Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I <1 / pir. 56 / Jahrgang 39 fT~״! ,^I / |! r\ VK ,״ן ן_- | ך—ן ךי-~ IfcliiJ * : t t-J t_j l. M1״ril.H0i>*.V«rl»*».AtII.lÄO,,v.rw«Uungl||B,״llWJS ן ״ , ^S.^t.N,). n.«MrclL 3״M,8*716*70.7240^^ RM 1״ ™;־!,‘ r Tun 7 ״״״, tk ־ K״m'׳״>' ״ Ahoi,״״.״״״״. Ab,,»״״* B״lta 71573 u׳ Cro - B״Un), B.rlln 17 392 (1,1, a.. ״Sri״» H״ch). Au.l.M.- b»«« I« j«w»»<r»r Und..wlhnm«. - Er.ch'lnt j.d.i, Dl.n.Ug mn&?ע•»«,, ך/ ) 1 r~1 ri r LJ \J Prob RM —.25 ןייי~ץ t—J u א׳ אב תרצ״ד FREITAG, 13. JULI 1934 ״:..—.n1H1׳״!r^18Ctle V°>k dlC &Chaftung ainor ÖMontllch־rechtlich gesicherten Heimstatt« ln Palästina. ״Baseler Programm'* Aa»K»lfit1tl«Hlt Di• 12s<**p»Wen• KM —,20, fttr StoilansostuM HM ־״,IO, U\r F«milbnn*chrichtfn HM —4S- Einr«lsn/ol«on nur Vor■!*•• Zahlung ■ul ro*1»ch*ck*Konto Berlin 71 otler In d®r AnrrIgen-Annshmö Montag hl• Freitag 9—IR Uhr AnnshmaschU»& für dl« Dienstag-Ansgsb• Montag 10 Uhr für di• Fraltag-Atiifiah« Mittwoch 13 Uhr (FatnIÜananraigen hi• Donnerst•« 10 Uhr) J t --*ץ y\jua eU u \*#׳י jhfcf “■*י^ Ein geschidiflidier Rückblick Von Prof. I. E I b o g c n. Juden haben sich auf dem Boden des Deutschen Reiches ichon itt der Rönicrzcit niedergelassen, sic sind für Köln als römische Bürger 321 ausdrücklich, für Trier, vielleicht um dieselbe Zeit, indirekt bezeugt. Es ist jedoch nicht unwahrsclicinlich, dal! es auch an anderen Orten des Rhein- und Maasgchictcs, die größere römische Truppenlagcr beherbergton, jüdische Siedlungen gegeben hat. Dasselbe darf im Donaubezirk in Augsburg, Regenshurg oder der Gegend um Wien angenommen werden. Wenn ein in I leilhronn entdecktes jiidwlics Grab wirklich aus so früher Zeit stammt wie vermutet, mußten auch am Neckar sehr alte Judensiedhmgen angenommen werden. In Regensburg wollen neuere topographische Forschungen in der Zeit um 310 dieselbe Judenstadt feststellen, die später bis 1319 die Gemeinde beherbergte. Auch das Keiner Jmicnvicrtel blieb innerhalb der alten Römerstadt beste 1. Im ganzen aber scheinen die jüdischen Siedlungen in Di .׳bland infolge der Stürme der Völkerwanderung oder infol; ,1מ׳ Vertreibungen durch die fränkischen Könige zugründe gegangen zu sein. Nirgends finden wir sichere Spuren von ihnen. I'.in neuer Ansatz zu Siedlungen beginnt erst wieder unter Karl dem Großen, freilich können zu seiner Zeit auf deutschem Boden mit einiger Wahrscheinlichkeit nur in Aachen Juden fcstgcstvllt werden, während die sonst damals erwähnten Juden auf Iran/ösischetn Boden wohnten oder vom Ausland zu Hamlcls/wccken dorthin kamen. Die Juden der deutschen (iancimlen des Mittelalters sind zum überwiegenden Teil durch I:i»w;mden1ng ins Reich gekommen. Diese folgte den großen Verkchrsstrallen und der Kulturcutwicklung. Es ist wahrscheinlieh, daß sie /imachst untl noch lange später in der Haupt- Mclie über die westliche Hälfte des Karolingerrciches, über Mosel und Rhein erfolgte. Auch von Italien her über die Alpen dürfte sie gegangen sein, wenn vielleicht auch keines- "cs׳s in demselben Umfang, und wiederum zunächst am Rhein suli ausgewirkt haben. Von Westen nach Osten führte die große Handelsstraße, die von der Rhonemümhing am Mittelniecr ausging, an der Donau entlang nach dem Osten Europas. Eine nördliche Parallelstrnße führte vom Rhein am Main tiülang über das Saalegebiet zur Elbe, von da nach den slawischen I.ändern. Wir wissen, daß diese Straßen von jiidisfhrn Handelsleuten befahren wurden, und dürfen annehmen, daß manche sich an ihnen niedergelassen haben; ausgeschlossen iü auch nicht, daß aus den Slawenländern und überhaupt '0111 Südosten her Juden eingewamlert sind — der arabische Jmie Ibrahim ihn Jakuh erwähnt um 965 Kauflcutc, die aus 1-1nuarn midi Prag kamen -- und gar mancher mag dort RfWiehen sein, Tatsache ist jedenfalls, daß die Raftclstctter Zollorilming auf das Gewohnheitsrecht verweist, das bereits j™r Zeit Ludwig des Deutschen, d. h. vor 87b, jüdischen Kaufleufen gegenüber zur Anwendung gekommen ist, und demnach einen regelmäßige» Handelsverkehr zwischen Bayern uikI der Ostmark voraussotzt. Ist hier nur von reisenden, nicht Jon ansässigen Juden die Rede, so finden wir eine Gemeinde 1m äußersten Osten in Magdeburg bezeugt, wo Otto der Große die Juden und die Kaufleute der Gewalt des Bischofs unterstellt, und in Merseburg, wo 073 dasselbe geschieht. Ev darf wohl angenommen werden, daß die Juden nicht gerade unmittelbar vor ihrer Verleihung an die Kirche sich 111 jenen Orten niedergelassen haben, und daß sie in diese a>> der Nordostgrenzc des Reiches gelegenen Gebiete und i'arklhoheitcii in Etappen gelangt sind. Alle einschlägigen Nachrichten danken wir nur dem Zufall ocr Uehcrlicferung. Gar manche Gemeinde mag älter sein als lhrc Nennung in unseren Gcsehicl1ts(|11elk־n. Von den Gc- *neirulcii an der Mosel wird Metz zuerst 888, Trier erst 1066 ״wähnt, obwohl kaum daran zu zweifeln ist, daß beide lange verlier jüdische Bevölkerung hatten und behalten haben. Am Mdlclrhcin wird Mainz 906, Worms 960, Speyer sogar erst 0״, am Nicdcrrliein Köln wieder 1012 genannt, an der Donau *wgensbiirg 981. Während das Gebiet der Saale, der Elbe m'd der Moldau von rund 965 au von Juden besiedelt ist, werden Gemeinden am Main nicht vor 1000 genannt (Bam- ״pT 1033). Auffallend spät wird Thüringen erwähnt, das überhaupt während des Mittelalters arm an Städten war, Wiirt erst ״ac|,!100. Bis 1100 hat sich das Siedhmgs- Eebict wenig verändert; als Vcrfolgiiugsstätten des Jahres 1096 werden die meisten der bisher erwähnten Orte genannt: Metz, ^r,cr> Köln und einige Nachbarorte, Speyer, Worms, Mainz, 0״ffensburg, Prag, vielleicht auch Halle. Trotz der Verfolgungen schritt die Ausbreitung der Juden Reiter fort und hielt mit der Entwicklung des Landes Schritt, 5׳e folgte in der Hauptsache den Elußläufen und den großen Vcfl(ehrsstraßen. Die Siedlungen am Rhein mehren sich und ne11men im 12. Jahrhundert beträchtlich zu; am Main mag ' zu«rst Frankfurt als Zollstation von Juden besucht worden *e». später treten Würzburg (1119?), Aschaffenburg (1146), gleichzeitig Nürnberg, das schon vorher als Zollstation erwähnt^ isl, auf. Au der Donau werden Tulln (nach 1097) und Krems (1116) genannt, von derselben Zeit an ist von Juden in Kärnten (1I2S) die Rede; vielleicht sind Bcrchtcsgaden (1116) mul das Judcndorf bei Salzburg sowie Graz und die verschiedenen Judendörfer in Steiermark Etappen auf den Straßen nach Kärnten oder nach Italien gewesen. Auf 1150 führen die ersten Nachrichten über Juden in Breslau und Schlesien überhaipt, etwa in die gleiche Zeit die Mi'mzfumlc hei Onescn und Schroda sowie der Name des Dorfes Zidowo hei (niesen. Gegen Ende des Jahrhunderts werden die ersten Juden im eigentlichen Bayern genannt, in Lamlshut und Kelheim, kurz darauf in Preising und München. Aus der Zeit um 12(K) stammen auch die ersten sicheren Nachrichten über Gcmeitidcn im Elsaß und in Schwaben. Das Aufblühen des Städtcv/cscus unter den Hohenstaufen veranlaßte viele Juden, sich in diesen niederzulassen, So entstehen die ebengenannten Siedlungen in neuen Gebieten und werden die alten Siedlung«- gebiete dichter besetzt. Am spätesten wird die Straße an der .Rhön (Fulda 1235) über Thüringen (Eisenach 1230) nach . Sachsen (Leipzig nach 1200) und dem Harz (Blankenburg 1200) erwähnt. Nördlich vom Welfcnbesitz haben wir so gut wie gar keine Nachricht über die Anwesenheit von Juden vor 1240. Dieses Siedlungsnetz, das zahl reiche Einzelniederlassungen ausfüllten, wurde durch die grausamen Verfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes (1318 50) zerstört. Damit erreichte die alte Geschichte der deutschen Juden rin schreckliches Ende. Wenn auch die Städte, welche die Juden ״auf ewig" ver• trieben batten, sic gar bald wieder heran/uzichen suchten, so haben sie sic, bis auf Frankfurt und Worms, auf Prag und Wien, im laufe der nächsten 150 Jahre wieder verjagt. Doch damit endet die Geschichte der Juden auf deutschem Boden nicht; wenn die Bischofsstädte die Juden vertrieben, haben die Bischöfe sic in ihren Sprcngcln gehalten, wenn die Reichsstädtc sic nicht duldeten, haben die Kcichsständc sic auf* genommen. In den kleinen, heute leider verwaisten Gemeinden des deutschen Westens und Südens liegen die Sitze eines zähen Kampfes ums jüdische Sein und einer lebendigen Gcmelndctradition. Der vorstehende Aufsatz ist in seinem Mauptlvil ein uns vom Autor freundlichst zur Verfügung gesielt• ter Vorabdruck aus dem Artikel ״Deutschland", der demnächst im Verlag von M. u. //. Marcus, Breslau, erscheinenden ״Germania Judaiea", Von den ältesten Zelten bis 1238. \Y ך•«.« 1 '־*"/ iä y,', ** ׳ י'׳‘ &***£ iMusal ®*g» 1 r' 1 ו ' . Ar" •. - i r ו י I XL.- Jl •fc*Jl Eg ■-X l&iw&äl נ ׳• jkt \ f ך-ף ך** ך־^ ^^.1!J רך ו4.>-ו uj ü רז #י׳״,,.,, י h /fö־&“T Die Aussichten der Juden — Scharfer Kampf im arabischen Lager Jerusalem (Paleor). Die Waiden zu den städtischen Selbstverwallimgskörperu Palästinas sind in vollem Gange. Sie wurden bisher in Jaffa und Gaza durchgeführt. Der jüdische J i s c!1 u w wurde bisher in den Wahlkampf kaum in'ncingczogcn. Die beiden jüdischen Stadtratsmitglieder in Jaffa wurden ohne Kampf gewählt. Ein scharfer W a h I k a in p f spielt sich dagegen im arabische» Lager ah, Hier stehen einander, wie immer, die beiden großen arabischen Familien gegenüber: Die Familic Hussein!, an deren Spitze der Jerusalemer Groß- Mufti steht, und die Familie N a 8 c h n 8 c h i b i, die die arabische Opixisition bildet, Wie cs scheint, ist der Kampf zwischen den arabischen Parteien bedeutend verschärft worden durch das Gerücht, daß der Gesetzgebende Rat für Palästina, der durch die Regierung nach den Stadtrafswahlcn gebildet werden soll, aus den Leitern dieser Stadträte bestehen wird. Obwohl dieses Gerücht keine sehr ernste Grundlage zu haben scheint, hat es doch zu einer Verschärfung der politischen Leidenschaften bei den Arabern geführt. In den beiden Städten, in (lenen bisher die Wahlen durchgeführt wurden, Gaza und Jaffa, hat die Oppositionspartei der Fa- . inilie Naschaschibi gesiegt, die auch bisher den größten Teil der Verwaltung der arabischen Städtc in der Hand hatte. Es ist leicht voraus/iischen, daß die Wahlen in Jerusalern mit großer Leidenschaft vor sich gehen werden. Die Ergcbnissc der dortigen Wahlen sind noch mit einer Reihe von Fragezeichen zu versehen. Nach den in diesen Tagen veröffentlichten Wählerlisten beträgt die Zahl der jüdischen Wähler genau die Hälfte der Gesamtzahl, und demgemäß müßte der neue Jerusalemer Sladtrat eigentlich aus 6 Juden und 6 Arabern bestehen (im bisherigen Stadtrat saßen 8 Araber und 4 Jtiden), in diesem Verhältnis sind jedoch noch gewisse Veriinderungen möglich, insbesondere bei der endgültigen Ent- Scheidung über die zweifelhaften arabischen und jüdischen Wähler. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß die jüdische Bevölkerung in de׳m kommenden Jerusalemer Stadtrat nur durch eine Minderheit von 5 Ratsmitgliedern unter 12 vertreten sein wird. Diese Gefahr ist noch größer infolge der Tatsache, daß das neue palästinensische Seibstverwaltuiigsgcsetz. das frühere K 11 r i 0 11 w a h I s y s t c m abgcschafft und ein System von Wahlbezirken eiugeführt hat, in denen die Kandidaten auf Grund einfacher Mehrheit gewählt werden. Bei den früheren Kuricmvahlen war es leichter, die Disziplin innerhalb der jüdischen Kurie aufrcchtzuerhalten, und die bishörige jüdische Vertretung im Jerusalemer Stadtrat wurde lerlin (slaha Anztlg« 3«it« 13). auf Grund einer Vereinbarung aller jüdischen Parteien gcwählt. Dementsprechend wurden hei den vorigen Stadtratswählen 2 scfardische Juden (darunter ein Vertreter der Agudas Jisrocl) und 2 aschkcnasisrhc Juden (darunter ein Vertreter . der llistadrut) gewählt. Durch die Einführung des neuen Wahlsystems bestellt die Gefahr der Zersplitterung der jüdischen Stimmen in den einzelnen Wahlbezirken auf ver- ' schicdcnc kleine Listen. So hat sich z. B. in Jerusalem vor ' kurzer Zeit eine kleine Gruppe unter dem Namen ״llato- ' schaw" gebildet, die mit der Parole auftritt, in Jerusalem zwei besondere Stadträtc, einen jüdischen und einen arabischen, zu schaffen. Selbstverständlich hat diese Konzeption keine Aussicht auf Erfolg, und alle verantwortlichen Kreise des Jischuw sind gegen eine gesonderte jüdische Stadtverwal* tung, weit dies die Auslieferung der Jerusalemer Altstadt an die Araber und ebenso die Ucbcrgahe der politischen Vertretung Jerusalems als Hauptstadt an jene bedeuten würde. Einer der schärfsten Gegner dieser Konzeption ist Ussischkin. Sollte cs der jüdischen Bevölkerung Jerusalems gelingen, im neuen Stadtrat 6 Mitglieder zu erhalten, und sollten diese eine kluge, kontinuierliche Politik führen, so ist es möglich, in Jerusalem eine bedeutende Stärkung der jüdischen Stellung zit erlangen. füll besonders heftiger Wahlkampf wird in Jerusalem im arabischen Lager erwartet. Hier wird sich die Haupt- Schlacht zwischen der Familie der Husscinis und der der Naschaschibis abspiclcn. Beide Parteien stellen als Kandidaten ihre bedeutendsten Führer auf: Die Naschaschibis den bishörigen Bürgermeister von Jerusalem, Raglieb Naschaschibi, die Husscinis den Generalsekretär der arabischen Exekutive, Dschcmal Husscini, die rechte Hand des Mufti. Der mehrfach unternommene Versuch, einen Frieden zwischen beiden Parteien herbeizuführen, ist nicht gelungen. Zur Verschärfung der Beziehung zwischen den beide» Parteien hat der Kampf um die Person Emir Abdallahs, im Gefolge des letzten Besuchs des Herrn Schcrtok, des politischen Leiters der Exekutive der Jcwish Agency, im Palast des Emirs beigetragen. Bekanntlich ist nach diesem Besuch eine große Hetzkam• pagne gegen den Emir in der Mufti-Presse ausgebrochen, die den Emir beschuldigt, geheime Machenschaften mit den Zionisten zu haben und die arabischen luteressen zu verraten. Die Oppositionsgruppe der Naschaschibis hat den Emir in Schutz genommen und ist zum Gegenangriff . übergegangen. Dieser Kampf um die Person Abdallahs hat dazu geführt, daß sich die arabische Opposition in eine Partei Abdallahs verwandelt und einen neuen Inhalt für ihre ■ Existenz und ihren Kampf gegen die Mufti-Partei ge• funden hat. . Es ist. auch möglich, daß zu den gegenwärtigen Stadt- _ ratswalilcn in Jerusalem noch eine dritte große, angesehene ]arabische Fa'milie, die Familie der Chaldis, die sich bisher vom, ppüti.scjien Leben .ferngehalten hat, eingreifen wird.