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Jüdische Rundschau · 1934-05-29 · Heft 43 (29.5.1934) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 43 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Diese der hei ehnhrcit er Seite tin-r• Einkorn* zur sunketic ״«gaben für den derliaml ׳s i rbc! uliftiicit 11 übe־ i );111/iß iistümic rfülhinff Ltat JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 ■« ן ן fj ן־ן r 1יךןךי ־ו *■*' XJ, i 1■ M •I*l tiiwjl aL'mil I» \aJ^ riwL Der 50. Geburtstag von Kurt Bhtmenfcld ist ein Anlaß für den deutschen Zionismus, sich Rechenschaft darüber zu geben, was er diesem Manne zu danken hat, und was er noch von ihm erwartet. Blumenfclds Figur ist so eng mit der Geschichte des deutschen Zionismus vorbanden, daß es bei einer solchen Würdigung um mehr geht als um eine persönliche Feier. Wir veröffentlichen eine Anzahl von Beiträgen^ die Blumenfclds Wirken charakterisieren. Wir haben nicht mir Menschen aus dein engeren zionistischen Freundeskreis, sondern auch füll• rcitdcn Persönlichkeiten des nichtzionistischen Judentums das Wort gegeben, denn Blumenfclds Tätigkeit für das Judentum wird weit über die zionistischen Reihen hinaus anerkannt. Die Beiträge, die wir ahdruchen, sagen über den Jubilar so Treffendes aus, daß uns nicht viel hinzuzufügen bleibt. Wir wissen; durch noch so präzise Darstellung ist das Wesen eines Mannes nicht zu erschöpfen, des• seit Hauptwort in seiner unmittelbaren menschlichen Wirkung liegt. Wenn hier der Führer, der Erzieher, der Politiker gefeiert wird, so sei uns gestaltet zu sagen: hier ist ein Mensch; ein Mensch mit warmem Herzen und ein Mensch mit seinem Widerspruch. Wir he• grüßen Kurt Blumenfcld mit einem Wort herzlicher Verbundenheit im gemeinsamen Kampf, bei dem das Zusammengehen nicht sklavische Uehcreinsl immutig aller Einzelheiten bedeutet, sondern gerade hei Blumenfcld immer mit innerer Auseinandersetzung, mit neuem Suchen, mit Prüfung des Gewissens, Gegenüberstellung alter Anschauungen und neuer Erfahrungen verbunden ist. Er ist ein Mensch, der den Z u> eifei und die Fruchtbarkeit des Zweifels kennt, und gerade dies lieht ihn hoch über den herkömmlichen Typus des Parteipolilikers. Und darum liegt auch in dieser Feier, die wir ihm — in einer Stunde, die für uns Juden nicht leicht ist — widmen, nicht persönliche Konvention, sondem ein tiefer Ernst. Wir erwarten von ihm noch viel und wollen zusammen mit ihm den Weg weiter suchen. R.W. nats* eine mu’f» dern ürde!!teil, parat VoriVort sunjj •nswert zei d‘'f {€ .er eit Abgäbe, Möge ,.cntral* u •־8"י Jischen Monat mmten 11 c r * Von Leo Bacck So wie selten ein Fünfzigjähriger steht Kurt Blumen• leid seit einem Menschcnalter iin Leben unserer Gesamt• heit - und das ist ein ganz anderes, als im sogenannten öffentlichen Leben seine Stelle haben. Der Drang nach diesem kommt nur zu oft aus einer seelischen Unsicherheit hervor,;ms einem Mangel an Willen oder an Kraft, 111 sich den leisten Halt zu finden. Wessen Innerliches gern im (klingen bleibt, ist dafür gern dessen beflissen, ilnullcn in der ()cffeiltlichkcit zu gelten, dort, wo das Schauspiel schnell die Wirklichkeit ersetzt und das Selbstische sieh als Hingabe darbicten kann. Im Leben der (iesaintheit leben, das ist etwas anderes; cs ist Zeug* nis einer Kraft, liier tritt das Ligenbegeliren zurück; denn alles Empfinden, Denken und Hoffen wächst hier aus den Tiefen hervor, in denen der Mensch mit seinem Ich sich von dem Ich des großen Ganzen umfaßt weiß und darin um den letzten Sinn und die eigentliche Kraft?einer Individualität und damit seiner Aufgabe erfährt. Menschen dieses Wesens tragen deshalb in ihrer Seele oft ein Verlangen nach der Einsamkeit; das Oeffentliehe, wenn sie darein cintreten müssen, ist ihnen eine harte Not. Aus dieser seiner Vcrwachscnhcit mit dem jüdisehen Volke hervor konnte Kurt Blumenfcld schon früh das Bedürfnis und die Gabe besitzen, auf Menschen zu wirken, Menschen zu gewinnen. Mit einem ganz, per- »!!liehen Reiz, hat er clas gekonnt, weil er ein Mensch von seltener Bildung geworden ist, ein Mann von eigener Art des Denkens und Sprechens. Er hat nie zu jenen ״Gesinnmigsfesten“ gehören mögen, die, an sich und anderen, den besten Erweis der entschiedenen Ueberzeugung darin entdecken, daß einer ungebildet ist. Wer nichts mehr da/iigclernt hat und nichts dazulcrnen will, und wem (las in der Schranke seines Wesens so wenig schwer wird, der hat es so leicht, die immer fertige, unwandelhare Gesinnung in seinem Gemiite zu wissen. An den gebildeten Menschen tritt die Welt mit ihrer Frage und damit das Gebot, sich selbst zu fragen, immer neu heran. Wenn, um ein Beispiel zu suchen, im englischen Volke die Politik seit Jahrhunderten so zukunftsfällig ist, der Grund liegt wohl darin auch, daß dort gebildete Politiker ihren Platz haben durften. Nur der kennt Kurt Blumenfcld, der sich mit ihm in geruhiger Stunde über Dichter und Dichtung, über Denker und Gedankengepräge unterhalten durfte. Der hat ihn auch, oft hier («erst, als den kennen gelernt, welcher er ist: nicht tin Parieimann, sondern der Mann einer Idee, der Mann dnes Glaubens. Darum sei eines vor allem dem Fünfzigjährigen ™nt Danke und zum Wunsche dargebracht. Seit änderttalb Jahrhunderten ist clas jüdische Leben in der geistigen Mit, daß es fragmentarisch geworden ist, und die große Hoffnung unserer Tage ist, daß es seine Einheit, seine Ganzheit wicdererlange. Auch alle spaltende Parteiung “ntcr uns kommt daher, daß so viele nur ein abgc* orocher.es Stück vom Judentum zu eigen haben. Dieses Bruch stückige, dieses Fra gm ent hafte gilt zu überwinden. Wir wissen Kurt Blumenfcld ״atik, daß er in seiner Lebensarbeit für den Palästina- Nanken dies mehr und mehr erkannt hat. Wenn er so viele Menschen, die seiner Idee ferngestanden hatten, Bir hinführen konnte, er hat cs nicht zuin mindesten ״«halb vermocht, weil aus seinem Denken die Sehnsucht "3di dieser Einheit zu ihnen sprach. Sie ist die Zukunfts- 1‘״Re, die auch, welche das Land der Väter stellt. Weniges lcBrt die Geschichte so deutlich wie dieses eine, daß "ejn neuer Boden wahrhaft zu eigen gewonnen und ,^n dauerndes Gemeinwesen auf ihm erbaut worden ק ohne die starke und wahrende Kraft der Religion. ^,n jüdisches Volkslum bliebe ohne sie ein Fragment. ״le Ganzheit des Jüdischen, baarez ubechuza laarcz, . ׳st die große Hoffnung. Dafür den sichtbaren und ^1''«bildhaften Mittelpunkt zu bereiten, das ist die Aufder ein gemeinsames Mühen und Sehnen gilt, es Kurt Blumenfeld lange hin zu teil werden, ״®send und erlebend auf diesem .Wege zu sein! O i > i i i. & Fon Cha jimW cizmann Wenn ich mir überlege, worauf die einzigartige und noch immer im Wachsen begriffene Bedeutung Blumenfclds für die zionistische Bewegung beruht, so sind es, glaube ich, jene gewaltigen irrationalen und idealistischen Kräfte, von denen seine Gesamt• Persönlichkeit erfüllt und bestimmt ist. Diese sec• tischen Urkräfte im Verein mit der Kraft klarer und scharfer Erkenntnis, schöpferischer Intuition und einer seltenen rhetorischen Begabung machen Blumenfcld zu einem der hervorragendsten Inter• preten der modernen Judenfrage, zu einem der geistigen Führer in unserem Kampf gegen die Assimilation und zum Lehrer und Erzieher einer ganzen zionistischen Generation. Die zionistische Auffassung der Judenfrage ist wcscnsiwlwvndig mit einer praktischen Konse• quenz, der Entwicklung des Jüdischen National• heims in Palästina, verbunden. Diese Aufgabe ist von einer iimslürzcnden Bedeutung für das Volk in seiner Gesamtheit utul das Lehen des einzelnen zionistischen Juden. Bei Blumenfcld treten zu irrationalen seelischen Voraussetzungen und logisehen Erkenntnissen die dynamischen Kraftströme hinzu, die den Ideologen zum Politiker machen, zum echten zionistischen Politiker, der im Ver• trauen auf die schöpferischen Urkräfte seines Vol• kes weiß, daß das Gelingen dieses realen Aufbau• Werkes allein von uns selbst, von unserer eigenen Leistung, abhiingt. Ich gedenke heute in aufrichtiger Herzlichkeit meines treuen Freundes und Mitkämpfers und wünsche ihm neue Jahrzehnte erfolgreicher Tätig• keit zum Segen für unsere Bewegung, die heute mehr denn je geistiger Erneuerung und innerer Erstarkung bedarf. Dank der Z. V. f. D. Wenn Kurt Blumcnfekl, als er vor 30 Jahren irn Verein Jüdischer Studenten in Berlin zum ersten!Male mit den Problcincn der jüdischen Renaissance-Bewegung in Berührung kam, alsbald jene jüdische Stiulentenorg.niisatioii entscheidend beeinflußt hat; wenn er als erster leitender Beamter der Zio* nistischen Vereinigung für Deutschland schon in der Zeit vor dem Kriege der zionistischen Arbeit Deutschlands ihr Gepräge gab und im Laufe der Jahre mehr und mehr die zentrale Führerfipur des deutsche« Zionismus geworden ist; wenn er schließlich im Welt/ionismus seit langem als der maßgebliche Repräsentant des deutschen Zionismus gilt; so bedarf es ganz gewiß in der ״Jüdischen Rundschau“ nicht einer Aufzählung der Eigenschaften, die Kurt Blnmeufeid schon in jungen Jahren und in immer steigendem Maße zu diesem Fiihrcrtum <|11alifizierten. Wir, die wir die drei Jahrzehnte zionistischer Lut- Wicklung mit Blumcnfekl durchlebt haben, kennen diese Führerqunlitätcn; wir schätzen und liehen sic, und wir glauben, daß sie klar vor den Augen der zionistischen Welt liegen. Aber jede echte Persönlichkeit ist mehr und anderes als die Summe iiirer Eigenschaften. Das besondere Charaktoristikum der Persönlichkeit und der Leistungen Blumenfclds Blumenfeld, 1897 ein Barmizwali, gehört der ersten Generalion an, die dem Zionismus zu gewachsen ist. Seit 25 Jahren Ist er Wortführer in Ihm. Er führt die, die europäische Kultur In sich aufgenommen haben und den Weg zu Ihrem Volke suchen. Wie kaum einer kennt er die UnUbcrseliharkcit unserer geistigen Lage. Immer wieder ringt er darum, ein Abbild unserer Wirklichkeit zu entwerfen. Er weiß aber mit Fichte, daß cs darauf ankommt, Vorbilder zu schaffen, denen die Wirklichkeit folgt. Salmann Schocken. liegt nicht in seinen Fälligkeiten als Denker, als Politiker, als Redner, als Menschenerzieher und Men sehenbecin fiusscr. Daß er in diesem ungewöhnlichen Ausmaß auf Menschen zu wirken vermag lind die Zionistische Vereinigung für Deutschland so zu formen und zu gestalten gewußt hat. wie sie heute geworden ist, läßt siel! mir durch Lines erklären, was Blumenfcld von Zahllosen unterscheidet: Kurt Blumenfcld ist ein Mensch der Weite, Diese Weite charakterisiert ihn nicht nur geistig, sondern auch menschlich. Sie wird gespeist von einer die deutsch« Kultur und die Kulturen der Welt umfassenden Bildung, die mit tiefstem Verständnis für die Völker, ihre Geistescrzciignissc und Gefühlsregungen verknüpft ist. Sie zeigt sich in der menschlichen Wärme, die all seinen Freunden und Mitarbeitern, jedem Gesinnungsgenossen und jedem Scfiüler, den Mensehen, die sieh für jüdische Probleme interessieren und sogar den gutwilligen Gegnern zuteil wird; imd die sich nur versagt . . . den Mens ■hen der bequemen, der selbstsüchtigen Enge. — Die Arbeit der letzten Jahrzehnte hat tiefsten Antrieb und wirksamste Förderung dadurch gefunden, daß Blumcnfekl diese Weite in den Dienst der jüdischen Sache, des deutschen Zionismus gestellt hat. Sie hat ihn befähigt, auf den von den alten Kulturgütern des Judentums erfüllten Menschen ebenso zu wirken wie auf den nichtjüdischen Politiker, den es für das jüdische Volk und den Palästina-Aufbau zu interessieren galt; auf den jungen Idealisten aus der jüdischen Jugendbewegung ebenso wie auf den jüdischen Erfolgsmenschen. Dieser Weite Blumenfclds verdankt der deutsche Zionismus cs zu einem guten Teile, daß nicht kleinbürgerliche Haltung für ihn charaktcristisch geworden ist, sondern das erfolgreiche Bemühen uni einen sicheren geistigen Standort, der dein deutschen Zionismus die Möglichkeit gab, zu jeder neuen Situation — mochte sie nun im Geistigen neu sein oder im Politisch-Materiellen —1 frei und selbständig Stellung zu nehmen und eine eigene Hab tung zu gewinnen. Und diese Weite ward niemals zur Uferlosigkeit. Schon vor dem Kriege stand Blnmeufeid in der vordersten Reihe derjenfgen, die «las Jüdische in uns wesenhafter machen wollten, um 90 dem deutschen Zionismus neben der Freiheit des Ringens um geistige Stellungnahme und gerade auch für dieses Ringen die feste jüdische Grundlage zu geben. Kurt Blumen« fcld selbst aber ist eine Synthese jüdischen Wesens und euro« päischcn Geistes gelungen, die, mag sic unter der Perspektive der idealen Forderung letzte Wünsche noch unerfüllt( lassen, ein bildhaftes Modell für sehr viele von uns darstellt, die nach solcher Synthese streben, für sehr viele namentlich auch aus unserer Jugend. Aus solchem Geist und aus solchem Wesen stammen die ideologischen Fundamente der zionistischen Bewegung in! Deutschland, die zu einem sehr großen Teil von Kurt Blumcnfcld geschaffen worden sind. Wenn wir heute aus Anlaß der äußeren Etappe im Leben Kurt Blumenfelds, die solch[ ein 50. Geburtstag darstellt, ihm für diese dreißigjährige ArJ beit und ihre gerade jetzt so sichtbaren und spürbaren Ergeb-j nisse danken, so hegen wir das Bedürfnis, heute von ganzentl Herzen ihn und uns zu beglückwünschen — wir: seine! Freunde, seine zionistische Generation und die ganze Zionittische Vereinigung für Deutschland, Siegfried Moses,

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