Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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יו i#Ä IHK" «Hl fpj||lp fjs#, i||§! feiiif Nr. 56, 13. VH. 1934 Seite 5 \*^< ך c יח^־/י tL'j'vS ין ך־־ו ך f 4*i *1V^ *./ rn iyJ p|־p<| p| p ^״״״״ -—״ *p ך־'״-׳׳!, p ץ"""■ v! ׳; ן j ־ ־ ץ' ״־ : f 3. י di k,4& <UJ׳fe ׳ *׳יי- Von Elicser Liebenstein der Zionistischen Orga• dieser emanzipiert hat. Der lievi- Der Revisionismus Ist die von Jahotinshp geßhrte Partei, die, nrsprümdieh aus nisalion hervorgegangen, sich in der letzten Zeit immer deutlicher von ' si!"'iST /׳;י״;,־‘״״,״.,;״׳ ׳!״/״/J׳״7:׳‘״ ^sonders in?'־‘»״/•‘י׳ ״״'״ י"’'"'׳""׳ Propaganda, und sein Auftreten hat ,me nh fdr miigluh gehaltene Verschärfung des hmerßdisehen Parteihampfes zur Pol ge gehabt. Die ״Jtldische Rundschau hat schon zur Zeit der Pntslehuag des Iteeisiom's»״״, seine Theorien und politischen Anschauungen al,gelehnt, s 10 r»1,1/./c «Jtffrr '•«״י׳»'״,) %״ seine polnischen Methoden und seine Lmpfesurl Stellung nehmen, nunmehr wird unser Mitarbeiter in einer Artikelserie die ׳ *(imismiis britisch beleuchten, gegenwärtige Haltung des Reel■ Red, Die pctlanKIiclic Auseinandersetzung mit dein Revisioiiis- Hins erfordert eine ganz atulerc Methodologie als die der anderen jtidisclien (jruppierungeu. Zwischen der Theorie, dem 711r Schau getragenen Lehriiiiialt^ des Kevisionisimis und den Taten der praktischen _ Tätigkeit der revisionistiselien Be- VCgnnj׳ besieht kein logischer Zusammenhang. Audi bei jeder anderen politischen Bewegung bestellt eine' Spannung zwisehen Gedankengut und Verwirklichung. Aber diese Spannung ist von einer prinzipiell anderen Art. Erst allmählich setzt sieh das Gedachte in die■ Wirklichkeit um und schließt oft mit dieser Wirklichkeit viele Kompromisse. So iiat z. B. der Gedanke der Nationalisierung des Bodens ״ von Moses Mell aber Hermann Sdmpira bis heute nur eine komprotnißhafte Lösimgsforin in dem Werk des KKL gefunden. Die Beziehung der revisionistischen Theorie zur revisio״ nislisclicu Praxis ist aber eine■ prinzipiell andere. Die Beweguntt nutzt gar nicht ihre Erstarkung, um ihre Theorien, wenn auch nur /.um Teil, in die Tat um/uset/en. Obwohl die revisionistische Theorie z. B. den Antoritiitsansprurh der Orant’ der jüdischen ,,Staatlichkeit“ betont, fiir sie das Recht zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten aufs stärkste fordert, benut/t die revisionistische Bewegung in der Praxis ihre Ausdehnung dazu, um diese Organe (Zionistische Welt- Organisation, waad Leumi) zu brechen und die nationalen Schliclttnngsorg.1ne unmöglich zii machen. Die revisionistischeu Theorien und Sehlagwortc haben ihre eigentliche Bedeutung gar nicht darin, Wegweiser für den Weg der Verwirklichung zu sein. Ihre wahre Funktion zu erkennen, ist eine wichtige Aufgabe jeder Analyse des Revisionismus. Dieses Wesen des Revisionismus zwingt zu einer ganz anderen Art der Auseinandersetzung. Wir wollen versuchen, da* Wesen des Revisionismus aus den Bereichen seiner Tätigkeit klarzustcllcii. I. Der Revisionismus und die zionistische Außenpolitik Die zionistische Außenpolitik und ihre ״Revision“ durch Jahotinskv war der Ausgangspunkt der revisionistischen Bewegiing. Die ״Revision“ erfolgte nicht etwa aus der Ueberzeugmig, daß der Zionismus eine a n t i - c n g U s c h e Politik treiben sollte, die sich daher schärferer Mittel als der des heutigen Zionismus bedienen könne. Die revisionistische Praxis ist anti-englisch, aber der offizielle Revisionismus Stand und steht auf einem prinzipiell c n g 1 a n d - f r e 11 n d - liehen Standpunkt. Diese an England gebundene Politik wird hei den Revisionisten zu einer unabwendbaren Not- Wendigkeit, da sie mit unserem anderen außenpolitischen Partner, mit den Arabern, keine Vcrstiindnismögliclikeit sehen und den Kampf gegen das Arabcrtum als unvermeidlich erachten. Am licstcn drückt diese Gedanken Jabotinsky in dem deutsch erschienenen ״Rasswjet" aus: ״Die zionhii-1'hi‘ Kolonisation muß man entweder cinstcllcrt oder sie gegen den Willen der cinhciiiii'Hien Bevölkerung weiter• führen. Sie kann daher nur unter dem Schulze• einer von der einhnmUehen hevuikermrg unabhängigen Macht •—־ einer eisernen Wand —, die die einheimische Bevölkerung nicht durchbrechen kann, writer grhihrl und entwickelt werden. Darin besteht unvra R.nw atahiwhe l’iilink. ... Von einer freiwilligen Versühnung der l'.iiasiiinii״״ Iren Araber nrit 1ms kann keine Rede sein: Weder je!!t n״.h in absolibai'cr Zukunft')•“ Bei einer so gestalteten ״arabischen Politik“ ist die bedingmigslnse Anlehnung an England der einzige Ausweg. Revisionisten, die eine logische Beweisführung ernst nehmen, argumentieren für die Nützlichkeit der Verschärfung unserer politischen Mittel gegen Großbritannien ungefähr so: Englami hr,nicht uns, um tlic jüdische Pakisiinasicdlung gegen die wachsende arabische Unabhäiigigkcitsbcwcgiing aus- Zuspielen. Die Zionisten sind ein notwendiger Bestandteil der britischen Orientpolitik. Durch eine demonstrative und scharfe Fordcruitgs- und Drohiingspolitik werden wir Eng• land zeigen, daß es diesen Bundesgenossen bezahlen m u I), — 'kitch Zulassung größerer Alijah, durch Bereitstellung von Kcgicrungshödcii, durch Steuererleichterungen tisW. Mim ist der Revisionismus bis heute 4>vci Nachweise tchukhg geblieben: 1■ Weiche sind die schärferen Mittel, derer wir uns be• dienen sollen und können? Was;,|H.r 1UH'h wichtiger ist: 2• bt wirklich die Lage des britischen Reiches so, daß es sieh — als Folge einer kraß zum Ausdruck gebrachten zionistischen Abneigung — unserem Willen fügen muß? Wenn wir von scheltenden Zeitungsartikeln, Meetingp '״ ״nd einigen Demonstrationen absehen, ist die ״scharfe“ tnsi.111dpolilik der Revisionisten bis heute in zwei Fällen "m Ausdruck gekommen: , ״ hin nicht durchgeführter und ein diirehgeführter Fall, ,rr erste war der berühmte Vorschlag auf der Prager Welt- ״onferenz der Revisionisten im Jahre 1930, die Verwendung 1er Fonds-Gelder und überhaupt dem Palästina-Aufbau so 1‘■"'Rc zu milerbreeheu, bis England unter diesem Druck '1'1״e Politik ändert. Diesem Vorschlag kann man das Recht ',״ (f'c Bezeichnung Radikalität und auf eine prinzipielle ן׳"dcrswcrligkcit nicht versagen, aber er wurde sogar von cr Revisionistcn-Konfercnz nicht angenommen. n *>er zweite — ist die revisionistische Bittschrift, genannt cll,ion", die dem Völkerbund überreicht werden soll. .?יי der innerzionistischen Bedeutung der Petition abgesehen besonders krasser Disziplinbrtich gegenüber der zio-!,'”sehen Bewegung), ist in ihr weder ein schärferes noch 1,1 eindrucksvolleres Mittel einer zionistischen Englandpolitik .1, ersehen. Wir möchten in diesem Zusammenhang nicht *ruber sprechen, oh diese Petition, aktuell politisch be• 1,*eiltet, jetzt von Belang ist oder nicht, aber als politisches v;1L ilck'f s'c vollkommen in dem üblichen parlamentarisch• n11!, ״ ׳,üisehen Bereich. In einer anderen Hinsicht aber ist Jc /Vtitions-Affärc für die revisionistische Auffassung der ,1״״!«tischen Außenpolitik sehr charakteristisch. Sie glaubt, ייס Partner oder den Gegner durch bloße Demonstrationen, "inter denen keine wirkliche Kraflaiispaniiung steckt, zu er- “Ciirceken. Sic fordert den Juden nicht zu einer wirklichen : 2"strcngung im Kampfe auf, was Verzicht, Disziplin und .,״*datier bedeutet, sondern zu einer Unterschrift, die keine besondere Mühe kostet, in der Petitionsbewegung l) ״Rasswjet", Berlin 1925, ״Die eiserne ■Wand“ steckt im Kleinen ein gutes Stück revisionistischer Haltung: Anhänger in der Golali dadurch zu gewinnen, daß man von ihnen so wenig wie möglich fordert, politische Kraft bilden zu uollen, ohne den jüdischen Menschen lun/ulonnc«, Bezeichnend für die revisionistische Auffassung des Wesens unserer nationalen Kraft ist die Beziehung Jabotinskys zur Verteidigung von T e I - C 11 n j, die zweifellos der Versuch einer Politik war, die sieh nicht in den üblichen 1״cgalen“ Halmen einer zionistisch-britischen Politik bewegte. Einige Tage vor dem Heldentod von Trumpeldor sagte Jabotinsky in einer Sitzung des Waad Leumi: ״Wir lonieni die ganze Zeit, daß die englische Regie* 11 11 ז " »l«׳r I’,iIii ,1 i0.1 Ih׳itm;Ik׳. Wenn wir aelb-tl uns «׳rhehen Wiillien. um jene l’Iiiuo zu veiteiiligen, so würde hierbei nicht» 11 1 r 11 11 s k u in in e n.“ ((uspenl. von mir, K. I.,)־). Den erzieherischen, uniformeuden Sinn der polifischen Tat von Trumpeldor nach innen hat Jabotinsky nicht begrilfeu und nicht begreifen wollen. Es ist übrigens sehr interessant, daß Jabotinsky, der die Verteidigung von Tcl-Chaj am Vorabend von Trumpeklors Tod als ein ״sinnloses Blutvergießen‘“1) be/.eictmctc, Tcl-Chaj und Tnnnpcklor, als sie im Volke große politische Energien auslösten und zur Legende wurden, für sich in Anspruch genommen hat. Wie steht es aber mit dem zweiten Nachweis? Hat uns die Zeit gezeigt, daß das britische Empire unsere Hilfe im Mittleren Orient unbedingt braucht und daß cs nur einer schärferen Präsentierung unserer Gegenrechnung bedarf, um England zu zwingen, sie zu begleichen? Zweifellos benutzt England das Vorhandensein des Zionismus und des jüdischen Jischuw in Ercz Israel, um die arabische Bewegung Palästinas im Zaum zu halten. Wir dürfen aber dabei zwei wesentliche Momente nicht außer acht lassen. 1. Der jüdisch-arabische Gegensatz ist nicht der einzige und nicht der wichtigste, der England gestattet, die arabische nationale Bewegung im Orient in Schach zu halten. Die Ausspielung i n n c r a r a n i s c 11 e r Spannungen (ihn Saud gegen Haschamitten, gegenseitige Befehdung der arabischen Parteien: Istaklal, Mufti-Gruppe, moslemische Opposition) spielt dabei eine noch größere Rolle. 2. Gerade für da« Vorhandensein einer jüdisch-arabischen Spannung in Palästina sind die höherentwickelten Juden als Minorität erwünscht. Sollten die Juden zu ihrem sonstigen Ucbergcwicht in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung noch eine überwiegende Majorität erreichen, so könnte die machtpolitische Relation im Lande in so einem erdrückenden Maße zu Ihren Gunsten Umschlägen, daß die jüdisch-arabische Spannung in Palästina ihre Grundlage verliert. Soweit sich Kritische Politiker des von den Revisionisten gehuldigten Standpunktes der Ausnutzung des jüdisch-arabischen Gegensatzes bedient haben, sind sie logischerwcisc in bezug auf das ״Jüdische Nationalheim“ zu ganz anderen Konsequenzen gckommen als der der Frwiinschthcit einer jüdischen Mehrheit; sie betonten in solchen Fällen, daß man die jüdische Oeniciiischnft in Frez Israel ״kristallisieren“4) solle, und daß die Juden im Lande nur ״ein geistiges Zentrum“4) schaffen dürfen. Der britische High Commissioner Waucliopc hat diese theoretischen Formulierungen durch Beschränkung der jüdiseheu und Zulassung einer arabischen Einwanderung aus dem Osten praktisch bekräftigt. Die Revisionisten laufen mit den Zionisten zusammen Sturm gegen diese Einwanderungspolitik, ohne zu merken, daß sie dabei ihrer Auffassung, daß man den Zionismus einer gewissen britischen imperialistischen Schule an hängen kann, selbst spotten. Obwohl diese revisionistische Anhängsel-Politik unzählige Male ihre Unwirklichkeit gezeigt hat, lassen die meisten Revisionisten von ihr nicht ab. Wie in manchen anderen soziologischen Erscheinungen ist auch hier die Ursache nicht in einer mangelnden logischen Urteilskraft, sondern im Psychologischen zu suchen. Diese Anhängsel-Politik drückt in sinnvoller Weise eine revisionistische unmdstimiming aus. Die politischen Errungenschaften des Zionismus erfordern nicht einen eigenen wirtschaftlichen und kulturelicn Aufhau im Lande als ihre Voraussetzung, sic sind vielmehr durch die Ausnutzung einer äußeren Situation, durch einen glänzenden diplomatischen — mit kunstvollen Demonstrationen unterstützten -- Handstreich zu erreichen. Der tragische Zug aller zionistischen Politik, an dein schon iler/1 gelitten - hat, eine große politische Aufgabe mit aktiielleu politischen Mitteln allein nicht erreichen zu können, wird bei den! Revisionismus in ein Problem der diplomatisehen Intrige umgewaiidclt. Der eigentliche Schaden der revisionistischen Außenpolitik. die Erzeugung einer Illusions-yorstclhing, die unserer wirklichen Macht nicht entspricht,_ wirkt sich entscheidend nacli innen aus. Und doch sind die außenpolitischen uefahren der revisionistischen ״Politik" nicht zu unterschätzen. England gegenüber äußert sich das hauptsächlich in der Verminderung des zionistischen Prestiges und in der Unterwiihlung der jüdischen Repräsentanz. Viel folgenschwerer ist aber die revisionistische Haltung unserem anderen Partner — den Arabern — gegenüber. Die Revisionisten droben dem britischen Empire mit Maehtdemoiistrationcn auf weite Entfernungen hin, — die Araber sind in unniittclbarer Nähe, in Palästina, Eine antibritische Demonstration in Warschau kann nur einige Fensterscheiben kaputtsclilagen und das jüdische Ansehen schädigen; es erweckt aber keine Geiühlsreaktion im englischen Volke. Eine antiarablschc Demonstration in Palästina ist•_hundertmal gefährlicher: Hier ist der ״Gegner‘ ' ' . Ort und Stelle. Der berüchtigte Revisioiiistcii/ug zur ״Verteidigung" der Klngcmauer an dem unglückseligen 15. Avv 1929, unmittelbar vor dem Aus* bruch der traurigen Augiistereignissc 1929, gibt dafür ein warnendes Zeugnis ab. Ls ist sicher kein Zufall, daß die antizionistische arabische Presse in Ueberfiillc die revisio• nistischen Zeitungen zitiert. Zweifellos verstellen die Klügsten unter den Revisionisten, daß der Zionismus in seiner heutigen Situation England gegenüber keine anderen außenpolitischen Mittel hat, als die, die auch sonst verwandt und empfohlen werden. Gerade durch die von Revisionisten betonte Ausschaltung jeder s) Aus dem Protokoll des Waad Leumi (damals ״Waad• Smaiii" genannt), vom 4. Adar 5080 (1920), a' Aus der palästinensischen Zeitung ״Haarez“ vom 10. Adar 5680. *) Ausdrücke aus den Churchillschcn und Passlieldschen ״Weißbüchern“. , arabischen Gruppe als eines möglichen Bündnisfaktors, wird jede gegen Hngtapd gerichtete* Spitze von vornherein nl.gebrochcn. Ls ist wichtig, zu verstehen, daß die revisionistische ״scharfe“ Außenpolitik, die Begeisterung für das scharfe Wort, nur liir den i!1 n e r j ii 11 i s c 11 e 11 Gebrauch gemünzt ist und zur Diffamierung der zionistischen Bewegung und der zionistischen Führung, die zu ״höflich“ und ״schwächlich“ sei, 'dienen soll. Diese ״Außenpolitik“ ist nicht für auswärlige Partner, sondern für Jude״ bestimmt, und zwar für solche, die noch naiv genug sind (es gibt deren viele), zu glauben, daß starke Worte starke Politik bedeuten für Juden, die aus ihrem Elend und Minderwertigkeitsgefühl nach Maehtphaiitnvlcn lechzen und die zu wenig zionistische Er- Ziehung genossen haben, um zu begreifen, daß der llr« f{ r 11 u U unserer politischen Kraft im Sittlich• Sozialen liegt. Diese Eigenschaft der revisionistiselien Propaganda, Losungen zu verwenden, deren Funktion cs ist, nicht in Taten umgesetzt zu werden, sondern eine gewisse psychologische Wirkung auf Massen ausnuihcn, ist für die Stellungnahme des Revisionismus auch zu anderen Problemen charakte* ristiscli. II. Jüdische Arbeit und jüdische Arbeiterschaft 1. Die zentrale Stellung des Problems der jüdischen Arbeit für eine zionistische Haltung. Die Frage der jüdischen Arbeit in Palästina ist ein zentrales Problem ftir jede zionistische Konzeption. Zentral nicht nur in dem Sinn, elaII es das wichtigste und das schwierigste Problem im Aufbau F.rcz Israels ist, sondern and! in dem, daß eine Stellungnahme im Kampfe für jüdische Arbeit notwendigerweise zu einer aktiven Stellung- Nähme in fast allen anderen zionistischen Fragen und zu allen Gruppierungen im Jischuw timl Zionismus verpflichtet. Der Kampf 11 in tlic jüdische Arbeit wirkt wie ein Schmelz* ticgel auf die früheren allgemeinen sozialen Auffassungen lind normativen Denkgewohnheiten eines Zionisten. Erst aus dem Fegefeuer dieses Kampfes entsteht eine zionistische Haltung, die ihre Ideologie mit der Wirklichkeit konfrontiert. Einige Erläuterungen hierzu: Ganz abgesehen von der allgemeinen sozialen Ideologie eines Zionisten zwingt die Teilnahme au der Front für jü• dische Arbeit zu einer Kampfstellung gegen die politisch organisierten Kolonisten (I litacbdiitli-l laikarimr>), Smilausky), die die ״gemischte" Arbeit durchsetzen wollen. Eine Sorge für die Verwurzelung des jüdischen Arbeiters in der Kolonie bringt -- wieder von der sonstigen sozialen und wirtscliaftspofitIschen Weltanschauung des betreffenden Zio• nisten unabhängig -- zu einer Unterstützung der natio• nalen Fond s, ohne deren Böden und Kredite die Lage des jüdischen Kolonie-Arbeiters sehr zweifelhaft wäre. Andererseits verlangt die Sorge um die Erweiterung der jüdischen Arbeit geordnete Arbeitsverhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die beständige Möglichkeit einer nationalen Intervention (״Nationale Arbitrage“, wie sie im zionistischen Jargon oft heißt,) in die Arbeit« he/ichungen der iiidischcn Wirtschaft. Zionisten sehr verschiedener sozial* politischer Anschauungen, konsequente Sozialisten und überzeugte Manchester-Liberale, sind ans den Bedürfnissen des Kibbtisch-Awodab, trotz manch anderer ideologischer Gewohnhcitcn, zur Anerkennung des Kampfes für nationale Arbitrage in Arbeitsfragen gekommen. Ebenso erfordert eine aufrichtige Sorge um die Erweitc- Tting der Positionen der jüdischen Arbeit in der Kolonie eine Unterstützung jeder Bestrebung zur Hebung des sozialen und ökonomischen Lebensstandards der jüdischen Arbeit. Wie auch die sonstige lohn- und sozialpolitische Auffassung eines Zionisten sein mag, so wird er doch, wenn er wirklieh für die Erhaltung und Erweiterung der jüdischen Arbeiterschaft in den Kolonien kämpft, dafür Sorge tragen müssen, ihr Lebensniveau und ihre sozialen Sicherungen so weit zu heben, daß ihr ein kulturelles Existcnzininimum gesichert wird und daß die Differenz mit dem städtischen Lohn nickt so groß ist, daß sic zu einer Landflucht zwingt. Audi die Stellung zu den Volksschichten des Nachbarvolkcs bängt in hohe!״ Maße davon ab, ob man den Kampf um jüdische Arbeit ernst nimmt. Dieser Kampf wirkt auch in der Frage der jüdisch-arabischen Beziehungen auf die früheren Anschauungen wie ein kräitiger Schind/ticgel ein. Die Sorge um die Zukunft tlcr jüdischen Arbeit erheischt eine Liebling des Lebensstandards 11er arabischen Arbeiter und der arabischen Fellachen. Auf lange Sicht gesehen, kann weder der teurere jüdische Arbeiter noch de*r jüdische Industricllc neben einem billigen arabischen Arbeiter und einer mit billigen Arbcitshanueu versehenen arabischen Industrie existieren. Aber nicht nur die kämpferische, in die materielle Welt gerichtete Politik, sondern auch der geistige und erzieherische Inhalt einer zionistischen Gruppe wird in hohem Maße von ihrer Haltung lm_ Kampfe um die jüdische Arbeit bestimmt. Ein Mensdienkrcis, der wirklich in diesem Kampfe steht, der die ungeheuren Schwierigkeiten der Eroberung des jiidisehen Menschen für die Arbeit mul für die Landwirtschaft sicht, der die ständige Tendenz der Juden beobachtet, auch in Ercz Israel das Land zugunsten der Stadt zu verlassen, der aus der Unmittelbarkeit des Landes erkannt hat, wie nichtig und lächerlich unsere politischen Deklarationen und Demonstrationen sind, solange wir keine selbstarbcitende und bodenständige Volksschicht in Ercz Israel geschaffen haben, — ein derartiger Kreis wird den Zionismus immer als eine schwere auf lauge Sicht gedachte erzieher i 8 c 11 c B c w c g u 11 g verstellen. Er wird dem Volke weder leichte Erfolge versprechen, noch die Bedeutung des politischen Faktors in der zionistischen Entwicklung überschätzen. Er wird demgegenüber die Wichtigkeit einer seelischen Disziplin erkennen, die das sozial-psychische Gleichgewicht des jungen jüdischen Menschen durch Vcrinnerlicliung seiner Beziehung zur Arbeit und Siedlung herstcllcn will. Wenn wir das wirkliche Wesen einer zionistischen Partei feststcllen wollen, müssen wir zunächst klarlcgen, wie ihre tatsächliche Haltung in dem Kampfe um jüdische Arbeit Ist. Das Ja oder das Nein in diesem Kampf bringt mit zwingender Logik vieles andere mit sich. (Fortsetzung folgt) Austro - palästinensische Handelskammer Aus Tcl-Awiw wird uns berichtet: Anläßlich der Lcvant Fair hat sich eine Gruppe von österreichischen Ausstellern gemeinsam mit hiesigen Importeuren zusammengeian, um eine austro-palästincnsische Handelskammer mit dem Sitz in Tel-Awiw zu begründen. Kürzlich ist diese Gründung zustandegekommen. Ihre Aufgabe wiril es sein, den Export aus Oesterreich zu verstärken, andererseits aber wird sie cs sich besonders angelegen sein lassen, palästinensische Produkte, insbesondere Orangen, mehr als bisher dem österreichischen Markte zugänglich zu machen. Vorläufige Adresse; Achad Haam-Str. 52, Tcl-Awiw, Palästina. *) Es Ist wesentlich zu bemerken, daß die Mehrheit der Kolonisten, Insbesondere im Scharon, dem Kolonistenverbanda *״ ייHitachduth Haikarim“ — nicht angehört. 1