Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1934)
- Date
- 1934-06-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I. | f ף ן "ויי■•",! IM. },"."■.'י ',1, ,־'"»י 1- זייי יץ, '1!',־ l.chvn "f1;e 1 d1C ' It I Ul , '1:1 ein 1 , 11 "t alt׳1 ״*, I« Kit-Q %!״': r־> n< r■׳! 11 . ו,!'( i 1 A״ I <itg", ' l 1l,r״״:"i ן•״! ־ 11״'( liait יי׳" '1, * JUinipe, ף1*\ ,Geil K'"1ä *'* T *ir׳!> über 1ז׳■ I;h1 . 41 | ).!:<־, r deuts{ I'lc ,יו 11a h der ( c 11 וזז n r b 1 geh c Tra at, mit * atidr וז Mai il<11־t<׳ h Air r< h'.fi uns (\*% זר t < n ־ - 11,'nUuf f Kn'l'if irul ii<׳* •il|% Pn וזיין חי»!!!![ ז* fert, in ׳ ilen Brief '5, nui irrem!, ■ heißt cn vii Ml an SD:״, Iiamc er i't, 11n>:en: großer c“ als •n (« ns Fr* ,nli״־)! ,1 den icGil, )ein« brr - Jude, sein! jedem imilit nie je Kind 'rfolg. ( iVIIH ,fl' im H. 01. e IM) ‘ seit t auf Vrricferl irt. 1c y Jen itidlt* Uhr rllrt וזו! f orf ■ffn *״•mNDSC״AU LITERATUR - BLATT NR. 47. 13. JUNI 19S4 Geschichte des Theaters .j Gregor: Weltgeschichte des Theaters, ):ine Kultur• '7״d1icht>’ der Huhne aller Zeiten mul Völker, mit 320 Bil* §4,1. Pltaiiion Verlag, Wien. M. 1,S(>. ן י" ,Irr Reihe der ausgezeichneten Publikationen des;.],,idon-Verlnf's, der cs sich zur Aufgabe gemacht hat, in!4lidlcu mul ästlieliseh befriedigenden Ausgaben einem J' |Crrn Leserkreis (:rolle Ueherhlicko in Geschichte und <״.fcnwart zu ermöglichen, erschien eine Wcltge* :!!,jchte des Theaters" von Josef Gregor. Das Huch ini für vis'lc unserer Leser von Interesse sein, da cs he- )' mt jst, wie starken Anteil die Juden überall dem Theater Hiccmlcn. Nicht nur war das bürge!liehe jüdische Publikum 1, ,len L indern, wo die Juden emanzipiert waren, eine he• j,Wl|frs starke Stütze für das Theater, sondern auch dort, l!,a die Juden ein Ranz ursprüngliches Volksleben haben, iljii sich bei ihnen eine große Freude am Thoatcrspielcn. (Jcf Oregor widmet in seinem Werk auch dem jüdischen ir'hcater ein Kapitel. Fr meint, daß das jüdische Theater jj in die Antike zurik kreiclit Und daß das moderne jii- (cdn־ Theater infolge der Diaspora einen so hohen Grad j.״n Intern,itionnlitat erreicht, wie er selbst bei den regsten jl'indrrtnippen nicht wahrzunehmeii ist. Wenn auf mancher j;eite das Vorurteil besteht, dall die Wurzeln des Theaters .}ü jüdischen Volk nicht bis Altertum zurückreichen (trotz der j .f-rntoiligen Beweise im Hohen Lied, im lliob, in den r!äl1ncn),'so durfte dies darauf zurückzuführen sein, daß die 1 eine starke Abneigung gegen die im Altertum viel•!4h üblichen Theater-Unterhaltungen, wie Zirkus, Menschen• i 4t Tierkämpfe usw., hatten. Solche Darbietungen beleidigten ’! •15 religiöse und inensebliclio Gefühl des jüdischen Volkes, ־!J daraus ist es auch begreiflich, daß man diejenigen Juden, e an solchen Spielen tciliialimon, mit dem Bannfluch belegte. Tr! übrigen wurden die Juden selber in den Spielen der :leiden verhöhnt, so daß die Freude am Dramatischen, ob• ,0111 sie in ihren Schriften sich deutlich aussprach, durch eine;ukre Scham erstickt ward."!Trotzdem aber gibt es Zeugnisse eines jüdischen Theater• ׳(liciis im eigenen jüdischen Kreise. Später traten auch in;וחוי jüdische Schauspieler auf. in der Renaissance verstärkt!;;!! das Interesse der Juden für das geistige und kiinst• :;rische laben der Umwelt. Der Verfasser erwähnt eine .oimulie, die die venezianischen Juden am 4. März 1031 auf- •׳ihrten (soll wohl richtig beißen 1631). Nicht mir in Ita* len, auch in Spanien blühte ein jüdisches Theater, .ater in den Niederlanden. Zu jener Zeit gibt cs, was linde I■;Minders interessant!st, staatliche Verbote, die den Christen;״ilrrsagen, an den jüdischen Theatervorstellungen teil- •;lu'limen. Im Glielto werden biblische Spiele aufgeführt. :1׳c Feste Cluumkkah und Purim gehen Anlaß zum Theater• fielen, und schließlich entstellt innerhalb des Bereiches des ul dis dien S p r a e 11 i d i o m s ein neuer theatralischer taulruck, beginnend hei den Spaßmachern, die hei ver- ■ 'liedenen Oelegenheifen auftratcn, von Fastnachtsspielen mul ־.Mischen Szenen und Schwänken. Auf dem Wege über den .״inkclgcsaug und das Kahnreit schafft dann der Schauspieler thraham Goldfaden in der zweiten Hälfte des 10. fahr- ::milcrts das jiddische Theater. Die Geschichte des jiddi- ׳rhcii Theaters wird leider hei Gregor nur ganz kurz;־wähnt und weder auf die Fntwirklimg in Amerika, noch auf :;־ im iiiodcriien Rußland eingegangeu. Weder Schildkraut m׳׳.׳J Fmamiel Reicher, noch Grnmnvskv werden von Gregor | :־,ahnt. Dagegen wird der Haiti mal! ein besonderer |!'־atz gewidmet. Die llahimah bezeichnet Gregor als die 1, iraktcristisolie und bedeutendste Form des jüdischen i'.caters. ״Sie ist die Fniwieklllug des hebräischen Wesens וווד grollen Thealerstil. In der llahimah findet das jüdische ft,mimen seinen echtesten und stärksten künstlerischen Ausnick.“ Fs wäre noch hinzuztifiigcn, daß auch Sonst in der Geschichte des Theaters Juden eine Rolle spielen. Fine nnzc Anzahl solcher Juden werden hei Gregor mehr oder ״eniger ausführlich behandelt. Max Reinhardt bezeichnet e als die lelztc überragende Persönlichkeit der Thcatergc- '■'!lichte. Bei der Aufzählung der berühmtesten Rollen Adolf : Gnncnthals ist, wohl (furch ein Versehen, ״Nathan der leise" wcggcfallen, der für eine ganze Generation durch ftnncnthal endgültig verkörpert war. 1.! Mfrcd Jcpscn: Nabf, Soziologische Studien zur Alttestamcnt• liehen Literatur und Rcligiousgeschichte. Bcckschc Verlagshuchliandluug, Mönchen 1031. Nahi ist für den Verfasser der Angehörige ״eines Bepkst,indes, der unmittelbar von der Gottheit eine Botschaft :lr aiKlcre empfängt". Das Vorhandensein eines solchen '1amlcs gilt ihm im wesentlichen dadurch gesichert, daß die ""de Nahi und Koben .ständig in Parallele nuflrctcu und (las Wort Nahi häutig als Titel verwandt wird. Her ״'priinidiche Begriff ״Nahi" wird durch Betrachtung von 1 ׳'''sagen über die Nahis in einem ekstatischen ״Sieh erl'ücn", nicht in der Wortvcrkiindiginig gefunden. First im utile der Zeit trat der Warntet zu jener Bedeutung ein, die ״jr mit der Uebersetzung der Septuaginta für _ dieses °d, mit dem ״Propheten" verknüpfen. Die Ueberliefertin- וא über die ein/einen Propheten lassen sich, je nach dem eade ihres mehr historischen oder mehr legendären Cha- 1■־Merj in verschiedene Schichten gruppieren. Mau erkennt ':חגזי, daß Gestalten wie Fli:1 oder Flisa eine bestimmte ^Wicklung diirchgemaelit haben, daß der schlichte Bote ft' k's (wie I lia /. B.) immer mehr zum Nahi — zum °Ucs- und Wuudermaun geworden ist. Diese sekundäre ^»(־rmahing seihst sei ein Werk der nordUraelitischcn Nahis, den Boten tiottes als einen der ilrigen betrachteten. 1'יHe nun erst ein ganzer Nabistand angenommen, so erj־ t swh hierbei, daß nur recht wenige bekannte Gestalten, 5' "• Hisa, iiun nngchören, nicht aber andere, wie Elia, geschweige denn die ״Scliriltoropheieu". Bei der (;!4s,(j!'״״g der fleschichtc dieses Nahistaiules beginnt die ־,cntiiclie Schwierigkeit, denn sind die Prophctcnlcgcndcn um' 4a'''re‘clh s״ reicht das Material doch wohl nicht hin. Uitu0', 1'״lldaiuligcr Sicherheit geschichtliche Situationen utul U 11" ־,1״!TU •sehen. So bleibt manches hypothetisch. 1 Kan,' a״Kp״ommen, daß dieser ״Berufsstand" von den Gt('״'״•n )',l'crnommcn und umgestaltet wurde, daß seine f)r:J? ״*׳Iglieder mit ihrer Orakeltätigkeit ITinldionen des »׳Met ״.׳llls ״!'crnahinett, daß es dann, seit David, ״bc- 1 4ie n J *ofnnhis und ״freie“ Nahis gegeben hätte. Finwaiul* I fl och ׳ Rc l'1r nordisraelitische Itofnabls lassen sich je- < die k (Vlc, (l(’r Verfasser seihst sogt, nicht aufweisen. Auch ' 1 (HicIIp ‘Irr בני הנביאים (Rene linuehiim) wird aus den | Stan|,״ n1r''^ dcüdich. Ob cs eine Gliederung innerhalb des ׳’'’’'׳®•44 4 י lql nicht genau festztistcllen, über die Lebens• | aieii*?1''1'1 .»,״-'r die Ergänzung des Nachwuchses ״läßt sich I Nshif1.Vlcl sakrcn“. Auch von der Geschichte des judäischen; Aujfj!,”18. 'li'rfte sehr viel In Dunkel gehüllt bleiben. Der . ^Jbitum ^Erhaltung־ von nordisraclitischem und judäiscltcm ן ® wird seine grundsätzliche Verschiedenheit ent• /rs ״#»1 .4 y 4 יו?וי *v» \; / 5ןי f* r* מץףןן^ן ä ״ ,יךדך•n f* ׳י-ש־י־ •ן% wloicph Kcrkhovcns clrlilc Existenz" (Queriilo-Verl.ig, Amsterdam; erscheint demnächst in der JiKlischcn Buchvcreiniguiig, Berlin.) ״Als J.ikob Wassermann im Snätherhst 1031 dieses Buch vollciulet hatte, trat ihn die Umwelt so unmittelbar und pein* voll an, (laß er, dem innerhalb seiner Dichtung noch etwas wie hcrgeiuler Schutz zuteil geworden war, augenblicklich die Notwendigkeit empfand, sieh mit dieser Umwelt . . . ausein,׳uulerzusetzen. Das Buch, den Kerkliovcuroman, der seine Innersten geistigen Erlebnisse cuthüllte; hatte er eben auch aus innersten Gründen von diesen Einflüssen frrlgc• halten, Nim faßte er den Entschluß, gerade diesem Buch unter allen seinen Büchern ein Nachwort zu geben. Dieses Nachwort wurde nicht mehr geschrieben. Aber C8 lag ihm viel daran , . . Mit diesem Bekenntnis deutet Mnrta Wassermann• Karl weiß den tragischen Dualismus im Verfasser an, der den Hintergrund für das Zcntralproblem des Romans ahgibt: die Scheidung zwischen Sein und Schein, zwischen Glaubcnswelt und Walmweit. Im Verfolg des ״Etzel Andergast" setzt das Buch auf den Trümmern der Kerkhovcnsclien Ehe mit einem ״Stirb“ ein, um über einen ״Gang in die Wüste" zu einem ״Werde" und den letzten Erkenntnissen zu reifen. Ans Ende seines der Wissenschaft geopferten Lebens stellt der große Psychiater losepli Kcrkliovcn den Satz: ״Der Forscher oder Wissenschaftler, der vor dem Problem der Religion halt• macht, verdient diesen Namen nicht mehr.“ Kcrkliovcn geht es um die höchste Einheit von Stoff und Geist, er jagt den Ausstrahlungen der menschlichen Substanz bis dahin nach, wo sie sicli von der Substanz gelöst haben und selbständige geistige Energien geworden sind. ״Es ist unmöglich zu verkennen, daß die Geschichte der . , . ganzen Menschheit von einer wcltliormc gelenkt und geordnet wird, die seihst wieder Erschütterungen und Schwankungen unterworfen ist . . . Der Gedanke nun, daß ein solches, der Anschauung unzugängliches, der Seele gleich• wohl innewohnendes höchstes wesen ebenso erschütterbar und wandelbar sein könne wie das niederste der Geschöpfe, dieser Gedanke war es, der den Arzt und Denker Kcrkbovcn unmittelbar zum Glauben führte , . . nur so konnte das tmgeheuic Leid der Welt ertragen werden." Hinter den nntnr• wissenschaftlichen Verbrämungen der den ״Erschütterungen unterworfenen Welthorinc" steht die gewaltige Kontur des Gottes Abrahams, der liehen, hassen, leiden, strafen und verzeihen konnte, der ein lebendiger Gott war, den Erschütterungen seiner Kreaturen ausgeset/t, ebenso wie sieh hinter der Ziie.mnnenführung von Körper und Seele die all jüdische Einheit von Stoff und Geist offenbart. Dieser Welt des Ringens um Erkenntnis steht die W a h n w c 11 gegenüber. ,,Wahn ist erdverhaftet und nnihro• pomorph; (Haube hat die Gestalt geopfert! der Sieg der IloriiH־ über das Protoplasma.“ Kerkhoveu verfolgt'den Wahn in allen seinen Variationen und Stärkegraden, er deckt ihn in allen seinen pathologischen Schattierungen auf — aber der Wahn Ist mehr als pstho* logischer Finzelfall. Wahn ist die Nichtigkeit der Realitäten, der Kleinlichkeiten des Seins, Wahnwelt, da* Ist die Srhcluwclt, in die die Menschen sieh verkriechen, ist die Weit der Erscheinungsformen der Dinge. Großarlig gezeichnet sind die Vertreter dieser Welt — G a n 11 a, eine noch in ihren Scheußlichkeiten faszinierende Frau, barock, sprunghaft, sal.itnaiulergleidi im Entgleiten, getrieben von Plötzlichkeiten und Instinkten, unhclictrscltt lind beherrschend, eine Gestalt, die lih ihen wird. Au l'clithcit und Intensität kommt ihr mir einer gleich, der Publizist Marlin Mordann, obwohl er nur eine Figur am Rande ist. Merkwürdig kalt und fremd berühren im Grunde die zentralen (iestaiten der I he paare Kcrkliovcn tmd Iler• z 0 g. Der Weg, den sie begehen, ist gedanklich vollendet, eine im Logischen geschlossene Konstrnkti >11; er ist eine gl.üi• zetul gelöste mathematische Aufgabe eher als eine lebendige Fnfu'iddung, Das fortgesetzte Rohren mit Hilfe der Psy• chologie und Psychoanalyse schafft mrmdimal die At 111:1• Sphäre eines Se/ierkabinetts. Diese vier Menschen, die sich in Haus Sechlick am IG(le!1«ec zu Gott hiiulurchkämpfen, er• füllen ihre sozialen Pflichten bis ins kleinste — sie hellen uiihemittcltrn Kranken, sie nehmen verwahrloste Kinder auf — trotzdem bleiben sic im ()eistigen Esoteriker. Ein Vorwurf, der nicht'allein die vier Menschen trifft. Gewiß fehlt es dem Roman nicht an sozialem Pathos, der Kampf um Gerechtigkeit erreicht' mitunter die Sclmrfe des ״Fall Maurlzius“, aber schließlich hängen alle, diese gesellschaftlichen Bindungen im luftleeren Raum, ״Wenn einer zu mir kommt", sagt Kcrkliovcn •Wasser■ mann, ״und fragt: was soll ich tun, um zu glauben? so frag ich zurück: . .. wo ist Hein Werk? Glaube ist eine höchste menschliche Leistung, werde ich Ihm sagen . . .״ Das Werk sollte Wassermann vor den Einfhisscn der Wahn• weit schützen, die die Welt der Erschcimmg.xfonncn, die Umwelt ist. Hielt er den Glauben für nicht stark genug, sieh mit ihr im Werk aiKciimmlerzusetzen? Glauben als höchste menschliche Leistung kann sielt mit, gegen, trotz Walmweit — aber selten beweisen, indem man sich vor ihr in den bergenden Sehutz der Dichtung zurückzieht. Marie Kcrkhovcns tragischer Konflikt war, daß sie zwischen ״Weltbindung und Gotthiiulung mittcnimie“ stand. Der gleiche Konflikt, von der Ideenwelt des alhmnscIdich-RcUgiöscn auf die rauhe Erde transponiert, war Wassermanns ureigenster Zwiespalt. Sein KerUhovcn-Wog als ״Deutscher und Jude" stellte ihn zwischen die Weithindung (sprich Deutschtum und Umwelt) und Ootthlndung (sprich Judentum und Innenwelt) iiiitteiiinnc. Die I ösung, die er fand, war eine philosophische und keine E r I ö * 1111 g — sie mußte versagen, sobald er sieh des ״bergenden Schiit/es" des Werkes begehen. ״Was hat es gefrommt, das Formen und Schmieden? Zwanzig oder mehr Bücher in die empfindungslose Zeit hiiieingcworfen ... wo ist die Ernte von all dem Säen, jetzt in meinem neimumlfünfzigsten Jahr? Nicht einmal aus meinem engsten Umkreis habe ich die Fratzen und Nachtmarc bannen können. . . . Welchen Zweck soll es haben, wciter/iihaucn auf einem Fundament, das nicht trägt, au einem Bau, den niemand für bewohnbar, ja mir für vorhanden hält als ich selber?" Furchtbar, daß die Zweifel seines Alexander Herzog auch seine Anfechtungen werden sollten. — Schicksalhaft zieht die Gewißheit des nahen Sterbens durch das Buch. ״Das Sterben ist ein Produktionsakt wie die Zeugung . . , Wenn ein Steril in die Sonne slür/t, hört er deshalb auf?" Ergreifend he• schalten die Fittiche des Todes die Seiten. Fs ist, wie wenn emand sein Vermächtnis in die letzten Worte kleidet. Das flieh schließt nicht mit Kcrkhovcns Tod — cs gibt ihm noch soviel Zeit zu leben, wie dem Dichter zu leben he• schieden war. Tragische Verkettung zwischen Gestalt und Gestalter. Herbert Friede nthsi. sprechen. Gerade die Gedankenkreise beider sind, wie sic uns dargestdit werden, ja fast genau dieselben. Doch sind diese Anschauungen wohl nicht als ausschließlich dem Nahistand eigenes Geistesgut nir/iisehcn. Das Verhältnis des Nahi- Standes, dem nun auch Männer wie Flisa, Hnbaktik 11. a, ziige/ählt werden, zu den ״Scliriftproplieten", die ihm nicht angeboren und ihn bekämpften, ist von diesen Ausgangs• punkten her nur schwer bestimmbar. Her Verfasser findet den (iriitid dieses Gegensatzes in der verschiedenartigen Gottescrtahruiig. Der rational faßbaren Gnttcsvorstcllimg )11• däischer Nahis stellt hei den Schriftprophctcu das ״Irratio• nale. Wundersame, menschlich logischer Zergliederung Unzti• gängüelie im Wirken Jahwes entgegen". Die Nahis werden als Träger einer innerlich unwahren Geistessdnvärmerei von den Scliriftpropheten ahgclelmt. Abgesehen von der Oefälirllchkeit so kurzer und ״einfacher" Formulierung dürfte damit ja auch die Tatsache ״schriftstellerischer Tätigkeit" nicht erklärt sein, liier mag eine Lösung wohl mit 111 dem Gebiet der literarischen Form zu suchen sein: Diese war ursprünglich wohl , die 51er legendarisch-biographischen Er* Zahlung mit eingestieilten Prophcieiiredcn, sei es urspriingliehen, sei es den Propheten in den Mund gelegten, wie sie z. B, noch in Jes. 36 30 und in Teilen von Jeremia vorlicgt, und ist größtenteils fragmentarisch, teils als bloße Prophetenrede, teils nur als Proplietcnlegcndc erhalten (vgl. Torczyncr: Das literar. Problem der Fibel ZDMQ 1031 Js. 85, H.4). Hie Spuren mul Wirkungen des Nahistaiules werden vom Verfasser bis in das Exil und die nachcxllischc Zeit verfolgt. Das spätjiidisehe Bild vom Nahi fDrinte die pseudepigraphische Prophetenlegeiide. Gustav Ormann. Mörchon und Goschlohton n«3mrirr10lt von Micha Joseph bin Oorlon * Oktav, <792Soiton, DOnndruok, Leinen RM.7,50 Dlo schon klasslsoh gewordene Sammlung der Jüdischen VolksorzShlunqon, die man ein Soltenstück sowohl zu 100t Nacht wlo zu dem Grimm’schon Housschatz ganannt hat, liegt jetzt In oinbflndlgnr Ausgabe vor; durch neue Gliederung und durch Fortlasson des fachwissenschaftlichen Tolles wurde erreicht, daß ־ der Inhalt dar früheren sechs Binde In dem einon Dünndruckband vereinigt worden konnte. So Ist ein Lesebuoh ICir Jung und Alt, unterhaltend und bildend, entstanden. Die MArchon und Goschlchten sind andgültige Dokumente jüdischen Volksgutos und zugleich Bestandteile der Weltliteratur, SCHOCKEN VERLAG BERLIN SW19 Ein neuer Roman von Burla J c h 11 il a Burla nimmt in der hebräischen Belletristik einen geneideten Platz ein. An erster Stelle rangiert sein vierbämliger Roman aus dem Jerusalemer Lehen בת ציל ״«! das Lehen der Sepliardiin in Jerusalem schildert sein Roman ".אשהו היטמאי" (erschienen Hilter dem Titel ״Luna" 1m Jahre 1C28 in der ״Jiid. Rundschau"), während die beiden Romane "גיבננח" und ״כפסול' ארב״ in Damaskus spielen; ferner hat er eine Reihe kleinerer Erzählungen veröffentlicht. Seinen — sämtlich im Verlag ״Mi/pa", Tcl-Awhv, erschienenen —• Werken ist ein (irund/iig gemeinsam: die Verknüpfung von Bildhaftigkeit mit psychologisch-ciudringendcr Analyse in sprachlich farbenreicher Form. Das neueste, in der vom palästinensischen Schiiftstcllcrverbaml redaktionell beeinfluß• ten ״ססדיה סהוריה״ erschienene Buch von Burla ״nqyj.״ hat zur Ifaiipthcldiu ein jemenitisches Mädchen in einer pa* lästiiiciisisehen Kolonie. Naaina ist ein begnadetes Wesen: schön, anmutig, tugendliaft, gebildet, geistig regsam. Den größten Finfliili auf ihre geistige Entwicklung übt eine ideal dargestellte Person, der Arbeiterführer Jossifun, aus. Sie faßt eine tiefe Neigung zu ihm, doch bleiben ihre Bc* Ziehungen rein fretmdsehafiiicher Natur; ihre Unterhaltungen bewegen sich stets tim allgemeine Fragen. Nach der Abreise ihres Freundes kann sieh Naama schwer entschließen, Ihr Herz einem anderen /11/11wmdcn. Weder der ernste, rechtschaffene, geistig strebsame Kolonist Michael, der durch eine Erbschaft reich geworden ist und mehrere Jahre hindurch eine verschwiegene l iehe zu ihr gehegt hat, noch der Jemenit Joch,mmt, eine Mittelmäßigkeit in bescheidener Stellung, halten den Vergleich mit dem aiigehetclcn Freund aus. Beide werben um sie, legen ihr Schicksal in ihre Hand — von ihrer Entscheidung hänge ihr ganzes Sein ab. Nach langem Schwanken entschließt sic sich für Jocltaiiau, als sic dessen iiicder/whigendcu Liebeskummer erkennt. Dieser macht, um der geliebten Frau ein Wohlleben zu bieten, fortgesetzt Schulden; er vergreift sich auch an der Kasse der ihn hescliiiftigeiulen Gesellschaft, wird angcklagt und verurteilt und bricht zusammen. Für Naama mul ihre kleinen Kinder beginnt eine schwere Zeit. Nach bitteren Leiden und Verunglmipfun* gen will sie sich das Lehen nehmen. In letzter Stunde kommt aber Rettung. Michael hatte nach ihrer Absage Seine Bc* Sitzung verlassen, sich ins Ausland begehen. Naatnas Ver* wandten Aliron gelang es, seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen und ihn zurückkeliicn zu lassen. Nun kommen Michael und Naama zusammen. Das Buch ist ein Hohes Lied der Liebe. Diese steht im Brennpunkt dca ganzen Geschehens und stellt alles andere in den Schatte«. Die Schilderungen aus dem Milieu des jemenitischen Kreises um Naamas Vater, sowie die knappen Striche aus dem Arbeiter* und Kolonistenleben wirken nur als umrahmendes Beiwerk, so sehr sie auch Zeichnungen von meisterhafter Plastik enthalten. Josef Lin, Haifa.