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Jüdische Rundschau · 1934-06-22 · Heft 50 (22.6.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 50 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I 22 .50 .זיא. VI. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 1ף K>0. Itllsi |u1| 1 ','^vah, trhslUn "״ An! Kund. .וי¬ ו, י1 in Iffi |״IS '!flll It 1 j!1c *!.' "״II, lasli11as 8einer lav-kys Coniit'cc >rk < in. *. Pro». '״ Auf. fl'8 h׳'. 'l״p״R ״‘־dint'i, ‘'ntlicht er MC|, n Aus. 5rofest. rRielSen . IwM w*?MmumUU׳ Neustadt Sodom •Gomora Von Dr. Bernhard Ascher (Odud Awodah, Pluga Sodom-Q amora) I. ... Und die Erde war wüst und leer, es war, sozusagen, überhaupt nichts auf ihr, nicht einmal ein die Pflanzenwelt ffpr.iscntiercndcs Urashätmehen. Und der Sturm wehte so {׳cwaltig über den Wassern des Toten Meeres, (lall wir Misere Anliäiigcschiffc bei Massada, der alten jüdischen l'cstung, als ״havariert“ abhangen und sie am nächsten Morgen suchen inullteu und dall wir für die kurze Strecke vn11 Kallia im Norden bis nach S o d 3111 im Süden des Meeres (SO km) zwei Tage brauchten. Und am ersten Tage nach unserer l.auduu!. c Sa• unter• 'fahren ht vor fll b der , dem enden li aus eitlen, . Pas ׳c In• : dein cdocli isation ׳ wtir• nacht, t, aus lungsdann :, von h ge• mildes i e rt. Stadt• ]rück• neben 1 sind ו der v die n e u .ager, schell dieser Eng• 1 erc mehr als der Salzwar auch nicht viel nichts da; nur cm paar Betten standen mitten in «liste, mul ein paar müde Juden lagen in ihnen. Dann aber packten wir ans, an und zu. Bald stand das erste Zelt — und fiel wieder um. Nicht nur einmal, denn der Sturmwind am Toten Meer ist zwar sehr erfrischend, aber auch hartnäckig. Heute sieht die Sache schon anders aus: Sodom-tiomora-Neustadt stellt, zehn Tage nach ihrer Gründüng, fest und groll da: Acht Zollhäuser und vier Zrifim (Holzhäuser), davon eines sogar mit Bctonfullboden und eines mit Wcllblcchwäiidcn, Wasserleitung mit Brause, eine fertige und eine werdende Kraftstation, elektrisches Licht (man denke!), Lastauto, Personenauto, llafeu, ״Platte״, Mandoliiie, Ziegen und leider sehr v״'״׳ Fliegen, die endlich in uns einen dankbaren Frellgegcnstand nach dreitausend Jahren Hunger gefilmten haben. Datür essen wir nun wieder ganz erbauliche Dinge, die Ali, der arabische Koch, mit Del und Begeisterung herstellt. Wasser? Badewasser, bckommen wir — nicht ans dem Meere, denn dessen 27 "0 Salz erfordern ein Bad in reinem Wasser nach dem Meerbad, sonst bekommt man sofort den schönsten Hantbrand —, srmdem aus einer Quelle, die aus dem Sumpf kommt und nur wenig gesalzen ist. Trinkwasser hingegen muß uns zu Schiff vom Norden oder per Auto oder Kamel vom nächsten arabischen Dorf in Transjordanien gebracht werden. Spall beiseite. Was hier geschieht, ist so gewaltig wie kaum ein Vorgang im neuen l ande Israel. Wir sind wirklieh aut der Statte des alten Sümlcnnestes Sodom und (iomoru. Beweis: (ierade hier findet mail sehr viel Schwelet und im Untergründe eine schwarze, pechartige Masse — beides hatte der Herr ja seinerzeit vom Himmel regnen lassen — und alles ehemals Lebendige, was man hier findet, Knochen und Bäume, ist zu Salzsäulen geworden, wie seinerzeit die Ciattin des Lot. Während Kallia um Nordende des Toten Meeres durch die Nähe des Jordan-Süll« assers ein ganz erträglicher und das nahe Jericho sogar ein wunderschöner Ort ist, sieht inan hier auf den ersten Blick: Diesen Ort hat Gott verflucht. Wenn kein Sturm bläst, lastet eine fürchterliche Hitze auf uns. Das kalte Waschwasser wird in den Mctallrölircn kochend heiß, und hat man kein Trinkwasser zu sich genommen, fühlt man um Mittag das Blut in den Adern dicker und dicker werden, das Herz möchte nicht mehr arbeiten, •die Lunge quält sich,.. Wir sind *100 in tiefer als der Spiegel des Mitteil.il. '1'1'״,li Meeres. Seihst die Berge, die unseren Ort fast ins \ ׳ drücken, erreichen bei über 300 111 Höhe noch nicht eine Höhe von 0 m. Und was sind das für Berge! Wie alles hier, natürlich zuerst einmal Salz, Kali, Brom, Asphalt, Schwefel und Sand. Aber was für phantastische Formen bilden diese Chemikalien liier! Höhlen und natürliche Theaterkulissen, gewachsene Schlösser und Burgen, alles grollartig und wild, — alter unfruchtbar, tot, von Gott verflucht. Und wo das Meer im Süden aufhört, beginnt der große Sumpf, teils versalzen, teils mit Schilf und Gestrüpp bcstanden, von Malariamücken durchflogen, menschenfeindlich, böse. III. Und nun geschieht das Wunder. Gott nimmt, siclilbar für alle, seinen uralten I 111*11 über Sodom zurück und hegnadet unsere Hände, Wir fühlen, dall wir gerade jetzt diese wüste Stätte wieder auf bauen sollen, also auch können. Bald wird liier eine kleine Stadt stehen, und das ehemalige Sumpfgebiet wird, mit Dämmen und Fabriken besetzt, ein gcwaltiges Industriegebiet sein. Aus den nächsten I törfern Transjordaniens kommen die arabischen Arbeiter, die uns sehr dankbar sind; denn ohne diese Arbeitsmöglichkeit könnten 51c drüben verhungern. Prachtvolle Kerls sind es, zum Teil Beduinen, schwarz wie die Neger, mit malerischen Charakterköpfen. Die jüdischen Arbeiter aber kommen aus dem ״Kibbuz hamcuchad", d. h. aus der ״Gcdud awodah" (״Legion der Arbeit“, Kibbuz Rainat Rachel), aus Naaue, Raanana, Ohvath Haschloschah, lagur. Wir haben hier eine besondere ״Pluga“ (Abteilung), die unter Führung des Kibbuz Rainat Rachel entstand. Vorläufig sind wir noch keine zwanzig Mann in der Pluga; in den nächsten Tagen werden wir drei Dutzend werden, und bald noch mehr, FJ»* IV. Wir wissen, daß unsere Arbeit hier gefährlich Ist. Trotz der schönsten Moskitonetze mul sonstiger Vorkehrungen können wir Malaria bekommen. Jede kleine Wunde eitert hier, Furunkulose ist an der Tagesordnung (aber harmlos). Die Beduinen können auch einmal einen anderen Erwerb als den durch Arbeit hier suchen. Die Hitze ist groß, und sic allein kann schon verderblich sein. Aber einmal m u ß der Soldat nicht tmikommcn, zweitens geht hier nur her, wer einer Gefahr in die Augen zu scheu versteht. Wer cs ernst meint mit seinem Willen, Ercz-fsracl zu hauen, wer nirht nur verdienen will, der muß Pionierarbeit leisten, der muß auch im Notfall sein Leben als Opfer zu geben bereit sein. Ich sage: bereit sein; denn nach den Grundsätzen der Wahrscheinlichkcitsrcclmung wird er hier gesunde Knochen behalten. Und wo sonst muh ist jetzt in Palästina ״Fnntkampf"? Viele solche Plätze gibt es nicht, und hier Ist jedenfalls der wichtigste. In zehn Jahren wird keiner mehr verstehen, daß hier einmal ״Pionierarbeit" geleistet wurde. Dann geht die neue Landstraße Ga/a—Akaha hier vorbei, die vollen Potasch* Säcke werden hier ins Auto gepackt und in Akaba unmittelbar im Indieusehiff verstaut, und vielleicht landen vor der Tür Wasserflugzeuge. Unsere Dämme beginnen in Palästina und ragen ein kleines Stück nach Transjordanien hinein. Noch bauen wir erst am palästinensischen Anfang. Aber das kleine Stück Transjonlauicn, — wird es einmal eine Briickc sein? Unsere transjordanischcii Arbeiter wünschen cs. Für dieses ganze verhungerte Land am Ostufer des Jordans und des Toten Meeres wären grolle Arbcitsmögliclikciten am See ein Segen. Aber da gibt es leider noch eine Sache, die heißt Politik... VI. Die Pnlcsfinc Pofash Co. weiß, was 81c tut, wenn sie gerade jetzt liier Neues schafft. An sich hat sic cs nicht nötig. Ihre Aktien .stehen gut, die alten Werke werfen einen guten Ertrag ab, und die Erzeugnisse der Potasb Co. werden gut verkauft. Aber einmal sind die Produktionsmöglichkeiten hier viel größer; ferner wird man von hier aus bald, ohne den teuren Suc/kaunl benutzen zu müssen, von Akaba aus unsere Erzeugnisse nach Indien und China verschiffen können. Schließlich weil! die Gesellschaft genau, welche Pflichten sie als eine der größten Firmen des Landes gegenüber Erez- Israel bat; sic weiß, daß es weniger darauf ankommt, ein paar Prozent Dividende mehr zu verdienen, als vielmehr, jede neue ProduktionsmögFchkcit auszunützen. Denn das Land Israel ist klein; die Orangcnwlrtschaft findet an den Tendenzen des Weltmarktes ihre natürlichen Grenzen, und alle anderen ich« :seid* i an en egen• über eine ־11! Mil* reuen ’ ver* über 1 ihr Das Lied vom Brunnen Von dort (zogen sie) nach Brunnen, das ist der Brunnen, von dem ER zu Mosche sprach: Hol her das Volk und ich gebe ihnen Wasser. Damals sang Jisracl diesen Gesang: Aufsteig Brunnen, stimmt ihm an: Brunnen, Fürsten schürften ihn, mit dem Führerstab, mit ihren Stützen I (Des Dudt 1 ln der Wüsie, Kep. 21, Vers 10-19) Warum, (ragen unsere Rabbiner!, fehlt Im Ued vom Brunnen der Name Mose», wahrend er doch Im anderen Lied genannt wurde? Deshalb, well damals der Prophet den Gesang anstlmmen metsle. den dann die Hebräer Wort (Qr Wort wiederholten; denn wenn auch Ihre Herien schon von Gott erfüllt waren, so verstand dodi Ihr Mund noch nicht, Ihn tu preisen. Jetzt aber sang Moses nicht mit, er hörte voll Freude die Lehre der Wüste In ihren Stimmen tausendfach erklingen. (Ngdl dgm Midrasdl) Aus dem Wodienabsdmiti für Sthobbolh, den 23. Juni 1934. Produktionen sind durch die Kleinheit des inländischen Abnehmerkreises beschränkt oder scheitern an den Zollgrenzen des Auslandes. Die Frzciignlssc des Teilen Meeres und seiner Umgebung aber sichern dem Lande beinahe ein Wcltmonopol und damit eine dauernde Arbcitsniöglichkcit. VII. A jiropos Socbm: Fs gibt hier keine F’rauen, keinen Alkohol oder sonstige zur Sünde verleitende Wesen oder Dinge. In Gomora soll man allerdings recht gut gegessen haben, und diese lobenswerte Untugend behalten wir bei. Wir haben auch einen Hund, er ist aber so unscheinbar, daß er kaum die Erwähnung verdient. Sollte jemand ganz zu- Fällig einen abgelegten, jungen, ״scharfsinnigen“ und sauberen Hund haben... 10 Jahre Sehefeja Ariosoruffs Grab Foloi Palatin* Pr tu-Photo. Td-Awlw Meir Scliefeja, Juni 1931. Das Kinderdorf bereitet sich in diesen Wochen auf die Feier des 10jährigen Bestehens vor. Sogar die Regierung tut das Ihrige und läßt den von den Wintcrrcgcn übel /!!gerichteten Verbindungsweg nach Sichron Jaacob ausbessern, damit das Auto des High Conunissioncrs am Tage des Festes das Dorf erreichen kann. Und die Kinder arbeiten eifrig an der Vorbereitung der Ausstellung, die von ihrer Jahresarbeit in der Schule und in den einzelnen Arbcitszweigen Zeugnis ablegen soll. Wände werden geweißt, Türen versetzt, für die Gäste wird Raum geschaffen, Material für die Jubiläunisniiinnicr der Dorfzeitiing wird zusammengetragen. Und all die mühselige Arbeit in diesen heißen Tagen, die allzu plötzlich den recht langen Frühling abgdöst haben. Vor über 50 Jahren wurde Sichron Jaacob von den Bilu gegründet mul bald vom Baron gestützt. Zehn Jahre später schuf man Scliefeja als Tochtcrkolonie, Man wußte schon damals, daß den etwa 20 Bauernfamilien, die so fern von Meer und Stadt, mitten in der rein-arabischen Umgcbimg, auf nicht allzu fruchtbarem Boden angesiedelt wurden, ein schweres, eutsagiingsrciches l eben bevorstand. Man häufe hier vor 10 |ahren ein Sanatorium, ein großes, 8 tlldes Haus, das noch heute unser Zcntralgcbäude und dessen große Terrasse im Sommer Tanzboden und Fcstsaal ist. Unmittelbar an diesem Hause pflanzte mau Bäume, das Wäldchen, das noch heute unsere kühle Zuflucht ist. Später bemühte sieh die lea, den Schcfcjacr Bauern durch (mindüng einer 'Milchwirtschaft, dann einer großen Mühle zu helfen. All diese Versuche schlugen fehl. Sicher wäre Sehefeja heute ganz, verlassen, wenn nicht die Jugend des Kinderdorfes neues Leben, neuen Auftrieb in die Einsamkeit gebracht hätte. Die ersten Versuche, gerade die abseitige Lage Sehefejas, die pädagogisch wertvoll sein kann, für ein Kinderheim aus/unut/en, reichen bis in die Jahre vor dem Kriege zurück. Im Kriege war das Tcl-Awiwer Gymnasium ein Jahr lang in Sehefeja, wo die Schüler unbehelligt ihre Studien fortsetzen konnten. Unmittelbar mich dem Kriege setzte die großzügige Hilfsaktion des amerikanischen Joint Distribiition Committee ein, die schließlich zur Gründung de* Kinderdmfes führte, da* heute, etwas verspätet, sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Kriegsnot und philanthropische Hilfe haben endlich das geschaffen, was der Natur und den Bcdingimgcn des Ortes entspricht, ein Zentrum jugendlichen, freien, gesunden Lebens. Das Neuartige, Palästinensische der Netigründung, das seinen Ausdruck in dem Namen Kinderdorf fand, war die Sclhstarboit der Kinder, die autonome Gestaltung ihres tagliehen Lehens und die bewußte Zielsetzung der Chaluziuth. Moses Calvary, der erste Schulleiter Sehefejas, kam damals aus Deutschland nach Palästina. Nach Sehefeja kamen 35 Mädchen, ins Emek etwa die gleiche Zahl Knaben. In beiden Kinderdörfern stellte sich bald das Fehlen des anderen Geschlechts als ein erzieherischer Mangel heraus: hier waren die Mädchen zu scheu und sensationslustern, dort die Jungen zu roll und unbändig. Nach zwei Jahren kamen Knaben nach Sehefeja, von eieren Ankunft ein sehr schlichter, pädagogisch aber äußerst aufschlußreichcr Artikel der Dorfzeitiing erzählt, der in die Jubiläumsmimmer aufgenoinmen werden wird. Als der Joint nach einigen Jahren seine Arbeit hier liquidierte, ging Sehefeja in die Mande der amerikanischen Junior Ha da 8s ah über, die sieh im besonderen sozialpädagogische Arbeit in Palästina zur Aufgabe gesetzt hat. Seitdem hat sich Sehefeja in ruhigen Bahnen weiterentwickelt, seit 7 Jahren unter der Leitung von Dr. Fürst, "?ח, begabt mit Verständnis für unsere Kinder und gutem Einfühlungsvermögen in ihre Nöte, ihnen ein unermüdlicher Berater und Führer ist. Es ist für u״s europäische Juden gewiß nicht immer gerade die Seelen unserer Schefcjaer Kinder zu erstammen aus dem Orient, aus dem Jemen, aus Aegypten, viele aus Rußland und Polen. Erst Monaten sind einige deutsche Kinder hergekommen, die man von seiten der Kinder und der Erwachsenen mit besonderer Liebe empfangen hat. Man gibt leicht, fassen. Viele Persien, Syrien, in den letzten ihnen Unterricht in Hebräisch und Palästinakunde und führt sie langsam in Schule und Arbeit ein. Nur scheinbar bewegt sich das Leben im Kinderdorf Sehefeja in ruhigen, gleiehhlcibcndcn Geleisen. Im Grunde genommen ist cs bei aller äußeren Ruhe innerlich stets bewegt. Vor allem sind es drei Probleme, um deren Lösung man bewußt oder unbewußt stets gekämpft hat und känipft. Einmal ist cs die Frage des religiösen Lebens und der Ankni'tpfung an traditionelle Formen. Die ersten Mäckhengcncrationen brachten aus den orthod;ixen Waisenhäusern ein starkes Bedürfnis nach Ausübung des Gottesdienstes und Imichaltung des Schabhath und der Feiertage. Die damalige romantische Periode Palästinas tat das Ihrige dazu, in enger Verknüpfung von tiefem Fuhlen, Musik mul schlichtem Glauben in Sehefeja eine religiöse Atmosphäre zu schaffen. Parallel zu der seelischen Entwicklung des palästinensischen Arbeiters trat bald eine gewisse aufklärerische Nüchternheit an die Stelle einstiger Sentimentalität, und es bleibt abzuwarten, wie sich allmählich das immer deutlicher spürbare Bedürfnis nach Neubelebung der alten Formen auch in Sehefeja auswirken wird. — Auch (las zweite, täglich akute Probleut *teilt in engem Zusammenhang mit dem gesamten jüdischen Palästina: cs ist die leidige Frage, ob man die palästinensische Jugend zu Arbeitern oder zu Facharbeitern er ziehen soll. Auf der einen Seite zeigt die tägliche Erfnhrnng,_ daß man hierzulande möglichst wendig und vielscitig sein muß, daß jeder alles können muß, andererseits schreit man mit Recht immer wieder nach dem Facharbeiter, der besonders uns deutschen juclcii als das Ideal erscheint. Unsere Sehefejacr Kinder arbeiten täglich 4 Stunden in allen Arbeitszweigen der Wirtschaft. Im Anfang gab es nur Garten- und Hausarbeit, seit einigen Jahren auch Stall- und Feldarbeit. Sollen die Kinder in den 4 Jahren ihres Hierseins (es sind die 4 oberen Volksschuljahre, d. h, 10- bis 14jährige Kinder) zu packen lernen oder sollen sic eine bestimmte Arbeit gründlich erlernen? Das Kinderdorf hat sich für den ersten Weg entschieden: in zweimonatlichem Schicht- Wechsel kommen die Kinder im Laufe der 4 Jahre mehrmals durch alle Wirtschaftszweige, Die weitere gründliche Ausbildung 11; einem bestimmten Benifc bleibt daun der Naehsehulzeit überlassen. - Und damit ist das dritte, vielleicht das sdiweiste Problem gegeben: was wird aus den Sehefejacr Kindern? Etwa die Hälfte der jeweils schulentwachsenen Kinder bleibt ״och 12 Jahre hier und arbeitet in einem bestimmten, selbst gewählten Zweige der Wirt- Schaft. Die anderen werden in Beratung 11ml weiterer ständiger Fühlungnahme mit der hiesigen Leitung, in einer der Landwirtschaft*• oder I laiulwerkerschuleu oder in einer anderen Lehrstri11c untcrgebracht. Schon im letzten Jahre zeigte sieli die verhängnisvolle Folge der palästinensischen Wirt- Schaftskonjunktur: der Zug nach der Stadt, der die Jüngsten um so stärker und unbarmherziger erfaßt. Das Kinderdorf muß gerade jetzt unerhittiieh an seinem Ideal des bau er- 11 c 11 - d ö 1־ f I i e 11 e n Lebens fcsthaitcu und kann der Jugend nicht früh genug den Reichtum und den tiefen Sinn des einfachen, gesunden, naturnahen Lebens erschließen. Sehefeja verschließt sieh nicht dieser Aufgabe. Im Gegenteil: cs geht in sein zweites Jahrzehnt mit einem Erweitcrungsplan, der uns deutsche Juden besonders angclit. In den letzten Tagen hat die Junior I ladassah ihre Einwilligung dazu erklärt, in Pardess Hanah, der jungen aufb.ühcndcn Kolonie (zwischen Bonjamitia und Chcdcrah) Boden zu erwerben und ein Haus zu bauen, das etwa 30 Kinder aitfnehmcn kann. In enger Zusammenarbeit mit dem Kinderdorf Sehefeja sollen in diesem kleineren Heim die Schulentwachsenen (15• bis 18jährigen) eine Ucbcrgangsstättc von der Schule zum wirklichen Leben finden. Der Hilfsfonds fiir die dcutsclicn Juden hat dem neuen Werk seine finanzielle Unterstützung /״gesagt, denn von den 30 deutschen Kindern, die die Jugendhilfe nach Sehefeja schicken wird, werden etwa 20 in Pardess Hanah Aufnahme finden, während 10, die jüngeren unter ihnen im Austausch gegen 10 Einheimische nach Scliefeja kommen werden. So beschenkt sich das Kinderdorf seihst zu seinem ÄwASl'Et.״'“״ w"k״״״ ■“* ״"״ ׳• Dr. Kurt Wittkow*ki I! ו st 1'

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