Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 41-42 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 4P יי# #®י JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr 41/42 25 V 1934 t ך״־י).ייי^) f «r% <ph >!> ״ "ר״# «** ,י*״> י"•!*■*»«•> »יי 0***\~/ [ .׳/ ף ci«; ׳ •■'% ׳) ן /ן i ( 1,1 ij ••* 'י44»4^\ •*י# iHiit '111 §ןןןן1 I \~׳/ (;1 ‘.ץ ׳ ,v. tl *' v i{׳■ ■ |: 1*־, ’S# . , Uf»!׳ ז;<ש- A#* »*« - •׳ ' •f^’ #•״ j (#׳' t. ך־ייו * - '1 .. 'f יי•׳" ו \ 1 t 1 ־ *1*** 1 . ■ ן 1 יי י 1/ ■ ■ ■ J; f ri i ,. 4 U;>׳ •v; '׳ « * '1 ' \־V י \ h •יי■ \ - . ' <5 "tfj ' |4. . f - ־ ", i־״® s Jp**• 1׳ K 1!׳־lWr %.' , '4# I rv, ,יי. ..י ,־^ A <' יי*[ן' } ן'־' ז ¥ i*i,•! \^״י# f f I i \ ׳ \ '■ a r ׳ I ihl. *. .;יי ׳\% im. *k Jk l&fllAl 114-11 1. Beim Zeichenunterricht. — 2. Bei <icr praktischen Arbeit. — 3• Nahsturule. — 4. Aus einer Unterrichtsstunde. — 5. Cie.itmgjtunile im i rfien 6. Mädchengymnaslih. — 7• Jungen auf dem Sportplatz F«Ho H. S. Sonn/nltld Aus der Arbeit der Jüdischen Schule am Kaiserdamm Seil einem Jahr gibt es eine verhältnismäßig große Anzahl jüdischer Schulen in Berlin, die die Jüdische Gemeinde unter dem Zwang der Verhältnisse eingerichtet hat. Nur wenige unter diesen Schulen können jedoch bereits auf eine so lange Zeit des Bestehens zurückhlickcu wie die Schule lies Jüdischen S c 11 u 1 v c r c i n s, die seit 10 Jahren, erst in der FasanciislralSe, dann in der Klopstockstraße ihr Domi/il hatte und vor kurzer Zeit in das größere Gebäude am K a i s e r d a in in iibergesiedclt ist. Etwa 600 Schiller und Schülerinnen suchen sich heute auf dieser Anstalt ihre jüdische und ihre Allgemeinbildung zu erwerben, in einer Zeit, in der wir Juden langsam wieder zu der Erkenntnis gelangen, daß es für uns nötig ist, die Bildung?- guter der Welt unter anderen Aspekten zu' betrach• ten und in uns aufzunehmen, als es das vorige Jahrhundert getan hatte, in einer Zeit, in der wieder die Sehnsucht nach »1 einer eigenen jüdischen Kultur wach geworden ist, ist es für den Chronisten nicht müßig, sich an zwei־ Unterricbtsvonuittageii einer jüdischen Schule zu beteiligen und darüber nach/udcnkcn, wie eigentlich heute die neue jüdischc Bildung verwirklicht werden soll. Die Basis der Arbeit Die Anstalt des Jüdischen Schulvereins nimmt insofern eine Sonderstellung ein und verdient deshalb als Spc/ialfall betrachtet zu werden, als sie eine bewußt aut dem Boden des nationalen Judentums stellende Schule ist, die von der untersten Klasse an die Erziehung insbesondere an dem neue״ Werden in Pajästina orientiert. Demgemäß nimmt auch der hebräische Gilt erricht einen sehr wesentlichen Teil des Gesamtunterrichts ein; schon die ABC-Sdiüt/en werden so irith wie möglich mit der hebräischen Schrift vertraut gemacht, und sobald als irgend möglich beginnt der Lehrer, leichte Sätze mit ihnen zu sprechen, und sie selbst in den Geist der Sprache durch die Bildung eigener Sätze hiiieinvvaclisett zu lassen. Die Erfolge im Hebräischen bei den Schülern, die von Anfang an dazu angchalten wurden, sich in die Sprache liinein/u'ebeu, scheinen gut. Die Schwierigkeit liegt darin, daß der größte Teil der Schüler erst in den letzten Monaten 11 i n 711 g e k 0 m m c n ist, nachdem diese Jungen mul Mädchen bereits mehrere Jahre durch den Bildungsgang einer ö f f c n 11 i c 11 e 11 Schule hindurchgcgangen sind und darum heute mancherlei Hindernisse finden, in die völlig neue Atmosphäre der jüdischen Schule mit ihren anderen Anforderungen sich einzuordueii. Die Schwierigkeit liegt für diese Schüler insbesondere in der hebräischen Sprache, da ja die meisten von ihnen in den früheren lahreu entweder jüdischen Dingen ganz ferngchnUen waren oder aber nur einen sehr losen Kontakt mit ihnen hatten, liier bedarf cs vieler Anstrengungen und auch vielen guten Willens sowohl seitens der Schüler als auch seitens der Lehrer und nicht zuletzt der Eltern, um über dieses Durcligangsstadium hinwegzukommen. Bei den Kleinsten Doch blicken wir nunmehr einmal in die praktische Arbeit, und treten wir eine Wanderung durch die verschiedenen Klassen au, um sie bei ihrem Unterrieht zu belauschen. Da sitzen die All e r j ü 11 g 81 c n, die Sechsjährigen, ca. 30 Jungen und Mädchen, etwas zappelig und z uw ei en etwas aufgeregt. Na־h modernen pädagogischen Grundsätzen wird die Siundc ni־ht mit einem einzigen Gegenstand ausgefüllt, der auf die Dauer die Kleinen erminien würde, sondern das Prinzip der Abwechslung und das Spiel soll die Kinder an die Schule fesseln. Die Lchretin veranstaltet zuerst ein Klasse 11 spiel, die Kinder treten aus ihren Bänken heraus und tanzen einen Reigen. Dabei singen sie hebräische Lieder mit sehr leichtem Text, den sie auch schon übersetzen können. Dann wird ein wenig gerechnet, und es entsteht ein starker Wettbewert) unter den Kindern, Aber schon folgt eine neue Abwcvhsliing durch ein Kreis- und Ballspiel, das die Kinder mit nicht weniger Ernst absolvieren als das darauffolgende II e b u 11 g s I e s c 11 aus der Fibel. Zum Abschluß der Stunde wird schließlich noch ein Mailied gesungen mul dann stürmen alle mit kindlicher Fröhlichkeit hinaus auf den Hof, tun sich dort nach ihrer Art zu vergnügen. Deutsch• Unterricht Bei den Neunjährigen erlebten wir eine Deutschstunde. Man las ein Märchen vom Buchfink, der ein Bein brach, aufgefunden und geheilt wurde. Die Kinder waren mit großer Liehe bei der Sache und stellten allerlei Vergleiche zwischen jener Märchenwelt und den Verhältnissen im menschlichen Leben an. Zum Schluß wurde, da es gerade ein Tag vor eien Schawuothfcricn war, ein hebräisches Festlied gesungen, dessen zündende Rhythmen auch den dieses Liedes unkundigen Besucher mitrissen. Etwas höher geschraubt sind die Anforderungen schon bei den Elfjährigen, bei denen wir ebenfalls einen Deutschunterricht mitcrlebten. Der Deutschunterricht ist ein schweres Problem, vor allem deshalb, weil cs keine geeigneten Lehrbücher bis jetzt gibt. Man lullt sich in fast allen jüdischen Schulen, und nicht nur am Kaiscrdamni, damit, daß mau aktuellen Lesestoff für diesen Unterricht benutzt. Als sehr geeignet hat sich in der Praxis die Kindcr-Rundscna u (die Beilage der ״J ii - dischen Rundschau“) erwiesen, und so saßen sie denn da, verschlangen die Geschichte von der Maus Leah und empfanden es als höchst schade, daß man immer noch nicht den Schluß erfahren kann. Die Lehrerin tritt völlig zurück; die Klasse bestimmt einen Jungen oder ein Miidel aus ihrer Mitte, den ״V o r s i t zu übernehmen, und der Vorsitzende - regelt dann den weiteren Verlauf der Stunde, Er teilt ein, welcher Schüler einen Absatz lesen soll, und leitet die Diskussion über das soeben Vernommene, Die Kinder erkundigen sich nach dem Sinn der Fremdwörter, malen sich noch einmal mit Behagen die ganze Situation bis in ihre letzten Einzelheiten aus und fahren dann fort zu lesen. An jedem, der vorgeiesen hat, übt die Klasse Kritik bezüglich seiner Aussprache und Betonung. Lehrer und Schüler verlassen befriedigt diese Unterrichtsstunde. Hebräisch Eine andere Klasse von Elfjährigen konnten wir auf dem Hofe beobachten, wo sie Generalprobe abhicltcu für das Spiel, das sie zur Schawuothfcicr aufzufülircn gedachten. Mau gab einen Extrakt aus dem B u c 11 e R 111 h, selbstverständlich in hebräischer Sprache. Diese Kinder sind, wie der Lehrer berichtete, schon seit fünf Jahren, seit ihrer Einschulung in hebräischem Denken erzogen worden, so daß sic heute schon recht gut hebräisch zu sprechen vermögen. Sic haben vor allem bereits ein hebräisches Sprachgefühl. Man merkte es daran, daß einer, als er seinen Text nicht mehr wörtlich wußte, sich dennoch half, indem er sinngemäß aut hebräisch fortfuhr. Viele aus dieser Groppe sind bereits ln Palästina; doch ist die Ver* bindung zwischen den Fortgcgangcucn und den Hiergebliebenen nicht abgerissen, ein lebhafter Briefwechsel und Gedankenaustausch vereinigt die Gelahrten von einst immer von neuem. — Die Leistung, den Inhalt des Buches Ruth auf hebräisch vorzutragen, ist nicht gering, wenn man bedenkt, daß die Kinder nur einmal diesen Texi durchgenommen haben und nun ganz auf ihr Gedächtnis und ihr Sprach• gcfiilil angewiesen waren. Palästina im Unterricht Bei den Dreizehnjährigen gerieten wir in eine Ocographiestimdc hinein. War es ein Zufall, daß gerade P a 1 ä s t i n ak u u d e durchgcnommen wurde? Diß man sich über die Niederschlagsmenge in den einzelnen Gcgvmkn Palästinas unterhielt, Tabellen aufstvlltc, die einzelnen Orte aut der Karte aufsichtc und nach ihrer Bedeutung hclian- Gelte? In einer anderen Klasse des gleichen Jahrganges, in der gerade eine (i e s c 11 i c 111 s s t u n d e gehalten wurde, unterhielt man sich über die gegenwärtige Lage in Ara• bien, über Ihn Saud, über seine Aussichten, die pan• arabische Herrschaft an sich zu reißen lind über die Knnsequenzen, die sich für Palästina aus all diesen Ereignissen ergeben würden. Es war erfrischend zu sehen, wie hier ver• sucht wurde, die Geschichte in ihrer Universalität und in all ihren Verzweigungen und Zusammenhängen zu betrachten, und eine Lokalperspektiv c, die zu falschen und verzerrten Ansichten verführt, zu vermeiden. Kinder zeigen Probleme Besonders interessant war eine Stunde He• b r ä i s c h, die wir in einer anderen Klasse des gleichen Alters mitmachten. Zunächst wurden Formen geübt, und 01t Kinder mußten zu jeder Form einen Satz bilden, was ihn® nicht schwer fiel. Alle beteiligten sieb eifrig an der gram• malischen Arbeit, die hier ebenso wie bei allen anderen Schülern als der unangenehmste Teil des Sprachunterricht* angesehen wird. Aber am Uebcn hebräischer Formen 1»; nichts besonderes und es würde sich nicht verlohnen, ץ' dieser Stunde länger zu verweilen, wenn ni 11־( etwas gefolgt wäre, was ganz aus dem Rahmen eines üblichen Unterricht* herausfällt. Aus irgendeinem Grunde iiäniii 11 entspann s|C1j eine Diskussion der Klasse mit dem Lehrer über da» Bibelwort ״Gott sprach zu Mosche“. Es wurde eine richtige, wenn auch naive Bibelkritik geübt. Gott könne «>*״ nicht sprechen, da er nur eine Vorstellung sei, so argm"wj• tierten die Kinder; auch sei cs auffällig, diß man nur «am» zu der Zeit, aus der die Bibel berichtet, anit flott hah ״sprechen“ können, während es heule ni ht mehr möglich *0• [her Lehrer hatte alle Mühe, die rathua'.istis.*heu mul anf cic ersten Augenschein bin so einleuchtenden Einwiirlc »"> "י rechtes Maß ziirückzufüliren und den bi dem klar/umscnc. daß es nicht auf eine wörtliche Auslegung der Bibel an• komme, sondern vielmehr auf die Beachtung des Geistes׳ der hinter all diesem verborgen ist. Religionsunterricht Diese Stunde leitet uns zu einem Problem Hin, da* für die Schule am Kaiserdamm außerordentlich wichtig ״' bis heute noch nicht gelöst ist: das ist die Krage ö Religionsunterrichtes, Ein Rclijioiisiintcrriclit 1 üblichen Sinne existiert natürlich nicht, da das, was rn, dort in zwei Stunden in der Woche hatte lernen sollen, « ja im Mittelpunkt der ganzen Arbeit steht, naniheh r kräisch und lüdischc Geschichte. Aber die Frage, wie 1)1 «13VH MIIVI \ it'NC 11K־HlC. ZVDVl Ult 1 1"h•^ ־־/ , man diese Unterrichtsfächer mit religiösem G e t s ז füllen soll, ist heute noch eine Streitfrage in der ScHulc• der früher «bliche ״Religionsunterricht״ in einer judis* Schule nicht anwendbar ist, gilt cs auch hier neue suchen. Die religiöse Vorstcllungswclt ist gewiß ein betulicher Faktor für die Erziehung jüdischer Kinder. Problem, für das eine Lösung gefunden werden mu״, Lehrer und Eltern noch zu beschäftigen tcn älteren Jahrgänge, die wir in dieser Schule kenncnler