Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 41-42 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653490--25255-2682381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 2× ep/1000826
OCR text
I lllli' Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr• 41/42■ 25. V. 1934 Frankfurt und Jerusalem Bcridtt über eine Veranstaltung orthodoxer luden Frankfurt a. M., im Mai. Man kann nicht sagen, daß die zweite Veranstaltung der Agudah im grollten Saale Frankfurts mit Dr. Isaak IS reu er und Jakob Hosen heim als Rednern eine Wiederholung der ersten, über die liier (״lihl. Rundschau״ Nr, 35) berichtet wurde, gewesen sei. Diese Kiindgcliimg batte zwei Aufgaben zugleich zu erfüllen, Sic diente einerseits dem politischen Zweck, die wicilcrliergcstclltc Lltiigkett zu demonstrieren, in Ihrem wuchtigen Aufruf an die gisd/cstreue Judenheit pro* blamierte sie den Anspruch, daß Frankfurt auch weiterhin die Hauptstadt der gcsct/cstrcuen jüdischen Welt zu sein wünsche, Aber sie diente einem weiteren Ziel. Kenner der Materie baden die erste grolle Hede Breuers nicht mißverstanden. Immerhin war die positive Schilderung des In Palastin,׳! Oe* leisteten, die Anerkennung der Gegebenheiten, die Würtligung der liLslorischen Funktion Theodor Her/ls, von vielen als eine Art Bekenntnis zum Zionismus miß verstanden worden. Fin erstauntes Raunen war durch Frankfurt gegangen, — Nunmehr kam die Interpretation; sic erfolgte, indem der Findruckswcrt des ersten Vortrags dieses Mal durch Wegl.isscn der positiven Schilderung vermieden und eine vernichtende kritische Auseinandersetzung mit den ״säkularisierenden" zionistischen Ideen vorgcnommeti wurde, _ Dem ״Balknnslaat“, den der Zionismus in Palästina zu errichten im Begriffe ist, setzt Breuer seine politisch-religiöse Vi sion, den ״Gottesstaat“, entgegen. Vom Wunder der Bnlfourdeklarutbn tief betroffen (seit wann?) sieht die Orthodoxie die neuen Tatsachen, es ruft das Land, die Araberfragc schreckt ihre (!) heroische Jugend nicht. Zugleich drangen die Völker unseren Aufbruch, der Zio- «Ismus, aiifhruchshereit, antwortet mit dem zeitgemäßen Ruf nach nationaler Selbstbesinnung. Aber auch Er et Israel ruft. Will die Orthodoxie heim? — das ist die Frage. Diese Orthodoxie kämpft seit Mcndclsahn einen schwcren Kampf. Zuerst gegen die Neologle, die das Wort, die Nation und das Land leugnete. Dieser Kampf wurde abgelöst von dem mit dem Zionismus, der, da er Oe- «esung vorder Somlerexistcnz wünschte, zu diesem Zweck diese drei Konkretisierungen nicht leugnete, sondern vcrweltlichte und annektierte. Der Kampf gegen diese Vcrwelt- ]iciumg muß mit geänderter Methode geführt werden, nämlieh der Methode des ״Erobcrungswillcns“. So ruft also Erez Jisroel! Der orthodoxe Führer steht heute offensichtlich 111 einem Widerstreit seiner Gefühle, immer dann, wenn er zionislisclien Begriffen nahekomnit, entweicht er dieser Gefahr sofort, indem er sich in die unabhängige orthodoxe Theologie fluchtet. Sein schweres inneres Zerwürfnis ist dem Hörer greifbar wenn er, von der zionistischen Begriffswelt — trotz, allem —• .sichtlich beeindruckt (was ihm sein Korreferent mit verständlicher Andeutung auch vorhielt), manchmal einem Trcnmmgsmisradiisnius nahekomnit, um sich gleich darauf, das Gefundene mit eigener Kritik zerstörend, in die orthodoxe Ligenwclt zurückziifindcn. Der Widerspruch, daß das Werk des ״Baunch Jeruscholajim“ das Böse sein soll, kommt dem Redner zum Bewußtsein, er verteidigt seine These mit einer gedanklichen Konstruktion, die genau so Mensehenwerk ist, wie die Lehren zionistischer Autoren. Daß Gott sich des Umwegs über den Zionismus bedient hat, um die Ortbodoxie für Frez Israel zu wecken, ist eine sehr subjektive Deutung, der man genau so subjektive Deutungen entgegenstellen kann. Vielleicht ist ihre Funktion beendet? Wenn der ״Israelit“ (Nr. 20) den Gedankengang zuspitzt und erklärend sagt, daß die göttliche Vorsehung sich auch des Bösen als Werkzeug bediene, so kann man ergänzend liinziifitgen, daß sie sich häufig auch des Guten bedient, und das Urteil darüber, ob die zionistische Bewegung der einen oder der anderen Kategorie zuzurcciinen ist, stellt uns genau so zu wie dein orthodoxen Zentralorgan. Daß diese Orthodoxie ein geeigneter Eroberer und Volkserzicher sein soll, hat sic Im Kainpt mit der Ncoiogie jedenfalls nicht bewiesen, deren Entlarvung und Erledigung itn wesentlichen eine zionistische Leistung und die des religiösen Flügels im Zionismus ist. Der Zionismus hat es sich leicht gemacht, indem er sich auf Palästina konzentrierte und das Gaiuth verließ? Um so eher wäre es Aufgabe der Orthodoxie gewesen, hier eine Funktion auszuiiben und die assimilationsidcoiogisehen Konstruktionen, die das Gaiuth erzeugt bat, zu zerstören. Der Zionismus hat dieses Gaiuth als Gaiuth beschrieben und an Stelle der religiös-metaphysisch verbrämten Verbundenheit mit ihm, die das geistige Fundament aller assimilatorischen Ideologien ist, ein sozialwissenschaftliclies Thema aus ihm gemacht und jene Erkenntnisse durch Analyse gewonnen, aus denen der zionistische Wille stets neu entsteht. Diese Spielart der Orthodoxie hat cs nie verstanden, den umfassenden Charakter der nationalen Bewegung zu begreifen. Sie hat den Begriff der Assimilation nicht erschöpft, und die galuthgewacliscnen assimilatorischen Theorien haben sic nie dort gestört, wo die Verbundenheit mit Form und Ritus blieb. Die Totalität jüdischen Lehens kannte sie nicht,_ lind sie hat an dem Assimilantcn der Gegenwart nichts kritisiert als seine Negierung der Details der Religionsgesctze, So haben manche ihrer Führer bis heute keine Gewissens* bedenken, assimilatorischen Verbänden führend atmigehüren, So lialicn sic die zionistischen Analysen der Judenfrage auch dann und dort abgclelmt, w'cnn die Ergebnisse mit religiösen Fragen gar nicht, kollidierten. So haben sie nie Bedenken gehabt, die assimilationslreundlichen Tendenzen der früheren Staatspolitik zu fördern, und ein Blick auf den Vorstandstisch, wo Herr Dr.. Pinchas Kolm mitpräsidierte, rief unverjährtc, instruktive Erinnerungen wach. Ep hat seine guten Gründe (von Breuer nicht erkannt, jedenfalls nicht erwähnt), daß man sich heute propagan* distiscii derart bemühen muß, die Orthodoxie für Palästina zu gewinnen. Dieser Lebensstil, diese Unbeweglichkeit, wird nicman« dem vorbildlich sein, insbesondere denen nicht, die die religiöse Problematik im Leben des werdenden Landes seiir wohl begriffen haben. Wir wissen sehr wohl, daß cs nicht nur wesentlich ist, d a ß eine Sprache gesprochen wird, sondem was in iiir gesprochen wird, aber wir protestieren, wenn ein Kritiker das lebendige Hebräisch als Sache ״des täglichen Bedarfs“ diffamieren will. Der Zionismus, der die Kontinuität des geschichtlichen Judentums weiterführen will, der den ״Ruf des Landes“ gehört hat, als andere gerade dies schon als ״Säkulnrisierung“ bekämpften, wird nie die legitimen Kräfte jüdischen Lebens unterdrücken. Wer heute von Palästina spricht, muß wissen, daß er nur eine Momentaufnahme gibt. Wir wissen, daß das kulturelle Lehen keineswegs voll entfaltet Ist, und wir sind in dieser Hinsicht viel unbescheidener und fordernder als die Trcjiiiuiigsorthotlaxic, die mit Form und Ritual bereits zufrieden zu sein scheint, sonst würden ihre Führer wissen, daß sie Ihre Kritik zumindest paritätisch zu vctteilen hätten. Summarisch werden die Nuancierungen der zionistischen Lchrmcinungcn in kultureller Hinsicht auf einen Generaln,?nn״ gebracht und gar nicht die Tatsache gewürdigt, daß die Vorstellung der Einzigartigkeit des jüdischen Schicksals, da; jüdischen Aufgabe und de* nationalen jüdi* ׳, F״f •י־ חיץ ס ' *י j ,</ רי" , v : p| ודיין ף;׳ '^**8!8 ya ןן י In der Lessiiiglmcliscliule hielt Professor Wilhelm Hauer, der Führer der ״Deutschen G I a 1111 cnslicw e g u n g“, zwei Vorträge, von denen der erste die historischen Grundlagen des deutschen Glaubens gab, während der zweite da* Thema ״!> er Unterschied r w i * c h c 11 n r I s c h er u n d v o r d c r a s i a 11 8 c 11 * 8 c in 11 i s c 11 c r Religiosität ln׳• handelte. Der Ocdnnkengang Hauers Ist •folgenden Typisch für vorderasiatisch-semitische Religion sind Judentum und Christentum, Beide weisen irlhstverstämlllch starke Ver* scliieilcnlieitett voneinander auf; Insbesondere hat das Clirlatcn■ tum durch die Person Jesu seinen eigenen Charakter bc* kommen. Aber gemeinsam ist Christentum mul Judentum das semitische S e e 1 en t tun. E* sei bezeichnend, daß heute noch von christlichen Kreisen das Alte Testament verteidigt werde: das sei das rassische Verhängnis des Christentums, (Ganz abgesehen von dem Widerspruch, in dem diese Haltung zur Aricrgesct/gebung stehe,f — Arischen Glauben setzt Ilauer gleich mit nordischem Glauben. Fr gellt davon aus, daß es zwischen allen Rassen bestimmte menschliche (i e 111. cl 11 s a 111 k e i t c n gibt. Sowohl in der semitischen nls nach itt der nordiicUen Sphäre kann echter Glaube In höchster Gestaltung sein. So wie die logischen Gesei/e In den Menschen aller Russen gleich wirksam sind, so gibt es auch im Sittlichen ein allen gc* «!einsames GruiidgcfÜge; Ehrfurcht, Gewissen, Gerechtigkeit, Liebe, das Gesetz des Opfer* — dies sind Grundhaltungen, die sich überall niifwclscn lassen. Ebenso gibt es ein religiöses U r p 11 ״ n om en; ein gemeinsame* Grutulgcfüge durchzieht alle Religionen, überall bestellt der Glaube, daß cs einen tragenden Grund der Welt gibt. Nur erlebt ihn die eine!Lasse als persönlichen Gott, eine andere etwa als Schicksal. Ls gilit überall die Oottbc/ogcnhclt der Welt, das Gchnlteiisein des Weltcnlaufs an die tragende Macht, den Er- Icbnisgcgcnsntz zwischen Mensch und Gott, das Erlebnis der Unordnung 111 uns selbst (die auf der einen Seite als Erbsünde, auf der anderen als dns menschliche Schicksal, ohne das man nicht Mensch sein kann, empfunden wird). Erst von diesen Gemeinsamkeiten aus lassen «Ich die Vers c 11 i c d e n 11 e i t e n begreifen, wie die Rassen das religiöse Erichen ihrer Anlage gemäß gestalten. In der 8 ein i t Fs c 11 c n Welt ist die letzte Wirklichkeit (Gott) stets persönlich. In der arischen Welt wird der persönliche Gott zwar nicht geleugnet, aber an Ihm doch nicht so starr fcstgch,alten, «andern mehr dns U eherpersönliche betont. Die Erfnlmutgsform In der arischen Welt ist dynamisch; der Arier hat eine instinktive Abneigung gegen Dogmatik; er empfindet sic als eine Ehrfurchtslosigkclt gegen die lebendige Wirklichkeit. Die Festlegung eines Erlebnisses widerspricht dein arischen Gefühl. Der Arier ist abhold jedem Absolutlieitsmispruch. Es Ist nach Meinung des Vortragenden kein Zufall, daß die arischen Inder trotz vlelhundcrtjährigcr Misslonsverstiche keine Christen geworden shid, weil diese Religion Iiir sie artfremd sei. Den Völkern sei ihr Glaubensschicksal gesetzt. In der arischen Welt herrscht das Ein hclts erleben, während das Christentum die Welt zerreißt (Diesseits und Jenseits, gut und böse). Da« kosmische Wcltgefiihl sei durch das Christentum vcriorcngegangcti. Für den Arier bedeutet aber das Nnltirgcscliciicn mehr als Prophetcnwort und Predigt. Auch hat der Arier eine Abneigung gegen das W u n d e r, weil er eine zu große Ehrfurcht vor der Welt- Ordnung hat. Der Semit Ist lebensängstlich, der Ai!er weltoffen und geborgen Im Leben, dem er sich hingibt, er bejaht das Leben und die Dasclnsfreude. Semitisch ist die g 0 11 g c 11 o r s a in e, demütige r o i s c 11 e I l.dlung, die den Mut aufhriugt. Erst in di wem Mute iltuug; 1 «ד•) «risch d:e l. zum I eben und /Ur 0t <־ erfahrt man t)׳,c ״,. u׳'.t Seins״. Der Arier mag die Welt nicht Harm׳״״!i haben, kein Friedensreidi, sondern er lieht den Kam״( Kampfluiltung in Verbindung mit der Hiiigegcheiihcjt , if|! Ucbcrpei'fiönliclie nennt Dauer die ״oiilisdie’ l'nr.1' 11,1 arischen Menschen.) Der Arier hetont erwächst die GoUuniiiitidbarkelt, die bedarf. (Hauer erkennt an, dnll in dieser fahr liegt: nämlich die Gefahr der An in , ... »Mt" das ״Silbn"; d!.. "‘"1י־ Miltk-'r, ״iw titit Q(1 aßung.) Zum Schluß wandte sich der Redner dem Wahrhft Problem zu. Die Frage ״was Ist Wahrheit" hält l1',1' theoretisch unlösbar. Zur Ltitsclii'idiing hilit allein tjj« ן, zum eigenen Seihst". Die Wahrheit Wahrheit des anderen, Fs ist zu nicht 1r *> vom lt; . fta nt. litt des einen ist unterscheiden י!,«■״ Wahrheit und Wirklichkeit, die Wirklichkeit ist die Bdr ö5 von der Sünde, und zwar unabhängig von der sondern mir abhängig vom Sein des Menschen. N! dieser L c t) c n s w i r k I i ch k'c i t her, nicht tcllekt wird die Wahrheit entschieden. Die Ausführungen Professor Hauers waren in sehr u jektivem Geiste gehalten. Aber es war eine Glückt״«‘ die vom Standpunkt strenger Wissenschaft her ni ht befriedigen will, weil sie nicht historisch orientiert Begriff der Raascnscclc ist substantiell nicht er faßbar. Dies geht besonders deutlich aus dem von Pri fcssar Hauer gewählten Beispiel der Inder hervor. י1א «einer Auffassung hätten sie eine Religion annchmcn misst'I die durch eine heroische Grundkonzeption charakterisiert? Tatsächlich jedoch sind die Inder teils Buddhisten, p - Mohammedaner, d. h. sic gehören zu Religionen,!;“, alles andere denn eine heroische Lebensauffassung häbcti Auf der anderen Seite denke man an den verzweifelt Kampf der mohammedanischen Araber um die I)urchsetzurihres Glaubens, und man wird zugeben müssen, daß D• eine Haltung vorgeltetrsclit hat, die man nach den bkt:» geltenden Begriffen durchaus als ״heroisch" bezeichnen md Auch scheint uns die Charakteristik der semitischen Reigen in vielen Punkten fehl/ugciicn. Einmal ist es nicht rieht;; daß in semitischen Religionen, zumindest im Judentum, ״lebensängstliche“ Haltung zu allen Zeiten vorherrscht. Fin• solche Haltung ergab sich erst sehr viel später im Zeitalter der ausgehenden Antike, als die gesamte antike Welt von einer großen Lebens m fi d i g k c 11 erfaßt wurde. D« L c b c 11 s g e f ii 111 eines Abraham oder eines David in ein ganz anderes als das des Kobcict oder des Daniel; doeli gehören sie alle zu derselben Rasse. Entscheidend aber Ist nicht dies, sondern vielmehr, daß sie verschie• denen Epochen angeboren, Auch scheint die starrt Scheidung zwischen der semitischen ,,persönlichen" Gottes* auffassung und der arischen ״unpersönlichen" nicht ganz ntreffend zu sein, denn die alfgcrmnnische Ontterwcit wirt doeli eigentlich ebenso wie die griechische Göttcrwelt 3k durchaus persönlich empfunden. Andererseits ist die lehre des Judentums von dem unsichtbaren, unvorstellbaren und nicht faßbaren Gott doch zumindest eine starke An* näherung an die fiberpersönliche Oottesiuf• f a s s u n g. Man könnte sogar der Meinung sein, daß sie die höchste Ausprägung dieser unpersönlichen Auffassung kt Aber eine restlose Unpcrsöniichkcit Oottes ist ja nicht mög• lieh, solange noch irgendeine Beziehung zwischen Mensa Und Gott besteht. N. sehen Bewegung ein sehr lebendiger Bestandteil de* zlo• nistisclien Bewußtseins kt. — Dieser ganze Gcdankengarig Ist schließlich noch fort* schritilicli gegen die Rede des Korreferenten. Hörten wir aus dem Munde des ersten Redners vom Werk des Baunch Jeruscholajim, so erfuhren wir von dem Führer der Weit- Orthodoxie Jakob Rosenhelm, daß das alles gar nichts ist: ״Mit gestohlenem Samen kann man auch Früchte ziehen.“ . Jeder Versuch einer Verständigung Ist hier aussichtslos. Das ist eine andere Welt. Diese Richtung, die das jüdische Land erobern will, wird sich in Ihren Enkeln nicht mehr Wiedersehen. Eine naive Retliorik verleitet den Redner, von den Ideen zu sprechen, die wir uns Im Laufe unseres Weges durch das Gaiuth assimiliert haben. Wer das sagt, wird es schwer haben, den politischen Zionismus als eine Form illegitimer Assimilation zu erklären. Warum durfte das jüdische Volk sich gerade d j c s e Idee nicht assimilieren, die solche Kräfte in ihm ausgelüst bat? Jawohl, man hat sie als ein ״Geschenk Europas an das Judentum" bezeichnet. Sic Ist geboren aus der Assimilatiori, die sie überwunden hat, und nichts bindert sie, heute tief in sich hineinzuhorchen und sich seihst zu erkennen: Die zionistische Bewegung hat einmal Uganda abgclelmt und ging nach Zion, dem ״Ruf des Landes“ folgend. Sie hat damit die!nächtigste Anknüpfung 011 die Tradition vollzogen, tlic denkbar ist, die Anknüpfung an die Kette jüdischer Generationen, deren jede nicht nur ein Erbe zu wahren, sondern sich auf neue Weise schöpferisch zu be* wahren hat. Das ist die Differenz: von Beharrung und Bcwegung, die uns nicht nur von der vulgären Assimilation, sondern auch von jenen trennt. Dr. Hans Pomeranz. Eröffnung der amerikanischen Hilfskampagne für deutsche Juden New York, 14. Mal. (J.T.A.) An der am Abend des 13. Mai im Comodore-Hofcl zu New York unter dein Vorsitz Felix M. Warburgs abgclinlteiicn Versammlung, mit der die amerikanische 1 iilfskampagne fiir deutsche Juden eröffnet wurde, nahmen 2700 geladene Gäste teil. Der Oberkommissar für Auswandererfürsorge James G. Mac Do na Id hielt von Rom aus durchs Telephon eine Ansprache, in der er eine ausfiihrliche Schilderung der Lage der aus Deutschland in die umgebenden Länder Ausgewanderten, insbesondere der Intellektncllcn, gab und auch auf den unter der jüdischen Bevölkerung Osteuropas herrschenden starken Auswanderungsdrang hinwies. Die Sehnsucht nach Palästina, und die Hoffliung, sich dort niederiassen zu können, sei in Huiidcrttausenden von Juden Polens lebendig. Alles, was die Aufnahme־ f.ilügkdt Palästinas vergrößere, trage zur Lösung des Problems der Ausgewanderten bei. Amerika müsse auch alle Anstrengungen machen, um die religiösen, philanthropischen und kuiturellcn Einrichtungen der Juden m Deutschland zu unterstutzen. Schwierig bleibe die Lage 11er Ausgewanderten in den an Deutschland angrenzenden Ländern. Die dortigen Hilf*- konutccs seien mit auswärtiger Hilfe imstande, die tägliche Hiifsarbcit durchzuführen; für Umschulung, Auswanderung und Ansiedlung in Palästina und anderen Lindern aber seien größere Beträge aus Amerika und England erforderlich. Die politische Umwälzung in Lettland und die Juden Riga, 16. Mal. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit der Vee kümluiig des Ausnahmezustandes bis zur Fertigstellung der neuen Verfassung wurde neben der faschistischen und marxistischen Presse auch die re vi s i 0 n 1 s t is ch e T a g es* Zeitung ״A b e n d p o s t“ verboten. Das Volkshau» de» ״Bund“ (nntizionlstischc Sozialisten) und der Perei• Klub wurden geschlossen. Warschau, 22. Mai. (J.T. A.) Ucbcr die politische Umwälzung in Lettland und ihre Rückwirkung auf die )״• disclie Bevölkerung wird eine ausführliche Darstellung *0« einer mit den politischen Verhältnissen besonders vertraut«1 Persönlichkeit gegeben, die aus Riga in Warschau eingctrofW ist. Der Gewährsmann erklärt u. a., die Umwälzung sei au« für diejenigen, die mit ihrer Möglichkeit gerechnet ha!?1? überraschend gekommen. Durch die politische N’ciiorditiinf sei Ministerpräsident Ul m an iS, der auch zur Zeit dff Proklainicrung des lcttlämiisclien Staates an der Spitze «״ Regierung stand, zum Diktator in Lettland geworden, Mi׳•1׳15״' nräsident U I m a n i s, der Führer der Bauernpartei, st?" letzt zum achtenmal an der Spitze der Regierung. Was Stellung zu den Juden betrifft, so darf darauf liiuge״»1'״ werden, daß die früheren von ilmi geleiteten Regienmp sich auf die nationalen Ml 11J erhciton, jii-sbesonito auch auf die Juden, zu stützen pflegten. Diese m i״«c׳ h e i t e 11 f r e u n d 1 i c 11 e Haltung Uluianis' hat ihm viw6‘ holt scharfe Angriffe seiner Gegner eingetragen. Die Einstellung des Ministerpräsidenten zu den JftW und zu den Minderheiten im allgemeinen läßt jedoch «11l Schluß auf die Haltung des G e s .ו tu t k a b i 11 e 11 s nid״ j Es ist nocli völlig unklar, wie die neue Rcgienint: 1"» politischen Kurs gegenüber den Juden gestalten wiril. auch Ulmanis bisher keinerlei antisemitischen Tenilen/c״ ' ‘ digte, so hat er docii jetzt in sein Kabinett Persönlich»1'11 mitgenommen, deren antisemitische Gesinn״״? feststellt. Vor allem trifft dies mit den stellvertretenden ׳ “ «Istcrpräsidcntcn M. S k 11 j en c k und auf den U״t<TflC G minister Prof, A 11.1111 o w i t s c 11 zu. Minister Skujciu‘» seit jeher einen Kampf tun die Einschränkung der a1|ge1|,׳c ' ,.Privilegien“ der nationalen Minderheiten, unter ihnen a״d' ‘ Juden, gefühlt, insbesondere hat er sicli für die Linse־ ׳)״ k u n g der S c 11111 a 1: t o n o mit־ der Mi » d e r nc' (> und für die Zurückdrän gungder J u de n au «‘ 8 c h a f 11 i c h c ni Gebiet eingesetzt. Schon jetzt ist ״e ' geworden, daß das Ministcrkabiucti sich mit einem entwurf befaßt, das die Einschränkung der Rechte der ״ heiten im Schulwesen und in der Verwaltung vorsicm• Da die Tätigkeit aller Parteien, Organisationen uru Seilschaften eingestellt wurde, kann zurzeit in Lcttiani R״j{ einer Entfaltung jüdisch-öffentlichen Lebens kaum ‘"D״ jst «ein. Dem Verbot der revisionistischen ״Owntpo- « das anderer jüdischer Zeitungen, wie des ״F r 1 rr! ' Und ״Beitog“ gefolgt. Die einzige jüdische Zeitung augenblicklich in Lettland erscheint, ist das von ad herausgegebene Wochenblatt ״Unser Stirne■ «atmtienhang mit der Aktion gegen die lettlänm«: zialisten wurden auch zahlreiche Führer der jüdisc beiterpartei ״Bund“ verhaftet 1