Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 43 (29.5.1934)
- Date
- 1934-05-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 jüdische Rundschau Nr. 43, 29. V.!934 Bemerkungen zur zionistischen Ideologie - Von Georg Landauer, Jerusalem L Die zionistische Bewegung ist dtt elementarer Jiistorl- *eher Prozeß. In ihr offenbaren sich die zentripetalen Kräfte des zu einem Diasporaleben verurteilten jüdischen Volkes. Das jüdische Denken war stets bestrebt, der Diaspora einen Sinn und Wert und daher auch den aut die Wiedcrcrstclumg der Nation in Palästina gerichteten Kräften einen mit der Diasporaexistenz kontrastierenden Sinn und Wert zu geben. Die Diaspora wurde zur ״Gallith“, die nationale Bewegung zum Zionismus. Der historische FJcmentarprozeß erhielt eine Deutung und so entstand zionistische Ideologie. Das Palästinastrehen des jüdischen Volkes ist allein durch die Tatsache der Diaspora bedingt, aber durch Zustand und innere Tendenzen der Diaspora in jeder Generation näher bestimmt. Der historische Prozeß, der mit der Verhängung der Diaspora begonnen hat, kann nicht aufhören, bis nicht die Diaspora überwunden ist. Unwandelbar und un■ abdingbar an die Tatsache der Diaspora geknüpft, wird er immer von den Kräften im jüdischen Volksleben gespeist werden, die die Diaspora überwinden wollen. Die zionistische Ideologie dagegen wird von den in der Vöikergescbichte überhaupt wirksamen und im jüdischen Denken ihren besonderen Ausdruck findenden Tendenzen bestimmt. Sic ist einem langsamen oder schließen Wandel unterworfen, ln einem Zeitalter, das viele Umwälzungen mitmacht, das eine entscheidende Krise im Denken und in der Lebensgcstaltung der Völker erlebt, — Erscheinungen, die in einem der Umweit erschlossenen und von ihr mitbestimmten jüdischen Leben stets zum Ausdruck kommen —, ist auch die jüdische Betrachtung der Diaspora und die zionistische ldeologie dem Wandel untertan. Werden sich die ״objektiven“ historischen Kräfte immer im Volksleben durchsetzen? — unbekümmert um die Wand- Jungen der Ideologie und den Wechsel der Argumentation? Unser unerschütterlicher Glaube an die Echtheit, Naturgegebenheit und die innere Kraft der zionistischen Bewegung läßt tins zu dieser Frage ja sagen. Es gibt jedoch Zeiten, in denen andere, das Galutliproblem scheinbar überschattende Vorgänge des Volkserlebens, eine so starke Wirkung im jüdischen Denken haben können, daß Wandel und Wirkung des Wandels der Ideologie der Bewegung und den in ihr wirksamen attrakliven Kräften mit Folgenschwere entgegenarbeiten können, in diesen Zeiten gilt es, der Bewegung, der Ideologie und der Argumentation den Weg durch die Gcfahren der Krise zu weisen und hierdurch die Lebenskraft der zionistischen Bewegung zu offenbaren. Es ist heute noch vollkommen unmöglich, dieser Generation zu zeigen, was sie Kurt BI u m e n f e I d, dem Meister der zionistischen Darlegung, schuldet. Er hat die zionistische Ideologie dieser Epoche entscheidend mitgestaltet, er hat eine Generation zionistisch denken und zionistisch argumen- ■ticrcn gelehrt. Er hat dem zionistischen Gedanken seinen legitimen Platz im jüdischen Denken unserer Zeit angewiesen. Es wäre grundfalsch zu meinen, die Bedeutung der Blumerifeklschen Erkenntnisse und Darlegungen sei an das westliche Judentum, au dessen kulturelle Zusammenhänge und Eingliederung, an die Erscheinung der Assimilation und ihre Uchcrwindiing geknüpft. Dies ist schon deshalb nicht richtig, weil die Erscheinungen der Assimilation nicht typisch für das Westiudentum sind. Sie sind im kommunistischen Rußland nicht geringer, als sie es im liberalistischcn Deutsch- ,land waren. Sie haben auch die ״jüdischste“ Orthodoxie ergriffen, sie beherrschen den pseudo-zionistischen Revisionis* mus. Vor allem: sic sind auch im hebräischen Palästina möglich. Daher kann die Würdigung des Werkes Blumcnfekls anläßlich seines 50. Geburtstages nur eine mehr zufällige, dank dem äußeren Ereignis ausgesprochene Würdigung sein. Der Gestalter und Künder der zionistischen Ideologie steht heute vor großen, vor größeren Aufgaben.! Wie jede Ideologie, so hat auch die epochale Ausprägung der zionistischen Idee und ihre Lehre einen Eigenwert bekommen, und Gegensätze, die in tieferen, elementareren Schichten des Volkslebens — und auch der persönlichen Erlebnisse — ihren wahren Grund haben, finden ihre Form im Streite der Ideen. Die Auseinandersetzungen zwischen der jüdischen Orthodoxie und dein Zionismus oder zwischen national-staatlichem Revisionismus und national-sozialistischem Zionismus treten häufig als ideologische Auseinandersetzungen zutage. Agmlisteu machen «lern Zionismus Geist und Inhalt ries Judentums streitig, Revisionisten sprechen den Chaluzim auf den Feldern des Emek den echten Zionismus ah. Alle aber bejahen ״Jischuw Erez. Jisracl“ oder ״Geulath Hakarka“. Hier liegen tiefere Konflikte nicht-ideologischer Natur Vor. Soziale Bewegungen, die den verschiedenem Zeiträumen und geistigen Distrikten entstammen, ringen miteinander und bringen jhr Ideengut mit ein. Es ist sinnlos, sich gegenseitig den echten Zionismus zu bestreiten:!ede Idee war zu ihrer Zeit der ״echte“ Zionismus. Das orthodoxe Judentum kann sich auf das Mittelalter berufen, auf die Zeit, in der die religiösen Formen das Nationallcben insgesamt gestalteten, Gallith als die Strafe für die Vernachlässigung des Gesctzes_ und die zionistische Bewegung als die Erfüllung endlieh eintreffender Weissagungen galt. Es gibt einen durchaus ״liberalen“ Zionismus, der vom ״gleichen Recht“ der Nation, dem unbedingten Anspruch aller Nationen auf die Errichtung ihres nationalen Staates ausgeht. Ein ״marxistischer“ Z.ionismus mag sich darauf berufen, daß die folgerichtige Weiterführung des liberalen Systems den Freiheitskampf der Nation im Emanz.ipationskampf der Arbeiterklasse innerhalb der Nation erblickte. Diese Ideologien waren zeitgemäß. Unsere Generation aber erlebt die einzigartige Situation, in der Entscheidungen im Konflikt der modernen Kultur gefällt werden, Entscheidüngen, die versuchen, ordnend in die Krise eines säkularen Denkens einzugreifen. In einer solchen Situation muß sich die wahre Macht der zionistischen Idee enthüllen. Sie hat zu erweisen, daß sie der Führer ist, der das jüdische Volk mit Selbstbesinnung und Mut zu einer vollkommenen Neuordnung an Haupt und Gliedern führt. In dieser Zeit hat Blnmcnfeld die besondere Aufgabe übernommen, die zionistische Idee gegenüber den starken Mächten und tiefgreifenden Umwälzungen der Umwelt zu verteidigen, ihrem ewigen Inhalt die Form zu geben, die cs erst möglich macht, den Zionismus als die aas Judentum und seine nationale Zukunft hütende Macht im Wandel des gesellschaftlichen und staatlichen Denkens und inmitten der sich ständig neu formenden kulturellen Anschauungen zu erleben. III. Es sei gestattet, im Zusammenhang dieser Erörterung ein Wort über die gegenwärtige Situation der zionistischen Ideologie zu sagen. Wir sind in ein Stadium eingetreten, in dem das Gesicht der zionistischen Idee von Palästina her bestimmt wird. Zwar ist der Zionismus eine Bewegung der Diaspora, die organisierte Anstrengung des Weltjudentum*, das Gahrthschicksal zu überwinden und aus dm durch tfcä Ui, k f J L 1 ריויו l f“״1* l״״' ®w| ן»—», . ..3 Imi Wir geben Im folgenden einige charakteristische Stellen aus Blumenfeld» früheren Reden wieder, die, obwohl sie vor 10 und 20 Jahren gehalten wurden, uns heute besonders aktuell anmuten. (Red.) Der Jude des 19. Jahrhunderts Das Judentum des 19. Jahrhunderts suchte sich zurechtzufindeii, es kämpfte gegen die Vergangenheit, ohne an eine Zukunft denken zu können. Der Jude des 19. Jahrhunderts wußte, daß er anders sein muß wie sein Vater und ein anderer bleibt wie sein Kind. Seine Aufgabe bestand darin, sich eine gutgcwählte Verteidigungsstellung zu schaffen, in der er Angriffe nbwehren und sich für seine Lebenszeit wohnlich einrichten konnte. Er ist in Wahrheit ein Wurzelloser. Lebensziel und Lebenszeit fallen zusammen, deshalb wird er zum unerbittlichen Kritiker an sich und anderen. Die ruhige Sicherheit, ein gegliedert zu sein in die Geschlechter, fehlt ihm. Seinem l eben dadurch Sinn zu verleihen, daß seine Art in seinen Kindern sich weiter entwickelt und veradclt, vermag er nicht, und so tritt an Stelle eines ethischen Lebensideals bestenfalls ein ästhetisches, meist aber nur ein materielles. (״Jüd. Rundschau", 21. 5. 1915.) Rationalismus und Judentum Im 19. Jahrhundert erst ist der Jude ein Rationalist geworden. Die Ursachen, die ihn zum ausgeprägtesten Vcrtreter der neu erworbenen Art. die Welt zu betrachten, gcmacht haben und die ihn bis heute im Rationalismus haben verharren lassen, liegen aber nicht in jüdischer Anlage und Art, sondern in den durch die Emanzipation geschaffenen jüdischen Verhältnissen begründet... So ist der gcsch Ichtslosc Jude unserer Tage ein Mensch, der alles erfaßt und alles versteht und dennoch niemals den letzten außerhalb des rein gedanklichen Erkermens liegenden Grund eines Dinges begreift. Und während der Rationalismus der nichtjüdischen Welt durch das organisch fortschreitende Leben der einzelnen Völker korrigiert wird, wirkt der jüdische Rationalismus so unerträglich und tot, weil er das Leben der Juden zu sein scheint. (״JOd. Rundschau“, 9. 9. 1915.) Jüdische Lebensproblematik Nun kann und soll nicht in Abrede gestellt werden, daß der Begriff des jüdischen Menschen kein eindeutiger und einheitlicher Ist. Der Jude lebt überall in Konflikten, nirgends geht seine Rechnung rein auf. Wahrscheinlich gibt es überhaupt keinen modernen Menschen, dessen Lehens- Sphäre sich in konzentrischen Kreisen ordnet; l.cbcusintcrcsscn und Lebenskreisc werden sich immer und überall vielfältig verschlingen und Schneider.. Aber gerade weil wir Juden nicht blind sein dürfen gegenüber den Schwierigkeiten und der Fülle von Konflikten, in denen wir leben, erwächst uns die Aufgabe, zu erkennen, was unsere Art, was unser Wesen sei. (״Im Kampf um den Zionismus“, 1927.) Assimilation Die Assimilation als Tatsache ist nicht unmoralisch. Sie ist eine unabwendbare Notwendigkeit. Wir haben erkannt, daß hier und unter diesen Bedingungen die Assimilation ein• treten muß und naturnotwendig immer größere Fortschritte macht. Wenn ich auch nicht glaube, daß die Anschauung wissenschaftlich ausreichend begründet ist, die von einem raschen Untergang der Juden in der Diaspora spricht, so glaube ich doch, daß für das Judentum die Diaspora-Position unhaltbar ist. Was wir hier an Judentum erleben, ist nicht eine starke lebendige Fortsetzung unserer alten nationalen Vergangenheit, sondern das sind nur gewisse Erinnerungen, Rudimente eines ehemals vollen Judentums. Der Zionismus ist für uns eine Art Koiiiplcmentiirfdec, eine Ergänzung diese* von uns als unvollständig erkannten Judentums. (Aus der Rede auf dem XIV. Delegiertentag In Leipzig am 14. Juni 1914.) Wesen des Antisemitismus Keiner der Gründe für den Antisemitismus, nicht einmal alle denkbaren Gründe zusnmmcngciiominert, machen aber sein Wesen aus. Niemals hassen Menschen aus Gründen. Die instinktive Abneigung ist das Primäre, und alle Begründungen stellen sich je nach den Umständen ein. Der überzeugende Nachweis von der Grundlosigkeit des Judenhasses bewiese nur, daß der Haß echt ist. In allen Zeiten starker religiöser Erregung gibt es religiösen .span1mn? allen Ländern der Stimmung ist ver• Antisemitismus in Zeiten starker wirtschaftlicher .. wirtschaftlichen Antisemitismus und so fort. Fs ist nbc'r 'imni'l! dasselbe Gefühl, das mir eine andere Ausdrueksform gewinnt Woher kommt nun diese Abneigung gegen du Juden? Ist wirklich das Entsetzliche wahr, daß es §j(| hier um eine Erscheinung handelt, die ihresgleichen in Geschichte der Menschheit nicht findet, daß nur die von diesem ewigen unerträglichen Haß verfolgt werdet Das ist gewiß nicht der Fall. Zwischen Menschen verschie'. dener Art gibt es überall in der Welt Spannungen• zwischen allen Völkern herrscht ein F r c »1 d 11 c 11 s ge f'u'hl’ das unter gewissen Bedingungen zur Abneigung wird,!« normalen Zeiten wird die Spannung zwischen den Nationen deutlich nur an den nationalen Grenzen empfunden, wo die dauernde menschliche Berührung verschiedener Volkselcmeute den nationalen Kampf immer aufs neue erzeugt. Der Gegen, satz der Nationen äußert sich vornehmlich als Handspanmm׳% gefühl. Die nationalen Zentren bleiben un berührt. Die pjj". tionen verstehen und würdigen sich in der Fülle ihrer Leistung. Sic hassen sich an der Peripherie ihr« Territorien. Auch der Antisemitismus ist nichts anderes als ein höchst intensives R a n d s p a 11 n 11 n g s g c f ii h 1. Ueberall bilden die Juden Grenzen, überall berühren sie sich mit den anderen nirgends gibt cs einen Ort, wo jüdisches Leben in unbe! riibrter Kraft sich entwickelt, wo die Fülle der Leistungen entsteht, die mich von Fremdesten gewürdigt werden kann. Deshalb ist der Antisemitismus so allgemein und so stark und so schmerzlich für uns. Furchtbar und unerträglich wird im Antisemitismus für uns nicht der Haß, sondern’ die Vcr. achtung, die unzweifelhaft in ihm liegt. Daß wir allzu fremd• artig sind, daß wir dem Orient entstammen und durch ihn zu einer mit keiner europäischen zu vergleichenden religiös, nationalen Kultur gebildet worden sind, hat ferner mit dazu beigetragen, daß das antijiidischc Rniulspanmmgsgeftihl sich mit Verachtung mischte... Die antisemitische Stimmung ist in Weit gleich. Nur der Ausdruck dieser schieden. Die Stärke des Antisemitismus ist zunächst von der Zahl der Juden in einem Lande abhängig. Je mehr Juden vorhanden sind, desto deutlicher ist er. ln dem einen Lande schlägt man uns tot, in einem andern kränkt man uns an der Ehre. In einem versagt man uns die formelle Gleich• bcrcchtigung oder schließt uns tatsächlich von zahlreichen Berufen aus, in einem anderen, wo Juden jede Staatsstellung erreichen können, sind sie gesellschaftlich boykottiert. Ob man den Antisemitismus spürt, ist immer nur eine Frage des Feingefühls der Juden... (״Jiki. Rundschau", 23. 7. 1915.) Mut zum Zionismus Das Geheimnis unserer zionistischen Kraft ist die unge• brochene Leidenschaft von Menschen, die ihre sittliche Per• sönlichkcit sich auswirken lassen wollen. Dadurch sind sie groß, daß sie in unserer Zeit im Judentum und in der gebildeten Kulturwclt überhaupt den so selten gewordenen menschlichen Typ vorsteHen, der den Mut hat, das eigene Lehen zu bejahen und die unerhörtesten Opfer bringt, um sich aus Zweifeln und feiger Rücksichtnahme zur Uiige• brochcnen Einheitlichkeit hindurchzukämpfen. So sieht der Zionismus unserer Jugend aus. 'A (Aus der Rede auf dem XIV. Delegiertentag in Leipzig am 14. Juni 1914.) Palästina als Jüdische Aufgabe Die jüdische Gegenwart steht im Zeichen der Banalisierung; man hat die alten Begriffe herabgesetzt, eng und kleinlich gemacht, das Großartige für den Tage!־ gebrauch verniedlicht. Verbannung, Oaluth ist Verbannung auch des jüdischen Geistes. Ls ist zionistische Uclierzeugimg, daß ein Lehen iri der Zerstreuung, wie es die Mehrheit des jüdischen Volkes auch in Zukunft wird führen müssen, nur dann erträglich sein wird, wenn die Wirklichkeit Pa• lästinas sich vor den Augen der Judcnhcit vollendet. Auf dies Palästina, auf dies neue jüdische Leben voller Kample, die durchgekämpft werden müssen, voller Probleme, deren Lösung keinen Aufschub duldet, werden die Juden aller Länder blicken können. Dann werden sie begreifen, daß die großen jüdischen Dinge in unseren Tagen geschehen müssen und nicht von einer banalisierten jüdischen Welt gewöhnlich!• mäßig künftigen Generationen überlassen bleiben dürfen. 9hf haben zu leben, als wären wir die letzte jü• dische Generation. (״Im Kampf um den Zionismus", 4927.) das Zeitalter hindurch bewahrtem Kräften ein neues vollkommencs nationales Leben in Palästina zu errichten. Dieses jüdische Leben in Palästina aber ist heute schon so groß und so mannigfaltig geworden, es ist schon so sehr ein Konzcntrationspunkt der geistigen und politischen Bcstrebungen der zionistischen Bewegung geworden, das im Lande entstehende jüdische!.eben weist schon so viele eigentümliche, auf das Diasporaleben zurückwirkende Züge auf, daß es nunmehr die Bewegung führt und die zionistischen Ent- Scheidungen fällt. Ich denke hierbei nicht an aktuelle Streitfragen; ich denke auch nicht an die historischen Aspekte, unter denen der Einzelne oder die verschiedenen Gruppen das jüdische Palästina betrachten mögen. Es handelt sich um die scheinbar begrairtere, aber schicksalhaftere Frage, was dieses jüdische Palästina unserer Generation ru sagen hat. Denn heute wird in Palästina über zionistische Verwirklichung überhaupt in unserer Zeit entschieden. Der Verlauf der Palästinabewegung des jüdischen Volkes in früheren Jahrhunderten hat gezeigt, daß diese Bewegung als konstitutives Element der jüdischen Geschichte nicht durch einen aktuellen Ablauf ein für allemal entschieden wurde. Wohl aber wird der Einsatz der Kräfte eines Geschlechts und der Erfolg dieses Einsatzes durch das besondere Schicksal der Bewegung in dieser Zeit bestimmt. Iin zionistischen Leben Palästinas zeigt sich eine tiefe Gärung. Sic offenbart sich im Verhältnis der im Lande 11m ein neues Leben kämpfenden jüdischen Menschen zu den überkommenen und übernommenen, das politische und geistige Leben führenden Organisationen und ihren Itistrumeiiteii. Die Werte, die durch die bestehenden Gebilde repriisentiert werden, sind in keiner Weise mehr attraktiv für die neue Generation, die im Lande heranwächst oder für die Einwanderer, die nicht durch die Erziehungsanstalt einer der mit dem Zionistenkongreß verbundenen Gruppierungen hindurchgegangen sind. Das starke Wachsen des Jischuw wird diesen Kräften das Uebergcwicht geben. Entsteht hier ein amorphes Masscnlcben, das nicht mehr von den Elementen traditionellen oder neu entstehenden Kulturlebens erfüllt und geleitet wird? Eine Masse also, die so ungefestigt ist, daß sie auch jeder Führung zum Opfer fallen könnte, die זי!ו nur das größte ״Endziel“ verspricht, aber die sich in großen Vertrauenskrise offenbarenden Kräfte der Auflehnung organisiert und einsetzt. Oder kann eine neue Führung ent• stehen, die die beiden tiefen Impulse, — den nationalen un« den sozialen — die die zionistische Bewegung inspiriert haben, heute, in diesem Jischuw, erweckt und ihn daduren (wieder) in die historische Bewegung cinglicdcrt? Das P' dische Volk will in Palästina seine vollkommene national Auferstehung begründen. Es will aber auch die Nation selM als soziales Gebilde vollkommen, neu errichten. In J'tjru Beziehung soll Palästina die Fortsetzung des Dinsporaletn’ns sein. Daher darf nicht das Eigeninteresse einer Schicht, oric״• tiert an Galutheriebnissen, tlie Nation versklaven Weder: unter der nationalen Fahne, also unter der Auswirkung der An* triebe, die dem jüdischen Volke seine nationale Existei“ der Umwelt und ihren auflösenden Erscheinungen grt׳c״* über sichern, gleichzeitig aber gerichtet gegen die, die uns״ Volk als einen gesunden, von innerer Unterdrückung ״י■• freiten Organismus wicderbelebcij wollen; — noch: diirm Einfügung der dem sozialen Wiederaufbau der Nation die־1״"• den Kräfte in einem internationalen Rahmen, in ‘lcm.L nationalen Triebe des Einzelnen fehlgeleitet und die iichkeiten eines nationalen Verhaltens verringert werden. , Es wird sieh darum handeln, das, was hier m allgemeinen Formulierung ausgesprochen ist, mit der 1«י> üchkeit des jüdischen und palästinensischen Lebens zu « füllen, es zu Bestehendem zu kontrastieren und diese General!‘ " auf einen zionistischen Weg zu führen, der dann zum zn־״ gelangt, wenn der nationale und der soziale Impuls der wegung in vollkommener Harmonie ihren Charakter 0°־ stimmen. Ideologie gehört zum Wesen des Politischen. Die Ne״ gestaltung der zionistischen Ideologie muß auch eine ״ zionistische Politik nach innen und nach außen zu( יי ». haben. Die Aufgabe des zionistischen Ideologen ist hierfl klar bestimmt. Jerusalem, im Mal 1934 n\. 1 fei!, kur? , für 1 in A. Tro j und ן! und tränt, tiisth lieh ן tsclK. sch« hat; kenn. dem , uns« r bcrül jiidis Bern nuiü1 Intel! (TP« ־ sehet dis 1 w־gl;! und Jude: Polit •ן lutioi, Arbc , wäre ן gesät der 11 au* 1 ( Ir fü h!1 menl fiele; { , lung, ' Aufk . er t u kei '׳' ich vor . ן tschc I: Vera; in P •ן ׳ Land;, ter!' 0 äs - heg der י *ioni י iה di 1 siver . dens ן . Khö , Mate . '• '■ Kor prak " , «alte 1■ und ך tnthi* n, A Dl Kege ].' neue י: den .*י Gern _ n trscl den » :י gese *!, lasse : Verdi ׳. j Auto/ ■1 hehr 11: Jahn : * weiß j■ das , -Od,; den. f ־ spric * 1, Eint! 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