Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1934)
- Date
- 1934-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653495--25346-2682477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Seite 5 JÜDISCHE RUNDS GH Aü Nr. 47, 12. ¥!. Gift für die jüdische Jugend. Der Urteilsspruch irn Arioso roffprozel! beweist, daß das Gericht erster Instanz zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß die Mörder Arlosoroffs diesem Kreis angehören. Aber auch wenn ein Teil der jüdischen ()Öffentlichkeit das Jcrusalauer Urteil für ein Fehlurteil hält oder wenn andere aus anderen Gründen dagegen Sturm laufen, müßte die gesamte jüdische ()Öffentlichkeit alle Kraft anstrengen, um die Lehre dieser ״Birjonim“ aus unserem Volks• körper auszurotten. Man muß nur hoffen, daß die tragische Angelegenheit, die jetzt ihren vorläufigen Abschluß gefunden hat, nicht weiter dazu dienen wird, Entzweiung ins jüdische Volk zu tragen. Zugleich aber muß man hoffen, daß die geistig verantwortlichen Menschen des jüdischen ,Volkes zum Bewußtsein erwachten, daß nationale Wieder• gebürt keine nur politische, auch nicht organisatorische oder im äußeren Sinne kämpferische Angelegenheit ist, sondern vor allem eine geistige und sittliche. Abdullahs Besuch in London Jerusalem, 6. Juni. (J.T. A.) Im Zusammenhang mit!einer gegen Emir Abdullah anläßlich seiner Reise nach London erlassenen Proklamation wurden in den Wohnungen führender Mitglieder der transjordanisch-arabischen Exckutive Haussuchungen durcligefüiirt. Die arabische Exekutive hat an das Colonial Office ein Telegramm gerichtet, in dem dagegen protestiert wird, daß der Emir Land in Transjordanien an Juden verpachtet und damit den Zionismus ins Land bringe. Die arabische Presse meldet, der Emir habe vor seiner Abreise erklärt, gewisse Kreise hätten den Vorschlag gcmacht, er solle Verhandlungen Uber eine Vereinigung Palästinas mit Transjordanien cinlcitcn; er halte jedoch die Behandlung dieser Frage für verfrüht. Doch werde er» falls an Ihn in London Fragen betreffend Pa- ISstina gestellt werden sollten, auf diese Fragen antworten. Strafen für Tel -Awiwer Demonstranten Tel-Awiw, 7. Juni. (J.T.A.) Vor dem Tel-Awiwcr Pollzcirichtcr fand die Verhandlung gegen fünf Jugendliche und einen 14jährigen Schüler wegen Beteiligung an den Unruhen ln Tci-Awlw am 23. Mai anläßlich des General• Streiks gegen die Einwanderungspolitik der Palästina-Regie• rung statt. Vier Jugendliche wurden zu je drei Monaten, der fünfte zu zwei Monaten, der Schüler zu Prügelstrafe verurteilt. Der Richter erklärte, die Strafe sei zwar hart, aber er sei genötigt gewesen, harte Strafen zu verhängen» da es sich gezeigt nabe, daß leichte Strafen nichts fruchten. Unterhaus - Anfrage über Palästina im englischen Untcrhause richtete der Abgeordnete f). G. Summcrviltc an den Minister für die Kolonien die Frage, ob er im Hinblick auf die Beunruhigung der jüdischen Bcvölkerung Palästinas wegen der Einschränkung der jüdischen Einwanderung in dieses Mandatsgebiet bereit sei, eine unparteiische Untersuchung darüber zu .voranlassen, ob die Zahl der Ictzthcwilligtcn Einwaiulcrungs-Zerti• fikatc dem vollen Ausmaß der Aufnahmefähigkeit des Landes entspricht. Kolonicnminister Sir Philip Cu n 1 i f t c-Li st er erwiderte, die Aufnahmefähigkeit Palästinas könne am besten von Zeit zu Zeit durch den High Commissioncr, der die dauernde Verantwortung für die Verwaltung des Gebietes trägt, beurteilt werden. Nach der Ansicht des High Comnüssioncr seien genügend Einwanderungs-Zertifikate be• willigt worden; er (der Kolonieunmtistcr) sehe keinen Grund für die vorgeschlagene Einsetzung einer unparteiischen Kommission. Erklärung des neuen bulgarischen Ministerpräsidenten Sofia, 5. Juni. (J.T.A.) Eine Abordnung des Zentralkonsistoriums der Juden Bulgariens, bestellend aus dem Präsidenten Chnim F a r c h y und den Mitgliedern Jacques Pardoff und Buco Manoah, stattete dein neuen Minister- Präsidenten Georgieff einen Besuch ab. Die Abordnung brachte dein Premier die Wünsche der jiidischcn Bevölkerung Bulgariens anläßlich des Regierungswed!- sels dar und gab der Treue und der Loyalität der jüdischen Bevölkerung gegenüber dem Staate Ausdruck, Sie sprach die Hoffnung aus, daß die jüdische Bevölkerung unter der neuen Regierung dieselbe Lebens- und Existenzsicherheit und die gleiche Entwicklungsfrcihcit wie unter den bisherigen Re* gicrungen haben wird. Ministeiprnsident Georgieff, der die Abordnung mit größter Liebenswürdigkeit empfing, erwiderte, er wisse die Treue und Loyalität der bulgarischen Juden dem Vatcrlande gegenüber sclir gut zu schätzen und er zweifle nicht daran, daß die Juden auch weiterhin aufrichtige Träger dieser bürgerlichen Tugenden sein werden. Die Juden könnten auf ihn rechnen, ihre Sicherheit im Lande werde unvermindert gewährleistet bleiben. * Riga, 6. Juni. (J.T.A.) Der neue lettische Ministerpräsident ulmanis empfing eine aus den jüdisehen Abgeordneten des früheren lcttländischcn Sejm, Rabbiner Nurok (Misraclii) und Dtibin und Wittenberg (Aguda) bc* stehende Abordnung, die im Namen der jüdischen Bevölkcrung der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Arbeit der neuen Regierung erfolgreich sein werde. Rabbiner Nurok sprach bei dieser Gelegenheit die Erwartung aus, daß die Bürger Lettlands ohne Unterschied der Nationalität friedlich zulammen leben würden. Der Ministerpräsident erwiderte, dies *ei auch sein eigener Wunsch. Es werde zu keinen Rechts- Beschränkungen kommen. Der Ministerpräsident gab Zu- Sicherungen betreffend das Fortbestehen der jüdischen Schulen. Vom Hilfsvcrcin der Deutschen Juden, Zentralbüro für jüdische Auswandcrungsangclcgenheitcn, Berlin W30, Martin- Luther-Straße 91, wird mitgctcilt, daß die Einreise von 50 deutsch-jüdischen Familien, bestehend aus Vater, Mutter und Kindern unter 21 Jahren, nach Chile gestattet werden soll. Jede der Familien muß außer den Reisekosten bet der Landung im Besitze einer Summe von mindestens 2000 RM. sein. In Betracht kommende Personen, hauptshch- Sch Handwerker und Techniker, können sich unter Angabe iwer Personalien an die Zentrale des Hilfsvereins der Deut- •chen Juden Berlin, Martin-Luthcr-StraOe 91 und an die Beratungsstelle des Hiltsvcreins der Deutschen Juden, Ora* Bäeaburger Str. 31! wenden. ^״״״״־"^ ץ“ * ww חיי n ^ריך*^ j |י * ף״־׳ f ■־>. J- ׳ *Tv Die neue antisemitische Welle Von unserem Korrespondenten. Warschau, 7. Juni 1934. Seit einigen Wochen sind viele Städte in Polen, besonders Warschau, Lodz, Bialysiok u. a. der Schauplatz schwerer Angriffe aut die jüdische Bevölkerung. Eine immer stärkere antisemitische Weile erfaßt immer weitere Kreise des polnischen Volkes, auch der gebildeten Schichten. Eine antisemitische Literatur überflutet die polnische Republik. Am hellichtcii Tage, auf den belebtesten Straßen ist der Jude vor Uebcrfällcti nicht sicher. Die antisemitischen Parteien haben wieder die Oberhand. Die Bevölkerung wird systematisch gegen die Juden aufgehetzt, die unglaublichsten Märchen werden verbreitet, und cs genügt ein geringer Anlaß, um Ausschreitungen hervorzurufen, Bei der herrschenden Not und Arbeitslosigkeit werden die antijiidisehen Losungen mit Enthusiasmus auf- . genommen, und skrupellos vollzieht sich der Ucbcrgang van Worten zu Taten. Die jüdische Bevölkerung fühlt sicii in ihrer Existenz bedroht. Der Antisemitismus ist in Polen keine neue Erschein 11 ng. Es gab einige Perioden antisemitischer Hochwellen vor und nach!lern Weltkriege. Außer den grundsätzliehen Motiven, die immer und überall den Judenhaß hervorrufen, waren es in diesen Perioden besonders aktuelle und lokale Ursachen, die die antijüdischc Bewegung aufstachelten und großzogen. Seit liein,alie einem Jahrzehnt und insbesondere seit dem Maiiiiiuturz im Jahre 1926 war cs verhältnismäßig ruhig. Ausschreitungen gegen die Juden waren nur sporadisch vorgekomtnen, trugen keinen Massencharakter und konnten schnell lokalisiert werden. Es herrschte ununterbrochen ein w׳ i rt sc h a f 11 ic 11 e r Antisemitismus, der zur Patipcrisicrung eines Großteils der polnischen Judenlieit führte, antisemitische Tendenzen waren immer vorhanden, aber cs schien, daß unter dem neuen Regime die bürgerlichen Rechte der Juden ungeschmälert bleiben würden. Wir sind jetzt Zeugen eines U m s c h w 1111 g s, dessen Ursachen und Konsequen/en noch nicht genau erfaßt werden können. Fs unterliegt gar keinem Zweifel, daß die neue antisemitische Flut in starkem Maße gespeist wird von der Ökonomi sehen Krise. Die materiellen Sorgen lasten stark auf der Bevölkerung. Das Baiiernvolk (über 60״/« der Gesamtbevölkerung) leidet buchstäblich Hunger, die Arbeiter in den Städten sind meistens arbeitslos oder im Lolin stark reduziert, der Handwerker und Kaufmann fristen kaum ihr Dasein. Die freien Berufe sind überfüllt, der heranströmende zahlreiche Nach iv 11 cli s findet keine Beschäftigung, und diese polnisclic Jugend ist der hauptsächlichste. Träger der neuen aggressiven Bewegung. Eine gewisse, aber nicht die ausschlaggebende Rolle spielt das (anderswo stärker hervortretende) Motiv, die polnische Gesellschaft und das geistige Lehen von jüdischen Elementen zu befreien. Diese Ursachen wären aller niciit stark genug, wenn nicht der Einfluß 11ml die Beispiele der in mehreren Ländern erfolgrächen antisemitischen Strömungen vorhanden wären. Die int Auslände stark verbreitete antisemitische Theorie und Praxis, die dort gchandhahten Argumente und durchgeführte Propaganda machten vor den Toren Polens keinen Halt und fielen auf günstigen Boden. Ali «lies genügt aber noch nicht Zinn Verständnis der Lage. Es gesellen sielt noch politische Ursachen hinzu, die erst das Bild ins richtige Licht setzen. Seit 40 Jahren existiert in Polen eine antisemitische Partei, die Nationaldemo- '׳. w X»*# (, 1״wJ kraten, die, immer dcuEchfeimlPcl! gesinnt, lange Ztit öffentliche Leben beherrschten und grolle Teile des’ polnisch« Bürgertums und der polnischen Intelligenz cntschcidcnd U, einlludten. Der Antisemitismus war der wichtig,*! wenn auch nicht der einzige Programmpunkt dieser ParteT die in Pilsudski und dessen Anhängern ihren Todfeind «■! blickte. Als die Partei PihiuRkis iiti Jahre!926 in Polen die Regierung übernahm, begann ein Kreuzzug gegen die Na״״, naldeniokraten, deren Verdrängung aus dem öffentlichen Leb«, das Hauptziel des herrschenden Rcgierimgssystcms wurde Da nun die Nafinnaidemokraten ihren bisherigen Einfluß auj die im polnischen Volke vorhandenen antijmiischcn Gefühle stützten, mußte die Regierung ihnen diesen Wind ans (!«1 Segeln nehmen und י ubte eine antisemitische Praxis, bei welcher sie manchmal noch die National• demokraten übertraf. Gleichzeitig ging die Regierungspartei daran, die nationaldunnkratische Organisation zu /erbrechen, Man wandte viele Mulic auf, um ganze Gruppen der Muttcr«>rganisation absptnstig zu machen, man begünstigte allerlei neue Partei grümhmgen, die meistens se/csrtouDtiscbcn Charakter tragen Als diese Neubildungen zum Vorschein kamen, stellte sich bald heraus, daß sic zwar gemäßigter in ihrer Haltung gegenüber der Regierung waren oder gar mit dieser sympathisierten daß sie aber in ihrem anfijfnlisclieii Programm — dem Geiste der Zeit gemäß noch feindlicher, aggressiver und brutaler sind als die Nationaldeniokraten, «lenen sie scheinbar dm Rücken kehrten. Eine solche Splittergruppe, vornehmlich aus Hodisrlmljugend bestehend, die sich N a t i o 11 a I - R a d i k a I e nennt (gekürzt ״N a r a“ — ein immer populärer werdender Name), und erst zwei Monate besteht, bildet gegenwärtig den Stoßtrupp der neuen antisemitischen Bewegung in Polen. Sic haben fast genau das nationalsozialistische Pn• granitn übernommen, erklären sich als polnische Imperialisten mit einem maximalen Wchrprogramtn, verlangen, daß man «len Juden sämtliche Bürgerrechte ent• /teilt und sie aus allen Arbeitszweigen ausrottet und fordern Enteignung des Privatbesitzes, Nationalisierung der Naturschätze und vollständigen Umbau des Sozial- und Wirt• schaflslebens. Aehnlidic Parolen hört man aus manchen Jugendbült• den der Regierungspartei, wenn auch diese Bünde die Ge• waltmcthodcn der Nation,ilratlikalen verwerfen. Diese Bewegung greift immer stärker um sich und zwingt die alte iiationaldcinokralische Partei zu einem Kampf um ihre bisherigen Positionen. Diesen Kampf führt sie, indem sic auch ihrerseits die antisemitische Politik in Wort lind Tat verstärkt. In Lodz haben die Nation,1ldem> kraten bei den letzten Stadtratswahlen einen grollen Sieg errungen, indem sie die Mehr za 111 der Mandate bekommen lialien. Es stellte sich heraus, daß der überwiegende Teil der polnischen Bevölkerung in ihren sämtlichen Schichten anti• semitisch gesinnt oder wenigstens für antisemitische Losungen gegenwärtig sehr empfänglich ist. Damit muß nun die Regierung rechnen. Das Schicks a 1 der polnischen J 11 d c n heit 11 ä n g t «I a v o n a b, ob die. polnische Regierungspartei bestrebt sein wird, die oppositionellen rechten Parteien für sicii zu gewinnen und mit ihnen zu einer Verständigung zu gelangen, indem sie ihnen die Juden opfert, oder ob, seiner bisherigen י Haltung gemäß, das Pilsudsklsche Lager «len Kampf mit der Opposition weiterführen und der antijüdischen Agi• tation entgegen trete 11 wird. Die polnischen Juden haben keinen Einfluß auf die Wahl, die die Regierung treffen wird. Tief besorgt sehen sie aber den kommenden Tagen entgegen. Zwei Artikel des «Matin״ Ein warmherziger Freund des Zionismus, der französische Senator und frühere Minister Justin Godart, veröffentlicht im ״Matin“ einen Leitartikel über ״Das Land des fliegenden Kamels1‘, der, ntisgiliend von einer Beschreibung der feier• liehen F.inwcihung der Levante-Messe in Tel-Awiw, einige allgemeinere Ausführungen von Interesse enthält, ln Palästina vollziehe sich, jedem aufmerksamen Beobachter sichtbar, ein VcrschmelzungsprozcB, durch den die zum Teil voneinander recht abweichendes! jüdischen Typen aus den verschiedensten Landen! des Galulh׳ zu einem neuen einheitlicheren Typus umgestaltet würden. Dieser Typus sei derb, geprägt von harter physischer Arbeit, aber aufgerichtet von Stolz auf die errungene Freiheit, auf die Sicherheit des Lehens und auf den Krimpt um eine neue Gesellschaft. — Die Menge habe die Reden bei der Eröffnung der Messe im allgemeinen ruhig angchört ־— mit einer bezeichnenden Ausnahme! Als die Rede Dizengoffs ins Arabische übersetzt wurde, habe sich unwilliges Murren erhoben. Das sei aber — wenn auch jeder Nationalismus eine gewisse Ungeduld und Unduldsamkeit mit sicii bringe — doch erstaunlich bei einem Volk, das nur dadurch wiederauferstehe, daß es von allen Enden der Weit seine verstreuten .Glieder sammle. ״Ich glaube, daß das jiitlisclie Nationalhcim solange in Gefahr sein wird, wie nicht .zwischen Juden und Arabern eine Politik der Ver• ständig״ n g, der Z u s a 111 in c n a r h c i f und der gegenscitigcn Achtung methodisch und hartnäckig verfolgt wird.“ Freilich, so fährt Godart fort, seien schon die bisherigen Fortschritte des Nationalhcims höchst eindrucksvoll. Als der britische Hohe Kommissar bei der Eröffnung der Messe erschien, habe ein Regiment schottischer Hochländer, in prachtvoller Uniform, zuerst diu englische und dann die zionistische Hymne gespielt; als er den Platz verließ, zuerst. die zionistische! Für einen Engländer, der einen hochentwickelten Sinn für derartige Forinfragcn besitze, bedeute ganz gewiß die Gleichsct/ung der zionistischen Hymne mit dem ״God save the king“, daß er sich vor der Macht einer Tatsache beuge! . Palästina sei heute ein Land in voller Entwicklung, wohin die Kapitalien aus aller Herren Länder strömten, und wo der Fortschritt so schnell sei, daß ein ausgesprochener Mangel an Arbeitskräften herrsche. Frankreich, das seit den Krcuzziigcti immer wieder sein großes Interesse am nahen Orient bekundet habe, müsse sich bemühen, sich seinen geistigen und wirtschaftlichen Einfluß vollauf zu sichern. m Wenige Tage danach brachte der ״Matin“ an gleicher Stelle einen Artikel des berühmten Gelehrten Charles Riebet unter dem Titel ״Lcs Indesirables“ — die Unerwünschten. Obwohl das Wort ״Jude“ in dem ganzen Aufsatz nicht vorkommt, handelt es sich um einen ziemlich unzweideutigen Angriff auf die jüdische Einwanderung. Richet gibt sich den Anschein, nur gegen zwei bestimmte Typen von Einwanderern zu polemisieren, nämlich einmal gegen die betrügerischen Finanziers, die Schieber und Schwindler, die protzenhaft auf• tretenden Meister der Korruption, die, ״nachdem sie in ßudapest, Wim oder anderswo gescheitert sind“, ihr Treiben in Paris fortsetzen wollen, — und andererseits gegen die Revolutionäre und Anarchisten, die Schürer des Klassenkampfes. Andererseits aber — und hier wird die antisemitische Tendenz Richcts offenbar — dürfe natürlich keine Rede davon sein, etwa den fleißigen spanischen, italienischen, polnischen oder belgischen Arbeitern die Türen zu verschließen, - im Gegen• teil, das seien meistens nicht nur wirtschaftlich wertvolle Kräfte, sondern sic würden auch häufig vortreffliche fran•, zösische Staatsbürger. Wenn Richet wenigstens mit einem Worte angedeutet hätte, daß auch die vielen Zehntausend« von jüdischen Einwanderern, die nach dem Kriege und zum Teil im letzten Jahr aus Deutschland nach Frankreich gekommen sind, in ihrer großen Mehrzahl arbeitsame und an• ständige Elemente sind, so wäre der Eindruck einer anti• semitischen Tendenz vermieden worden. Aber bezeichnender• weise hat eben Richet dieses Wort vergessen! A. P• um die Jüdische Wahlkurie in Saloniki Athen, 7. Juni. (J.T.A.) Anläßlich der Bestätigung der von der Regierung verfugten Abschaffung der besonderen jüdischen W a 11 i k u r i c in Saloniki durch das griechische Parlament veröffentlicht der Führer der republikanischen Union, Abgeordneter Papanasta»• siou, in der Presse von Athen eine Erklärung, in der e* heißt; Ich mißbillige die Art, wie die Regierung «lie gesonderte Wahlkurie der Juden von Saloniki «!)geschafft hat, Diese Maßnahme läßt sich sittlich nicht rechtfertigen. Die Politik . der Regierung verursacht eine antisemitische Propaganda, denn die griechische Mehrheit der mazedonischen Hauptstadt wiril es niemals /״lassen, daß die Juden durch ihre Stellungnahme bestimmen, welche Abgeordnete, Venizelisten oder Aiiti-Vcne/ilistcii, in die Kammer entsandt werden sollen. Niemand, am allerwenigsten ich, bestreitet es daß die Juden griechische Bürger sind. Sic sind jedoch eine M1״* derlicit, die wohl den Anspruch auf vollständig* Gleichberechtigung und das Recht, Vertreter in d!e Kammer zu entsenden, hat, nicht aber dasjenige, die Mehr• heit daran zu hindern, die Abgeordneten zu wählen! die sic wünscht. Die Regierung hat somit eine ungerccnte Maßnahme getroffen, durch die Christen und Juden ״ Gegensatz zueinander gebracht werden. Sic züchtete mit «יי• deren Worten den Antisemitismus in einem Lande, das sten bisher derartige Gefühle nicht vorzuwerfen hatte. Bcmcrkenswcrtenvcisc beschäftigt sich auch das BW der türkischen Minderheit in Griechenland, die ״.',** kia", mit der Frage besonderer Wahlkurien für «He Minderbeiten und beklagt die Stellungnahme der J״* den von Saloniki, die die Abschaffung der eigen t Wahlkurien für Juden und Türken und damit den Verl!» der Vertretung dieser Minderheiten im Parlament zur roie■ gehabt hat. Die Aciißerungcn des Blattes haben in Salon! Aufsehen erregt, da die Gegner der besonderen Wahlkurie *1* stets darauf beriefen, daß auch die Türken für deren Schaffung einträten. Di wollt*. * von d» wir zv« ' fahre״ ( Schiff* t iiftvor«; ein ho 1 risten! «lasse! gu»R . denst« sehen! len, 1! deutsc ן Berlin ihre S gcriihi t so gu י haben, 1 Meine : D ' nie I. , bar, v Prom« kretio: t Mcnsc der Ji mit E woher 1 merkt mit v Harm die N Klasse Sccfal Ic Mutte Tatsa! anken brach, Asien Zahlet mit ei voller! gischt alles den f war, die M E Land Rcdrtt vorge hat. 1 gewet sklavt die P ich ni sen 1 einem Leide das s ward! weil word! A Cyrui ' der I billig Wied serkö mehr mit « daß 1 würd Schw tigen auf 1 mit! führe hinte um d ' von vierte habe kcn. auf sein® erwa mitg spät! ,stimi mltd curo auch als « dank bot gem alle disd Jahr bis nissi erke uns« jüill! auef wuß Ren ma<* reesh trag Qot! «