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Jüdische Rundschau · 1934-06-12 · Heft 47 (12.6.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 47 (12.6.1934)
Date
1934-06-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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jüdische Rundschau Seite 3 1 . I t. 1' ־־ / JV>' ul vk (*r 1 \v;,1H «I <>r. •He I <־l>on wurde, auf; ־'*יfiilile . a'.1s den 1 ‘‘Kclie lie iiatin■. , UifiSioij e Pailej. I' .,IHe sich!! In '!1׳ri('1״ m (icisfe Iti'litnler b;1r den :K'llsclml. e nennt ' Nnnic), Stoff, c g 11 n g :1״' Pn. :1 ialisten n, daß c ent. fordern ' Natur• i Wirt* <1 b ii n die Oel /wippt npf um , indem n Wort aidem.1- 1 Sieg (Omnien Teil der 11׳ antiasungen 11 i c k - ח ס ab, rd, die eil und ein sie!irrigen mit der A piauf die t selicn Revo• impfes. endenz I sein, n oder Gegen• irtvolle : fran* einem II sende d rum :11 gCnd ווה• antiiciulcr* . P. tigumr der iloiiiki •ulircr 11 a s ־ ter es aderte Diese >01rlik rand.l, Hupt• I ihre;listen erden daß Min* ii ge n die ehr• ihh'tlj •echte II in t an* sich Blatt •111M der*״ ■' J eiieii׳ :rlu-st 01;*;e־ 011 iki;sich ־*Al ו ו fjr, 47. 12. VI. 1934 Palästina - Reise Von Arthur Elocsscr 1. Die Erwartung Die I'riililiiiRsstünnc, vor denen man uns Angst machen w0Hte, hat Vater Acolus in seine Schläuche zurückgcnommcn; V(m dem sanftesten,!)lauesten Meer kaum geschaukelt fahren wir zwischen Korsika tunl 1:111a, /wischen Italien und Sizilien, fahren wir auf dem toimcnscliwcrstcn der königlich britischen Schiffe, in dem auch der Touristenklasse, wenn mau von der unvorstellbaren Talentlorigkeit der englischen Küche absieht, ciu liolies Mall von modernem Komfort verliehen ist. Die Tonriden teilen sieh schon der Sprache nach wieder in zwei Klassen, in die der amerikanischen Juden, die nach der Besiehtipiiiig von I re/ Israel wieder nach New York, der größten Ju- ,Iciistadt der Welt, zuriiekkchreii werden, und in die der deutscheu Juden, kleinere Kapitalisten, die in Palästina bleiben w׳ol- Jen, leicht erkennbar und schon an den verschiedenen dciitsdien Dialekten unterscheidbar, Väter und Mutter aus Berlin 11ml Breslau, aus Hamburg, Frankfurt, Mannheim,, die jlire Söhne besuchen, die hoffend, zweifelnd, im voraus leicht gerührt, sich endlich über/eugeii wollen, ob cs ihnen wirklich so gut geht, wie sic besorgte Fltcrngcmüter beschwichtigt liaheri. — Wo arbeitet Ihr Sohn? — In Miselimar llaemck. Meiner in Risdion le Zion. — Meiner in I laifa, als Monteur. — Die drei Klassen des kieseuscliiffs sind streng geschieden, [)ic I. Klasse bleibt in ihrer Vornehmheit so gut wie uiisielitleir, während man auf die III. Klasse hcrabschcn kann, deren Promenadendeck auf den Schutz vor Sonne, Kegen und Indiskrethrn keinen Anspruch hat. Diese Klasse des Schiffes und der Menschheit gehört größtenteils den eigentlichen Auswanderern, der Jugend, den künftigen Clialu/im, Jungen und Mädchen, die mit Europa abgeschlossen haben und nie mehr zurückkchrcn wollen. Besorgtheit, Acngstliclikeit oder auch nur Gespanntheit merkt man ihnen kaum an, seelischen Ballast scheinen sic nicht mit verstaut zu haben; sie spielen Abschlagen und sonstiges Harmloses, sie singen, singen hebräische Lieder, wozu sic sieh die Musik selbst machen, die ihnen nicht wie den höheren Klassen geliefert wird. Die Jungen sind schon nach einem Tage Seefahrt alte Kameraden und Schicksalsgenossen geworden. — Ich weiß nicht, ob diese dein Orient, ob diese dein alten MtiHcrwcIllcil /״strebenden jungen Menschen sich von der Tatsache erheben oder aufregen lassen, dal! w׳ir vor Athen ankern. Man denke, im Pyräos, von dem Thcmistokics auf• brach, um die persische Flotte zu vernichten, um Europa vor Asien zu retten; das war >180 vor Christus, man wird diese Zahlen nicht los. Einer höheren Altersklasse angehörig bin ich mit einer gewiß schon dem Leben entzogenen, aber scholastisch vollcrhnltenen klassischen Bildung ntifgcwachscn, mit philoiogischer Ueberlicferimg von I.ibera ismus und Humanismus, was alles aus Hellas kam, während die Gescliielitssttindc durchaus den Nachweis unterließ, daß es die Mosaische Gesetzgebung war, die nach dein schönen Wort von Heine den Menschen die Menschenrechte zuerst verliehen hat. Es war mein Wimsclitraum seit der Schulzeit, das kleine Land zu sehen, das von Dichtern, Künstlern, Philosophen, Rednern bevölkert war, das mehr Statuen als Menschen hervorgebracht und uns die Gesetze der Schönheit!unterlassen hat. Es wäre der größte, der erfülltcstc Tag meines Lebens gewesen, Rechtfertigung und Verklärung einer langen Schul- Sklaverei, wenn sich nicht andere Erlebnisse lawinenmäßig über die Periode dieser Bildung und Schulung gestürzt hätten, wenn ich nicht ein Pilger, ein etwas versjiäteter und reuiger, gowcscii wäre nach einem kunstärmeren, auch sonst armen, nach einem der zerstörtesten, verwüstetsten, ausgesogensten, von Leiden um! Krankheiten lieiiugesuchtcsten Länder der Erde, das seinen alten Besitzern wieder als Zufluchtsort versprochen wurde, weil Milch und Honig da durchaus!lieht mehr floß, weil cs wieder zur Wüste und fast zum Niemandsland gcworden war. Alles kommt wieder. Vorsichtige Historiker meinen, daß Cvrus, ein großer Realpolitiker, den Juden die Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft mir gestattet habe, um sic billig mit einer Illusion zu beschenken, ungläubig gegen eine Wiederau!riehtmigr des verelendeten Bändchens Israel. Der Perserkönig wußte nicht, was eine Illusion wert ist, oder vielmehr ein Glaube; er hatte nicht mit ihrem Gott gerechnet, mit der unabdingbaren Verpflichtung des alten Bundes, und daß sic den Tempel, darin er allein wohnte, wieder aufrichten würden, in der einen 11,11111־ die Kelle und in der anderen das Schwort. Man braucht sieh nicht aiizustrengcn, um in der heutigen Situation Wiederholungen zu entdecken. Die 01alu7im auf unserem Schiff, die da unten singen und spielen, werden mit nicht weniger Heroismus den Kampf gegen die Malaria fuhren, werden auf jungen entlegenen Siedlungen am Tage hinter dem Pflug gehen, in der Nacht Gewehr im Arm wachen, um den nächtlichen und nach alter Tradition billigsten Erwerb von Vieh durch die Nachbarn zu verhüten; die Mädchen, die vielleicht noch Kimstgewcrbe und Kunstgeschichte getrieben haben, werden nicht viel anders arbeiten und die Kühe mclken. Es ist ein hartes Leben, das ihnen bevorstellt, Verzicht auf alle gewohnte Bequemlichkeit und Sicherheit des Da- Seins; aber ihr fröhliches Treiben sagt, daß sie dem, was sie erwartet, freudig entgegen gehen, daß sie Glauben und Kraft mitgenommen haben. — Mau hätte dreißig oder vierzig Jahre spater geboren sein müssen, tim nicht mir so von oben zuzu- ,stimmen, um aneil da unten mitinacheii zu können. Goethe sagt ungefähr so, daß der nicht niitrcden oder mitdcnkcii kann, der nicht die dreitausend Jahre überlieferter europäischer Geschichte im Bewußtsein hat, worin er gewiß auch Palästina cinbc/og als das Abendland im Morgenland, -־'Is die Brücke zwischen zwei Weltteilen, über die der Gcdanke von dem einen Gott und von dem einen sittlichen Gcl>e׳t ging, 1 iir unsereiiieii, der seinen Liegestuhl nicht umsonst gemietet haben will, schickt sich Denken und Träumen, und •die Gedanken gehen zugleich vorwärts und rückwärts. Die jiidisclic Geschichte ist die zerrissenste von allen, sie scheint in , Jahrhunderten stillgcstandcn oder ganz aufgehört zu haben, Ws Not timl Erkenntnis sie wieder aktiv machten, bis Erleb- "Wse, die trotz aller Zerstreuung als gemeinschaftlieli an/11- י erkennen sind, uns eingeliämmert haben, daß wir uns für u״scr Schicksal selbst verantwortlich machen müssen. Die » jüdische Geschichte, die am frühesten «ufgcschriebeiie, ist ״■di die zusammenhängendste, die gegenwärtigste, die he- *ußteste von allen, und das große Buch, das alle Erfahrt!!!- Ren und Lehren der Geschichte prophetisch vorwegnimmt, «acht 1ms fähig, die drei Jahrtausende und noch mehr aufzu- ,^hnen, unsere' Schuldigkeit festzustcllcn als die alten Vcr- *Dßspartncr Jahwes, verpflichtet auf die steinernen Tafeln, die °ottes Finger beschrieben hat vor unserer allerersten Alijah. ך-־-^ 5״־״׳'£ *״־*־״, / f!; '} ץ*" ויי V > ״ ך־־/ J:״׳f rn ..י׳/ f3״ '0 6 *,ן ן! Oin* ך An der \ lodiscluile für Politik hielt O b c r r c g i e r u n g srat Sc 11 raut vom Kcichsjusti/.kotiimissarint einen Vortrag über ״Das nationalsozialistische UcchtswoJIcn". Im Laufe dieses Vortrags kam der Referent auf die Frage der gc* in i s c 111 r a s s i g c 11 E 11 c n zu sjircehen. Es sei, so sagte er (nach dem Bericht der ״Frankfurter Zeitung") ,■nicht im Sinuc einer 11.11!oiüiKozmlisli-clicn R<׳el1t.«’11lwi< klung, licsoinleru Erleichterungen lur dir Klieschriihing zu bclniticn. Kr Irin, .nnh nicht ein Mir die .Scheidung der niKclun-'-igen Ehen, »eil er der A11ll,1..nng sei, daß der kein Ix■ «mdcren Enlgr|>t־nk״mmrn zu crlaliicii linmi lic, der erst jetzt die Bedeutung einer misch• lässigen Elie erkenne.“ Der gemäß seiner amtlichen Stellung komjieteiite Redner nimmt damit eine andere Haltung ein als das Oberl,־imlcsgcricht Karlsruhe in seiner von uns in Nr, ■15 der ״Jüdischen Rurnlschau'‘ wiedcrgcgcbeneii Enbclu'klimg, die auf dem Stand- P״”kt steht, daß ein die Auflösung; begründender Irrtum auch dann vorlicgt, wenn der arische Fhegattc sich zwar nicht über die nicht,irische Rassenzugchörigkcit seines Ehepartners, aber doch über die Bedeutung dieses Umstandes im Irrtum befunden habe. Iler Referent sagte weiter: Durch (nitee^elzlc Belehrung und eines Tage* auch einmal durch gr-et/gcbcii,clien Ausspruch mußten aber mi»rhra»sige Ehen in Zukunft verhindert werden. Vielleicht müsse man auch im Str,\(ge-e1/.burh besonder.■, schwere BeUmnmmgrn Mir .1 u Ü c r 1■ 11 e I i r h e Vermisch U 11 g c n zwischen vn •׳ Incdcnr.i.s'gcn Menschen srluiden. Auch (lic übrigen Atisführimgen dieses Vortrages sind unter verschiedenen Gesichtspunkten für uns Juden von Interesse. Alle Gesetze, so sagte der Referent, hätten der Frhaltung der Rasse und dem Ziele des Volkswohles zu dienen. 111 seinen Darlegungen über das Strafrecht führte Obcrrcgierungsrat Scliraut aus, «I.11S die Ehre das höchste und selmlz.wiirdig.tc Cut, sei. Es gehe nicht an, jede Verletzung der Ehre mit den l’rivatklagrweg altrdschieben. AK seine persönliche AuKsissung verlangte er Mir Angüße auf die Ehre das ()(fizialverfalircn. Für die I.idcnrichtcr im Sir*(• pro/cli wünscht er eine nur beratende Eunklion. in dem Zeitungsbericht wird nicht gesagt, ob der Vortragende auch die Frage erörtert hat, wie es mit dem Ehrenschütz derjenigen Personen steht, die als Fremd rassige eine Sonderstellung im nationalsozialistischen Staat haben. An dieser Frage haben wir Juden ein begreifliches Interesse. Besonders starke Anteilnahme wird man, unter allgcmeinen (icsid1is|mnkten, 1n jüdischen Kreisen für die Gedanken haben müssen, die der Vortragende über die Pro blemc des üodcnrcchts entwickelte. Es heißt in dem Bericht: ״In Konsequenz, der gnmiKöldichrn AufGwmg, daß ('.rund und Boden keine Sache sei, formulierte er den Gedanken, daß es an ihnen niemals 1' r i v a ( e i g e 11 t u m gehen könne, und zwar deshalb nicht, »׳eil Grund und linden etwas seien, was nicht der Einzelne sich selbst durch Arbeit geschalten habe, sondern etwas, das dem Volke in seiner Gesamtheit grgclx-n oder durch seine kriegerischen t'iileriuhmungei! erkämpft worden sei. Grund und Boden könnten nur so lKir.1t hk׳t »cnlen, als seien sie dem Volke ,zur gr-amicn Ihmd‘ gege'x ii. Wer den Bielen bcarlieite, habe das Ket ht, ihn im lutere- .e •einer eigenen Familie zu nutzen.“ Diese Darlegung wird besonders bei zionistisch ein• gestellten Juden ein Echo finden, weil der Zionismus bekanntlieh schon zu Beginn seiner Tätigkeit danach gestrebt hat, die Grundsätze des alten mosaischen Boden recht e s, das keilten Privatbcsitz an Grund und Boden, sondern mir Nutznießung ancrkcmit (), Buch Moses, Kap. 25) in die Wirkliriikeit uni/iisd/cM, Wenn auch die I)tirchftihrimg in Palästina daran scheiterte, d,1ß der zionistischen Bewegung keine Staatsmacht zur Durchführung zur Verfügung stand, so ist doch in den Einrichtungen des Jüdischen Nationalfouds wenigstens teilweise der Gedanke des Volkseigentums des Rodens verwirklicht worden, Im übrigen besteht kein Zweifel, daß gerade das Bodenproblem in Palästina infolge der durch die Boden- Spekulation entstandenen Mißstämlc noch einer entscheidenden Reform bedarf. Um das Jüdiichc Rechtsdenken In der Zeitschrift ״Deutsches Recht“ (Zcutralorgan des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen) Nr 10 vom 25. Mai 1<HI beschäftigt sich Staats rat Prof. Dr. Carl Schmitt in einer Abhandlung ״Nationalsozialistisches Rechtsdenken“ 11. a. mit der Wandlung, die der mittelalterliche deutsehe Rccbtswalirer durch die Uebcrnahme des römischen Rechts erfahren habe. Der Artikel führt hierzu u. a. ans: ״Mit diesem Voigang der kezrplion (des römischen Rechts) hat sirti eine beuimmle juiKtKclu■ Penkart, ein bestimmter geistiger ibilütiis in PeutsehUmt dmehgesetzt, der in tie•linderem Grade rechtswis-rnseh.dllieh utitl jmi-iKch zu sein behauptet, obwohl er nur in dein erwähnten Sinne ah.tr.ikt-normitivi-tiseh ist. Das ist es also, was wir meinen, wenn »ir den Kampf gegen das rimii.chc Reiht itthtrn. Ganze Getier.t!innen Inndun h!,t thr.er 11b .tr.ikte Nor- KMlivi-imiH als juii-li-ehe Wi-sen-diall in ge-unde deut sei«; Gehirne himingolricbcn worden. Per mnmalivi.lischf I le:1kty|ms, der dadiirelt bei uns entstund, wurde im 19. Jahrhundert dadurch weiter gefordert, daß das Ein strömen des jüdischen Gast- Volkes die Entwicklung weiter in die Richtung eines iiorimtivKd• sehen Gc%etre-denkrns trieb. Erstens »egen der Eigrnait des jüdischen \ulkes (las seit fahrt,m-ctidcn nicht als Staut und atii einem Borten, sondern mir im Gc-ctz und in der Noim lebt, uKu im wahrsten Smnc de- Wortes ,exisienzieH-normalivi-tiMh‘ i•!. Zweitens aber versteh! es »ich von seitist, daß ein Eremdrr, ein Ga.t. ein Metukc, »las Recht de- Volke-, hei «lern er zu Ga-l i-t, in 1rm.1tivi-Ii•! 11 um 1 nur unter dem Gesicht•ptmkl der Rechtssicherheit siebt. Er gehört ju näht zu der Wirklnhkcil des Volke•, in der er lebt. Er Gilt dessen Recht auf als berechenbar geltende Norm, als Mußstab staut liehen Punktionieren», dem er .sich anpuüt, und an llaml dessen er lieieiliuet, ,»essen er sich vom Staat zu versehen hat*. Er will den Fahrplan Indien, um zu wissen, wann und wo er ein- und au—teigen kann. Er setzt infolgedessen an die Stelle des Recht» das Gesetz itn Sinne einer vorher bestimmten, hem benburrn Norm.“ Die Ausführungen des berühmten Staatsrcchtlers zeigen, ein wie bedeutender Umschwung des gesamten Rechtsdenkens »ich heute in Deutschland vollzieht. Alles kommt wieder; aber es wiederholt sieJt nicht im ewig Gleichen. ״Und habe euch ein Land gegeben, an dem ihr nicht gearbeitet habt, und Städte, an denen ihr nicht gebaut habt, daß ihr darinnen wohnet, und esset von Weinbergen und Oclbergen, die ihr nicht gejiflaii/t hallt.״ Die heutige Aufgabe ist entgegengesetzt. Es gilt ein Land nuf/ubatien, das wieder zur Wüste geworden, dessen hochheilige Hauptstadt sccftsunddrcißigtnal erobert wurde, dessen Gegenwart trotz eifersüchtig umstrittenen Erinnerungen und Reliquien aller Religionen nieniand liebte und hegte, und es vollzieht sich das Wunder, daß jenes Volk noch einmal einzieht, tun das ihm angelobtc Land in Pflege zu nehmen, um die Häuser zu bauen, darinnen es wohnen will, die Oelbergc und Weinberge, von denen cs leben soll. Ein Volk, von dem matt sagte, daß cs alt, entartet, f.arasitisch geworden war, ciugcnistct in andere Kulturen mit seineu Händlern 11ml Maklern, mit seinen vielen Schreibern, Kimstmachcru, Unterhaltungsliefeninten, ein Volk, das heute aus vielen Ländern zurückkehrt in das verheißene mit dem, was ihnt an Jugend geblieben ist, an möglicher Einheit und Tatkraft, ein Volk, das seine Geschichte von neuem anzttfangen bereit ist, neu belehrt über die alte mcssianischc Hoffniing, gestützt auf ältverbriefte Versprechungen, verpflichtet vor allem, das alte Gesetz zu erfüllen, das in den schützenden Klammern nationaler und religiöser Sicherungen von vornherein eine soziale, sittliche, eine der Menschheit zugctcilte Aufgabe bedeutet hat. — Solche Erinnerungen, solche Hoffnungen trägt gewiß recht unbewußt und unbekümmert unser Schiff, das für alle Pilgerfahrt sehr ungeeignet scheint, ausgerüstet mit allem nötigen und unnötigen Reisekomfort, noch beladen mit allen Klassenunterschieden und Vorurteilen westlicher Zivilisation, nach seinein Range auch verpflichtet zu einer Bildungsfahrt, die die Passagiere in Athen, Konstautiiiopel, Rhodos an Land setzt und den Belehrungen der deutsch, englisch, französisch plappermlen! (ihrer aussef/.t. Bis wir mit einem ungewissen Bildtmgsgewinn und mit einem gewissen Zeitverlust von fast drei Tagen die palästinensische Küste und Haifa erreichen. Es ist das eigentliche Erlebnis, auf das wir uns seelisch vorbereitet haben, von dem wir auf unsere Erwartung eine Antwort, auf unsere Spannung eine Lösung erwarten. Das Land ist crschicneu, das die Schicksale unserer Jugend, unserer Nächsten in der Wirklichkeit umschließen wird und auch unser eigenes als aufriehteiules Symbol. Der Karmel grüßt uns mit der schöngestalteien Schräge, die den Fuß bis ans Meer setzt, die trotz felsiger Zerklüftung, trotz eng übereinander getürmten Terrassen doch Linie hält, zugleich gewaltig und lieblieh, schon morgenläiidisch mit seinen Palmen, Zypressen, Kakteen, und da wir an Frühlingsanfang sind, auch noch vcrtraut mit eingesfreuten Rasenstücken, mit einer unregelmäßig verstreuten, fast verspielten Buntheit von hellen Anemonen und Wicken, von dunkelroten Mohnblumen. Unser Ricscnschiff kann in den eigentlichen von der Mole geschützten Hafen nicht hinein, und die Tender, die ihm eilig vom Lande /!!streben, bemühen sielt, wie cs sieh gehört, zunächst die Passagiere der I, Klasse hini'iherzubringen, während wir von der Touristenklasse noch einem bürokratisch umstündlichen und nicht gerade vertrauensvollen Verhör unterworfen werden. Endlich sind wir am Ende des langen Tisches, bei dem letzten der Beamten, der noch etwas zu tragen hat, und in den Besitz des ersehnten Stempels gekommen: Bearcr is permitted... Man drängt durch die entsetzlich lade gewordenen Gcsciischaftsräume hinauf zur Bordtreppe und hinunter in den nächsten der Tender, die sich ihre Anlegeplätze am Kai suchen. Junge Leute laufen zwischen ihnen hin und her, um Eltern, Geschwister, Freunde abzufangen; sie sind meistens ( in Chnltizklcidtiug, mit der mau sich auch am besten ins••• I fafciigebict cinselitniiggelu konnte. — Hallo, Max! Hierher, Ernst! — Schafott! Jakob! Arabische Träger stürzen sich auf die Koffer wie auf begehrte Beute. Die Sorge um das Gepack entlastet die Begrüßung von aller Gefühlsscliwcre. — Laß mtp, Vater, hier kommt nichts weg. — Wie gchts, Junge? — Prima, Alter! Frische, männlich braune, sehnige Gestalten, lachende Gesichter. Wir sind angekommen. Wir sind zu Hause. (Ein zweiter Artikel folgt.) Das Gesicht der Wüste Paris, 3. Juni. Das Trocadero-Mtiscurn in Paris, das wegen der Modcrni* tat seiner Ausstellungen und der besonderen Berücksichtigung der Aktualitäten schon eine Berühmtheit im französischen Kunstlcbcn erlangt hat, eröffnet jetzt eine Schau, wie mau sic bisher noch in keinem Museum der Welt hat genießen können; das ethnographische, kulturelle und geistige Leben der Wüste Sahara. Die interessantesten Werke, Tagebücher, Aufzeichnungen und Briefe, die dort in großer Menge in Vitrinen ausgestellt sind, sind die des Perc de foucaiild, der in der Verkiei- 1111 n g eines arabischen Juden unter großen Stranazen und Gefahren das damals noch unbekannte Marokko in mon,־itclangeii Zügen erforschte. Daneben sehen wir den, herrlichen Atlas Kaiser Karls V., den sein llofknsinograph, der Jude Abraham (’.resques aus Mnllorea, anfertigte. Dieser Atlas stellt ein Meisterwerk der Kartographie dar, das von allen Besuchern, Fachleuten und Laien auf das stärkste hewundert wird. Man kann sagen, daß hier die moderne Art der Kartographie ihren Vorläufer gefunden hat, und daß der Künstler und Gelehrte mit einer fabelhaften Akribie seine wissenschaftliche Aufgabe gelöst hat. Itn Mittelpunkt der Sammlungen steht das Lehen der T o 11 a r e g s, dieser geheimnisvollen Ritter der Wüste, die im Lioggar wohnen und als todesmutige Krieger berühmt und gefürchtet sind. Noch heute weiß man nichts Genaues über die Herkunft dieses interessanten Volksstamines, der die Sagenwelt der Sahara mul ihrer Nomadenvölker beschäftigt, und der eigentlich bis heute noch nicht richtig unterworfen' ist. Sehr vieles in ihren Gebräuchen, in ihrer Kleidung, in ihrem Leben erinnert an die jüdischen Beduinenstämme, und gerade hier in der Ausstellung, wo das!.eben der Touaregs 111 seinen äußeren Bedingungen und Gewohnheiten zus.numenfassend dargestcllt und durch Trachten, Ausrüstungen, Waffen und Hausrat anschaulich dem Verständnis näher gebracht wird, kann man gute Vergleiche ziehen. Fs ist eine überragende Fülle des besten, seltensten und schönsten Materials über das pittoreske Leben der Wüstenbewohn er hier znsammengetragen, um so einen Ucbcrblick über das zu gehen, was bisher dem Auge des Europäers völlig verschlossen geblichen ist. Nicht in der Form eines nur wissenschaftlichen und den Fachmann interessierenden Materials, sondern völlig aufgeschlossen als ein Stück gehcimuisvallcn, kulturellen, für jeden Laien sichtbar verstandliehen und begreifbaren Lebens der vermeintlich toten Wüste. F. G. Die Exekutive der Jcwish Agency hat von den ihr von der Regierung für das nächste Halbjahr zur Verfügung gestellten Einwanderungs-Zertifikaten 350 der A g u d a t h Uttel zu selbständiger Verteilung überlassen.

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