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Jüdische Rundschau · 1934-05-29 · Heft 43 (29.5.1934) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 43 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jCr. 43, 29. V. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 "3! t 1!,, t w, (hrl,!; ה 1י n ׳!::nr 1״״׳, K'"-l;111, :'nr. ־1;.> ׳ ׳ i!c) , ןן0 \ v l|f»> ‘irr I 11 Hilit. ir ui!^״ •lixlcfi :‘ "■(11, i ״ i rdrn, dein tlClH'H cjn IH־H Weg n ,;׳'c die ״iu-;1 der ntt1npl,ic. ,In׳' Meijt Tt i.t." r immer I'I;,|״|e יr a kti. er!!,(Sur. hm .!ן!!!׳!'tliichts. ‘1'i ״(Iflll •ler ״(lc. ז ki'irics. Am wort len dc!1(.;11111־ heich w1)׳||| r!׳'ragen legt. Sic ler Assi• Slm1.tr. spricht, ollen ist, •’e! U ist, II sein« t einmal Irr jiidi- ז Bericht criingen, 1 rcii die iclioti in r nitirk• it’11, hin I )iircli• ׳ionisten Aufb.uis schnell ih'Ii ein ,ück. In umi ich UÜM'llCtl , einen 11, ohne 11. Der vein — ite Hin• nt, der anderen billigt, kr eis es, her den seiner cn n״d 11! 11 an. e '.bar A e oiicy d:\ll es Nicht• elf 1I»S leichter ׳ierigen׳ ali die hli*־h. Jewish .*> sind ms die zu he• 1ei der eiiieni nachte. Lager, itr der m I’a* liancU* n den dcut* Israel 1 niieh niseren Nichtauch eil i׳n id ■f :11 Ah‘ milder- I " ־:•׳ geistes einem in ,־in n• Dank ’unscli* neuen bcn in Ml f",r Ntälldullid'ii f initl $hirde Von Oskar W o 1 f s b e r g, Jerusalem. Kurt Blumenfeld ist unstreitig der erfolgreichste und (Oislcde Dividier im Zionismus, So ungewöhnlich seine an* (Irren Taten im Politischen und Organisatorischen sind: seine (rdeheriselie Leistung ist ebenso überragend wie voll Ori* ״inalilat. All die zahlreichen Jahrgänge deutscher Zionisten ■jl״j vor allein Studenten, die durch ihn geistig geformt worden sind, legen Zeugnis all für die gestaltende Kraft dieses Mannes; vielleicht nicht mimler für seine ethische Größe. ]),1111 in dieser I iingaln׳ an die Jugend und an die noch hil* ,lnnicsf;ihigrcu Menschen überhaupt offenbart sich neben der 11,In׳ und dem ,schöpferischen Willen ein hohes Verantwor* jiiagscefuhl, «las keine Ruhe findet und der grollen, leiden* 5clK1fliiel1 geliebten Sache immer neue und gründlich vor* bereitete, geschulte Menschen Zufuhren imill. Ich seihst hin in Zionistieis Autodidakt, hin durch keine Jclnilc gegangen. Bliimeiifekis kontiiiuierlielie erzieherische Arbeit!iahe ich nicht an mir unmittelbar crfaliren, nur ihre Ergebnisse■ immer wieder staunend beobachtet. Und doch habe jiirli ich mich in einer Rede, die ich, bevor ich Europa verließ, hei einer vom Schweizer Zionistenverband veran* (I,Mieten Ahschiedsfcier hielt, als zionistischen Schiller Wciz* m a 11 n s und B 1 11111 c 11 f c I d s bekannt. I.obrer in den Dildiotli Zionismus ist mir Dlunicnfcld darum geworden, weil Kein Zweifel daran besteht, dail fiir ihn die Bewegung, die Kniais-niiee, der Auflian Drez Israels und, damit verbunden, dir I riieiimitig der (iesellsehaft am Basis der Brodiiktivierung unserer Nation wirklich der Inhalt seines Lebens ist. Die (i.ui/lieit und Uiigctcillhcit seines Wullens und Tuns ist?wiiigend. Der Zionismus ist nicht der Sport seiner Muhe, solid er 11 die Leidenschaft seines Werktags. Die komprumißfreie, gebieterische Attitüde des Mannes bezeugt, daß sein Wollen aus Tiefen strömt als ungekünstelte Notwendigkeit; diese diktiert ihn! Weg und Mall und Art seines Tuns, fuhrt ihn zu Erfolgen und Fchlsddagen, erklärt seine zeitweise überraschenden Neuhriiebe, ungewöhnlichen Einsichten und starken suggestiven Wirkungen auf die Menschen und ihren Opferwilien, aber auch gelegentliche Pansen im Schaffen. Jedes schöpferische Tun wird solche liölien und Niede* nmgeii keimen. Dine t ilelchmäliigkeit des Niveaus ohne IIoIh 11.lifferenzen ist verdächtig und gibt Anlaß zum Zweifel an der wirklich ■schöpferischen Kraft. Das Unbedingte und der Reichtum des jüdischen Wirkens Bhmienfelils hat auf mich überzeugend gewirkt. Darin hin ich sein Schüler, daß ich den Erfolg unserer Sache in der vollen Bereitschaft zu rastlosem Schaffen beschlossen sehe, [)er Ernst der Forderung, die Erfassung des ganzen Men• sehen, die Erkenntnis, daß der Bau unseres Nationalheims nicht olme Berücksichtigung sehr ernster Fragen geschehen darf und kann (Arahcrprohlem), und eiaß wir hier den Weg der Verständigung, tler Zusammenarbeit gehen müssen; die seltene Vereinigung von propagandistischer ('!ahe und im besten Sinne politischer Begabung, die die Phrase und die billige prokloiiiatorisdie Selbstbefriedigung verschmäht — dis sind Verte, die oft verkündet und partiell verwirklicht worden sind; aber ihre imposante Zusammenfassung ist außerordentlich selten. Bliimcnfeld stellt einen der wenigen Erfülier solcher vielfältigen Eigenschaften und Fälligkeiten dar. Bei meiner Arbeit im deutschen Misrachi und somit auch im deutschen Zionismus, gab es häufig Gelegenheit des Zu- »mmciitreffeiis mit Blumenfeld. Bei aller Achtung und Ancrkenmmg, die ich ihm entgegenhr,achte, war auf meiner Seite lange Zeit Zurückhaltung und Skepsis. Ich sah nicht deutlich sein Verständnis für die besondere Problematik meiner Gruppe, und hinzu kamen deutliche Unterschiede des Temperaments. Doch war ich schon damals — rückschauend ist cs mir jetzt deutlich — viel mehr im Bann seiner Arheits* weise, als ich ahnte. Seit ich die Arbeit im deutschen Misnelii führte, suchte ich zur Intensivierung der Tätigkeit zu erlangen, wandte ich mich an die Jugend und hielt ständigen Kontakt 11'it ihr, gab ihr mehr Einfluß, als es manchem Freund Heutig schien. Wenn auch unter anderen kulturellen Voraussetzungen, so doch in gleicher Einschätzung des Frziclicrisclien wie Blumenfeld,. suchte ich dem Politischen einen traglähigen Untergrund zu geben und die Politik nicht Letztes werden zu lassen, so sehr auch unser Zeitalter Zwangsläufig von ihr beherrscht wird, lieber allein aber sollte die Verjüngung des jüdischen Geistes, die Erneuerung der Pro- (iuktivität stehen. Endlich trat in den letzten Jahren auch in unseren Reihen die Ciialuziuth als Ergebnis tiefer Umwandtagen der Seele unserer Jugend in die Erschciiumg. Nehme ich dazu noch die von mir — natürlich auch von anderen - gruiiils.itzlich betonte Bedeutung der Einheit der Z. V. f, I)., ungeachtet aller Konflikte und Kämpfe, die auch in der Zeit Weiner Amtsführung ausgrfochten wurden, so sind die sach* liehen Grundlagen erkennbar, die die schließlich erreichte Annäherung vorbereitet haben. , Aber diese fruchtbare und erfreuliche Zusammenarbeit l״ der Z. V. f, I). und ihren Organen, voran im G. A., wäre nicht in diesem Maße zustande gekommen, wenn nicht Blumenfclds enthusiastische Natur die Entscheidung herbei- Rcfhlirt hätte. Er war menschlich so weit, daß er großzügig anerkt'1!ih-11 konnte, und in der Erkenntnis jüdischer Dinge 1־eil, daß er die Werte der Tradition wohl zu schätzen "nllte. In vielen freundschaftlichen Unterhaltungen der letzten Jjhrc brachte er das deutlich genug zum Ausdruck. Er gab «m Misrachi in Deutschland gerade auf kulturellem Gebiet 1,1111 חי der Vertretung seiner besonderen Anschauungen manche Chance. Bei diesen Unterhaltungen wurden mir die Weite seiner 1״tcrcsscn, sein gutes Verständnis für Probleme, die zunächst ״ nls .?*,seits lagen und seine seltene Aufnahmefähigkeit bc- ^׳nitt. So gedenke ich mit besonderer Freude einer gemeinsamen Londoner Reise, auf der nur wenige Stunden der Ruhe unsere nterhaltungcn unterbrachen. Damals kam das Gespräch auch Maiinonidcs, und ich kann nicht vergessen, wie leicht und 1(1 gern er alles aufnahni. — Dinge, die ihn fesseln oder If RPfcsselt haben, hält sein Gedächtnis mit großer Treue j|l /* ׳ Mit dem entwaffnenden Lächeln, das ihm in frohen; 'linden eigen ist, gab er mir einmal eine Rede, die ich in ff .lnt>n zionistischen Seminar gehalten hatte, nach Jahren mit »■-. öiierkenswerter Präzision wieder. p 'di zitiere einige persönliche Dinge, weil an ihnen der jJ ärmherzige Mensch deutlicher erkennbar wird als an lang* k; , •nigcn allgemeinen Ausführungen. Aus Biumeiifekls Bild I« «bfn dieses Menschliche nicht hinweggedaclit I F!r״Cl'• Es vervollständigt das Porträt und verschönert es. r IW ,״uclltct aber auch wichtige sachliche Entscheidungen. 1' Bmmcnfeld über die Enge parteipolitischer Bindungen Ya,u״Cr «inen ursprünglichen Indiffcreutismus gegenüber der , fädition des Judentums und der in ihr geborgenen Kultur ״wuclls> das bedeutete nicht nur viel für die Z.V.f. D. «a für die wirkliche Einheit, zu der sie zuletzt wurde. fnu!1Cfr Entwicklung eines großen Zionisten und der ihr Cn Rünstigcn Konstellation in einem Teile der Be* «he ich etwas wie eine Antizipation des Zieles, aas "«miich in nicht zu ferner Zeit erreicht wird. Di.ג Tugend der Propaganda Von Martin Buber Ein alter chinesischer Philosoph wurde einst gefragt, warum er mit seiner Lehre hinter den Leuten her sei. Ein schönes Mädchen verweile daheim und werde umworben; triebe sie sich auf der Gasse umher, würde man ihr bald keine Beachtung mehr schenken. Er antwortete, der Geist habe cs in einer verderbten Zeit wie diese nicht so gut wie die schönen Mädchen: ״Bedrängte man die Leute nicht, um ihnen die Lehre beizubringen, bliebe sie unbemerkt.״ Eine solche Betrachtungsweise steht dem Philosophen schlecht an; es ist das Wesen seiner Idee, dem Wechsel der Zeiten in ihren verschiedenen״, Verderbnis״- Graden überlegen zu sein und die erwarten zu können, die ihr gewachsen ist. Anders verhält es sich mit dem politischen Denken. Die politische Idee ruht jq nicht in sich, sie begehrt nach Verwirklichung, und zwar notwendigerweise nach einer geschichtsbedingten; so muh ihr bange sein, ob sie ihre Stunde nicht verpasse. Daraus ergibt sich die hohe Pflicht der Propaganda. Aber zugleich auch ihre Problematik. Denn sie wird nur so lange der Idee selber und nicht einem Zerrbild dienen, als sie der Zeit, auf die sie wirken will, widersteht, sie also gewinnt, ohne sich mit ihr gemein zu machen. In dem Mafte, in dem ein Mann des Geistes, der sich der Propaganda ergeben hat, diese schwere Aufgabe erfüllt, wird er zum Erzieher. Der Durchbruch des ״praktischen" Zionismus in Deutschland Von Salti Hirsch Der Streit zwischen dem ״politischen“ und ״praktischen“ Zionismus war theorciisch und ideologisch eigentlich schon nuf dem Haager Kongreß (1007) entschieden, die Wucht der bcniliiulcn Rede Ghajiin Wel/mamis, die schon alle Elemente seiner künftigen Politik enthielt, war unwiderstehlich. Trotz* dem blich die Leitung, der Organisation in den Händen der ״politischen“ Richtung unter Führung von Wolfsohn, weil die Westler, die die Träger dieser Richtung waren, über die größere organisatorische Erfahrung und größere taktische Geschicklichkeit verfügten als die russischen Zio* nisten. Als anderthalb Jahre später (Dezember IW)) sieb die zioiiisiisehen Delegierten zum Hamburger Kongreil vcrsammcl* ten, war die bisherige Konzeption dos politischen Zionismus, die an der Cliartcridec festhiclt, auch faktisch durch die Ereignisse in der Türkei überholt. Dort war im Sommer 10öS das absolutistische Regime des Sultans gestürzt und die demokratische Regierung der Juiigtürkcn ans Ruder gelangt, mit deren jungem imperialistischen Nationalismus die Vorstellung eines Charters im Sinne einer Ucbcrtragung der 1 lerrscliaftsgewalt über Palästina unvereinbar war. Selbst die im Basler Programm vorgesehene Zustimmung der (europäischen) Regierungen erschien angesichts der neuen Konstellation bedenklich. Daher waren auf dem Hamburger Kongreß die Reden der ״Politiker“, der Cliarteristen, auf einen ganz anderen Ton gestimmt als noch im Haag. Die pifleren/ni zwischen den beiden Richtungen hätten eigentlich überholt oder doch iiberbrückt sein sullen. Aber die Gegen* sätze der beiden Richtungen bestanden weiter. Die einen, die Praktiker, vor allem die Russen, verlangten leidenschaftlich Aufnahme der praktisch-kolonisatorischen Arbeit und die Konzentration aller verfügbaren Mittel der Organisation in Palästina; und sie begründeten ihre Forderungen gerade auch mit dem Umschwung in der Türkei und den! Hinweis, daß das Erwachen des Orients später die Arbeit hindern oder doch erschweren könne und daß daher Eile geboten sei; die andern, die Politiker aus dein Westen, stellten sich schützend vor die mühsam ersparten, noch Immer schwachen Eiiian/Iiisti uinente der Bewegung, hielten die Schaffung poli* ttscher Sicherungen vor Beginn der Arbeit für notwendig mul tneinU'ii, daß die finanziellen Mittel gerade fiir politische Zwecke aufgehoben werden müßten. Noch einmal konnte sich in 11.imliarg hei der Wahl der Leitung die politische Richtung durchsetzen, vor allem mit Hilfe der deutschen Landsmann* Schaft, die auf dem Hamburger Kongreß mit einer nie wieder erreichten Geschlossenheit und Energie auf trat und sich für die politische Richtung, richtiger wohl für Wolfs ahn, einsetzte. Die Delegierten der deutschen Landsmannschaft kehrten als die eigentlichen Sieger vom Hamburger Kongreß zurück. Bei dem nächsten Kongreß aber (Sentcmbcr IQ 11 in Basel) entsandte die deutsche Landsmannschaft nach erregter Diskussion und Kampfahstinnnmig vier Vertreter der ״prak* tischen“ Richtung in den Pcrmancn/nusscliuß, Es war also ein vollkommener Umschwung im deutschen Zionismus eiiigctietcn. Wie war das gekommen? Schon kurz vor dem Hamburger Kongreß war Kurt Bin 111 c 11 1 c 1 d, ein junger Zionist, der sich bis dahin vor* wiegend im B. I. C. betätigt hatte, als Sekretär der Z. V. f. D. angestellt worden. Er war der erste zionistische ״Partei* sekretiir“. Er gab diesem Amt Inhalt, Bedeutung und Würde. Unmittelbar nach dem Kongreß entfaltete Blumenfeld eine Tätigkeit, von deren Intensität die in der ״Jüdischen Rundfa : .^*1! ÖÖii iili Postscheckkonto: Berlin Nr. 10405t Bankkonto: Dresdner Bank, Oepositenkasee KurlQritindamm schau“ jener Zelt veröffentlichten OrDgruppcnherklite kitn* den. Fs setzte eine extensive und gleichzeitig intensive Propaganda ein, wie sie der deutsche Zionismus und das deutsche Judentum bis dahin nicht gekam.t hatte. Dauernd war der Parteisekretär auf Reisen, überall auf Gruppen* verbandstagen, in größeren, mittleren und kleinen Ortsgrup. pen hielt er seine durch Fülle der Gedanken und Formvollcmhing glanzenden Referate und erlebte seinen ersten großen parlamentarischen Erfolg auf dem Frankfurter Dclegicrtcntag FMO, wo er nach einem Referat über Propaganda bei den Wahlen /um ücschaftsfnhmidcn Ausschuß die’ meisten Stirn-, men erhielt. , Die Tätigkeit Bliiincnfelds war auf zionistische Erziehung gerichtet. Die zionistische Propaganda in I )eutschl.iml war bis dahin getragen von einem Kreise, der ller/1 persönlich nahcgcstamlcn und im 1 Icr/lsdieii Zionismus das entseliei* ilende Erlebnis gefunden hatte. Diese Männer waren beseelt von der beglückenden Erkenntnis, daß die Juden ein Volk seien, daß dieses Volk zu neuem Leben erwacht sei, daß die judenfrage in voller ()effentliclikrit und mit den Großen dieser Welt als politische Frage behandelt werde, daß es wieder eine jüdische Politik gehe, deren Ziel sei, dem ״Volk ohne Land das Land ohne Volk" zu gehen. Die Prapaganda dieser Männer war darauf gerichtet, diese beglückende Erkenntnis von dem Wesen der Judenfrage und ihrer Lösung und das Bekenntnis /um jüdischen Volke und seiner Zukunft im deutschen Judentum zu verbreiten. Blumenfeld war erst nach dem Tode Hcrzls Zio* löst geworden, in einer Zeit der Problematik, die zu Besinnung und Vertiefung führte, in einer Zeit, da schon manche Zionisten der ersten Zeiten milde geworden waren. Blumcnfchls Propaganda ging davon aus, da(5 Erkenntnis der Judenfrage und Bekenntnis zum jüdischen Volk und zur zionistischen Lösung der judenfrage nicht genügen, um einen Menschen zum Zionisten zu machen, sondern daß diesem gedanklichen Prozesse der Beginn der Verwirklieh urig hei jedem Zionisten persönlich folgen müsse, daß der Zionismus das!.eben der Zionisten hier und sofort gestaltcn müsse. Diese auf Erziehung gerichtete Propaganda Blumcnfclds wich der Problematik des jüdischen Nation,־dis* inus nicht aus, ging vor allem den Schwierigkeiten zu Leibe, die sieh aus der geistigen und seelischen Situation der assimilierten deutschen Juden ergeben. In dieser Bemühung um die Erziehung einer neuen zionistischen Generation kam Blumenfeld zum praktischen Zionismus. Ihm wurde klar; ״Für den deutschen (vorhhinicnfcldschcn) Zionismus war die Judenstaatsidee die notwendige Konseouciu des zum Bewußtsein erwachten jüdischen Nationalgefülils, und diesem Bcwußtscins/ustand entsprach das Verlangen nach dem Char* tcr, der allein die Verwirklichung des zionistischen Ziels zu garantieren schien.“ Bluinenfckl erkannte: ״Wir wissen heute, daß der Charter allein uns nicht an das Ziel der Wünsche gebracht hätte. Eine Masseneinwanderung von Juden zu organisieren, hätten wir nicht vermocht. Die sog. Großkoloni* sation, eines der verhängnisvollsten Schlagvvortc unserer Bewegung, ist eine volkswirtschaftliche Unmöglichkeit. Wir haben einschcn müssen, daß die türkische Revolution jede diplomatische Arbeit außerhalb der Türkei als schädlich erscheinen laßt, ferner daß Palästina auch ohne unser Zutun durch die Tätigkeit der Nichtjuden in seiner wirtschaftlichen Bedeutung gesteigert wird, so daß uns als einzige Möglichkeit die praktische Arbeit im Lande übrig bleibt. Und diese Arbeit ist ein politisches Mittel allerersten Ranges“ (Maarabi, ein Pseudonym Blnmenfelds, in der ״J. R.“ 10ID Nt. 36). So hatte sich in Blumenfeld, der seine Propagandaarbeit zunächst ganz unabhängig von jeder inncr/ionistischcn Parteipolitik bc. gönnen iiattc, der Durchbruch vom politischen zuin prak• tischen Zionismus vollzogen, und damit begann der Umschwung im deutschen Zionismus, in dem bis dahin nur einige Außenseiter (z. B. Julius Simon) die praktische Richtung vertreten hatten. Eine neue von Blumenfeld erzogene Generation von jungen Zionisten drang in die Ortsgriippcnarbcit, nahin die Vorstandsplät/c und Dclegicrtcnrn.iiidate ein und wurde fiir den deutschen Zionismus repräsentativ. Und diese junge Generation trug den deutschen Zionismus bei den Wahlen zum 10. Kongreß und bewirkte die gegenüber dem 9. Kongreß so radikal verschiedene Haltung der deutschen Delegation. Nach Abschluß des Kongresses begab sich Blumenfeld zur russischen Landsmannschaft und legte dar, daß nicht eine zufällige Armierung der Taktik der deutschen L'idsmannschaft vorlicgc, sondern daß eine entscheidende Acnderimg in der geistigen Haltung des deutschen Zionismus eingetreten sei. Diese Haltung des deutschen Zionismus auf und nach dem hi. Kongreß brachte eine neue Annäherung zwischen dem russischen und deutschen Zionismus und bcaeitigte die Gefahr einer tiefgreifenden Entfremdung, di« sich als Folge des 0. Kongresses ergeben hatte. Dieser kurze Rückblick auf eine wkhtige Periode Int deutschen Zionismus erscheint mir geboten, wenn man Blumenfclds Wirken anläßlich seines 50. Geburtstages würdigen will, Kein Feiern! Von Dr. Arthur Ruppln Ich bin dagegen, daß wir den 50. Geburtstag unserer Freunde zu einem Rückblick auf dir Leben und Ihre Leishingcit benutzen. Das sieht so aus, als ob Ihre Tätigkeit schon abgeschlossen sei. Bei niemandem wäre das falscher als bei Kurt Blumenfcld. Er hat nichts von der dynamischen Kraft verloren, die ihn als Jüngling auszcichnete, und die ihn zu dem hervorragendsten Propagandisten des Zionismus macht. Gerade jetzt hat er eine neue und große Arbeit übernommen, die den zionistischen Gedanken in weitere Kreise tragen soll. Es gibt, glaube ich, nicht einen einzigen Zionisten, der so viele geistig hochstehende Menschen zum Zionismus bekehrt hat wie Blumenfeld. Seine große Uchcrzeugungskraft quillt aus einem reichen Wissen, aus dem tiefen Verständnis sozialer Zusammenhänge und aus seiner intuitiven Erfassung der Psychologic seines Gesprächspartners. Blumenfeld hat in entscheidenden Momenten der zionistischen Bewegung in Deutschland ihr Gesicht gegeben und hat über Deutschlands Grenzen hinaus auch auf andere Länder gewirkt. Ich wünsche ihm zu seinem 50. Geburtstage von Herzen, daß es ihm mach viele Jahre vergönnt sein möge, seine Arbeit mit der bisherigen Frische und Energie zum Nutzen unserer Bewegung fortzusetzen. Jerusalem, im Mai 1934. JJ . ■äimlkiMMt

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