Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 46 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 jüdische Rundschau erwiesen. Aber wenn auch die bisherige Behandlung des Problems nicht befriedigt, das Problem selbst existiert und kann bei keiner wirklichen Neuregelung der europäischen Verhältnisse übergangen werden. Es war in letzter Zeit davon die Rede, daß bei Mißlingen einer neuen allgemeinen Regelung des Minderlieitenschut/es an dessen Stelle direkte ״zweiseitige Vorträge“ zwischen den interessierten Ländern treten sollten. Diese Möglichkeit ergibt sich aber nur dort, wo cs sich um Grenzgebiete bzw. um Gegenseitigkeit handelt, also z. B. im Verhältnis von Deutschland und Polen. Schon in bezug auf z. B. die deutsche Minderheit in Rumänien wäre eine derartige Regelung unmöglich, weil cs keine rumänische Minderheit in Deutschland gibt. Man muß in der Minderheitensache überhaupt unterscheiden zwisehen jenen Fragen, die gleichzeitig Grenzfragen sind, und den reinen Volkstuntsfragen, die ihrer Natur nach gar nicht mit Territoi ial-Fragcn vermischt werden können. Zu dieser letzteren Kategorie, die im Sinne des internationalen Konfliktstoffes viel ungefährlicher, dafür aber moralisch viel belastender ist, gehört die Frage der jüdischen Minderheiten allenthalben. Eine mit allgemeinen Prinzipien in Einklang stehende Regelung der Position der Juden ist, zumindest in einigen Ländern, ein dringendes Erfordernis, und zwar nicht nur im Interesse der Juden, sondern auch im Interesse der Mehrheits-Völker, denen es ja auch nicht erwünscht sein kann, einen Konfliktsherd dieser Art dauernd bcstehen zu lassen. Der entscheidende Grundsatz muß der des R e s p c k t i e r c n s fremden Volkstums auch innerhalb der Staaten sein; der polnische Antrag verlangt, wie Hassclblatt in der Zeitschrift .,Nation und Staat“ (Mai 1934) ausführt, die Gleichstellung aller Sondcrgruppen mit den ״nationalen“ Minderheiten, so daß sich der Grundsatz zu einer Forderung des ״Rcspckfierens fremder Art“ schlechthin erweitern würde. Dies müßte natürlich auch im Verhältnis der Minderheiten untereinander gelten. Es geht doch nicht an, daß — wie es heute zuweilen vorkommt — z. B. deutsche und jüdische Minderheiten in einzelnen Ländern einander wie ״Feinde“ gcgcnübcrstchcn! Wir Juden wollen keine solchen Gegensätze, sondern konstruktive Lösu n gen für diese schwierigen Beziehungen von Volk zu Volk. Auf diesem Gebiet ist noch viel an Erkenntnis lind Aufklärung zu leisten. Der Völkerbund wird bei seiner am 10. September in Genf zusnnimcntrctcndcn Versammlung auf diesem Gebiet eine sehr schwere Arbeit zu leisten haben. Obwohl zu befürchten gibt, daß er nach Genfer Brauch um die wirklichen Probleme herumgehen und einen formalen Ausweg suchen wird, so müßte man doch holten, daß bei dieser Gelegenheit das Minderheiten- Problem nicht nur von der politischen, sondern auch von der moralischen und realen Seite betrachtet wird. Unter diesem Gesichtspunkt ist cs gewiß zu bedauern, daß Deutschland, das in diesen Fragen den ausgeprägtesten Standpunkt hat und an einem Verständnis für den Volkstums-Gedanken der Minderheiten besonders interessiert ist, in Genf nicht mehr vertreten ist. Es heißt, daß während der jetzigen Beratungen in Genf auch bereits Vorbereitungen für die Behandlung der Minderheitenfrage im September getroffen werden. Es ist ein Punkt, der sich bei jeder Betrachtung über die Zukunft Gesamteuropas aufdrängt. Jahrzeit nach Arlosoroff Jerusalem, 5. Juni. (J.T.A.) Die Jahrzeit nach dem Tode Chain! Arlosoroffs wurde am 22. Siwan in ganz Paliistina durch Gedenkfeiern begangen. Die Hauptgedenkfeier wurde von der Exekutive der Jcwish Agency gemeinsam mit dem Waad Lcumi im Gebäude der Jcwish Agency ■voranstnltet. Gedenkreden hielten Miss Henrietta Szold und Mosche Sliertok, Die Palästina-Exekutive der Jcwish Agency hat eine Proklamation erlassen, in der es heißt: Die zionistische Bewegung senkt heute ihre Fahnen über dem ein Jahr alten Grabe ihres jugendlichen Führers. Das nrahdcnkm.1l für Arlosoroff wurde am C. Jtmi in Anwesenheit von Mitgliedern der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumi und hervorragender Repräsentanten des!isclniw feierlich enthüllt. Nur geladene Gäste hatten Zutritt zum Friedhof. Anläßlich des ersten Jahrestages nach dem Tode Arlosoroffs wird eine Straße in Jerusalem nach ihm benannt. Messcschlutj in Tel-Awiw _ Tel-Awiw, 5. Juni. (J.T.A.) Die Lcvantcmcssc In Tei-Awiw wurde nach fünfwöchiger Dauer am 5. Juni geschlossen. Die Messe, die einen außerordentlichen Erfolg aufzuweisen hatte, Ist von über 600 090 Güsten besucht worden. Die nächste Lcvantcmcssc wird im Jahre 1936 abgehaltcn werden. Zionistische Versammlung durch Revisionisten gestört Durch die gestrige Abendausgabe des ״Angriff" wird die ()Öffentlichkeit in auffallender Weise davon unterrichtet, daß eine jüdische Versammlung gestört wurde. Der ״Angriff" berichtet auf der ersten Seite: ״Jüdische Gcheiinvcrsammitmg an Friedrichshain aufgcflogcn.“ Wie wir erfahren, handelt cs sich um eine angemeldctc und polizeilich genehmigte Bezlrksvcrsaminlung der B. Z. V., die durch revisionistische Zwischcnrufcr und Exzcdcntcn gestört wurde. Ein ״uniformierter Saalschutz" war nicht vorhanden, vielmehr wurden die Störenfriede durch einige entschlossene Vcrsammlungstcllneluncr aus dem Saale entfernt, worauf die Versammlung in Ruhe zu Ende geführt und geschlossen werden konnte. Der Fall zeigt, daß von revisionistischer Seite systematisch versucht wird, die friedliche zionistische Arbeit durch Störung!- gruppen zu behindern. Der Gcichüftsiührendc Ausschuß der Zionistischen Verdnlgung für Deutschland hat, wie uns gleichzeitig mltgctcilt wird, am 6. Juni beschlossen, daß die Zugehörigkeit zur ״Staatsziontstischcn Organisation" (Revisionisten) mit der Zugefiörigkeit zur Z.V.LD. unvereinbar ist. Vor dem Urteil im Arlosorotf-Prozcfj Jerusalem, 5. Juni. (J. T. A.) Die Vernehmung der Entlastungszeugen lin Arlosorolf-Mordprozeß wurde am 5. Juni abgeschlossen. Es wird erwartet, daß das Urteil am Freilag, dem 8. Juni, gesprochen werden wird. In der Verhandlung n!n Dienstag, dem 5. Juni, wurde der aut Antrag der Verteidigung nochmals v arge) ad nie Araber Abdul Medsehid, der ein spater widerrufenes Geständnis der Tat abgelegt hatte, vernommen. Et stellte cs in Abrede, jemals dem Polizisten Scharmeistcr Besagt zu haben, (laß Jssa el Derwisch Dr, Arlosoroff getütet habe. Der Orthopäde Dr. Joset Treu Sagte als Sachverständiger aus, zwischen den Gipsabgüssen der Fußspuren an der Mordstelle und den Fitltahdrückcn Slavskvs und Rosenblatts bestelle keine Aelmlirhkcit. Der Leiter des Krimiiialbfiros llauntmann Rice erklärte, er habe der Riwka Feigin, die Rosenmatt als vermutlieben Täter bezeichnet hatte, zehn Schilling gegeben, damit sie Geschenke fiir Rosenblatt, den sie im Gefängnis besuchte, kaufc11־ könne. Der Spurensucher der Polizei Abdul Ruz stellte mit Beslimintlieit In Abrede, jemals mit irgend jemandem über die Fußspuren gesprochen zu haben. David Jclliii erklärte als Sachverständiger, der Akzent orientalischer Juden sei von demjenigen europäischer Juden deutlich zu unterscheiden. Es wurden noch einige andere Zeugen ver* nommcii, deren Aussagen nichts Wesentliches brachten. Die Ploidoycrs Am Vormittag des 6. Juni begann Oberstaatsanwalt Trust cd sein Plaidoycr. In Anbetracht der außerordentliehen Kompliziertheit des Falles fand man seine Rede, obwollt sie zwei Stunden in Anspruch nahm, überraschend kurz. Der Oberstaatsanwalt verlangte vom Gerichtshof, Stavsky und Rosenblatt schuldig zu sprechen und stützte diese Forderung auf sieben Punkte, die er ein- •/,ein näher erörterte: Erstens, auf die Aussage Frau Arlosorofis, die fest behauptet, In den Angeklagten die Mörder erkannt zu haben; zweitens, auf die Aussage Mosche Wcl- __Nr-<». 8■ Vim, *er*, der zur Zelt der Tat am Strande von Tel-Avriw und behauptet, beim Aufleuchten der Taschenlampe Sta■ Silhouette erkannt zu haben; drittem, aul die Äussan«»17' Spurensuclicr; viertem, auf die Zeugenaussage Abdul VEr schlds; fünftens, aut die Idcntillzicrungsvortühruni?, L j Frau Arlosoroff Stavsky und sechstens aut diejenioe!! der sie Rosenblatt erkannt haben will; siebentens Vortällc bei der Versammlung In Klar Saba. Der nsT Staatsanwalt erklärte, bei der Beurteilung des Falle! »b das Hauptgewicht auf die Aussage von Frau Sims »oroff gelegt werden, da sie die Mörder gesehen und ' klärt habe, cs seien Juden gewesen. B־ Um 12 Uhr mittags begann der Verteidiger Horace Somue! mit seinem Ptatdoycr. Er erklärte, bei dem Mord an Dr A losorotf halic es sich um ein spontanes Sittlichkeit Attentat, nicht aber tim einen politischen Mord ßchuyV Der Falt habe mit den beiden Angeklagten Stavskv . J Rosenblatt nichts zu tun. y uni Der Verteidiger führte aus: Die Polizei habe ein bren. nendes Interesse daran gehabt, um jeden Preis jemanden 11 Mörder ausfindig zu machen, weil bei der Aufklärung die«! Mordtat Ihr ganzes Prestige auf dem Spiele stehe. l!m | Interesse ju walircn, habe sic irgend jemanden mit dem Verbrechen In Verbindung bringen müssen. Wenn der (V richtsbof diesen Umstand in Betracht ziehe, dann werde « den Geist des gesetzwidrigen ränkcvollcn Vorgehen» Polizei In diesem Fall erkennen. Es Hege auf der Hand, er. klärte der Verteidiger weiter, daß zwischen Arbeiterpartei! lern und Revisionisten ein scharfer Gegensatz bestand, uni daß cs daher im Interesse der einen Partei lag, den Mordfi! für ihre Zwecke auszunutzen. Infolge des vorschriftswidrigen Vorgehens der Polizei seien eine Anzahl polizeilicher Doku, mente verschwunden. Die Alibi-Zeugen seien feindselig!#. handelt worden. Es läge kein Beweis vor, daß die Revlilo■ nisten Gründe hatten, Arlosoroff zu ermorden. Der Verteidiger wird sein Plaidoycr In der nächsten V«. Handlung fortsetzen. Umfang und Richtung der deutsch - jüdischen Auswanderung Von Ernst K a h 11, London. Innerhalb mul außerhalb Deutschlands gehen die Schiitzungen über die Zahl der in Jahresfrist Ausgewanderten ziemlich auseinander, und niemand ist in der Lage, genaue Angaben zu machen. Die naheliegende Methode, die Zalil der Abgcmclsteten fcst/ustellen, ist leider nicht anwendbar, weil erfaltruitgsgemäß ein sehr großer Teil der ins Ausland Gegangenen einstweilen deshalb die Abmeldung noch nicht vollzogen hat, weil zunächst die Fahrt Ins Ausland entweder lediglich als eine Frkimdigiiugsrcise gilt, oder aber Kinder und Jugendliche darunter fallen, die vorerst noch keineswegs sicher sind, ob es sich bei ihnen tun eine dauernde Abwesenheit oder aber tim i ehr- und Wanderjahre handelt. Viele meinen nun, daß eine Feststellung im Ausland verhältnismäßig leicht sei, weil dort Komitees bestehen und diese Komitees naturgemäß auch Statistiken über die von ihnen Betreuten aufstcllcn; aber auch hier können die Aufstellungen kaum Anspruch auf Genauigkeit erheben, denn cs melden sicli durchaus nicht alle ins Ausland Gegangenen bei dem Komitee, auch wird nicht überall die Zahl der Kinder mit angegeben; andererseits aber sind auch manche Auswanderer an verschiedenen Stellen angcmcldet, und vor allem dürfte eine ganz, große Anzahl der Angcmcldetcn bereits das betreffende Land wieder verlassen haben, um entweder weiterzuwandern, oder aber ln die Heimat zurü'ckzukehren. Immerhin vermögen die Angaben der Komit e c s, die hier wiedergegeben seien, einige Anhaltspunkte zu geben: Die Schätzungen in den einzelnen Ländern lauten wie folgt: Es sind verblieben in Frankreich 21000 Palästina rund 10 000 Polen 8 000 Holland 5 000 Tschechoslowakei 3 500 Skandinavien 2 500 Schweiz 2 500 Vereinigte Staaten 2 500 Belgien 2 300 England 2 (MX) Luxemburg u. Saargcbict 1 000 Südafrika 1000 Oesterreich 800 Australien 800 Baltische Staaten 000 Zus. 63 500 Es fehlen In obigen Statistiken die Angaben über eine große Anzahl von Ländern und vor allem Südamerika, wohin vermutlich auch etwa 500—1000 Menschen gegangen sind. Auch über Ungarn, das eine gewisse Rückwanderung zu verzeichnen hat, die Türkei und viele der kleinen Länder sind keine Angaben zu erlangen. Für manche der obigen Länder scheint'mir persönlich die Ziffer zu groß (Frankreich) und für andere (England) zu klein. Alles in allem dürften aber einschließlich der vielleicht einstweilen nur vorübergehend aus Deutschland Verreisten etwa 70000—75000 Juden das Land verlassen haben. Es bedarf wohl keiner weiteren Ausführungen, daß diese Menschen nur zum kleineren Teil als Verankert und gesichert gelten dürfen. Ain ehesten kann man dies fraglos von den nach Palästina Ucbcrgcsicdcltcn sagen, wenn mich viele dort — namentlich die mittleren Lxlstutzen — noch auf der Suche sind nach einer endgültigen Einfügung in ihren künftigen Beruf. Fs sei dem Schreiber dieser Zeilen gestattet, diesen kurzen Bemerkungen erneut einige Ratschlage für die Aus- Wanderer beizufügen: Wiederholt sei zunächst die dringcmle Mahnung an alle, die sich bereits zum Verlassen Deutschlands entschlossen haben, sich ln sprachlicher Hinsicht• so gut wie möglich nusztihllden; darüber hinaus sei aber gerade mir eine Bemerkung gestattet, nachdem ich in früheren Ausführungen einige kritische Sätze über die sogenannte ״Umschichtung“ gemacht habe. Damals hatte ich vor allem vor den Schwierigkeiten der Landwirtschaft gewarnt und darüber hinaus auch die Meinung vertreten, daß nicht jeder bisherige Referendar und Kaufmann plötzlich Schreiner oder Chauffeur werden könne. Diese Bemerkung ist mir zum Teii verdacht, vielleicht auch falsch verstanden worden und darum sei auf Grund der täglichen Erfahrungen diese Frage der Umschichtung etwas ausführlicher behandelt. Nach wie vor stehe ich zwar auf dem damals skizzierten Standpunkt, und ich möchte ihn sogar dahin ergänzen, daß ich die plötzliche Abneigung vor dem Kaufmannsstandc bedauere. Ich halte cs für abwegig, nur dem Handwerker ein gewisses Berufsideal zuzubiiligen. Oeradc ein Land wie England, mit seinen strengen, ehrenwerten Prinzipien, zeigt, wie angesehen der rechtlich« und sauber« Kaufmann ist und, je mehr die Entwicklung vor sich schreitet, je neär man von Kleinlichkeit zur Großzügigkeit iin Kauftnannsstjnii! übergeht, um so mehr kann der Handel zumindest ebensoviel Ansehen beanspruchen wie irgendein anderer Beruf, und g geht nicht an, i 11 in 11 i c B c r ׳! f s c 11 r e ,! b zu• streiten. Dieses zugegeben, möchte ich aber immerhin jenen Jungen Menschen, die vor der Auswanderung stehen und die Kaufleute bleiben wollen, den dringenden Rat geben, doch den Wert einer — zumindest vorübergehenden - techni• sehen Ausbildung nicht fiir gering zu halten und?« unterschätzen. Man erinnert sieh, wie in manchen hmliinsje scheuen Familien, ja sogar in manchen Herrscherhäusern, die Erlernung eines Handwerks herkömmlich und obligate»■ risch war. Das mag 711m Teil symbolischen Charakter gt• tragen haben, aber für jeden praktischen Beruf scheinen mir handwerksmäßige Kenntnisse von ungewöhnlichem Wert. Welchen Beruf — auch als Kaufmann — man später attsiiben möge, man wird im Weiterkommen unabhängiger und erfahrener sein, wenn man auch die technische Seite beherrscht. Vor allem aber — und das scheint mir da! Entscheidende —■ hat das Fußfassen in fremden Ländern geradezu als Voraussetzung eine gewisse körperliche tind'liandwcrksm ä fl i g e Geschicklichkeit. Immer wieder hören wir bei unseren Verhandlungen mit Freunden von Ucbersee, daß sie mit den kaufmännischen Angestellten zunächst einmal wenig anfangen können, nicht nur weil diese die Landessprache nicht beherrschen. Dagegen könnte sie aber jede beliebige Anzahl von jungen, wirklich gut aus• gebildeten Handwerkern sofort beschäftigen. Wir hören da nicht nur aus Ländern, in denen die Konjunktur bereits nach oben deutet, sondern selbst aus Gebieten mit schwerer Krisis. Voraussetzung ist natürlich vor allem, daß man das be• treffende Handwerk gut und gründlich kennt und nicht nur volontiert hat. Es ist ja nirgends gesagt, daß die Betreffenden immerfort Handwerker 111 eihen sollen, denn sie können j» sehr wohl in das Kaufmännische später übergehen oder einen Beruf ergreifen, in dem beides, das Kaufmännische und du Handwerksmäßige, angewandt werden kann. Zum Schluß freilich noch einen weiteren Rat: Diejenigen, die herausgehen, dürfen in ihrem Handgepäck den Mantel der Bescheidenheit nicht vergessen und sie mögen Dinge, die sic schlechter finden als in der Heimat, im stillen, aber nicht laut kritisieren. Wer ein fremdes Land nur mit den Augen der Heimat betrachten kann und will, der mög« lieber zu Hause bleiben! Juden in der Wirtschaft Das ״Karlsruher Tagblatt" berichtete vor finl• gcr Zeit über eine Rede des Gau Wirtschaftsberaters I׳״ Kentrup, worin dieser gesagt haben soll, daß in der deutschen Wirtschaft keinerlei Unterschiede g c m a c h י werden dürfen zwischen jüdischen und cHr 1 st* liehen Unternehmern, auch nicht bei Vergebung van Aufträgen des Reiches, der Länder oder der Konitmmcn. Die Karlsruher Zeitung ״Der Führer“ stellte <k״' gegenüber fest, daß der erwähnte Satz, der vom ״Ku״" riiiicr Tagbiatt“ in Fettdruck gebracht wurde, in dem 1ך׳ > des amtlichen deutschen Nachrichtenbüros nicht enthalten "י •י Die Zeitung hat sieh daher an Dr. Kentrup um Auskunft 1 gewandt und berichtet darüber folgendes: '1 ״Nach Riick-ipraHic mit I)r. Kentrup stellten wir n|1״ | daß seine angebliche Artißcmng Uber die Judenfrage im Sinac 1j Veröffentlichung de, ״Kntl-rulicr Tngbl.Utc1,“ nirlit den *1,1?.'1, 1 entspricht und daß er di es« Art der HoricliteriUllung einer ן rulier Zeitung in seiner Karkruhcr Rede aufs schiirlstc nid»'1 ן 1 י habe. Dr. Kentrup erklärte weiter zu dieser Frage, daß *war . f Wirklich leider aus zwingenden politischen Gründen der 1 ״ Paragraph noch nicht in der Wirtschaft verwirklicht werde01‘ ״'^ j daß wir aber als Nationalsozialisten deshalb noch lange nie | irgendwelche politischen Grand -ätze zu opfern brauchten. | Die Anschauung, daß der Arierparagraph in der ״J י י Schaft nicht durchführbar ist, entspricht auch dem bekann ן Erlaß des Reichsinnenministers.! Bestimmung über weibliche Beamte In einer neuen Durchführungsbestimmung au den Schriften über die Rechtsstellung der weiblichen , amten weist der Preußische Minister des Innern aut gendes hin: , Weibliche Beamte, die nach dem 1. Juli 1933 Manne nlchtarlschcr Abstammung die Ehe elngcRangcn t oder künftig eingchcn. sind nach dem Rcichsbearwen« zu entlassen. Eine Abfindung wird nicht gewann- Oesctz über die Rechtsstellung der weiblichen findet ln diesen Fällen keine Anwendung.