Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 41-42 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische rundschaü Seite 21 1931 j * pich(״ dr״rk Nr• 41/42, 25, V. 1934 _ , einen außerordentlich rationalistischen Ein- Vielleicht bringt es die besondere Lage in unserer itiit sielt! *laß schon die junget! Menschen desillu- L, niert sind und von t!dulden nichts wiusen mögen, t’jedem falle aber glauben wir, daII diese nur aufs Konkrete fUifictiilc Jugend, ohne cs nt wissen, da sic es nie erfahren •51 in einer engeren und kälteren Welt lebt, als sie cigcnt- Jich könnte. Geistige Eigenarbeit |11 einer O c s c 11 i c 111 s s t u 11 d e Schuljahrs wurde ׳ei einer Klasse des neunüber die Blut lüge gesprochen, die , bekanntlich zuerst im Altertum in Rom als Beschuldigung f,rCn die Christen aufgclaucht und erst später gegen die Juden .’' ". verwandt worden ist. Man konnte skh’vpn beacht- |C|ten historischen Kenntnissen der Schüler Sberreugen, die nicht nur auf reine Daten sich beschränkten, 1 ,^,(crit auch tiefer in den <!eist der Sache eindrangen. Man! uichl bloß hei der Schilderung der OcschkUtsbitchcr, v tondern stieg selbst zu den biblischen und rabbinischcn 1 Oiieilf» herab, um die Vorwürfe der Oegner bis in ihre i letzten Wurzeln zu verfolgen. 1 |n einer anderen Abteilung des neunten Schul- {jahrs hörten wir im Deutschunterricht die Lektüre f von Stefan Zweigs ״Jeremias" mit an, der mit verteilten I Rollw gelesen wurde. Dabei fiel auf, wie stark sich die j Lesenden in ihre Rollen hineingelebt hatten, i :Technische Fächer ן Neben den Fachern, die den Wissensstoff vermitteln, j fielen gerade in der jüdischen Schule auch Gesang, Zcichi jen, Turnen, 1 lamlarlieitsuntcrricht und Werkunterricht eine »•ifiitige Rolle. Wir hörten eine O c s an g s t u n d c, bei der! (ün t Klassen zum gemeinsamen Singen vereinigt waren. : per hebräische Unterricht hat die Aufgabe, durch die Vor- : Besprechung der hebräischen Lieder dem Gesangunterricht vorzu,arbeite(!, so daß man sich dort im wesentlichen auf den musikalischen Teil beschränken kamt. Aber die Schwierigkeilen, Lieder in einer einstweilen noch fremden Sprache zu singen, sind nicht zu unterschätzen. Der Handarbeitsunterricht wird nicht nur von Mädchen, .sondern mich von Knaben besucht, die dort nähen lernen mit der Begründung, daß sic cs auf Fahrt und überhaupt im Lehen gebrauchten. Der Werkunterricht ist einstweilen noch nicht ganz, einfach durchführbar, weil cs an manchen Werkzeugen (Zangen, Hobelbank 11. ä.) mangelt, so daß unter umständen eine Klasse nicht voll beschäftigt werden kann. Wir sahen die Knaben, wie sie gerade dabef waren, einen Zaun am Garten des Srhulgnmdstücks aufzurlchtcn, während ein anderer Teil den Bau einer Treppe begann, die vom Schulhof zum Garten himmtcrfülircn soll. Das Turnen findet, da die Schule keine eigene Tumballe besitzt, in der Halle des Bar Kochba statt, wo allerdings auch nur wenige Geräte zur Verfügung stehen. Aber trotz der primitiven Verhältnisse machte den Jungen sowohl wie den Mädchen der Turmiachmittag großen Spaß, und •reibst die Ungelenkigen strengten sich soweit wie möglich an, ihrer Riege zum Sieg zu verhelfen. Man verläßt die Schule mit einem Gefühl der Bercieherung; man hat das Empfinden, daß trotz vieler Unfertigkeiten und ungelöster Probleme die jüdische Sache hier um ein wesentliches Stück gefördert wird. Insbesondere das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist außerordentlich erfreulich. Man merkt es allen Kindern an, daß sie gern in diese Schule gehen, und daß sie das Lernen hier nicht als eine Freiheit«- beraubutig empfinden. Die Lehrer, die in der Mehrzahl selbst noch recht jung sind, verstehen sich vorzüglich mit den nicht immer leicht zu behandelnden Kindern; zum Teil herrscht ein geradezu kameradschaftliches Verhältnis zwischen Lehrem und Schülern — eine der wesentlichsten Voraus- Setzungen des erzieherischen Erfolges, N. ► ■«4| Sonnm/fW jonimcn Sprachin eine gerade an sich ״:cmlcii 11 Orte behauges, in wurde, Ara- ג pank'niiscgnisscn er ver- . in all achten, id verfle-!eichen ml d|C ihnen gramndci'cii rrichts en id 11, hei refolgt rrichts 11 sich •r das :htige, doch innen■ lainals habe :11 sei, if den nf ihr ach!׳«. d an־ ei st es. das ' und ’ d״s t im!11,nt . hier Ile• weit t er- ־.. Da sehen •e zu 111 ent• Da« wird Die iitcn, 00 רש jpnrr Die Konferenz in Herrlingen ItäV haben bereits ein kurzes Cummuniqui über die in Herrlingen sowie in Nr. 40 mehrere Bilder ver- (,!jeiitlicht. Nachstehender Bericht faßt den wesentlichen Inhalt der Verhandlungen sowie die Ergebnisse zusammen. (Red.) Im jüdischen Landschulheim Herrlingen bei Ulm tagte i»m 10. bis 13. Mai eine aus allen Teilen Deutschlands Ibeschickte Konferenz, zur Erörterung der Fragen jüdischer!Erwachsenenbildung. Die von der Reichsvertretung deutscher!!:den neu eingesetzte ״Mittelstelle für jüdische Erwachsenentilduiig", die unter der Leitung von Martin B u b e r steht, litte die Konferenz einberufeii, um am Beginn iiircr nunmehr itmsetzenden praktischen Arbeit in freier Aussprache mit den 3a ihrer Tätigkeit interessierten Persönlichkeiten aller Lager Voraussetzungen und Wege, aber auch Ziel und Wesen der zu bewältigenden Aufgabe zu klären. ״Erwachsenenbildung“ ist ein nüchternes Wort, ein Wort der Amtssprache, das, wie alle solchen ״amtlichen" Wörter, «inen Gehalt׳ nicht leicht verrät und nicht dazu angetan ist, | BcgcistermigT zu erwecken. Gemeint ist aber etwas wirklich i!1r das nackte Dasein selber zentral Bedeutsames, nicht was ran so ״Bildung" nennt: nicht ein Uutcrrichtctsein über dies!und jenes, ein gelegentliches Aufgeschlossciiscin für dies und jenes, sondern die Einsetzung und Ermächtigung des leben- 1 dg ca Geistes, aus dem Menschen leben, und in unserm Fall, ן jenes Geistes, aus dem wir Juden, jüdische Gemeinschaft 11:11(1. Uns Juden, die wir ins atomisierte Einzeklascin zer-!splittert sind, die wir unserer jüdischen Gemeinschaft nur j schicksalhaft erleidend, nicht aber erfüllt und von ihr ge- י halten zugehörig sind, soll der das Gleichgewicht des Lebens haltende Mittelpunkt wicdcrgcgcbcn werden, der, weil j 0 uns im Innern ist, durch nichts von außen verrückt, durch Inichts von außen uns entrissen werden kann. Fs geht darum, Jöm Widersinn unseres Erlcidcns den Sinn entgegenzusetzen, 1M5 dessen Macht wir die Not eines widersinnigen Schicksals |זמ Tugend der Bewährung und Bewahrung in unserer Ranzen |Geschichte zu machen pflegten, und auch jetzt noch zu | Sachen imstande sind. Bu bers einleitendes Referat war darauf angelegt, diesen l&t mißbrauchten Worten so schwer darzulcgeiuicn Sinn •ascrcr Erwachsenen-״Bildung" mit Hilfe einer Realanalyse 6.5 Begriffs und historischer Analogien zu klären, um auf IGsc Weise den weiteren Erörterungen die Grundlage rechten I ״nt.iiuliiissrs für die Aufgabe zu schaffen. Er lieg,•um mit einer Infragestellung des Begriffs. Kami *חי Erwachsene überhaupt bilden, aut sic weseuhaft ver• ändernd cinvvirken, und besonders dann noch, wenn man jj!!::l's voriüiiiint? Diese Fraglichkeit gilt natürlich nur dann, ®vc״l' mau Bildung so ernst nimmt, wir wir es müssen, wenn Wort die Gestaltung und Formung, die Umgcstal- 'uti (I Umformung van Menschen meint, über _j'!s Einwirkung von Mensch zu Mensch im Bildungsvorgang ijnwas geschieht, das im Menschen angelegte Gebilde in «1 jcmcin Werden gefördert wird. Heißt nicht aber eben das |ä trwacl'scnscin, daß man einer solchen Einwirkung von außen j?' pReniiber abgeschlossen ist? Man tut gut daran, sich diese Lj ״Kliclikcit vor Augen zu halten. Im normalen Gang der •;!™ge ist cs etwas Gnatlenhaftes, wenn der Bildner erfährt,!•1;“, ha und da eine wahre Einwirkung dieser Art geglückt! T!׳ Bit Möglichkeit hierzu versucht die Erwachsenenbildung | Mifch pädagogische Maßnahmen zu fördern. Sie sucht die S;77 ,'icht als Hörer zu belassen, sondern eine Gemein- §יי1,, ׳« zwischen Lehrenden und Lernenden zu schaffen. Die I; 7»״ sollen sich nicht als ״hörig“, den Akt der Einwirkung 1711 ■11s einseitig empfinden, sonder! als gegenseitig, den •־ uc!r.cr a!s empfangend mul aufhorc'icnd erfahren. Gleich- 0h| bleibt die Fraglichkeit der Ervachscncahildung, weil *ich eben um Erwachsene handelt, weil Bildung Bild- ’X’1'1 1 ü '■oraussetzf und weil Erwachsene, nicht aus bösem!. cn> sondern weil sie abgeschlossen, reif sind, nicht mehr v״Het1 Sinne bildungsfähig sind. ft15׳ gilt jedoch nur für normale Zeiten. In der Zeit der (irtl׳Vs “fährt der Erwachsene die Aufrüttelung aus seiner ,1,7״ertheit, die Krisis greift ihn im Innersten an, löst seine .;_csc10״sscnc, ״fertige“ Persönlichkeit auf. Will der Mensch Irin Kcwor1icnc ״Persönlichkeit" intakt durch die Krise % Re״, dann muß sie zerschellen, denn dann hat die Krise, sie wm: einen Gegenstand, der spröde genug ist, sich 1״r zerbrechen zu lassen, sei es nun eine individuelle i es die einer gemeinsamen Situation. Die Krisis J.1 ®.,Chance der Erwachsenenbildung. Sud a iilciisrhe Erwachsenenbildung hat nun ihre Situation!'*ein? £cl ist illr aufgegeben: das Gewitter aushalten, ohne kistftr• 'l n brüchigen Schutz zu suchen, die politisch- Ocdiüd '5 Situation von i״״en her bewältigen, die p ץ"/ ך־־"•/ V [ . 4] J * y u I ץ*•־׳•, *» 7' Ui Li e,. La Lä V.. ruf* tätigen, Um schichten den und Erwerb*• 1lose 11. Von der sehr lebhaften und vielseitigen Aussprache kann im Rahmen dieses Berichts kein B1!d gegeben werden. Nach einem zögernden und ungelösten Einsatz, hob ihre in• tcusit.it, Aufgeschlossenheit und Fruchtbarkeit steh in eindrin k.svollem Anstieg, so daß zum Schluß die den verschic'denr.ten l agern angeliorcudeu und mit den vielfältigsten Vorbehalten licrbcigckommcncn Konferenzteilnehmer in herz- Heller Vertrautheit zueinander und zu dein Gegenstand der Beratung fanden. Fs ergab sich eine reiche Fülle von Anregungen, so reich, daß sic mir zum geringeren Teil bewältigt werden konnte. Mit Recht hob I)r. Franz Meyer in seiner eindrucksvollen Rede am letzten Abend hervor, daß hier ein langentbehrtes echtes Gespräch sich ergeben habe, in dem von der einen Aufgabe ausgehend, auch die grundsätzlichen Fragen , jüdischer Orientierung in warmer, verständnisvoller Ausspräche behandelt wurde״. Von den in fünf ״Arbeitskreisen" gewonnenen prakti• sehen Ergebnissen seien erwähnt: 1• Die in Angriff genommene Schaffung eines Netzes von Vertrauensleuten in den Klein- und Klcinstgcmcinden, ,mit deren Hilfe für jene Gemeinden Bildungsarheit geleistet ‘ werden soll (Lciiung des Arbeitskreises RA. Heinrich Stern). 2 ־. Die Einsetzung eines ständigen Arbeitskreises für ILehrer- und Bildnerberatung in didaktischen Fraen, Herausgabe von Ldirbehcllen, Lehrmitteln und ständigen 1,11 Kr 'an Krisis, sc! 1‘t di, fr das langsame Tempo, in dem die Neubildung der Gemeinschaft sieb vollzieht, vermitteln; die ״überwindende Gemeinschaft" schaffen, es verhindern, daß die Gegensätze in der Auffassung von der Situation der Gemeinschaft sich verabsolutieren, die Tatsächlichkeit der vorhandenen Gemeinschaft an Wichtigkeit zurücktrete vor der Ueber• zeugungsgemein,schaff, in der einer stellt. Längst bevor etwas von unserer Situation vorausgeahnt werden konnte, hat Franz Rosenzweig das Unerschütterliche des Jüdischen, das nur uns selber, uns aber gemeinsam anvertraut ist, in den Mittelpunkt der geforderten Bildung gestellt. Welche Wirkung hat nun die Krisis, die Ausgangssituation der jüdischen Erwachsenenbildung in dieser Zeit, auf die jüdische Person ausgeübt, mit der wir cs zu tun haben? 1. Der jüdische Mensch ist aus der Kontinuität gerissen; die Selbstverständlichkeit des Im-Krcislauf-der-Wirtschaft- Stehens ist dahin. Genügt nun Umschichtung, oder muß der Mensch nicht vielmehr selbst geändert werden? Etwas anderes treiben, oder das andere auch anders treiben? Ist nicht eine andere Art, ein anderer Grad der Leistung, und damit: ein anderer Typus nötig, um zu bestehen? 2. Der Mensch ist auch in der Freizeit angegriffen, die Atmosphäre der Selbstverständlichkeit seiner Verkniipftheit mit dein ״Kultur"-Betricb ist zerbrochen. Genügt es da, dem Menschen einen Ersatz für das Verlorene in der gleichen Weise zu geben, in der er es hatte, oder bedarf er ln seiner neuen Lage nicht einer grundsätzlich anderen, intensiveren, sein Wesen ergreifenden Gestaltung seiner Freizeit von Kunst und Kultur her? 3. Die Gesamtform des Lebens ist erschüttert. Fs genügt nicht, sich auf unsere historische Situation zu besinnen, sondern wir müssen uns darauf besinnen, inwiefern unsere historische Situation eine Folge unserer Situation als Juden ist, und wie wir von dieser Tatsache aus leben können. Hatte Buber derart die Tragweite des Unterganges und der Verantwortung gezeichnet, so war cs die Aufgabe der nun folgenden Referate, Rahmen und Grenzen der praktischen Arbeit abzusteckcn. Prof. Dr. Ernst Kantorowicz (Frankfurt a.M.), der aus der deutschen Volksbildungsarbeit nun zur jüdischen kommt, gab ein wohldurchdachtcs Schema der Volksbildungsarbeit, indem er zunächst feststcllte, welche Ansatzpunkte bereits vorhanden sind (Volkshochschulen, Lehrhäuser, Schulen der Jugend, Ratc-Chaluz, Lehrlingsheime, Aushiklungsstätten, Klubs, Bibliotheken usw.) und regte die Bildung mehrerer Arbeitskreise an, die sich je einer Spezialaufgahe zu widmen haben. Insbesondere betonte er auch die Notwendigkeit, die allgemeine und die ״musische" Bildung der jüdischen Menschen planmäßig zu fördern, die Aufgahe in Angriff zu nehmen, die durch die Herausdrängung der Juden aus dem allgemeinen Kulturleben gestellt ist. Rabb. Dr. Max Grünewaid (Mannheim) beschäftigte sich mit dem Problem der Jugendbiinde und der Jugend überhaupt in ihrem Verhältnis zur Erwachsenenbildung. Er wies in sehr eindringlichen kritischen Formulierungen auf die verschiedenartige Bereitschaft gegenüber einer bildnerlsehen Einwirkung bei Erwachsenen und Jugendlichen hin, aut die sehr abweichende Bildsamkeit und Intensität also, und auf die fast gegensätzliche Haltung des Erwachsenen und des Jugendlichen geistigem Anspruch gegenüber. Er betonte den ■Zusammenhang mit Notwendigkeit und realen Bedürfnissen, der die Bildungsarbeit erst wirklich produktiv mache, und setzte sich daher warm für eine von der Erwaehscnenhildimg im engeren Sinn getrennte, nach Bedürfnisgruppen zusaminengefaßtc besondere Bildungsarheit unter den Jugendlieben ein. Die Jugcndgeineinschnften insbesondere sollten als solche geschlossen in das Bildungswcrk einbezogen werden. Das Referat über das jüdische Ocistesgut in der Bildungsnrbeit hielt Dr. Erich Rosenblütli. In einem svstematischen Uehcrblick stellte er die bildnerischen Werte dar, die ■' in der hebräischen Sprache als solcher, in der jüdischen Literatur — und nicht etwa nur in der Bibel, auch das talmudisch-rabbinischc Schrifttum muß eiubezogcn werden, wenn wir Judentum meinen —, in der jüdischen Geschichte und der Kenntnis der jüdischen Gegenwart liegen. Es kommt darauf an, die vertikale und horizontale Verbundenheit der Juden ei teilbar zu machen, und auch die in der Bildung meist vernachlässigte reale Konfrontierung mit dem Religionsgcsctz und seiner Uebiing als Forderung an jeden Juden dart nicht unterbleiben. Roscnblüth zeigte innerhalb der genannten Ge* biete Möglichkeiten produktiver Ocwiclitvcrtcuung und die Notwendigkeit, von der üblichen Schablone abzugehen. Totaliiät im materiellen Sinn könne meist nkht erreicht werden, doch dürfe die ideale Zusammengehörigkeit des Ganzen und seine Ausgeri-htetheP nach einem Zukunftsgesichtspunkt nicht verloren werden, soll das vermittelte Wissen nicht bloß ein antiquarisches sein. In drei auHnander folgenden Referaten behandelten schließlich S. Adler-Rudel, Dr. Hanns Reißner und Dr. Georg Lubinski die Bildungsfragen der jugendlichen Be• nformationcu, in Zusammenarbeit mit dem F.rzichungsaüsschuß der Rcichsvertrctung deutscher Juden. (Zuschriften an Dr, Erich Rosenblütli, Frankfurt a. M., Fahrgasse Elfi.) 3. Regionale Schulung* lagcr für Führer der Jugendverbände; Reorganisierung der vorhandenen ״Schulen der jiidischen Jugend" und Begründung neuer. Diese Arbeit erfolgt im Zusammenwirken mit den Blinden, gemeinsam mit dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverb,ände Deutschlands. (Adresse des zwischettbiiiidisclicn Ausschusses: Studienassessor Heinz Cohn, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158.) 4. Einrichtung von je einem ständigen Schulungslager für Umgeschichtete hei Frankfurt für Süd- und Südwest* deutschland, und bei Berlin fiir Nord- und Mitteldeutschland, in denen die Umgeschichteten nach vollendeter Lehre zwei Monate intensiver planmäßiger jüdischer Schulung erfahren sollen. (Die Vorbereitungsarbeiten hat Dr. Georg Lubinski übernommen.) 5. Vorkehrungen zur planmäßigen Produktivicrung der bildnerischen und vergcmcinschaftcndcn Werte der Künste für die jüdische Erwachsenenbildung, insbesondere des gememschaftlichcn Musizicrens von Laien. Karl Adler, der frühere Leiter des Konservatoriums in Stuttgart, hat sich für die Abhaltung von Instruktionskursen für Lehrer, Jugendführer usw. zur Verfügung gestellt, (Leiter des Arbeitskreises Prof. Dr. Ernst Kantorowicz.) Um diese Maßnahmen vermehrt sich nun zunächst das von der Mittelstelle selber vorgesehene Programm. Neben ihrer zwischen den bereits bestehenden Institutionen jüdischer Erwachsenenbildung vermittelnden und sie anregenden Tätigkeit will die Mittelstclle insbesondere unmittelbar für die Schulung der Bildner in regionalen Zusammenkünften und Lernzeiten sorgen. Schon in der Pfingstwochc findet in Bad Kreuznach eine Lernzeit statt, in der süddeutsche Lehrer, Jugendführcr und Erzieher in Kursen und Arbeitsgememschaften unter der Leitung von Prof. Martin Buber, Prof. Gott hold Weil, Dr. Ernst Simon und Dr. Erich Roscnblüth für die bildnerische Bewältigung der Bibel, der jüdischen Geschichte und der hebräischen Sprache geschult werden. Anfang Juli findet eine Lehrertagung in der Nähe von Berlin statt, und im Anschluß daran eine Lernzeit fiir die nord- und mitteldeutschen Lehrer und Erzieher, für die schon die Kreuznacher Erfahrungen verwertbar sein werden. Es sollen ferner monatliche Rundbriefe alle in der jüdischen Erziehungsarbeit Tätige informieren, beraten und unteremander verbinden helfen. Durch eine planmäßige herausgeberische Tätigkeit will die Mittelstclle ferner dem Mangel an jüdischer bildnerischer Literatur abhelfen. Mit diesen Mitteilimgcn soll das Arbeitsgebiet der Mittelstelle nicht erschöpft werden, sie dürften aber allein schon eine cindrucksvolle Vorstellung von dem großen Umfang und der Be* dcutung der Arbeit vermitteln, die da in Angriff genommen wird. Die Hcrrlinger Konferenz hat ihre Aufgabe, der jüdischen Erwachsenenbildung die Aufmerksamkeit und die Mithilfe eines größeren verantwortlichen Kreises z1׳ gewinnen, erfüllt. So darf gehofft werden, daß sie sich auch in ihrer Fort- Wirkung als fruchtbar erweisen wird. Der Bericht aber soll nicht geschlossen werden, ohne des Anteils zu gedenken, den Herrlingen, das neue jüdische Landschulheim, mit seiner schönen Gastfreundschaft und mit seiner so erfreulichen, gefangennehmenden menschlichen und jüdischen Atmospäre an dem Gelingen der Tagung hat. Dafür sei dem Leiter des Landschulheims, Hugo Rosenthal, und allen, die das Gesicht von Herrlingen prägen, auch an dieser Stelle Dank gesagt. Wird es der nunmehr zentral zu beeinflussenden jüdischen Erwachsenenbildung gelingen, auch unter den Erwachsenen ein Stück von jener echten jüdischen Gemeinschaftsschöpfung zu erzielen, die in Herrlingen erreicht ist, dann wird sie von unabsehbarer Bedeutung für das deutsche Judentum sein. M. S. WTJP 3ar a D-£ COLO Cr N-E ^יי׳י Das interejfanteste, plante Modcparfem Anruun Ttaoisco ««IN« PAÖl: 4M* kJ C f N, Mg«»״ ןי«י*ף!|| 1 bitktiyiii Po a t oh eck k o nt 0: Berlin Nr. 1049B1 Bankkonto: Dreednor Bank, Dapoeltenkaaa• Kurfflratendamm KM Seß63danen in gleicher R״!Hl ‘üefeonburgerSfr.33 Eds SiadisiÄheSf.amfofcinl Ät5 Hauptschriftleiteri Dr. Robert Weltsch, Berlin-Charlottenburg 0. Stellvertreter! Kurt Loewentteln, Berlin W15. Verantwortlicher Schriftleiter für den gesamten redaktionellen Teil! Kurt Loewen- «tein. Bi rhu W 15 Anreigcnleiterin und verantwortlich fiir den Anzeigenteil•, ttelene Chanciner, Berlin N 54. Verlag und An- *eigenverwaliungi Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 101 D.-A. April 35 214 Expl. Druck: Siegfried Scholem, Bcrlin-Schöneberg. t I JL