Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 54 (6.7.1934)
- Date
- 1934-07-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 6 VH. 1934 ׳>! f LP גזי ri ח• ק v£J *ןריץ •C,® י •j* /ך־ף ^׳ j *"י r"3 •f'־ Wii^ i....!41 C.«.( fc* »ii C.— ׳ h:■- fh וי' 1 .,*a I ..../ t>.. j Ein Artikel Richard Lichiheims Die ״Jüdische Rundschau“ hat vor einiger Zeit (Nr. 43 vorn 29. Mai) einen Artikel von Adolf Böhm unter der Uebcr- Schrift ״Einigung oder Zerfall?" veröffentlicht, worin die tinge* heitren Gefahren de:; scharfen iiiiiorjiklischcn Parieikampfes in Palästina aufgezcigt werden und die Notwendigkeit einer neuen starken Milteipartei betont wird. Fs ist überaus; intercssant, ähnliche üedankengänge in einem Artikel zu finden, den Richard L i c 11111 c i 111 im Wiener Organ der ״Judenstaats-Partci“ (11. i. von Jabotinsky abgcspaltcne Revisionisten) veröffentlicht. Lichtheini erklärt, es sei .kein Zweitel, dal! grolle Teile des Jischiiw diesen Zustand der Spaltung verwunschen und die nationale Einheitsfront herbei* sehnen. Die verhetzten Parteien von links und rechts seien durch gütliches Zureden nicht mehr zu bändigen. Nur eine neue Kraft, die aus der Milte kommt mul den Jischtiw mit sich rcilit, könne die Besserung hrjugen. Im weiteren Verlauf des Artikels kennzeichnet Lichtheim dann die (auch in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits mehrfach geschilderten) sozio• logischen Veränderungen, die durch den allmählichen Aufstieg des sparenden Arbeiters 111 d e n b ä u c r I i c h e 11 Mittelstand bewirkt werden und glaubt, dali angesichts des immer deutlicher werdenden Durchsetzens des Mittelstands* Elementes keine wirkliche Ursache zu einem scharfen Klassen- und Parteikampf vorhanden sei. Nur durch Anlehnung an von außen hereiugetragenc Cledaukciigängc sei die Verschärfung entstanden. Nach einer entschiedenen Stellungnahme gegen den für Palästina ungeeigneten Cicwcrksdiafts-So/ialismus und gegen den Typus des von draußen gekommenen Arbeiter- Führers wendet sich Lichthcim der Charakteristik des Revisionismus zu. Hier heißt cs: ״Aus der r e v i s i o n i s t i s e 11 r n Jt c w r g u n g (die ur.-pnmglieh aus einer sehr bcrccliiiglen Kiilik der \Wi/.111;m11scben Außenpolitik, seiner Age1!ryd'״lilik und seiner 11111 im!1 leNäniliM'lieii Fonds* poliiik cnlslandc'11 war und eine neue Krall schuf) wurde im I.aulc der Zeit, be%ntnlrrs nach der Spaltung in! Jaluc 1933, eine Imitation ta-rhi'iisehrr Mellirden. , . . Allen Warnungen seiner allen 1׳reiindc um! Ka1nplgr1n1s.cn zum Trotz verlor Herr Jalmlin.sky sich im Spiel von ״ScparailMiHi.“, von ״l'iilirerliiin“ und ״laililäriscltcr Pi«/iplin״, Immer gelälirlidier zeigte sieh dahei cigette l)ö/ij1lini0M׳gkeit, Hang zur Tcbertreibung und die Tolerierung, ja die Verherrlichung gewisser anarchistischer, krankhafter, für eine p o I i 1 ist h e I’ a r l c i u n c r l r ä g I i c 11 e r K I c m c ti t e. Pie l׳'olge war die Spreng 1111 g der not•11 jungen, aber, rasch erstarkten und zukuntlMa i, hen l'arlei, die Abkehr flllrr veraulw'ortungs. bewuliu-n, poliii.eli denkenden Milglieder von diesem ״Kcvisiotii*■• inus“ der Idnßen Wut und W'ddheil," lut weiteren Verlauf des Artikels beschäftigt sich Lichtheim mit dem Arlosoroff-Pro/cft und wirft der Linken \׳of, daß sie diesen Prozeß für politische Zwecke mißbraucht habe: ״I) i c 11 1 - p 1 ii 11 g I i c h vtrs I ä n (1 I i <11 ־ c 1. n t r ii düng über ilie M'lm'rklii'lie Tat• wnrde von der ״t.inken“ z.ilin j 10IIfisol 1cn K a m ין I 111 I I I e I und zur KniigrcljAValilmuelie erniedrig t," Nach einem kurzen Rückblick auf den Verlauf des Prozesses, in welchem nach Lichtheinis Meinung ״nichts hewiesen und nichts aufgeklärt“ wurde, stellt Lichthcim fest, daß ״ein großer Teil der Bevölkerung von der Unschuld Stavskvs überzeugt“ ist. Eine I tiuriehtuug Stavskys würde die Erbitterung zu einem ungeahnten Ciradc aufpeitschen. Es heißt dann weiter: ״Paß aliev ein solches Urteil möglich, daß eine Atmosphäre geschahen wurde, die in den beiden englischen Hiebt,,rn die lieber- Zeugung erweckte, in Siavsky und KoscrihluM. die Taler vor sieh «1 h allen — das ist nicht nur die Schuld der l’arlcihetzc der ,,lli.'l.iihulli“, sondern das tragische Verhängnis des Rev i s i n 11 i s m u s, der als .seine Wortführer und Kxpoiiftitcn in l’a'iistina Krsehriimiigeii wie Aehi-Melr duldete. Siavsky ist auch (Ins Opfer des r o 111 a 11 I i s e 11 - 11 n a r 1■ 11 i s 1 i s c 11 c n V r r jcliwü• r e r - (I e s e 11 r e I b s e 1 s. einer geisiig und politisch unreifen,. krankhaft und antisozial veranlagten kleinen (.truppe, die mit ,Tcrroridren spielte und sieh damit in der Oelleiillirhkeil so kompromittierte, daß eine uagünsöge Verkeilung von Umstünden nun einen jungen Mensehen ins Vcideibrn riß. Paß diese (truppe von Herrn Jabolinsky, trotz der ständigen Warnung alter Freunde, geduldet, ja gefördert wurde, ist eine indirekte Verurteilung seiner politi• s c h e n e I 11 o d e 11.“ Zimt Schluß betont Lichthcim nochmals, daß eine neue moralische Kraft sich erheben müsse, die der Dcmago* gie von rechts und links entgegentritt und dem Kampf der Parteien ein Ende macht. Der Verfasser wendet sich gegen die Zionistische Exekutive, weil sic in dieser Situation nichts tue. Jahreskonferenz der Zionisten Amerikas New Vork, 2. Juli. (J. T. A.) Am 1. Juli wurde itt Atlantic City die 27. Jaltrcskonfercnz der Zionistischen Organisatian Amerikas feierlich eröffnet. Der Vorsitzende der Organisation, Morris Rothenberg, crötfnctc die Tagung. Die eindrucksvolle Rede des Mitglieds der Exekutive der Jcwish Agency, Louis L ipsky, der sielt gegen die Errichtung von Schranken durch die englische Regierung gegen die nach Palästina strebenden jüdischen Massen wandte, gipfelte in dem Vorschlag, eine allgemein jüdische Konferenz für ganz. Amerika eiit/nbcrufcit, die die jüdische öffentliche Meinung zu dem Zwecke mobil machen soll, die englische Regierung zu bewegen, daß sie die Tore Palästinas für die Ein- Wanderung von Juden aus Ost- und Mitteleuropa öffne. Eine entsprechende Entschließung wurde mit großer Stimmenmchrheit angenommen. Felix M. Wa r b 11 rg hielt eine Begrüßungsansprache, in der er den Mitarbeitern und Freunden der Zionistischen Organisation Dank und hohes Lob für ihre großen Leistungen im Dienste des vom Völkcrbiiml-Oberkomtnissar James ü. MacDomtld gclcitelen Atiswandcrer-Hilfswcrks aussprach. Das Problem der inneren Judennot behandelte der amerikanisch-jüdische Schriftsteller Ludwig Lewis ahn, der eine geistige 'Emanzipation des jüdischen Volkes in der Diaspora zu einer für die Erlösung notwendigen Lebensform forderte. Die Entfremdung des modernen emanzipierten Juden von den ethischen und metaphysischen Anschauungen des Judentums bilde sein tragisches Schicksal; die Rückkehr zu diesen Werten werde für ihn Erlösung sein. Im weiteren Verlauf der Konferenz richteten das Mitglied der Zionistischen Exekutive Bcrl Locker und der Chefrcdaktcur des New Yorker ״Jewish Morning Journal" Jacob Fishman scharfe Angriffe gegen den Revisionismus. Die Beantragung einer Entschließung, in der jene Parteien und Fraktionen, deren Tätigkeit die Stellung der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation zu untergraben droht, schart verurteilt werden, führte zu einer großen Debatte, in der Lipsky und andere schwere Vorwürfe gegen die Revisionisten wegen der von diesen gegen die Exekutive gerichteten Angriffe erhoben. Zu stürmischen Szenen kam es, als der Konferenz eine in einer Privatbcsprcchnng von bß Delegierten der Allgemeinen Zionisten ausgearbeitete Erklärung vorgclcgt wurde, in der gegen die am Vortag von Berl Locker und Jacob Fishman gehaltenen Reden protestiert wird. Ungeachtet dieses Zwischenfalls wurde die beantragte Entschließung einstimmig angenommen. Scharfe Auseinandersetzungen löste auch die Vorlage einer zweiten Entschließung aus, in der sich die Konferenz für die Unterstützung der Verteidigung Stavskys einset/.t, ohne daß in ihr eine Meinung über Schuld oder Unschuld des Verurteilten geäußert wird. Obwohl Lipsky sich gegen diese Entschließung wandte, wurde sic schließlich einstimmig angenommen. Die Frage des Legislative Council London, 3. Juli. (J. T. A.) In der Sitzung des Unter* haus cs vom 3. Juli brachte der Abgeordnete ׳ Colonel Wedgwood die Frage der bevorstehenden Einsetzung eines Legislative Council für Palästina zur Sprache. In Bcantwortung der von Wedgwood gestellten Anfragen bekräftigte der Minister für die Kolonien, Sir Philip C u n 1 i f f c* L i s t c r, seine im November 1933 zu diesem Gegenstand abgegebenen Erklärungen, betonte, daß die Rcgicrimgspolitik in bezug auf die Frage des Legislative Council unverändert geblieben sei und stellte eine Wiederholung seiner grundsätzlichen Er* klärung vor der tatsächlichen Einsetzung des Council in Aussicht. 111 seiner Erklärung vom 23, November 1933 hatte der Koloiiicmninistcr die Einsetzung des Legislative. Council nach Inkrafttreten der neuen (icmcindcorcfnung der Palästinarcgic* rting angekiindigt, gleichzeitig aber betont, daß cs sich nicht um eine verantwortliche Regierung, sondern tim eine reprnsrn* tative Körperschaft handeln solle, in der den. verschiedenen Teilen der palästinensischen Ocffcntlichkcit Gelegenheit gc* geben werden soll, ihre Meinungen zum Ausdruck zu bringen. Bcrnard Baruch Armstein ך ל j Am 26. Tainmus iälirt sich zum erstenmal der Todestag von I Bcrnard A rin st ein. Wenige Wochen nach dem Ende t Chajim Arlosoroffs, dem er in langjähriger enger Freundschaft! verbunden war, raffle ihn ein iinverstümlliclus Geschick da• 1 hin. Das erschütternde Bild tritt wieder vor die Augen, wie j die im l.eid gebeugte Midier Arioso!(dis der Mutter des { Freundes Trost zu spenden versucht. Er war einer der Frühen, j die nicht des äulieren Antriebs bedurften, um ihren Zioniv |!!ins zu verwirklichen. Sein Plan ging daluu, das Fach, das er I vorbildlich mcistcrlc, die Chemie, zu einem wesentlichen L.ikUr 1 beim Aufbau des Landes zu machen. Sein konstruktiver (icist , steckte voller Anregungen mul Entwürfe. Doch lieh er keinen I Plan hinaus, der nicht in gründlicher Weise durch Experiment, 'f Rechnung und logische Uclu'rlcgung unterbaut war. Gerade » in dem Augenblick neuen iiulustiiellcn Aufstiegs, in dem er j eine wesentliche Rolle zu spuden berufen war, setzte (jtr; Tod seinem Trachten ein frühes Fäule. Er konnte wenigsten! r noch die Genugtuung erleben, die erste von ihm ins Werk י gesetzte Fabrikation nach schwierigen Anfängen aufbFthcn j zu scheu. Vorbildlich zeigte er sich auch darin, wie er allen , J besonders den Fachgcnossen, die ihn darum angingen, un• | eigennützig mit Rat und Tat zur Seite stand. I Um das Andenken des zu frillt Verschiedenen ah <Ja! ,! eines Chahtz auf seinem Gebiet zu wahren, hat der Vorhand der Ingenieure und Architekten die ihm überwiesene Fachj Bibliothek ztim Grundstock einer chemisch-tcrhnologischcn Bücherei gemacht, die den Namen des Verstorbenen trägt. Als " einzige Sammlung dieser Art in Tel-Awiw füllt sic eine emp• Endliche Lücke aus. Es ergeht an die Oeffcntlichkcit hier-; ii mit die Bitte, durch Zuweisungen dort benötigter Werke das Andenken Arinslrins zu ehren. (Sendungen und Anfragen sind | zu richten att den Verband der Ingenieure und Architekten, ,1 Tel-Awiw, Mazah-Straße.) H. Hei mann (Haifa), ,§ Zertifikate für Handwerker Jerusalem, 2. Juli. (|.T. A.) Die Palästina-Regierung fiat der Jewlsh Agency weitere 500 Eimvandcrungs-Zcrtili- C Rate für Handwerker mit einem Eigenkapital von minf destens 250 Pfund bewilligt. Von diesen Zertifikaten sind :: 200 zur Verteilung in Polen, 200 zur Ausgabe in Deutschf fand und 100 für aus Deutschland ausgewanderte Juden In verschiedenen Ländern bestimmt. § Kleine Nachrichten | Nach einer soeben veröffentlichten offiziellen Statistik I wurden aus Palästina im Laufe dieser Saison 5526097 Kisten י Orangen ausgcfiihrt. 64״׳ des Exports gingen nach Eng• land, 23 nach Deutschland. Der Minister für die Kolonien, Sir Philio Cunllffe- LI st er, hat am 3. Juli den Leiter des politischen Dcpar• tements der Jewlsh Agency in London, Prof. S. Bro־ dotsky, und den politischen Sekretär der Londoner Exekutive, A. Lottri, eninfangcn und erörterte mit ihnen Pro• blcmc der jüdischen Einwanderung nach Palästina und an• 1 dere das Jüdische Natlonalhcim betreffende Angelegenheiten, <.?{. Der Leiter des politischen Departments der Jcwish Agency J* gj in Palästina, Mosche Shcrtok, ist am 4. Juli nach Londanl Jj abgcrcist, wo er sich einen Monat aufhaltcn will. {15 Die Kcrctt I lajcssod-Kampagnc in Südafrika hif bisher j! 93 000 Pfund erbracht. Johannesburg hat zu dieser Summe'/•י, 48 000 Pfund beigefragen. 'ן.׳׳ Dr. Sch mar ja Levin hat nach einer längeren Krank• r S heit in Jerusalem atn 3. Juli einer Einladung des High Com• fff roissioners Sir Arthur Wauchope zum Frühstück Folge tjl geleistet. LJ Der Leiter der Erziehungs-Abteilung der PaUistina-Exc• fT| kutive, Dr. J. B. B e r k s o 11, ist zuriiekgetreten, hat sich J jedoch bereit erklärt, seine Funktionen bis zum Ende des f Schuljahrs weiter auszutibett. f Wie die ״Frankfurter Zeitung“ mitteilt, wurden im Oe• f biet von Bcrnkastcl Flugblätter verteilt, die sich in ׳ * schärfsten Worten gegen Einkäufe in jüdischen Geschälten J wenden. Wer beim Juden kaufe, so heißt es in den Flug• j f blättern, sei ein Volksverräter. Man werde ״jeden Volks• \ ln Wien ist der Prager Bankier und Großindustrielle § Dr. Otto Petschek, Mifgrümlcr und Gesellschafter der 1 Firma Petschek ft Co., nach längerem Leiden gestorben. Der ' ■ I Verstorbene war ein Wlrtschnftsfiilircr der Tschechoslowakei.; •j Er hat für kulturelle und humanitäre Zwecke viele Zu• j J Wendungen gemacht, auch für jüdische Wohlfahrtszweck«.. > ו**' c^T יזוז >*9)?־•^ st!* י.־ י.•».׳ , •יי.י•«••׳־•* י. #־* j) ־־ י \ ר</_. ,2 , . י..ן.ן.-ןן•ן .-^.1 -י Das *«to mit 4cm Sorg Leo Pimitm (Redaktion dt*4 ״Dau?af") J . J■• - 'n •. ' ' - . % in der Alknbyitraße vor dem Haus der ELüfadrufh Foto: Fatutliu JVtM-photo. .• ׳« , W \ ,, . 6. ''•) 1 t ־׳־ך; J , t ■*׳*׳?׳״<׳;% י;f יי *!׳!י )'׳ , .. ־ ׳V '/t f ״׳L?׳•;. י.•'! "•>׳ ן; ן jS* . I.—״-‘ t ׳ o1' \C'־U י »■*a« y~ 1-,: V u. ' V, : :1 ' i aV r1׳ . f I ' 1 ׳ x'E ' L. i ' - .~ :י׳ ן \ 4' "! :^ /1 1 ׳; •ן:■;. j i \ \ v »'יי! •׳ ״ :־ ■ / _ \ '"■'*3׳ A\'~‘''''f.. 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