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Jüdische Rundschau · 1934-07-10 · Heft 55 (10.7.1934) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 55 (10.7.1934)
Date
1934-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 10. VII. 1934 Wie aus New York gemeldet wird, ist dort Mendel Beilis gestorben. Der Tod von liciüs lallt die I :nintcruiif׳ ,111 den S c 11 s a t i o n « p r o z e ß wieder iuillclicii, dessen I Inuptfigur Beilis gewesen ist. Der Ikilispro/eß, dei im Jahre 1013 vor einem Oesciivvorenengeiieiit in Kiew verhandelt wurde, ist einer der grüßten Ritualmordprozessc unserer riescliichte. Als die Leiche des Eijährigcn Knaben Andreas Jnsclttschinski in einer Vorstadt Kiews 'aufgefumlcn worden war, wurden Ausstreuungen verbreitet, es handle sich um einen Ritualmord, und obwohl die poli/rilirlicn Befunde ganz anders lauteten, unterlag die Staatsanwaltschaft allmählich dem Einfluß der antisemitischen Organisationen. Auf Grund der Aussage zweier zweifelhafter Individuen, eines Laternenaimiuders und seiner Frau, die behaupteten, der Knabe sei von einem ״Mann mit schwarzem Bart" weggeschiepnt worden, wurde Beilis verhaftet. Die Justizbehörde beschaute sich Gutachten über Ritnalmordc von antisemitischer Seite und geren Beilis wurde die Anklage erhoben. In diesem Stadium griff die Angelegenheit wegen der prinzipiellen Bedeutung des Falles weit über die russischen Grenzen hinau«, und tn der öffentlichen Meinung der Well entstand eine heftige Erregung über die offizielle Verwendung des Ritualm o r d in ä r c h e 11 s seitens der russischen Behörden. Zahl- Tciclic Kundgebungen wurden erlassen, auch in Deutschland erschien ein von mehr als 200 christlichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lehens und der Wissenschaft unterschriebener Protest, Der Prozeß endete damit, daß Beiüs von den Ge- Rfhworcnen, die zu Dreiviertel aus russischen Bauern bcstanden, trotz des in der Üdfciitlichkät sich geltend machenden außerordentlichen antisemitischen Terrors und trotzdem es die zaristische Regierung gewünscht hätte, frcigcsprochcn worden. Damit war die Anklage zusainniengcbrochcn. Da die Behörden, die das Verbrechen zum Ritualmord stempeln wollten, keine anderen Spuren verfolgten, blieb die entsetzliche Mordtat ungesühnt. _______ Ein jüdischer Kongreß in Chile Wie uns aus Santiago geschrieben wird, fand dort vom 30. Mai bis 3. Juni der erste jüdische Kon• g r c ß in Chile statt, zu dein ca. 110 Abgeordnete delegiert waren, die in der Mehrzahl Zionisten waren. Der Kongreß fand in der chilenischen Ocffcnfliehkeit lebhafte Beachtung, Fs wurde besonders lebhaft über Erziehungsfragcn dislädiert und das Problem der jüdischen Schule erörtert. Man einigte sieh dal in, daß hebräisch und jiddisch gleicherweise in jüdischen Schulen gelehrt werden soll. \'on den gefaßten Beschlüssen lieben wir folgende hervor: Es wird ci!1 Exekutivkomitee geschaffen, das für alle jüdischen Belange in Chile zuständig und auch der jüdischen Bevölkerung gegenüber für alle Beschlüsse verantwortlich ist. Nur in zionistische Dinge rlnrt sich dieses Komitee nicht cinmischcn, weil hierfür die Zionistisclic Vereinigung von Chile verantwortlich bleibt. — Die Schulfrage soll eine besondere Kommission prüfen, die dein Exekutivkomitee unterstellt. — Es soll die Organisation eines Kongresses der Juden aller lateinamerikanischen Staaten versucht werden, der 1935 stattfinden soll. — Die jüdische Jugend Chiles soll stärker zu handwerklichen und 1 a n d w i r t s c h a f t liehen Berufen erzogen werden. Das Interesse für Palastina soll bei den Jugendlichen geweckt werden, die dem Zionismus bisher indifferent gegenüberstanden. px׳ WL&% *f ß » Ä. f**fP Juden in Cypern Der ״Eildienst für Außenhandel und Auslandswirtschaft‘*, Berlin, meldet aus Jerusalem: Neben einer Reihe von Einzelpcrsönlichkcitcn (Juden) aus Palästina, die im Durchschnitt 25 acrcs Land zum Anbau von Orangen und Citrusfriichtcn erworben haben, haben sich bereits mehrere Orangen-Pflanzungsgesel»• schäften in Cvpern niedergelassen. Der Grund ist darin zu suchen, daß der Boden in Cypern bedeutend billiger als in Palästina ist, und daß Cypern als englische Kronkolonie heim Export seiner Produkte nach England und allen Gebieten seines Weltreiches den Vorzug des Imperial Preference Systems genießt. Palästina als Mandatsgebiet ist davon ausgcschlosscn. So entstanden die Cyprus Farniiug Company (3000 acrcs bei Famagusta) und die Cyprus Palcstine Plautations Com• pany (1000 acres bei Limassol). Eine dritte jüdische Gesell• schaff ist im Entstehen begriffen. Rüdegang der Juden in Deutschland Das 8״-Uhr-Blntt", Nürnberg, vom 26. Juni schreibt: Nach einer Zusammenstellung der statistischen Angaben aus 16 deutschen Großstädten ist seit Jahresbeginn ein star• ker Rückgang der jüdischen Bevölkerung fcstzustcllcn. In Berlin erreicht der Rückgang 10,6 0/0, in Hamburg 13,7״,», in Frankfurt 10,2״/o und in Pforzheim über 13 ״/״. Anläßlich des in. Totlest ng es Herz!» haben ln allen jüdischen Siedlungen Pal ii t» 11 tt n s Massen-GcdenUkiiiidgoltiingen stattgcfuudeu• Uelier dem Haus des Indischen Nationalfonds in Jerusalem leuchtete in riesiger Hammen• schritt 1 ier/ls Spruch: ״Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen!“ Sämtliche jüdischen Zeitungen haben reichhaltige Hcrzi-Gcdmknimimerii herausgegeben. Das Somme rsc m est cf an der Hebräischen Un 1• versität in Jerusalem wurde geschlossen. Die Umversität zählte im letzten Semester 515 Studenten und Hörer. 70 Prozent der Studenten haften abgeschlossene Mittelschulbildtmg, 17 Prozent außerdem akademische Bildung. Der Rest der I lörer waren Externe. Studenten aus fast alten Lau• dem der Welt waren an der Universität inskribiert. Der grüßte Teil der Hörer besteht aus Abiturienten des Hebrat• selten Gymnasiums ״Hcrzlia“ in Tcl-Awiw. Der hervorragende jüdische Gelehrte Professor Snlva* t o r c O 11 o 1 e n g 11 i, der Begründer der anthropologisch• biologischen Bewegung in der Kriminologie, ist in Rom 73jährig verstorben. Er war seinerzeit Assistent des weitberühmten Kriminologen Cesnrc Lombroso, der ebenfalls Jude war. Prof. Oftolcnghi bekleidete Lehrstühle in Sicitna und in Rom und begründete 1902 in Rom die erste Hochschule für Kriminologie, die er bis zu seinem Tode leitete. Prof. Attilio Momiglinno, der einer in Italien hochangesehenen rabbiuischen Familie angehört, wurde zum Pro• fcssor für italienische Literatur an der Universität in Florenz, der Stadt Dantes, ernannt. Er ist der Nachfolger des großcn Literarhistorikers Senator Manzoni, der die Altersgrenze erreicht hat. Wie die J. T. A. aus Palästina berichtet, hat die Reglcrung in der letzten Zeit die Verfügung getroffen, daß von den in Palästina ciutreffenden Schiffen nur ein Teil der jüdischen Passagiere in Jaffa an Land gehen darf, während ein Teil nach Haifa weiterfahren muß. So sei dies in der vergangenen Woche hei Eintreffen des Dampfers Gcrusalcmmc, der '500 jüdische Passagiere führte, der Fall gewesen. Die Exekutive der Jewish Agency bemüht sich durchzusetzen, daß hei sogenannten Kapitalistcn-Einwan• d e r c r n, die bekanntlich Kinder unter 18 Jahren mitbringen dürfen, auch die über 18 Jahre alten Töchter, soweit sie wirtschaftlich von den Eltern abhängig sind, als entwänderungsbercchligt angesehen werden. Die Regierung hat dieser Forderung noch keine Zustimmung erteilt. Das Ermächtigungsgesetz zur Garantie der Palästina• Anleihe wurde am 3. Juli vom englischen Oberhaus in dritter Lesung angenommen. Damit ist die parlamentarische Behandlung der Gesct/esvorlage abgeschlossen. Zur Erlan* ßiirtg der Rechtskraft ist nur noch die Sanktion durch den König erforderlich. Wie der ״Völkische Beobachter“ vom 30. 6. mitteilt, wurdet! im Gau Groß-Berlin durch das Winterhilfs• werk unterstützt insgesamt 8791 Juden deutscher Staats• angcliörigkeit, 5272 Ausländer, wovon 2250 Juden waren. Eine Anzahl deutscher Zeitungen berichtet unter der Ucltcrschrift ״Juden unter sielt“ über eine Prügelei, die in Sicdlce während einer Herzl-Feier in der Synagoge zwi• selten Zionisten und Revisionisten vor sich gegangen sei. Die Prügelei habe ein derartiges Ausmaß angenommen, daß ein starkes Polizeiaufgebot cingreifcn mußte. In Settignano bet Florenz wurde im Beisein der Führer Iler faschistischen Partei ein Denkmal für den jüdischen Studenten Giuo Bol a f f i, der 1020 im Kampf für den Fasclilsmus gefallen ist, enthüllt. Die jüdische Gemeinde war durch Mitglieder des Vorstandes und den Kantor, die alle daa Fasclnstcnhctnd trugen, vertreten. Ein Leser unseres Blattes übersendet uns ein Exemplar der Zeitschrift ״Der gesunde Mensch“, offizielles Organ der Deutschen Miitclstamiskrnnkenkasse ״Volks wo hl“, Sitz Dortmund, worin ein Artikel ״Rassenunterschiede und Krankheit“ abgedruckt ist. In diesem Artikel befindet sich eine Charakteristik der Juden und ihrer Neigung zu Krank• heiten, die nicht als wissenschaftlich unbestritten angesehen werden kann. Der Einsender schreibt uns, daß cs für die Juden, die in dieser Krankenkasse Mitglieder sind, peinlich sein muß, im Organ ihres Verbandes eine 80 abwertende Charakteristik der Juden zu finden. Wie uns aus Santiago de Chile gemeldet wird, wurde dem jüdischen Arzt Israel Drapkitt, dem Sohne eines früheren Präsidenten der Zionistischen Vereinigung von Chile, auf seinen Wunsch die Autorisation erteilt, sich nach der Oster-InscI zu begehen, um an den dortigen Lcpra-Krankcn Versuche zur Heilung vorzuncltmen. Bekanntlich ist der Verkehr mit Lepra-Kranken überaus gefährlich, so daß die Mission des jungen Arztes starken Widerhall fand. Die Mittelstclle für jüdische Erwachsenenbildung bei der Reichsverlretung der deutschen Juden hat an ihre Mitarbeiter und Freunde ein Rundschreiben ausgcsandt, in dem Referate und Diskussionsreden der vom 10. bis 13. Mai in Herrlingen abgchaltcncn Konferenz über Fragen der jüdischen Er• wurhscncubilduttg als Material für einen weiteren Gedankennu'üausdt verwendet werden. Gleichzeitig wird die Au!,- arbeitung von Bildungspläncn für die Gebiete der jüdischen Geschichte, der hebräischen Sprache, der Judentumskumle und der allgemeinen So/ialwisscnschaftcn angekündigt. Damit soll ״der eiserne Bestand der übertragungswerten Biltlmtgsguter (Wissen und Können) in der jüdischen Erwachsenenbildung gesichert“ werden. Ein Skandal tim die Wiener ״Union“. Wie uns aus Wien berichtet wird, hat in jüdischen Kreisen eine Aktion der ״Union der österreichischen Juden“ großes Aufsehen erregt. Die Union sandte, wie sich herausgcstelit hatte, einen nichtjüdischen Herrn, dem sic den Titel ״Administrations- Direktor“ verlieb, zum Zwecke der ücldsammlung nach England und stellte ihm eine hohe Provision (40 ״/<>) m Aussicht. Es sollen auch tatsächlich 40 000 österreichische Schilling in London gesammelt worden sein. Die Spender waren der Meinung, daß dieses Geld für Wohlfahrts-Einrichtungcn, Waisenhäuser usw. bestimmt ist. Nun stellte sieh heraus, daß das Geld teilweise für persönliche Gewinne des ״Administrations-Direktors“, teilweise für die administrauven Zwecke der Union verwendet worden ist. Die Wiener Zionisten, die den Skandal aufgedeckt haben, verlangen, daß das gesammelte Geld einem neutralen Komitee übergeben wird, das cs für gesamtjüdischc Wiener nuten verwendet. Das Ansehen der heutigen Verhältnissen itj R'S'k'V Blalik - Ueberielttungcn Memel, 8. Juli 1934. Sehr geehrte Redaktion! Zum Verzeichnis der deutschen Ucbcrsctzungen nach Bialik in Nr. 54 der ״Jüd. Rundschau“ ist besonders wert, voll nachzutrngcn die meisterhafte Urbersetzung von dem unlängst verstorbenen Professor Dr. Felix Perl cs, Rabbiner in Königsberg i. Pr., ntß ״ י1־ אם?י׳?®קיוWo rauscht die heilige Quelle?" Dieses Gedieht ist in der Auswahl ״Jüdische Gedanken und Gedanken über Judentum“ von dem britischen Oberrabbiner Dr. Hertz veröffentlicht (I einzig 1924). ln dieser Anthologie ist auch ein Simchat-Thora-I.lcd von J. L. Gordon gleichfalls von Professor Perles übersetzt. Leon Schein haus, *,* Wir Italien In unserem Verzeichnis nur die Buch• Veröffentlichungen angeführt, nicht die verstreut er• seliieiicnen Einzelübcrsct/tingen. Von solchen wären noch zahlreiche zu nennen. Schon im ״Jüd. Almanach“ (19313) er• schienen Ucbcrsctzungen von Martin Buber. Vor zwei Iah• ren haben wir selbst in der ״Jtid. Rundschau" eine Ucber• Setzung von Bialiks Kongreß-Gedicht (1932) aus der Feder eines deutschen protestantischen Pfarrers, der seit langer Zeit hebräisch studiert, gebracht. Die Beispiele lassen sich beliebig vermehren. Red. JuiHmt Bodenhelmer und der Revitionhmut Amsterdam, den 7. Juli 1934, An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W15, Mcinckestr. 1(L in der Anlage sende ich Ihnen eine auszugsweise Ab• sclirift aus einem Brief, den ich am 14. April 1934 an Herrn Jabotinsky gerichtet habe. Da iclt auf diesen Brief keine Antwort erhielt und inzwischen die Boykott-Aktion gegen den J.N.-F. durch die Revisionistische Union angekündigt worden ist, so habe ich meinen Austritt aus der Union erklärt. Ich bitte Sie, hiervon Ihren Lesern, die mir durch meine langjährige zionistische Tätigkeit nahe stehen! Kenntnis zu geben. Hochachtend mit Zionsgruß Dr. Bodenheimer. * ״ * Dem beigefügten Brief Dr. Bodcnhcimcrs an Ja• botinsky entnehmen wir folgenden Abschnitt: ״Die jüngsten Ereignisse und die von der Union eingenommene innen- und außenpolitische 1( a I tun g erfüllen mich mit großer Sorge. Ich fiirelüe, der Grnmlirrtimi belicht darin, daß wir handeln, nls ob wir in einem Slaalc leiden, der durch «־ine Machtmittel seinen Willen durchsetzen kann, (.eitler sind wir davon noch sehr weit cnlternt, Und uff-cr Einfluß muß mit Anhängern rechnen, tlic mir durch das Bewußtsein znsammcngchahcn werden, daß sie einer gemeinsamen Idee dienen. Daher ist die innere Einig, keil, für uns oberstes (;<״ctz. Es kann in einer Organisation, die außenpolitische Aufgaben hat, keine. dnp|M׳hc Disziplin gehen. Seihst, verständlich muß rler Union das Recht gegrlam werden, für ihre Weltanschauung sowohl innerhalb rler Zionist i.srtien Organisation nls auch außerhalb durch Propaganda unter den Nichtzionisten za wcrlzon. Dies muß das Ziel des Revisionismus sein und nicht die l’icixgnbe alles dessen, was Hcrzl und seine Nachfolger in dreißigjähriger, mühevoller Arbeit geschaffen haben. Bis wir das Ziel Zionismus erreicht haben, muß aber dieser innere I’arteikarnpf daa äußerste Ircschränkt werden und darf niemals daiu führen, j’arteigegner als Feinde zu betrachten. Es sollte jede Schärfe Auseinandersetrung jedenfalls m lange vermieden werden, bi» das gemeinsame Ziel «reicht haben.“ NodttnaH JErez* statt Erez Israel 7. Juli 1934, z.Zt Herrenalb. Sehr geehrte Redaktion! Darf ich Sie um die Aufnahme der folgenden Erwldcnnif* auf den Brief von Dr. W. Kaatz in der Nr. 53 der ״Jüdischen Rundschau“ bitten. Es ist selbstverständlich, daß man von ״den» Lande" sprechen kann, wenn man Palästina meint, in diesem Sinne sagt man hebräisch (so auch in der Bibel):,,אנו באני ארצה״ מה נשמע בארץ"« natürlich stets mit dem bestimmten Artikel. Das Wort ״Erez“ ohne Artikel kann niemals auf ein bestimmtes Land hinweisen. Man kann deutsch nur von Ercz-Israel, Palästina, oder ״d e m Lande" sprechen, da das Wort ״Ha-Arez“ nicht gut im deutschen Satz gebraucht werden kann. Dr. Zwi WilenskL, Angelegen- ״Union“, die unter den ״ ...— noch als eine antizionistische Kampfgruppe angesehen werden kann, hat durfch diese Affäre jvlittenü• *rci8c״ der w*ener Bevölkerung außerordentlich nur Sintflutmysterien - Spiele bei den alten Juden? Unter der Ucltcrschrift ״Sinlflutinystcricn-Spiclc im alten Aegypten und die Bibel“ finden wir in der ״Frankfurter Zeitung“ vom 13. Juni einen Bericht eines Gelehrten, der in der ägyptischen Literatur eine neue Version des Sintflut• tny th o s itt der Idee der S i n t f 1111 tn y s t c r 1 cn - S p i c I e entdeckt hat. Solche Mysterienspiele sind, wie der Verfasser mit Recht bemerkt, allen antiken Kulturen bekannt gewesen und dort gepflegt worden. 1 )er Autor gibt aus den ägyptischen Texten eine Beschreibung wieder, die mancherlei Aelmlichkciten mit dein biblischen Sintflulutytftos auhveist. Er sagt sogar: ״Bei näherer Untersuchung der beiden Versionen hat es sich herausgcstelit, daß cs sich um eine und dieselbe Sache han• delt.“ Den Ethnologen wird diese Feststellung nicht \er• wundern, weil diese Mysterienspiele bei allen primitiven Völkern wie auch bei den antiken Hochkulturcn eine außerordent• liehe Aehnlichkeit miteinander aufweisen. Wenn jcdocli der Autor sagt: ״Den hebräischen Schriften ist zu entnehmen, daß vor Zeiten eine religiöse Einrichtung bestand, nämlich die Siutflutmystenen-Spiclc, die wir auch in unseren ägyptischen Mysterien als Smtflutmvsterien-Spielc wiedererkennen", so glauben wir doch, ein 'Fragezeichen dahinter setzen zu müssen, besonders, weil nicht näher angegeben wird, a n welcher Stelle sich solche auf Mysterienspiele zu dcutendc Bemerkungen finden. Unsere ältesten Kenntnisse der iüdisclien Urzeit reichen in eine Zeit zurück, in der sich das jüdische Volk im Stadium eines Nomadendaseins bcfand; und es ist eine ethnologisch bekannte Tatsache, daß solche Mystcricnkulte gerade bei Hirtenvölkern am selten• s t e n anzutrefien sind. n. Hnuptschriftkitcr: Dr. Robert Welt >ch, BerUn-Charlotttnburg 8. Stellvertreter: Kurt Locwcnitein, Berlin W15. Verantwortlicher Schriftleiter für den gesamten redaktionellen Teil: Kurt Loewtn• »tein, Berlin VV15. AnicigenlcUctin und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Chanciner, Berlin N 64, Verlag und An• *cigenvcrwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W16, Meinelccitr. IQ. DeA. Juni 38 038 ExEU Drucks Siegfried Seholcm! Bcrlin-Schönebcrg. Dl« Synagogenmusik des 19. Jahrhunderts Bcrlin-Charlotfenburg, d. 9. Juli 1934. Sehr geehrte Redaktion 1 Dr. Jakob Schönberg spricht in seinem Aufsatz ״Die Synagogenniusik des 19. Jahrhunderts“ in Nr. 54 Ihrer Zeitung u. a. über die vor ca. 100 Jahren cinsctzcndc Neu• gestaltung der Liturgie in einer Form, die mir mit den dort gegebenen Begründungen imberechtigt erscheint. Wenn man die Werke von Stil/cr, Lcwandowski, Deutsch, die Gemeinde• Partituren durchsicht, kann man nicht zu dem Resultat kom« men, daß diese Musik ״jede natürlich entwickelte, voikstiim• lieh erfaßte Ausdrucksform von vornherein tötet“. Tat• sächlich ist der überwiegende Teil der Liturpie auf Volks• liedsntelodik aufgeb,aut, nur eben auf der Liedmclodic von 1840, wie sie die Kreutzer, Mendelssohn auffaßten. Es scheint nur verfehlt, diese Musik nur künstlerisch oder im Hinblick auf die spezifisch jüdisch-musikalische Eigenart hin zu be• werten. Den1 Reformern kam es zunächst darauf an, über• ltaupt eine Grundlage zu schaffen, einen Kanon liturgischer Gesänge, also in erster Linie ein Gebrauchswerk. Das stellt cm sehr großes Verdienst dar. Man kann nie eine Gebrauchs• musik, die nn Gegensatz zur genialen Schöpfung immer zeit• gebunden ist, nach hundert Jahren richtig cinsciiätzen, wenn man den historischen Mafistab mit dem künstlerischen ver• tauscht. Eine Neugestaltung der Synagogenmusik erstrebe ich genau wie Dr, Schonberg. Wenn aber hier ein Vorwurt er• 1 * S°1 fi, 8'c*1 KCKC״ die Männer, die vaf na.u ihr ,Werk schrieben, richten, sondern ausschließ• gegen die kommenden Generationen, die dieses Werk Besseres und Geeigneteres ersetzen konnten. Ludwig Altmann, Organist. lieh durch nichts -״wÄBeSch!?«u.n«*. ^ci dein in der letzten Nummer der ״Jüdi* ״״Lh.1Äf-a*Uer£hlc!׳e״,en Artikel ״Eine neue Siedlung*־ Gesellschaft ist ein Druckfehler unterlaufen. Es handelt sich um eine Aeußerung von Dr. Alfred (nicht Albert) Landsbcrg.

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