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Jüdische Rundschau · 1934-06-19 · Heft 49 (19.6.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 49 (19.6.1934)
Date
1934-06-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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jüdische Rundschau ׳ Seite 5 ,Kr. 49, 19. VI. 1934 1־1! »rd M ,Lfer1 ו!'1 ״?־.;.!' 11 «nie ' ' v«rhfi, d: '״ ־׳kam. 11 f! fr der die i״rlcn und ';,!!ימי die ״,״״»Re i[' drn, ״ ,!n< >tb ״'■ ״autin״ r" 9.111 '?> &itcn •'kcr von 1 fine .«ס ׳5 ׳'”‘'cr, der te dort, CT0iir1״ 'il sich t!,» זג■;,.". |J ■rniankch; teilen Al(. •d best ehe ,-in bisher e des l!) niten und' Wobei zu *\rcnRcn ״ Lind, n s e e| e. «Urvolk‘•, auf den iersetnin. friedigend bei den ׳• Lbcjiso cn spate,!ns Siel, eine ein! *rrccliligt, me «mp. ie ״ und hören. In ite unter vltUlibcit Int VA.'d lllinn; '!ן '» Ke t, 1«'.,' eh lml'f. v. I ccrs ilturkdi Art von lisch ist, sönlirher v. Leer* edaclikn dal! die verstan• rt derer, men Er* in inter» in sjrnn• ^jnoi und die Idee der Nation Von Felix S tö* 81n g e r Juden 11׳ tischen iten, die ״Neuen Syn״ den An* cignnng tamiliin• inde in mg der 1cn ge* mst' iche nde auf lieber* -riedhof bleibt, Berlin lunihfft ft ״Per reichs* euisclie haben. stnrkm t Pre1«> n dieser gegeben kU'druck :r. g״״ en. "'ir ntschnur nmc df> ,ג, ייII״« m d«1״ orlung»״ unret* erlitten [silil.md K1 gcl'* »1 wirst* "n. A!1* nnhmi'1» jaß 1יי* lt, d*'£ Der Zionismus ist auf dem Wege der Verwirklichung. wird «las an den Fortschritten des Aufbaus in Palästina kennen und a1 ״'er Durchdringtmg der Nation mit einem!״!cn geistigen Gehalt. ״ per Zionismus hat die Erhaltung der Nation als seine ■ jrC Aufgabe betrachten müssen. Seine Auffassung der G,tiön war notwendigerweise ein Geistesprodukt der Assi* «ilaticn. Und doch konnte der Zionismus zunächst nichts ״nderes schaffen als einen der nationalen Idee Europas Lecgliehenen Nationalismus, Denn europäisch modern war * Vorstellung, daß die Nation, weil sie ist, ein Recht hat ä leben und ihre Volksindividualität zu entfalten. Und doch wäre cs ganz unjiidiseh, sich mit einer solchen Auffassung zu begnügen, wenn cs auch unrecht und ״״dankbar wäre, dem Zionismus aus den Mängeln seines notgedrungen wcstlcrisclien Ursprungs einen Vorwurf zu «Mclicn. Dadurch, daß der Zionismus die Nation als solche frliiclt, gab er ihr die Möglichkeit, zu sein und daher jüdisch zu sein. Je bestimmter ihr Sein erscheinen wird, ״ffl so jüdischer wird ihr Denken sein. Sie wird auch die frJCc nach ihrem Recht als Nation und nach ihrem Ver- Mlsnis zu den anderen Nationen jüdisch steilen und!udisch beantworten müssen. Sie wird diese und jede;״dere Antwort nicht ohne Kenntnis der Erfahrung der modernen und alten Welt finden. Israel kann niemals ein- I3cl1 zu seiner Vergangenheit zuriiekkehren. Eine solche Rückkehr gibt cs nicht. Sie widerspräche unserer Vorstellung ׳ von der immer erneuernden Schöpfung. Aber das Judentum wird hoffentlich durch die Erfahrungen des Oaluth für die Erkenntnisse seiner Prophetie reif geworden sein. Auch jer Begriff der Nation ist von der Prophetie geistig er* kamnlt worden. Es ist gerade der älteste Prophet, Arnos, der Rinderhirt aus Thckoa, der in machtvollen Worten der jüdischen Auffassung der Nation den höchsten Ausdruck (.(.geben hat. Seine Worte haben Jahrtausendstärke, Ihr Inhalt ist nicht Vergangenheit, sondern Zukunft. Der jüdische Nationalismus wird durch die Vorstellung der Erwähl theit beherrscht. Der Glaube, daß Erwäh* hing ein erbliches Gut ist, mit dem der Jude _ von Geburt ms vor allen anderen Völkern ausgezeichnet wird, ist nicht die nationale, sondern die nationalistische, das heißt die iihcrheblichc Vorstellung des Judentums. Deswegen steht der kleinen Schrift dieses Propheten im Mittelpunkt das fort: ״Ich verabscheue den Hochmut Jakobs.'* Die geistige Besonderheit, die den Propheten Amos von allen anderen Propheten Israels auszcichnct, ist diese Aus* rinamtersrt/ung mit dem ״Hochmut Jakobs". So ist die Klitill eine Auseinandersetzung mit der Stellung Israels als Kation zu den anderen Nationen und zu seiner eigenen Sendung. in db'M'v!Lluill mml beide ,\u»einrt1tdet*eDum!cu an»' uHmntd b.,Uut,m, •voll Um«•• UUut \wdö tbü Uult",Ku1 ul 'bndüüe U0\n dnt Wd.odo 0 um Wn\! .\Wong k\bn* hum| ab Vom vt kunplt ilm an b,.,m,b!>, an immnwab»;׳!de Y»nauwl־uny.en, au ein »Uum1»W* Ringen vl> י Volkes , a »bo I iw.ddung. Wo das Volk dev ttuäblnng nt,bl wMt־»;in; ist, Ul es nichts anderes als jedes andere Volk auch.!1tut da Israel in «Ion Jahren der Prophetie von seiner gött* liehen Berufung ahgefallcn ist, ist es ein Volk wie jedes andere. Es unterliegt wie jedes andere dem Urteil und der Verwerfung. Es zeichnet sich von den anderen Völkern durch nichts als durch ein Minus aus, nämlich durch den ^Abfall von seiner Sendung. Es ist für diesen Propheten deswegen schon besonders iezcichnend, daß Gott in seiner Schrift mit zwei Aus• :jlimcn niemals von ״seinem Volke“ spricht, sondern immer wr von Israeliten. Die beiden Male, in denen Jhwh nicht :,׳-ruft ״Ihr Israeliten“, sondern durch die Bezeichnung .,Mein Volk“ der früheren Verbundenheit Ausdruck gibt, haben einen besonderen Charakter. Es ist einmal, als Jhwh len Hirten Ainos hinter der Herde und von der Sykomorcnmcht wcgholt, da er zu ihin spricht: ״Tritt gegen mein Volk Israel als Prophet auf." Und das zweitemal ist es im Aus- Hange der Prophetie, im vierten Gesicht des Amos, da jhwh das Trauerwort spricht: ״Es kommt der Herbst über mein Volk Israel: ich will ihm nicht noch einmal ver* »eben.“ Es ist Anfang und Ende, das bittere Ende des Versagens, in dem dir. Erinnerung an Israel als Volk Gottes ausgesprochen wird. In den Anrufungen ״Ihr Israeliten“ ist mit herber Fremdheit das Verhältnis Gottes zu einem Volke bezeichnet, das sich der Erwählung entzogen hat und um nichts mehr ist als alle anderen Völker auch. In sehr vielen Stellen der Bibel wird von den anderen Völkern mit universaler Größe und Freiheit gesprochen. Die Universalität der ih-oplictic hat stets die weit als ein uik ü n f t i g cs Ganzes gesehen. Der Prophet Amos hat aber schärfer als jeder andere ausgesprochen, daß Israel vor Erreichung des universalen Zieles ein Volk wie jedes andere Bf, wenn es sich dem Dienst an der Universalität entzieht. Alles, w׳as den nationalen Hochmut Israels ausmachen konnte, wird von der Prophetie des Amos Stück für Stück zerstört. Soll Israel stolz darauf sein, daß es von Gott aus »cm Lande der Knechtschaft herausgeführt wurde? Amos KiRt uns, daß Israel nur einen Stolz haben dart auf das Ziel, »on cs zugeführt werden soll. Auch andere Völker hat Oott aus der Knechtschaft befreit: Seid Ihr mir nicht wie die Kuschitcn (ein westafrikanischer Negerstamm)? Habe ich nicht »ף Philister von Knphtor und die Aramäcr aus Kir her• geführt? Also auch andere Völker haben das Wunder einer Befreiung erlebt. Und glaubt Israel besser und mehr zu scm als die andern, dann mögen sic doch hbiübcrgehcn ״*»h Kallnc und sich Umsehen und weiter von da nach woß-Hamatli und hinabsteigen nach Gath in Philistea. Und sie mögen sieb selber sagen, ob sic besser sind als diese 1Königreiche, oder ob ihr Gebiet größer ist als das der anderen Völker. Wahrlich, es bleibt kein Anspruch auf ״«scrs.in oder Erwähltsein übrig, wenn Israel sich als Volk anderen Völkern vergleicht. Und eine ebensolche Gleichheit stellt der Prophet im bericht Gottes zwischen Israel und den benachbarten Völkern jlf•Gericht, das Jhwh ankündigt, brüllend vom Zion her, au cr‘c,lt nicht nur über Israel, sondern über alle Völker. , ™er auch damit soll ein besonderes Nationsbewußtsein *ti?.s. Betroffen werden. In vielen anderen Prophetien erdie. We,t dstm Beschaffen, Israel zu prüfen, zu ״tem. Die Völker sind Instrumente Gottes, Israel zu 1,et! oder zu stürzen. Israel erscheint als Zentrum des «Umsehen Geschehns. Und in jenem Zentrum steht Israel '» in der christlichen Hcilsauffassung. and״ os. richtct dagegen die Völker, eines genau wie das lud״ ' , amäer, Philister, Phönizier, Ammoniter, Moabiter, worf’ ,,r?chtcn, sic werden in reiner Koordination als ver- 1 Vöiw c *;״•her aufgczählt. Und verworfen sind die anderen ' n1cht, weil sie sich an Israel vergangen haben, י"« וי!'1ז,״ד Recht selbst. Während andere Propheten eine drtr1!leun(L der Völker beschwören, weil sie Israel unter* Amnc ha"e״* erfoigt die Verwerfung dieser Völker durch tau,; “u jhrer Vergehungen selbst. Diese Vergehungen nicht״״!"u srael f" keinem Falle etwas zu tun. Israel ist sanwj1’ *k Nation die Ursache des Auf- oder NiedertotSJil ■"deren Nationen, sondern das abstrakte Recht cn*met über die Bewährung und das Versagen. H^*״״gr י Das Buch des Propheten Amos, eines der sogenannten zwölf ״kleinen Propheten", ist in dem soeben erschienenen 13. Band der Bibelübersetzung von Buber-Rosenzwetg (Schocken-Verlag Berlin) enthalten. Der Sprachgebrauch ,kleine Propheten" will nicht etwa bedeuten, daß diese Propheten kleinere Persönlichkeiten sind ah die anderen, sondem beruht vielmehr darauf, daß es sich um zwölf kleine, Bücher handelt, verglichen mit den umfangreichen Büchern der drei ״großen" Propheten. Unter den zwölf, die nur kleine Bücher hinterlassen haben, sind aber in Wahrheit einige der größten Prophetengestalten, die die Geschichte Israels kennt. Zu ihnen gehört fraglos der Prophet Amos (dem nebenstehend Felix Stössinger grundlegende Betrachtungen widmet). Wir bringen aus dem soeben erschienenen Band, der dieselbe Eigenart aufweist, wie die früheren Bände der Verdeutschung Marlin Bubers und den Text mit möglichster Genauigkeit des eigentümlichen hebräischen Wortstnnes und zugleich mit völliger Beibehaltung des Rhyth• mus des Originals wiedergibt, dl« Ueberaetzung des Hauptteils des 5. Kapitels (Vers 1—24) zum Abdruck. Red, Höret diese Rede, die ich über euch ■nhebe all Klag«, 11 aus Jissrael: Gefallen ist, ' stellt nicht wieder auf die Maid Ji»«rael, ist liingestoßcn «uf ihren Hoden, und da ist keiner, der sie erstehn läßt. Denn so *priilit mein Herr, ER! Die Stadt, die mit tausend ausrückt, hundert läßt sie als Reut, und die Stadt, die mit hundert •uiriickt, zehn läßt sie als Rest dem Hause Jissrael'. Ja denn, so spricht mein Herr, ER rum Hause Jissrael: Suchet mich, und ihr dürlt leben. Betel sucht nimmer auf, kommt nach dem Ringwall nicht, riebet nicht nach Ber Schaba, denn der Ringwall, rings gewalzt wird er, abgewalit. und Betel, das ״Gotteshau»‘‘, wird zur Harmstätte. Suchet IHN, und ihr dürft leben, Sonst gerat er wie Eeuer ans Hans Jostef, das frillt, und da int keinet der Wicht für Betel. Hin ihr Reiht wamiell In Wermut! I'twähint^: *m I!«In n*nllI Re\ 1Ke \’\wAt MGRl \S\w\ \\r\S UUVHt zu Frilhlicht den Tod »chatten wandelt und den Tag »erfimtert in Nacht, der die Wasser des Meerei emporruft und sie schüttet Ubers Antlitz der Erde, sein Name ER »ST HA: er ist! der blitzen laßt Ueherwältigunp auf die Trot!macht. Ueberwalligung kommt nieder auf» Bollwerk. Sie hassen Im Tor den Ausgleichenden, Terabsrhrun ihn, der schlichtig redet, darum! Weil ihr den Armen zertrampelt, 7.inslast an Getreide ihm abnehmt, Qundftnhiiuaer möget ihr bauen, siedeln aber sollt ihr nicht drin, mögt köstliche Rehhange pflanzen, ihren Wein aber sollt ihr nicht trinken. Ich weiß ja, eurer Frevel sind viele, eure Sünden ungeheuer, die ihr bedrängt den Bewährten, die ihr Zudeck tngsgeld nehmt und die Dürftigen beuget im Tor! Darum ׳ — mag der Kluge in solcher Zeit schweigen, denn es ist eine arge Zeit *—1 Suchet da! Gute, nimmer das Arge, damit ihr leben bleibet und ER der Umicharts Gott derart dasei mit euch wie Ihr tu sprechen pflegt I hasset da» Arge, * liehet tim Gm«, tU» Mg 11! ‘tuet Im Int ♦In, Uiiitd \\m\ w\WsS MH der Umsrhsrle Gott dem Ueberteste Josse[*, ,Darum spricht' so ER, der Urmrharte Gott, mein Herr! Auf allen Platzen ist ein Jammern, aui allen Gassen sprechen sie: Ach! acht Man ruit den Bauern zu Trauer und Jammer• zu den Keid*p!11rl1kund1gen hin, auf allen Rebliängen ist ein Jammern, wenn ich dir innciidurch ziehe, »pricht ER. Weh. die »ich sehnen nach SEINEM Tag! Was doch »oll euch SEIN Tag! Her ist Finsternis und nicht Licht. . Wie wenn jemand flieht vor dem Löwen und da betrifft ihn der Bär, und kommt er nun nach Hau! und lehnt seinen Arm an die VY'and, beißt ihn die Schlange: ist nicht eben Finsternis SEIN Tag und nicht Licht, dunkel, und hat nicht einen Strahl? Eure Festreigen hasse, verschmäh ich, eure Einschließungen mag ich nicht riechen• ja, wenn ihr mir Hochgaben darhöht und eure llinleitspendcn schatte ich* nicht zugnaden, eurer Ma.iiw hsen Ftiedmahl blicke ich nicht an. Tu mir da» Geplärr deiner L dein ll.iilrngf'picl will ich n Rätl 1 htfmit tsH׳־ dt■ \l t ei «u \\ sh'l'tU',,1 , ll t\t» tu,Muh eder hinweg, ht hören, ' hUgU'tt י)1ס Vtstluh, In ,len VctgUntitgt« vier Völker kickt vier t'ro* phet Amos wesentliche Unterschiede. Die Völker, die er nennt, haben vereinzelte Verbrechen *n der Humanität be• gangen. Juda und Israel haben dagegen das Recht selbst, die Weisungen und Satzungen Jhwh’s, gebrochen. Und doch kann man nicht sagen, daß in dieser Unter• seheidung eine nationale Hybris enthalten ist. Denn der Prophet Amos kann Icststcllcn, daß dem Volke Israel die Weisung und die Satzungen Jhwh’s bekanntgegeben wurden. Israel hat ein ihm offenbartes Recht gebrochen. Den anderen Völkern sind tatsächlich solche Offenbarungen nicht geworden. Sic konnten menschlich, d. h. an der Menschheit sündigen, aber nicht an der Gottheit. So führt die Unterscheidung, die der Prophet Amos macht, und die zunächst zugunsten Israels zu sprechen scheint, nur dazu, die Verwerfung Israels gründlich und vernichtend auszusprechen. Amos ist unter allen Propheten der unbedingteste. Er führt alles auf eine Einheit zurück. Sein Gott ist kein drohender Gott, sondern einer, der sein Urteil ausspricht. Und cs fällt daher der modernen Theologie nicht schwer, alle Sätze im Buch des Propheten (vor allem im letzten Kapitel), die auf die Verwerfung eine neue Heilszeit folgen lassen, als spätere Zusätze zu streichen. Die Unocdingthcit des Propheten Amos schließt eine Ausweichung in die Versöhnung als Folge einer Treue Jhwh’s zu dem Bunde mit dem Hause Jakobs tatsächlich aus. Sie schließt nicht aus, daß die Gottheit das Volk, das zu seiner Erwählung zurückfindet, wieder aufnimmt. Und zu dieser Wiederkehr bedarf cs nicht viel. Ein Amoräer- Wort des Rabbi Simiai hat auch diese Bedeutung des Amos zusammengefaßt: 613״ Gebote wurden von Moses verkündet, David zog sie zu 11 zusammen. Jesajas zu 6. Micha zu 3. Amos aber zu 1. Denn es heißt: Suchet mich, damit ihr lebt." Die Universalität des Propheten Amos formt die Oottheit, die Nationen und schließlich das göttliche Oesetz zu einer einzigen Einheit r *mtnen. Diese Einheit ist das Recht. Das kosmische und d! ..tenschliche Recht ist der einzige Maß* stab, an dem sich eine Erwählung bewähren kann, Israel wird verworfen, weil cs dieses Recht kennen mußte und gebrochen hat. Die anderen Nationen werden verworfen, weil sie alle jene menschlichen Satzungen, die der Mensch kennen muß, auch wenn sie ihm nicht offenbart worden sind, verletzt hat. Die Unbedingtheit des Propheten Amos zeigt sfch aber auch darin, daß nicht die Anzahl der Schandtaten, sondern ihre Art das Urteil bestimmt. Der Gott des Amos ist ein Gott von abstrakter, aber doch tief gütiger Unbedingtheit. Einer, der nicht um sein Urteil handeln und gegen sein Urteil kleine Nachsichten einwenden läßt. Vor Sodom und Gomorrha konnte sich Abraham unterfangen, mit Gott um die Rettung der Stadt wegen der wenigen Gerechten, die darin sind, zu rechten. Und Gott schien bereit, um der Wenigen willen die Stadt zu retten. Um der Wenigen, die dann nicht da waren. Bei Amos sind es aber gerade die wenigen Schand* taten, die zur Verwerfung der Völker führen. ״Wegen der drei, ja vier Schandtaten“ der Aramäer, Philister, Phönizier wird Jhwh’s Spruch nicht rückgängig gemacht. Und wenn die Ziffer 3, 4 nur als Zahlensymbol zu nehmen ist, so doch gewiß als Symbol für eine geringe Zahl. Wegen 3, 4 Schand־ taten allein wird Jhwh’s Spruch nicht rückgängig gemacht. Israel wird aber gerichtet, weil es ein e i n z i ge s Verbrechen begangen hat, als es die eine und einzige Forderung Jhwh’s ubertrat. Es fragte nicht nach Gott und konnte deswegen nicht am Leben bleiben. Diese Rcchtsauffassung enthalt eine grundlegende Auf• fassung von den Ordnungen der Welt. In diesen Ordnungen steht nicht die Nation an oberster Stelle. Die Nation ist in dieser jüdischen Religionslehre ein Mittel der Schöpfung, aber kem Seibstzwcck. Das Recht wird nicht nach der Nation beurteiit, sondern die Nation nach ihrer Bewährung an einem absoluten, untilgbaren Rechtssatz. Mit Stolz kann der Jude,, kfL״' innerlich bindet, dem Engländer er-, klaren, daß unsere Prophetie eine Auffassung, wie sie im vor82700f mK rtrJ׳V? Ausdruck kommt, schon vor 2700 Jahre? mit den stärksten Worten!erschlagen hat* Ui»H Ut »blich »Ir 11 l'w'phrlep au* *e’mrr?!«> gebildeten Zcntricrthcit entfernt worden, aber die Möglichkeit, und der Gedanke der Mission ist damit von Amos keineswegs verneint worden. Ja, man kann sogar sagen, daß Amos, Amos tritt im Bewußtsein seiner eigenen Erwählung um das Jahr 780 vor d.e israelitischen Könige, im wahren Bewußtsein ־ einer ihn vom Jhwh auferJegten Sendung. Wie jeder wahrhaft Oesendete, wird Amos von der regierenden Priesterkaste verworfen, verfolgt, denunziert. Es sind die Priester, die falschen Priester, die Amos auffordern, in sein Vaterland Juda zurückzukehren, und dort sein Brot als Prophet zu verdienen. Denn für Provokatoren seiner Art ist im Reichstempel kein Platz. Amos weist das Wort, ein Prophet zu sein, wie einen Vorwurt zurück. Propheten und Prophetenschüler, sind das nicht dieselben, die einen eingebildeten Erwählungswahn haben oder ihm huldigen, die nicht als Gesendete sprechen, sondern aus der Tradition, aus der Ideologie der herrschenden Kaste zu den Herrschenden? Er selbst dagegen ist erwählt. Und er weiß, was es ist erwählt sein. Wer Jhwh’s Wort gehört hat, der muß weissagen. Das trifft so sicher ein, wie der Mensch zusammeniährt, wenn plötzlich י die Posaune geblasen wird; wie der Mensch zusammenschrickt, wenn de! Löwe brüllt. Und diese Erwählung ist es auch, die Israel einmal empfangen hat, und wieder empfangen kann, wenn es das einzige Gesetz erfüllt, nach Jhwh zu fragen. Wie die meisten vorexilischen Propheten bekämpft Amos darum Feste und Fest- Versammlungen, Brandopfer, das Geplärre der Lieder, das Rauschen der Harfen. Dienst an Jhwh ist, daß Recht sprudelt wie Wasser und Gerechtigkeit wie ein unversieglicher Bach. Freilich ist es auch Gott, der dem Menschen durch Er* wählung die Sehnsucht rach Gott verleiht. Nicht Furcht vor Gott, nicht der Glaube an eine erbliche Erwählung soll Israel mit Jhwh verbinden, sondern der Hunger, der in das Land gesendet wird, aber nicht der Hunger nach Brot, nicht der Durst nach Wasser, sondern der Hunger nach dem Worte des Herrn. Daß Jhwh seinem Volke das Wort, das Hören seines Wortes entziehen will, ist die stärkste Ver* werfung, die der Prophet Amos über Israel ausspricht. Für die geistigen Vorstellungen, die Amos vor 2700 Iahren in Palästina angetroffen hat, ist seine Schrift von aller• größter Bedeutung. Sie wird an schlagartiger Kürze von keiner anderen pro* phetischen Schrift übertroffen. Aber die Kürze ihrer An* Behauungen steht in größtem Gegensatz zu der Revolution der nationalen Ideologie, die hier in wenigen Sätzen ausge* sprechen wird. Auch wenn diese Sätze nur einen Teil der Reden des Propheten wiedergeben, so setzen sie doch beim Volk die Kenntnis aller dieser Fragen, vor allem die Problem* Stellung von Nation, Sendung und Recht voraus. Sie zeigen also, daß schon um 800 vor unserer Zeitrechnung alle wesentlichen Gedanken unserer heiligen Schriften zur fdeolo• gie des Volkes gehörten. Sic bestätigen damit, daß diese Ideen mcht, wie manche Theologen annehmen, späten Ursprungs sind, womöglich nachbabylonischen, sondern tatsächlich in die Vorzeit zurückreichen. Solche Auseinandersetzungen um das Wesen der Nation sind aber nur da möglich, wo die Nation bereits als be• wußter Besitz besteht, wo um die Formung der Nationsidee gerungen wird, und wo die Nation nicht nur, wie bei den anderen Völkern der Zeit, als irgendein Unterschiedliches ge• fühlt wird, sondern bereits als eine Aufgabe, also als etwas, was in die Zukunft weist. Damit ist die Auffassung von der Nation als Selbstzweck oder als ewiger Ordnung aus dem Judentum ausgeschlossen. Und hier findet sich der Ausgangspunkt, von dem wir zu einer Philosophie der Geschichte und zu einer Morphologie der Nation gelangen sollen. . ״Dm *ber wird zu den geistigen Aufgaben des Zionismus gehören. Er wird, bei Amos anknüpfend, den Hochmut Jakobs verabscheuen und die Gestaltung der Nation durch di« Erfüllung ihrer Sendung bewirken.

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