Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-07-13 · Heft 56 (13.7.1934) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 56 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653504--25491-2682631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Seite 12 ,JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr ן tn/2״kj <^44111 j |7*?# \״‘•'׳ 1; ןךי9יי׳^ |י״א^ ^5׳ ■y^ '‘-'Jkm04LxAd*4,m V*pj * l 1 (! *• * #>«ג4יי^ 1 .1 '־] i I I Die Lehrerloribiidimgwochc in Lehnitz Vom 1. bis 8. Juli fand int Erholungsheim des Jüdischen Frauenbundes in Lehnitz, eine von der Mittclstdlc für jü* (fische Erwachsenenbildung veranstaltete Lehrertorlhikluugswache statt. Nach den Ankündigungen hatte man erwartet, daß zu dieser Tagung nur Junglehrer h/\v, diejenigen Lehrer erscheinen würden, die erst seit kurzer Zeit an einer indischen Schule arbeiten. Um so bemerkenswerter ist es, daß «auch filtere Lehrer und vor allem in größerer Zahl auch solche sich eingefunden hatten, die schon mehrere Jahre in der jii״ disehen Schularbeit stehen. Urfreulicherweisc hatte man auch den Lehrkräften aus der Provinz einen Besuch der Tagung ermöglicht, so daß diese Tagung ein anschauliches Bild von dem Stand der jüdischen ISildungsarheit und insbesondere von der Tätigkeit der jüdischen Schulen in Nord-, Ost- und Mitteldeutschland vermittelte. Was durfte und mußte man nun von einer jetzt nhgehaltciicn Lehrerforibildungswochc erwarten? Da erst in den letzten Monaten eine grolle Zahl jüdischer Volksschulen eröffnet wurden und da an diesen Schulen in erheblichem Umfang auch Lehrer beschäftigt werden, die bisher au Staatliehen — z. T. an höheren - Schulen tätig waren, mußte sich diese Tagung die inhaltliche u n d methodische Fortbildüng der Lehrer zum Ziel setzen. Dem entsprach auch das von der Mittclstdlc airgelamdigte Programm. Mag auch die Durchführung dieses Programms hier■ und da, der Veranlagitng und Vorliebe einzelner Dozenten folgend, anfangs zu stark ins Theoretische ahgegiitten sein, so kann man doch mit Freude festst eilen, daß der Gcsnintciudruck ein überaus befriedigender war. Ausschlaggebend für das Zustandekommen dieses Lindrucks war im wesentlichen das durch die freundliche Heim-Atmosphäre in hohem Maße begünstigte angenehme Zusammenleben aller Tagungsteilnehmer; sehr bald bildete sich denn auch eine enge Gemeinschaft zwischen Tagungsleitern und -tciliiehmerii heraus, so daß die einen recht schnell fühlten, was' den anderen zur vollen Zufriedenheit noch fehlte. — Das Programm war so cingcteiit, daß außer drei täglich stnttfimlcndcn Kursen zu je 11/3 Stunden (Prof. Buber: Bibel; Dr. E. Simon, Dr. E. Roscnhlüth: Geschichte; und Dr. Woskiti, Rc/.tiikow: Hebräisch) noch eine Reihe weiterer Aussprachen für den späteren Nachmittag und Abend vorgesehen waren. Martin Buber ging in seinem Kurs von der Existenz dreier Stilarten aus: t. dem Stil der Mitteilung, dessen Form knapp, eindring• 1 lieh und ungezwungen ist; j 2. dem Stil der Darstellung, wie wir ihn ursprünglich in J den magischen Sprüchen, später allgemein im Gedieht wieder- :i finden, rhythmisch und streng geschlossen; und | 3. dem Stil der Botschaft, die inhaltlich zwar der allge- | meinen Mitteilung gleicht, aber eine Mitteilung darstellt, die j den Menschen voll und dauernd erfassen will, deren Form also 1i eine strenge sein muff.? Die Bibel spricht immer in strenger Form; sie bildet ein | geschlossenes Ganzes; ihr Text ist daher bis aufs einzelne | Wort unabänderlich. Sic ist aber nicht — wie das Gedicht — 1 Selbstzweck, turmhoch über der Welt des Lesers, sondern | sie spricht zu uns. Also ist die Bibelsprache die Sprache der 4 Botschaft. Buber zeigte min an der Hagar- und Bileam* 1 geschickte, u>ie auch im Typ der Erzählung die Botschaftsj spräche hervortritt, und zwar besonders durch das Stilmittel '»! der Lautwiederholung (Paronamasie). Es wird also — um nur! ein Ikispeii zu nennen — in I, 16, Vers 6,0 und 11 immer 4 wieder der hebräische Ausdruck für ״bedrücken" gebraucht, j tun darauf hinzuweisen, daß sich Gott gerade den Bedrückten;4 zuvciulet, um ihnen zu helfen. Die Paronoinasic von 11,3,;4 12 H, zeigt die Bedeutung dieser Stilart in einem Absatz, der ן einen tlebergang zwischen Gesetz und Erzählung darstellt. | SU die (Mich wurde gesagt, wie der Zusammenhang zwischen den | verschiedenen Begründungen de» Sahbatgesetzes an vcrschicdenen Stellen auf die gleiche Weise angedcutct wird und wie wesentlich die Bczchtunj dieser Stilfcinlicit für das tiefe Verständnis prophetischer Texte ist. Die Gruppe der Laut-Wiederholungen stellt sich somit als ebenso bedeutend dar wie die Gruppe der Sinn-Wiederholungen (Parallelismus), die uns 1'n dichterischen Ste len häufig begegnen. Für den Ges chic htskurs wurden Epochen gewählt, die als Schnittpunkte jüdischer und allgemeiner Geschichte anruschen sind: der jüdische Krieg (Jochanan ben Sakkai) und Josclmann von Rosheim. Die Betrachtung dieser beiden Persönlichkeiten zeigte eine Fülle von Beziehungen zum Oe• schehen unserer Tage auf. Dr. Erich Rosenblüth zeigte einleitend die seit den Tagen Juda Makkabis allmählich sich steigernde Macht der Römer im judäisehen Staat und die Stellung der einzelnen jüdischen Parteien zu der römischen Herrschaft. Zwei besonders markante Typen der Römerfmnide wurden licrausgcarbeitet: Agrippa II., der seine innere Ohnmacht der großen römischen Macht gegenüber mit kleinlichen halachischen Argumenten zu vcrdeckcir sucht, um schließlich doch an der Vorkennung der Volkspsyche zu scheitern, und Josephus, der frühe Zelot, der seinen Gcsinnuiigsumschwung gleichfalls religiös bemäntelt. Er identifiziert das Glück mit Gott. Gott ist hei den Römern, weil dort das Glück ist. Sich selbst sicht er — gleich Jirmejahu -- als Vollstrecker Gottes an. Ihnen gegenüber steht Rabbi Jochanan ben Sakkai, 1m Kampf gegen die rein machtpolitisclic und darum auch ׳ in ihrem Messianismus oberflächliche Wertung des Judentums durch die Zeloten auf der einen und die rein assimilatorische, volksciitwurz.cltc Weltanschauung der Sadduzäer auf der anderen Seite. Er entstammt dem Volke, dem er auch durch j seinen handwerklichen Beruf verbunden ist und sieht iin Judentum eine Kraft, deren Wese» in ihrem geistigen Gehalt j begründet isf und verankert bleiben muß (Gründung der!Schulen in Jawne). Trotz dieser klaren politischen Voraussicht jtrauert auch er um Jerusalems Zerstörung; Politik ist ihm!eben nicht letzter Sinn alles Geschehens. Dr. Frust Simon behandelte in Form einer methodisch!׳ausgezeichneten Mu.sterstumle eine ähnliche Gestalt, die des Josclmann von Ros heim. Schon in früher Jugend »n ucht ihn die Kunde von der Vertreibung der Juden aus ך Spanien. Dies und die Erlebnisse seiner engeren Heimat veranbisNcn ihn, seine ursprünglichen Berufsabsichten (Rabbi) aufmgeben und sich ganz den Geineinschaftssorgeu zu widmen.!1r.1t/de1n wird er nie innerlich leerer, betriebsamer Politiker, .hindern Politik gehört für ihn zu den ״Nichtigkeiten der 7 eh“, und er weiß in einsamen Stunden nichts Schöneres, als Dich mit jüdischen Qeistesinhalten beschäftigen zu dürfen. Muh ihm ist Politik nicht letzter Zweck allen Seins und!Geschehens. Er lehnt Salomon Molchos Pläne zwar ab, ״damit 1 ms nicht das große Feuer (sc. Politik) verzehre“, zeigt jedoch ||ו״ tiefes Verständnis für den Messianismus seiner Zeit. Er Ist I ״ ״Yc," ״ n״r Politischer Vertreter der Juden bei Kaiser t״ er betätigt sich auch wirksam apologetisch gegen Lie! 1 fnd v°r allem nach innen als Organisator und Erzieher!ucr Juden. Seinem Einfluß ist es zuzuschreiben, daß die Juden durch Verzicht auf das Hehler-Privileg ihre ״Sippen* oder Binueii-Moral“ aufgebcii und eine normative Kollektiv- Ethik anerkennen, um so den Nicht Juden jeden Mißtrauens-, gruiui zu entziehen. In diesem politischen, organisatorischen und erzieherischen Sinn isf Joselmauu von Rosheim ein wah* rer ,,Reichsvertreter der deutschen Juden". Dr. Woskin-Nahartabi skizzierte kurz die Entwickhing der hebräischen Sprache. Von hier aus besprach er die Frage der hebräischen Tempora und andere syntaktische Fragen im Licht sprachgeschichtlichcr Untersuchungen. Zum Schluß wurde in einem Phonetikkurs die korrekte und cigent* liehe Aussprache der hebräischen Konsonanten und Vokale gezeigt und andeutungsweise die Methodik des hebräischen Sprachunterrichts besprochen. Gerade Dr. Woskin konnte hier aus der von ihm geleiteten Schule in Leipzig berichten und von der Praxis her wertvolle Anregungen geben. In seinem methodisch sehr anregenden Kur« erörterte Re/nicov zunächst die einfachsten sprachlichen Grundgcset/c, die Regeln der Vokalisation und des Dagesch sowie ausführlicher die Nominal- und Vcrbalbilduiigen, deren Paralkiisimis klar aufge/eigt wurde. Er erläuterte diese Gesetze so, daß sie auch Anfängern im Laufe der Zeit auf diese Weise klar gemacht werden können. Die Reihe der Aussprachen leitete Rektor Dr. H. Stern mit einem kurzen Referat über die Probleme der jüdischen Schule ein. Er heleuchctc eine Anzahl methodischer Pro* blcme, deren Zuspitzung durch die Umstellung der jüdischen Schule in neuerer Zeit hervorgerufen wurde. Namentlich drei Prohlemkreise wurden in den Vordergrund gestellt: das Problem des Hebräisclunitcrrkhts (wie weit läßt sich die modern-sprachliche Methodik des Hebräischen auf Tcnach* oder S/idur-Uiiterrieht übertragen?), das Problem de« Deutsch* Unterrichts und die Frage unserer weltanschaulichen Erziehung in der Schule. Als Erziehungsziel proklamierte Stern den ״überwindenden Juden“, der den Willen zum Judentum be* sitzt, von ihm und seinen Werten weiß und in ihm lebt. Die Aussprache schloß sieh an die erste der aufgeworfenen Fragen an. Im Verlauf der Diskussion wies Prof. Buber auf die Notwendigkeit hin, auch nicht-traditionelle Anschauungen über Religion mul jüdisches Gesetz zu achten und zeigte an dem Beispiel seiner eigenen Stellung zum Religionsgesctz die innere Legitimation solcher Auffassungen. Dr. Erna Barsch ak legte einen bis ins einzelne ausge.11 beiteten Plan des jüdischen Gesell ichtsuntcr* r i c h t s vor. Nach diesem Plan, der zunächst für Mittel* schulen berechnet ist, aber unschwer auch für den Volks* Schulunterricht modifiziert werden könnte, wird der Unterrieht in jüdischer und allgemeiner Geschichte fünf Jahre lang vereinigt und erst im sechsten (letzten) Jahr wird in einer besonderen Worhenstumle ein Abriß der jüdischen Geistesgcscliiclite gegeben. 111 der Aussprache \yurdc besonders auf die methodischen Schwierigkeiten dieses Planes hingewiesen. In seinem Referat filier den Religionsunterricht zeigte Prof. Buber nach philosophischer Fundierung der Begriffe ״Religion“ und ,״absolutes Wesen" daß wir keine katcchisfische Religion zu lehren haben. Religionsunterricht ist vielmehr Lehre von Israel, und zwar erstens des Volkes in seiner G cs c h i c 111 e, die als ״heilige“ Geschichte begriffen wird, in der Gott das Volk durch Situationen ansprleht und das Volk durch Tun oder Lassen antwortet, und zweitens des Volkes in seiner ״heiligen“ Sprache, die s 0, als Sprache der Bibel, unterrichtet werden muß. Die Aussprache brachte eine Fülle von Kindcrfrageu sowie methodischen und rcli* gions-philosonhisclieii Fragestellungen, die aus Zeitmangel nur zum kleinen Teil erörtert werden konnten. ln drei kurzen Referaten behandelten Dr. Georg Lu* bifiski, Hans Gärtner und Dr. Franz Ollcndorf das Gebiet der Gegenwartskunde. Lubinski umriß das Ge* samt gebiet in schien soziologischen, ethnologischen, bevölkc* rin!!^politischen, volkswirtschaftlichen und geschichtlichen Teilen; Gärtner zeigte am Beispiel der Pnlästinakundc in an* regender Weise, wie man die Geschichte des Aufbau«, die Skxüutigsfragen, die Araberfrage nsw. und teilweise auch letzte weltanschauliche Grundfragen unter Benutzung der Quellen in einer obersten Volksscluilklassc behandeln kann. Methodisch völlig neuartig waren dem größten Teil der Zu* hörer Ollendorfs außerordentlich wertvolle und in der Praxis mit bestem Erfolg erprobte Anregungen zur Verknüpfung von Gegenwartskunde und nafurwisscnschaftlichem Unterricht (Rechnen, Raumlehre und Biologie). Eine ausführliche Ver* öffeiillirliung dieser Darlegungen, wieder erläutert an prak* tischen Beispielen, wäre sehr wünschenswert. Die Frage des Deutschunterricht« behandelte Sfudienrat Dr. L e s c h n i t z. c r. Bei einem Unterricht, der in so hohem Grad Ausspraclicimterricht ist, müsse Sorge dafür getragen werden, daß die Reaktion der Schüler auf gelesene Lektüre vvumlccht ist und nicht in Halbheiten stecke!: bleibt. Wir brauchen als Lehrer Menschen, die Im Deutschtum und Judentum zu Hause sind. Neben den allgemeinen Forderungen von Leschnitzcr wäre besonders hervorzuheben, daß er sich für einen gründlichen Phonetikunterrieht in den Anfänger* Klassen und spätere gelegentliche Behandlung des Jiddischen In seiner historischen Entstellung sowie in den Omerktirscn (in Anlehnung an Vorschläge des deutsch-untcrcichtlichcn Theoretikers und Praktikers Wilhelm Schneider) für Ucbcr* scf/migsübimgcii aus dem Hebräischen in gutes Deutsch ein* setzte. Zum Schluß zeigte er an einigen Beispielen die Behandlung deutscher Literatur in ihrer Beziehung zu jüdisehen Stoffen, warnte aber davor, solche Verbindungen voreilig her/ustellen. Um dein Mangel an Lesestoffen abzu* helfen, hat Leschnitzcr unter Mitwirkung und im Aufträge der Reichsvertretung der deutschen Juden mit der Heraus* nahe von Lcschcften begonnen. Die ersten beiden crschic* neuen sind zwei Hefte: ״Aus Midrasch und Aggada“ (den Sammlungen Micha Josef ßin Oorions entnommen und von Raliel mul Eimanuel Bin Gorion neu erzählt). Die Diskus* sion umstritt eifrig die Frage der Distanz. Weitere Aus* sprachen über die Situation der neu an jüdische Schulen gekommenen Lehrer, über die Stellung der Jugendbünde zu Schule und Elternhaus seien hier mir erwähnt. Besonders eindrucksvoll war wohl für alle die Ausgestal* tung des Sc 11a b bat h. Am Freitagabend las Buber aus seiner Bibelübersetzung, vor allem aus dein noch nicht veröffentlichten Teil der Psalmen, in besonders eindrucksvoller Weise. Der Schabbath selbst verlief in gehobener Stimmung. Bei einem kurzen Oncg Schabbath las Buber aus seinem neuerschienenen Händchen Legenden vor, um dieses Thema am Abend durch die Besprechung weiterer Aggadoth noch ausführlicher zu behandeln. An dieser Stelle sei auch der tiefe Eindruck erwähnt, den Bialiks Tod hei der Tagung hervorrief. Ernst Simon hielt eine kurze Gedächtnisrede, in der er versuchte, Bialiks Bedeutung, sein Wirken und seine Stellung ״auf der Schwelle" des Gesetzes zu umreißen und verständlich zu machen. Znsammenfassend kann die Tagung durchaus als Impuls für die weitere Bildungsarbeit der Lehrer gewertet werden. Sie erweckte in dem überwiegenden Teil der Anwesenden ein besonders starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich sicher für die Ausgestaltung künftiger Zusammenarbeit als wirkungsvoll erweisen wird. Ismar Jeremias, Nr. 56. 15■ VII. 1934 JÜ01! 0^2 dH ms Biallk und Jüdische Erziehung * i Coburg, den 9. 7. m! f * | An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau", j Berlin. 1 Ich habe mit unserem so früh verewigten Bialik vor dir'! Jahren einige Zeit in Marienbad verbracht. Ich besitze cbf! Photographie von einem Spaziergang mit Bialik und prc>! j Scharr (Warschau). Wir diskutierten über Er/iehutigshi״^! Bialik sagte (gerade im Augenblick der Zuf.illsaufn.ihniet! ׳ ״Die Erziehung der jüdischen Jugend In Deutschland nmj; jüdischer werden." Ich hielt ihm die aus meiner erzieherischen' Praxis gewonnenen Erfahrungen, der großen Widerdindt der Eltcrngcncration entgegen. Er sagte ruhig in «einer überzeugenden Art: ״Verlassen Sic sich darauf, sie w!^ jüdischer werden!" Wir drei: Bialik, Prof. Scharr und ich-, wir haben In letzter Zeit oft an dieses Gespräch und 1tjae j •chneile Erfüllung denken müssen. Hochachtungsvoll Prediger Hermann Hirsch, Jüdliche und europ&iiche Muilk Berlin, den 6. Juli 1934, Sehr geehrte Redaktion! Ich begrüße die Ausführungen von Margarete Moieil über jüdische und europäische Musik, da sic den Ktm• punkt der ganzen Frage berühren. Wenn eine Musik am eigenem jüdischen Boden und Erleben wachsen wird, M wird *ie keineswegs an den großen europäischen Meisten lind ihren Werken Vorbeigehen wollen und können. Aus einem eigenen Gefühl geboren, muß sie die Kirnst eines Johann Sebastian Bach für «ich auswerten, und sie darf auch weiter nicht, und hier liegt ebenfalls Wesentliches, an den Schöpfungen der impressionistischen Epoche vorbei• gehen, denn die Farbigkeit dieser Musik schlägt verwandte Töne an in dem Octühl des jüdischen Komponisten. Aber nur frei von allem Doktrinären, ausschließlich gestützt «ul Boden und jüdische« Erlebnis, kann eine eigene Volkskunst | Ttiien. Hans B a e r, Berlin W 30, Landshuter Str, 3, Berlin, den 12. Juli 1934. All die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau", Berlin. Auf die Zuschrift von Ludwig Altmann zu meinem Artikel] ״Synagogoumusik des 19. Jahrhunderts" möchte ich zur Klar* Stellung bemerken, daß cs nicht in meiner Absicht lag, die I Verdienste von Lcwandowsld, Sulzer, Deutsch als Bearbeiter | und Herausgeber der liturgischen Gesänge zu schmälern, daß der notwendigen Neugestaltung der Svnagogcnmusik aber mit] einer unkritischen Darstellung der historischen Erscheinungen wenig gedient wäre. Im übrigen war bereits 1926 auf ein« Kantorcnfagung meine Stellungnahme zur modernen Sy«• agngenmusik tiegenstand einer lebhaften Diskussion. Von da• mals datieren im Zusammenhang mit einem Preisausschreibenj des Kantorenverbandes für die beste SynagogenkompositionI die verschiedenen Anregungen und Versuche zu synagogalctl Neuichöpfungen in Deutschland. Ergebenst Dr. Jakob Schönberg. Elfern and Kibbuz Wir brachten am 2/i. Juni in S'r. 5/ einen Aunug einet Auf• Kitten in einer pabitiinentitrhen Zcitutuן tum Prahlern der Un!"• t/ilt.-iing mitteftnxer Eltern durch die Ktrutah. Ilicrtti »chreiht u»l ein Chalu: am Dänemark 11. a.: Zu Ihrem Artikel vom 26. Juni 1934 habe ich folgendes ru bemerken: Für uns Chat uz im ist die Frage zunächst viel wichtiger, als sic dem Leser im ersten Augenblick er• scheint. — Oanz konkret gesehen sieht die Lage folgender• maßen aus: Unsere Eltern können sich, zum größten Teil wenigstens, nicht mehr auf ein produktives Lehen umstellen. Sic gehören fast ausschließlich dem Mittelstand an. Wenn sie nicht die ״berüchtigten 1000-Ptimdler" sind, ist ein« Alijah dieser Alters- und Berufsschicht in das Land, das nach Jugend und manuellen Arbeitern schreit, für sic und dm Jisehuw eine Belastung. Unser Ziel Ist nun, wenn wir Im ״licchaluz" clngeglie* dert sind, — der Kibbuz. Nun erlicht sich ganz klar die Frage: ״Was geschieht mit unseren Eltern?" Haben vif denn nicht als Kinder die moralische Verpflichtung, für «£ zu sorgen? Die Antwort ist ebenso klar wie einleuchtend: Ja, wif haben eine moralische und sittliche Verpflichtung, lür dis Eltern zu sorgen; allerdings in Grenzen! Wir dürfen uns nicht selber aufgebeu und nicht unsere Kibbuz-Bewegung schwächen. Wir können von den Eltern verlangen, wenn wir in den Kibbuz gehen und wir ihn« dann ein ^uskoinmcn vermitteln, daß sic uns folgen. Die Frage Ist so wichtig, weil eben durch das Auftauches dieser Schwierigkeit Chaluzim in die Stadt gehen, um dort Geld zu verdienen und cs ihren Eltern schickem. Heber die ״Elternfrage im Kibbuz." müßte van gaitf autoritärer Seite, vielleicht vom Wnad Hapoel, der Hist*־ drutli oder anderen Institutionen, eine Klarstellung für um Chaluzim und selbstverständlich auch für unsere Eltern vor• genommen werden. Es herrschen namentlich bei letzter« große Unklarheiten. H.F* Imf •Wellbewerb der zionistischen Jagend Die zionistische Jugend in Deutschland hat anläßlich dö 30. Todestages Theodor Hcrzls einen 1 in i - W ett b ewer# für den Keren Kajcmcth durdigcfülirt. Die zehn erfolg• reichsten Wettbewerber, deren Namen wir nachstehend t#• führen, erhalten vom Keren Kajcmcth einen wertvolle» Buchpreis: 1. 1’rcH! Rn*c Ruth Cohn. Barl Kmingen. 2. l’reis 1 Raphael Blum, Mannheim. 3. Preis: l.rieh Mar*. Ilarl Kreuznach. 4. Preis: lians Ravin-ki, Mannheim. - 5. Preis: Arm! Blumcnthal, Nürnberg. 8. Preis: Nora Hausmann. Bad Kuungetu 7. Preis! Günter Rein, Breslau. B. Preis! Alice Masse, Siolp. 9. Preis! Lcni Strauß, Nürnberg. 10. Preis! Heim Broticn, Siolp, Berlin, den 12. Juli 1934. Keren Kajemetb Lejitrtel• ן D!eil * dem l parke bwUr!!och Volk*' jbgcsi liierfü hicl mit. m ü d Bildur ist, «' Volksl c« de Biklun der b Dr. M »amke die h getreti Volksl Dr. F Bi Idciiiei »ich \ Mittel* Buber) einige* küiifti( stein der r scntlic Dr. E vertun »ci sic nehme währ »tlilecl rang f dem st *(ein 4 nirgent tirundt darauf eine ן Die w dere is liehe 1 Funktii als du notwen gemein werden änderet der net mit de Wissen Stellen Eiger könne verzieh! Stoftwa großen Die gemeuis eine Hi dekorie! füllt. In •immlui daß ein frier In liner 0 nicht zi überau* Adler, Herzlfch Dollanin rachamh würdig Ol *• Ol ®•»t»11 t* kff• Jui *».S ״0"'״, ,““krl.V”'* I»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.