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Jüdische Rundschau · 1934-05-29 · Heft 43 (29.5.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 43 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. A3, 29. V. 1934 ,93! Seite 5 || { '/* 4!;־ ך c~'\ \ ק (' w Lj '1J u ר נ־י־־׳ן ^ך־ *•"ן ך־ן ך־׳ V .... iw V י \ J , r wir lrlicit r I ״ ,mg des lein dch tif :11•!teil net, |h׳s 1s• •1»״ r|»c seii per r»• bc• 1. CCä en! Inl* nee ,Le 11• h«f pa• In einer Reihe europäischer Staaten hat sich in jüngster £nt die autoritäre Staatsform durchgesetzt, so daß ein immer ״rolicrcr Teil des Kontinents an Stelle der libcral-parlamcn- (arischen Regierungsforni und des ihm zugrunde liegenden rcscllschaltlichcn Aufbaues eine neuartige Konstruktion von jlaat und Gesellschaft akzeptiert hat. Ueberblicken wir die Nachkriegszeit, so sehen wir, daß sie überhaupt von der Aus- (jii.imlersetzung zwischen jenen beiden Auffassungen bc• herrscht wird: Lin gesellschaftliches Bild, bei dem das Leben des Staates sieh im wesentlichen nach den Bedürfnissen eines isoliert gedachten Lin/elncn orientiert und der Staat Sach• «•alter dieser Einzcliiitrrcsscii ist, ringt mit einer kollektivisti• scheu Betrachtimgsnrt des menschlichen Lebens und der Staat• (ichen Funktionen, durch die dem Staat eine selbständige Rolle, unabhängig vom Willen des Einzelnen, «!geschrieben wird Dieser Kampf entwickelt sich immer ausgeprägter zu• gunsten der zweiten Ansicht. Schon der bolschewistische Um• stürz in Rußland führte zu einer Regierungsform, in der der Gedanke der Autorität des Staates und seiner absoluten Maclitfulle über den Einzelnen in gewisser Art verwertet wurde. Das faschistische Italien suchte auf einem eigenartigen Wege ein Ziel zu erreichen, das gleichfalls die autoritäre Führung an die Stelle einer Lenkung der Staatsgesehieke durch die zufälligen Entschließungen vieler Einzelner setzte, zumal es sieh gezeigt hatte, daß die Staatsbürger nicht allein nach ihren ganz persönlichen Impulsen auf die Staats• führung Einfluß nahmen, sondern daß sich zwischen sic und den Staat Interessenverbiinde eingeschaltet batten, die eine Art von Nebenrcßierung bildeten, nach deren Weisungen sich der Einzelne richtete. Auch in Deutschland war cs nicht zuletzt das Gegeneinander vieler Intercsscutengruppcn, das den Bestand des par• lumcntarischeii Staates erschütterte und — wiederum in einer eigenartigen Form — dazu geführt hat, daß mit dem National• Sozialismus der Gedanke der autoritären Staatsführimg lind einer neuen Funktion des Staates selbst sich durchsetzte. Neben diesen für das politische Bild Europas entsdici• demien!,ändern sind aber aneli eine Reihe weiterer Gebiete der autoritären Staatsgewalt unterworfen worden, wenn auch In manchen von ihnen die Entwicklung noch nicht zum vollen Abschluß gelangte. Polen, Jugoslawien, Oester• reich, Lettland und Bulgarien seien in diesem Zu• sammenhange genannt. ln dieser gewandelten europäischen Welt ist nun die Staatsform besonders eng mit der nationalen Idee verknüpft worden. Man empfindet den Staat als den Träger des Willens der Nation, ja als deren eigentlichen Ausdruck, ohne den das nationale Ideengut und der Volkskörpcr als solcher verktim• mer״ müßte. Der Staat als Inbegriff der Macht wird so zu dom Mittel, durch das sich die einzelne Nation in der Weit entfaltet, ihren Raum nach innen aus füllt und im Konzert der Mächte ihre Stimme in die Waagschale wirft. Staats• gedattke und nationale Idee treten in eine Verbindung, die so weit gellt, daß man sic kaum mehr voneinander unterscheiden kann, sondern im Staat die organisierte Nation und in der Nation das eigentliche Wesen des Staates sieht. Damit hat in den letzten Jahrzehnten die nationale Idee unter den Völkern Europas eine neue Färbung erhalten, die weit von den Grundlagen entfernt ist, auf denen ursprünglich der neuzeitliche Nationalismus Europas basierte. Blicken wir in seine G e s c 11 i c 111 e zurück, so müssen wir bis etwa in die Zeit der Renaissance zurückgreifen. Damals entdeckte man zunächst in Italien, dann auch in Deutschland und in den übrigen geistigen Zentren der Welt die mcnscli■ liehe Persönlichkeit. Zunächst in einem Verhältnis• mäßig kleinen Kreise der Gebildeten erkannt, dann auch in immer stärkerem Maße in den gesellschaftlichen Institußnnen verwirklicht wurde der Grundsatz, daß der Mensch 31s solcher existiert, ohne daß er in Bindungen überpersönlieber Art liinciiigestellt sein muß. Durch Jahrhunderte hin• durch war ja diese Bindung des Einzelnen als eine Selbst- Verständlichkeit empfunden worden. Sie war in erster Linie religiös-kirchlich bestimmt, bestand daneben oder damit eng verknüpft in wechselnden Formen auch in der feu• dden Gesellschaft, in der ständischen Gliederung und in manfben anderen Lebensformen. In jener Zeit nun empfand man die ersten Lockerungen di״scr die Menschen zusammen• selnveißcnden Gemeinschaften. Und zugleich mit ihrer Auflösiing stand man der Tatsache gegenüber, daß der Mensch ä's einzelner da ist und seine Wertung beansprucht. , Hier finden wir den Punkt, von dem aus auch der Nationalismus Europas die ersten tastenden Schritte in die Welt unternahm. Sali man nämlich den Menschen in seiner Vereinzelung und wurde einem bewußt, daß er als fine Persönlichkeit zu werten ist, so mußte mail sehr bald d'f Maßstäbe dieser Wertung aufstclicn, und man kennte sie nirgends anders suchen als in denen, die es zu "erteil galt. So begann inan an Wesen und Art des Mensehen Interesse zu gewinnen, seine Differenziertheit in psychologischer und biologischer Beziehung zu erkennen, und djs Wissen vom Menschen trat viel stärker in den Vorder-?rund, als es in allen Zeiten vorher der Fall gewesen war, *״denen sich das zentrale Interesse auf die überpersönliehen Dinge, insbesondere auf das Gebiet des — letzten Endes auch als gcscllschaftsbildcnd empfundenen — Reli- Siöscn richtete, Auf dieser Entdeckungsreise in das Gebiet des Menschlichen Wesens hinein, deren erste Wurzeln bis in die Renaissancezcit hineinreichen, gelangte man *uch dazu, daß man den nationalen Charak• ter des einzelnen Menschen erkannte. ^tht zuletzt war dies eine Frucht des neu erwachten sprach- Wlssenschaftlicl1cn Interesses, das das nationale Wesen ins IW Licht «ctzte und im Bewußtsein der Menschen die *Meldung seiner Nationalität emporhob. , So entstand in einem Prozeß, der Jahrhunderte gedauert w׳ *tas Wissen um die nationalen Verschiedenheiten der Menschen und die Ausprägung des Wesens der Nation. Aber wir müssen festlialten, daß dieser Nationalismus aus der Erkenntnis von der Eigenart der einzelnen menschlichen Persönlichkeit entstanden war, und daß er datier in der Nation eine Summierung dieser Einzelnen sali. Wenn zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dein Druck, durch den die letzten Reste der aus dem Mittelalter überkommend! gesellschaftlichen Bindungen in West• und Mittcicuropa zusammciistürzten, der nationale Gedanke gleichsam eruptiv zmn Durchbruch gelangte, so war dieser nicht etwas plötzlich Entstandenes oder willkürlich I Icrbeigchollcs, sondern er war das Ergebnis einer langsamen Entwicklung. Und dementsprechend glaubte der Nationalismus des 19. Jahrhuinln ts, daß die Nation sozusagen eine Wiederholung der Art des Einzelnen im großen Maßstabc sei, daß die Leistungen der Individuen, aus denen sich die Nation zusammensetzt, ihre״ Wert ausmachen. Die Nation erscheint durch den Inhalt bestimmt, den ihr die einzelnen Mitglieder zu geben vermögen; ihr Auf und Nieder im Ablauf der Geschichte ist der Ausdruck der Kräfte, die in den Einzelnen wirksam sind. Dieser Nationalismus Ist somi; Individualistisch, d. 11, er geht vom Einzelnen aus, der gewiß In die Nation cinßcrclht ist, durch den allein aber die Nation erst bestehen kann. Wie hei zahlreichen anderen geschichtlichen Vorgängen sehen wir bereits im I löhcpnnkt der Entwicklung der nationalen Idee im 19. Jahrhundert den Keim zu einer Umprägung ihres eigenen Wesens angelegt. Ali diejenigen Kräfte, die sich gegen die individualistischen Tendenzen des Jahrhunderts wandten, empfanden instinktiv, daß auch die nationale Idee diesem Individualismus verhaftet war, und sie suchten auf diesem Gebiete den Weg zu neuen Bindungen. Gegenüber den die Persönlichkeit isolierenden Kräften trat die Sehnsucht auf, ein Leben zu führen, in dem es von vornherein keine Vereinzelung gibt, sondern in dem der Mensch nur kraft seiner Gebundenheit an den Menschen bestellt, in dem also das kollektive Element von Anbeginn an gegeben und der Einzelne ein Ausdruck dessen ist, was in einer von Natur aus vorhandenen Gemeinschaft an Infiniten, Werten und Macht fülle liegt. Diese Gedankengänge, die in der Roin a n t i k ihre erste Ausprägung gegenüber dem damals herrsehenden Zeitgeist erhielten und insbesondere in der Sehnsucht nach einer Renaissance mittelalterlicher Lebensformen gipfelten, führten auf dem Gebiete der nationalen Idee sehr bald dazu, daß der Staatsgedanke in ganz anderer Weise mit ihr verbunden wurde, als es im übrigen der Fall war. Der nationale Staat wurde als die kollektive Lebensform empfundeii, die als von allem Anfang an bestehend gedacht werden muß, wenn mau dem einzelnen Angehörigen der Nation überhaupt einen nationalen Charakter beilegen will. Der nationale Staat ist es, der dem Einzelnen diesen Charakter verleiht; ohne ihn verliert die Existenz des Individuums überhaupt jeden Sinn. Das nationale Wesen bestellt nicht aus Art und Leistung der vielen Einzelnen, sondern cs wird diesen von oben her aufgeprägt, da der Einzelne in dem Staat eingcglicdert ist und seine Funktionen von ihm zudiktiert erhält. So entsteht ein nationaler Gedanke kollcktivis tisch er Prägung, bei dem es weniger auf eine inhaltliche Bestimmung aus dem Charakter der ihn tragenden menschlichen Persönlichkeiten heraus ankonuut, als auf seine formale Funktion, d. h. eben auf die Kraft, mit der der nationale Staat die ihm angchürendcn Menschen prägt und in Funktion setzt. So bereitete sich itn vergangenen Jahrhundert in einer Zeit, in der die liberalen Gedanken die Welt beherrschten und zugleich ein individualistischer Nationalismus seine Triumphe feierte, auch auf diesem Gebiete der Umschwung vor, der heute dazu geführt hat, daß Staat und Nation in die vorhin geschilderte Verbindung cintratcn, und daß der ctiropäischc Nationalismus im 20. Jahrhundert eine ganz neuartige Position einnimmt. Es ist eine wichtige Frage, wie in den Rahmen dieser hier dnrgestelltcn Oesamtbewegung der Nationalismus der Juden und damit der Zionismus einzuordnen ist. Auch er ist, wenn auch in einer verhältnismäßig späten Zeit aus dem Gefühl der Vereinzelung entstanden, in das große Teile des jüdischen Volkes hineinversetzt wurden, als ihre alten gesellsehaftlichcn und religiösen Bindungen auscinandcrficlen und cs ihnen nicht gelang, den echten Anschluß an die europäische Weit zu finden. Es ist einleuchtend, daß der Charakter dieses jüdischen Nationalismus dem entsprechen mußte, der zur Zeit seiner Entstellung maßgebend war. Der Einfluß der Umwelt wurde auch bei den Vätern der modernen jüdisch-nationalen Idee wirksam, und es kam noch hinzu, daß die formenden Elemente, die einer anderen Ausprägung der nationalen Idee den Weg geebnet hätten, bei den Juden fehlten, Weder war ein Staat noch ein Territorium noch auch auf kulturcllom Gebiete eine einheitliche Sprache vorhanden, 80 daß der jüdische nationale Ocdankc zwangsläufig auf der Art des einzelnen Juden aufbauen mußte, sich auf seine Leistung zu stützen hatte und hieraus die Idee einer in der Wirklichkeit existierenden und sich neu organisierenden Nation ableitctc. Damit war natürlich nicht gesagt, daß nicht auch im jüdischen Volk eine geistige und gesellschaftliche Wandlung möglich ist, die in Analogie zu den Vorgängen in der nationalen Welt Europas eine Neuprägung unserer nationalen Vor* Stellungen herbeiführen kann. Bereits in den Anfängen der zionistischen Bewegung war diese Möglichkeit durch Hcrzls Formulierung des Seid ag Wortes vom ״Juden Staat“ angedeutet, wobei allerdings in sehr charakteristischer Weise dieses Postulat niemals in das offizielle zionistische Programm aufgenommen wurde. Niemand jedoch kann heute wissen, was in dieser Beziehung die Zukunft hrin־״t. Es ist aber verH>J\ wie es jetzt von all denen geschieht, die revisionistischcn Ocdankengnngcn folgen, einen Nationalls• mus in unseren Reihen zu konstruieren, der auf einer irrealen Basis beruht. Wir sahen, daß die kollcktivisti.uhc Form der nationalen Idee ihr eigentliches!.eben aus der Verbindung von Staat und Nation erhalt, und daß die Eingliedern 11g des einzelnen Menschen und seine Formung mir kraft der Macht möglich ist, die im Staat konzentriert ist. Wollte mau etwa im jüdischen Volke den Versuch machen, analog dieser Entwicklung unsere nationale Existenz aufzu* bauen, so gelangt man zu einer Vernichtung all dessen, was die nationale Idee im modern en Judentum in den vergangenen Jahrzehnten gesell,dien hat. Wie man sich auch zur Frage des nationalen Endzieles, das für das jiidisehc Volk besteht, verhalten mag — cs gibt in unserem Volke weder in der Diaspora noch in Palästina etwas, was den Machtcharakter der Staates besitzt und datier mit den Mitteln, die dem Staat zur Verfügung stehen, die Eingliederung des Einzelnen und die Entfaltung nationaler Energien bewirken kann. Wer glaubt, einen von ihm herbeigcwünscliten Endznstand bereits in unseren Tagen vorwegnehmen zu können, gelangt damit nur zu einer leeren Phraseologie, die niemals zum Aufbau einer nationalen Wirklichkeit führt, soneiern nur dazu, daß die persönliche Verantwor* tung des einzelnen Juden gegenüber unserer nationalen Gesamtheit entscheidend jt e schwächt wird. Es geht dabei ja nicht um Theorien 1 Mag man auch glauben, daß die Juden dem Zeitgeiste fob gen und auch in ihrer eigenen nationalen Bewegung mit den Formen der Umwelt Schritt halten sollten — es steht fest, daß der Aufbau unseres nationalen Le- , bens auch heute nur vom verantwortlichen Einzelnen her möglich Ist, und daß alles andere zu leeren Konstruktionen führen muß. Wenn Worte wie Freiheit, Macht, nationale Ehre, Eigenstaatlichkeit und Expansion im Leben anderer Völker aktuellste Bedeutung haben, und wenn sie dort eine Realität repräsentieren, so ist damit nicht gesagt, daß sie für die Juden in ihrer heutigen Situation entscheidenden Wert besitzen. Wer sie dem jüdischen Volke als die wesentlichsten Begriffe heute vor Augen hält, der lenkt es nicht zum Zentrum seines Lebens hin, sondern zur Sphäre der zu nichts verpflichtenden Worte, hinter denen keine Wirklichkeit steht. Der nationale Formalismus Ist für die Juden in unserer Zeit die größte Gefahr! Das jüdische Volk lebt heute gewiß in den meisten Teilen der Welt unter den allerschwcrsten Lcbensbcdingungcn. Sie stärken jedoch seinen Willen zur Existenz und zum Aufbau einer neuen, besseren Zukunft. Die Hauptgefahr, die ihm droht, ist, daß es eine geistige Haltung und gesellschaftliche Vor- Stellungen übernimmt, die für große Teile der Umwelt geeignet sein mögen, die aber für die Judcnheit einen Weg ins Leere bedeuten. Darum ist cs notwendig, sich nicht von den manchmal einfach scheinenden Begriffen, die in der nationalen Bewegung Europas an der Tagesordnung sind, überwältigen zu lassen, sondern auf ihren Inhalt ciimigehcn, ihre geschichtliche Bedingtheit zu sehen und all dies mit der wirklichen Lage zu vergleichen, in der sich «las jüdische Volk befindet. Wenn im Zionismus der Kampf um die Art seines nationalen Charakters geführt wird, dann ist cs nicht so, daß sich ״reaktionäre“ Kräfte einem Prozeß entgegenstemmen, der dem Geist der Zeit entspricht, sondern daß alle, die die Wirklichkeit sehen, und auch die, die historisch zu denken gelernt haben und über den Tag hinaus blicken, sich einer Verflüchtigung des echten nationalen Charakters unserer Bewegung entgcgcnstcllcn. Wir Juden leben in einer Zeit, in der der Nationalismus der anderen Völker unser Leben in der Galuth entscheidend mitbcstimmt. Wir wissen auch, daß hinter allen Ausprägungen, die die nationale Idee bei den einzelnen Völkern und in den verschiedenen Zeiten gefunden hat, etwas im tiefsten menschlichen Wesen Begründetes stellt, das auch wir in uns empfinden. Wenn die besten Kräfte der jungen Generation des Judentums heute den Weg nationaler Erneuerung gehen, dann nicht deshalb, weil sie sich an Zeitströmungen angieichen, deren Anziehungskraft sie erliegen, sondern weil auch sie empfinden, daß bei aller Aehnlichkeit in dem Verhalten der Zeitgenossen, das in allen Perioden der menschlichen Geschichte zu finden ist, die Ausprägung des eigenen Weges die eigentliche Aufgabe jeder Generation ist; Nicht nur darauf kommt cs an, um der Erhaltung der eigenen Existenz willen im Rhythmus der Zeit mltzuschwingen, sondern zugleich seine Eigenart deutlich abzugrenzen. Diese Aufgabe steht heute nicht zuletzt vor der zionistischen Bewegung, in der Tendenzen vorhanden sind, die eine solche Abgrenzung gefährden, und in der es daher gilt, den Weg echter nationaler Verwirklichung und des Einsatzes der vollen Verantwortung des einzelnen jüdischen Menschen unbeirrt weiterzugehen. K. L. Klpnis scheidet aus der Staatsoper. Die ״Frankf. Zeitung‘' vom 26. 5. meldet; Nachdem der erste Rassist der Staatsoper, Emanuel L i s t, der Nichtarier ist, im vorigen Jahre freiwillig seine Stellung aufgab, obwohl seiner weiteren Tätigkeit nichts im Wege stand, und nach Amerika ging, verläßt nun auch der zweite bedeutende Rassist, Alexander K t p n i s, ebenfalls Nichtaricr, aus eigenem Willen seine bisherige Wirkungsstättc. (Beide Sänger haben noch im Vorjahr bei den Bayrcuthcr Festspielen in wieiitigen Rollen mitflewirkt.-- A.d.R.)! dem Aufsatz zu Max Brods Druckfchlcrbcricbtlgung. In d 50. Geburtstag in Nr. 41/42 der ״Jüdischen Rundschau" ist hei der Anführung eines Ausspruches cm Druckfehler unterlaufen, wodurch der ganze Sinn des Zusammenhangs gestört worden ist. Bei dem Zitat aus dem Aufsatz ״Der jüdische Dichter deutscher Zunge“ ist in dem Satzgefüge ״zum wahren Volksgcist" das Wort ״deutschen" ausgelassen worden. Fs soll richtig heißen: ״zum wahren deutschen Volksgcist“. Das Zitat muß demnach vollständig folgendermaßen lauten: ״Es ist meine Meinung, daß auf dem Wege tiefer jüdischer NaPonalempandung dem jii■Eschen Dichter deutscher Zunge rum ersten Male Zutritt rum wahren dcunchcn Volksgiist ermöglicht wird. Denn die Freu ie am eigenen Volkstum ist der Freude am fremden Volkstum verwandter als , die versuchte Erschleichung fremden Volkstums,“

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