Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1934)
Date
1934-05-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653490--25256-2682382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 V. 931 ו jjr, 41/42« 25. V. 1934 (v fl •׳ur (H ״(llltc Ill 1) j!nf. e 'ts (k'5 ״kht 1'mc Uc, >ר h r i\v% 0>lls 11 יי an ‘I0\ic" 11"• tim ) <1• f״r . ך Freue »1,1■״t <|ic •׳Varhct) '3 ‘1־''iiinrr 'V'hrhcit’ Vati In• die Nur 10 0׳ ,«vIt 3[,. 1ji» 1,dit!,,1,״ n/’ « ־ t, i eilt er. \׳<m l>rt>. vor, NacH ,זז müssen -n int iq| t e 11, (eil? tjje '1R Iwlicn. vwejfelten rel1׳'d/111׳״ ־.«>•» liier 011!ikher Hli'll 111110. ו Religion lt I itllii'T, itnm, eine seht. Fine Zeitalter :c Welt tirde. Da? )avkl j?t mitl; und :scheidend rschic. iie starre " Gottes, ganz?11• Veit wim!•weit ah Ile Lelirc arm um! k e An. t e s a u f iß sie die sung ist. cht miij». , Mensch N. Hand der Ver* hmg der ich und Tage»* mus des Pcrcz« politisch« die jii־ 1111g von ert i'.nitcu!0 (rolle" sei auch t hallen,!Ordnung hü der 1i(/c <lef Minister־ .'i, steht ׳as seine Trwicsen ien11n:cn O'.cmderC i n (1 er״ 1 w ieder* (i M Id. jn.l י> md '״סי ie Rede st־‘ o r ft n ז*1}ןן dlC Agt|lla Im ־־‘י,׳׳ ich ich Af* * 1 ׳bc {TT\ 1״r *•״־r ’ Lj "*"ן דיי^ו \ I 1ך־ת kt,,,׳•*! ti •sm /״ IkiHMäii ץ~' | 1;־'"־' ־׳ ץי' ן J Ca.4.L IrRäik' fl I t ־_j1..^ ׳ i Der Freispruch Achi-Mcirs unserer lei/teil Ausgabe kurz berichtet. Mai in der Moidsaclie Arlosoroff am IC), .los Angeklagten Adii-Meir verfügt. Es hau• wie aus den _ inzwiselieu eingetroffenen Berichten um ein Zwisclieiuirtoil des Uerielitcs, das nach der Anklage-Vertretung ge- Achi-Melr wurde von seinen Parteigenossen auch aus anderen Kreisen des Jischuw beglück* Juden ו 11 einen׳ ■lieht /». ,, ihn n 1111׳I.’ W *hui וו,»/ 11 k e il e n ־}? 11 ״ n n ‘י'''‘ den •enieliB rk hat״ ■ebliclicn h <le'r׳am :11 r 11 n*!eiten ' wirf* *bekannt (/• er* Wie bereits in . , 01t (ieriehtshof d1c Freilassung 1 dclt SH11־«, hefVkf;!1'*'•’ des IVwcisvorfalirnis bllt \v1n׳di\ Dieses Urteil I;tut01 ״Was die beiden Angeklagten Stavsky und Rosenblatt betrifft, befindet der Gerichtshof, daß Beweise gegen sie vorechriicht wurden, die das Anliören der Entlastung»•!engen nötig machen. Was Achi-Melr anbetrifft, ist das , Cerkht der Meinung, daß die Beweisführung der Anklage nicht ansrelclit, um zu beweisen, daß er die Angeklagten beriet und zum Mord anstiftetc. Daher wird der Angeklagte Achi-Melr frei ge 8p rochen.“ Der Freispruch hat in ganz Palästina großen Eindruck ״!nacht. Pie jüdischen Zeitungen veranstalteten Sonder* au* ff •י hcn. gefeiert und wünselit, darunter von Rabbi Kuk. Anläßlich des Freispruches von Achi-Mcir schreibt der Chefredakteur des Tel-Awiwer ״Haaret2“, Dr. M. Glück* $0n; ,,Mit großer Krlrirlilernng hat die jüdische Ocffentlichkcit die Whriikt voll dem l׳'rc'i*prueh AH1i-M1׳irs nufjji'nomincn. Dies ist nicht nur eine natürliche nieiisrhlirhc Freude dariilier, daß ein Mcn=1־h nach langen körperlichen und seelischen Plagen von dem Verdacht eines Mordes befreit wird, sondern auch eine Befriedigung ־|Hr den Beweis (der unnötig gewesen wir re, wenn nicht unsere Wirklichkeit so verworren und die l’arleipropngnnd» so stark gewesen njn), «laß das völlige Vertrauen auf die Gcrechtig* Jitit des englischen Gerichtes begründet ist. Dieser F[fi1|־rmh Achi-Mcirs vor Alr.ihhiß des Verfahrens wird dazu beitrugen, unbegründete Verdiiehligtiiigen 7,11 beseitigen! und von nun lb gibt es für unsere Oeffenlliehkcit gewiß nichts antlcres, als in Ruhe lind Vertrauen das Ende des Prozesses abzuwarten■ Zu im-mm Bedauern müssen wir alier sagen, daß nicht alle diese ein• larlie Folge! ung zogen. Die Nrrvodliil der Oeffenlliehkcit führt dstu, daß selbst eine natürliche seelische F.rlcichlerung zuweilen eine iti.iriii' l'omr mmimnil. So schwer es auch füllt, ca muß gesagt *ein: der öffentliche Glückwunsch des Obe r r a b b i ncr s Kuk au den liehen Schriftsteller, Herrn Abba Achi-Mcir’ erweckt Bctremilcn. Achi-Mcir wurde von schwerer Beschuldigung freip ן,rochen, mul die menschliche Freude darüber ist verständlich. Das ,Vciikrii t‘ Achi-Mcirs, der nicht der Anstiftung zum Morde schuldig bfitmden wurde, darf nicht die Augen blind machen gegenüber der Alt und der ,Verdienste‘ die es Mannes. Achi-Mcir hat wie j.’der Mcim-Ii das Recht auf Gedankenfreiheit, aber seine Gedanken sind m>c evimiie, feindselige Negierung aller Überkommenen Anschauungen des Juden der gesamten jüdischen Flick, Achi-Mcir verbirgt seine Gedanken nicht, im Gegenteil, er siiht für sie öffenllieb in Wort Und Ke'irift. Seine I.eltie, wie sie in (Irr ,Siraricr-Srhrif!.‘ (,Sirarier* waren eine radikale Gruppe der Zeloten jur Z1׳it der Riiinerkämpfe, «Iie sich der ,Sirn‘, des römischen Sim'ii Messern, lirdienlen, um ihre Widersacher zu beseitigen) sieh entlallt, ist tödliches Gift für unsere Jugend, die bereit ist, jede!iikhve von Sen «tlmnäii gern anrinchmrn. Und der öffentliche (kiiikwimsch an den ,liehen Schriftsteller* von seiner Khrwürden rlem R,1w Kuh wirkt wie eine religiöse Rechtfertigung tlcr Irr- und Wahnlehre der neuen Gewaltfanntiker. Rabbi Kuk hat dies gewiß nicht beabsichtigt, Alier cs wäre jedenfalls besser, wenn er sich weniger durch (c nihlswnlhingen leiten ließe und Nutzen und Schaden seiner Worte Iie .5er überlegte, bevor er sic der Ocffentlichkcit übergibt,“ Arlil-Mrir Ist der Führer jener Gruppe palästinensischer Revisionisten. *Iie sich selbst als Terroristen bezeichnen. Aul tler revisionistischen Wcltkonfcrenz in Wien im August 1°32 kam cs zu einer scharfen Auseinandersetzung mit dieser (truppe. Der damalige Führer vier deutschen Revisionisten, Richard Lichlheim, war der Wcltkonferenz ferngcbliebcn, "eil er, wie er damals erklärte, mit dieser Gruppe nicht zu״ sannneiiarbciten wollte. (Diese — neben anderen ־— Meinungs״ vctsdiicilenheiten führten später zur Spaltung des Revisionis* itius.) Fine besonders scharfe Kritik fand ein damals im revi. .*ionistisebeii Blatt vcröffentlieliter Artikel Achi-Mcirs, der eine Vfrlierrliebmif; des Terroristen Gorguloff, der den frnnzüsi* *eben Staatspräsidenten erschossen hat, darstellte. Diese Revi• fiöiiidci! wühlen für sich mit Vorliebe Bezeichnungen aus 'kr /.eil des jüdischen Krieges gegen die Römer und identi- Mm־n sich mit dem extremen Flügel der damaligen Zeloten, Atu 11 in den in der letzten Zeit beschlagnahmten und teilweise wreils von der Polizei veröffentlichten Tagebüchern _ und Schriften Achi-Meirs findet sich ein Bekenntnis zu einer Politik der Gewalttat und des aktiven Terrorismus, '׳ii'se Dokumente trugen viel dazu hei, den Verdacht aut Achi-Mcir als einen mutmaßlichen Anstifter eines politischen «ordes an Arlosoroff zu lenken. Das Gericht kam jedoch, ■ms dem Freispruch bervorgclit, zu der UebcrzcugtBig, יי# eine Beteiligung Achi-Meirs bei der Anstiftung dieses Mordes nicht erwiesen ist. Damit ist eines der Fun- 1 '!eilte, auf dem die Anklage aufgehatit ist, weggcfalleu. , ו״• die Anklage geht von der Voraussetzung ans, daß es »ö! um einen inspirierten politischen Mord bau- ״eit. וו!!!!!ס! ,ijt> Anklage-Vertretung sich auf den Standpunkt »eilen w ird, daß der Mord zwar nicht von Achi-Mcir, aber 'ftn an 110re 11, unbekannten Personen angestiftet _odcr aber '011 den beiden Beschuldigten aus eigener Initiative '1!'ternommen wurde, ist alvzuwarten. Inf gegenwärtigen^ Sta* «mm der Verhandlimg kommen zunächst sämtliche Lnt• '»stungs z eug cn zu Wort. Achi-Melr bleibt in Haft ״ ,'TA, meldet aus Jerusalem: Die Haft gegen Abba Ach!- ■Gr wird trotz seines Freispruchs im Arlosoroff-Alordprozcß im ד *cr*,a^cn» WC‘I Scffcn *I,n e‘״ zweites Verfahren "/״sammenhang nm der Untersuchung gegen den terro- ־״»18'־״revisionistischen ״Britii Habirjonim“ schwebt. Seine wegen Aufrecbterhaltung der Haft wurde abilri.1?1' 'v״r;mfhiu Aclii-Mcir Berufung beim Obersten Ge* ^trete * jC'n^eIcHt I|at und in den Hungerstreik ein- .. ^clli־Mcir bat dann im Gefängnis von Akko, wohin er > ״ cr1lsalcm gebracht worden war, den Hungerstreik ,,ן!.' viertägiger Dauer abgebrochen. Oberbatte an Achi-Mcir die Mahnung gerichtet, 'r״k zu beenden, da Selbstmord dem jüdischen Gesetz H»(t1rSprfc''e• Aebi-Mcir hat durch seinen Rechtsanwalt eine nneschwerde an den High Commissioncr gerichtet. , 1)!e Revisionisten fordern die Jerusalemer jüdische Bcvöl* 27״"| auf, den Besucii von Theatern, Kinos und Konzerten r,k1!■'rlas,c1l1 solange Achi-Mcir nicht frtigclasscn ist. Ober- DolbL'nj.r Kuk hatte am 21. Mai vom Chef der Palästina* die Freilassung Achi-Meirs verlangt: diese ,wurde abgcldmt, doch sagte der Pollzcidicf zu, daß der Prozeß in der ״Bt ith-Habirjo11l!n“-Angclegenl1eit in den nächsten Tagen eröffnet werden solle. in Tcl-Awiw und Jerusalem fanden revisionistische Kundgebungen für die Freilassung Achi-Meirs statt, die in Ruhe verlaufen sind, ln beiden Städten wurden die Polizei• Patrouillen verstärkt. In Haifa kam es zu einem Zu »am• m c n s t o IL Am späten Abend wurden sämtliche Fenster des Gebäudes des W.iad Lciiml in Jerusalem durch ein Stcinbombardcmcnt zertrümmert. Es wird behauptet, daß die Täter Revisionisten waren. Die Gebäude der Jewish Agency, des Keren Kajcmeth und des Kenn Hajessou wurden unter verstärkte 11 Polizeischütz gestellt. Am nächsten Morgen fanden erneute revislonistischc Demonstrationen unter ״Nicder“-Rufcn auf die Regierung und die Polizei statt, die von der Polizei ausclnaudergetriebcu wurden. , ץ*־ ״ 4 Am Die Aussage Eoscnblotts ln der Verhandlung vom 17, Mai wurde die Vernehmung der Angeklagten Stavsky und Rosenblatt begonnen und an den folgenden Tagen fortgesetzt, Slavsky, der jiddisch sprach, wurde auf seinen Wunsch unter E i d vernommen und machte deshalb seine Aussagen nicht von der Anklage-, sondern von der Zeugenbank aus. Er erklärte, er sei politischer Bürger und sei am 9. März Biti mit vier Pfund nach Palästina gekommen. Rosenblatt habe er nie gekannt; er habe gar nicht gewußt, daß er existiert. Eine Woche nach seiner Ankunft ln Palästina habe er sich den revisionistischen Arbeitern in Petach Tikwali an geschlossen, um mit/uhdfen, einen von der Histadruth gcfiihrteil Streik zu brechen. Er habe dort niemals Bemerkungen über Ben Gurion oder Arlosoroff in Steine cingeritzt. Seit Mai B)il habe er einen Revolver besessen. Diesen habe er später an Ascher Cliasau, in dessen Haus Achi-Mcir und er iw• Tel-Awiw wohnten, verkauft. Er habe beabsichtigt, am 7. Juni nach Polen zu fahren, habe aber die Reise wegen gcwisscr Formalitäten bei der Erteilung des Riickrciscvisums verschieben müssen. F>ie Reise habe er unternehmen wollen, erstens um aus Triest vier Leute nach Palästina zu bringen, denen die Einreise nicht erlaubt worden war, und zweiiens, um in Polrn die illegale Einwanderung zu organisieren. Am Freitag, dem 16. Jim! (dem Tage, an dem Dr. Arlosoroff in Tel-Awiw ermordet wurde), sei er um 6 Ulir morgens nach Jerusalem gefahren, um seine Visum-Angelegenheiten zu regeln, habe den größten Teil!des Vormittags Im polnischen Konsulat verbracht und den polnischen Konsul gebeten, sich bei den palästinensischen Behörden dafür cinz.usctzert, daß ihm ein Rückreise-Visum erteilt werde. Gegen Mittag habe Ihm der Konsul gesagt, seine Intervention sei erfolglos geblichen•, das Rückreise- Visum werde Stavsky verweigert, well er als Arbeiter nach Palästina gekommen sei und als Journalist, Vertreter des revisionistischen ״CliasKI! Haam“, ausreisen wolle. Er habe dann beschlossen, ohne Rückreise-Visum abz.urelsen und sei ins Palästina-Amt gegangen, um die erlegte Visumgebühr zurUck/ufordern. Man habe ihm gesagt, er könno das Geld erst Mittwoch bekommen. Stavsky schilderte hierauf genau, wie er jede Stunde seines Aufenthalts ln Jerusalem verbrachte. Am Nachmittag habe er ein Bett Im Tiirge* man-Hotcl he«teilt, «et kurz nach 8 Uhr abends •zu Bett gegangen und wenige Mlnu• ten aplitcr elngcschlnfen. Im weiteren Verlauf seiner Vernehmung schilderte Stavsky, wie er den Tag nach der Ermordung Ariosornffs verbracht hat. Vom Hotel aus begab er sich in das Restaurant Hascliaron und von dort zum rumänischen und ״riechischcn Konsulat zwecks Besorgung von Transit״ Visen. Am Nachmittag erfuhr er im Hotel Tirrgcman von dem vorgekommenen Mord und hörte dann auf der Straße, daß Arlosoroff der Ermordete sei. Er begab sich zu dem Re vis io nistenführer Awnieli, wo er Achi-Mcir traf, und dann in ein Gab'. Um 7 Uhr abends verließ er Jerusalem, traf etwa um Q Uhr in Tel-Awiw ein, aß im revisionistischen Speise* haus zu Abend und ging dann in seinem Zimmer sofort zur Ruhe. Achi-Mcir kam um Mitternacht nach Hause. Am Sonn* tag Morgen kamen einige Revisionisten zu Besuch, doch wurde über die ausgesetzte Belohnung auf Ergreifung des Täters nicht gesprochen. Am Montag früh führte die Polizei eine Ilaiissuciiung durch, brachte Stavsky zur Polizcistatkm. wo er von Hauntinann Rice verhört und dann Frau Arlosoroff zur Identifizierung vorgcfiihrt wurde. Hierauf wurde am Strand eine Spnicnprohc durchgcfiihrt. Stavsky erklärte auf Fragen des Verteidigers, daß er nichts mit dem Morde zu schalfcn hatte, keinen Grund hatte, Ariosorolf zu ermorden, und Arlosoroff nie gesehen hatte. _ Mit Abdul M e d s e 11 i d habe er — so erklärte Stavsky — dreimal gesprochen; über seine eigene Angelegenheit habe er ihm gesagt, Roscnblatt und er seien unschuldig; er habe niemals von Abdul Mcdsebid verlangt, die Schuld auf sich zu nehmen, und habe ihm niemals Einzelheiten gesagt. Er habe erst durch seinen Rechtsanwalt erfahren, daß Abdul Mcdsebid den Mord cingcstandcn bat. Hebräisch könne er nur für den Gcbctgcbrauch und könne auch nicht Englisch. Achi-Mcir habe'er 1932 zum ersten Male gesellen und habe ihn in Palästina auf einem Purimhall wiedcrgclroffcii. Er sei als Bauarbeiter nach Palästina gekommen, habe gewußt, daß Ben Gurion und Arlosoroff Arbeiterführer sind, aber nicht, daß sie die Hauptführcf sind. Als man ilui die in Petach Tikwali gefundenen Steine mit den angeblich von ihm stammenden ״Grabinschriften“ für Arlosoroff und Ben Gurion vorlegte, erklärte er, claß er nur einzelne Buchstaben erkennen könne. Die Journalisten* karte des Chasilh Haam habe er sieb nur rlrslinlb beschafft, 11m leichter einen Paß ־zu bekommen, habe jedoch nie für die Zeitung gearbeitet und könne sic gar nicht lesen. Obwohl er mit Achi-Mcir zusammen wolmte, habe er mit ihm wenig gesprochen und zu ihm als einem Führer einen gcwissen Abstand gewahrt. Auf Fragen des Gcncrnlstaatsnnwalls erwiderte er, er sei an dem fraglichen Abend früh zu Bett gegangen, weil er dies gewohnt sei und niemand batte, mit dem er den Abend verbringen konnte. Als Revisionist hätte er Dr. Arlosoroff nicht töten können, da terroristische Methoden dem revisionistischen Programm widersprächen. Wenn er gesagt habe, der Mord sei gut vorbereitet gewesen, so glaube er das auch jetzt nach, weil die wirklichen Mörder nicht gefunden werden konnten, und zwar durch die l) n fahl gk eit der Polizei. Auch jetzt sei er, daran interessiert zu erfahren, wer die Mörder tlnd. 19. Mai wurde der Angeklagte Zwi Rosenblatt unter Lid von der Zeugenbank ans vernommen. Er sagte, daß er nm 23. Januar lü33 ,ms Rumänien nach Palü .tina gc* kommen sei und sich der revisionistischen Inndwirtscliaftliehen Kooperative in Kfar Salm nngesehl icsen habe, wo er die ArheilsverTeilung be.iiifsicliligtc. Am Abend des Mordtages bube er au einer Sii/mig in Kfar Saba feilgcnommeu, bei der ycrwmlititig!•,technische t ragen besprochen wurden. Stavsky I1a.be er vor seiner Verhaftung nie gesehen. Er selbst sei nach seiner Verhaftung am 23, Juni von I iatiptmaim Rice, Inspektor Tcnciibaum und Inspektor Shitreet vernommen worden. Er habe Zwar angegeben, den Abend bei einer literarischen v eranstaltimg verbracht zu haben, wisse ober jetzt genau, dal! es sich tun eine G e sc h ä f 19 s i t z 11 n g handelte. Bei *einer Konfrontierung mit Frau Arlosoroff habe er gesagt, daß er nicht• zu gestehen habe und unschuldig ici. Mit Mosche Cohen, der behauptete, daß er, Rasenblatt, ihm gegenüber die Tat gestanden habe, habe er nie über den Arlosoraff-Mord gesprochen. Er habe Cohen nur einmal gesprachen und ihm auf die Frage, was er lese, gesagt, daß cs ein Artikel lahofmskys sei. Er habe keinen Gruml gehabt, Dr. Ariosoraff zu ermorden. V011 Abdul M e d s c 11 i d habe er nie verlangt, die Schuld auf sich zu nehmen und habe ihm nie gesagt, er habe Arlosorafr ermordet, Audi habe er ihm nie Skizzen gezeigt oder ihm irgendwelche Einzelheiten er/äldt. Ein einziges Mal sei er anwesend gewesen, als Mcdsebid mit Stavsky sprach und erzählte, die Polizei habe an seinen, Mcdsehids, Hosen einen Blutfleck gefunden. Die Schuhe, von denen Abdrücke genommen wurden, habe er — so erklärte Roscnblatt im Juni überhaupt nicht getragen. Riwka Feigin, die ihn ange/eigt habe, sei aus gewissen Gründen auf *einen Antrag bin aus der revisionistischen Plugah (Gruppe) in Kfar Saba ausgeschlossen worden. Aclii-Melr habe er zum erstenmal im April in Kfar Saba, Stavsky zmn erstenmal im Gefängnis getroffen. Der Staatsanwalt stellte hierauf an Roscnblatt einige Fragen, die seine Beziehung zu Riwka f ei. in betrafen, und zeigte Roscnblatt ein Wäschestück mit den Initialen B. Z. M. mit der Frage, was diese Buchstaben bedeuten, Roscnblatt erklärte, sie bedeuteten ״Brith Zlonlm Mecbapecbanim“ (״Bund revolutionärer Zionisten“). Fr habe der Polizei eine andere Erklärung hierüber gegeben, weil er den Schlüssel zur illegalen Immigration nicht preisgeben wollte, der in diesen Initialen liege. 1 Nachdem Rosrnhlatt einem weiteren Kreuzverhör unterzagen worden war, hielt der Verteidiger, Rechtsanwalt llorace Sarnuel, eine Rede, in der er den Plan der Verteidigung bezüglich der mit den von ihr geführten Zeugen darlegte. Die Beweisanträge beziehen sich auf die A I i b i - B e w e 1 s e Stavsky• und Rosenblatts, die Widerlegung der Verdachtsmomenie der Polizei und die Angelegenheit Abdul Mcdsebid beziehen. Fs solle durch Zeugenaussagen dargetan werden, daß «Iie Aussage Frau Arlosoroffs unrichtig sei, da sie In den ersten beiden Stunden nach dem Mord davon überzeugt gewesen sei, daß einer der Attentäter ein Araber war oder zumindest arabische Kleidung trug. Rechtsanwalt Samuel versuchte weiterhin naehzmveisen, daß ein polltlicher Mord überhaupt nicht in Frage komme, da derartige Morde in der Regel nach einem genauen Plane aiisgefülirt werden. Dr. Arlosoroff, der damals soeben aus Europa zurückgekehrt gewesen sei, habe den Spaziergang jedoch erst unmittelbar vorher mit seiner Frau beschlossen und niemand habe davon gewußt. Der Verteidiger erklärte, die Mörder könnten keinesfalls Juden sein. Wir tragen hier noch einen Teil dos Berichtes nach, der wegen Raummangel» in der vorigen Nummer zurllckgestcllt werden mußte. Am 15. Mai wurde die Vernehmung des Leiters des Kriminalbiiros, Hauptmann Rice, fortgesetzt. Der Zeuge schilderte den Verlauf der Identifizierungs-Vorführung von Poliz.eihäft* lingen vor Frau Arlosoroff. Er erzählte, daß er am Montag nachmittag nach dein Mord im Joffner Gefängnis 16 Juden und Araber vor Frau Arlosoroff antreten ließ. Als diese an Stavsky herankam, sei sie in Ohnmacht gefallen. Die zweite Identifizierungs-Vorführung habe im Gefängnishot stattgefunden. Diesmal seien die 16 Gefangenen an Fratl Arlosorolf vorbeigegangen, die erklärt habe, sie erkenne Stavsky an der G a n gart als einen der Täter. Später wurden einige der 1h Vorgeführten in ein Zimmer gebracht, wo Frau Arlosoroff Stavsky aufforderte, die Worte ״Kama Hascliaah“ aus/iisprechen. Als Stavsky diese Worte sprach, habe sic zu I latiptmann Rice gesagt: ״Haben Sie bo merkt, wie er seine Stimme verstellt hat?“ Im Ver* lauf seiner weiteren Aussagen teilte Rice mit, daß Frau Arlosorolf am 29. Juli in seinem Büro Rosenblatt, der unrasiert gewesen sei, getroffen habe. Nachdem sie ihn einige Minuten angesehen hatte, erklärte sie, ihn mit Sicherbeit erkannt za halnm. Sie habe um Erlaubnis gebeten, mit dem Gefangenen sprechen zu dürfen, und ihm aut Deutsch gesagt: ״Sie sind so jung, warum sagen Sie uns nicht, wer hinter Ihnen steckt.“ Am 9. fanuar, fuhr Ifauplmann Rice fort, habe Suhlii Zahlawi ihm berichtet, daß Abdul Medschid mit ihm im Gefängnis über den Mord an Dr, Arlosoroff ge* sproclien habe. Ain nächsten Tage wurde Abdul Medschid mit Suhhi Zablavvj konfrontiert. Zunächst erklärte Abdul Medschid, er habe nichts auszusagen, später aber legte er sein erstes Geständnis ab. Als nachher Abdul Medschid und Issa cl Derwisch mit anderen Gefangenen Frau Arlosoroff vorgdührt wurden, erkannte diese keinen der Vorgcführten als einen der Täter. Im Verlaufe der weiteren am Montagnaelimittag (14. Mal) durcligefiihrten Verhandlung gab der Zeuge Haiintmarin Rice Antwort auf eine Reihe weiterer Fragen des Verteidigers. Hierbei wurde auch die Rolle der Riwka Feigin erörtert, die die Anzeige gegen Rosenblatt erstattet halten soll. Der Zeuge erklärte, die Fei :in habe um die Erlaubnis gebeten, Roscnblatt zu besuchen und habe dann ausgesagt, daß Rosen* blntt ihr gegenüber einiges cingcstandcn habe. Der Verteidiger fragte ferner, ob Hauptmann Rice über die Aussage des Polizeikorporals Scharmeister informiert worden sei, der berichtet hatte, Frau Arlosoroff habe ihm am 16. Ammst zu Öhren gekommen, aber es seien bestimmte’ Verdachtsmomente gegen Araber nicht vorhanden. Trotzdem seien 25 verschiedene Spuren im ganzen Lande und auch In Aegypten und Syrien verfolgt und Nach* ioracliungcn angcstcllt worden. <

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.