter, die Jugend, die Intcllckwlicn und auch bürgerliche Elemente sind an dem Kampf ״'f jüdischen Arbeit in Kfar-Saba beteiligt. Zu Beginn dieses Kampfes war auch der revisionistische ״Bctar“ dabei. Fr hat ,‘.'*י aber von den ״Mischmaroth“8), auf höhere Weisung "in, zurückgezogen. Dieser Schritt war bestimmt keine leichte Entscheidung für die revisionistische Partei. Aber auch hier handelte sie aus einem gcistespolilischen Zwange. Der alles 6'herrschende Wunsch, zur Maeht zu kommen (das ist der )Hhre ״Monismus“ der revisionistischen Bewegung!), der ״'danke, daß die ״Macht“ im Zionismus nur durch das ״Brechen" der Histadruth zu erreichen ist, hat seine Stcl- 1״ngnahmc gegen die jüdische Arbeiterschaft und gegen den Kampt um die jüdische Arbeit, deren Träger diese Arbeiter- Schaft ist, entschieden. Für eine andere, wahrhaft zionistische viruppkrnng wäre eine parteitaktische Beziehung allein nicht *üsschlaggebcnd, um in einem entscheidenden Problem wie ״'m der jüdischen Arbeit ihre Haltung zu bestimmen. Für )'de andere Gruppierung bedeutet der Zionismus: Plan- ״fige Alijali und bodenständige Siedlung, menschliche Oe- ®1**1•nfT, jüdische Kultur und sozialer Aufbau. Für jede zio* "1stischc Gruppierung ist die Machtausübung im Ziomsn!Ws und im Jiscliuw (von ihrer objektiven Begrenztheit ganz “,gesellen) keinesfalls das wuchtigste oder sogar das alleinige 1־'I• fiir das alles andere unter parieitaktischen Gesichts- , e) Das seiner Auffassung mit der Erringung einer jüdi- *ehen Mehrheit in Palästina bereits erreicht ist. Als ob da-?1!'eh, daß in Erez Israel einige Juden mehr als Araber “״en werden, die Judenfrage der großen Diaspora gelost . Um die Verdrängung der jüdischen Arbeit aus Bin- Unnna hat sich insbesondere Herr Silber, ein tätiges Mitped des Kolonisten-Verbandcs, ein großer Revisionisten- ״'Und und zuletzt ein ständiger Mitarbeiter der revisiomsti- ,'nen Zeitung ״Hajardcn“ verdient gemacht. Misehmereth, Mchrz. Mischmaroth — Wachtposten vor!“dischen Plantage«, die ihre jüdischen Arbeiter durch ara• «sehe verdrängt haben. punkten 7tun Opfer gebracht werden darf. Keine zionistische 1 artei würde in einem so weitgehenden Maße wie der Rcvisionismus die grundlegenden zionistischen Bedürfnisse dem Moloch des Machtstrebens zum Opfer bringen. Aus den Bedürfnissen seines Machtstrebens heraus hat der Revisionismus seine tatsächliche Stellung zur jüdischeu Arbeit bestimmt. Obwohl er theoretisch für 100 ״/oige jüdische Arbeit in der jüdischen Wirtschaft ist, obwohl er tu der Propaganda sich nicht ״national“ genug gebärden kann, hat er praktisch die Front des Kampfes um jüdische Arbeit verlassen. In den ״Mischmarotli“ in Kfar-Saba stellen neben Menschen der Histadruth und des H.ipoel Hamisrachi Arbeiter der Agudath Israel, Lehrer der jüdischen Schulen, junge Ciinlu/im und alte Schriftsteller, -- allein die Revisionisten und der ״Betar“ haben sich davon zurückgezogen.. Dafür aber sind die Rcvisionisten. unter den Kolonisten, die neuerdings arabische Arbeiter eingeführt haben, zu finden. Auch unter den sehr wenigen jüdischen Arbeitern, die trotz der Mahnungen der ״Mischmaroth" zusammen mit den neu eingestellten Fcliadien und Beduinen bei den Verdrängern jüdischer Arbeit arbeiten, uni den Kolonisten die Ausführung spezieller Arbeiten, deren die Fellachen nicht kundig sind, zu ermög* liehen, nehmen die Revisionisten einen sehr großen Platz ein. Die Feindschaft gegen die zionistische Arbeiterschaft hat den Revisionismus zu einem Verbündeten aller ihrer innerjüdischen Gegner gemacht, zunächst aber zu einem Verbiindeten des Kolonisten-Verbandcs. Die neuen Bundesgenossen haben die ״nationale“ Partei verpflichtet, sich vom Kampf um die jüdische Arbeit zurftckzuziehcn״). Die ״nationale Partei hat gehorcht'׳"). In diesem Schritt liegt vielleicht der Beginn des Unterganges der revisionistischen Bewegung überhaupt. Eine ״zionistische“ Partei, die dein Kampf um jüdische Arbeit den Rücken gekehrt hat, hat ihr geschichtliches Urteil selbst gefällt. Etwas unverhofft Ist der Revisionismus durch seine jüngsten Freunde in eine nähere Nachbarschaft mit Ara- Sk r 11 gekommen. Zwar nicht mit arabischen Fellachen und Arbcitsmcusrhcn, deren Höherentwicklung ein ״Verrat am Zionismus“ sei, sondern mit den arabischen Effcndis, um die sich die Führung des Kolouistenverbandcs seit langem bemüht. Die Bedingtheit der Aggressivität gegenüber den Arabern durch inucr/.ionistische Propngandazwcckc hat man wohl im engeren Kreise schon vor einigen Jahren vorausgeahnt. In einem Brief an seinen Freund Jewill (Redakteur des revisionistischen ״Cliasit-Haam“) erläutert der revisionistische Dichter Uri! Zwi G r ii n b c r g die propagandistische Relativität der revisionistischen außenpolitischen Aggressivtät; er warnt ihn davor, diese allzu buchstäblich zu nehmen und schließt mit <10111 vielsagenden Satz: ״Laßt die Be- Schädigung mit den Angriffen der Außenwelt (iin hebräischen Original: Risch’utli Edom), — wir haben genug im Innern zu tun!"״) Der Kreis der gcistcspolitischcn Entwicklung des Rcvislouisiiius scheint sieh schließen zu wollen. Diese ״nationale" Partei, die sich um die Theorie der zionistischen Disziplin bemüht, die HX)״,״ige jüdische Arbeit fordert, — im trauten Bündnis mit den Kolonisten, die sich um ein Bündnis mit dem arabischen Grundbesitzcrtuni bemühen, die der britischen Administration die treueste Gefolgschaft leisten, die die zio• nistische Bewegung und den Waad Lcumi boykottieren und das Prinzip der ״gemischten“ Arbeit auf ihrem Banner tragcnl III. Nationale Disziplin und nationale Arbitrage Von seiner Weltanschauung aus sollte der Revisionismus eigentlich jede Maßnahme unterstützen, die das Ansehen und die autoritative Kraft unserer nationalen Instanzen, wie die der Zionistischen Exekutive oder des Waad Lcumi, stärken. Tatsachlich ist es aber ganz anders geworden. Von Anbeginn seiner Existenz kämpft die revisionistische Bewegung gegen die Einheitlichkeit und den Autoritätsanspruch der zionistischen Instanzen. Jahotinsky hat bereits vor sechs Jahren die zionistische Weltorgani« s a t i o 1t als ״verfault" bezeichnet. Seitdem versucht die rcvisionistisclie Bewegung in verschiedenen Formen, die zionistische Weltorganisation zu spalten und ihre Repräsentanz, nach außen als unmaßgeblich zu erklären. So kam es zu dem bekannten Beschluß der Rcvisionisten-Konfcrenz 141 Calais, wo die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation fiir die Revisionisten als 11H1t verpflichtend anerkannt wurde und die ״Revisionistische Union" als Ganzes sich außerhalb der zionistischen Organisation stellte, Jahotinsky faßt seine grundsätzliche Stellungnahme r.ir zionistischen Weltorganisation und zum Zionistenkangreß in folgenden prägnanten Sätzen zusammen: ״Der gesinnte Kragcnkomidrx, 011 ein Revisionist einen Schekel nehmen und zum Kongreß wühlen soll, gehört, in den Bereich der praktischen Hcrceliniing. Es ist eine reine Nlltzlichkeitsfruge, die man in diesem Jahre so und in zwei Jahren ganz anders beantworlen kann. Sie hat nichts mit Prinzipien und Weltanschauung zu tun. ... (Gcspmt von nvr. K. L.) Es ist lächerlich, die!׳'rage des Schekels mit soviel Aufregung zu bc• trachten, als ob es eine Gewissensfrage wäre12).“ 8) Uebrigcns ist das nicht das erste Zeugnis dieses Bund• nisscs. Als die Revisionisten im November 1933 den Boykott gegen die von der Jcwish Agency erlangten Zertifikate erkliirt haben (weil die Annahme der geringen Zertifikats- Quote vom Standpunkte ihrer Propaganda eine Entwürdigung des Zionismus bedeutete), haben sie zur gleichen Zeit in einer diskreten Form mit den Kolonistcnkrcisen — Bnc Binjamin und Hanotcjah — vereinbart, daß diese fiir die Menschen des Brith Truinpeldor besondere Zertifikate bei der palästinensischen Regierung erbitten sollten. Diese jüdi* sehe ״Staatspartei" hat auch davor keinen Halt gemacht, eine der wenigen quasi-staatlichen Funktionen der zionistischen Weltbewegung, das Recht auf Zertifikats-Verteilung, zu breeben. Der Tatbestand dieser ״politischen Aktion“ der Rcvisionisien wurde vor ein paar Wochen vor dem zionistischen Ehrengericht (Lichtheim, wolfsberg, Snioira) einstimmig festgestellt. 10) Ucber das Verlassen der Miselnnaroth von seiten der Revisionisten und ihre Unterstützung der Araber bcschäitigenden Kolonisten siehe die palästinensischen Tageszeitungen ״Haarez“ und ״Dawar״, April, Juni 1934. 1») Aus den veröffentlichten Dokumenten der Vor- Untersuchung im Ariosoroff-Prozcß, vorgelcsen am 25. August 1933, veröffentlicht in allen palästinensischen Zeitungen im August 1933. ») Aus dem ״Rasswjet“ Jahrgang 1933, Nr. 4. Der Revisionistenftihrer spricht liier in ein p1.tr Sätzen *eine ganze Weltanschauung aus. Das Problem, ob eine zionistische Einheit, ob eine uberparteiliehe Zionistische Organisation bestehen soll, ist eine ״Niit/Iichkeitsfragc“, die jede Gruppierung im Zionismus nach seiner Auffassung ״in diesem Jahre so und in zwei Jahren ganz anders", je nach partei* taktischer Ueherlegung und Aussichten der ״Maehtergri ifutig" beantworten kann. Zur Aufregung sieht Jahotinsky bei so einer Auflösung des einzigen Surrogates unserer Staatlichkeit keinen Platz. Firr diesen ״Erneuerer der Iler/Ischen Prinzipien״ hat der Hcr/Ischc Grundgedanke, die Existenz einer einheitliehen Zionistenorganisation •- ״mit Prinzipien nichts zu tun״. Auf dem Wege zur Macht ist die Zertrümmerung der jüdischeu Volksverbundenheit, ebenso wie die ״Brechung“ der jüdischen Arbeit keine Gewissensfrage mehr. Gibt es denn (ibeihaupt noch Gcwissensfragcn für diesen Kreis? In derselben Zeit bemühten sich die Revisionisten, eine Theorie zu konstruieren, daß sic zwar fiir nationale Einheit lind Solidarität alles übrig haben, daß aber die Zionistische Weltorganisation der Diaspora kein Ausdruck der jüdischen Einheit sei, da sie das innerlich zersetzte Judentum der Oolah repräsentiere. Dafür aber sollte der Knesseth-Israel (der jüdi-!•dien, von der Regierung bestätigten autonomen Körnerschaft in Palästina) und ihrem Vollzugsorgan, dem Waad Lcumi, die höchste Macht und die höchste Autorität zugestanden werden. Der Waad Lcumi sollte in allen Fragen des Jischuw — in Kulturfragen, sozialen Problemen, Arbeitsstreitigkeiten — entscheiden. Er sollte auch darüber hinaus noch als politisciier Repräsentant des Zionismus gegenüber der Regierung dienen. In den Jahren 1928/1929 und 1930 hohen die Revisionisten, insbesondere Jahotinsky, den Waad Leumi im Gegensatz zu der ״vcifaulten“ Zionistischen Organisation, als die wahre politische Autorität des Zionismus hervor. Seitdem hat sich alles aber wieder geändert. Aus dem Zwang einer inneren Logik, ans dem Zwang ihrer Propagamla, sind die Revisionisten aus dem Waad Leumi ausgetreteil und führen, ebenso wie der Kolonisten-Vcrband, den schärfsten Kampf gegen ihn. Als die Krönung dieses Kampfes ist wohl die revisionistische Demonstration mit Zcrtrümmerung von Fenstern im Gebäude des Waad Leumi in Jerusalem im Mai 1931 zu bezeichnen. Die revisionistischen Dcmonstranten rückten mit Pflastersteinen und Sprechchören ״Nieder mit dem Waad Leumi, — es lebe Jahotinsky, Rabbi Kuk und Achi Mcir“ vor1"). In diesen Hochrufen auf Achi Mcir und Rabbi Kuk äußerte sieh in symbolischer Weise das Bündnis mit Kräften, die von einer anderen Seite her die nationale Autorität des Waad Lcumi untergraben wollten“). Ungefähr dieselbe Entwicklung machte der Revisionismus ln seiner Stellung zur nationalen Arbitrage:') in Arbeitsfragen und Arbeitsstreitigkeiten durch. Es ist noch nicht so lange her, daß der Revisionismus sich selbst als den Urheber des Gedankens der Notwendigkeit nationaler Eiitschckluilg und Schlichtung in Arbeitskonflikten rühmte. Es mag sein, daß er es auch noch beute tut. Dieser Selbstrtihm war nun immer eine kleine Fälschung der zionistischen Geschichte. Der Gedanke der Notwendigkeit einer nationalen Instanz, für die Durchsetzung der jüdischen Arbeit, fiir die Sicherung eines kulturellen Lebensniveaus für arbeitende Juden und fiir Schlichtung und Entscheidung in Arbeitsstrcitigkcitcn stammt von der zionistischen Arhcitcrschalt. Er ist mit ihrer Auffassung der jüdischen Entwicklung in Palästina, die insbesondere in diesem Anfangsstadium nur durch Aufbau und Frieden sich gefahrlos durchsetzen kann, organisch verbunden. Bereits Im Frühjahr 1911 haben Vertreter der Arbeiter- Schaft (Herl Katznelson) von der ins 1 and gekommenen Kommission der Zionistischen Exekutive (Sokolow, Mot/kin und Boris Goldberg) die Schaffung einer nationalen Instanz für die Regelung aller Arbeitsfragen gefordert, f liese nationale Instanz sollte auf den Vorschlag der Arbeiter hin ״ein endgültiges Beschlußrecht gegenüber beiden Parteien“ haben“). Mit dem Aufschwung der jüdischen Privatwirtschaft nach dem Kriege, zur Zeit der vierteil Alijali im Jahre 1925, haben die Histadruth und Dr. Arthur Ruppin im Aufträge der damaligen Zionistischen Exekutive diese Forderungen erneuert. Sie wurden in der damals ziemlich bekannten ״Kommission der 15“ bchandelt. Beide Male ist die Anregung der Arbeiterschaft nicht verwirklicht worden. Das erste Mai im Jahre 1914 wegen des Widerstandes der Kolonisten (ihr Vertreter war Moschch Smilansky), das zweite Mal im Jahre 1925 wegen des Wider- Standes der Industriellen. Das zur Geschichte. An und für sich aber wäre es ganz gut, wenn die Revisionisten aus ihrer subjektiven, wenn auch nicht wahren Vorstellung, daß sic die Urheber des Gedankens der nationalen Arbitrage sind, die Konsequenzen gezogen hätten. Würde die ideologische Einbildung in dieser Frage eine aufrichtige Hingabe zu den von ihnen verteidigten Gedanken zur Folge haben, dann hätte die tatsächliche Entwickhing des Revisionismus in Arbeitsstreitigkeiten ganz anders ausgeschcn. Tatsächlich ist aber der Revisionismus (neben dem Kolonistcn-Verbmid) das größte Hemmnis fiir die Durchsetzung einer Arbeitsordnung und einer nationalen Arbitrage in Erez Israel geworden. Während der letzten großen Arbeitsstreitigkeiten in Rechowoth und Chcderali, iin Frühjahr 1934, als der Waad Lcumi zur Entscheidung angerufen wurde, haben sich die Revisionisten geweigert, seinen Spruch anzuerkennen. Ihre Vertreter haben bei den Verhandlungen in Rechowoth klar 7.11m Ausdruck gebracht, daß sic eventuell zu einer Vereinbarung in den konkreten Fragen bereit wären (es handelte sich um die Schlüsselung einer Arbeitsverteilung zwischen der Histadruth und dem I lapoel-Hamisrachi einerseits und den Revisionisten andererseits), daß sie aber die Ein- Setzung eines Vertreters des Waad I.cuini als entscheidenden Faktor für die .Schlichtung eventueller Konflikte keinesfalls anerkennen wollen. So weit ist cs seit dem Frühjahr 1929 gekommen, als Wladimir Jahotinsky verkündete: ״Die erste Aufgabe des neuen Waad Leumi ist die Schaffung einer allgemeinen Institution für nationale Arbitrage1’)!“ Uebrigcns noch im Jahre 1932 forderte Jahotinsky die Einsetzung eines autoritativen ״Arbeitsbiiros“, das von den Instanzen des Zionislcn-Kongresscs gebildet wird“)....* (Fortsetzung folgt) ״ (ייHaare/." Mai 1934. י‘) In einem ״offenen Brief" an Rabbi Kuk in der revisionistischrn Zeitung ״Hajardcn“ (Juni d. J.) sieht der Verfasser den Rabbi bereits im zukünftigen jüdischen Reich als ״den Hohepriester, der da! Tempel weiht . , **) Unter ״nationaler Arbitrage“ versteht man in der zionistischen Terminologie die Einsetzung einer nationai-iibergeordneten Instanz zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten, >*) 8. B. Kaznelson: ״Der Zionismus am Scheideweg?“, Hechalur.-Vcrlag, Berlin 1933, S. 25/6. 1’) Aus dem Aufsatz ״Das Regime des nationalen Kompromisses", ״Doar Hajom" 1929, wicdergebracht in der hebrä• ischen Sammelschrift von Jahotinsky ״Schecloth-Awodah“ (Ar« beitsfragen). »*) Aus dem Aufsatz: ״Die Herrschaft der Faust in Paiästina“, ״Doar Hajom“ 1932, wiedergebracht in der oben erwähnten Sammelschrift.

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