Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1934)
- Date
- 1934-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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f. Seite 2 il.1m.1ls schon früh dieser Gestalt bemächtigt und machte Am zum Sohne des weifen Simon aus Mainz, der dann In allem < ilanz seiner neuen Würde in dem Führer einer Mainzer Juden,ibordnung seinen alten. Vater erkennt und reumütig: aus Palast und Amt verschwindet; in letzter Zeit hat die katho- ](sehe Dichterin Gertrud von Le Fort die rätselvolle Gestalt in einer sehr tief greifenden Dichtung zu verkörpern gesucht. JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 10. VII, 1934 *״*/.;'!״;l ״׳* ui? t4H *<ti V,; tn ff * i■:־: ® ii׳■״, Jli» t *־־י• *יי"/ י 1 ''SO0U! ןןדןי^ rw■ t!t..:.sa:13 Jus Aber den ״erniedrigten und beleidigten“ Juden des piipstliehen Rom war von anderer Seite her eine unvergängliche Rechtfertigung und Aufrichtung bereitet. Noch hatten sich nicht die Tore des neuen Ghetto hinter Ihnen geschlossen — d,1 ragte schon in dem kleinen Kirchlein San Pietro in Vincoli die Gestalt ihres ersten Führers und Lehrers. Vier Jahrzehnte lang hatte Michelangelo seinen Moses in Haupt und Herzen getragen, ehe er dann endlich als ein großartiges Fragment eines großartigeren Planes, in dem unscheinbaren Kirchlein San Pietro am Scitenaltar seine Heimat fand. Man kommt vom Kolosse,1111, in dessen Nachbarschaft die kleine Kirche liegt, und das Auge bewahrt noch rückeriuiicrnd die gewaltigen Maße der antiken Schauburg: da fühlt man hier auf kleinstem Raume, wie der Geist den Raum überwand — Kiinstlcrgcist, der aus jüdischer Duelle schöpfte und immer wieder schöpfte. Es ist ja bekannt, daß Michelangelo seine tiefsten Offenbarungen der heldischen Welt des sogenannten Alten Testamentes entnahm; in der Sixtinischen Kapelle wachsen seine Propheten wie Riesen aus den Hintergründen hervor — da trauert sein Jeremias, da weissagt sein Jcsnia, und Jona reckt den ungelenken Körper, als wollte er tödliche Erstarrung mit Uebcrhraft abslrcifcn. Hier aber erlebt man, wie ein an sich nicht großes Steinbild, das halb versteckt und seitlich in der dämmrigen Kirche sich niedergelassen hat, wächst und wächst — bis es die ganz.e Kirche erfüllt und darüber hinaus die weite Stadt mit ihren hundert Tempeln und Propheten. — Kann sein, daß der einsame Michelangelo hier sein eigen Wesen und das Wesen seines großen und gefährlichen Freundes, des Papstes Julius II., wiederzugeben dachte. Aber die Juden Roms wußten wohl, was sic taten, wenn sic Sabbat für Sabbat an ■die Stätte pilgerten, wo (wie es ein junger jüdischer Dichter unserer Tage, Fritz Rosenthal, jüngst aussprach): ״... vom Braus der Ewigkeit umweht Stiernackig gegen eine Welt getürmt, Ragt aus dem Marmor Moses der Prophet st Erst das neue Italien hat 1870 die Tore des römisdien Ghetto geöffnet. Damit beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der Roma Israelitica. Die Juden sind nun gleichberechtigte Bürger eines Gemeinwesens; sie danken es durch eine Hingabe, die bis zur Selbstvergesscnhcit reichte. I loch oben auf dem Kapitol findet sich an den Wänden des Palastes der Konservatoren, den Michelangelos Baukunst gestaltete, ein seltsamer marmorner Ehrcn-Fricdhof: das sind die ״Fasti“, die in unendlich langer Reihe von den ersten Konsuln an, deren Inschriften bruchstückweise manchmal wieder ausgegraben worden sind, die Namen aller jener Männer enthalten, die sich um die ewige Stadt verdient gemacht haben. Dort findet man auch — neben anderen jüdischen Namen — den Namen jenes Ernestus Nathan, des ersten römischen Bürgermeisters aus jüdischem Stamme. Freilich ge* horte Nathan wie manch anderer jener viclgerühmten röml* sehen Juden aus der Zeit der letzten Jahrzehnte einem Oesc 1״chte an — wir kennen die Weise, wir kennen den Text das i her der neuen Emanzipation den Weg zur alten Oemeinschaft fast vergaß. Nur wenigen römischen Juden aus dhscr Zeit gelang die Synthese; etwa dem bekannten italieni- ■sehen Offizier Ouiseppc Ottolenghi oder dem Senator und Professor Vittorio Polacco, der vom König zum Erzieher seines Sohnes erwählt wurde. Aber für die Mehrzahl der römischen Juden wie der italienischen Juden überhaupt trat damals ihr Jude-Sein weit hinter ihrem neuen Römcrtum zurück — wenn cs nicht überhaupt verschwand. * Das ist mit dem allmählichen Erstarken des Zionismus in Italien in der letzten Zeit fühlbar anders geworden. Jüdische Führer und Lehrer wie etwa Bcnamozcgh in Livorno und ganz besonders Margulics in Florenz, erzogen einen Kreis von begeisterten Schülern, der heute noch in stetigem Bemühen um jüdisches Wissen ihr Vermächtnis wahrt. Die alte Tradition, die an Luzzatto ankniipfte, ward neu belebt im Bemühen um hebräisches Sprachgut: kürzlich erregten die jüdischen Studeuten aus Italien in Ercz Israel Ucbcrraschung durch ihre eindringende Kenntnis des lebendigen Hebräisch — gibt es doch in Florenz und anderswo Familien, die seit Generationen hebräisch sprechen. Auch an den italienischen Rabbinerschulen ist cs seit langem Vorschrift, daß mindestens ein Fach bei der Prüfung in hebräischer Sprache behandelt werden muß. — Dazu kam die Juden gesetzgeb ung des faschistischen Staates. Zum ersten Male wurden hier die italienischen Oemcinden, die bis jetzt von freiwilligen Gaben kümmerlich lebten und ihre Schulen erhielten, als öffentliche Körperschaften anerkannt. Gleichzeitig wurden durch die Einführung des Religionsunterrichtcs in den Volksschulen auch die in Italien schon längst vorhandenen jüdischen Schulen neu belebt, da die Eltern sich gezwungen sahen, der ausgesprochen katholischen Volksschule ein jüdisches Gegengewicht zu geben. Heute ist es so, daß, wie wir von sachkundiger Seite hörten, z. B. in kleineren Städten u׳ie Ferrara schon alle jüdischen Kinder in die jüdische Schule gehen; in Florenz besuchen zwei Drittel der jüdischen Kinder die jüdische Schule. Und auch die seit langem bestehende jüdische Schule in Rom am Lungo Tevere Sanzio, der auch ein jüdischer Kindergarten angegliedert ist, nimmt im Augenblick einen beträchtlichen Aufschwung. Man spricht davon, daß die Gemeinde beabsichtigt, auch in anderen Wohnvierteln der Stadt jüdische Schulen zu errichten. Es ist leicht verständlich, daß die römischen — wie Ober- Haupt die italienischen — Juden, soweit sie politisch intercssiert sind, dem neuen Staat und seinem genialen Führer Benito Mussolini mit großer Begeisterung anhangen. Nicht nur, weil Mussolini oft, wie bekannt, seine Bewunderung für die ״Gesetze moralischer Natur, die wahrhaft unveränderlich sind — ich meine die Zehn Oebote“ ausgesprochen hat. Manch e׳ner der jüdischen Gelehrten Italiens trägt mit Stolz das schwarze Hemd. * Neben diesen glücklichen und stolzen römischen Juden, die ihre Liebe zu Rom, wie es scheint, so innig mit der Liebe *u Jerusalem zu durchdringen wissen, gibt es freilich dn trauriges Kapitel in den wechselnden Erscheinungsformen der Wie der ״Times“ (mul auch deutschen Blättern) vom 4. 7. aus Konstanfinopel gemeldet wird, strömen _ in der letzten Zeit viele Juden aus dem östlichen^ Thrazien und dem Dnrdancllcngchiet nach KnnstantiuopcJ. Es ist ein neues Gesetz erlassen worden, welches diese Flucht zu erklären scheint. In diesem Gesetz wird die Türkei in drei Zonen eingeteilt: 1. Distrikte, in denen die Bevölkerung rein türkiscli er Abstammung und Erziehung ״vermehrt" werden soll, 2. t )ist 11 kt e, in denen der türkischen Kultur assimilierte Einwohner nngesiedolt werden sollen, und 3. Distrikte, aus denen die Einwohner, deren Kultur nicht rein türkisch ist, verwiesen werden sollen, und in denen der Aufenthalt verboten werden kann mm ökonomischen, kulturellen, politischen oder militärischen Gründen. Wie die ״Times“ vom 5. 7. berichtet, strömen noch immer die t ü r k i s c 11 c 11 Juden aus dein Dardanclleiigcbict und aus Thrazien nach Konst,׳uitinopel, Viele sind 111 einem elenden Zustand, Sie sind nach kurzer^ vorheriger Benachriclitigung ausgewiesen worden. In Adrianopcl besuchten höhere Poli/cioffizicre die türkischen Juden und befahlen *1111011, die Stadt innerhalb von 48 Stunden zn verlassen. Viele von ihnen sind Händler und haben Warenlager, über die sie so schnell nicht verfügen können. Manche haben gegen Kredit verkauft und können min ihr Geld nicht hercinbckommen. Der Oberrahbincr machte Anstrengungen, für Nahrung und Unterkunft der ungefähr 1500 Fl ii ch 111 n g c in Konstaufinopcl zu sorgen. Eine gleiche Anzahl soll auf dem Wege dorthin sein, und insg ־samt sollen 8000 Juden durch die neuen Gesetze getroffen sein. In der türkischen Nationalversammlung erklärte der Ministerpräsident, daß d's Vertreibung der Juden ein wiedergutzu machender Mißgriff sei. Der Ministerpräsident kündigte strenge B!strafurig jener Beamten an, die die Vertreibung veranlaßt haben und sagte Roma israelitica: das sind die wenigen deutschen Juden, die nach Italien gingen, um sich dort ein neues Leben aufzuhaucn. Gewiß, die italienischen Juden betrugen sich gastfreundlicher gegen sie als Ihre Vorfahren einst, die beim Papste gegen die Zulassung der portugiesischen Maranncn Einspruch erhoben — wer von uns denkt nicht an die einstmalige Haltung der deutschen Juden gegen die Ostjuden? — Ein Hilfskomitee arbeitete für ihre Eingliederung; auch gelang es, weiblichen Hilfskräften im Haushalt lind einzelnen jungen Wissenschaftlern, deren Arbeitsgebiete sich dem Lande anpaßten, z.ur Arbeit zu verhelfen. An den norditalicnischen Universitäten suchen eine ganze Reihe von Studenten ihr unterbrochenes Studium fortzusetzen; in Roin haben sich jetzt etwa 30 längst fertige Aerzte zur Ablegung der Schluß- Prüfung gemeldet. Aber die Existenzmöglichkeitcn und Anstclhmgsbcdingimgcn für sie, wenn sie das — nicht leichte — Examen bestanden haben, sind recht eingeengt, da Italien ja seihst unter Arbeitslosigkeit leidet und bei Anstellungen nur geborene Inländer heraugezogen werden. Hier wie überall in der Diaspora ist's —■ wie einmal Blumcnfeld cs formulierte — fast wie in der elektrischen Balm: wer drin ist, ruft: alles besetzt! * * Es ist bekannt, daß die italienische Regierung durch ausgezeichnete Lehrkräfte den Schulen und der Universität in Ercz Israel italienische Sprache und Kultur zu vermitteln bestrebt ist. ״Wir lieben unsere Heimat, Ercz Israel, und sind glücklich, daß unsere Eltern mit uns den Heimweg gefunden haben“ — so schrieb dn kleiner, aus Italien stammender Junge In Haifa vor kurzem in sein Schulheft — ״aber wir lieben und bewundern auch das große Italien und seinen Führer, Benito Mussolini.“ — Kein Wunder, daß er zu dieser Bewunderung kam! Denn eine Reihe von jüdischen Schulkindern in Palästina gibt cs, die können in diesem Jahre den Beginn der Ferien kaum erwarten: sollen ja die besten Schüler, nach sorgfältiger ärztlicher Untersuchung, den großen Preis der italienischen Regierung gewinnen — eine Reise von den Alpen bis Neapel! — So scheinen sich heute neue Bande zwischen Rom und Jerusalem zu knüpfen. Bertha Badt-Strauß. Christliche Stimme über Theodor Herzl Die amtliche ״Wiencr Zeitung" veröffentlicht unter der Uehcrschrift 14״ie Bedeutung Theodor Hcrzls“ folgenden bemerkenswerten Artikel eines ״Christliehen Politikers“: ״Die von Herz! in seinem ״Judenstaat" in einer herrlichen Sprache mit beispielloser Begeisterung geoffenbarte Idee van Ercz-Israel begegnete damals auf jüdischer Seite vielfach geringschätr.endcm Lächeln und bösartiger skeptischer Kritik. Wer heute das interessante Buch Hcrzls liest, muß auch als Nichtjude ergriffen sein von der sehcrisehen Weisheit und von dem klaren, durch nichts getrübten Urteil des Wiener Journalisten, der die Welt gesehen und erlebt hatte und zur sicheren Erkenntnis kam, daß den Völkern Europas, gleich wie den Juden, zur wenigstens teilweisen Lösung des immer schmerzlicher werdenden Problems nichts übrigblieb, als Uchcrsicdhing eines möglichst großen Teiles des jüdischen Volkes und der Ausbau dieser Heimstätte zu einem freien, gesunden, leistungsfähigen jüdischen Staat. . . . Wenn auf christlicher Seite die feste Ueberzcugitng bestellt, daß die Zerstreuung des jüdischen Volkes nie ein Ende haben wird, so fühlen doch gleichzeitig alle Christen, die nach einer Wiedergehurt und Festigung konservativer Grundsätze in der ganzen Welt streben, daß das jüdische Volk mit cinbezogeu werden muß in die große Renaissancehcwegung, daß dein jüdischen Volke das Gefühl der steten Unsicherheit und das Bedürfnis, in dieser Unsicherheit den eigenen Vorteil zu sichern, genommen werden muß. Das jüdische Volk muß ebensosehr wie alle christlichen Völker interessiert sein an einer vernünftigen, staatlichen, völkischen und übernationalen Ordnung. Das jüdische Volk darf keine Mitarbeiter für die Ideen der Zerstörung und des Bolschewismus mehr stellen. ln diesem Sinne begrüßen wir als bewußte Christen das Erstarken der zionistischen E rn e u c r mi gs b c w e gu n g und die damit gegebene Abkehr weiter Kreise des jüdischen Volkes von den liberalen, marxistischen und bolschewistischen Lehren. Thcodar Hcrzls Lebenswerk wird durch die Ereignisse und die Entwicklung unserer Tage gerechtfertigt. Wir stehen nicht an, ihn als einen der Großen seines Volkes anzucrkemien.“ den bclroffcncn Juden staatliche Wlcdcrgutm«. chunf! zu. — ln einem offiziellen CommunlquC• der türklschcn Regierung wird bukanntgegeben, daß die Vertreibung der Juden aus dem Dardancllengcbiet auf eine irrtümliehe Auslegung gesetzlicher Bestimmungen zurück* gellt. Aus den bisherigen Bekanntmachungen der Regierung geht noch nicht klar hervor, oh die vertriebenen Juden In ihre allen Wohnsitze zurückgcliractit werden sollen. Saloniki, 5. Juli. JJ. T. A.) Au* dem D.irdnnellcngcblct vertriebene j iid i «c 11 c Flüchtlinge sind auf dem Weg nach Konstantinopel In der griechischen Station Orcst.idi* angekommen. Sie erzählen, daß sie den Befehl erhalten haben, hinnen weniger Stunden nach Konst,uitinopel abzureisen. Die Vertriebenen belinden sich in einem entsetzlichen Zustand. Die Männer wandern zu Fuß, für die Frauen und Kinder stellen vier Güterwagen und zwei Personenwagen zur Verfügung. Viele Flüchtlinge sind krank, drei Kinder sind unterwegs gestorben. Die Flüchtlinge erzäiiien, alle Juden des türkischen Teils von Thrazien hätten Ihre Wohnorte verlassen, nachdem sie Ihre ilahc zu Spottpreisen losgeschlagen oder überhaupt Im Stiche gelassen hatten. Die Eisenbahnstationen Alhoulou, Alulebourgas und Tylolois seien von tausenden Juden überfüllt, die auf Waggons zur Rebe nach Konsfantinopcl warten. Doch stünden mir wenige Vieh, wagen zur Verfügung. Die Lage sei katastrophal, man be* fürchte den Ausbruch von Epidemien. Die ln der Grenzstadt Demotlca erscheinende griechische Zeitung ״Ebros“ berichtet, die tUrkisch-nationalistl* sehe Organisation ״Hall Fcrkassi Ismcli“ habe einen Boykott der jüdischen Kauflcute proklamiert und vor allen jüdischen Geschäften Boykottposten autgcstcllt. Der Gouverneur von Adrianopcl habe sich geäußert, jüdische Proteste könnten die Durchführung des nationalen Willen» nicht hindern. Anfragen im Unterhaus Das Stavsky-Urtell — Die Kaution für Touristen — Einwandernde Araber London, 4. Juli. (J.T. A.) 111 der Sitzung des Unter* hauses vom 4. Juli fragte Abg. Wedgwood den Kobnien* minister, ob er bekannt geben könne, wieviel Juden während der letzten zehn Jahre oder innerhalb eines andere» Zeit• rau ms in Palästina wegen Ermordung von Juden verurteilt wurden. Kolonicnminister Sir Philip C11111 '11 f c * L1 s t er antwortete, er könne solche Ziffern nicht bekanntgehen, da die _ von der Palästina-Regierung vorgclcgte Verbrechens- Statistik keine rassenmäßigen Unterscheidungen bei Tätern uml Opfern macht. Abg. Wedgwood: ״Ist cs nicht im Inter* esse der Beziehungen zwischen den Vollcsstämmen in Pa* lästina wünschenswert, klarzustellen, daß solche Taten von luden an Juden nicht vorgekommen sind, und wäre cs im Hinblick auf die Unruhe, die der Fall Stnvsky mit sicli ge* bracht hat, nicht zu wünschen, klnrzuni.icbcn, daß kein Prä* zedcnzfall eines von einem Juden an einem Juden verübten Mordes vorlicgt?“ Der Kolonicnminister: ״Wenn durch diese Frage versucht werden soll, einen jetzt beim Appellations* Strafgericht anhängigen Fall zu priijmlizicrcn, so wäre cs ■für mich höchst unangebracht, eine solche Informiticm ein* zuholcit.“ Auf die Frage des Abgeordneten Wedgwood, mb der Minister glaube, daß es eine Präjudizierung eines Rechtsfalles bedeuten würde, wenn solche Tatsachen (lern Gericht hekannt wären, antwortete Sir Philip Cunlitlc-Listcr: ״Unbedingt!" Der Abgeordnete Joel fragte den Kolonicnminister, ob nicht eine Abänderung jener Bestimmungen der Palästina- Einwanderungs-Ordnung in Aussicht genommen sei, durch die die Hinterlegung einer Kaution durch Ton* r I s t e n, die nach Palästina nicht l. Klasse reisen, vor* geschrieben wird, ob der Kaulionsbetrag von 60 Pfund nicht herabgesetzt werden soll und ob Informationen darüber vor* lägen, in welchem Ausmaß der Touristenverkehr Palästina» durch diese Bestimmungen beeinträchtigt wurde. In Beantwortung dieser Anfrage erklärte der Kolonien* minister, die Vorschrift betreffend die Hinterlegung einer Kaution werde jetzt auf alle Personen, die nach Palästina reisen wollen, ohne Rücksicht aul die benutzte Schiffsklassc, angewandt. Eine Acndcrung des Kautionsbetragcs von 60 Pfund sei nicht in Aussicht genommen, doch seien die Konsulate und Paßämtcr ermächtigt worden, von der Hinterlegung der Kaution bei solchen Personen abzuschcn, von denen sie überzeugt sind, daß sic wirklich Touristen oder Pilger im Besitz eines Kapitals von 1000 Pfund sind, j Im April "habe der High Commissioncr für Palästina berichtet,! daß die Einführung dieser Bestimmung den palästinensischen j Touristenverkehr nicht beeinträchtigt hat,' und daß Palästina in diesem Jahr die beste Touristen*! salson seit einer Reihe von Jahren hatte. Der Minister! habe keinen Grund zur Annahme, daß sich die Lage seither geändert habe. j London, 6. Juli. (J.T. A.) Im englischen Unterbau! fragte der Abgeordnete Major Milncr am ö. Juli den Kolonienminister, welche Beschränkungen in bezug auf d i c E i n Wanderung von Arabern nach Palästina und d:e Rückkehr ausgewnnderter palästinensischer Araber bestehen.! Der Kolonieiiminister antwortete, Araber, die nicht paläsfincn* . sisehe Bürger sind, seien in bezug auf Einwanderung denselben Bestimmungen wie andere Niehtpaliistincnscr j unterworfen. Nach dem palästinensischen Einwanderung^• Reglement hätten, solange der High Commissioncr nichts; anderes bestimme, Personen, die in Transjordanien ihren; ordentlichen Wohnsitz haben, das Recht, auch ohne Pal) von Transjordanicn unmittelbar nach Palästina zu kommen, dürften sich aber dort nicht niedcrlasscn und keine Beschäftigung annchmcn, wenn sie nicht als Einwanderer nach den Bestimmungen des Einwanderungs-Reglements qualifiziert sind. Ausgewanderte palästinensische Araber können ungchin* dort zurückkcbren, wenn sic nicht durch dreijährige Abwesen• heit ihr Bürgerrecht verloren haben. Die Frage des Abgcordneten, ob nicht einer großen Zahl nach Amerika ausgewan• derter Palästinenser die Erlaubnis zur Rückkehr verweigert wurde, verneinte der Minister. PS In der ßcrufungsvcrhandlung wegen der Verurteilung de* 18 arabischen Führer, die wegen ihrer Teilnahme an den blutigen Demonstrationen vom 27. Oktober 1933 verhängt worden war, wurde vom Jerusalemer Kreisgcricht aas Urteil zwar aufrecht erhalten, den Beratungsstellen! aber wurde gegen Erlag einer Kaution von 100 Pfund und das Versprechen guten Verhaltens für drei Jahre Bewäh• r״״ Rs f r >s t gewährt. Sie erhielten jedocli die Erlaubnis, sich .einer gesetzlich erlaubten politischen Tätigkeit zu wld*. men. Die Verurteilten machten von der gewährten Vergünsti• Gekr®uch mit Ausnahme des Scheichs Muzafar, der tt «0 Monaten Zwangsarbeit verurteilt worden war.