Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 56, 13. VII. 1934 JÜDISCHE RU NDSCHAU Seite 3 ך* r / ן, ־׳״, ׳ i. a ,10 •mJb Mi» barhfnlgend gibt ״nser Mitarbeiter, einer der besten Kenner der hebräischen Literatur in Deutsch- Imtd, eine Analyse des dichterischen Werkes des lYrhiiehenen (gemäß einem vor einigen Jahren gehaltenen Vortrag). /!<•</. Die moderne hehriiisclte Literatur besitzt in Clt. N. Bialik ih,׳ u zentralen Dichter. Diesen Ruhm verdankt er aber bei ,11!r künstlerischen Bedeutung nicht dem Umstand, dal! es (,einen einigermaßen ebenbürtigen Dichter in der neuen hcbr,rischen Literatur neben ihm gäbe, sondern der Tatsache, daß er den Duellen des historischen Judentums am nächsten ,teilt, daß er durch und durch Jude ist, daß ihm, wie seinem großen Lehrer Acliad Itaam, das Judentum den Mittelpunkt ,eines Geistes bildet. In Ibsens ״Kronprätendenten“ wird ein Skalde (jefrapt, woher er seine Dichtkunst habe. Er antwortet: ״Ich empfinj! die Gabe des Schmerzes, und da ward ich Skalde.“ Bialik legt sich selbst dr.e Frage vor und beantwortet sic in jer nämlichen Weise. ״Weiht du, woher ich mein Singen bube?" Im LHcrnhause wohnte ein einsamer Sänger, der aus löchern und Ritzen sein eintönig Lied sang — die Grille, der Sänger der Armut. Oft, wenn an Freitagabenden Wein und Sabhathrot fehlte, wir Kinder hungrig und weinend am Tische ,alten, und der Vater die Sabbatlieder anstimmte, da sang aus der Ecke jener Sänger der Armut mit. Und nach des Vaters Tod, als die Mutter sich um unsern Unterhalt abquälte, war rs noch schlimmer. Tagsüber draußen, saß sic nachts lange beim trüben Lampeusehein, um zu nähen, und beim Morgen-!;rauen war sie schon wieder inunter, uns Kindern das Morgenhrot zu backen. Ich aber wußte wohl und mein Herz, sagte " mir, daß ihre Tränen in den Teig fielen, und ich aß mit dem Brot ihren Jammer in mich hinein. (״Schirathi.“) So empfing Bialik die (iahe des Schmerzes, so wurde er Dichter. Entsprechend sicht er seine Muse als trauernde Fraucngcstalt, in dunkles Witwengewand gehüllt, ihm einen schweren, trüben, bösen Tag verkündend (״B'jom S’taw“), freilich kann er dann auch mit Stolz von sich sagen, daß er ״sein Licht nicht als herrenloses Gut draußen fand“, sondern aus seinem ״f eis und Kiesel schlug, aus seinem Herzen hieb“ (״Lo sakhitlii bliaor“). ' Doch nicht allein die häusliche Armut war schon dem Kind eine Quelle des Leids, noch ein Zweites kam dazu: die Schule, das ״Glieder", und spater das Beth-Hamidrasch und die Jeschiwah. Sie ließen einen Reif fallen in des Dichters friihlingsnacht. Es hat eine eigene Bewandtnis mit diesen Bildungsstätten des Ostens. Sie ertöten das Leben, sie lassen die Jugend verkümmern, aber zugleich haben sic etwas ringeheuer Anziehendes, besonders wenn man geborener Dichter ist, Sie adeln, — aber sie töten das Glück, sie töten das Glück, — aber sic adeln und erlichen den Geist, bewirken einen einzigartigen Aufschwung der Seele. Sowohl ihr Gutes wie ihr Schlimmes hat seinen Einfluß auf Bialik geübt lind sein Wesen zwiespältig niitgcsfalfct. In mehreren Gedichten wird das alles dargestellt. Der ״Hamaflunid“ darf heute schon als das klassüdic Jcscliiwah-Gcdiclit bezeichnet werden. Lehen und inneres Erleben der Jeschiwah-Jimgcr lernen wir hier kennen. Wie sinnlos, zwecklos ist dieses ausschließliche, .alles übrige völlig absorbierende, Talmudstudium die ganze Jugendzeit hindurch 1 : Wie anders wäre es dagegen, welche köstlichsten Früchte müßten gedeihen, wenn den fruchtbaren Acker nur ein Strahl , dnrehsonnfe. Beklagt der Dichter hier mehr das Schlimme des einseitigen und ausschließlichen Talmudstudiums, so zeigt er ^Zusagen das Faszinosiini des alten ״Lernens“ in anderen Gedichten, von denen das 1111״ jeseh eth nafschckha ladaath“ besonders erwähnt sei. Willst du die Quelle kennen, aus der unsere Väter die langen Jahrhunderte des Galuth hindurch die Kraft schöpften, tausend Tode zu erleiden, in Feuer und Wasser zu gehen und freudig mit dem ״Sch’ma“ zu sterben; willst du wissen, was unser Volk in den Stand setzte, unsagbare Qualen zu erdulden an Leib und Seele und doch weiter n leben, — dann geh ins alte Beth-Hamidrasch. Es is! unser Allcrhciligstes, die Quelle unseres Lebens, die Wurzel unserer Kraft, Ihm danken wir unsere Dauer, unsere Erhaltung bis in die ferne Zukunft. So tief der Dichter den unvergleichlichen rcligiös-natbaalen Wert des Bcth-Hainidrasch empfindet, so sehr litt er 5'ג Kind eben doch unter dem Druck dieses ganzen Bildungswesens. Eins gab cs nur, das ihn immer wieder tröstete: die Natur. Schon frühmorgens, wenn das Kind erwachte, klopf- (l'e .,Zafririm“, die Morgengeisterchen, wie Tauben an sein ׳ cnster und lockten es hinaus ins Freie mit leuchtenden Gcuclüern: ״Komm mit uns, strahle und leuchte mit uns, wir «nllcn Licht ausstrcucn, wo wir cs finden.“ Oft folgt ihnen ms Kind hinaus in den ״Sohar“, in den flutenden Lichtglanz, ihm aus dem Weiher feine, reine Lichtgeister erscheinen JJ1״* (las ״Lied des Glanzes“ singen. Jetzt, schließt der Dichter aas herrliche Gedicht, ist das Lied des Glanzes auf ewig versummt. Doch ein Nachhall blich in meiner Seele, und meine ’ "^hicstcn Träume und hehrsten Gesichte entstammen jener . ffmcu Quelle. , In einem besonderen Gedicht hat Bialik zusammeufassend Art Biographie seiner Kindheit und Jugend gegeben:; ״ >m jischal hamalakh“. Zuerst verlor er seine Seele an ein : "eißes Wölkchen im blauen Firmament, aber sie hüpfte bald ,Jü einen goldenen Sonnenstrahl und gelangte später in eine? f ücmara, wo sie keineswegs erstickte, vielmehr Lieder des j ..tn5 fand, alle möglichen Lieder bis auf eins — das * ׳ad der Jugend und der Liebe. Da sehnte sich die , e hinaus, und eines Tages war sic entflohen. Seitdem irrt *lf ohne Tröstung in der Welt umher, fliegt bisweilen nacht* j lc" *״s Tor der Liebe, pocht und weint und betet um Liebe, i ״as Blut fordert sein Recht, Doch bei Bialik ist die Liebe j besonderer Art. Nicht so sehr das empirische Objekt ein•; *c" genießend als vielmehr eine unstillbare Sehnsucht nach 1 '1,*•nt Ideal der Liebe. Der Dichter kennt die Geliebte gar lcht, er wejß w0 sjc> wer und was sie ist, aber er ’״geht vor Sehnsucht nach ihr (״Ajekli“). Und als er einmal , r! c'*Jc״d die Gesuchte gefunden hatte, — verließ er sie, 58 ן heißt, wie er ihr erklärt, er bleibt ihr immer treu, er (!״c״rt sie dauernd als einea Gottesengel, sieht überall ihre [ tyi t.,!*’ »Kanz a»s Licht für Licht geschaffen“, nur in der! ״ rkl|chkeit mit ihr zusammcnblciben kann er nicht: sie ist יי tu rein, zu heilig dafür (״Mikhtabh katan“). Als ein i bL'u181.״ e1n Mädchen ihn verläßt, tröstet — er sie! Mir 1 j* dein Bild, das mich umschwebt, sorg dich nicht um "»eh (״I loleklietli atli"). Sogar in seinem sonnigsten Liebesgedieht gelaugt dieses VcrgeistiguiiRsbcdürlnis zum Ausdruck, Koniin mit mir hinaus ins Freie, in Licht gebullt, daß ich dir Lichtstrahlen sammle und kleine Kronen ums Haupt binde (״Kumi z’i"). Kronen nms Haupt binden muß Bialik: er braucht das Ideal, die Verklärung, — aut die Wirklichkeit kann er notfalls verzichten. I rcilich, glücklich wird mau so nicht. Er fühlt tief den Schmerz des ewig ungestillten, unstillbaren Sclmcns mul glaubt auch die Ursache zu kennen. Der Sohn des Ghetto hat keine Jugend, die die Zeit der Liebe ist. ln einem wundervollen Lied hat der Dichter dieses ״Geheimins“ seiner Schmerzen mitgetcilt (״I lakhnisini“). Zeigt die Liehesdichtung Bialiks eine tiefe Tragik, so ist seine N a f ti r <1 i c 11 f u n g desto friedsamer. Auch hier finden wir die charakteristischen Ziigc des Bialikschen Wesens. Die Natur wird nicht einfach genossen oder betrachtet, sondern sic muß erst sozusagen durch das Prisma des Geistes. Biatik erweist^ sich wiederum als der ,,sentiment,alisclic" Dichter im Sinne Schillers, l.r schaut, er horcht in die Natur hinein, sie offenbart letzte Geheimnisse, in und aus ihr redet Gott. Ebenso begegnet uns auf diesem Gebiet wieder eine unstillbare Sehnsucht — nach Licht und Glanz und unermeßlicher WYBc, ״Wenn Du, Gott, sieben Sonnen am Himmel hättest, könntest Du meine lichttrunkenc Seele nicht sättigen“, heißt cs in einem Gedichte (״Im p’thichatli hachalon“). Der Drang ins Innere der Natur kommt in einigen bedeutenden Dichtungen besonders zum Ausdruck. Der Genius der Nacht offenbart dem Dichter, daß im ganzen All noch nicht Ein Atemzug ins Nichts vergeht (״Rase Lajiah“). Auch der Tod, erfahren wir anderwärts, bildet nur eine Metamorphose des Lebens, einen Ucbcrgatig von einer Lebensform in die andere. ״In allem und aus allem quillt unendliebes Leben ... Du lebst in allem, wo Du auch seist“ (״Bcth olam“). Das All ein Altchen, Gott der Aliumfasscr, ln dem die Welt und alle Einzcldinge ״aufgehoben“ sind. Ein Panenfheismus, scheint mir, der den Anschauungen der Kabbala und des Chassidismus einigermaßen entspricht: alles in Gott, welcher seinerseits der Ort der Welt ist, nicht umgekehrt. Gott läßt sich aus der Natur erkennen, er spricht aus ihr, man muß nur tief in sic liineinhorchen. Seine Stimme besteht freilich nicht aus Tonen und Worten, aber deutlich vernehmen sie die ״Auscrwählten seines Geistes“ aus allen Erscheinungen der Natur: seine ״Schcchina“ ruht auf allem, in allem (״Habrekhah“). * , Stehen schon die bisher betrachteten Oebicte der Bialiksehen Dichtung stark unter dem Einfluß der traditionellen jüdischen Kultur, teils positiv, teils negativ, so wird Bialik zum jüdischen Dichter par exeellcncc in seinen nationalen Gedichten. Hier ist er nicht nur groß, sondern unvergleichlich und einzig in der neuen hebräischen Dichtung. Schwer lastet das Galuth: Not, Verfolgung, Entehrung, Kränkung. Und wir sind ״Luftmenschen“ geworden, losgelöst von der Scholle. Wir sehen die Pracht des Fehles — was gellt sie 1ms an? Nicht wir haben sie geschaffen (״Basadch"), Doch im Lande der Väter kann unsere nationale Wiedergeburt erfolgen. Wir brauchen nur zu wollen. Mögen also die Kräfte unserer Bruder erstarken, die, wo immer sic weilen, den Boden unseres Landes lieben. Klein beginnt heute das Werk, aber uns genüge die Grundlegung (״Birkath Am“). Kommt alle zu Hilfe dem Volk! Jeder sei willkommen, dem die Volksnot ans Herz greift. Was ist zu tun? Vor allem: enthüllt das Licht! ״Auf dem Boden des Volkes und in den Tiefen seiner Seele leuchtet und glänzt noch seine Schcchina.“ Die gilt es zu enthüllen (״I.amithnadhhim bnam“). So ruft der Dichter sein Volk zur Tat. Aber cs hört nicht. Unbeweglich bleibt der ״große Krumme“, Da wird Bialik zum zürn 0 11 de 11 Propheten. Dumpf grollt cs zunächst über das Volk hin: ״Wahrlich, Gras ist das Volk, dürr wurde es wie Holz.“ Es kennt keine Sehnsucht nach Freiheit, Licht, Sonne, es kennt nur die Bedürfnisse des Alltags. Wohl fühlt cs den Schmerz der Peitschenhiebe auf seinem Rücken, aber nicht die Entehrung, die Scclcnschmach. Stumpf liegt es da, und wenn das Schofar tönt und die Fahne wellt — kann sich der Tote ermuntern? (״Akhcn chazir“). Viele Jahrhunderte dauert schon diese Erstarrung, sie charakterisiert unser Galuthdascin überhaupt trotz mancher furchtbaren, doch flüchtigen Atifbäumungcn (״Methc midbar“). Nicht einmal so entsetzliehe Ereignisse wie Pogrome vermögen das Volk aus seiner Dumpfheit aufzuriittcln. Es ist zufrieden, wenn die Ucberlebenden von reichen Glaubensgenossen durch Almosen unterstützt werden. Weiter macht der Vorgang keinen Eindruck (״ß’ir haharega"). Da schleudert der Dichter wilde Anklagen gegen dieses ״Volk seines Grimms und Mitleids“ zugleich, das nicht einmal mehr die Kraft der Auflehnung besitzt. ״Die Fcuerkohlc wirf von deinem Altar herab, Prophet, überlaß sie den Nichtswürdigen“, ihre Suppe damit zu kochen, ihre Zigarren daran anzuztmden. Sie verstehen dich doch nicht, sic denken nur an ihre״ persönlichen Vorteil. Wir gehen dem Tod entgegen und mcrhcn’s nicht. Mit Phrasen der ״Wiedergehurt“ auf den Lippen steigen wir ins Grab (״Dabhar“). Wie sicht es bei uns aus? Unsern Leih mißhandeln sic und unsern Gcisf, unsere Seele, geben wir ihnen von selbst preis zum Lohn dafür. Alle unsere Schätze werfen wir weg, unsere Großen stoßen wir von uns, bis unser Nest leer und einsam ist, unser Haus eine öde Ruine (״Aklien gam seh“). In einer Wüste leben, vegetieren wir, an einen kahlen Felsen gcschmiedet, verschmachtend vor Durst, vergehend vor Elend. Zieht aber einmal ein Ncubelebung versprechendes Gewitter auf, so fällt der befruchtende Regen neben uns nieder und uns bleibt nur das Grollen des Donners, daß unser Jammer noch größer ist als zuvor (״Kiru lanchaschim“). Zwischen seinen gewaltigen Zornes- und Anklagegedichten schreibt Bialik die grandiose ״Fl am men rolle“, dn Werk Hat ein Stamm Götter vertauscht - und die da sind nicht einmal Götter 1 -? mein Volk aber tauschte seine Ehre gegen das, was nichts nützen kann. Erstarrt, ihr Himmel, darob, schaudert, erödet gewaltig - SEIN Erlauten - I Denn zwiefach Arges getan hat mein Volk: sie verlieben mich, Born des lebendigen Wassers, um sich Gruben zu hauen, brüchige Gruben, die das Wasser nicht halten. Jlrmelahu, Kap. 2, II — 1J (Uebenetzt von Martin Buber.) Aui der Haftara für Sdxabhath, den 14. Juli Bialik» letzte Fahrt f" t L... .. ..... .,... - - Herr Dr. Max Walter, Fürth, sendet uns eine Reihe von Aufnahmen, die er bei seiner gemeinsam mit Bialik zurückgelegten Reise von Ercz Israel nach Europa im Juni d. J, auf dein Schiff gemacht hat. Der Einsender schreibt dazu, daß diese Aufnahmen wahrscheinlich die letzten sind, die von dem großen Verstorbenen gemacht worden sind. Wir reproduzieren hier cin Bild, das Bialik im Gespräch mit Kapitän Stcindlcr, dem Kommandanten des Uoyd-Triestino-Dampfers ״Italia", der Jude ist, zeigt. in gehobener Prosa, das eine Allegorie des Galuthjudentums sein will und gleichzeitig eine Darstellung des inneren Lebens und der seelischen Kämpfe des Dichters. Aber alles Rufen, Zürnen, Aufrii.tteln schien erfolglos. Ja, etwas ganz Unerwartetes geschah. Ein bedeutender hebräischer Kritiker und Dichter wandte sich gegen die mit seinem Herzblut geschriebenen ״nationalen“ Lieder Bialiks und erklärte sie für Kunst;türke eines Sprachvirtuoscn, für schlechte Parodien der altprophetischen Reden. Den Schlag hat Bialik offenbar nicht mehr völlig verwunden. Er zog sich seitdem (1910) mit einem stolzen, verhaltenen Absehicdswort von der ״nationalen“ Dichtung zurück (״Chosch Ickh b’rach)“ und ergab sich in den wenigen überhaupt noch folgenden Gedichten trüben, verzweifelten Reflexionen über sich selbst. Die Zeit der Blüte ist längst vorbei, die Frucht schon überreif — eine Sturmnacht und sic wird abfallen: keine Blüten, keine Frucht, keine Blätter mehr (״Zanach lo sahal“). Dann hüllte sich der Dichter in tiefes, lastendes Schweigen. Nur ausnahmsweise hat er es gebrochen, wie z. B. durch das freilich großartige, die Unnatur der Riesenstädte behandelnde, Gedicht ״Jenasscr lo khilbhabho“. Das Verstummen des Dichters bedeutet aber keineswegs ein Aufhören des literarischen Schaffens Bialiks überhaupt. Im Gegenteil, er entfaltete weiter eine äußerst fruchtbare Tätigkeit. Er veröffentlichte eine Reihe von Volks- und Kinderliedern, bearbeitete die Bibel für die Jugend, die Agada des talmudischcn Schrifttums für das Volk, übersetzte Werke der Weltliteratur ins Hebräische und schrieb eine Anzahl wichtiger Aufsätze, die auch in deutscher Uebcrtragung vorliegen (vEssays“). Durch die Blätter ging einmal die Nachricht, er habe die Veranstaltung moderner Ausgaben unserer früheren he* bräischcn Dichter als seine Hauptaufgabe für die Zukunft bezeichnet. Halten wir diese Nachricht mit einer Rede zusam* men, die in den ״Essays“ sich findet (״Das hebräische Buch“), so erklärt sich einigermaßen das Schweigen Bialiks, Hier erörtert er nämlich die außerordentliche Bedeutung einer solchen literarischen Auslese- und Sammeltätigkeit, die geradezu die Rettung der ״geistigen Ehre“ und des ״ewigen Lebens“ des Volkes bezwecken soll. Bialik ist sich demnach, scheint mir, durchaus treu geblieben. Dasselbe Ziel wie früher — die ״Enthüllung des Lichtes“, in der Sprache Achad Haams die ״Wiedergeburt des Geistes“ — nur ein neuer Weg. Wer weiß, ob nicht spätere Generationen diese literaturgeschichtliche und litcrarkritische Wirksamkeit Bialiks in nationaler Hinsicht für ebenso wertvoll halten, wie seine Dichtungen. Schear Jaschubh. MBialik>Stadt" bei Haifa Es wurde beschlossen, die an der Haifa-Bucht auf Boden des Keren Kalemcth geplante Siedlung für deutsche Juden als ,,K i r ] a t Bialik“ (BI a 11 k - S t a d t) zu benennen. Die Grundsteinlegung für diese neue Siedlung wird demnächst erfolgen. Geplant wird die sofortige Errichtung von vor* läufig hundert Häusern. Zu dem Gründungskapital in Höhe von 40 000 Pfund steuert die Hälfte der südafrikanische ״Blnya Haarez" bei, die andere Hälfte bringen die Siedler selbst auf.