Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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■4 Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53, 3. VIT. 1934 Erklärung der RcidisYcrtretun^ Die Rddisvcrircfung der deutschen Juden hat folgende Kundgebung erlassen: In Ueberdnstimmung mit der großen Mehrheit der deutschen Juden und unter Zustimmung der Vertreter aller Organisationen hatte die Reichsvertretung der deutschen Juden an die verschiedenen jüdischen Gruppen die dringende Mahnung erlassen, in dieser ernsten Zelt den pole mlsehen Richtungskampf ehmistcllcn. Die verschiedenen Gruppen hatten denn auch, ohne damit Irgend etwas von Ihrer Eigenart aufzugeben, bis vor kurzem diese gegen* scitlgc Bekiiinpfung unterlassen. In letzter Zelt Ist aber wieder bedauerlicher Streit ausgebrochen. Die Rekhsvertretung muß deshalb mit allem Nachdruck fcststcllcm Vatcrllindlsche Gesinnung und Zuverlässigkeit und Hingäbe an das deutsche Vaterland sind, ebenso wie jüdische Gesinnung und Treue gegen das Judentum, kein Sonderbesitz Irgendwelcher Gruppe der deutschen Judenheit. Die Anhänger keiner Gruppe des deutschen Jude nt u ms haben cs an vatcrl.Indischer Treue fehlen lassen. Keine Gruppe darf es für siel! allein beanspruchen, die vaterländischen Gesamtaufgaben des dcutsehen Judentums 2u vertreten. Dieses Recht kommt der Rclchsvcrtretung der deutschen Juden zu. Sie weift es zu wahren und auszuUben. Die Rdchtverireiung der deutschen Jaden Baeck. ♦ Palästina ״Justiz vor dem Uiitcrlicus London, 28. Juni. (J.T. A.) 111 der Umoriiaussit/unp: vom 28. Juni kam es zu einem scharfen Wortwechsel zwisclum dem Kolonienministcr nnd dem Abgeordneten Wedg* wood, der in Form einer Anfrage der Ansicht Ausdruck gegeben hatte, die p n I « s t i 11 c 11 s I s r 11 c Justiz wende gegenüber Arabern und Juden nicht gleiches Recht an. Wedgwood hatte den Kolonienministcr gefragt, oh gegen die Verurteilung des Arabern Dsclicmal U u s s c i 11 i zu einem Monat Gefängnis wegen Anstiftung zu Unruhen eine Berufung eingelegt worden sei, wann, falls dies geschehen sei, die Benifiirigsverliaiuilinig stattfiude und ob der Verurteilte in der Zwischenzeit gegen Kaution frcigclasscn worden sei. Kolonienminister Sir Philip C u n I i f f e - L i 8 t e r mit* wortetc: Dsclieinal Hussein! sei zu einem Monat Zwangsarbeit verurteilt worden. Der Mann habe Berufung eingelegt. Der Minister sei unterrichtet, daß der Fall am 5, Juli verhandelt werden würde. Abg. Wedgwood fragte weiter, ob dies ein Beispiel eng- 1 i s c h c r J 11 s t i z in Palästina sei. .Sir Philip Cunliffc-Lister: ״Es wäre für mich höchst unangebracht, das Vorgehen der Justiz, in dem einen oder anderen Fall zu kommentieren.“ Wedgwood: ״Körnten Sic sagen, daß jetzt in Palästina Arabern und Juden gegenüber das Recht in gleicher Weise angewandt wird?“ Der Kolonienminister: ״Jawohl, mein Herr, cs ist nicht Ihre Sache, eine Insinuation (Beifall) gegen die Justizverwaltung in Palästina vorzubringen, die die englischen Grundsätze von Recht in jeder Hinsicht befolgt.'• (Beifall.) Wedgwood: ״Und Ihre Sache ist cs nicht, mich darüber zu beiehren, wie ich englische Interessen wahrzunehmen habe.“ Welche Polemik hier gemeint ist, ist unseren Lesern bekannt. Der Bundesführer des Reichsbundes Jiidischer Frontsoldaten hat in der Zeitschrift ״Der Schild“ einen Aufsatz veröffentlicht, der in ziemlich unver* blümter Weise die These aufstclltc, die deutschen Zionisten seien in iiircr vaterländischen Zuverlässigkeit den Mitgliedern des von ihm vertretenen Bundes nicht glcichzusteilen. Achnliche Auslassungen sind auch weiterhin in der Presse des R. J. F. erschienen, und es wird kaum ein Held daraus gemacht, daß diese Agitation des R. J.F. darauf abzielt, in Deutschland eine günstigere Position für die ihm angchörcnden Juden auf Kosten anderer Juden zu erstreben. Dies soll - - vielleicht — «ängstliche und leichtgläubige Gemtitcr unter den deutschen Juden veranlassen, ihre innerjüdische Haltung demgemäß einzurichtcn. Die Kundgebung der Rcichsvcrtrctung hat offenbar die Absicht, die durch diese Auslassungen des R.J.F. heraufbeschworene innerjüdische Auseinandersetzung zu mißbilligen. Board of Deputies beim Kolonienminister London, 29. Juni. (J. T. A.) In einem offiziellen Cominunique des Colonial Office wird mitgeteilt, daß der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffc-Listcr, in Anwesenheit seines parlamentarischen Privatsekretärs Dugdalc und einer Reihe ständiger Beamten im Unterhause eine Abordnung des Jewish Board of Deputies empfing, die sich aus dem Präsidenten des Board, Ncville Laski, und den Herren Israel Feldman, Sir Osmond Eli d'Avigdor Goldsmid und Isidore Salmon zusammensetzte. Isidore Sahnon stellte dem Minister die Abordnung vor, die eine vom Board am 1t). Juni gefaßte Resolution zum Palästina-Einwan• derimgsproblcm überreichte. in der Resolution wird zum Ausdruck gebracht, der Board sei der Ansicht, daß die Ei n wa nd e r u n gs poIi ti k der Regierung weder mit den Bedürfnissen Palästinas noch mit denjenigen der breiten jüdischen Masse im Einklang steht, für die es angesichts ihrer Notlage von lebenswichtiger Bedeutung jst, daß die Tore Palästinas so weit svie möglieh geöffnet werden. Die Abordnung schilderte dein Minister die Stimmung innerhalb der Judenheit Palästinas und der anderen Länder angesichts der Tatsache, daß die Arbeiter- Schcdulen der Aufnahmefähigkeit Palästinas nicht entsprechen und Palästina dadurch an der vollen Ausnutzung seiner wirtschaftlichen und natürlichen Hilfsauellen gehindert ist. Die ganze Angelegenheit wurde hierauf in einer Aus* spräche 1'n allen Einzelheiten erörtert. Die Abordnung wies nachdrücklich darauf hin, daß eine große Zahl eigens für Palästina geschulter Jugendlicher auf die Erlaubnis zur Ern- Wanderung wartet. Der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffc- Li st er, gab am Schluß der Aussprache seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß diese Frage in gründlicher und praktischcr Art diskutiert wurde. Ueber die Grundsätze der Eiuwanderungspolitik, erklärte der Minister, hätten keine Meinungsvcrschiedcnheiten bestanden. Der Umfang der Einwanderung müsse bestimmt werden von der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkät des Landes. Die in Uebereinstirninung mit dieser Politik z.u treffenden Entscheidungen über ihre Durchführung müßten wie bisher einem an Ort und Stelle befind- Kchc״ Mann, dem High Commissioiier, überlassen bleiben. Er beabsichtige, dem Ifigli Commissioncr einen aus führ* liehen Bericht über die Besprechung zugehen zu lassen. Die Miliiärkonferenz in Palästina Zu der in der palästinensischen Presse veröffentlichte auch in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 51 wiedergegebem Nachricht über die Beratung m i l i t a r i s c h c r W ii 1 denträger im Paläst des High Commissiont in Jerusalem, die auch von einigen europäischen Zeitung( ״ "יייVorbereitungen für einen künftigen Krieg“ in Ve bindung gebracht wurde, teilt die von der Jewish Agem in Jerusalem herausgegebene ״Palcor“ mit: Wie wir ai sicherer Quelle erfahren, ist dieser Beratung keine b< sondere Bedeutung beiz.umessen. Derartige Beratung, finden jedes Jahr statt und haben den Zweck, die Rcsulta miütanscher Hebungen, die zu Anfang des Sommers reg! mäßig vorgenommen werden, zu besprechen. Die Uebung, ebenen Ictbghch der Ueberprüfung der Tüchtigkeit der Sielte heitskrafte, insbesondere für den Fall von Unruhen. Luftposfverkehr nach Palästina Gemäß Bekanntmachung des ״Amtsblatt des Reichspe nlmstcriums“ werden Luftpostsendungen nach 1 lastina und dem Ostjordaiiland von jetzt ab nicht mehr 1 e er Luftpostlmie Marseille-Saigon der Air France befördi die auf der Teilstrecke _ Neapel-Korfu-Athen-Castelross Beirut die deutsche Post mitnahm. Infolgedessen sind aut , f /42 .d,cr *.Jüdischen Rundschau“ vom 25. t gegebenen Uebersicht die Angaben der französisch?'״;״.?t rue 1 f.h« ״• Für die Luftpost werden von j« au» °!!A? 1!Mc e Linie Amsterdam—Bandot e n 1״l .cSLr!CkeI UaHe/Leipzig—Athen—Kairo—Gaza und sta« btnulrt” Lu״cn 1־«ndon—Singapore und London—K Der Aufruf der Rabbiner Jerusalem, 29. Juni. (J. T. A.) Der Distriktskommissar von Jerusalem, Major Campbell, hat die Oberrabbin er Kuk und Jacob Mcir zu sicli vorgelaclcn und sic warnend darauf aufmerksam gemacht, daß der von ihnen veröffentlichte Aufruf, in dem sie der Ueberzeugung Ausdruck gehen, daß Abraham Stavsky unschuldig ist, den Tatbestand der ״Mißachtung des Gerichts“ (C011tempt of Court) mit allen daraus sich ergebenden Folgen darstcilt. Oberrabbiner Kuk erklärte, cs sei nicht seine Absicht ge■ wesen, die Richter, die den Prozeß durchführtcn, zu beleidigen, doch schreibe das jüdische Gesetz vor, daß da, wo das Leben eines Unschuldigen auf dem Spiel steht, nicht nur die Entscheidung eines Gerichts, sondern sogar die Gebote der jüdischen Religion beiseite gelassen werden müssen. Wie die JTA. erfährt, hat Major Campbell die Rabbiner aufgefordert, ihm eine schriftliche Erklärung zu unterbreiten. Die Beisetzung Pinsker! in Jerusalem Jerusalem, 25. Juni. (J.T. A.) Am 24. Juni fand in Jerusalem die feierliche Beisetzung der vor kurzem aus Odessa nach Palästina überführten Gebeine des Gründers des Odessacr Komitees, Dr. LeoPinsker, statt. DerTrauerzug ging von der Ohcl Sclicm-Halie in Tel-Awiw aus, wo Tausende an dem Sarg vorüberzogen. Sämtliche Geschäftsladen waren während der Trauerprozession geschlossen, die sich durch zehn Hauptstraßen von Tel-Awiw, darunter auch durch die nach dem Toten benannte Pinskerstraße bewegte. Vor dem Stadthausc hielt der Zug an. Vizcbürgcrmcister Rokcach hielt eine Gedenkrede. Um 2 Uhr nachmittags langte der Zug im Hofe des Verwaltungsgebäudes der Jewish Agency in J e r u s a I e m an, wo er von einer großen Menschenmenge erwartet wurde. Nach Ansprachen von Mitgliedern der Agency-Exckutivc und des Waad Leumi wurde der Sarg zur Beerdigungsstätte bei der Hebräischen Universität auf dein Skopusberg getragen. Am Grabe sprachen der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, und der Univcrsitätskanzlcr Dr. J. L. Magnes. Kleine Nachrichten Chaim Nachmann Bialik ist vor zirka zehn Tagen nach Wien gekommen, um sich hier zur Linderung eines Nieren- und Blasenleidens einer Operation zu unterziehen. Die _Ope- Tation ist im Sanatorium Auersperg erfolgt, das Befinden des Dichters ist durchaus zufriedenstellend. Am Donnerstag, dem 28. Juni, wurde die Leiche Max Pallen bergs nach Wien überführt. Die Leiche des bei dem gleichen Fltigunfall ums Leben gekommenen Vorstehers der Jüdischen Gemeinde Helsingfors, Moritz S k u rni k, wird nach Helsingfors überführt werden. Auf dem Karlsbader jüdischen Friedhof fand für beide Verunglückten vor der Ueberführung eine Trauerfeicr statt. Am 6. Juli wird in London die dritte Weltkonfercnz des Verbandes für religiös-liberales Judentum (World Union for Progressive Judaism) eröffnet. Als Hauptthema der Konferenz, die bis zum 10. Juli dauern soll, wurde das Problem ״Judentum und Bestimmung des Menschen“ (Judaism and Human Destiny) gewählt. HiU I | CI UV. uic i'.'uasmiarcßKTunj; großen Ra d i 0 S en d cs t ג t io n in Jerusalem gearbeitet. Die Reichweite des Senders soll sich über al Länder erstrecken. Es wird berichtet, daß die nötigen A paraturen bereits in England bestellt wurden. High Commissioncr Sir Arthur Wauchope hat ang kündigt, daß aus den Mitteln der Palästina-Anleihe 40 0 Pfund für den Bau einer arabischen Ge werbt schule in Haifa, die vollständig aus Rcglcrungsmittc ■erhalten werden soll, verwendet werden. Gleichzeitig gi der High Commissioiier bekannt, daß für jüdische tcel 11 i s c 11 e Schulen eine Beihilfe von 20000 Pfund a den Mitteln der Anleihe bewilligt wird. Nach einer Meldung der ״Frankf. Zeitung״ aus Leipz hat der 4. Zivilsenat des Reichsgerichts als Re* sionsinstanz den bekannten Fall der Eheanfechtung Ni! (Karlsruhe) verhandelt. Das Obcrlandesgcricht Karlsruhe ha1 bekanntlich die Anfechtung der Nießscheit Ehe durch d Ehemann Nieß wegen Irrtums in bezug auf Bedci tung und Folgen der Rnsseversch Jeden he bei einem arischen und einem nichtarischen Ehepartner f berechtigt und die Ehe für ungültig erklärt. Der 4. Ziv Senat wird seine Entscheidung am 12. Juli verkünden. . Im *.Acrzteblatt für Bayern« wendet sich d Amtslcitcr der organisierten Aerzteschaft Mittelfrankens, t Streck, dagegen, daß in letzter Zeit die Inansprucl nähme jüdischer Aerzte durch deutsche Volk genossen ninchme. Wenn die zugclasscnen jüdischen Aerz auch gesetzlich die gleichen Berufsrechte genössen w deutschstammige Aerzte, so liege doch darin kefne gcsetzlic Verpflichtung, zum uidischen Arzt zu gehen. Da auf B fragen Patienten erklärt hätten, daß sie sich vergeblich t! einen deutschstämmigen Arzt bemüht hätten, sei der Ar; menst so zu organisieren, daß ständig ein deutschstämmle Arzt fuc vorkommende Fälle zu« Verfügung stehe. 8 Noch immer Klar Saba 1 Von unserem palästinensischen Korrespondenten. 1 Tel-Awiw, 20. Juni 1934, Hundert Tage sind vergangen, seit in Kfar Saba der ‘ Kampf um die jüdische Arbeit aufgeiiommen und vor den Plantagen, die Araber beschäftigten, Wachtposten autgesfellt wurden. In diesen htindert Tagen immer wieder dasselbe Bild. Vor dem Tor der Plantage trifft jeden Morgen die Postenkette ein; wenn sie kann, spricht sie mit den arbeitenden Arabern, regelmäßig meldet sich die Polizei und notiert die Posten. Das Wachestehen ist ja nach dem Gesetz verboten aber die Polizei verhaftet nicht, sie notiert »ich nur die Namen. Ihre Listen füllen sieh mit den Adressen der vcrschiedensten Leute; Arbeiter und Arbeiterinnen, Studenten aui Jerusalem, Aerzte, Anwälte, Schauspieler, Lehrer, Journalisten Menschen aus den verschiedensten Stünden und Gegenden' sogar Touristen. Sich die!,osten in Kfar Saba anzusehen wird zu einer Art von Sport. Aber trotz, der großen Publizität und der starken Anstrengung der Arbeiter hat sich im l aufe dieser 100 Tage eigentlich sehr wenig g c ä 11 d c r t. Der Konflikt in Kfar Saba hat sich zu einer Art ,,Stellungskrieg" entwickelt, Keine Seite gibt nach. Die Pflanzer fühlen die Kollegen aui den alten Kolonien hinter sich, die von jeher überzeugt sind daß man ״gemischte Arbeit“ brauche. Die Arbeiter können und wollen nicht nachgebcu. Der Nachschub der Einwanderung ist nicht stark genug, um einen wirklichen Druck auf den Arbeitsmarkt atisziiühcn. Der Einfluß der nationalen Instanzen wie des Waad Leumi hat sieh als unzureichend erwiesen, Ein paar der Aktiven haben bereits ihre Gefängnisstrafe aN gebüßt, andere der Arbeiterführer sitzen nocli im Gefängnis, Auch aus bürgerlichen Kreisen ist den Arbeitern in diesem Kampf Hilfe gekommen. Aber zu einer Entscheidung hat man es nicht gebracht. Unterdessen sind in Ncss-Zionah und P et ach• Ti k wah Bewegungen entstanden, die zeigen, wie kompliziert die Frage der jüdischen und arabischen Arbeit im Lande ist. Während sich die Pflanzer von Klar Saba Araber cinstellten| teils weil sic 711 Beginn der Entwicklung keine Juden bekom• men konnten, teils, weil der unorganisierte Araber eine Waffe gegen den Juden darsullte, teils weil er billiger war, began• nen die in den jüdischen und arabischen Plantagen beschäl• tigten Araber in Ness-Zionah zu streiken. Sic verlangten 18 Piaster pro Tag statt der bisherigen 12. Das ist für Pa• lästma eine Neuerscheinung. Wir kennen zwar Streiks ara• bischer Arbeiter in der Industrie oder in den Häfen, in den Siedlungen jedoch gab es so etwas wie einen Streik der Plan• tagenarheitcr kaum oder höchst selten, und in dem Streit, ob es richtig sei, die Araber gewerkschaftlich zu organisieren, hat man immer betont, daß es vor allem gar nicht möglich sei, weil man dieses Element überhaupt noch nicht organisieren könne. Jetzt hier in Ness-Zionah zeigte es sich, daß es anders stand. Es waren immerhin mehr als '200 Menschen, die ihre Forderungen stellten und sie verteidigten. Sie setzten auch in der Tat einen Teil ihrer Forderungen durch und gelangten an verschiedenen Stellen auf einen Lohn von 15 Piastern pro Tag. Jetzt scheint eine ähnliche Bewegung Pet ach• Tik« wah zu erfassen, wo ebenfalls ein Streik aulgeflammt ist und man auch 11m Lohnerhöhungen kämpft. Es ist natürlich, daß diese ersten Versuche der Fellachen und arabischen Ar• beiter, sich ein gewisses Lohnniveau und bestimmte Rechte zu erkämpfen, zu einer Annäherung an die jüdische Arbeiter• Organisation führen müssen, die imstande wäre, ihnen eine Stütze und Rat bei ihren Bestrebungen zu bieten. In diesem Zusammenhang ließe sich vielleicht auch ein Ucbercinkommen und eine Abgrenzung in der Frage der Arbeitsplätze finden. Freilich liegen die Verhältnisse, wie man es in Ness-Zionah studieren kann, noch komplizierter als sie schon erscheinen. Denn unter den Streikenden sind nicht nur Palästinenser, sondern auch Aegypterund Beduinen aus der Gegend von El-Ariscli. Hier stehen sich nicht mehr zwei, sondern drei Oruppen gegenüber: der Jude mit dem höchsten Lohn* niveau und einer europäischen Lebenshaltung, der palastinen• sische Araber, der ein niedrigeres Niveau hat, aber durch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte schon an bessere Arbcits* Verhältnisse gewöhnt worden ist, und der neue Einwanderer aus den Nachbarländern, der vielfach bereit ist, nicht nur den Juden, sondern auch den einheimischen Araber zu unterbieten. Ein Ausgleich des Lohnniveaus zwischen Juden und Arabern läßt sich im Laufe langer Jahre und mit vielen Rückschlägen vielleicht erzielen, dagegen wird dieser Prozel) immer wieder gestört, sobald von den Nachbarländern, die ein niedri• gcrcs Lohnniveau als Palästina haben, unkontrollierter Zuzug kommt, ln Ncss-Zionah freilich haben auch diese ägyptischen Arbeiter die Tendenz gezeigt, für ihr Recht zu kämpfen und den Streik zu halten, ilire normale Organisierung dürfte jedoch sehr viel Schwierigkeiten machen, da sie nicht fest am Orte sind und mir Zufallscrscheimingcn aut dem palästinen* sischen Arbeitsmarkte darstclleii. Der so lange anhaltende Konflikt in Klar Saba und die arabischen Streiks in Ncss-Zionah und Petach-Tikwah geben eine grelle Illustration für die Probleme der jüdisch-arabischen Arbeit, mit denen man sich seit Jahrzehnten im Lande ausemandersetzt und die immer wieder in der einen oder anderen Form auftauchcn. Das Verhalten der Araber in den Streik! zeigt weiter, daß sich hier Neuerungen durchsetzen, daß sic von den Juden viel an Kampfmitteln und Organisation gelernt haben und daß die aktuelle Politik mit diesen Neuerungen und Kenntnissen zu rechnen hat. Gegen den jüdischen Viehhandel Das ״Frankfurter Volksblatt“, Frankfurt a. M., vom 21. 6. berichtet über die geplante Gründung einer Vieh• vcrwertungsgcscllschaft in Battenberg und sagt hierzu u. a.: ״F.s ist erfreulich’, 'daß mm endlich auch im Amtsbezirk Ballenberg die Vieh verwert ungsgcnosscnschaft aufgezogen wird, damit künftig der Absatz des anfallenden Viehes und Schweine unter vollständiger Ausschaltung des jüdischen H » n Bels zum Nutzen der Landwirte abgesetzt werden kann.“ 23. Juni 1934 bringt die ״Berliner Börse n 1 c I tung" einen Artikel ״Gefährliche Musik an der Saar“, der energisch gegen das Verbot des französischen Generaldirektors der Saargruben, Guilleaume, Stellung nimmt; nach einer ״Dienstanweisung“ ist cs den Bcrgkapellen bei Strafe der Auflösung verboten, auch bei Privatkonzerten deutsche Lieder zu spielen. Die ״Bcrl. Börscnz.eitung“ schließt den Ar• tikcl mit den Worten: ״Hierzu bemerkt die ״Saarbr. Ztg.“ Nicht nur die eigentliche Dienstanweisung für die Berg׳ kapcjlen ist interessant, sondern interessanter ist auch di< Verfügung, daß der Abteilung ״Ueberwachung“ die Dienst anweisung zur Kenntnis gegeben wird, damit diese über׳ wacht, daß keine Kapelle das deutsche Volkslied ,Ich weif nicht, was soll es bedeuten' spielt —— Es ist woh C״i^CMt,׳da!ßt.d״ h,ier 8cnanntc ״Deutsche Volks iied“ von Heinrich Heine gedichtet ist. T.S-