Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 56, 13. VII, 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Weltkonfcrcnz des liberalen Judentums Anfang Juli fand in London die dritte Konferenz des Wcltvcrbandcs für religiös-liberales Judentum statt. Den Be• Ticlttcn entnehmen wir folgendes: Der Vorsitzende des Verbandes, Claude O. Monte• fiore. crfiffnctc die Konferenz mit einer Ansprache, in der er zunächst mit Nachdruck betonte, daß die Konferenz ans• schließlich religiösen Fragen gewidmet sei und poh* tische Fragen von vornherein ausgeschlossen sind. Dem reit* giösen Judentum, so führte er aus, obliegen in dieser /.eit große Aufgaben, denn gerade in Zeiten des schweren äußeren Schicksals sei das Bedürfnis nach seelischer Stärkung und nach Belebung des Glaubens stark. Obwohl auch das liberale Judentum jetzt innere Krisen dtirclmimachen habe, meinte der Red* 11er doch, daß diese Form des Judentums die einzige sei, die auf die Dauer bestehen könne. Die Hauptaufgabe des liberalen Judentums sei die B e k ä in p f 1111 g der religiösen Gleichgültigkeit. Ls folgten Begrüßungsansprachen der Vertreter aus den einzelnen Ländern. Für die Vereinigung für das rcligiös-libc• rale Judentum in D c 111 sc h I a 11 d sprach Herr Heinrich Stern, der darauf hinwies, daß Deutschland die Geburtsstätte des liberalen Judentums sei. Der amerikanische Vertreter Rabbiner Lazaron aus Baltimore wies darauf hin, daß von den 4—5 Millionen ,mieriknuiseher Juden nur ein kleiner Pro- *entsalz sieh zum liberalen Judentum bekennt. Rabbiner Lazaron erklärte, er glaube nicht, daß sich eine religiöse Erlieucruiig vollzogen hat. Dies wäre Selbstbetrug. Es sprachen weiter Rabbiner t.. Gcrnnin Lew, Baris, Mrs. Philips für die australische Gruppe, Dr. P. J, D.inby für Holland, (). Cnplan für Südafrika, Dr. H. I laase für Oesterreich, Marinerat H. Wolff und Rabbiner Dr. Ehrenpreis für Schweden. Das llauptreferat über das Thema ״Judentum und Be- Stimmung des Menschengeschlechts“ hielt Rabbiner Dr. Wolff (Dresden). Im Verlaufe des Referates wies er darauf hin, daß das Jutlenftun mit seiner geistigen Bestimmung häufig im Gegensatz zu der geistigen Haltung der umgebenden Welt gestanden habe und auch heute sich innerhalb dieser Welt seine geistige E« g c 1t c x i s t e n /. bewahren müsse. Nach Abschluß der Debatte über dieses Referat wurde ein Vortrag von Rabbiner Leo Baeck (Berlin), der am Erscheinen verhindert war, verlesen. Dieser Vortrag führt den Titel ״Die Bestimmung Israels als Religionsgemeinschaft“ und legt dar, daß die jüdische Religion, die die Mutter zweier großer Weltreligioneit sei, niemals vergessen dürfe, daß sie die besondere Rolle eines religiösen Gewissens der Religionen zu spielen hat. Eine solche Aufgabe könne aber nicht durch Kcthorik erfüllt werden, sondern nur durch religiös beseelten Lchenscriist und die Standhaftigkeit, die den Religiösen vor Vermengung mit Fremdem und Unlauterem schützt. Religiöser Geist bedinge religiöse Verantwortung. Zu diesem Thema betonte dann noch Claude M o n t c f i o r e, die Bestimmung der Juden sei nach seiner Meinung die Sorge für die Aufrcchtcrlialtmig des (lotlcsglnuhcns. Mit dieser Mission müßte die jüdische Gemeinschaft noch lange Zeit bestehen. Liberales Judentum sei nach seiner Meinung eine schwerere Rcligion als orthodoxes Judentum. Vielleicht, so sagte der Redner, werden die Juden in Zukunft in zwei Teile zerfallen, einen, der in Palästina lebt inuf den anderen, der in der Zer• stremmp lebt. Aber der Kampf um die Zukunft unserer Rcli* gion wird ihnen allen auferlcgt sein. Dr, Bruno 11 a i i c n e r (Hamburg) betonte, das religiösliberale Judentum müsse von mm an mehr Nachdruck auf Gemeinde, Gesetz, und Autorität legen. In ähnlichem Sinne sprach auch Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach). In der Schlußsitzung der Konferenz hielt Rabbiner Dr. Samuel S c Ini 1111 a n (New York) einen Vortrag über ״das Judentum und die Bestimmung des Individuums“. Nach w׳ci* teren Referaten von Rabbiner Ehrenpreis (Stockholm) und Vögelst ein (New York) wurde die Konferenz ge• schlossen. Im Rahmen der Konferenz fand auch eine besondere J11• g e n d k u 11 d g c b 1111 g statt, bei der der deutsche Jugend• Vertreter Heinz Keil er matin ein Referat hielt, in dessen Verlauf er austiilirtc, nicht der religiöse Liberalismus hätte es bewirkt, daß die Jugmd sich ihres Judentums erinnerte, sott• deru die Geschichte. Das liberale Judentum könne der Jugend viel gehen, weil es dem Einzelnen den Sinn der Geschichte klariuaclien könne (? A. if, R.). An dieses Referat schloß sielt eine Diskussion, bei der Vertreter verschiedener jüdisch• liberaler Jiigendyerbände aus mehreren Landern sprachen. Bei einer objektiven Würdigung dieser Konferenz, hat man ui cii t den Eindruck, daß von ihr irgendeine Wirkung oder ein zündendes Wort für das heute notleidende Judentum aus• gehen kann. Es fehlt bei allen diesen Erörterungen der pul• si er ende Atem des Lebens, weil die meisten Herren, die an dieser Konferenz teiln,alinicn, mit Hartnäckigkeit die fossilen Vorstellungen des 1«), Jahrhunderts von einer aus dem übrigen Leben hcraiisgclöston jüdischen Religion konservieren wollen, obwohl jeder Mensch heute fühlt, daß Judentum eitle viel w e i t c r r c i c 11 e n d e T o t a I i t ä t ist. Von einer wirkliehen inneren Erschütterung ist wenig zu merken. Und das ist schade; denn cs ist nicht zu leugnen, daß die jüdische Welt nt liewegtmg ist und daß ein Hunger nach Sinndeutmtg und Rciujion allenthalben spürbar ist. Wenn so viele religiöse Funktionäre ans allen ländern Zusammentreffen und eine mehrtägige Konferenz abhalten, so würde jeder, auch wer dem ״Wcltverband für rcligiös-liberales Judentum“ mit Skepsis pegcniibersteht, wünschen, daß für das geistige Leben des jüdischen Volkes mehr dabei herauskommt. M k ‘ o*״ j. -fl. "*»ר*? a!■Mit/ 0 00 /ri 0 וף ד""/ ' *v 1. o-r• # Väw# Der ״El a n d e 1 s - P i o 11 i e r“ (Zeitschrift des Reichs• vcrbamles deutscher Handelsvertreter und Geschäftsreisender E, V., Berlin) veröffentlicht in seiner ersten Nummer (7, Juli) einen Brief, den die Textill,tchgriippe der Ortsgruppe Ascltalfen• bürg des RDIIG (Reichsverband deutscher Handelsvertreter und Geschäftsreisender) an die Rcichszeiigmelsterci der NSDAP, gerichtet hat. Diese Zuschrift schildert — zum Teil ungewollt — die tingcheurcn Schwierigkeiten, auf die eine Durch• fülmmg des Aricrpriu/ips in der freien Wirtschaft notwendigerweise stößt. Die Darstellung ist so charakteristisch, daß wir sie trotz der Länge fast ungekürzt nachstehend wiedergeben: ״. , . Die Miiglieilcr iniM'rrr E'arligi■״ •1<ן!ןווTextil“, die restlos der NS. IIago, der Gilt;, oder der DAL. nngeliiiren, und unter wel- Hielt sieh viele bewahr!(: Kum|)fer für die Bartei befinden, leiden seit Jahren unter der jüdischen Vorherrschaft. In A wlmf fenbtirg sind 18 jüdische und 00 arische Klcidcrfabrikcn, die die Olrcr- und Euttcistoffe, Knopfe und sollst ige Zutalen zur Herstellung von Ilerren- und Knabenkonfektion rbirdt Vermittlung der Textilvertreter von «len jeweiligen Fabrik.ml (‘11 und Grossisten beziehen. Diese Lieferanten sind bis zu 90 Erozent Arier, die zum 'Leit Parteigenossen sind, zum grüßten Teil einer NS.-lintcrorgimisation angehören und sogar leitende I’urtcistcücn bekleiden. Obgleich der Gesamt verband und unsere Ortsgruppe (dr «ich srlion wiederholt an die Fabrikanten licrnngclretrn sind mit der Bitte, für die jüdischen Vertreter arische c i n z u 1 1 e 11 e n, war der Erfolg trotz der Unterstützung der Vereinigung der arischen Klciderfabnkanicn nahezu g l e ich Null. Wir hüben sogar den Lieferanten den Vorschlag gemacht, die Vertretungen zu teilen in der Weise, daß die jüdischen Vertreter die jüdischen Klcidcrfabrikcn besuchen und die arischen Vertreter die (irischen. Leider war tln» nur in Ausnahmefallen zu erreichen, und in der Hauptsache wiederum nur für die gestempelte Ware. In tler Zusammenarbeit mit den (irischen Kleiderfshrikanfcn hatten ■wir noch erreicht, «laß diese sich Unterschrift!11 ״ verpflichteten, nur noch arische Vertreter zu empfangen, und daß nie ru diesem Zwecke in ihren EmUauisräumcn Schilder rum Aushang brachten mit der Aufschrift: Adcfa, ״Besuche nichtarischcr Vertreter uncrwünscht t“ Da aber .sämtliche guten und leistungsfähigen arischen Lieferanten, auf deren Erzeugnisse die (irischen Kleiderfahriknnten untredingt angewiesen sind, durch Juden vertreten sind, waren viele Kteidcrfahrikanlcn b c n a c h t c i 1 i g t. da ihnen die Modeneuheilcu nicht mehr vorgelegt wurden. Atu diesem Grunde und um konkurrenzfähig zu sein, sahen sieh viele von ihnen veranlaßt, den Aushang wieder zu entfernen und die Juden wieder ru empfangen. Die jüdischen Vertreter sind soweit gegangen, daß sic trotzdem den Ariern die besten Artikel nicht mehr vorlcgtcn. Zufolge dieser Vorkmunmhsc gaben viele arische Fabrikanten ihre Absicht, einen Vcrlrctcrwcchsel cintrclcn zu lassen, wieder auf, und zwar zum Schaden der arischen Vertreter. Leider können sich gerade die Iredeutcndsten arischen Webe• relcn nicht von ihren jüdischen Vertretern tren• nett. Teilweise sind sic sogar entlüdet, wenn das Ersuchen n sie gestellt wird, an Stelle eines Fremdrassigen einen deutsch«! fleißigen lliimleisvertrelcr zu setzen. Dabei haben gerade die Webe. Zeit eine 10 gute Beschäftigung tuj. so gute Beschafti! arbeiten können, drrfuitrik.inten nur teien durch den Umbruch der zuweise״, «biß sie mit voller Belegs! halt Wenn wenigsten» die ariscliui Kl( icienaiiriK.unrn nur von an\ sehen Vertretern 'besucht würden, wäre viel erteirlrt und die Wjp. schuft weder gestört noch beunruhigt. Wir können jedenfalls nick! begreifen, daß die N i c l\ t a r i e r im mer noch als unet, s e t 1.1 i c h betrachtet •werden. Wir ringen und kämpfen schon א!! vielen Jahren immer auf anständige Wehe (im Gegensatz ״־ den Ftcmilrassigni), und wir lioltrn zuvor di 11! li! 11, daß wir neu endlich auch einmal hoi den maßgelienden Stillen Unttntiitraa• finden. Wir bemerken dabei noch, daß die arischen Vertreter j£ folge der indischen Abwchrmaßiuihmen ihren frnberen Utmalt «! vielen )׳'allen nicht mehr rrrci!du■״, wahrend die jüdischen bejoritj{,, f unter Au-inilrung der schwierigen K״hstolfVersorgung ihren Umutj J auf ungefähr (bis Dreifache erhöben konnten. j Atts all diesen Gründen richten wir daher an Sic die Bitte l sämtlichen F'abrikantcn, die parteiamtlich gestempelte Stoffe her. $ stellen, die Auflage zu machen, keine jüdischen V ז ז, f tretrr zu he schattigen, und zwar auch nicht lur den Verkauf Jug ( Zivilöoffe. I Die NS.Hag״, KrcKaniMcitung, der Krri.hattptbetricb-.rdltn. | obmann der Deutschen Arbeitstront und die Br/irksgruppe A-d!afl(n. j bürg der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fabrikanten der Bekleidung,.; iinluMrie c. V. (Adeln) haben sieh dieser Eingabe mit nachfolgend« Erklärung a n g e s r h I o s s c n: ״Der ehrliche Kampf des Kok hsverbandes Deutscher Handelt, i Vertreter und Geschäftsreisender (RDIIG.) c. V., Ortsgruppe Asrhaiba. 1 borg, gegen rlic Vorherrschaft jüdischer Tcxtiiva treter wird von j Unseren Dienststellen unter •tülzl.“ j Bei den heutigen politischen Verhältnissen ln Deutschland wird man kautn attnehmen können, daß Firmen es aus; ideellen Gründen als einen Vorteil betrachten, jüdische Ver-! treter zu haben. Wenn also die Sachlage so ist, wie sic in dem Schreiben geschildert wird, dann ist dies wohl ein Anreiches dafür, daß in der Wirtschaft, ohne schwere Gefahren für ihr Funktionieren, das Arierprinzip nicht durch ge• führt werden kann. Diese Tatsache wird zweifellos auch den Stellen, an die das Schreiben gerichtet ist, bereits klar «• worden sein, zumal 1a die zuständigen Ministerien — Reichs- Innenministerium und Rcichswirtschaftsmmistcrium — ausdrüdlieh auf diese Zusammenhänge aufmerksam gemacht haben. Et liegt sicherlich nicht in den Intentionen der Reichsrcgicruns, wenn einzelne Wirtsehaftsgrnppcn unter dem Gesichtspunkt der Ausschaltung einer unbequemen Konkurrenz sich des Rasscnnrinzips bedienen. Dabei ist es besonders bedauerlich, wenn dieser Konkurrenzkampf sich auf eine — unbewiesene - Herabsetzung des Rivalen stützt, indem angedcutet wird, daß nur der Bewerber selbst ״auf anständige Weise“ seinem Beruf nachgchc. Die Juden in Danzig Danzig, 4. Juli. (J.T.A.) Im Zusammenhang mit einer Reihe von Artikeln betreffend die rechtliche und Wirtschaftliehe Stellung der Juden in Danzig, die im ״Dan/igcr Echo“ erschienen sind und in denen auf judenfeindlichc Bcstrclntngeit und Aetißermtgen hingewiesen worden war, hat lummchr der Präsident des Senates der Freien Stadt Danzig, Dr. R a u18 c 11 n i 11 g, ein P r c s s e C o nt m u n i q u d hcr,msgcgcbcn, in dein er versichert, es bestelle kein yi rund zu Befürchtungen betreffend unterschiedlicher NcnandUing von Bevölkmingstcilcn, insbesondere der jiidi• selten Bevölkerung, Innerhalb des Gebietes der Freien Stadt?״«J5 VVW1 ihrer Abstammung oder wegen iltrer Religion, Die Verfassung der freien Stadt schließe die Möglichkeit auch nur der geringsten Beeinträchtigung der Rechte ihrer 1 inwoltttcr aus. Im besonderen sei ein Wirtscliaftsboy• kott nicht möglich, da der Senat allen Bürgern vollständige verfassungsmäßige Gleichheit garantiere. In Ucberciiistimminig mit den wünschen der gesamten Bevölkerung stehe der Senat der Freien Stadt Danzig auf dem Standpunkt, daß innerhalb der gesetzlichen Vorschriften ein korrekter wirt-! 11■ »1Mtr Wettbewerb aufrechterhalten werde, in dem aus• Schließlich dte Fähigkeiten der konkurrierenden Elemente maßgebend sein sollen. Der Senat werde alle gesetzlichen Maßnahmen zur Wahrung dieses Standpunktes treffen. nn1,RCT1 .Kommandant der Garnison von Turin, General ״JS. J.1!■7 2'« ,üt, *um Vorsitzenden der Jjidischett Oe-, des ׳KripI^nrfCf''ia* t .wofdx:n. Genera! Liuzzi war während des Kriege» Chef-Intendant der italienischen Ar nee. Sarah Wambaugh Der Nürnberger ״S t ü r m c t“ Nr. 26 vom Juri! d. J. zitiert unter der IJehcrschrift ״Die Jüdin Sarah Warn* b a u g h in der A b s t i m m u n g s k •6 tu m i s s 1 o n“ die Nachricht einer amerikanischen Zeitschrift, die ׳ankündigt, daß Frau Sarah Wamlmtgli (der ״Stürmer“ fügt hinzu: ״soll wahrscheinlich heißen: ״W.1 nt bauc 11“) eines der Mitglicder der internationalen Abstimmungskommission für das Saargcbict ist. Neben Frau Wambatigh sind der Italiener Bindo Galii, Präsident des Gcnuacr Berufungsgerichtes, und der Holländer L. A. Xypel vom Obersten Gerichtshof im Haag, Mitglieder dieser Kommission. Dazu bemerkt der ״S türme r“: ״Das jUUisch'c Volk haßt das «kutsche Volk, die jü* flisclte Rasse hetzt in der Welt zum Boykott gegen deutseha Erzeugnisse und zum Krieg gegen Deutschland. Es sind die gleichen Juden, die «las Blutbad de» Weltkrieges auf dein Gewissen haben. Eine Angehörige dieser jüdischen Kasse wurde im ״Völkerbund“ (Erzeugnis der internationalen, von Juden geleiteten FTcimauerci) in die Saarubstimmungs-KoMmission als ,leclinisdie‘ Beraterin gewählt. Wie wir vom ,Stürmer* darüber denken, «laß eine Jüdin mitzubcslimnicn hat, ob die Deutschen an der Saar zum Vaterland zurückkehren sollen, das wissen unsere Freunde.“ Wir haben uns daraufhin für die Sache Interessiert und fcstgcstcilt, daß Miß Sarah Wambaugh im Jahre 1882 in Cincinnati als Tochter eines Advokaten und Enkelin des christlichen Pfarrers Rcv. A. B. Wambaugh geboren wurde. Dazu wird uns ferner auf unsere Anfrage von englischer Seite mitgcteilt: Der Name Wambaugh ist un jiidi sch und die Vermutung, daß die Silbe ״augh“ ausgesprochen werden sollte ״auch“, ist völlig unbe* gründet. Diese Silbe findet sich sehr häufig in englischeit Namen, wie Vatighati (Name eines berühmten Kardinais), Maugham (Name eines berühmten englischen Schrift- Stellers) ttsw. Miß Wambaugh war ein Mitglied der Verwaltutigskommission und der Mindcrheiten-ScKtion des Völ• kerbimds-Sckrct.irtafs ittt Jahre 1020 und Sachverständige der Regierung von Peru bei dem Plebiszit in Tacna-Arica im Jahre 1925/26. Im Jahre 1927 hielt sic Vorlesungen ■att der Akademie für internationales Recht im Haag. Sie gilt als eine der bedeutendsten Sachverständigen auf dem Gebiet des internationalen Plebiszits, worüber sie auch ein Buch gcschrieben hat. Sicher ist jedenfalls, daß djcsc Dame weder Jüdin ist, noch daß irgendeine jüdische Stelle auch nur da» geringste mit ihrer Ernennung zu einem Mitglied der Abstlmmnngskommisslon iür die Saar zu tun hat. Wie aus Prcsscätißerungen zu ersehen ist, nimmt auch die Deutsche Front im Saargcbict, die sielt bekanntlich leidenschaftlich für die Rückkehr der Saar zu Deutschland einsetzt, gegen den Angrift des ״Stürmer“ auf Miß Wambaugh Stellung. In weiten deutschen Kreisen ist offenbar unbekannt, daß biblische Namen, die in Deutschland für spezifisch ״jüdisch“ gelten, in puritanischen, evangelischen Kreisen sehr gern verwendet werden. Der Name Sarah, Rchekkn, David, Abraham, Benjamin ttsw. ist in angelsächsischen und nordischen Ländern kein Beweis jüdischer Abstammung (so z. B. Abraham Lincoln, Benjamin Franklin, David Lloyd George). Daß sielt hier aus falschen Vermutungen Mißver- »täiidmssc ergeben, zeigt auch ein Bericht der schwedi sehen Zeitung ״Svcnska Dagblad“ au» Oslo, worin es heißt: ״Sowohl (las Staatsarchiv in Oslo als das dortige städtische Archiv haben von Norwegern in Deutschland und ebenso von. norwegischen Damen, die Deutsche zu heiraten beabsichtigen, viele Gesuche um die Beschattung von Aufklärung über ihre Abstammung erhalten. In Norwegen sind eine ganze Anzahl von Genealogen damit beschäftigt, Stammbäume anzutcrligen, die be«n:en sollen, daß die Gcsudtsiellcr Arier sind. Es kam oft vor, (lab 1׳ic von den Archiven erteilten Auskünfte nicht ohne weiteres angenommen wurden, namentlich wenn es sich um di« Voi« na men Jakob, Isaak oder Simon handelte, wtltht Namen norwegische Bauern im letzten Jahrhundert ihm Söhnen gern gaben, ln der Gegend von llrmvedal im Ta! de» Tlemsil-Elt ist Klcophas ein besonders beliebter männlicher Vorname. Wie es heißt, wirkte dort vor langer Zeit ein Vtsrrt!, Ucr eines seiner Kimicr aut diesen Namen taufte, und die Baurrt pflegten oft die Pfutrcrskindcr ah Vorbilder zu betrachten. II Deutschland ist jedoch dieser Name unverständlich und wirkt äußerst verdächtig. Wie der Stual.satchivar in Oslo berichtet, htt er mit schwedischen und dänischen Archiven wegen in Norwegen cingewnnderler Familien in Briefwechsel gestanden, 1*4 aus dieser Korrespondenz geht hervor, daß man in den beiden skandinavischen Nachbarländern die gleichen Schwierigkeiten in bezug aut die durch den deutschen Arier.Paragraphen notwendig gewordenen Gesetze hat wie in Norwegen.“ Gegen den antisemitischen Terror in Polen Warschau, 10. Juli. (J.T.A.) Sämtliche Verbände der Nation alratlikalen, des von der natbnaldemokratisdu״ Partei abgcsplittcrten extrem antisemitischen Flügels, sind wegen Bedrohung der öffentlichen Ordnung heltördliclt aufgelöst wurden. Gleichzeitig wurde die Wiederaufnahme der Tätigkeit dieser Verbände unter anderen Namen, sowie das Tragen von Uniformen und Abzeichen der natbnil• radikalen Gruppen verboten. In dem Aullösungshcfchl wird die Uebcrfültrung tler noch nicht internierten Mitglieder do Hauptleitung in die isolimtugslager augeordnet. Die Attüösutt? der nationalradihalen Verbände, denen die Schuld an den letzfett judcnfcimiliciteii Ausschreitungen itt Warschau und ändert: Städten zufällt, wird damit begründet, daß die Tätigkeit der Nationairadikaicn, die sich u. a. auf die Hcrvorrufutig '״ני Straßcnunruhcn, Verbreitung von Rassenhaß und Propagattd! gegen die Regierung erstreckt, in Widerspruch zum Straf׳ gesetz steht. Die nationalradikalc Organisation war am LL April nach Ihrer Loslösung von der nationaldcmokratischcn Partei politischer Verband legalisiert worden. Im Mai wurde Wochenschrift ״Sztafeta“ als Organ der netten Partei in ein״ Tageszeitung um gewandelt, die eine beispiellose Hctrf gegen die Juden führte und die unglaublichsten Vericutmlungcn gegen sic vorbrachte. Vor einiger Zeit wurde zunächst die Druckerei der Zeitung behördlich geschlossen, später wurde das Blatt selbst verboten, cs wurde jedoch wiederholt der Versuch gemacht, die verbotene Zeitung ״ Gehcimdruckercicn Itcrzustellcn. Justizministcr MIchalowski hat der Presse Mittcilu״• gen über den Stand der Untersuchung des Mordes aß früheren Innenminister gemacht. Auch dieser Mordfü war, obwohl der ermordete Minister wiederholt energis״ gegen antisemitische Ucbcrgriffe aufgelrcten war und beab־ siehtigt hatte, die Auflösung der antisemitischen national‘ radikalen Partei durchzuführen, von antisemitischen Zeitung« in- und außerhalb Polens zum Anlaß judenfeindlicher Pro• paganda gemacht worden, indem man versuchte, einen Zu• samnienhang zwischen den Juden und den mutmaßiieh« Mördern zu konstruieren. Wie der Justizministcr nunmehr!11ייteilt, ist es den Mördern gelungen, ins Ausland zu flieh״"! und c» bestehe wenig Hoffnung, ihrer habhaft zu werden. D*‘ si!ulCnUkira!nern Komplizen festgenommen, di״*e 1 . J^ne. Kc‘he von Mitgliedern der natkmaldcmokratiscli« r K® n 18 a tio n wurde wegen Teilnahme an <•<» [uh)^e11, Stge״ Juden in Czcnstochau zu Gefangu* IÜ^״t 11 d״r Drtcilshegriindung heißt es, die Jugend• ff*(® ,.?b°n wolle durch Zerstörung jüdischen Eigentums u"“ nu ׳•ד•»• t *H' 7udc״ Hnen gewaltsamen Umsturz fierbeiführ«; Die 1 atigkeit de» nationaidemokratischcn Jugendverbandes •ö al» Verschwörung gegen den Staat anzuseheo. Ni ihren «Iler keim bräii daß steht groß »eint woh׳ empl Biall der habe LÖck Sanf Saht säße der Tod es r beirr grau brot es n dem er I Frau schw Frei ״seit aus (M eine Scb die Früh Biki* die heue Sie 1 aber artig Schlii zwies dargt sisch Erlet sinnk absoi Wie müßt durcl ו seifig soru! Ciedi! besoi unset die 1 Was! willst bare zu U ist ui unset bis 11 < nalet! als K wese N »t ten d Fenst sicht! "•olle das I wo i und t das J stumi holde feine! 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