Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1934)
- Date
- 1934-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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!f, 47, tt. VI. 194נ JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5!"!ין 'Äil t\V "'<1.111.״ ח 11‘ '1 ״< f» ,’;'י* 'Uli In-; ■'lull, ' ‘ 1111.!!. 1 1 1 . 11, 'V.1״ ,,ft «,11״, 1's K 1111• ׳1 ן־וי tr 11!, iu me " »na "ן m׳ll('t1 ׳;!״״ (ler », crbE, •l lii I, '11» Atu. ',׳'n׳ ilft; .ץ״וז«1•׳'', In V (• r» ]111' )(!len Hn S.m:,. 1,1‘1!:1״ ii'n l V j!■p Knilkrii. ( ׳׳■ llif'i«, I 11 i'.t;׳ Iben, ei!, •uiiit ei!, 1111IlTtilllim» 11er. :r A ן!״. *bn cm. 11,111 1Hb'noin- 1 JlsrcTj ,!׳linrlmt ו rcllglö. heiligen!mit die herm-lit. vor sieh 1 JUroel, vernachmfgeforlofimmg m!! cl nur hat die abrmi- 111 wird tlaslina- 11g und ift und!1 wird. 111c In iftrden. iliischrs te, und Uilmchrr 111 hier ,I.iigimg iisalcm, nft, als ft. Die Kibbuz kliehcn ׳r 11111• iltlflfH Hille er von trnl• Aufbau ׳ordni, r h e t, Juden m um ul vdr ׳ 11׳U I ^*י n wir» lefiieit »auch« . Wir n (׳c* lelilcn, »nahen olelieH erd.ח! nicht« n, dl« ׳Ion]*' n I r* lli/t'll* I11.־ ndlich «der Itilicii, httnirf erden der Eine warnende Stimme Wie sehr die allgemein in der Welt jef/t beginnende .!״,stell11 ״ g 1m wirtschaftlichen Denken .sich auf (fir* in allen Landern, nicht nur in lüiropa, sondern ,-ich iu Amerika auswirkt, für diese Tatsache liefert uns e;,1cn sehr interessanten Beitrag Selig 1׳ e r 1111 a 11, der in f;(1rn1 Aufsatz ״Our Lcoiiomic Arena" im letzte״ Heft der /citsclirifl ״Die Menorah Journal" die derzeitige Wirtschaftjlfiie Situation der Juden in Amerika da!fegt. Tr zeigt, wdclie liesoiidere Steilung Juden in der amerikanischen Wirt- ״liafl einiH'liincii und wie sie allmählich jetzt daraus verdrangt werden. Amerikanische Gesellschaften beschäftigen Juden nur '/וי dem /wecke, 11m das (ieschaft zu aktivieren ״nd machen sich sehr schnell von diesem ״Rändelem c n t“ (,,marginal“ element) frei, sobald ein Widerspruch gell bemerkbar macht. Diese I )iskrimination tritt hauptsächlich p-j Tätigkeiten ein, bei denen ein gewisses soziales Prestige ״״twomlig ist, vor allem in Banken, Versicherungen, Zeitim- ״nt usw. I׳s sei kaum noch möglich, einige junge jüdisclie Doktoren der Philosophie in akademischen Stellungen (iiiioiviiliriiigen; es genüg(, dir Auswahl zu beobachten, die die Agenten der gröberen (icsellschaften treffen, die im Früh- Img jedes Jahres an den wichtigsten Universitäten nach |1[,n1el1ham1_ Menschen Umseh,111 halten, Ebenso sei cs für junge jüdische Aerzte fast unmöglich, an nicfifjüdi- (dien Krankenhäusern unterzukommen. Der Verfasser meint, 0 genüge nicht, diese Erscheinungen als ein bloßes nntijüdisches Rassenvorurteil zu bezeichnen, selbst wenn maildies davon!!״(sprechen sollte. Er meint vielmehr, wenn der tVirbchaftsraiim enger wird, so greife das Volk nach irgend- «eichen unterscheidenden Merkmalen — Rasse, Nationalität, Religion oder ,ähnliches —, um Konkurrenten auszuscheiden. In Wirklichkeit sei es nur der Kampf des Mittels tandes gegen seine völlige Verarmung. Die ökonomische E reih eit, die das 10, Jahrhundert den Juden verschaffte^ war im Grunde nur eine Freiheit, neue wirtschaftliche Gelegenheiten aiis/usptimi; sie wird heute aber nicht mehr als die Freiheit lictrachtct, wirtschaftlich gleichberechtigt neben den anderen zu leben. Es ergibt sich also für den Verfasser die Frage, welches Mittel für die Juden vorhanden ist, dieser Sachlage wirksam zu begegnen und aus dem ״ö konomischeu Pariatum in Amerika“ heraiiszukominen. ״Erstens“, so sagt Pcrlm.m, ״müssen wir diejenigen wirtschaftlichen Posilinnen fcsthaltcn, die wir seihst geschaffen haben. Sicher war dir starke Ausnutzung der Konjunktur in der Konfektion wahrend der prosperity in den 20er Jahren ein ernster Fehler. Wir müssen den jüdischen Durchsclinittsarbcitcr dahin erziehen, nicht mehr höhere Löhne als der gewöhnliche Arbeiter zu verlangen... Der jüdische Arbeitgeber soll nicht den jüdischen Arbeitnehmer ausschlicßcn ... Das Probhvi ist besonders ernst für die junge Generation. Die Uchcrfülhmg i!1 den Berufen ist schon sprichwörtlich geworden, besonders unter den Juden. Die jüdische Gemein- Schaft selbst kann im besten Falle mir einen beschrankten Markt für die Dienste dieser neu ausgchiUlcten Menschen bieten und auch dann mir, wenn das Geschäft blüht und der Lebensstandard sich hebt ... Der ökonomische Raum des Juden ist im Kleinbetrieb ... Der Jude muff neue Gebiete wirtschaftlicher Betätigung suchen, um den Verlust seiner ,verlorenen Provinzen‘ ausztigleiclien.“ Als Ausweg bleibt auch für den amerikanischen Autor wr die I. a 11 d w i r t s c 11 a f t. Fr übt zunächst Kritik an;niheren Siedhnigsversncheii, die durch Philanthropen organi- (irrt worden waren. Der durchschnittliche Ansiedler hatte keine Veranlassung, seßhaft zu werden, sondern schaute sich von seinem Stück Land aus immer nach neuen günstigen V e r d i c 11 s 1111 ö g 1 i c )1 k e i t e!1 11111, Etwa 100 (KM' J 11 d e 11 leben übrigens heute bereits in den Vereinigten Staaten von ihrer Arbeit am Boden. Die gegenwärtige landwirtschaftliche Krise mit ihren extrem niedrigen Preisen für landwirtschaftliche Produkte hält der Verfasser für den ge- (׳ebenen Moment für die Juden, in dieser. Gebiet cinzudringen. Fs gäbe zahlreiche landwirtscliafUiclie Hochschulen, die nach Studenten suchten. Auch bringe die Jugend den nötigen Enthusiasmus mit. Und schließlich hätten Automobil 11ml Radio die soziale und kulturelle Isolierung des Landlebens überwunden. Für die jüdische Jugend, so schließt der Autor, kann die Landwirtschaft in der Tat der Beginn für ein neues Leben sein. Ausstellung deutsch - jüdischer Künstler in London Von Prof. Landsberger (zurzeit London) Nach langer Vorbereitung ist am 5. Juni in den Parsons’ Galleries in London eine Ausstellung deutsch-jüdischer Künstkr eröffnet worden, deren Gedanke von dem Kunsthändler Karl!Irauiischwcig gefallt und zur Durchführung gebracht "orden ist, in Zusammenarbeit mit Mrs. Franklin-Kolm, Major Uvril Nathan E.C. A. sowie den Vertrauensleuten in dtn einzelnen Ländern und Städten, Eine Reihe angesehener l’ersönlie׳hkcitcu, darunter von Künstlern der Maler Sir William Rotliciistein ui hl der Bildhauer Jacob Epstein, hatten d־>s Patronat übernommen. Da auch im Comite der Ausstellung eine Anzahl von Kunstfreunden saßen, so war ihr von vornherein ein weiter Kreis von Interessenten verbürgt, der denn auch am Eröffnungstage die Räume füllte. Diese Eröffnung bekam durch eine Ansprache der als P'mherin bekannten Lady Barlow einen sehr vornehmen, jeder Politik fernen Charakter; hier waren lediglich das künstlerische Interesse sowie der Wunsch zu L'lfcn die treihandelt Laktomi, die der Ausstellung zugrunde lagen. Die Zusammenstellung des weit verstreuten Materials wachte naturgemäß große Schwierigkeiten. Aber man kann sagen, es ist gelungen, die wirklich entscheidenden Person•׳ Iklikciten zusainnieuzunifcii, nml das gibt dieser Ausstellung die besondere Wichtigkeit. Sie ist eine wirkliche repr.iscn- Btivc Sein111 der heute lebenden deutsch-jüdischen Künstler ״«d gewährt damit einen einzigartigen Ucbcrblick über die 'ir<fte und Richtungen, die in dieser Künstlcrschaft wirksam sind. Das bezieht sich freilich nicht auf die Baukunst, die זוייז mit einem einzigen Architekten, dem jungen, begabten Alhreclit Pros kau er, vertreten sind. Auch die Plastik kommt mir vereinzelt zu Wort, denn die Zollschwicrigkciton ״elfen nur s0|c|1e Werke zu, die sich bereits in London bo* '*1Men. Aber wir haben liier zwei charaktervolle Parträtköpfe von Benno El kan, vor allem den Kopt von J01111 i'OckefcIler, dessen Bronze-Original soeben in der Aus- *'«llung der Roval Academy steht, in eben dieser Ausstellung ״agrgnet man übrigens noch einer zweiten deutsch-jüdischen ™ dhauerin, Frau Elisabeth Wolft, deren weiblicher Torso Sc'1r reizvoll ist. In unserer Ausstellung ist sic mit ein paar 3!1*gezeichneten Proben vertreten, vor allem mit der Gestalt e״)er knicenden Frau und der großgeformten Marmorbüste Ein Udbeiresf Israels Die Juden Georgiens jüdische Splitterstämmc gibt es in der ganzen alten Welt. In Europa, Asien mul Afrika, in Winkeln, wo man kaum Juden verimilct, findet man Angehörige des jüdischen Volkes, die historisch und kulturell, aber scheinbar auch manchmal somatisch von den übrigen Angehörigen des ji'tdisrlien Volkes abweielien. Es sind Reste ehemals großer jüdischer Zentren, die durch geschichtliche Katastrophen zu* sammengest Innol/cii sind. Während von der westlich gcriclitaten Wanderung der Juden, die nördlich und südlich des Miitclincerc׳. nach den Oe •ü.idcii des Atlantischen Ozeans und den iniidlichen Küstenländer׳; Europas führte, die Vcrfolgtmgoii immerhin noch große Jiidensdiaftcn übrig gelassen Inht ti, sind von den Wanderungen nach Norden, Osten und Südnstcn nur geringe Ucbcrrcste geblieben. Die chinesischen Juden waren vor wenigen Jahrhunderten noch eine Zahl yon wenigstens Hunderttausend. Heute sind cs kaum Minjanim, die wir in der Nähe von Kai-Fmig-Fii kennen. In Indien gibt cs jüdische Slammcssplittcr, die zum Teil alter sind als alle jüdischen Stamme in tuid um Europa. Aber cs sind nur noch kleine Ucbcrrcste. Achnlich liegt es in und um den Kaukasus, wo die Bcrgjudcn im Daghestan nur ein kleines Häuflein bilden, wo die einmal nach Hunderttausenden zählende armenische Judenschaft heute kaum mehr als 21100 Seelen zählt. Aber die Reste dieser ulten Stämme halten in unverbrüehlieber Treue am allen ererbten Volkstumc fest. Zu ihnen gehören auch die georgischen oder grusinischen Juden. Sie sind in Palästina zumeist unter dem Namen Gimlsclti bekannt. Das Ist die türkische Bezeichnung für Georgier, Die Russen nennen sie Grusiner, während ihr heimischer Name Kartweli ist. Die Wanderung dieser Juden in diese nördlichen Länder geht auf sehr alte Zeit ׳zurtick. Sie erfolgte vor 2(100 Jahren. Lange che Jeru- 5,11cm durch den König von Babylon, Ncbtikadnezar, ringenommen worden ist, hatte der König von Assyrien dem nördlichen Reiche Israel ein Ende bereifet. Die Geschichte berichtet darüber: ״Und der König von Assyrien stieg herauf in das große Land, und er stieg hinauf nach Schomran und hclagci te es drei Jahre laug. Im neunten Jahre des 1 loschen nahm der König von Assyrien Scliomron ein, tmd führte Israel nach Assyrien in die Gefangenschaft und siedelte sie an iu Ghalicli und am Cbahor, dem Oo/enf hisse und in den Städten von Medien.“ In diesen nördlichen Ländern wurde Israel wider seinen Willen angesiedeit, und noch heute leben in den Dialekten der daghcstanischcn und nordiucsopntamisehen Juden die Reste alter iranischer Sprachen, des Altpersischen, Modischen mul Haktrischcn fort. Wenn der nichtjüdische georgische Gelehrte Chachamaschwili (d. h. ungefähr Doktorsohn) sagt, daß die georgischen Juden seit 2600 Jahren in Georgien nachweisbar sind, so hat er damit nur eine historisch unanfechtbare Tatsache ausgesprochen. Aber man dar! ohne weiteres amiehmen, daß schon vorher der erste assyrische Vorstoß iu diese Länder Israeliten gebracht hat, die ms dem Ostjordanlandc stammten. Diese Juden leben unter den Georgiern und Mingrcliern seit uralter Zeit. Aber die großen Wcltkatastrophen, die den Orient betroffen haben, haben ihre Zahl dezimiert. Es sind immer nur Reste Israels, die man in diesen Ländern vorfimlct, ob sie nun, wie die georgischen Juden, die Landesspräche sprechen oder wie die Juden des nördlichen Mesopotamien bis nach Mossnl hinunter jenes jüdische Aramäisch, das so stark mit Hebräisch gemischt ist, (laß die Juden seihst es für ״I.aschon kodcsch", das heißt für ein volkstümliches Hebräisch, hallen, oder jenes F.irsi-Tät, das auf einen alten modischen Dialekt zuriiekgcht. Alle diese Stämme sind nicht jüdischer, sondern israelitischer Abkunft. Aber sic sind seit alten Zeilen durch die babylonischen Juden, die sich mit ihnen vermischt habe״, dem jüdischen Glauben und dem jüdischen Kultus wieder zugeführt worden, so daß man sie trotz ihres Ursprunges aus dem Zehnstämmercich, wie sic selbst das tun, zum jüdischen Volke oltne Einschränkung־ rechnen muß. Genau in der gleichen Weise wurden die galiläischrn Israeliten in der Makkabäerzcit dem judentume wieder zugefiihrt tmd sind damit zum ursprünglichen Volksturne zurückgekehrt. Es ist noch nicht lange her, daß es in Georgien nach 30 (MM) ״Ebrailidze“, d11 ׳• Hcbräerstänimlingc, gegeben hat, die dem judentume .!!!gehörten. Daß das Wort ״Ebrailidzc“ ein Familienname christlicher Georgier ist, beweist ebenso sehr das Verschwinden von Juden unter den umgebenden Niclitjuden, wie die IJcberzetigung der Georgier und Armonier, daß das Köiiigsgcsrhlccht der Dngratiun jüdischer, und zwar davidhrlter Abkunft sei. In ähnlicher Weise hriOt eine der aUcrlifdcutciKl.sIcii syrischen Kirchrngroßeii f!1 r - Ebraja, also ilcbrärrsoltn, weil er als Sohn eine״ jüdischen Arztes das Licht der Welt erblickt hatte. Heute gibt cs im grusinischen Lande nur norli ungefähr 18 (NM) Juden. Die meisten haben sieh nach Rußland, Persien, aber auch New York, Mexiko, auch nach Paris und besonders nach Konst,׳intiiiupd gewandt. 111 Palästina gab es seit längerer Zeit, besonders in Jerusalem, eine größere Zahl von grusinisclicn Juden. Heute sind sie auch in Tel-Awiw vertreten. Nach Konst,mtinonel haben sie dir Fabrik,itinii von Strümpfen, Seiden- und Lederhandschuhen gebracht. Im nordöstlichen Georgien, aber auch in Kamli und Suratni waren sie haupt* ■sachlich Schafhirten und I Icrdeirbcsit/er, in Sdtiinvali (/rußgruiulhcsilzcr mit zum Teil endlos ausgedehnten Plantagen. In den Dörfern Kulasehi und Sinlschura iu Mingrchcn gibt es überhaupt fast nur Juden. Bei ihnen herrscht der 1 l.indel vor. Sie sind als Weiuh.iiidler — man denke nur an den kaclictischeu Wein — und als Getreide!! indler sehr reich geworden. Jeden Freitag waren die berühmten Wochenmarkte von Scnaki nml Äbtscha voll von ihnen. Auch viele Ackerbauer sind unter ihnen, besonders in Kulasehi. Im allgemeinen waren die grusinischen Juden reich, zum Teil sehr reich, und es gab kaum einen Annen unter ihnen. Ihre Landsleute in Jerusalem wurden von ihnen in vornehmer Weise erhalten. Die kräftigste Gruppe unter ihnen, auch unter den Georgiern selbst, sind die Kartlcli. Sie sprechen auch die reine literarische georgische Sprache, Sic stammen aus der Stadt T c 11 v i. Drr Name Telavi ist aus historischen Gründen sehr interessant. Bekanntlich hat Naluun Sokolow zur lieber- Setzung des llcr/isdicn ״Altncu’aml“ das Bibelwort Tel-Awiw verwandt. Später ist dann davo׳ der Name der neugegrtindclen Stadt bei Jaffa genommen wurden. Aber nur wenige haben beachtet,!laß der Name Tel-Awiw bereits in der Bibel vorkommt. Am Strome Glich,ir, wo jeclieskel die Weggeführten Israels aufsuchte, lag Tel-Awiw, die Stadt der zehn Stämme Israels (Jccli. 3, 15). Diese Stadt Telavi in Georgien ist das historische Tel-Awiw•. Auch dies ist ein weiterer Beweis, in welchem Z.iisainmenliangc diese georgischen Juden mit dem 1 lese Israels stehen. Mit dem Bolschewismus hat die Not unter den Juden im georgischen Lande angefangen, die niemals bei sich den Antisemitismus gekannt haben. Neuerdings gibt es engere Be- Ziehungen /wischen ihnen und den Juden Persiens. Mischclicn ־— wenn man da״ so nennen kann ~ mit russischen 1111a anderen Juden 11 at cs bis zum Kriege bei ihnen kaum gegeben. Politisch haben sie erst nach dem Kriege atigclangen sich zu betätigen. 1111 allgemeinen sind sic gute und treue Stammesjuden, und so bedeuten auch im patästinensisclicn Tel-Awiw diese Juden aus dem georgischen Tcl-Aiviw־ einen wertvollen Zuwachs der palästinensischen Judcnbcit. Für die Sprachgeschichte der Juden ist es intcrcss,int, daß diese Juden, die bis zum Jahr 18<ll nur die Bibel und die Misclina, nicht aber die Geniara kannten, sich im allgemeinen der sefardisehen Aussprache des Hebräischen bedienen. Nur geringe Abweichungen sind vorhanden. Sic sprechen nämlich (wie auch die Sefardim von Saloniki und wie die persischen Juden) das ,ר wie aiif aus, das ב (wie die orientalischen Juden z. B. in Antnkia) immer wie b, auch wenn cs nicht dagcsclürrt, sondern aspiriert ist, das ח wie 3 und das 0 auch wenn es ein Rafe hat, immer wie p, endlich das ע wie im Georgischen fast wie arabisches ghain aus. Heinrich Loewe. Bücherspcndcn für die Jüdische National- und Universl״ tätsbibliothek ln Jerusalem werden cntgegcngenoinmcn, abgeholt und weitcrgeleitet von der Berliner Zionistischen Ver-. cinigung, Berlin W 15, Mcinckcstr. 10, Tel.: Bismarck 7165/70. Voreinsendung von B11chm׳cm׳icl>11isM'n zweckdienlich. Erwünscht sind: Nicht veraltete wissenschaftliche Literatur jeder Art, erstklassige Belletristik, vor allem aber Judaica und Literatur zur Judcnfragc. dctö cLca* vom 17.—24. Juni 1934 in einer Frau mit Kopftuch, die von der jungen Bildhauerin noch viel erhoffen lassen. Heinz R o s c n b e r g-F I c c k zeigt gefällige Skulpturen männlicher und weiblicher Körper, Altred H ii 11 e n b .1 c 11 eine ruhende Frau in Marmor. Von der Bild* hauerin Sophie Wolf( sind in Ermangelung ihrer Skulpturen ein paar ihrer klar gezeichneten Porträtköpfe zu sehen. Das ist alles. Der Hauptakzent der Ausstellung liegt auf der Malerei. Hier hat mau zunächst die Ercudc, Max Li eher mann mit einigen ausgezeichneten Bildern zu begegnen, seiner bckannten Jirdengasse in Amsterdam, seinen Porträts von Prof. Hermann Cohen und (icncraklircktor Gerstenbcrg und endlich einem herrlichen Gartenstück aus des Künstlers eigenem Besitz. Diese realistische Kunst ist auch sonst mit guten Proben vertreten: hervorragend die beiden Bilder von Lotte Laserst ein, ein ruhender Frauenakt und, wärmer noch, das Doppelbildnis der Künstlerin und einer Freundin, die sie zart au der Schulter berührt. Von Joseph Oppenheimer, der jetzt in London lebt, sieht man das Porträt Dr. Guggcnheimcr und das Bildnis einer Violinist in in lebendiger, aber leider schon etwas süß genommener Cliarnkfcrisfik, während die Arheilen von Max Westfeld nur inhaltlich interessieren, so vor allem das Bildnis von Rabbiner Dr. Leo Baeck. Zur realistischen Stilrichtung gehören ferner die Naturstiidie von Julie Wolft 11 orn, Kiite Münzer, Alice Michaelis, I m,1־ Auer ha eh, Paula NcufcLtl; man sieht schon aus dieser Zusammenstellung, welchen starken Anteil die Frauen am jüdischen Kunsilcbcn haben. Mit Eugen Spiro wird diese naturalistische Linie hercits in eine mehr dekorative Haltung tnngebogen, aber gerade dieser Künstler tritt mit einem südfranzösischen Stadthihi, einer aus gleicher Gegend stammenden Landschaft und einer im Bett lesenden F;rau in besonders vorteilhafter Weise hervor. Verwandt in der Vereinigung realistischer Tendenzen mit scliönkliiigenden Farben sind die Bilder von Fanny k e 111 a k, Julius Rose 11 bäum oder Julius Schiilein; vor allem des letzteren kleine Straflcnbildcr sind von besonderem Reize. Mit Ludwig Mcidncr, Arno Nadel und Isl Aschh c i!11 betreten wir Kien Boden expressionistischer Kunst. Mcidncr hat nur Zeichnungen gesandt, aber sic stehen auf der Höhe seiner graphischen Kunst. Vor allem der große Kopf eines Juden, von einem Tallis bedeckt, ist eine Leistung ersten Ranges. Arno Nadel interessiert immer wieder durch die Stärke seiner Eingebung. Hier tritt sein König Saul und sein Jüdischer Philosoph besonders hervor. Isi Aschheim zeigt ein sehr gutes Bhimcnstück und einige seiner stiminungsvollcn Aqua .־ e" /׳. In der Kunst von Hans Fei husch, der jetzt gleichfalls seinen Wohnsitz in London hat, ist noch etwas von expressio nistisclicr Erregtheit zu spüren. Aber die Bewegung bckommt schon etwas Beruhigtes, man möchte sagen, Erstarrtes, und ebenso verlieren die Farben die expressionistische Glut lind werden kälter und steiiilmfter. Das ist der Weg, den die Entwicklung in den letzten Jahren genominen hat: zu einer weiten Entfernung von aller Wirklichkeit, zugleich aber zu einem strengen Aufbau, bei dein die zeichnerischen und koloristischen Elemente zu einem notwendigen Ganzen, zu einer Art Kosmos, gebunden werden. Ausgezeichnet arbeitet in dieser Richtung Martin Bloch, dessen staubgraue Disteln vor tiefblauem I lintcrgriiml ein hervorragendes Werk sind. Etwas weicher im Ton mul auch nicht ganz so groß in der formalen Anlage sind die Stillcben von Arnold Marx, der jetzt gleichfalls seinen Aufenthalt in London genommen hat. Aus Paris kamen Lrich Isen her ger, Yankel Adler, L. A. Jonas, J. D. K i r s c 11 c n b a u m und Gerd W 0 1 heim. Iscubtirgcrs Bilder — am bcslen die sitzende Dame — haben in der Farbe etwas Phosphorrsziercndcs, das durch die cingcrit/tcn Striche in seiner geheimnisvollen Wirkung noch gesteigert wird. Nur sollte er diese Wirkung_ in Zukuiift nicht zur Manier werden lassen. Dagegen zeigen die Bilder von Yankel Adler, vor allein seine bekannten ״Sol* daten", die ganze Klarheit und freskohafte Monumentalität, die diesem Künstler zu eigen ist. Gerd Wollicim ist mit seinen etwas trocken gemalten blühenden Kastanien bereits auf jenem Wege zu einer neuen Natürliche, die sich im Gegensatz zu der malerischen Haltung der Impressionisten einer zeichnerischen, klaren und scharfen Schwcisc bedient. Noch gesteigerter bringen diese Klarheit die Bilder von Joseph B.itö zum Ausdruck, dessen Porträts einer Ungarin und eines Cello spielenden Mannes durch die stille Harmonie ihrer Formen und Farben erfreuen. Seine weißen Ochsen zeigen den Künstler noch stärker belebt und noch reicher im Klang seiner Farben. Damit ist ein rascher Rundgang durch die Ausstellung gegeben, der aber bei weitem nicht alle Künstler berücksichtigt, — so groß ist die Fülle des Ausgestellten. Erwähnenswert bleibt schließlich der Katalog, weil er nicht nur die Namen der Ausstellenden, sondern zugleich ihre Lebensdaten gibt und darum dokumentarischen Wert besitzt. E? ist zu hoffen, daß dieser Ausstellung künstlerisch und materiell der Erfolg beschieden ist, den sie nach ihrer Oüte und der für sie aufgewandten Mühe verdient. 'i