Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 46 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1934 fr. 46, 8. VI1934 jüdische Rundschau Seite 13 r V5; 71f,r /i'3. “־swp■***! 1 ו ׳ j j ß ' יהו r ך*־^* gp■־״* 1• ■&iuי מ נ. .״ fc-Svä^l (£■■־- “Mmß \ A f / «L <־ וי 2״»? •>Mi 4s״*Ä W| a 11 1 i , ,■’(tCf, £111 I 8».״״« <L״il» C Daten und Tatsachen ׳ercc '111. V, «MH l׳,l n tij r 11׳׳ ‘mii/ifj ct/l »״,; c», dcö ■ו;11. '8 über. Unter, 1R tnWt C.surutujj Reichen :haftsjr{, aKe. die rstut/cn. palHsti. «rßiinit 5ו,כ Ku. liat die st 103») m vor.!«1 kann oin P,v "׳erden. Mal hk nfüliren, t einem mmnirn. alnstina. teineke. Zur Einführung \C% 1 m 181 daran, Sport Augen sind? jstung stand? üe uns ן solid* Trikots i, auch artikd« t und wähl1 lut Ansclilult an unsere Publikation zum Thema Rjtii.iliiioril-Ileschuldijrunjr in Nr. 39 der ״Jüdischen HnmlsclKiti“ vom 15. Mai sind wir durch zahlreiche 2ns11׳tiftr'11 und AeulScrungeu aus unserem Leserkreise mieten worden, noch weiteres Material zu dieser Frage וון veröffentlichen. Es wird uns an der Hand von Einzel- Erlebnissen miigetcilt, daß die Beschuldigung des Rinialmords, tlie insbesondere durch die Zeitschrift ״Der Stürmer“, aber auch in anderen Zeitschriften, erhoben ,viril, und in der sogenannten ״Ritualmord-Nummcr“ des Stürmer“ mit vielen Einzelheiten gestützt wurde, trotz ihrer uns Juden bekannten Absurdität doch in maneben Kreisen Glauben findet. Die ״Ritualmord-Nummer“ ist nach einiger Zeit wegen eines Angriffs auf das Christüclie Abendmahl beschlagnahmt worden. Aber die Ritiialmord-Bescluildignng ist so geartet, daß sie um so gefährlicher wird, je geheimnisvoller sic von Mund zu ,Mund geht. Darum soll offen darüber gesprochen werden. Im Laufe der Jahrhunderte bestand ja die Furchtbarkeit der Ritualmord-Bcschuldigung besonders darin, daß sie an unwissende Volksmassen herangetragen wurde, die völlig außerstande sind, auch nur eine einzige Angabe zu kontrollieren. Nun existiert zwar eine ausgedehnte Literatur sowohl über die Grundlagen dieser llcschuldigung, als auch über jeden einzelnen der immer wieder als ״Ritualmord“ bezeichneten Fälle; aber diese Literatur ist natürlich nicht in die breiten Kreise gedrangen, und auch sehr viele Juden, wahrscheinlich die Mehrzahl aller Juden, kennt sic nicht. Wer hat sich denn noch vor kurzer Zeit um diese Vorwürfe gekümmert? Man hielt sie für einen Teil des Volks aberglauben s, den man heutzutage ebensowenig zu ״widerlegen“ braucht als den Glauben an Hexen. Dies hat sich geändert. Durch die Atmosphäre des Mißtrauens, die zwischen Juden und Nichtjuden entstanden ist, durch die wachsende Entfremdung und daher Unkenntnis jiidischcn Wesens, sind hei vielen Nichtjuden die psychologischen Voraussetzungen für den Rituahnordglaubcn nieder vorhanden. Wir schrieben in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 15. Mai: ״. . . Was uns beunruhigt, ist ja nicht die Tat- Sache, daß die Erfinder des Ritualmord-Märchens, wie Dcspories, Eisenmenger, Rohling und andere, ihre Schriften verfaßt haben, sondern daß sie in weiten l Kreisen des Volkes willige und gläubige Leser! jehindcn haben und finden. Diesem Phänomen des an | Jas Ritualmord-Märclien glaubenden (oder doch halb | (׳hübenden) Nichtjuden stehen w׳ir Juden völlig verständnislos, ja mit tiefer innerer Erschütterung gegen- | über. Denn obwohl das Ritualmord-Märclien durch un- | lählige Beweise, in zahlreichen Prozessen, durch Guti achten christlicher Gelehrter usw. widerlegt ist, geht es | ja hier anscheinend nicht um eine Frage des Intellekts 1 und des Wissens, sondern um eine Frage des Ge- | iühls . . ן Gegen diese Gefühlswelt, die den Juden als | unheimliches Wesen cinsehliizt, ist schwer zu streiten. ן Aber wir wollen auch den Glauben n 11 die Kraft des | Ben k e n s nicht verlieren. Darum haben wir den An- | regungen zu dieser Veröffentlichung nacligcgcben. Wir ן haben uns dabei an die den Kennern der Materie ver- | traute Literatur gehalten und konnten natürlich nur einen | Weinen Teil des Stoffes auswiihlen. Aber in dieser Sache geht es ja nicht um Einzelfälle, sondern um die Charaktcrisierinig einer Methode, für die jeder Einzelfall repräsentativ ist. Alles Jüdische ist jetzt für uns eine Angelegenheit erster Ordnung geworden, und sei cs auch nur eine solche Abwehr. Im nationalsozialistischen Deutschland kt die Stellung der Juden eine andere als sie früher war. Ikis Dritte Reich beruht auf dem Rasscgcdaiiken und die Juden nehmen als Fremdrassige eine Sonderstellung c>». Die Ausscheidung von Juden aus gewissen Berufs- Witcgorien beruhte ausschließlich auf rassischen Mo- '■veii, was schon daraus hervorgeht, daß auch getaufte Juden, ja selbst christliche Nichtarier zweiten und dritten Grades unter die Gesetze fielen. Die Religion spielt dabei keine Rolle. Von autoritativster Stelle wurde wieder- 1'01t erklärt, daß kein Kampf gegen die jüdische Rcli- Lion geführt wird. Die ״Jüdische Rundschau“ hat schon uiehrtnals Gelegenheit gehabt, gegenüber falschen Md- 11»ngen, die im Ausland verbreitet wurden, wahrheitsge- Will festzustcllen, daß die Judenschaft Deutsch-!ג n d s völlig ungestört und unbehindert '1'rer Religion nachgehen kann. Es entspricht nationalsozialistischen Prinzipien, den Juden diese Sphäre ihres Eigenlebens zu gewähren. Darum haben wir d'c Pflicht, den von privater Seite erhobenen Vorwurf des Ritualmords, der ein Vorwurf gegen die jüdische 1"'11Rion ist, abzuwehren. Die ״Jüdische Rundschau“ W(,nclct sich, ihrem Wesen gemäß, nur an Juden. Wir ־ Klauben, daß cs vielen Juden erwünscht sein wird, den ''■ihren Sachverhalt kenncnzulcrncn, daß sic aber auch i dlc sachlichen Informationen dazu benötigen, um Irrf n1c׳nungen, denen sie da und dort im Volke begegnen,!?u widerlege^. In diesem Sinne glauben wir, daß unsere Publikation einen nützlichen Zweck erfüllen wird. Wir hoffen, daß der Moment kommen wird, wo der rassenbewußte Deutsche dem rassenbewußten Juden, den er als andersartig empfindet, doch mit Achtung gegenüberstellen wird. Wir glauben, daß am Endpunkt des jetzt begonnenen schmerzlichen Prozesses der Auflösimg einer historisch gewordenen Symbiose ein Verhältnis gegenseitiger Achtung und innerer Freiheit stehen kann. Um dieses Ziels willen müssen wir daran arbeiten, Vorstellungen auszurotten, die mittelalterlichen Ursprungs sind und keine Basis in der Wirklichkeit haben. Dazu gehört das Ritualmord-Märclien. Seine Verbreitung in unserer Zeit ist eine der schwersten moralischen Kran* klingen, die dem Judentum zugefügt werden kann. Wir haben cs aber vermieden, uns in eine leidenschaftliche Polemik einz.ulasscn und uns darauf beschränkt, eine Reihe von Tatsachen zusaminenzustcllen. Mancher von uns mag es als demütigend empfinden, daß wir uns mit diesen Beschuldigungen überhaupt befassen. Aber wir glauben, daß um des Zieles willen wir auch in dieser Sache unverdrossen unsere Sisyphus- Arbeit tun müssen. ׳Wir י HHIf Die ״Quellen“ der Ritualmord - B eschuldigung Die Verbreiter der Ritualmorcl-Bescliukligung stützen ihre Behauptungen in der Hauptsache auf angebliche ״Zitate“ aus dem jüdischen Schrifttum, vor allem aus dem Talmud. Wir haben uns an Dr. CI1. A1 b e e k, Dozenten für Talmud nn der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, mit der Bitte gewandt, «ns in wenigen Worten und in einer für Laien verständlichen Form eine Beschreibung des Wesens des Talmud zu geben. I)r. AI heck schrieb uns dazu: ״Der Talmud als Ganzes bildet einen Kommentar zur Bibel, in dem sowohl ihre gesetzlichen Vorschriften, wie die Erzählungen vom Leben der Almen und der Nation erklärt, ergänzt und weiter ausgcschnnickt werden. Er unterscheidet sich von anderen Werken dieser Art dadurch, daß er keine feststehenden Erklärungen und Vorschriften überliefert, sondern Ansichten und Diskussionen einzelner Gelehrter, bei denen es oft überhaupt zu keiner Entscheidung kommt. Tausende von Geleinten aus vor- und nachchristlicher Zeit (bis 500 n. Ciir.) treten im Talmud auf, lehrend und diskutierend. Seine Sprache ist kurz und gedrängt, so daß cs jahrzchntelanger Ueliung bedarf, um Frage von Antwort zu unterscheide». Dies hat zur Ursache, daß nicht nur Nichtjuden, sondern die meisten westeuropäischen Juden den Talm 11 d nicht v c r s t c 11 e n. Es ist daher leicht, aus einem solchen Werke Stellen aus dem Zusammenhänge zu reißen und manches hineirmiinterprcticreri, was dem Kenner geradezu als Fälschung erscheint. Um dem tahnudischcn Geist gerecht zu werden und ihn objektiv zu beurteilen, ist cs nötig, die angenommenen Gesetze hcranzuzichcn und sie mit den Gesetzen anderer Völker aus ders e 111 c n Zeit zu vergleichen. Keineswegs dürfen aber nur Ansichten Einzelner, die von der Mehrheit verworfen und nie Gültigkeit erlangt haben, zum Kriterium hei der Bcurteilung des Talmuds gemacht werden. Dies gilt Insbcsondere von dem Teil des Talmuds, der Sagen, Legenden (Agada) und Deutungen enthält. Dieser Teil ist aus den öffentlichen Vorträgen der Lehrer zusainmcngcstcllt worden. Solche Vorträge suchen auf ihre Art auf die Hörer elnzuwirken und sind deshalb nicht frei von Ucbcrtreibungcn und Anspielungen auf Zeitereignisse, die den Zeitgenossen verständlich wären, uns aber rätselhaft erscheinen. Die größten Gelehrten des Mittelalters aus dem 10. Jahrhundert haben deshalb erklärt, daß die Agada nur unverbindliche Anschauungen der Lehrer darstclle. Es Ist wohl das Absurdeste, das man sich denken kann, wenn man Juden, die noch nie ein Talmud-Exemplar gesehen haben, für Jedes Wort in der taimudischcn Diskussion oder für Irgendeine Bemerkung eines Lehrers, die selbst Im Talmud zurückgewiesen wird, verantwortlich machen will." Wir finden in der Ritualniord-Utcratur fast immer wiederkehrend dieselben Zitate. Diese werden in der letzten Zeit in einigen deutschen Wochenschriften zur Stützung des Antiseiniiismus herangezogen. Die meisten dieser Zitate sind Fiseninciigers Buch ״Entdecktes Judentum“ (1711) entnommen. Dieses Buch hat keine Neuauflage erlebt und wurde erst in «ler zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts von August Roh- 1 i 11 g in seinem Buch ״Iler Ta 11111t d ju d e“ exzerpiert. Rohling wurde von dem damaligen Wiener Rabbiner Dr. Josef S. Bloch, dem späteren Herausgeber von ״Blochs Wochen• schritt", öffentlich der Literatur-Fälschung beschuldigt und aufgefordert, ihn zu verklagen, wenn diese Anschuldigung nicht auf Wahrheit beruhe. l)r. Rohling klagte gegen Bloch, die Sachverständigen sagten im Sinne Blochs aus lind es hätte am 18. November 1885 zur großen Schwurgerichts• Verhandlung kommen sollen, da zog Dr. Rohling im letzten Moment seine Klage gegen Dr. Bloch zurück. Damit waren die Behauptungen Rohlings von ihm selbst preisgegeben und schmählich zusamnicngcbrochcn. Trotzdem wurde das von ihm veröffentlichte Material auch später wieder in verschiedenen Publikationen und sogenannten Handbüchern der Judenfragc verwendet. Wir können im folgenden nur einige der gebräuchlichsten Zitate beleuchten. Immer wieder wird folgendes Tnlmudzilat angeführt: ״Die Juden werden Menselien genannt. Die Nichtjuden aber werden nicht. Menschen, sondern Vieh geheißen." (Tabu. Baba Mcziu 114 b.) Dieses Zitat ist teils gefälscht, teils mißverstanden worden. Die richtige Uebcrsetzung lautet: ״Ihr werdet (Ezech. 31, 31) ,Adam‘ genannt, die Völker aber werden (liier) nicht ,Adam‘ genannt.“ Die Worte ״sondern Vieh geheißen“ sind fälschlich hincingcbracht mul passen gar nicht in den Zusammenhang. Denn hier ist von einer Exegese zu Ezech. 33, 31 die Rede; das Schriftwort lautet: ״und ihr (Israel) seid meine Schafe, die Schafe meiner Weide, ,Adam‘ (Mensch) seid ihr.“ Dieses prophetische Gleichnis ist an sich dunkel. Israel wird hier gleichzeitig mit Schafen wie mit ,Adam‘ verglichen. Es wäre ganz unsinnig, einen Gegensatz so zu konstruieren, daß die Israeliten Menschen und die Nichtisraeüten Viel! sind, da doch die Israeliten selbst vom Prophetcu Schafe genannt werden. Die ganze Sache hat einen rein exegetischen Charakter und will sagen, daß der hebräische Ausdruck ,Adam', der wörtlich Mensch bedeutet* zu* weilen nur auf Israeliten Bezug nimmt, Nichtisracliten aber von dem kultischen Gesetz auxschlicßt. Aus einer Rnsclii-Exegesc zu Exodus 22, 30 wird folgende Stelle angeführt: ״Iler Aknin (Nichljude) ist wie ein Hund. Ja, die Schritt lehrt, «laß «ler IIund mehr zu ehren ist als der Nichljude.“ Die Uebcrsetzung ist vollständig entstellt. Der Excgct bemerkt tatsächlich zum Schriftvcrs ״Du sollst das (infolge der Speisegesetze zum Genuß der Israeliten) Ungeeignete (trete) dem Hunde werten“: auch dem Heiden kann cs ebenso wie «lern Hunde gegeben werden. Warum heißt es aber im Schriftvcrs ״Hunde‘‘? Um zu lehren, daß der Hund ihm (dem 11 eitlen) vor/u/ichen ist. Der Schriftvcrs lehrt Dich, daß der Heilige, gehenedeit sei er, keinem Geschöpf den Lohn vorenthält. Da die Hunde bei dein Auszug Israels aus Aegypten nicht gebellt haben, soll iiinen als Lohn dafür das . ungeeignete Fleisch gegeben werden. — Die Stelle hat also mit der Wertschätzung des Heiden (des Akum) nichts zu tun. Es wird behauptet, daß geschrieben stehe: ״Bott schuf die Nichtjuden, obwohl sic dein Tiere gleich sind, in Menschengestalt. Denn cs geziemt sieh nicht tiir einen Juden, daß er sieh von iiU'gesproi Irenen Tieren bedienen la.-:<׳. Darum wird er bedient von T,ieren in Menschengestalt.“ (Midrasch Talpiot S. 25S.) Das liier Zitierte stellt weder im Talmud, noch in irgendeinem Midrasch-Werk, cs ist die Homilic eines Kabbalisten mm Asketen ans dem Anfang des 18. Jahrhunderts (Elia ben Salomo Abraham aus Smyrna). Der Verfasser lebte im Orient, kannte das Christentum kaum oder überhaupt nicht. Bemerkenswert ist cs, daß unser Kabbalist in derselben Homilic, und zwar unmittelbar vor dem inkriminierten Zitat, das Niclitmensclisein «ler Heiden dahin definiert, daß sie sielt von Gott fcrnhaltcn und nur das tun, was auch du Tier tut, «1.11. nur körperliche Interessen verfolgen. Er sagt ferner, daß sie Menschengestalt haben, damit sie, wenn sie wollen, durch Finhaltuiig der Gebote Gottes wirkliche Men״ scheu werden können. Auch die Israeliten sind ja nur insofern ״Menschen“, als sie die Gebote Go 11 e s halten. Wenn sich die Nichtjuden in diesem Sinne «len Israeliten anscliiicßen wollen, so ist ihnen die Möglichkeit dazu jederzeit gegeben. All diese Zusammenhänge verschweigt der Zitator. In diesem Zusammenhang niag es interessieren, wie in religiösen Kontroversen aticii über die Juden von christlicher Seite geschrieben worden ist. Es sei bloß auf den Heiligen Johannes Chrysostomns verwiesen, der iti einer Rede gegen die Juden u. a. folgendes sagt: ״Doch diese so beschaffenen unvernünftigen Tiere, weil sie zur Arbeit nicht tauglich sind, sind mir zum Schlachten geeignet... Deswegen hat auch Christus gesagt: ,Jene meine Feinde, die nicht wollen, «laß ich über sic herrsche, führet sie her und schlachtet sic‘.“ (Johannes Chrysoxtoini Orationcs adversus Juda cos, orat. I, pag. 580 von ״taiia vero bruta“ bis ״inactatc 1110s“.) Weiteres Zitat der Judengegner: ״Fine schwangere Nichtjiiiiin ist cinzuscliätzcn wie trächtiges Vieh.“ (Chnschcn li.mii 1 •hp.it 405.) Dieses unsinnige Zitat ist «Ittrch die Fälschung einer strafgesetzlichen Bestimmung, die in bezug auf Schadenersatz einen Unterschied macht, nicht zwischen Juden und Nicditjuden, sondern zwischen Freien und Sklaven. Die Bestimnumg lautet wörtlich: ״Hat (ein Ochse) eine Frau gestoßen, lind diese (infolgedessen) ihre Kinder (durch verunglückte Frühgeburt) verloren, so ist («1er Figcntiimer des Ochsen), trotzdem cs sich um ein stößiges Tier handelt, vom Schndenersatz der (tot) geborenen Kinder freizusprechen (weil im biblischen Gesetz die Frsntzpflicht für nicht persönlich vcrnnlaßte Fehlgeburten nicht vorgesehen ist). Hat aber (der Ochse) eine schwangere Sklavin so gestoßen, «laß sie ihre Kinder (als Frühgeburten) verloren hat, so ist (der Eigen» tiimer des Tieres) verpflichtet (dem Figcntiimer der Sklavin für den verursachten Verlust der Sklavenkiiuler), Schadenersatz zu leisten, als wenn (der Ochse) ein trächtiges Tier gestoßen hätte. Und man schätzt sie (die Sklavin behufs Festsetzung des verursachten Schadens), wieviel sie anfangs wert war und um wieviel ihr Wert vermindert wurde usw. (tmd den Wcrtmitcrschieil hat dann der Figcntiimer des stößigen Tieres «lern Figcntiimer der Sklavin zu ersetzen).“ Die Stelle hat mit Beziehungen zur nichtjüilischen Frau tun so «׳eiliger zu tun, als die Sklavin eines Juden dem jüdischen Rcligioitsleben augegliedert wurde. In dem Augenblick als eine Sklavin oder ein Sklave befreit wurde, war sie freie Jüdin, bzw. er freier Jude. — Zu der von jiidenfeirullichcr Seite zitierten Stelle aus Tosafot Jcbainoth 9-1 b: ״Wer mit einem Nichtjuden ißt, tut soviel, als wenn er mit einem Hunde äße“, ist zu bemerken, daß sie an dem bezeichneten Ort nicht steht. Auch folgendem Zitat begegnet man ständig in der Ritualmordliteratur: ״Wenn einem Juden ein nichtjiidöcher Knecht oder eine nichtjüdische Magd stirbt, so soll man dem Juden kein Beileid aussprechen. Man soll zu dem Juden sagen: Gott ersetze dir den Schaden — gerade so, wie wenn ihm ein Ochst oder Esel krepiert wäre.“ (Jore Dea 377, 1.) Der Zitator hat hier zwei ganz verschiedene Stellen zusarnmengesetzt und falsch w i e d e r g c g e b e n. An beiden Steilen ist von Sklaven die Rede, die, soweit sie Juden angehören, der jüdischen Religion angegliedert sind. Von 1