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Jüdische Rundschau · 1934-07-17 · Heft 57 (17.7.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 57 (17.7.1934)
Date
1934-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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I Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr- 57, 17. VII.!934 Sinn fürs Paradoxe lut, lind wohl auch weilt, daß der erfolgreichc Zauber der Berührung tuit dem Boden bedarf, schickt er sich an, die ihres ja stets mir erschlichen gewesenen prägnanten Sinns beraubte Formel ״Tora 1111 Derech Ercz״ durch eine nmtcre 711 ersetzen, die — ein schönes Synibolan ries wiederkelireiideu Sinns für die Erneuerung unserer alten Sprache auch in diesen Kreisen — innerhalb der Wortkombinationen, die man Hebräisch nennt, überhaupt aut keinerlei Sinn zuriickbliekeu kann: ״Tora im Dcrech I rvz Israel“. Diese vom Genius der Sprache nicht berührte Zauberformel, die den Boden unseres Landes in den Anwendungsbereich der sozusagen nunmehr Itcimgcgaiigcncn alten Formel irgendwie 'cinzubcziehen scheint, bedeutet — im Deutschen ist die oriliodoxe Terminologie noch um so vieles klarer! — den Kampf um ״nationale Emanzipation“, natürlich nicht im Sinn des zionistischen Verrats au Gott, sondern im Sinn des ״Thedaismus“. Thedai'smus — das soll heilten; Eroberung Pa.astinas für die von Hirsch geschaffene Phantoinwelt, nachdem sie sieh in jenem Gallith, aus dessen ״milden Seiten“ sie entsprungen ist, bei weniger günstigen Winden zu verflüchtigen droht. Hirsch zwar, der bekanntlich nichts von Palästina als unserer Aufgäbe hat wissen wollen, wollte, wie der Autor mit so schöner Vorsicht sagt, ״selbst in der Gola nichts anderes als tiucli im Gottesstaat der Zukunft heute schon ,mzusicddu“. Aber diese Ansicdhing, mau darf es deutlich sagen, ist gescheitert, und mit gutem Grund, Auf dem Boden der Apokalypse, und gar schon einer, die sich selbst nicht ernst nahm und deren ganzes Streben war, die ihr ureigene Katastrophalität zu vorleugnen, wohnt sich schlecht. Der Zionismus, der verwandten, wenn auch ganz anders plakatierten Versuchungen in diesen Tagen standziilialtcn hat, hat den großen Vorteil, diese so hoffmmgslos kompromittierten Losungen nie zu den seinen gemacht zu haben. Er hat sich, wo er seine religiöse Problcmatik noch nicht ergriffen hat, zu seiner Weltlichkeit ohne viele Mätzchen bekannt und ist durch keine zweideutigen Phraseologien verhindert, aus solcher Weltlichkeit heraus sich selbst, und damit seinem Genius zu begegnen, der ihn vor jene Fragen stellen wird, denen das jüdische Volk, wir dürfen dessen gewiß sein, nicht entrinnen kann. In Samson Raphael Hirsch ist eine der wenigen großen Chancen jüdischer Erncucrung eingesetzt und verspielt worden. Nicht unter seinem Banner wird der Kampf der Tora in unserem Lande möglich sein. Und in der Tat; das ist ja gar nicht mehr dieselbe Falnic, die Isaac Breuer schwingt, wenn er uns auch versichert, daß sic nur ein wenig renoviert sei. Ach nein, sie ist tief verwandelt, verwandelt von nichts anderem als jenem luziferisch-vcrworfencn Zionismus, der den Metaphysiker des Separatismus unwiderstehlich anzieht und der doch seinem wachen politischen Gefühl mit Recht als die stärkste Bcdrohnng seiner Welt erscheint. Seit es die alten Losungen, im orthodoxen nicht anders als im liberalen Lager, nicht mehr schaffen, seit unser Volk Geschichte walirgenommcn hat und will, in ihren profansten und sakralsten Bereichen allzumal, sind eine Reihe von Ideologien entstanden, die diesen Anspruch unter Aufgebot beträchtlicher Paradoxien und Absurditäten abzulcnkeii suchen, ln Breuers Buch liegt uns die streng orthodoxe Variante dieser Versuche vor. Und so bekämpfenswert sie auch erscheinen mag, sie darf doch unserer Achtung durch die klare Abkehr sicher sein, mit der sic — im Prinzipiellen wenigstens2) — auf jenes unerträgliche, sehnsüchtige Schielen nach dem deutschen Geschieh tsbcrcich verzichtct hat, das die gespreizte Lridcnsthcologie der ״deutschjüdischen Existenz“, die von der anderen Seite propagiert wird, so vollends ungenießbar macht. Der Jude dieses ״Neuen Kasan“ will ein Jude sein, und nichts als Jude — aber ihm wird in langer, freilich überaus dubioser Interpretation des Herisehaftsaiispruchs der Theokratie das Dasein im profangeschichtlichen Bereich verboten. Aber wir vertrauen auf die immanente Gewalt einer Bewegung, die von so künstlichen und nicht einmal von irgendeiner Quelle unseres Schrifttums ohne ״Dreh“ gedeckten Verboten nicht zu hemmen ist: Alfred Railens Schüler werden unter der Fahne des Thedai’smus vielleicht noch bis nach Jaffa fahren — ja; hoffen wir, daß sie cs baldigst tun, aber eine verwandelte Welt wird sic schnell ■mitvcrwandcln. Die geheime Magie der neuen Losung, wenn anders sie eine besitzt (denn ihr palpabtcr ״Sinn“ wird keinen auch nur bis nach Jaffa bringen), wird über die Intentionen ihres Meisters, der die Geister des Landes z.u beschwören unternimmt, den Sieg behaupten. Weniger Dinge — diese Prophezciung ist nicht schwer — darf Alfred Roden sich so 1 sehr versichert halten wie des Abfalls seiner Schüler zu jenen 1 Geistern, die dort aus der Erde steigen, und die mit den | Schemen, die die Welt Rabbiner Hirschs bevölkern, für iden- | tisch zu halfen, sein, gestehen wir es, uns willkommener frucht- I barer Irrtum ist. 1 m. 1 Die Tendenz, die auch im Bewußtsein des Autors ge- ן fälmletc Welt von Samson Raphael Hirsch durch eine verwan- ן dcliulc Interpretation zu retten, die ihr Aggressivität und | Macht verleihen könnte, kommt aber nicht nur in diesem | Punkt, in der Ideologie des ״Thcda'isnius“ und der Polemik .ן gegen den Zionismus als Verrat am Gottesstaat zum Ausjj druck. Sind doch noch ganz andere Säulen dieser Hirsch’schcn I Well ins Wanken geraten! Wenn immerhin in der historischen!'j Perspektive jenes ״Tora im Derech Erez“, das uns heute gj so erbittert, sich als die stärkste Säule seines Ruhms erwiesen hat, so war das doch nur eine formale Zusammenfassung eines Inhalts, der seinem Schöpfer sehr viel mehr am Herzen lag, Dieser Inhalt ist jüngst von Max Wiener in seinem ausgezeichneten Buch ״Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation“ in scharfen Zügen analysiert worden, wobei aus dieser Analyse zugleich auch ohne Formulierung eine ziemlieh vernichtende Kritik hcraussprang. Längst ist diese anspruchsvollste Seite der Hirsch’schen Theologie, die sich freilich am wenigsten durchzusetzen vermocht hat, als eine Welt der t■4»״ In Triest t—^ L'. ^1•״׳* ץ•*• ,a# suil Aus Triest wird uns berichtet: Aut dem Bahnhof halle sich eine zahlreiche Menge eingefunden, in einem besonderen Waggon des Wiener Zuges stand der einfache San■-, zu seinen I Hupten ein brennendes Licht und zu beiden Seiten eine Totenwache; paarweise stiegen die Menschen schweigend in den Wagen, um noch einmal den Sarg des Dichters zu sehen. Am Abend des gleichen Tages fand in der schonen Synagoge der Stadt eine' Traticrfcier statt, der auch die Gattin des Dichters beiwohnte. Umrahmt von Gesäugen des Chors und des Vorlwters sprach Rabbiner Zoller zuerst in hebräischer, daun übersetzt in italienischer Sprache warm empfundene Gedenkworte. Mit dom Dampfer ״Italia" trat am nächsten Tage die Leiche Bialiks die Heimreise nach Palästina an, mit dem gleichen Schiff fuhren etwa 150 junge Menschen in das Land, das fiir sie Zukunft und Leben bedeutet. Knapp vor Abgang des Dampfers fand an Bord noch eine kurze Feierliclikcit im Beisein des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Triest und einiger auswärtiger Vertreter statt, hei der außer Rabb, Prof. Zoller noch der Präsident der Zionistischen QrganiSfition von Floren/ und der Vizcpr.ifckt Ansprachen hielten. Dann setzte sich das Schiff unter dein Gesang der Hatikwah in Bewegung. A. F. Trauerfeier in Paris (Von unserem Berichterstatter.) F, G. Paris, 12. 7. 34. Der Keren Kajemeth Lcjisracl veranstaltete Donnerstag gemeinsam mit den anderen Zionistischen Organisationen von Paris mul der Federation des Soeietcs Juives eine grolk Traucrkuiulgclniug für Bialik. Schon lange vor Beginn der Kundgebung war der große Festsaal des Petit Journal in der Ruc Cadet von einem zahlreichen Publikum besetzt, unter dem man die bekannten Köpfe der jüdischen Kolonie von Paris in seltener Vollzähligkeit begrüßen konnte. Mit dem Giocketischlage 0 Uhr nahm das Präsidium auf erhöhter Estrade Platz mul nach einem lebhaften Beifall, der der Person des Bürgermeisters von T e 1 - A w i «׳, Diczcngof I, galt, crölfncic dieser die Tiaiierkiiiidgebiing. Dicvengoff, der seinen Kuraufenthalt in Frankreich unterbrochen hatte, wiirdigte die Persönlichkeit des Dichters, den er das ״Oe■ wissen und die Autorität der jüdischen Gemeinschaft“ nannte. Salman Sclmeur, selbst eine führende Persönlichkeit der hebräischen Dichtung, gab eine prägnante, aber durchaus zutreffende Analyse des künstlerischen Schaffens dieses klassi• sehen Dichters, zeigte, wie diese Persönlichkeit eine ganz« *c*1 *f^ Schule geschaffen hat, legte die Epochen des dichterischen un׳) I wissenschaftlichen Arbeiten* Bialiks dar, und schloß mit dnts erschütternden Troticgclöbiiis zu der Persönlichkeit mu| j Wirken dieses großen Menschen. In besonders cltarakterisT | scher und interessanter Weise umriß Edmond Flcg, der hl rühmte französische Schriftsteller, Leben, Wirken und Schaf* Bialiks, den er mit Victor Hugo verglich; ebenso wie bciV« Tode Victor Hugos das ganze französische Volk an der seines großen Sohnes trauerte, so stellt heute ganz, Israel vor1 tiefster Trauer an der Bahre dessen, der sein geistiger j|n..' i führer, sein Prophet, sein Liebling gewesen ist. Die (j|״[,| war mit ihm und über ihm, und so konnte er der WahrhnuJ kiinder seines Volkes sein, das ihn so liebte, wie er cs ve-, diente, und wie er groß war in der Liebe zu seinem Voll״ Nnhuiu Goldman, Rabbiner Aisenstadt, Benjamin GremieutI Jeffroikin, BerthoUli-Latzky und Amlrfi Spirc rundeten <!<1 ד Kreis derer, die ihren Hcrzeiisgcfiihlcn für üialik tief tml fundene Worte weihten. ‘ * Aus allen Ländern kommen Nachrichten Uber Trauer! leiern und Kundgebungen. Das Begräbnis fand am Monta״ dem 16. Juli, ln Tcl-Äwhv statt. *,י ln der von der F.nglish Zionists Federation in de! Shorcditch Towtt Hall in London veranstalteten Bialik-Ge. dächtnisfcicr hielten Chief-Rabbi Dr. J. II. Hertz, Pro! Brodcfsky und mehrere andere Redner Ansprachen. |)r Cltaim \V c i z in a!1 n, der den Vorsitz führte, erklärte, Biabk| sei unser aller Lehrer und Meister gewesen; wir alle Itaher, zu scinen Füßen gesessen und es läßt sich kaum vorstellen, daß diese Leben und Geist atisstrahlemlc Macht nicht mehr ist, j Wie ein Teilnehmer an der Londoner Konferenz dal W c 11 v c r b a 1! d e 8 f ii r r e I i g i ö s -1 i b e r a I es j 11 d en.j tum mittcilt, wurde auf dieser Konferenz auch eine Traun.! kumlgcbiing anläßlich des llinseheidens Cltaim Nachm« I Bialiks veranstaltet. Am Schluff der Eröffnungssitzung gt■! dachte Obcrrabbiner Dr. Markus Ehrenpreis aus Stock- Itolin des schweren Verlustes, den das Judentum der ganze-,I Welt durch den Tod dieses Dichters erlitten hat. D,;| Versammlung ehrte das Andenken des Toten durch Erhebt!| von den Sitzen. Der Zionistische Landesverband fiir 0 c sterl reich hat einen Aufruf an die Zionisten Oesterreichs et-1 lassen, in dem ausgeführt wird: ״Lasset das Gefühl derI allgemeinen Trauer ausklingen in das Gelöbnis: Wir volles] Bialiks Gedankengut, die hebräische Sprache, unser Schrill׳ tum und alle kulturellen Bestrebungen liebevoll pflegen. Vi wollen in Bialiks Geist, brüderlich vereint, Ercz Israel stark] und mächtig machen. So werden wir am besten Cltaim Nach• | man Bialik ehren.“ s) Uh sage: im Prinzipiellen wenigstens. Denn das Ist das Merkwürdige und gehört vielleicht zu den vielen Wundern der ״Tora im Derech Ercz“-Weit: diese ״unahhängigen“ Orthodoxen, die aus den tiefsten Quellen der Halacha mul Kabbala schönten können, die den Zionismus ats grauen- ״ «Sie Ausgeburt der schlimmsten, weil innerlichsten Assimilahem mit so viel Glut entlarven, haben einen Stil und eine Terminologie, die einigermaßen überrascht. Da gibt es nicht mir das ganze zionistische Vokabular, fein säuberlich und orthodox drapiert, da wimmelt es auch neuerdings in innerjüdischen Zusammenhängen von Front und Führer, von natioiialem Sozialismus und vom dritten Jischuw. Und maneher, tter Schamgefühl und Sinn für den Klang solcher einer amieren Welt entlehnten Begriffe im Mund von Juden besitzt, hat wohl schon mimchmal bei der Lektüre des Frankurtcr ״Israelit“ und anderer neuester LiteratuTprodukte aus der Hirsch sehen Schule stumm sein Haupt verhüllt. hemmungslosesten Allegorese (die sich, wie damals üblich, fälsch* lieh als Symbolik nahm) erkannt worden, einer Allegorese, die sich den Zugang zur Mystik und zum echten Symbol (in dem sich nicht irgendwelche ״Ideen“, sondern ein Unaussprcchbares und Unvoll/iehbarcs realisieren) mit Konsequenz und Ernst verboten hat. Hirschs liberale Gegner, ihm an historischem Instinkt fürs ihnen Unsympathische weit überlegen, fühlten schon vor 70 Jahren in ׳dieser rationalistisch-humanistischen Allegorese den fernen Nachklang einer Mystik, die in diesem Mann sich so entschlossen seihst verleugnet hat. Kabbala-Angst — das war der Albdruck jener Generationen der jüdischen Orthodoxie in Deutschland, denen die Schrecken des Eibeschiitzschcn Skandals (dessen geheime Geschichte ihnen noch bekannter war als uns) tief in den Knochen saßen. Kabbala-Augst — das war das geheime Signum von Hirschs Bemühungen um die Tiefen der Tora, Bemühungen, die in den Sphären eines mystizistisch überhöhten, allegorisch schillernden Humanismus stecken btic* ben, weil dieser Philo des 10. Jahrhunderts seine Welt tun jeden Preis vor der Kompromittierimg schützen wollte, die in der Riickbczielmng auf die der Kabbala damals zweifellos gelegen halte. So blieb sie blutlos, schemenhaft, nur mitunter von dem einen oder andern tiefergreifenden Satz wie aua einem verborgenen, nicht in ihr selbst gelegenen Zentrum in wahrhaft mystischem Glanz, spontan erhellt. Hirschs atisgcsprochcnc Sympathien fiir den Torakoinmcntar des Nachniankles, über dessen kabbalistische Stücke er mit eiserner Beharrlichkeit hinwcglas, sagen viel über ihn selber aus, viel auch über Möglichkeiten, die in ihm verschüttet waren. Der Enkel aber hat heimgefmiden. Nur was sich verwandclt, kann gerettet werden. Hirschs Welt, die nach sechzig Jahren verschlissen und unansehnlich geworden dein Untergang geweiht scheint, dem Versinken 111 den Sumpf des platten Tiefsimts, in dem sie sich zu spiegeln pflegte, diese Welt, die einer inneren Lebenshaltung den Komfort beistellte, deren Ideale uns nicht mehr erheben, wenn wir sie nicht gar (wie jenes Tora im Dcrech Ercz) bewußt verwerfen, diese Welt bedarf der ״Rettung“ in einer fdee, oder, dem Theosophcn näherlicgcud, iin Symbol. Solch Symbol ist Kencsscth Jisrael, das ״Reich“ der ״Mctageschichtc“ Israels. Mit wachsendem Erstaunen sicht der Leser, wie sein Autor die Welt der Hirsch’schcn Allegorien unter pietätvollen Reverenzen und desto kühneren Interpretationen beiseite schiebt, und statt dessen große Symbole, gewaltig, unergründlich deren Platz bclinupteii. Der Leser, von der dunklen Rede halb angezogen und betroffen, halb empört, kann sieh nicht erinnern, diese seltsamen lind bemerkenswerten Ausführungen und Thcobgumena über das Wesen der Tora, über Israel und seine Genteinde, über den Urgrund und die Seele, über das ״Reich“ und seinen König, das Wesen des Wunders und viele anderen großen Themen, in S. R. Hirschs Schriften je gelesen zu haben. Bis ihm plötzlich klar wird, daß er sich mitten in der Welt der Mystik lind der theosophischcn Spekulation befindet. Es ist der triumphalste Wicdercinbruch der Kabbala in das orthodoxe Denken, die entschlossenste Besinnung auf diesen verworfenen Eckstein, die sich hier vollziehen. Die Kabbala beherrscht die religiösen Konzeptionen, von denen hier das wankende Fundament der Hirsch’schen legitimen Sinn der ■kabbalistischen, z. T. tief mystischen Dikta, die ihnen zugrunde liegen, nicht so ohne weiteres ent• sprechen müssen. Und in der Tat ließen sich hier die triftigsten Bedenken geltend machen. Aber man kann die Frage an! sich beruhen lassen, ob cs sich liier um eine philologisch vettretbare Interpretation Her kabbalistischen Lehren hondelt, 6׳ insbesondere der bodenlose Mystizismus der Theorie von xl! ״Mctagcschichtc“ der Kencsscth Jisrael, der das ganze Buc beherrscht, wirklich jenes große kabbalistische Symbol erfaß! aus dem er offensichtlich entwickelt ist; das ״Reich“ oder dit ״gesprochene Tora“. Genug, daß der Autor das aus sein« Quellen (inan denkt bei der Lektüre heftig an die mystischen Stücke bei Nachmanidcs, an Gikatilla und Jesaja Horovitzl hcrausgclesen hat. Die Welt von Hirsch in die substanziellere der Kabbala, die sic nie hätte verleugnen sollen, zurüekzuverwamldn, und in dieser Rückvcrwandliuig aufzubeben und, platonisch ge• sprachen, zu ״retten“, aber damit zugleich auch-aus den abgrundigen Tiefen unserer alten Mystik metaphysisches Wasser auf die Mühle seines ״thedaistischcn“ Anti/iouisuuis zu leiten — das ist der Sinn von Breuers Unternehmen. Nur scheint er leider übersehen zu haben, was schon der Soliar lehrt; daü jene ״Mühle, die am Rand des großen Abgrunds steht“, der feste Wohnsitz, um nicht zu sagen das Nationalheiin der Pa• inonen ist. Diese Dämonen narren ihren Meister: man darf getrost behaupten, daß die Kabbala in ihrem neuartigen Gc• brauch als Waffe gegen den Zionismus ein recht zweisehnci• diges Ding ist. Die Kabbala leiht sich solchen hartnäckigen Kampf nur unter Zwang. Die Politik der Mystik, nlJzti wider• spruclisbeladcn, hat sich stets noch gegen ilire Träger gekehrt- All diese blitzblanken Paradoxien über Geschichte und Meta• gcschiehte lassen sich mit einer kleinen dialektischen Akzent- Verschiebung, die sieb im Gebrauch leicht cinstellt, genau so gut als Argumente für den Zionismus brauchen. Der Autor scheint das auch schon irgendwie gefühlt zu haben. Denn an der vielleicht aufreizendsten Stelle seines Büches sucht er sich mit der so ärgerlichen Bestätigung des Zionismus durch die Vorsehung durch eine geradezu verblüffend nichtssagend' Theorie vom ,,G csch ich t s w u n d c r Gottes in <lct B a I f o u r-Dek 1 a r a t i o n“ abzufinden. Wem! der Zionis■ tnus, wie der Autor spitz und erbittert formuliert, nicht nur ״Verrat an der Tora und am Toravolk, sondern auch, gcliwk gesagt (!!), eine einzig dastehende — Dummheit ist“, sein p■" schlchtlicher Anspruch ״die empörendste — Frechheit, die je mals emporkam“, sein Weg eine ״blutige Ironie“, warum so möchte ein harmloserer Kabbalist sich fragen — ist et dann eigentlich der Träger des ״deutlichsten aller ücscliichu wunder Gottes“? Hier eben greift, an erwünschter Stelle! die Vorsehung ein, die unergründlich lind das Parado*' liebend, solcher ״Verräter“ wie Hcrzl und Wcizmann sich b'־ dient hat statt ich weiß nicht wessen. Und in der Tat — l|ie' hört die Diskussion auf. Niemand diskutiert gern mit einem Mystiker, dem die Vorsehung gerade gut genug ist, die Bloß* seiner Politik zu decken oder den gordischen Knoten, in dc!t er sie verstrickt hat, zu durchhaucn. Gewiß, Herr der Zu• kunft wird nur, der sich wandeln kann: der Zionismus hat es bitter nötig, sich seiner religiösen Problematik zu erinnern, Nr. Frl Siadtp» zwei A Pa, wc wartete und M Straße, und als hoher I der He und di* stiegen vor um Di« Str Serpenl Spiegel’, Tiberia dann c Kineret Sudend Gc zweite wasscr) des syl reichbi gut wi den bli samen, entschü Eir wir um auch M die ha Stadt, r tiger F Säulcnr Kellerg auf der dit tief und w« der gl« steigen! die To Sarkopl der ein En; niedrig« Fruhlin Blutstrc überall, Blume sichtbar eine kl Ziegcnt glaubt, unseren einem dem inr blauen eine ob wir mit am We Erdober wir ebe mit sov Aiifcntli Wasser! statinem hier seit wir weit talcs, au grünen nach der Nac Windes, zum Jot aut des! denen d Meer: d unter in Strauch, ihn auf linie Hr war wäi kämpfe, Wüste« war mit« fielen di hohen, t sie auf bifkhen auf dem auf der wässern der umg!״ seltsa Tal sich!יחי, ver Fluß. Er von beit brausend Hitze im ein Erlef ., Phar «tehen ן bedarf des geschichtlichen Bewußtseins und der Kritik seine' Welt gestützt, wenn nicht gar ersetzt wird, so vollständig, daß Wege und Parolen. Aber so wenig er seine Heilung, sei״'״ die Kapitulation erstaunt. Grenzenloser Tiefsinn entfaltet sich, ״Tikkttn“, in der hemmungslosen Apoka'lvptik des Revision!5; .. .- ■ mus finden wird, so wenig wird er einer Politik der Myd'k Weichen dürfen, der die tiefsten Symbole unseres innern Le• bens dazu helfen sollen, eine Macht zu usurpieren, für deren Futtdierung und Stabilisierung andere gekämpft «*!״י sich geopfert, und ein Leben zu unterjochen, dessen Au'■ bau die Träger jener Politik mit Bannstrahl, Fluch und Ha» allein begleitet haben. in wenigen Schliisschvorten magisch konzentriert. Freilich, nur an einer Stelle sagt der Autor klar, daß cs um Kabbala gebt, und wer es nicht ohnehin weiß (und das werden nicht viele sein), erfährt cs nicht. Vielleicht darf man den Grund für diese seltsame Zurückhaltung des jüngsten Esoterikers mit in dem Bewußtsein suchen, daß es doch schließlich nur seine eigenen Und sehr modern formulierten Paraphrasen sind, die dem AnUi/SHeh Awen Koj •״«‘!»rachj

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