Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m ן Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53, 3. VII.!934 Die Stellung der kaiserlich-deutschen Politik zu Theodor Herzl Von Dr. Willy Cohn, Breslau Nachdem Theodor Herzl anläßlich des Dreyfus-Prozesses in Paris (1895) in einem unvergeßlichen Augenblick die zio• nistischc Idee erfaßt hatte, war es ihm klar, daß er zu ihrer Verwirklichung versuchen mußte, an die ()roßen der Erde heranziikonimcii. um sic für seine Gedankengänge zu erwärmen. Man vergegenwärtige sich kurz die politische Weltlage: Palästina war im Besitz der Türkei, und dieses Reich schien unter der Regierung des Sudans Abdul Hamid in einem Zustande fortgesetzter Auflösung. Andererseits war die deutsche Orientpolitik aktiv geworden. Das junge deutsche Kaiserreich versuchte nach der Seite des Nahen Ostens seine Fühler auszustrcckcn. Der Oedanke lag außerordentlich nahe, aut dein Wege über die deutsche Politik den Sultan für die zionistischen Pläne zu interessieren, auch für Deutschland konnte es verlockend sein, durch Palästina im Orient Einfluß zu gewinnen. Da Theodor Her/I glaubte, daß das Judcnvolk nach seiner Rückkehr in das Land der Väter die Sprache und Kultur seiner bisherigen Umwelt beibehaltcn würde, erschien es ihm sehr wahrscheinlich, daß das Deutsche eine beherrschende Stellung cimichmen würde, und auch so konnte der Gedanke eines deutschen Protektorates über Alt- Neuland für die deutsche Politik reizvoll sein. Bekanntlich war der erste Souverän, der sich für das hohe Ideal Her/Is begeisterte, Groß 11 erzog Friedrich II. von Baden, der als einer der hervorragendsten Mitbegründer des deutschen Kaiserreiches auch in der Zeit Kaiser Wilhelms II. noch seinen Einfluß auszuüben vermochte. Hier fand ller/1 durch Pfarrer Hechler Eingang, und durch den badischen Fürsten versuchte er schon frühzeitig — im Oktober 1897 — eine Einführung beim Kaiser zu erreichen. Jedoch erhielt er am 1. Dezember einen ablehnenden Bescheid. — 1111 Januar des nächsten Jahres hatte Hcrzl Gelegenheit, mit dem Chef des Kaiserlichen Zivilkabinetts, Lu• canus, zu sprechen. Er erlangte auch damals noch nicht die gewünschte Audienz, aber er erfuhr, daß der Kaiser bereits über den Zionismus unterrichtet war. Wir finden in jener Zeit im T agebuch Herzls, jenem so überaus sorgsamen und aufschlußreichen Dokument der Entwicklung des Zionismus, immer wieder Entwürfe von Briefen eingestreut, die er an den Kaiser verfaßte. Die Hcrzlschcn Eingaben sind über den badischen Groß* herzog nach Berlin gelangt und haben dem deutschen Kaiser die ersten Informationen gegeben. Wilhelm II. rüstete damals zur P a I ä s t i n a f a h ז t. Auf dem Hoden des Heiligen Landes vom deutschen Kaiser empfangen zu werden, erschien Hcrzl als ein Ziel, das einen ungeheuren Fortschritt bedeuten würde. Sorgsam wurden nach allen Seiten die Fäden gesponnen, und cs war immer wieder der badische Großherzog, der die Wege ebnete. Anläßlich der Leichenfeier der ermordeten österreichischen Kaiserin halte Hcrzl ()liegenlieit, mit dem Freunde des deutschen Kaisers, Philipp von Lu len bürg, zu sprechen, der seinerseits für den Zionismus interessiert war. Die Unterredung fand am!6. September 1898 in der Deutschen Botschaft zu Wien statt. Eulenburg fragte Hcrzl, was er vom Kaiser In Konstantinopel wolle, ob Wilhelm II. dem Sultan sagen solle, daß er den Juden das Land und die Autonomie geben möge. Hcrzl antwortete (nach seinem Tagebuch): ״Nein, der Kaiser solle nur dafür ein Wort eiulcgen, daß der Sultan sich mit uns in Verhandlungen cinlasse. Die Sache sei ja sehr kornpliziert. Um die F.inwandcrungscrlaubnis handele es sich uns gar nicht. Wir nehmen das Land nur mit einer Autonomie.“ Der Gegenspieler war Graf Bernhard von Bülow, der spätere Reichskanzler, der der Bewegung kühl und ablehnend gegenüberstand. Leider sind ja bekanntlich die ״Denkwürdigkeiten des Fürsten von Bülow“ in ihren Einzelbeiten historisch nicht recht zuverlässig. Aber es ist bemerkenswert, daß er in ihnen Theodor Herzl einen ״geistreichen, vom heiligen Eifer für die Sache des Zionismus erfüllten Wiener Publizisten“ nennt. In Wien spiach llerzl auch mit Bülow. Dieser erwies sich über den zweiten Basler Kongreß bereits unterrichtet. Das Gespräch verlief in höflichen Formen, aber Herzl merkte deutlich heraus, daß Bülow deswegen nicht für die Förderung der zionistischen Pläne war, w׳cil er aus jhnen eine Erschwerung der weltpolitischen Lage für Deutschland fiirchtete. Ehe man an dieser Stellung Bülows ein Wort des Tadels findet, muß man sich deutlich vor Augen stellen, wie überaus heikel die gesamte türkische Frage damals war. Bülow trug die Mitverantwortung für die Richtung der deutschen Politik, und er durfte sich nicht den Luxus leisten, von gefühlsmäßigen Wallungen fortgerissen zu werden. Für den deutschen Kaiser sahen die Dinge zum Teil anders aus. Ihm erschien cs als außerordentlich epochal, auf palästinensischem Boden nicht nur von Mohammedanern und Christen, sondern auch von den Juden empfangen zu werden und hier so gewissermaßen als Freund und Be- Schützer der drei Wcltretigionen einen neuen Abschnitt der Weltgeschichte ciimilciten. Im Oktober wurde Theodor Hcrzl durch Philipp von Eulenburg auf dessen Schlosse von dem Grafen empfangen. ״Der Kaiser“, so sagte dieser, ״hat die Sache genau kennengeicrnt und ist voll Enthusiasmus. Das Wort sagt nicht zu viel, er ist ganz enthusiastisch eingenommen für Ihre Idee. Er spricht mit großer Lebhaftigkeit davon, denn man hat Vertrauen zu Ihnen. Aber cs wird jetzt erachtet, daß es besser ist, Sic in Konsfantinopcl und in Jerusalem zu empfangen. (Es scheint, das lieft mir der Kaiser durch ihn sagen.) Die Sache scheint auch gut zu suchen. Von Herrn von Marschall (dem damaligen deutschen Botschafter in Konstantinopcl) ist ein guter Bericht gekommen, und das ist ja auch schon ein Erfolg. Der Kaiser glaubt, daß der Sultan seinen Rat jedenfalls gut aufnehmen werde. —.Der Kaiser hat nun die Vermittlung über• nommen, und er will sie durchführen. Er ist mit Enthusiasmus dafür.“ Am 18. Oktober 1898 wurde llerzl von Wilhelm II. im Yildiz Kiosk in Konstantinopcl empfangen. Der Kaiser bemächtigtc sich bald des Gespräches und erklärte dein zlonistischen Führer, warum ihm die Bewegung zusagte; und er bemerkte unter anderem, ״er glaube, die Juden würden für die Kolonisierung Palästinas cintrctcn, wenn sie wüßten, daß er sie unter seinem Schutz belinlle, daß sic also eigentlich Deutschland nicht verlassen.“ Bülow ergänzte: ״und sie würden hoffentlich dafür dankbar sein.“ ״Aber er" — so heißt es im Hcrzlschcn Tagebuch — ״machte mich darauf aufmerksam, daß die reichen Juden nicht für meine Gedanken seien.“ ״Auch die großen Zeitungen sind nicht dafür, ״amentlieh Ihre eigene Zeitung (die Wiener ״Neue Freie Presse“) nicht." Als man auf die Schwierigkeiten zu sprechen kam, die die Türkei machen könnte, äußerte der Kaiser: ״Es wird doch wohl einen Eindruck machen, wenn der deutsche Kaiser sich darum kümmert, Interesse dafür zeigt,“ Die Tage der Ueberfahrt von Konstantinopcl nach Jaffa gaben Herzl die notwendige Entspannung und Sammlung, um sich für staatspolitischc offizielle Begegnung vorzuberei• tcn. Die Eindrücke, die er vom Lande der Väter 111 sich aufnahm, bestärkten ihn in seinen Plänen, die er intuitiv erfaßt halte. In Mi k weh Israel begrüßte er das erstemal auf palästinensischen Boden den deutschen Kaiser. Hcrzl notiert darüber in seinem Tagebuch u. a. das Folgende: ״Ich gab dem Schülerchor von Mikweh das Zeichen zum Absingen des ,Heil Dir im Siegerkranz‘ mit der Hand. Ich stellte mich an einen der Flügel hin und zog den Korkhelm. Der Kaiser erkannte mich schon von fern. Es gab ihm einen kleinen Ruck, er lenkte sein Pferd zu mir herüber — und hielt vor mir an. Ich trat zwei Schritte vor; und als er sich auf den Hals des Pferdes nicdcrbcugtc' und mir die Hand hinstreckte, trat ich ganz dicht an sein Pferd heran, streckte meine Hand hinauf und stand entblößten Hauptes vor ihm. Er lachte und blitzte mich mit seinen Herrenaugen an: ״Wie geht’s?“ ״Danke, Majestät! Ich sehe mir das Land an. Wie ist die Reise Majestät bisher bekommen?“ Er blinzelte mächtig mit den Augen: ״Sehr heiß! Aber das Land hat eine Zukunft.“ ״Vorläufig ist es noch krank“, sagte ich. ״Wasser braucht cs, viel Wasser!“ sprach er herab. ״Ja, Majestät! Kanalisierungen in groflem Maßstab!“ Er wiederholte: ״Es ist ein Land der Zukunft!“ In Jerusalem selbst wohnte der Kaiser in einem Zeltlagcr, und liier in diesem Lager hielt Hcrzl die Ansprache, die er vorher cingcrcieht hatte. In ihr hieß es am Schluß: ״Ein Kaiser des Friedens zieht mächtig ein in die ewige Stadt. Wir grüßen Ew. Majestät in diesem Augenblick und wünschen dabei aus tiefster Brust, daß ein Zeitalter des Friedens und der Gerechtigkeit anbrechen möge für alle Menschen, auch für uns!" IJeber den Verlauf der Audienz liegt ebenfalls die genaue Aufzeichnung Herzls in seinem Tagebuch vor. Das wesentliche ist, daß der Kaiser sagte, nachdem er sich für die Mitteilungen bedankt hatte: ״Die Sache bedarf jeden״ falls noch eines eingehenden Studiums und weiterer Aussprachen.“ Und nun, nachdem ein so großer Anlauf gemacht wor• den war, hätte man annelimen müssen, daß die deutsche Politik sich weiter für die Sache einsetzen würde. Hier ergänzen die schon erwähnten ״Denkwürdigkeiten“ Bernhard von Biilows die Herzischen Tagebücher, In dem Erlnne• rungsbuchc des deutschen Reichskanzlers heißt es:. ״Wilheim II. war anfänglich Feuer und Flamme für die zlo• nistischc Idee, weil er auf diese Weise sein Land von vielen ihm nicht besonders sympathischen Elementen zu befreien hoffte. Als ihm aber der damalige türkische Botschafter in Berlin, der uns auf unserer Orientreise begleitete, klar• gemacht hatte, daß der Sultan vom Zionismus lind von einem unabhängigen jüdischen Reich nichts wissen wollte, ließ er die •zionistische Sache fallen und weigerte sich, ihre Vertreter in Zion zu empfangen.“ Die historische Wahrheit aus diesen Zeilen Bülows her* auszulesen, ist gewiß nicht schwer. Es ist unrichtig, daß Wilhelm II. aus dem von Bülow angeführten Grunde die zionistische Idee förderte, gerade das Gegenteil ist der Fall gewesen. Gewiß, in der Unterredung in Konstantinopcl sprach Wilhelm 11. auch von unangenehmen jüdischen Eiementen, aber der deutsche Kaiser erkannte sehr wohl den hohen Schwung, der in der zionistischen Idee lag. Und auch der letzte Satz des eben angeführten Zitats ist unrichtig. Tat• sächlich ist ja Herzl in Jerusalem offiziell in Anwesenheit Bülows empfangen worden, und wir lassen cs dahingestellt, ob Bülow in seinen Memoiren ein Gcdächtnlsfchlcr unterlaufen ist, oder ob er absichtlich die Dinge anders dargcstellt hat, wie sic waren, denn richtig bleibt der mittlere Satz. Weil der Sultan vom Zionismus und von einem unabhängi• gen jüdischen Reich nichts wissen wollte, glaubte die offi* zielte deutsche Politik die zionistische Sache fallen lassen zu müssen, und unter Ihrem Einfluß Ist der Kaiser von ihr abgerückt. Vielleicht war es Bernhard von Bülow, als er seine Memoiren nach dem Weltkriege schrieb, unangenehm, zugeben zu müssen, daß die deutsche Politik sich diese große Chance der Förderung des Zionismus hatte entgehen lassen, nachdem die englische Regierung sic durch die Balfour* Deklaration aufgriff. Heute, wo die Welt vor einer völlig anderen politischen Lage steht, bleibt cs aber doch für jeden, der nun dreißig Jahre nach dem Tode Theodor Herzls die Ocnialität seiner Gedankenlührung bewundert, bemerkenswert, daß der deutsche Kaiser, daß Männer, wie der Großherzog Friedrich II, von Baden, zu einer Zeit die Zukunft des Zionismus begriffen, als das geldbesitzende Judentum im Zionismus nuT eine an• gebliche ״Gefahr“ für seine wirtschaftliche Stellung sah. Kurz darauf wurde Herzl im Potsdamer Stadtschloß von u u1 Reichskanzler Chlodwig von Hohenlohe in Anwesenheit Bülows empfangen. Wenn auch hier wieder die Abnagung der leitenden Staatsmänner gegen die zionistische Idee חן Erschnmm^ trat, so i^g doch die Richtlinie der Kaiserlichen Politik m dieser Sache fest, und der Empfang Ineodor Herzls in Palästina war gesichert. Die Einzelneuen wurden ut der Form verabredet, daß Herzl beauftragt wurde, die Ansprache, die er in Jerusalem halten würde, den zuständigen deutschen Instanzen vorher vorzulcgcn. ^crz* SG'nen Eindruck über diesen Empfang zu Papier?Br 4r d'c Schwierigkeiten, die ihm Stauden, <lurc',aus, kjar. Wenn er auch noch mit der Möglichkeit rechnete, daß ־die führenden deutschen Staats- ״a""?r "5 gespielte Gleichgültigkeit an den Tag legten, dort! .1 *I Dl1*! ,1er ane?rcn• Erklarung, die er sich aufschrieb, nirio 1^״e Slnd mit dem kaiserlichen Gebieter zutrHrnem ln.C1C»״’,es •1־her doch nicht, ihm entgegenscher &,2C b'־handc1׳' als0 vo>läufig die Sache mit düatoristellen nan״ lm Seficbenen Augenblick ein Bein zu stellen und das. Ganze zu Fall zu bringen.“ Mcrzl wußte. daß, wenn er hier weiterkonimen wollt# ™Ä är/ ‘!it׳“ ״“״•8 ׳"“"SiS .versuchen mußte, alle Hemmungen fortzureißen. Der Gang zum Herzl-Grabe in Wien Wien, 25. Juni. (J.T. A.) Der Gang zum Grabe Herz am 24. Juni wäre beinahe unmöglich geworden, da d Polizei am Abend zuvor mit Rücksicht auf das allgemein Verbot von Aufmärschen auch den Herzi-Orabgang ve bieten wollte. Nach langen Verhandlungen ließ sich d Polizei dazu bewegen, den Gang zum Grabe Herzls in lose Gruppen zu gestatten. Der Aufmarsch in .geschlossen! Formationen blieb verboten. Die Beteiligung der Wien! Judenschaft war trotzdem außerordentlich groß, Herzl-Fclcm in der Schweiz. Die jüdischen Organlsatic in . der Schweiz beabsichtigen, an allen Orten mit jüdisc Gemeinden das Andenken Theodor Herzls zu feiern. Basel und Zürich werden die Veranstaltungen einen beton feierlichen Charakter tragen. An beiden Orten hat die inncrungsrede Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee (Berlin) ü nommen. ׳ llerzl der Gemeinschaftsbüdncr Von Julian Silberbusch. Tief im Felsen Morinh, auf dem Gott einst die Weh gründete, so erzählt eine Legende, fault das Herz Adam»׳ und alle Teile seines Körpers, zerstückelt und zerstreut über die ganze Welt, faulen ob des Hasses und des ewigen Hader» der Menschheit und zersetzen Täler und Berge, Inseln und Festland. Als aber Salomo den Tempel des Friedens zu bauen begann und Friede eiiikehrte zwischen Mensch, Tier und Pflanze, da fing das Herz, das faulende Herz Adams, stärker zu schlagen an, alle Glieder belebten sich, rückten zusammen und begannen so wieder den Menschen, den neuen, friedlichen gerechten Menschen zu bilden ... 1 So auch mit den faulenden Gliedern, mit den faulenden Trümmern des jüdischen Volkes. Ah Hcrzl in diese Trümmer die Losung hincinwarf, daß sie ein Volk sind, als Herzl die Grundlagen des politischen Zionismus aufrichtctc, als Herzl die Idee vom Aufbau des jüdischen Heims formulierte und in die jüdischen Massen trug, da baute er wohl nicht den Tempel, die Heimat Gottes, sondern legte das Fundament für die Heimat des jüdischen Volkes. Und wie in der I egende begannen die abgestorbenen Glieder, die faulenden Trümmer’ sich zu beleben, sich zu nähern und wieder eine neue Qt! mcinschaft zu bilden. Herzl ist also der große jüdische Gern ein. schafts biUlner der gegenwärtigen Zeit. Wollen wir den wesentlichen Grutulzug eines solchen Gemeinschaft», bildners charakterisieren, so wie er sich uns im Wandel der Jahrhunderte hei allen Völkern zeigt, so müssen wir fest, stellen, daß dieser immer ein einzelner, großer, ge. nlaler Mensch ist, und daß die wahre Gemeinschaftsbildung nur von dem kommen kann, der durch die H ö II e der Einsamkeit hindurch^ gegangen ist, der die Hölle des Mit• sich- Alleinseins bis zur Neige ausgekostet hat. Wer die Allmacht Gottes in sich aufnehmen und *eine eigene Sendung erfüllen will, der muß zuerst in seinem Herzen eine Wüste bereiten. Und so sehen wir, daß Mosel die Einsamkeit aufsuchte, zuerst sich von den Aegypten! isolierte und dann wirklich in die Wüste ging, bevor er das jüdische Volk einte und aus der Sklaverei herausführte, und wir sehen Buddha in seiner Abgeschiedenheit und Luther in der Einsamkeit seiner Zelle, bevor sie beide Begründer von großen Wcltrcligioncn wurden. Eine indische Sage erzählt von Buddha folgendes: Ein junger Prinz verließ eines Tages den kaiserlichen Hof, um spazieren zu gehen und traf auf der Straße einen Kranken; er stockte zuerst, ging dann weiter und begegnete einem alten, gebrechlichen Mann, der die Last der Jahre kaum noch zu tragen vermochte; und schließlich sah er einen Toten vorbeitragen — alles Dinge, die jeder Mensch tagtäglich sehen kann und die daher gar keinen besonderen Eindruck auf ihn machen. Aber der Prinz war ein nachdenklicher Mensch, es wurden ihm die tieferen Zusammenhänge alle» dessen, was er gesehen hatte, klar, und so kehrte er nicht mehr ־ in das königliche Schloß, zu seiner gewohnten Be• schäftigung, in das Haus seines Vaters zurück, sondern ging in die Einsamkeit und — wurde zum Stifter der buddhistisches Religion. So erging es auch Herzl: er, der in vollständiger Assi• milafion aufgewachsen war, er, der ein Held der Salon» wurde, er. der nichts von seinem Judentum wußte und gar keine Bindungen mit den Quellen des jüdischen Seins besaß - er geht auf der Straße und hört Gassenbuben Hep-Hcp schreien; er ist Mitglied einer deutschen Verbindung und erlebt den Beschluß, daß keine Juden mehr aufgenomraet ' werden dürfen; er befindet sich in Paris und sieht und erlebt die Hochflut von antisemitischem Haß, die um Drevfu» brandete — also alltägliche Dinge, welche den gewöhn• liehen Menschen kalt lassen und Ihn nicht zum Nachdenken anregen. Aber Herzl ist ein nachdenklicher Mensch, er zieht sich von allem zurück, er erkennt die Zusammenhänge und den tieferen Sinn dieser scheinbar alltäglichen Ereignisse, und so kehrt er nicht mehr in das ihm gewohnte Haus der Assimilation zurück, er geht In die Einsamkeit, schreibt de« ״Judenstaat" und wird zum Begründer der zionistischen Bewegung, zum Wiedererneuercr des jüdischen Volkes, tritt also in die große Reihe der Gemeinschaftsbildner alle( Zeiten dn. Herzl der Verwöhnte, Herzl der Gesellschaftsmensch, verzichtete auf das ruhige, behagliche Leben, verzichtete auf die große Karriere und auf die Lorbeeren des Tages und ging zu seinem Volke, zu den Trümmern seines Volkes, um « kennen und lieben zu lernen. Und wie in Moses die altes Lieder seiner Mutter Jochcbeth aufwachten, die Lieder seiner leidenden Brüder, die zu ihm vom Messias, dem friedvollen und gerechten, sangen, so daß er freiwillig das Los auf sich nahm, das jüdische Volk seiner Sendung entgegenzuführen - so wachen auch in Herzl die alten, beinahe versiegten Ströme der Tradition und der jüdischen Verbundenheit auf. Und er einte die Trümmer seines Volkes, indem er es auf den Weg der Freiheit führte. Hcrzl sah die Verwirklichung seines königlichöl Traume«, während er am Wege starb. Wälder in Ercz Israel — die Wegzeichen des Aufbaui In dreljalirzehntelangcr heldenmütiger Pionierarbeit hat dal neue Geschlecht starker und stolzer Juden unter sch men• vollen Opfern an Leben und Gesundheit aus malariaver־ gifteten Sümpfen blühende Ebenen, aus verkarsteten una Kahlen Gebirgen schattenspendende und neuen Boden zeu• gende Waldlandschaft gemacht. Wälder in Ginegar, Kfar Hachoresch, in Mischmar Ha• emek, in Kirjatli Anawim, in Ben Schemen, Wälder in all« Teilen des Landes sind die Wegzeichen des Aufbaus. Noch ist viel zu tun. Mehr denn je verlangt heut« Ercz Israel unsere Kräfte und die tatvcllc Bekundung unsere» Aufbauwillcns, Der 30. Todestag Theodor Herzls soll daher 11t einem besonderen Maße dem jüdischen Voik AnlaS sein, sich dem Vollstrecker seines nationalen Aufbauwillen», dem Keren Kajemeth Le!Israel, und damit Eres Israel durcs die Spende eines Baumes zu verbinden. Vergrößert unser Werk! Spendet Bäume für Erez Israel! Keren Kajemeth LeJIsrael (JUd. Natlonalfonrfs E- V.). Berlin W 15, Meinekestr. 10. Postscheckkonto 28247. _ Anläßlich des 30, Todestages Theodor Herzl• giM Z. F. Fink eist ein ein neues Buch ״Theodor Herzl« letzter Frühling“ heraus. Das Werk behandelt Epi• soden aus Herzls Familienleben, den Kampf um Uganda, oi{ Reise nach Rußland, verschiedene Phasen von Herzls diplo־ matischer Tätigkeit usw. , Rie Exekutive der Zionistischen Organisation In London gibt bekannt, daß sie anläßlich des 30. Todestages Theodor Herzls am 3. Juli eine englische N eu• Ausgabe von Herzl• ״Judenstaar veranstaltet