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Jüdische Rundschau · 1934-05-29 · Heft 43 (29.5.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 43 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU mim ffgt׳Ä Der Sinn der Ariergesetzöebund Wie die ״Königsberger Allgemeine Zeitung“, Königsborg, am 15. Mai beneidet, hat der Leiter der Beamten• Abteilung im Rcicltsiiincnministcrium, Ministerialrat Sc c 1, einen Aufsatz. veritffentlieht, in welchem er wichtige Ausfüh* rungeii über die deutsche A rier• Ü c s c t z g c bu n g macht. Der Verfasser betont, daß iin Gegensatz zu Italien, das nur 50000 Juden habe, ja selbst zu Großbritannien mit seinen 300 000 mul Frankreich mit 175000 Juden, das Deutsche Reich zu der Arier-Gesetzgebung gezwungen gewesen sei, weil, so führt der Aufsatz fort, ״das DcuIm-Iic Reich, dank der von den früheren Machthabern nach dem Kriege geduldeten und slurk geförderten Zulassung der Ost jaden etwa u 50 000 Juden, zahle. Das mache, ent-preohend dem religiösen llekenntnis, 1,5 v. II. unserer GesaintbcVölkeruug aus.“ In dieser Darstellung muß anscheinend ein Fehler unter* laufen sein. Denn nach eleu Schatzungen von Sachvcrständigen (s. Art. von Frust Kahn in Nr. 37 der ״J. R“) gab es im Deutschen Reich Anfa; p 1033 insgesamt 510 000 Juden, die heute auf ca. *MO000 zusammeiigcschniolzen sein dürften. Es scheint also, daß der Verfasser auch die ״Nicht,iricr“ bcrücksichtißt hat, die statistisch nicht erfaßt sind; dann versteht man wieder nicht die Bemerkung ״entsprechend dem religiösen Bekenntnis“. Nach weiteren Ausführungen über den ״ungeheuren Ein* fluß“ den die Juden in den vergangenen 14 Jahren in Deutschland gehabt hätten, fahrt der Artikel fort; ״Trol/dom könne die deulsche Aricrgcsclzgclnmg nicht einfach mit «lern Wort Antisemitismus abgetan werden. Ihre tiefe* ten Wurzelt» habe sie in der Rassen frage, die iür unseren völkischen Staat 1m .Miltel'itinkt allen Tun und Denkens siche.“ Im Anschluß daran wird dann neuerdings auf die Vc r Ordnung des R e i c 11 s m i 11 i s t c r s des Innern vom 17. Januar 1034 hingewiesen, ״die die Anwendung des Arierparagraphen in der Wirtschaft regelt. Es heißt dort, daß die deutsch« Aricrgen'l/gdmug aus völkischen und staatspolitiscben Gründen notwendig sei. Amlcrer-eits halte sich die Keiehsiegirrung aber selbst gewisse Gieiizen geueekl, d reu Einltaliting gleichzeitig er• forderlich sei. Die deutsche AricrgcseUgebung wiirtlc im Inland und Au-Iaml richtiger beurteilt werden, wenn diese Grenzen überall beachtet würden. In-gesuuit s!i cs nicht, ungeliracht, ja sog.rr l>e* dcnklieh, wenn die Grimd.-iitic des § 2 BGU., des «״genannten Arierpatiigraphcn. ״auf Gebiete ausgedehnt würde, für die sie überhaupt nicht bestimmt sind“. Das güte insbesondere von der freien Wirtschaft. Der Kcichsininistcr des Innern bittet daher, Febeigiiiien mit aller Entschiedenheit cnigcgctuulrctcn und unzulässige, diiteh Gesetz, oder Verordnung ■nicht erlaubte Ein- Wirkungen auf wirtschaftliche Unternehmen, Verbünde usw. tu unterlassen." Der Artikel zitiert dann weiter noch den in der ״iüdischen Rundschau“ vom US. Mai wiedergegebenen Erlaß des Rcicltswehrmiuisiers. Die Ausführungen von Ministerialrat Seel sind um so beachtlicher, als aus ihnen hervorgeht, daß nach Auffassung dieses berufenen Sprechers die deutsche Rassegesetzgebung nicht im Sinne eines auf allen Lcbcnsgebict e n vorherrschenden Antisemitismus sich auswirken soll. Wir Juden glauben, daß auch unter den herrschenden Gcsct/ei! ein Weg gefunden werden muß, um der kleinen im Deutschen Reich lebenden jüdischen Minderheit eine Existenz unter Wahrung ihrer Ehre zu sichern und ihr die Möglichkeit zu geben, durch ehrliche Arbeit ihren Unterhalt zu finden. Deutsche, Dänen und Juden Der Oberbürgermeister der Stadt Flensburg in Schics* wig hat in seinem Amtsblatt vom 3. April 1034 nachstehenden Erlaß veröffentlicht: ״Der Nalioiialso/ialiHiius baut sich auf dem Volkstum auf, nicht uuf dein Staut. Er achtet das Volkstum ül>cr alles, auch «las fremde. Iniolgede-.-en lehnt jeder Nationalsozialist wie jeder Re• prascnlaiit des nal»malstiziali-tisrlicn Staates cs ab, fremdes Volks• tum i1g1n1!wie in da« deiiUehc hincinzuziclirn. Das sind liberalisti• sehe Methoden, die iür den Nalionalsoziiili'.mus nicht passen. Kür die Klcndmrgvr Verhällni-sc heil utet das: Achtung vor jeder Acu Benin!• de« dänischen Volkslums. Eli verbiete deshalb Maßnahmen, die aut Schikane von Angehörigen der dänischen Minderheit hinaus!a11f!*n mit dem Ziele, einen Drin k auf diese Menschen ausiuiibcn, damit sie sich dem deutschen Volkstum anschhrCcn. Deutscher ist, wer aus dun deutschen Volkslum stammt, Däne, wer aus dänischem Volksiuni stammt. Menschen, dc zwischen den beiden Volkstiimem hin und her sehwanken, um sich dadurch materielle Vorteile zu besorgen, verachten wir, so daß sie nicht wert sind, in das deutsche Volkstum hiticiiige/ogen zu werden. Bewußte Dänen hingegen achten wir. Wir können .solchen Menschen nie zumuten, daß sie ihr Volkstum aulgebcn und Deutsche werden. Sie würden damit sich selbst auf «gehen und ihren besten Teil und nur noch unsere Ver• achtuug verdienen. So achten wir jeden rolkstuinsbewußten Dänen und behandeln ihn entsprechend, (I. h. so, wie wir behandelt zu werden wünschen. Ich mache cs deshalb allen Dienststellen zur 1’fltehl, darauf zu achten, daß nicht die geringsten Klagen in dieser Hinsicht laut werden.“ Dieser Erlaß wendet auf das spezielle Problem der dätti• selten Minderheit allgemeine Grundsätze an, die bei allen Völkern, die selbst mit dem Minderlicitenproblem zu ringen haben, immer stärker nach Geltung verlangen. Es handelt sich um Grundsätze, die auch Minister Frick in seiner Pfingstredc bei der Tagung des VDA. ausgesprochen hat. Wir haben in unserem Leitartikel in der Nummer vom 25. Mai darauf Itingewiesen, daß diese Gedanken seit dreißig Jahren auch einen Bestandteil der nationaljü dischen Anschauungen bilden. Denn wir Juden, überall in der Welt verstreut, können eine menschenwürdige Existenz nur finden, wenn die Wchrlicitsvölker uns in der geschichtsbedingten Eigenart unseres Volkstums, das naturgemäß in verschiedenen kulturellen Mischungen auftritt, achten und uns — nicht unter der Fiktion einer Assimilation, sondern als Juden, die wir sind — eine entsprechende Stellung und Rechte einriiumen. Besonders interessant ist auch der Satz von Dr. Sievers: ״Menschen, die zwischen den beiden Volkstiimem hin und her schwanken, um sich dadurch materielle Vorteile zu besorgen, verachten wir.“ Das hier wiedergegebene Zitat wurde ebenso wie die Rede von Dr. Frick iti der letzten Nummer der ״C. V. * Zeitung“ angeführt. Es wäre gewiß von unserem Stand• punkt aus erfreulich, wenn daraus geschlossen werden könnte, daß auch der CentrabVcrcin, der früher bekanntlich andere Anschauungen vertrat, sich zu der Einsicht durchgerungen hat, daß eine würdige Stellung der Juden nur bei Bekenntnis der Juden zum jüdischen Volkstum (natürlich in def unserer eigentümlichen Situation entsprechenden Modifikation) erreicht werden kann Nr, 43, ץ 9ל 1934 Mhnß 4 /T* V \ f4׳ «hj*« ln der letzten Ausgabe des Gemein de biftttit der Jti* dischen Gemeinde Berlin seitreiht der Verwaltungsdirektor der Gemeinde, Dr. Walter Breslauer, einen Leitartikel unter der Ucberschrilt ״Palästina '1 n d w i r“ (״Wir" bedeutet in diesem Zusammenhang wohl die Mehrheitsgrupne der jüdischen Gemeinde). In dem Artikel wird erklärt, die Paliistin.ilragc brauche heute kein Streitgegenstand im deutselten Judentum mehr zu sein. Das ist ritte These, die wir nicht erst seit heute und nicht erst seit dem 30, Januar 1913, sondern schon seit vielen Jahren verfechten iiml der sieh prominente Vertreter des iiichtzionistischcn Judentums angeschlossen haben, die folgerichtig auch im Keren I lajessod und in der Jewislt Agency mit den Zionisten zusammen,arbeitoten. Daher könnten wir die Feststellung von W, B. begrüßen, wenn sie nicht mit Ausführungen belastet wäre, die wir nicht ohne Widerspruch Itiitrtthmen können. Der Verfasser erklärt, es sei begreiflicli gewesen, daß ״der deutsche Jude auch die lAdä ־,tina-Fragc vom Blickpunkt deut• scher Politik aus wertete“. Wir Zionisten glauben״ daß hier ki'mstli it eine Betrachtungsweise hineingc/ogeu wurde, die mit der Sache nichts zu tun hat; wir behaupten — und dies wird ja auch von der Gegenseite nicht bestritten — daß die deut• selten Zionisten in der Haltung zu Deutschland und in Erfüllung ihrer Pflichten als Staatsbürger hinter keinem anderen Juden zurückstaiulen. Wenn «aber der Verfasser hinzuftigt ״so batte die Frage des Zionismus und Anti/ionismus in Deutschland eine ganz andere Bedeutung als in Ländern ohne akutes Judeiiproblem“ — so muß man .111׳ (horchen. Denn Deutschland war in den Zeiten des schwersten, kränkendsten, hochmütigsten nntl/ionistischen Kampfes keineswegs ein Land mit einem ״akuten Judenprobletn", vvährettd andere Länder tlies wohl waren. Alle Bestrebungen, die dein Aufbau der jüdischen Siedlung in Palästina dienen sollten, stießen damals in Deutschland auf den heftigsten Widerstand jener saturierten, sieh in ihren Positionen itt Deutschland so sicher fühlenden jüdischen Kreise. Wäre es nach ihnen gegangen, dann wäre Palästina heute noch eine Einöde, und darum liegt eine eigentümliche Ironie darin, wenn der Verfasser des erwähnten Artikels erklärt, ״umso brennender ist die Palästina• Frage für jeden Einzelnen von uns geworden als Frage unserer eigenen Zukunft und der unserer Kinder“. Und wenn dann schließlich noch gesagt wird: ״es verlangt bei der wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden heute niemand von der Gemeinde, daß sie ihr Interesse ant Aufbau Palästinas durch finanzielle Leistungen bekunde", so ist dies zwar richtig, aber cs sollte den Gemeimlcfültrcrn doch peinlich sein, daß sic ihr gewiß erfreuliches Interesse für Palästina ausgerechnet in einem Moment bekunden, wo ״niemand von ihnen finanzielle Leistungen verlangen“ kann, wo aber andcrcrscits Palästina dank der ״finanziellen Leistungen“ anderer so weit gekommen ist, für sic selbst oder doch für manche von ihnen eine ״Antwort auf die brennende Frage der Zukunft ihrer Kinder“ zu geben. Wir würden, wie wir zu so vielen eigenartigen jüdischen Aenßerungcn unserer Tage schweigen, nicht weiter auf diese Dinge ringeln'״, wenn nicht der Artikel zu ein«׳!:: m. .• Zweck geschrieben wäre, der sich an seinem Seit!״«T׳!i1',״s Dort wird nämlich gesagt, der Versuch einer t:in1״;! l! in die gegebenen Verhältnisse erfordere ritte U d c u t s c h - j 1i <1 i s c!1 c L c i t tt n g". soll offenbar der Gegen•;,׳,D zu /ionist also die Ansicl iicri!•■, I 1;» ־ -״.״ז'■tHlfiii,.' isel ״ ״■'?’' ch i'1.li ,i, tsen gemimt sc!! p. vertreten, 11 all die deutschen Ziotiktn ■ ״deutsch-jüdisch“ sind und nicht zu den Männern grhc»r«• ״'CS*‘ in Loyalität und itt Festigkeit eine seelisch utui ״ '״ ׳H;' tragbare Zukunft für die Juden Berlins können. Dieser Auffassung muß mit Entschieden!, * entgegen getreten werden. Denn wenn heute;י' da ist was den deutschen Juden ״seelischen und veittsfy f‘ liehen Rückhalt“ zu geben vermag, so ist dies * •יי nicht das Verdienst jener Gruppe, für die sehreiher die Bezcichuum , w'rt$thjfj)1, ,‘־rarbeiten bestimm ... der Amu!‘ .״ ״ . . ״‘D-yNeh-judisch“ monopolis״״ will. Genau so wie in Palästina kommen auch hier V Gruppe, deren Herrschaftsansprüche der Verfasser vertritt Vorarbeiten zugute, die nicht sic geleistet würden in dieser ernsten Stunde nicht derart , ה, hat, n׳lr unwichtige Betrachtungen austeilen, wenn nidt/Vifl« timt Weise, wie man unser eigenes Gedankengut dazu bctiüm um gegen uns zu polemisieren, zu unerträglichen Kons««« zeit führte. ' 1 ”יי Der Verfasser des Artikels im Gemcindcblatt bc?i4« sic.lt auch auf einen Artikel der ״Jüdischen Rumlschau"'» welchem unsere Verbundenheit mit der deutschen Kult׳ dargelcgt wird und findet darin einen Widerspruch;״ unserer Draitdmarkimg des unglaublichen Artikels des H«״ Woyda. Die ״Jüdische Rundschau“ hat in zahlreichen Artikel die eigentümliche deutsch-jüdische Position beleuchtet׳ Italien gezeigt, daß unser Verhältnis zum Deutsch(״« erst dann einen Sinn bekommt, wenn wir uns in unseren jüdischen Sein bejaht haben. Wir hoffen, daß Herr Ih* Breslauer selbst versteht, daß das, was wir itt dem von ihm zitierten Artikel und itt vielen anderen Artikeln geschrieben Italien und das, was Herr Woyda über ״nationale deutsch« Gesinnung“ und ״eindeutig deutsche Führung" geschrieben hat, nicht dasselbe ist. Es stehen sich hier zwei Auf. fass tut gen von ״deutsch-jüdisch“ gegenüber, und wir glauben, daß die von uns vertretene Auffassung der Wahrheit und der Wurde des Judentums entspricht. Wir haben stets, und besonders seit dem 30. Januar 1933, die Notwendigkeit eines Zusammen• gehens aller deutschen Juden betont. Auch wir haben, wie jetzt Dr. Breslauer, darauf Itingewiesen, daß die alten Parolen der Antizionistcn sinnlos geworden sind und daß es zwangsläufig und schicksalsmäßig nur einen Weg für die deutschen Juden gibt. Wir begrüßen daher jede Aeußcrtmg, die eine wirklich׳’ Annäherung und eine wirkliche Zusammenarbeit im Lager de! deutschen Judentums herbei• führen kann. Aber wir können nicht einer Haltung zustimmen, die solche Gedanken nur zum Ausgangspunkt nimmt, um den eigenen höchst zweifelhaften Hcrrschaftsan־pruch etter Par• tei zu begründen. Die Behandlung der Judenfrage ln H a r b tt rg Wil It cl in s bu r g sprach in einer Massenkundgebung der braunschweigische Ministerpräsident Klagges zu dem Thema ״Kampf den Miesmachern“! Der Redner sagte nach dem Bericht des ״DNB“ u. a., von den 150prozcntigcn Nationalsozialisten sei behauptet worden, in der Juden frage hätte die Regierung versagt. Es müsse doch zugegeben werden, so betonte Ministerpräsident Klagges, daß die Juden aus allen öffentlichen Acintern entfernt worden seien und daß sie nirgends mehr einen Einfluß hätten. Man könne natürlich das jüdische Volk nicht vollständig ausrotten. Das sei aber auch gar nicht die Absicht der Nationalsozia* listen. Theologie und Antisemitismus Wir veröffentlichten in Nr. 29 vom 10. 4. ein Zitat aus einem in der ״Germania“ vom 4. 4. veröffentlichten Aufsatz von Baron Fabrc-Luce, dem Präsidenten des Bundes völkischer Europäer (Alliance meiste curopäcnnc) über das Thema ״Was ist völkisch?", in dem sich der Verfasser u. a. zur Frage des Antisemitismus äußerte. Baron Fabrc-Luce veröffentlichte nunmehr in der ״Germania“ vom 18. 5. einen weiteren Aufsatz über das Thema: ״Völ• k i s c h und c h r i s 11 i c h“. Er weist 11. a. darauf bin, daß die ״Jüdische Rundschau“ Hauptstcllcn seines ersten Aufsatzes wicdcrgegebcit und ״ohne Kommentar die tlicobgiscltc Begründung des jüdischen Fluches hingenommen habe“. Dagegen sei mit Genugtuung die Feststellung hervorgehobett worden, daß cs auch unter den Juden eine Gruppe gibt, die zu ihrer eigenen Art steht. — Wir haben s. Zt. das Zitat aus dem erwähnten Aufsatz veröffentlicht, um zu zeigen, wie In manchen völkisch gesinnten Kreisen die Jttdcnfragc betrachtet wird. Es ist natürlich nicht ntöglieh, im Rahmen einer Zcitungsdiskussion das Problem der theologischen Begründung des Antisemltismus zu behandeln, zumal cs sich hierbei tun ein Gebiet handelt, das durchaus in die Glaubenssphäre hincingchört und daher einer rein erkenntnismäßigen Diskussion nicht *״gängig ist. Zwischenfall im Theater Die ״Pommers che Zeitung“ Stettin, vom 20. Mai berichtet über eine Aufführung von Ibsens ״liedda Gabler“ int Stettiner Stadttbeater anläßlich eines Gastspiels, das Agnes Straub mit ihrem Ensemble gab. Es heißt in dem Bericht u.a.: ״l.)ie Instinkt!o«igk«:it, einen unzcilgcmiißcn llwen tu jpiclch, zc’gt sich, auch in der Zusammensetzung des Ensembles. Herr Leo R«u iS ist Jude. Man kann es einem deutschen 1’ublikum nicht verübeln, wenn cs ihn von »ich uns demonstrativ ablehnt. K9 spricht daraus die Kinplindung, daß eine größere Bescheidenheit hier durchaus am Platze ist. Gerade Stettin, das ein *o nu-ßctcichnctcs .Schauspielen•■ Ensemble besitzt und einen durcha׳n stichhaltigen Spielplan, ist nicht darauf angewiesen, jüdische Sehitu-pivlor in einem niizei'geii'uCen S1i!.*k in seinem Theater als Gast zu sehen. So war cs vci iämhch, daß der noch ursprilogFeh denkende Ted »e'n Mißfallen kriUtig äußerte. Wenn ein anderer Teil des Publikums Beifall spendete, so tat er «las weniger um der künstlerischen Leistung willen, als um die Gelegenheit zu einer Demonstration zu erhalten, die sich nicht nur für das Stück einsetzte, •ondem vor allem gegen diejenigen gerichtet war, die vom Theater mehr erwarten als einen Nervenkitzel. Das ging aus einem Vorgang, der sich im Sperrsitz abspiclte, deutlich hervor." Der Gynäkologe und Krebsforscher Hofrat Dr. Adolf Theilhabcr, Vater von Felix A. Theilhaber, feierte am 23. Mai seinen 80. Geburtstag und zugleich sein 60jährige* Doktorjubiläum. Der Ausschluß von der Kassenpraxis Der Ministcrl.1lr.it im Reichs,irbcitsministcrium, Dr. Karstedt, wird It. ״Berliner Tageblatt“ vorn 25. 5. in dem demnächst erscheinenden Heft des Reich sarbcitsblattei über ״Die Durchführung der Arieruml Konumtnistcn-Gisetz• gebiing bei den Kassenärzten, -Zahnärzten usw.“ berichten. Für Berlin liege für Oktober 1933 eine Feststellung vor, wonach von den damals noch vorhandenen 3181 Kassenärzten 1404 als dcutschstämmig und 1888 als fremdstämmig bczcichnet wurden; der Rest war zweifelhaft. Von 965 am 1. Januar 1933 (soll wohl heißen 1934. — A. d. R. ״J. R.״) zugelasscncn Kassrnzahn,irrten wurden 285 als nichtarisch bezeichnet. Aus den Zahlen könne man aber doch entnehmen, daß mindestens die Hälfte der von der ersten Instanz ausgeschlossenen Acrzte usw. Beschwerde eingelegt habe. So habe Berlin ins• gesamt 1144 Kassenärzte ausgeschlossen; das Reichs,irbeits• ministcrium habe in diesem Falle 546 BcsehwerdcLitle entschieden. Es ergibt sich, daß die letzte Instanz, der Reichsarbeitsminister, nach Prüfung der Beschwerden insgesamt 827 Kassenärzte nicht zur weiteren Kassenpraxis ziigelasscit hat; darunter befinden sich 91, deren Nichtzulassung wegen kommunistischer Betätigung crlolgte. Weiter schloß die letze Instanz 174 Zahnärzte (16 wegen kommunistischer Betätigung) und 52 Zahntechniker (drei) aus. Insgesamt sind also nach I urchlaufcn des Beschwerdeweges rund 100t! nicht arische b/.w. kommunistische Acrzte von der Kassenpraxis ausgemerzt worden. Da nur in etwa der Hälfte aller Fälle die Beschwerde eingelegt sei, ergebe sich also, daß rund 2000 Nicht• arier bzw. Kommunisten aus der KasscnpraxH in Deutschland aus gemerzt wurden. Aus den Einzelheiten, die der Referent erwähnt, sei nff• vorgehoben, daß in einem süddeutschen Ort die Zugehörigkeit zu einer jüdisch-konfessionellen Freimaurer• löge als Beweis für Betätigung im kommunistischen Sinne angesehen wurde. Die letzte Instanz habe diese Auffassung nicht bejahen können. Große Schwierigkeiten habe noch die richtige Definition des Begriffs Frontkämpfer bet den Ausnahmen für Nichtarier gemacht. Kleine Nachrichten Bcklel Der Reichsverband der deutschen dun fr* t n d tt s t r i c hielt in Dresden eine Arbeilstagving ab, in deren Verlauf u. a, der persönliche Referent «c Landcsobntanns der N. S. B. O.. Kluuert. sprach. Nach . ... — persönliche ... .... . I. S. B.O., Klugert, sprach. Nach Bericht des ״Berliner Tageblatts“ vom 26, Mai wandte s>c vmität in Jerusalem am 19. dans 11 mathematiiiuc“ und principe de choix". Seit kurzem Juni am 20. der Redner ü. a. gegen die Bildung von Somlcrorgams*״^ neu, wie etwa der Arbeitsgemeinschaft *4c u t s c ח arischer Fabrikanten; derartige Gründungen ,, keinem vcrniipfiigctt Zweck, sondern seien nur ScelSr}1,' Zersplitterung in den organisatorischen Aufbau des Gcwert! hincin/titragcii. In dem vor kurzer Zeit sfattgefundenen ersten Rel‘־hV berufswettkampf für den Nachwuchs aus allen ״ar werblichen Berufen wurden aus dem gesamten BaußC'y ca. 50׳) Lehrlinge in die engere Wahl gestellt. Von f hat der hei dem Vorstandsmitglied des Vereins_ sclbstaim'k Handwerker jüdischen Glaubens e. V., Töpfermeister M. א marski, seit dem 1. Anril 1933 als Töpferlchrhng schäftigte Erich Lüdke die zwei ersten Preise errimgc fm Rahmen der Conferences Internationales des Matlidma'imies, die an der Universität G e n 1 sta״״« .. spricht Professor A. Fracnkcl von der Hebräischen .Iber ״La nati0n־d:extstencf und 21. Jun» u!1cr Le - erscheint in Haifa und Warschau e'^״Lhef nlsche Handclszcitung in englischer und P° . . welche dem polmw״ P Sprache, die ״Gazcta Handiowa“, welche t lästinensischen Handelsaustausch dienen soll. 1.

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