Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1934)
- Date
- 1934-07-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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A«t»tf*«Uv1( 1 Di« MUHmsrt#T*7U?fl• UM —,SD, for St#fltai®»11dh• ן HM —JO, lür PamUiannschrkhten HM —45׳ Ein*«Unt#l*«B1 nur וו»8*ן Varsu•״ lahlung auf rastSfh«<k־Ka11to Berlin 71618 ml«r in dar AmHgtn-Annthm• Montag bi• Praitag 9*״iS Uhr AiutahmaschltiÄ für dia Dirostag.Ausgah• Montag 10 UH* für dU« Fr«U»|-Au«t*k• Mittwoch 13 Uhr (PamiU«Rantaiget1 hi*Donnetsts* 10 Ul») tto-Kiöiirt** fiklOMl V״ l®״«,«ji Sb!H ä0t **H. j* ן ׳ r 1ך>ו.״״»<ן ן 1!m'üii *3■»־־ Im&toi Lwsxi LmwmI %־־^f ץ7^ו »*.41 L. | 1 j | jlJ K ך־״ו * I i \ 1 1 > k**4 L*w»d LmJ L.r.1*4 Lä»mI L—»j1 L** .j |«״»״| r | r 1 (1 י ”»n,. •׳*״ ■■'IS ״׳*^^ f׳ ^9״*"I /"""** *"•י ־..)I ־1ן rJ L.J1 C ^e'*"’ י■**1 -י L wi **41.״ y j iLöw.'J L**״ «Jf kftMl ■***J ' CJ ^יייי־^ 1 \ | U zt 1 I cHHnr1 6.ב LLjlj f ך^ייי־׳־ץ ך •fei •43 lwMii.31 Iajw.3 1 *rr״®*״’ * f 1 I 1v. Lady Simon über den Zionismus London, 5. Juli. (J. T. A.) Bei einer in London abgcli.1!- tenen Hcrzl-ücdcnkfeier hielt Lady Simon, die Gattin des engtisclien Außenministers, eine eindrucksvolle Ansprache, in der sic an die Juden den Appell richtete, den von Herzl vorgezeichneten Weg zu Kelten. Lady Simon rühmte Theodor Herzl als einen der größten Patrioten, die jemals gelebt haben, und bekannte sich als glühende Bewimderin der zionistiseben Auffassung: ״Wäre ich nicht eine bejahrte irische Frau‘‘, rief Lady Simon aus, ״sondern eine junge Jüdin, dann würde ich mich mitten in den Kampf um die Schaffung einer machtvollen zionistischen Bewegung stellen.“ Nach einem Hinweis darauf, daß sowohl sic wie ihr Gatte durchaus nichtjüdischer Abs» a m m u ח g sind und keinen Tropfen jüdischen Bluts in ihren Adern haben, sprach Lady ,Simon über ihre Beziehungen zur zionistischen Bewegung, die sic schon früh, zu einer Zeit, da Herzl auf dem Höhepunkt seines Wirkens stand, angeknüpft habe. In jenen Tagen habe sic von Herzl aus Basel eine Reihe von Schreiben empfangen. ״Ich habe mich", fuhr die Rcdiicriii fort, ״rings in der Welt umgesehen, ich sah die Not der Juden und sagte mir: Warum kann dieses Volk nicht ein eigenes Land haben, warum sollten die Juden nicht G crcchtigkcit für sich verlangen können? Wenn Ich noch auf Juden stoße, die Gegner des Zionismus lind, dann erscheint mir dies als Schande. Ich sage Ihnen: Euch mag es hier gut gehen, aber warum kümmert Ihr Euch nicht um die Menschen Eures Stammes, denen cs anderwärts schlecht geht? Als gute Taktikerin wünschte ich, auch Ihr wäret taktisch und vergäßet nicht, daß altes Stammcsbcwußtsein aus der Welt nicht verschwunden ist, vergältet dies nicht auch in Eurem behaglichen Heim. Der Zionismus bedeutet: Rettung für Tausende von Juden überall in der Welt. Mein Rat für Euch ist der: Folget den Spuren Theodor H e r z I s!“ x Den in der deutschen Presse immer wieder auftauchenden Irrtum, Sir John Simon sei jüdischer Abstammung, haben wir bereits bei früheren Anlässen berichtigt. Der Irrtum entstand vielleicht durch die Annahme, daß der Name auf jüdische Zusammenhänge himleutc. Die Ansprache der Latly Simon ist daher auch unter dem Gesichtspunkt interessant, daß hier eindcutig von der zuständigsten Seite bekräftigt wird, daß sowohl Sir John als auch seine Gattin kein jüdisches Blut haben. Lady Simon ist, wie auch aus ihrer Rede hervorgeht, seit längerer Zeit eine Förderin zionistischer Bestrebungen. Sic ist nicht die erste Niehtjiidin, die sich für das Große und Edle im Zionismus begeistert und nicht begreift, daß es Juden gibt, die den Zionismus ablchnen oder gar bekämpfen, wie es insbesondere zu Hcrzls Zeiten der Fall war, aber auch heute noch anzutreffen ist. Die Wiener Trauerfeier Die am Montag, den 9. d. M., vormittags, auf dem Wiener ZentralfrIcd 11 of in Form einer stillen Andacht abgehaltene Trauerfeier wies eine Massenhe (eilig u ns» auf. In der Zercmonicnhaiic hatten sich unzählige Delegationen «aus dem In- und Auslände eiligeliinden. U. a. nahmen an der Trauerfeier die Oberrabbiner von Budapest und Fiume teil. Aus Polen waren Senator Kmgel, ein Vertreter der Redaktion des ״Haint“ und der t S!!*Cm*e des Verbandes für hebräische Sprache und Kultur «Tarbuth" erschienen. Ferner sah man Vertreter der Wiener Kulfusgcmcindc, der Union üstcrreichisclicr Juden, der iislerrciclnschcn ßnc Britli-Vcreine, der israelitischen Aijianz, der!«nischen humanitären Vereine, der wissenschaftlichen Institiilc und sämtlicher zionistischen Fraktionen. Ansprachen wurden nicht gehalten. Der Vorbeimarsch am Sarge s1׳U״rtt vielc Stunden. Hierauf wurde dem Sarg bis zum audbahnhof das Geleite gegeben, wo er verladen wurde. Auf der Fahrt nach Triest wird der Sarg von der Witwe ß'ui. dem Wiener hebräischen Schriftsteller Dr. David «othblum und dessen Gattin begleitet. Als Vertreter der vicaer Kultusgetncinde wird Moses Rath den Sarg bis nach *aiästma begleiten. . D«r Lloyd T ricstino hat erklärt, den Transport des arßcs als Ehrcntranspnrt durchführen zu wollen. Vom Dampfer ״Italia“ ist in Wien ein Telegramm ein- Rttroffen, durch das Ussisclikin, der Chefredakteur des «Haare*״, Dr. Glücksohn, der Histadruth-Vcrtrcter David ofan und der Tcl-Awiwcr Rechtsanwalt Samuel Cohen anundigen, daß sic auf dem Wege nach Triest sind, Uln dort die sterblichen Uebcrrcstc Bialiks zu übernehmen. Todesahnungen Bialiks Wie jetzt bekannt wird, hat Bialik in den letzten Tugen pflegenden Krankenschwester gegenüber Todcsah• "'mgen geäußert. Zu Dr. Roihblum batte er vor der Opeift'on gesagt: ״Hispallclu baadi weimru tehillim“ (Betet mich und sprechet Psalmen). Am letzten Dienstag, dem l־>gc vor seinem Tode, hatte sich Bialiks eine tiefe seelische ״'Pression bemächtigt. Er erklärte: ״Lo ctrape“ (ich werde h u ״lchr genesen). Noch im Laufe der Nacht vor der!׳Überführung der Leiche Bialiks auf den Zcntralfricdhof "Urde die Totenmaske des Dichters abgcnomincti. Das ״"tiitz des Verstorbenen zeigt einen ruhigen, vergeistigten Ausdruck. .. Aus allen Teilen der Welt liegen Nachrichten über a1t Trauer über Bialiks Tod vor. Traucrlamdgebungcn . T e I - A w i w, das in Biallk seinen hervorragendsten Bürger sah, ist in tiefste Trauer versetzt. Alle jüdischen Institutionen Palästinas, alle jüdischen Schulen blieben am Tage nach Bialiks Tod geschlossen. Ucbcrail wehen Trauerfalmcn. Aus allen Ländern treffen telegraphisch Trauerkundgehungert ein. Im Hofe des Gebäudes der Jewislt Agency in Jcrtisalein fand eine von der Jcwish Agency und vom Waad Lcumi veranstaltete Trancrfcier statt, Der Hof war von einer dicht gedrängten Menschenmenge erfüllt. Die Trauerrede hielt Dr. Sc binar ja Lcvin als Bialiks ältester Freund. Die Zionistische Vereinigung für Groß-Britannicn und Irland hat für Mittwoch, den 11. Juli, chic große Bialik- Trauer,kumlgehung in die Shoreditcn Town Hall in Lond o n eitiberufen. Den Vorsitz, wird Dr. Chaim W e i z m a n n führen. Vom High Commission er von Palästina, Sir Arfluir Wnucliope, hat die Witwe Bialiks folgendes Beileidstclegrnmm erhalten: ״Nehmen Sic bitte den Ausdruck meines tiefgefühlten Beileids an Ihrem Schmerz entgegen. Der frühe Tod Ihres Gatten hat dem jüdischen Volk einen schmerzlichen Verlust zugefügt mul die jüdische Literatur eines Mannes der Feder beraubt, dessen Genie in 11011cm Ausmaß zur Wiedergebürt des Hebräischen in moderner Zeit beigetragen hat.“ In Wien sind un/ähligc weitere Beileidstelegramme eingetroffen. Unter anderem solche von der Histndruth Hnowditn, der I litacluiuth llaikarim (jüdischer Landwirtcverbmul), der Jewislt Agency und der Zionistischen Palästina-Exekutive, der Iriali von Tel-Awiw, von den hebräischen und anderen Vcrlagsansfalten, einer großen Zahl von Organisationen und vielen Privatpersonen, Das erste Telegramm, das die Witwe Bialiks erhielt, war von der Hebräischen Universitat in Jerusalem abgesandt worden. Im Namen der Zionistischen Exekutive hat Professor Brodetsky an die Witwe Bialiks ein Beileidstclegraniin gerichtet. Die Zionistische Vereinigung für Deutsch* land hat folgende Kondolenz-Telegramme abgesandt: An Frau Bialik: ״Das unerwartete Ableben Ihres Oatten hat uns aufs tiefste erschüttert. Sein Werk lebt in unscrem Herzen fort. Gott möge Ihnen Trost geben.“ — An die Stadtverwaltung Tel-Awiw: ״Mit Euch trauern wir 11m Bialik, unseren großen Dichter und Lehrer. Wir grüßen Euch in dieser schweren Schicksalsstunde in brüderlicher Verbundenheit.“ (S. auch Seite 3) Rund um den Titusbogen : Rom, im Juli 1934. ״Rom und Jerusalem“ — das ist nicht nur der Titel eines berühmten Buches. Sondern in noch ganz anderem Sinne, als M oses Heß damals in seiner ״letzten Nationalitätenfrage“ darstellen wollte, verkörpert sich in diesen beiden Städtcnamen und Weltcnnmnen schicksalhafte Verflechtung zweier Volksbereiche. Noch niemals wohl empfand man diese Zweiheit so überwältigend und tief, als wenn man heute nach langer Trcnntmg einmal wieder in die nie vergessene und heute merk« würdig aulstrahlcndc Stadt am Tiberstrom einkehrt. Stadt ״wo der Stein von der Mauer ruft und der Balken vom Getäfei ihm antwortet“ ... Immer redeten hier die Steine; aber es scheint, als ob dem Juden, der heute ihre sieben Hügel betritt, jeder Stein mit besonderer Eindringlichkeit seine Geschichte zu erzählen weiß ... oder ist’s das Ohr des Lauschenden, das mit geschärfter Aufmerksamkeit zu hören lernte? — Da ist der Rogen des Titus auf dem Forum Romanum — Sinnbild der dunkelsten Stunde in der Geschichte Israels, deren Gedächtnis wir auch in diesem Jahre in wenig Tagen, am 9. Aw, wieder bei trüben Kerzen und trauervollen Klängen herbeirufen werden. ״Bogen des Leuchters“ nannte ihn das Mittelalter; und heute noch sieht man auf der Innenseite des Triumphbogens jene älteste Darstellung des siebenarniigen Leuchters, der an jenem unglückseligen Tage aus dem Heiligtum in Jerusalem entführt wurde. Wilder Mohn übergießt die Trümmer des Triumphbogens, dessen Vollendung Titus, der Zerstörer unserer Stadt, nicht mehr erlebte; wie unzählige rote Blutstropfen glüht es auf, wenn der Wanderer die alte Via Sacra licransclircitct. ... ׳ Aber auf diesem Wege kommt er bei einem anderen denk« würdigen Platze vorbei: da ist, gegenüber den heute noch aufragemlcn Säulen des Castortempeis, ein halbrunder Rautp und das Fundament eines großen Altars. An dieser Stelle war cs, wo Marcus Antonius seine Grabrede auf den ermordeten Julius Cäsar hielt: Freunde, Römer, Volksgenossen, hört mich an, Begraben will ich Cäsar, nicht ihn preisen ... diese Rede, die noch heute mit den Worten in uns lebt, die ihr der britische Dichter einst verliehen hat. Nicht im Shakespcarc aber stellt, wie die Juden hier an dieser Stelle ihren großen Freund und Förderer betrauerten. Hier ist die Stelle, w״o das Volk der Römer seinem größten Sohne den Scheiterhäufen aufrichtctc; Tag und Nacht, so wird uns berichtet, wichen die Juden nicht von Casars Grahcsstätte. Denn sie haben cs nie vergessen, daß der große Führer, den, wie es heißt, Männer aus ihrem Volke einst in Aegypten aus Gefahren errettet hatten, ihrer Stadt die seit Pompejus zertrümmerten Mauern wieder aufzurichten nicht verwehrte. * ■ Die Imperatoren schwanden; die Päpste traten ihr Erbe an. Mancher antike Tempel ward zur christlichen Kirche umgewandelt. In das Pantheon, den übcrgcwaltigcn Kuppelbau des Agrippa, schafft der Papst die Gebeine der Märtyrer aus dem Kolosseum, und <l,1s mächtige Gewölbe wird zur Kirche geweiht. Unter dieser Kuppel, die Bramante bewunderte, fand an einem Augusttagc des Jahres 1512 das merkwürdige Gesprach zwischen Ignaz von Loyola, dem ersten Jesuiten, und Diego Hcrnamlez, einem Abgesandten der portugiesischen Marminen, statt. Es ging um die Einführung der spanischen Inquisition in Portugal. Vergebens sprach der Maramie; die Scheiterhaufen flammten auf — auch hier in Rom, auf dem alten Canipo di fiori, wo heute in wirrem Durcheinander Hausrat, mehr oder weniger echte Antiken und blühende Blumen zum Kauf angeboten werden. Die Juden aber, die im alten Rom lange noch als ״religio licita“, als staatlich geduldete religiöse Gemeinde ungehindert ihren Berufen nachgegangen waren, verwies der finstere Papst aus dem Hause Caraffa, Paul IV., bald nach diesem Gespräch (155(1) in das Stadtviertel am Tiber, wo sich mm bald die fünf jüdischen Bet?• stuben auf der Piazza dclle Scuolc erhoben. Dort in der Nachbarschaft der ungeheuren Arkaden des Marccllusthcaters, das sich erst heute wieder aus dem Schutt und Moder, der es umgab, in alter Wucht zu erheben scheint, stand auch das Geburtshaus des seltsamen ״Papstes aus dem Ghetto“, des Papstes Anaklct II. Die jüdische Legende vom Rhein hat sich MMhor•• ■len• Ansale• •ul «eit•