Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 13. VII. 1934 bn Saud nach dem Friedensschlufj J c r u s a I c m (Palcor). Nach dem grollen Siege Ihn ■iikIs im Süden der arabischen Halbinsel, nachdem es ihm rlungen ist, den König von Jemen, Imam Jneiij.1, zur Unter• fithming eines Friedens /u zwingen, der ihn in hohem Malle ׳der das!,rolektorat Ihn Sauds stellt, haben sich in den o I i t i s c 11 e n Kreisen Syriens ernsthafte Gerüchte her die Möglichkeit einer weiteren Expansion Ihn a 11 d s im Norden verbreitet. Man spricht von einem lanc, den ältesten Sohn Ihn Sauds, Fcis.1l, auf den syrischen liron in Damaskus zu sct/cii. Bereits seit längerer Zeit kuricrrn im Orient Gerüchte über energische Bemühungen r a 11 k r c i c h s, Ihn Saud als Verbündeten seiner Orientlililik zu gewinnen. Als Beweis hierfür dient die Tatsache, laß Ihn Sand in Heyronth und Damaskus ständige politische lertreter unterhalt, während er in Palästina keine Vertreter lat. Man weist auch aut die charakteristische Tatsache des [l/fcn Besuches des jungen Scheichs Sehalan, eines Sohnes ji-s bekannten arabischen Scheichs Nuri Sehalan, des Führers rr Dcduincnstämmc in der syrischen Wüste, in Mekka hin. 1׳ informierten Kreisen behauptet man, da fl der Zweck dieser leise ein politischer war. und daß er in Verbindung stellt lit der Frage der Ueherführimg eines Teils dieser Beduinen- Imiiiu׳ von Syrien in das Gebiet Ilm Sauds. Ihn Saud soll lit diesem Projekte einverstanden sein, was natürlich eine Icrstärkimg seiner Freundschaft mit Frankreich bedeutet. [ In der letzten Zeit ist es nach einem Gerücht auch zu Iner bedeutenden Annäherung /wischen den syrischen I a t i o 11 a I i s t c 11 und Ihn Saud gekommen. Der Führer l׳s syrisch-nationalen Blocks war kürzlich mit der Friedens- Iclegation. die vom | c r u s a I c 111 c r (iroß-Mufti ge- Ihrt wurde, in Mekka, und man glaubt, daß er mit lbil |1ml Verhandlungen über die syrische Frage geführt hat. I der augenblicklichen politischen Atmosphäre des Orients 11111 man die Richtigkeit der verschiedenen Gerüchte sehr Irsichtig beurteilen, in ernsthatten politischen Kreisen Syriens lit mau jedoch die Möglichkeit eines gewissen Dreibundes lNeben Frankreich, Ihn Saud und den syrischen N'atioliisU’ii mit dem Ziele einer Armierung der gegenwärtigen ■genannten republikanischen Verfassung Syriens in eine Jo 11 3 r c 11 i e unter Feisal, dem Sohne Ihn Sands, als König, II lit für völlig ausgeschlossen. Sollte sich dieses Projekt vor- Irklichen, so würde dies die Umwandlung des Hauses Ihn Jinis in eine Dynastie bedeuten, ebenso wie cs jetzt die Jniastie der II a s c 11 i 111 i s gibt, zu der Fmir Abdallah von linsjordaiiicii, König Gliasi von Irak und der thronlosc Emir I gehören. Das würde eine sehr bedrohliche Konkurrenz Id (iefalir für die Dynastie der Hascliinits bedeuten, die die |!1ze Zeit hindurch einerseits nach dem Throne von Mekka, Jilcrerseits nach dem syrischen Throne in Damaskus hin Javitiercn. Inzwischen hat Ihn Saud die Oberhand auf allen [outen erlangt. I Für die arabischen Politiker, die von einer Föderation II c r arabischen Lander träumen, bedeutet diese Ent-!׳klung iinturgeinafl eine gewisse Komplikation, weil zwei I,diele und konkurrierende arabische Dynastien entstehen, I sich gegenseitig bekämpfen. Trotzdem sehen die arabilen Politiker in der Stärkung des Ansehens Ihn Sauds Ion Faktor politischer Konsolidierung auf der arabischen ilbinsel. Diese Kreise sehen auch »11 dem eben ahgcschlos* len Frieden zwischen Ihn Saud und dein König von Jemen len Schritt vorwärts in der gleichen Richtung. Unabhängig II der steigenden politischen und territorialen Macht Ihn Juls sind doch verschiedene Möglichkeiten gewisser Erluttcrungen nicht ausgeschlossen, weil das Reich Ihn Sauds 11 weder auf die Kraft der Tradition noch auf das Bewußt• 11 gemeinsamer Interessen, sondern vor allem aut die Macht 11er starken Persönlichkeit stützt. Auch hat England!läufig noch nicht sein entscheidendes Wort zu all diesen ■lisclien Konzeptionen gesagt. Es stellt noch abseits und IhacUtct. Sollte sich England entschließen, sieh in all diese •gen einzumischen, so kann das leicht dazu führen, daß I diese schönen Kombinationen zerstört werden und spurlos •schwinden. Palästinensischer Räuberhauptmann zum Tode verurteilt Das Schwurgericht in Nablus fällte dieser Tage das lesurteil gegen den berühmten palästinensischen Räuber* ptinann Abu Dscliildit, der im April nach langer ver*!lieber Fahndung in die Hände der Polizei gefallen war. ti DschiUla hatte cs verstanden, die Gendarmen und Policn in Schach zu halten. Die Nachsicht und das Wohl*!len der ländlichen Bevölkerung, die rasch für ihn Partei sommen hatte, trug nicht wenig dazu hei, daß er vcrschicicn Versuchen der Sieherheitsorgane, ihn einzukreiscn, zu behen vermochte; erst nachdem ihm ein Mitglied seiner lule untreu geworden, konnte er schließlich dingfest gc* liit werden. Aus den Prozeßverhandlungen ergab sich, daß 11 Dschildas Eitelkeit für die Polizei bei seiner Verfolgung | günstiger Faktor war; denn obwohl ihm die Sicherhcitspne fast ständig auf den Fersen waren, ließ er es doch daß er in allen seinen Verkleidungen photographiert wurde, t er sich so der Gewißheit hingeben konnte, von allen tungslesern, denen sein Bild zu Gesicht kam, bewundert werden. i Ms die Jury das Todesurteil aussprach, nahm dies der I kstümlichc Räuber mit zynischer Ruhe entgegen. Seine leidiger haben Berufung an das Obergericht in Jerusalem gelegt. Kleine Nadmdiien Laut einer Aufstellung des Einwandenmgsbüros der Je* י Agency kamen im ersten Halbjahr 1934 mindestens 15 000 den als Einwanderer nach Palästina. Laut Bericht der Haifaer Polizei wurden 29 Juden l oien in Tiberias wegen illegaler Einwanderung verhaftet. Der Dozent für Philosophie an der Lehranstalt (früher lisehuk) für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, 'י Julius Guttinann, ist an die Universität Jerusalem uH'ii worden und wird Deutschland, vorläufig für ein r! ui einigen Wochen verlassen. Am 14. Juli beginnt in Zürich ein Großmeister-Schach* ״!er, an dem der hervorragende jüdische philosophische 1mtstcllcr und einstige Scliachweltmcistcr Dr. Emanuel sker tcilnimmt. Laskcr war von 1891-1921 Weltmeister. seinem Unterliegen gegen Capabianca auf Cuba trat *er nicht mehr auf. Unter der Bezeichnung ״Arabischer Club“ ist von; Gruppe Jerusalemer arabischer Notablen und Jugend- <־r eine neue Organisation mit der Aufgabe geschaffen wor* . de lolüik der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims aiasiina zu bekämpfen und ein unabhängiges arabisches Una innerhalb eines arabischen Staatenbundes zu pro* icrcn. r -- RJF. und Zionisten ln Köln tarnt am 8. Juli auf dein jüdischen Friedhof Von Köln-Rock'lcinund die Lnthülluug eines von der Kölner Ortsgruppe des Rcidishundcs Jüdischer Frontsoldaten gesetzteil üefnlleiien-Deitkmals statt. Im Anschluß an diese Feier wurde eine Versammlung des R. J. F. abgehaltcn, in der der Bundcsvorsitzcmle Dr. Leo I.üw enstein eine Rede hielt, worin er über die politische Richtung des R, J. F., gemäß dem in der J. T. A. veröffentlichten Bericht, folgendes sagte: ״Es 1 i r g 1 11 11 י fern, etwa eine Wieilrrhcrslclliing der triihe- ICO Verlialm—c ru betreiben, Das R a s s r ri p r i n * i p als (ibvislc Sl .ml-m .1 x i m c, das die Ka-.e1>miselmng verhindern will, lir.iiK'hl kein Hindernis Mir diesen Weg ru sin, da wir selbst diese Misilning ja nie!!! eוי■ 1־reben! Allerdings darf m׳t der Rassen• trcimuug keine Ditlamiening verbunden sein. Freilich Ist der von uns gereirlmrlc Weg für das denlselic Judentum nur gangbar, wenn unsere ganze Kraft sieh misseliließlitli innerhalb der schwarzweiß-roten <11en/|>lahlo enii.diet. Wir können iinvrc llclriedigimg iiih'Ii aut rassischer (inncllage in völlig ohrcnlvibcr Form in der rlcHlsehrn llrhnal finden.“ Der Redner gren/lc hierauf den Slnml- [iiinki des R|F. ge״e11ül>er dem z. i 0 11 i s t i 1 e h e n Standpunkt ab, wobei er In-ionie, daß bei der Feststellung, daß der KJF. keine anderen Inlr1es.cn kenn( nF solche, die intv'vhalh der dculsehen Grcn/cn liegen, eine Anr.wriirlnng der Kriüllnng der hürgerlieben Fllielilcn durcli die Zioni-icn nicht vorgrnoinincn werden soll, ,.Aber“, sagte Dr. l.öwenslciu. ,.'vir wollen keine besondere nationale .Miuoüiät und wenden uns gegen alles, was immer uns aus «Irr deutschen N’aiirni liinuiislühicii will.“ Schließlich belnnlc der BnnrU'svorüiziude des RIF., daß dieses himdrrlprorrntigc Ilekeimtnis rw dctil.cbvn Heimat die Ziisainmenarbcil mit anderen Rieht urigen auf dein Gebiete praktischer Arbeit nicht auseehlicßt mul erklärte es als Aufgabe der Rei!■lisverlretung. Mir eine Stär• kuug der Zusammenarlicit aut wirtschaftlichem und sozialem Gebiet zu sorgen." Diese Erklärung zeigt neuerlich, wieviele Unklarhei* ten noch in bezug auf die Lage der deutschen Juden bc* stellen. Eine Frontkämpfer-Organisation als solche hat eine S p e z i a 1 aitfgabc, die gewiß nur ״innerhalb der deutschen Grcnzpfähle“ zu erfüllen ist; das wird auch jeder Zionist konzeiliercn. Aber diese Funktion des R. J. F. ist in keiner Weise eine Lösung der J 11 d c 11 f ra g e, und jeder jti* disclic Mensch in Deutschland hat noch andere Sorgen und hat vor allem das Bedürfnis nach einer realen Sinn* gc billig seines Judentums, das wie er heute versteht, nicht nur ein wesentliches Element seiner seelischen Existenz, son* dem auch ein ausschlaggebender Faktor seines Schicksals ist. Judentum als solches ist aber seiner Natur nach an keinen Grenzpfahl zu binden. Die jüdische Gemeinschaft kann sich nicht damit zufrieden geben, innerhalb der nichtjt'ielischcn Um* weit eine G h c < t o - E x i s t e 11 z ohne eigenen Sinn und In* halt zu führen, lediglich dank der von außen als wesentlich statuierten Rassenvcrscliiedenlieit, sondern sic hat eine eigene große Tradition weiterzuführen, und die Wiedererweckung des ,Judentums auf dem Boden Palästinas ist für eine wach* sende Zahl von Juden, bis weit in die Reihen der Mitglieder des R. J. F. hinein, eine Quelle seelischer Stärkung und Genugtuung, ganz abgesehen davon, daß viele Juden, die aiiswatulcni wollen, in Palästina einen Wohnplatz finden können. Bekanntlich sind unter den Auswanderern auch genug Mitglieder des R. J. F., und wir verzichten darauf, an diese Feststellung noch eine (!lasse zu knüpfen. Auf der anderen Seite hat in der jüdischen Kriegsgeneration die zionistische Jugend Deutschlands genau so wie die übrige jüdische Jugend gekämpft. Diese zionistischen Front* kämpter ,können cs weder mit ihrer Ehre als Zionisten, noch mit ihrer1 Ehre als Frontkämpfer vereinbaren, daß die Leitung des R. J. F. in ihren Kundgebungen die Zionisten zu Bürgern zweiten Ranges im deutschen Judentum stempeln möchte. Da* her kann — laut Beschluß der Z. V. f.!>. — kein Zionist Mitglied des R. J. F. sein. Auch ohne Mitglied des R. J. F. zu sein, behält man die Qualität als Frontkämpfer. Der R. J. F. ist nur eine Teilorganisation, die nicht sämtliche jiidi* sehen Frontkämpfer Deutschlands umfaßt, Es ist von uns bereits mehrfach darauf hingewiesen wor* den, daß der R. J. F. durch seine initiier stärker hervortretende anti zionistische Politik den Anspruch, für die Gesamtheit der jüdischen Frontkämpfer sprechen zu können, selbst verscherzt hat. Seine praktische Bedeutung für die Mehrheit der deutschen Juden, die ja durch den Gang der Zeit immer mehr aus Niclitfrontkäinpfern zusammengesetzt sein muß, schwindet zusehends, weil der dünne Aufguß der alten assimilatorischen Ideologie, tlie mir mit einigen motlisehen Schlagworten aufgcpiitzt ist, für die Bewältigung der Lcbcnsproblemc des deutschen ludentums nicht ausreiehen kann. Deswegen ist es für die Selbsttäuschung der Leitung des Frontbundes besonders bezeichnend, daß sic nach dem unerhörten Angriff auf die deutschen Zionisten, darunter auch die zionistischen Frontkämpfer, vor kurzem glaubte, an die nationaljüdisch eingestellten Frontkameraden appellieren zu können, im Frontbund zu bleiben und eine Verbundenheit mit den alten Waffcngcfährtcn anziierkcnncn, die doch von dieser, d. h. von der Buitdesleitutig des R, J. F,, eben ver* raten worden war. Eine Liste jüdischer Firmen Die ״Frankfurter Zeitung“ meldet: Der ״Deutsche Mittelstand“, offizielles Mitteilungsblatt der amtlichen Berufsvertretungen des gewerblichen Mittelstandes im rlicin* mainischcn Wirtschaftsgebiet, veröffentlicht in Nr. 13 vom Juli 1031 eine umfangreiche Liste unter tler IJebcrsclirift: ״Jüdische Firmen im Bereiche d c r O r t $ g r u p p e Altstadt Frankfurt a. M.“ Neben den Namen und Anschriften von Firmen werden auch die von Acrztcn und Rechtsanwälten mitgctcilt. Ein Kommentar zu dieser Aufzählung, die mehr als eine ganze Seite in Anspruch nimmt, wird von dem Blatt nicht gegeben. Es ist gewiß keine Beleidigung für Juden, wenn sic als Juden bezeichnet werden. Nach dem bekannten Erlaß des Kcichsinnenministers, wonach für den Bereich der freien Wirtschaft das Arierprinzip keine Geltung hat, ist aus der Feststellung des Jude-Seins auch keine Folgerung bezüglich des Wirtschaftsverkehrs zu ziehen. Die aas Deutschland ansgewanderten Akademiker Der Chcrkommissar für Auswanderer-Fürsorge, James G. Macllcnald, veröffentlicht Mitteilungen über die Er* fcbnisse einer am 4. und 5. Juli in London abgehaltcncn agung der internationalen Sachverständigcn-Kommission für die Probleme der aus Deutschland aus gewanderten Akademiker. Man erwartet, daß im Juli 1935 Universitäten und ähnliche Lehranstalten 140 Oelchrte auf genommen haben werden, weitere 150 werden in Forschungs-Laboratorien von Indu&tricunternehmungcn, in Krankenhäusern usw. An* Stellung finden. Die Gesamtzahl der Akademiker und An* gehörigen der freien Berufe, die vor der Notwendigkeit stehen, sich im Auslände eine neue Existenz zu suchen, betrage über 7500. — Für die Durchführung der Aufgaben der Akademiker* Hilfe seien für das Jahr 1934/35 und für das folgende Jahr etwa je 100 000 Pfund notwendig. i Kinder zweier Völker ח Auf der Straße vor meinem flause, die aus der Stadt י! hinaus zu dem Kreuzt,ilirciklostcr inmitten eines Pimemv.iltj. f\I chcns führt, begegnen sich zwei Ktmlerscharcn. 1/ Von der Stadt 11er, mit der Richtung /lim Wäldchen, fl kommt ein Zug von kleine״ und größeren Mädchen, auch cjn « j paar ganz, kleine jungen darunter. Alle in graue Schurzen 1׳ und graue Mützen neu cingckleidd, in kerzengerade ,iw,ge. '־; richteten Viererreihen. Schwarzhaarige junge Lehrerinnen, }* die nicht recht in ihre europäischen Kleider hinciimipassen y. scheinen, geleiten den Zug und weisen jeden leisesten Ver• f'j such eines Kindes, von der strengen Reilienordmmg abzuwti. dien, entschieden zurück. Die Kinder sind alle dunkelhaarig, •| haben unfeste Körpcrlinicn, scharf geprägte orientalische Ge. || siclitsziigc und einen Zug von Leiden oder von emgebirener 11 Erinticrimg an erlittene Leidet! in den dunklen Augen. 11 Von der entgegengesetzten Richtung - dem Wäldchen — ' her kommt ein zweiter Zug von Kindern: kleine und größere 11 Jungen und Mädchen in vielfarbig hellen Sommerkleidern, m Auch sic zu Reihen geordnet, aber nur zu leicht angedcutcten, ffj zwanglosen Reihen: lachend, schwatzend, von mitgehenden lg Lehrern und 1 chrcriimcn mehr begleitet als dirigiert. Auch ffi von diesen Kindern haben die meisten unfestc Körpcrlinicn, || schwarze Haare und ausgeprägte Gesiclits/iigc, und auch in ■ ihren dunklen Augen liegt — unter ihrem Lachen verhör• ■ gen — ein Zug von Leiden oder von eingeborener F.rinne* I rutig an erlittene Leiden. Vor meinem Hause kreuzt sich der Weg der beiden , Züge. Sic mustern sich, belächeln und bekritteln sich ge. r gcnscitip nach Kimlerart und bemühen sich — in inslinktivcr > Ahlehmmg alles Fremdartigen — einander schnell und heim- B lieh einen kleinen Schabernack zuztifiigen. I Und ahnen nicht, wie nahe verwandt in Blut und Schick- 1 sal sic sind. ... I Die in den grauen Schürzen sind A r m c n i c r k 1 n d er, die in den fröhlichen Sommerkleidern Schiller jüdischer V o I k s s c 11 u I k 1 a s s c n. Die einen sind die Nachkommen des uralten armenischen Volkes rund tim tlas Gebirge Ararat, darauf die Arche siel» vor der Sintflut rettete. Die anderen sind die Nachkommen des noch älteren Volkes, das beim Hntergang des Menschengeschlechtes zur Erhaltung der mctischliehen Art in der Arche atiserschcn wurde. Die einen sind die geringen Ucbcrhlcibsel des Volkes, der Kirche, die itn Zeitcnlaiifc Htnide-te von Malen bekriegt, bcsiegt und im Weltkriege endgültig aus ihrem Heimatlands heraus in die Wiistc, ins Nichts deportiert wurden. Die andcreu sind die Nachkommen des Volkes, von dem das alte Artncnicrvolk abzustammen sich rühmt, mit dessen religiösen Ideen es sein eigenes christliches Bekenntnis befruchtet hat, die Nachkommen des Tausende von Malen bekriegten, besiegten und vertriebenen Volkes, das doch immer wieder ru neuer Sammlung, neuem Leben atiserw,1111t wurde. Die in den trüben grauen Schürzen sind die letzten Ucbcrbleibsel von Emigranteiilamilieii rund um das Miitclmeer, die ein Zufall vor dem allgemeinen Volkssebieks.il verschonte und die nun in ihrer Vereinsamung sehnsüchtig Anlehnung an die Völker suchen, in deren Mitte sic wohnen; Waisenkinder, deren Eltern wohl über dem Leid tun den Untergang ihres Volkes frühzeitig starben und verdarben. Die in den hellen Kleidern sind die ersten Sprossen an dem neuen Ast jiidi• sehen Volkstums, der aus der uralten Heimaterde frische Lebenskraft saugt und neue Blüten treiben will. Sie sind die Hoffnung auf eine neue Schöpfung jüdischen Geistes, die seiner ersten, unaustilgbar in das Bewußtsein der Völker eingedrungenen Schöpfung an Wert glcichstchcn soll. ז j Aber die beiden Kinderscharen, die da aneinander vorbei•‘ ziehen und einander schnell und heimlich einen kleinen Schabcrnack zuztifügcn streben, wissen nichts von ihrer nahen Verwandtschaft, wissen nichts von der Achnliclikcit des ererbten Leidenszuges in ihren dunklen Augen, ahnen noch nichts von dem! was einer dem anderen verdankt, was einer dem anderen verheißt.. . . Helene Hanna Thon, Jerusalem. Der Bariton Ernst Wollf, früher Kapellmeister im Frankfurtcr Opernhaus, sang kürzlich, wie uns geschrieben wird, In einem Orchesterkonzert des Londoner Rundfunks. Aut Grund des großen Erfolges bei diesem Konzert wurde er für die kommende Saison für verschiedene Konzerte in London engagiert. _ יזו׳יו־יוו," Dr. «»׳*• 31 fjr habt Jtl-Aviv, Ihr« V. r tm * ־ ».rtl»W*a, Dl• *IttcJdh Dr. Alfoni Htroh.rf, 1 Dt« Ott« lad• AB1n״trin r Etat ia der Jüdisch•!■ ו*5דדד1ב3ן Am 20. T«m* Dr. B im Und«!•ia TaMvtv.EI Kimw SSZCS■ ^•efi kur Rcnwart» ווי! ׳»wr |ut«r V m\ Alur t KALENDARIUM 1934 — M. Woche 5694 - 43. Woche Freitag 15. Juli t. Aw ראש חדש Heumond Samslag 14. M a. M נוטות מסעי¬ Sonnlag 15. M 3. M Montag 14. M 4. m Dienstag 17. M 5. 49 Mittwoch 18. M 4. •» Donnerstag 19. m 7. 9• Sabbat-Au.)«** B«rlln »״. ßreilau 1«. Frankfurt *. M. *«. Manchen •" 1Z. Juli!«111 E M. Lilien, bedeutender |0d. Zeichner, geitorben. IS. Juli 19291 Jfikob Mo*fr, Hllbegrflnd«־ des Awlw. seitorben. Gymnn.lurm In Tel llauplsehrlftlciter! Dr. Rotiert Weit sch, Berlin-Chiirlotlenburg #• Stellvertreter! Kurt Loewenitein, Berlin W 15. Verantwortlicher Schriftleiter für den gesamten redaktionellen Teil! Kurt Lotsen- »tein, Berlin W 15. Antcigcnlciterin und verantwortlich für des Anttigenteil: Helene Chsncinef, Berlin N 54. Verlag und An- *elgenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinekestt. 10t D.-A. Juni 38 089 hxpl, Drin k: Siegfried Srliolrm, Berlin-R<böneberg. lisii-Mlois 1101211 iiGisssode.u. Poatsehcckkonto: Berlin Nr. 104951 Bankkonto: Drsidnsr Bank, Dapoaltankataa KurfOrstsndsmm 18t durd» Spenden für den Jüdlidien N&llonaltonds Heren iiicmeiii Lclisr&ci Berlin Wts. Neinckcfir.io P0»ucheck3&147 i Eliilitlitn Hitrmil ״,|üj v«mf*|1,||fr| Ul!!!!מ O» Sophl kÄolitnho( k«ü« Am 6.J« letdtn Hg! Et w«r ז»י die ««oder GS H1^ L«s Dr. P«t f H« unij Charlo« Di« Eia« *dueden,'! **,״Ueliea.